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Full text of "Schriften"

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ÄArifttn 



^ernu5 für iUeformattoiiiJjjf fd)t(l)te. 



XXII. galjröang. 



Sßereingjatir 1904 — 1905. 



3m tommijfiongoedag üon 9luboIf §aupt. 




^8 



3 n 1) a 1 1. 



©c^rift 82: 

(5. i). 5(t)ultl)rB-Hftt)bfrg, ilcinriri) iSnUinijtfv bcr ltnd)fol5CV 

Siöinglie. 

(Schrift 83: 

Dr. (5. (£f(cl!)naf iinb Lic. Dr. Ul t)iel)l, lloiirägt, iicljaltcu 

fliif bfr VII. (Ticnfrnlucrrnmnilnng ^rö tlcrciiis für Urform attons- 

iurd)id)tc am 7. ^prtl 1904 tu i\(\M. 

@d)rift 84: 

U. JHiilot, 3oliu f.nor, löOo— 1572. (Ein (Erinnmnigölilrttt jur 

üirrtcn 3rntcnarfficr. 

©c^rift 85: 
X ftortc, t)ir ßoiijUspolitih ßoilsV.iii bni 3al)rfu 1538— 1-343. 



ftct nachfolget? Swinglts 



üon 



<Suftat> t)on 5c^ttlt^cfe*Kcc^bet;0 



-lem^:- 



i^aUf n. 5. 1904. 
^ßerein für ?Reformation§gef(f)id)te. 



3nl)alt. 



Seite 

1. 2;te Slnfönge 1 

2. 23u(Itnger§ religiöfe ^enftüetfe 11 

3. SSulIitigerg ffl^irffamfeit in ^ürtd) 31 

4. S3uIItnger» 2}er^ältni§ 311 anbereii eüangelifcf)«! Äirc^en 51 

5. ^4JerfönIicöe§ 90 

Slnmcitungen 99 



„ßtüingli unb üiele treffliche unb gelehrte Wämm fielen bei 
ber 95erteibigung be§ 5ßaterlanbe§, ber ^ir^e unb ber SBofir^eit. 
!Run [te^t bie gürdierifc^e ^irc^e feft unb niäc^ft im ©tauben unb 
in ben (Sitten, in ber Se'^re unb im öffentlichen 2Bo()Iftanb, fobofe 
niemals §anb unb ^er^ ftärfer waren. S)urc^ @otte§ ©nabe 
empfingen mv an ßminglig (Stelle einen jugenblic^en 53ifcl}of, 
tinen föftlid^en SD^ann, fromm, rec^tfc^affen, geletjrt, treu unb f)in= 
gebenb, einen unöergleid^Iii^en ^rebiger, n)el(f)er burd^ fein Set)r* 
mort büt)eim unb burct) feine ©c^riften brausen in ber gongen 
e^riftenfieit fic^ a(§ 9Kann @otte§, öoUer ©oben auSUJeift." (So 
fcfiilbert ein ^^itgenoffe, ber 3ürc^er=5;^eoIoge ^onrob ^eüifon 
au§ eigener Slnfc^ouung SuüingerS perfönlic^e S3ebeutung unb 
gefc^icf)tlic^e (Stellung.') 

1* ^ic Anfänge. 

^einric^ ^ullinger mürbe om 18. Suli 1504 in Sremgarten, 
einem (Stäbtc|en in ben oorgouifc^en „g^reien Slmtern" geboren.2) 
(Sein Später Ujor ber OrtSgeiftlic^e, jugleicf) ®e!an eine§ oul= 
gebef)nten (SprengetS, bie 9JJutter entftommte einer S3ürgerfQmiIie. 
®£)renl^aftigfeit, 3;üc|tig!eit unb ©oftfrei^eit öerlietjen bem §aufe 
ring§ im Sanbe 5Infef)en. 2)er Sefon ^uHinger mar eine flare, 
männliche 5Jiatur. (Sr fc^IoB feine @t)e im 2Biberfpruc^ mit ber 
!ircJ)Iic^en (So^ung unb ergmong it)r fittlic|e 2lner!ennung burc^ 
bie Sf^ein^eit be§ SSer^öItniffeS unb burc^ feine perföntic^e Söürbe. 
3)em 5lbIoBl)änbIer ©omfon, melc^er im gebruor 1519 burd^ biefe 
©egenb jog, öern)ef)rte er ben Eintritt in feine Äird^e, unbetümmert 
um ben Untt)iIIen einftufsreicfter 9J?änner unb ben Sannflud^ be§ 
pöpftlicfien (Senbling§,3) 



®ie beiben älteften ©ö^ne bei 53uIIingerfd)en ^auje§ geigten 
eine ungeftüme 2trt. 2)er §tüeite ging in bem tt)ilben jd)tt)eiäerijc^en 
©ölbnertum unter, ber erftgeborne, 3of)anne§, »elc^er fic^ bem 
^riefterftanbe n)ibmete, rang fi(f) nur atlmäi)ü(^ unb infolge 
bitterer (£rfat)rungen ju ftetigem SSefen unb nü^üc^em SSirfen 
burd).') Um fo gefammelter ttjar §einric^§, be§ brüten, ©emüt. 
S3i§ ju feinem §mölften 3af)re blieb er bei ben ©ttern unb be= 
fuc^te bie ©c^ute feiner SSaterftabt. ®ann fanbte i^n ber SSater 
nad^ ber ffirer guten 3)i§§iplin unb ifirer tücl)tigen ßel)rfräfte 
lüegen gutbeleumbeten ©tift§f(f)ute öon (Smmeric^ am ^^ieber» 
9fl§ein. §ier Iraf er ben ©ruber So^anneS, weld^er t^m bie 
5tnfanglgrünbe be§ Sateinifc^en beibrachte. SSertraut^eit mit biefer 
(Sprache ber ©ete^rten unb gertigfeit fic^ barin auS^ubrüiJen, mar 
faft ba§ einzige ßiel, ba§ bie ®l)mnafien biefer^ßeit fid) ftec!ten. 
ßu (Smmeridf) mürben aud^ bie Elemente be§ ©riec^ifc^en gele{)rt. 
Sn ftrebfamen ßögtingen muBte bei ber !^umaniftif d^en 9^i^tung 
ber iSctiute bie greube an ber antifen Literatur erroad^en. ] 9Jf it ber 
ftrengen ßuc^t ber 5tnfta(t oertrug fid) ber junge SuIIinger teidjt. 
S)er a§§etifd)e Srnft, metd^er in if)r gemaltet ^u "Ejaben fc£)eint, brarf)te 
if)n §u bem ftiüen (Sntfd^IuB, bereinft ^artt)äufer gu merben.^) 

9^o(f) breijäfiriger 2tbmefent)eit fal^ er im g^ebruar 1519 
§eimat unb (Sttern mieber, !et)rte jebod^ im folgenben Spflonat 
nact) ©mmerid^ gurücE, öon mo er ein ©emefter fpöter feinem 
©ruber narf) ber Uniöerfität ßöln folgte. §ier blieb ©ullinger 
beinaf)e brei Sat)re. @r befolgte ben regetmöfeigen @tubiengang 
ber 5trtiftenflaffe, ber pf)i{ofop^ifc^en g^afuttät öon f)eute. ©in 
erfte§ 3at)r mibmetc er Iogif(i)en ©tubien an ber §anb be§ Strifto- 
tele§ unb feiner Kommentatoren unb ermarb fitf) bann ben Xitel 
eine§ 33accalaureu§. 9lac^ meiteren §mei ©tubien|a{)ren promo* 
öierte er a[§> 3JJagift?r, „ber @itte folgenb, ein S^larr mit ben 
anberen", mie ber fpätere SSeräd£)ter geteerter Titulaturen fid^ 
auSbrücft. Sie Uniüerfität Köln genoB in biefer ßeit ben 3fiuf 
ber bebeutenbften beutfd^en §otf)fd^u{e. ©ie !^atte fid^ jebod^ bei 
bem ©treit, in melcfien ber groBe ©eletirte 9?euc^tin in ben 
Sauren 1511—14 öermidelt mar, fo entfcfiieben mit einem bornierten 
9)Jöntf)§tum ibentifijiert, bafe fie bie junge ©ilbung ber Qnt gegen 
fic^ ^erauSforberte. ®er @egenfa| mürbe in Ki3In felbft fpürbar. 



SEBäf)renb bie einen ^rofefforen ben ^^robitionen be§ forma(ifttf(f)en 
mtttelalterlid^en SDenfen§ folgten, erfförten anbere if)ren (Scf)ülern, 
bie ©(f)olQftifer Ratten ben SlriftoteIe§ miBüerftanben unb if)r 
233tffenfc^aft§bctrteb fei „boS eigentüd^e §emmni§ ber wafjren 
<Stubien". SuUinger, ber für abftrafte§ ^enfen n)enig Stniagen 
befafe unb in (Smmerid) bereite einen -pauc^ l^umaniftifc^en @ei[te§ 
öerfpürt f)Qtte, n^uBte ba(b, ttjelc^en Se^rern er fic^ an^ufi^lieBen 
f)Qbe. ^^ri)ffemiu§, ?lrnoIb üon SBefel u. a. (afen über bie 2et)r= 
büd^er ber §umaniften @ra§mu§ unb 9fluboIf 5(gricota unb er« 
öffneten if)ren ßu^örern ein tiefere? SSerftänbniS ber ^idE)ter, 
3tebner unb 3)enfer be§ üaffifc^en Slltertuntl. S)er neu ermacf)te 
©inn für ta^ menfd)üd^ Sebenbige nä'E)rte ficf) au§ bem (SJeift 
unb ben ©eftalten einer 3^^*^ lüeld^e ber ©afeinsformen entbet)rte, 
bie man in ber @egentt)art al§ ©c^ranfe empfanb. ®ie ^riöat= 
leftüre 53uEinger§ galt ebenfo ben Sllten unb i^ren (Erneuerern. 
(Sine jener ftiliftif(^en Übungen, in benen ber fleißige ©tubent 
unermüblic^ toax, ^atte^eine SSerteibigung 9teu(i)Iin§ jum (Segen« 
ftanbe. (S§ barf nii^t befremben, bafe in feiner Stuf§ät)Iung ber 
SSorlefungen ber 9fiömerbrief be§ 5IpofteI§ ^auIuS 5tt)ifd)en ber 
?ineibe unb ben ©d^riften be§ ^lutard) erfd^eint. Sie 93ibel 
bebeutete für t)umaniftifd^e§ ©mpfinben eine OueHe antifer SSeiS^eit 
unb 2BQf)rf)eit neben anberen. 

ßut^er trat auf unb ftellte Seutfc^Ianb, ha§ fc^oloftifd^e unb 
I)umaniftifd^e ft)ie ba§^ unliterarifd)e, öor eine gro^e reügiöfe (Snt= 
frf)eibung. Sebe ©c^rift, bie au§ feiner ^eber flo^, jeber öffent« 
Ii(f)e ©(f)ritt biefer mit einem ©daläge ju n)eltgefd)idf)tüd^er 33e- 
beutung erfjobenen ^erfönlic£)feit mar eine neue 5Iufforberung, 
©tellung §u nehmen. Um'§ ^ai)v 1520 begannen auc^ bie Kölner 
©ele'^rten für unb ft)iber 2utf)er ju ftreiten. S)em 16iö{)rigen 
©tubierenben ber Strtiftenfa!ultät toavm bie O^ragen, um bie e§ 
fic^ f)anbelte, no^ gänjlid^ unbe!annt. 3)ie Slrt, tt}ie er fic^ i^nen 
nät)erte unb allmä^Iicf) gur ©ntfd^eibung geführt ttjurbe, ift ebenfo 
bejeictinenb .für feine geiftige ©igenart, wie bebeutfam für fein 
fpötereg religiöfeS 2)enfen. (Srft n)oIIte er bie bi§f)er in ©eltung 
fte^enbe X^eologie fennen lernen; er ftubierte bie ©entenjen be§ 
^eter £ombarbu§, ba§ gebräuc^üd)fte ^anbbutf) be§ fc[)oIoftifc^en 
©t)ftem§, ba§u ba^ (SJratianfd^e 2)efret, i)a§: grunblegenbe ®o!ument 

1* 



be§ überlieferten Ürc^Iic^en 9fiec^te§. Sa er bie Beobachtung 
machte, ha^ btefe ?Iutoritöten ftc^ auf bie Äirc^enüöter ftü^ten, öer* 
fen!te er fic^ in biefe unb ia§> in ber S3ibIiott)ef ber ©ominüaner, 
biß ein SanbSnmnn it)m äugänglic^ mad^te, gu jeber freien ©tunbe 
in e{)rt)foftomu§, 2lmbroftu§, Origene§, Sluguftin. S)abei fiel 
i^m ber Unterfc^ieb ätuifdien ben alten ^^eologen unb ben ^eit« 
genöffifc^en t)inftc^ttic^ ber aJJet^obe toie be§ Sn^attS auf. S)ie 
^ir^enüäter beriefen fic^ auf bie ^eilige (Sd)rift wie bie ©c^olaftüer 
auf bie tird)enöäter, ta^ füt)rte it)n fc^Iieilic^ äum ©tubium ber 
Sßibel, inSbejonbere be§ neuen 2:eftamente§. i)ie alten (Sjegeten 
famen babei feinen S3emüt)ungen ^u ^ülfe. ßugleicf) befdiäftigten 
if)n Sutt)erl 2;ra!tate öon ber „S3abi)tonifc^en ©efangenfc^aft", 
öon ber „greil^eit eine§ ß^riftenmenfc^en" u. a., foiüie 9JleIanc^t^on§ 
„ßoci". S)a§ (Snbe mar, ba^ er nic^t nur ben 58orfa^, ^or* 
tf)äufer äu tüerben aufgab, fonbern fid) überl^aupt oon ber „päp\U 
liefen ße^re" abtüunbte unb bie 9)ieffe mieb. ©o fteHt iöuHinger in 
feinem S^agebud^ bie (Sntmidlung bar, burc^ toelcfie er ein 5lnf)änger 
ber etiangelifc^en ©ac^e mürbe. @r fd^ilbert nur ba§ gormale 
be§ SSorgangS ; er fcfimeigt öon ben miberftreitenben (Smpfinbungen, 
öon bem 5Bect)feI ber Hemmungen unb ^Befreiungen, öon ben 
inneren kämpfen, meldie bei feinem tiefen @emüt unb ernftem 
©inn jeben ©d)ritt ber meitergreifenben Sfleflejion begleiten 
mußten. @in menig met)r ^ieröou löfet er in einem, menige Sat)re 
fpäter öon Poppet au§ an einen ©eiftlidtien gerichteten Brief 
burd^bliden.ß) 2Bir öerne{)men t)ier, baB if)m mancherlei 93eben!en 
in ben 2Beg traten: ©oüte ni(f)t neben ber l^eiligen ©dörift nad^ 
®otte§ Slbfid^t eine firdtiüci^e ^rabitton beftet)en fönnen? 9Jiit 
melc^em 9fted)t ergebt ein beliebiger ßf)rift ben Slnfprurf), ba^ 
er bie t)eitige ©d)rift öerfte^e unb richtig beute ? 3n bem (enteren 
^un!t beru'Eiigte if)n bie Überlegung, ba^ e§ unmöglich be§ ^eiligen 
@eifte§ Stbfirfjt fein !önne, unöerftanben gu bleiben unb bafe 
(5{)ri[tu§ ben Unniünbigen bie (SrtenntniS feiner SSat)r^eit gu- 
gefpro(^en 'i^aU. S)en ©d)Iu^ feines Berichtes bilben bie SSorte: 
„Sc^ ^abe mic^ nic^t mit gteif(^ unb Blut beraten, fonbern 
©Ott um feinen ®eift gebeten unb mit erneutem (Semüte bie 
Bibel äur §anb genommen, ©ie lefe id) nun für unb für 
ernftlic^." 5£Ber fo fpric^t, ber l)at in ber t)eiligen ©c^rift nic^t 



nur bte entfd^eibenbe 5(utorität für feinen 53erftanb fonbern oud^ 
S3efriebigung für fein ^erj gefunben. ®enno(^ wirb e§ babei 
bleiben, bafe Suüinger auf bem Sßege ber Sfteftefion jur et)an= 
geüfdien SSaf)r^eit gefüfjrt ujorben i[t, genauer auf bem SBege 
gefc^ic^ttic^en ^orfc^en?. S)ie (Stimmen ber 53eften, föetc^e bie 
©efc^id^te fennt, geugen für ba§ urfprüngüc^e (goangeüum, \)a§ 
gibt auc^ it)m ben 3)?ut, fid^ baran allein ^u f)alten. Slber e§ 
bleibt nic^t bei einem äuBerlid)en S5ert)ältni§. (Sine ein^eitlid^e 
S^Jatur, bei ber ba§ ©emüt fid^ oom 95erftanbe niemals trennt, 
fd)öpft er unmittelbar Seben^träfte ou§ ber OueHe ber Se^re. @r 
i)at oon ©tunb an „fein f)ö^ere§ ©ut auf ©rben" gelaunt al§ 
bie ^eilige «Sd^rift unb feine t)öf)ere 2eben§aufgabe al§ bie 5trbeit 
in i^rem S)ienft. 

Snt Slpril 1522 oertie^ ber erft 17 iö'^rige SJJagifter ber 
5lünfte bie Unioerfität, um nid^t mef)r baf)in äurüdguf eieren. S)o§ 
tf)eo(ogifc^e gac^ftubium, melc^eS auf bie 3Ragifterpromotion ju 
folgen pflegte, ^at er nidE)t erft begonnen, fonnte er bod^, feit ba§ 
fat^olifc^e ^ultuSmefen, inSbefonbere bie SOZeffe tt)m a(§ „aber=^ 
gtäubifd^ unb unfromm" erfrf)ien, nic6t baran benfen, ^riefter 
§u werben. 3^ür§ erfte freute er fid^, loieber im @Iternf)au§ in 
S3remgarten gu meilen, mo ber niemals müßige feine ftiüen ©tubien 
fortfe^te. 9?eben ber ^eiligen ®dE)rift fd^einen i^n bie SSerfe be§ 
2aftan§, ßt)prian unb Xertullian, ft)elc^e für fein tf)eotogifc^e§ 
SDenfen öon großer 33ebeutung fein follten, am meiften befc^äftigt 
§u t)aben; aud) fu^r er fort, (Sdiriften öon Sut^er ju lefen. 

3um beginn be§ folgenben Saf)te§ fanb er eine feinen 
©oben unb SSünfc^en entfprec^enbe Xötigfeit in bem unmeit 
Söremgarten gelegenen tlofter Pappel, ^er 5(bt, SSolfgang Soner, 
ein greunb ber Stubien, berief i^n a(§ Se^rer für feine Äon= 
üentualen unb einen Ärei§ lernbegieriger Süngtinge, bie er um 
ba§ Softer fammelte. ^öglic^ be§ SSormittagg f)atte Suüinger 
ben 9}Jöncf)en, bem ^bt unb einigen @e(ef)rten au§ ber Umgegenb, 
bie ficf) baju gefeilten, über ba§ neue STeftament unb über 
bie t^eologifc^e äöiffenfc^aft 33orträge ju galten. Sitte unb 
neue 5lu§leger, ©ra^muS unb aRelanrfjt^on neben §ieront)mu§, 
C£f)rt)foftomu§ unb Sluguftin unterftü^ten feine Sibelertfärung. 
ßur einfü^rung in bie tl)eologifc^e Sbeentnelt interpretierte er 



t)e§ (grasmus ^aradefiS unb ^ompenbium ber Xfjeotogie unb 
9JieIanc^tt)on§ Soci. Sn ben 9Zac^mittag§[tunben trieb er mit 
Süngüngen ©rammati! unb befpratf) mit it)nen tateinifd)e Slutoren. 
93on ben retigiöfen Übungen ber SJJönc^e mar er auf jeinen 
SSunfc^ bispenfiert morben. (£r pflegte mäf)renb be§ @otte§* 
bien[te§ in einem SBinfel ber ^ird)e ju beten. 

©eine fcf)öne unb erfolgreiche SBirffamfeit, bie Siebe be§ 
?lbte§, ber i^m ein 3Sater mar, unb bie greunbfc^aft einiger ton» 
tentuaten beglütften if)n. S)ie Sieblic^feit ber ©egenb ertjeiterte 
feine aj^ufeeftunben. (£r öerfic^ert fpäter, niemals gtücflic^er ge= 
mefen gu fein al§ in biefer ^^it. S3ei ber SSorbereitung auf feine 
SSorlefungen unb bei ber 2lu§arbeitung fdjriftlid^er Sluffä|e, ber 
er mit größtem (Sifer oblag, üärten unb befeftigten fid) feine 
Überzeugungen. Übrigen^ bürfte biefer flare unb früf) gereifte 
(SJeift fcfion beim Stbgang öon töln über bie mefentlicf)en fünfte 
be§ d)riftlid^en Ö)Iauben§ mit ficf) im reinen gemefen fein. 
Segiel^ungen §u ben @elef)rten ßürid^S ergaben fi(^ bei ber ge= 
ringen lofalen Entfernung unb bei bem offiziellen SSer^äItni§ be§ 
mofter§ äu biefer @tabt (eic^t. 65egen (Snbe be§ 3al)re§ 1523 
fa^ SnÜinger jum erften mal 3^i"9^i ^^"^ M\^^ greunb ßeo 
Sub. (Später mad^te er längere 3tufentl)alte in ^üxid), er be= 
nu|te biejelben l)auptfäc^lic^ §u feiner Sßeiterbilbung in ber 
l^ebräifcfien unb griec^ifd)en @prad)e. Sm grül)Iing 1525 ^ielt 
bie Sfleformation aud) in Pappel itjren ®inäug, bie S3ilber mürben 
an§> ber tirc^e entfernt. @in Sat)r fpöter legten bie 3JJönd)e it)re 
OrbenSfleiber ah unb öerfammelten fic^ gur erften Slbenbmal§* 
feier. (Sie oerlieBen bann allmül)lict) ba§ tlofter teil§ um ^farr= 
fleHen anzutreten, teil§ um §anbmer!e gu betreiben. S)ie Seftionen 
beg jungen „(5(^ulmeifter§" f)atten bie je 3Seränberung bemirft. 
^er zürc^erifc£)e Sf^at übernahm nun bie ©ebäube unb (Süter unb 
rid^tete l)ier ein (Seminar für fünftige ©eleljrte unb ©eiftlid^e 
ein. SSieberum mürbe ber Unterrid^t in S3uIIinger§ §änbe ge* 
legt. 2)o(^ foule er jugleid) bie na^e Pfarrei Raufen nerfel)en. 
Sm 51pril 1528 leiftete er öor ber jürd^erifc^en (Sqnobe ba§ Stmt§= 
gelübbe unb trot bann, nic^t of)ne ßöubern, biefeS neue 2lmt an. 

2)ie ®elet)tfam!eit unb Sü(f)tigfeit be§ £e^rer§ öon Äappel 
mor injmifclen aud) in meiteren Greifen beachtet morben. Sene 



fd^riftlic^en Slufjeic^nungen, in benen er ft4 einem 3Sin!e Gicerol 
folgenb, unabläffig übte, "Ratten eine n)eiterget)enbe Sebeutung 
erl^olten, feit [ie non feinen ßögüngen unb anbeten ^erfonen ju 
i^rer S3elef)rung erbeten njurben. (5in§elne öerbanften i^re ®nt= 
[te!)ung Slnfragen, bie über brennenbe religiöfe unb fir(f)(ic^e 
^^robleme an i^n gerichtet ttjurben, onbere fanbte er t)on fic^ au§ 
an Sefannte, bie einer Klärung i^rer religiöfen 2(nfcf)Quungen 
ober einer Sefeftigung im eüangelifd^en @(auben unb lieben gu 
bebürfen fc^ienen. Sn mondjem galle gaben bie Smpfänger fie 
n)eiter ober legten bem SSerfaffer nal^e, fie burd^ ben 2)ruc! 
größeren Greifen mit^uteiren. @o entftanben 33uIIinger§ erfte 
SSeröffentIirf)ungen : bie SSergIei(^ung ber ^e|ereien ber alten ^irc^e 
unb berjenigen biefer 3eit (1526), ber Sraftat über ben Urfprung 
bes Srrtums in Sachen be§ 2(benbmal§ unb ber 9J?effe (1528); 
eine ^ietf)obif unb (SncQftopäbie be§ @tubtum§ mürbe fpäter 
erft in ^ruc! gegeben. 3^ii(^^n \^^^^ prioaten unb biefen für ben 
S)ru(f beftimmten SIbtjanblungen befte^t ber Unterfrfjieb , boB 
in biefen ba§ ®efd^ic^tlicf)e üormiegt, mäi^renb jene bit Söfung 
ber bie Äirc^e bemegenben fragen, betreff enb bie $IReffe, bie 
^inbertaufe, bie Stutorität ber ^eiligen ©i^rift u. f. m. bireft in 
Singriff net)men. Hu^er ber Sflücffic^t auf bie üerfd^iebenen S3e= 
bürfniffe ber Sefer in biefem unb in jenem Qaü, mag bie Se= 
f(f)eibenf)eit bes jungen 53erfaffer§, ber mit einem runben Urteil 
iiber bie f)öd^ften Slngefegenf)eiten ber Qdt noc^ nid)t oor bie 
öffentüdjfeit treten mod^te, babei ma^gebenb gemefen fein. 5(tte 
biefe Slufseic^nungen geigen bie Sßorgüge üon SuIIinger§ ©i^rift* 
fteüerei : 33e^errfcf)ung bee (5toffe§, eine Umfielt, ber fein mefent* 
lid^eg SIrgument unb fein gu ermartenber ©inmanb entgef)t, 
©ic^er'^eit unb S)urc^fic^tigfeit ber ©ebanfenentmicflung, ßlarfjeit 
be§ Slusbrucf^, bagu (grnft, SBürbe unb 2Bärme. 2)er Sefer 
füf)It bie §anb eine§ guüerläffigen, aufrici^tigen unb motjImoUenben 
?5üf)rer». 

3u ben g^reunben öon SuüingerS crften fd^riftfteüerifc^en S3er= 
fud^en gef)örten Cfolampab, 2eo 3ub unb ^lo^ngli. 2)er festere 
lernte if)n auc^ im perfönlid^en 33erfef)r immer mefjr fd^ö^en unb 
unterliefe nicf)t§, um it)n für größere 5(ufgaben oorjubilben. ßr 
üeranlafete if)n, an ber 3)i§putation gegen bie SSiebertäufer teif= 



8 

5unef)men, tüelc^e im Januar 1525 in ßüric| ftattfanb. 3n ben 
er[ten Xagen be§ Sat)re§ 1523 begleitet Suüinger Btü^ng^ h^^ 
S3erner ®i§putation, lüo ber mächtige ©eift be§ ßürcfier 9fleformator§ 
bie eüangelifc^e ©ac^e im ©türm pm (Siege fü{)rte. Sm Sluguft 
be§ folgenben Scil)re§ erbat biefer fic^ SuüingerS ©eleit auf feiner 
3Reife gum 9}?arburger ©efpräd). 5lüein bie SSerpflic^tungen, 
bie er feiner @emeinbe gegenüber f)atte, tjielten if)n bieSmal in 
ber ^eimat feft. 

öuHinger njar nämlic^ instt)ifd)en burcf) eine fonberbare 
SSerbinbung oou Umftönben @eiftlid)er in feiner Jßaterftobt S3rem» 
garten geworben. @ein SSater tjatte in ber geraben unb ent- 
fc^Ioffenen Söeife, bie if)m eigen toar, ber ©emeinbe im öffentlichen 
©otteSbienft erflärt, er fei gu ber @infi(j^t gekommen, ha'^ bie 
päpftlidje 2ef)re, in mel(^er er fie 25 Sa^re lang unterri(i)tet 
i)ahe, fotfd) fei; er gebenfe feinen ©emeinbegliebern fernert)in „mit 
(SJotteS ^iilfe ben lüafjren 2Seg ^ur ©eligfeit allein nac^ bem 
SBorte ©otteS ju geigen". @iner ftreng !att)oIifd^ gefinnten ©ruppe 
gelang e§ infolg ebeffen, ben 2)efan au§ 93remgarten gu oertreiben; 
er flof) nacf) ßüi^i'^- 5lu§ ber Serroirrung, bie f)ierauf folgte, 
ergab fid) frf)üeBIic^ bie 2Sal)I eine§ anberen, ebenfalls eöangelifd^ 
gefinnten ©eiftlic^en. SlClein bie 5ln^änglid^!eit an bie ^J^n^^^ic 
S3ullinger jeitigte nod^ njeitere SBünfcf)e. ®er „@cf)utmei[ter" 
öon kappet rtJurbe eingelaben, am ^fingftfeft 1529 auf ber ^an^et 
feines 35ater§ p prebigen. @r tat e§ mit folrf)em ©rfolg, bafe 
fogleicf) bie eüangetifrf)e gorm be§ (5Jotte§bienfte§ eingefüljrt mürbe. 
9^nn muBte er bleiben. 2)er 3flat oon ^üric^ entliefe il)n feiner 
©oppelfteüe in Pappel unb Raufen. 

2)ie SSer^ältniffe, unter benen 33ullinger feine ©eelforger^' 
arbeit unter feinen SiJJitbürgern begann, maren in monier ^infid^t 
überaus fd)mierige. ^er @egenfa| gmifc^en ben fatf)olifd)en @e^ 
bieten ber inneren ©c^rnei^ unb ben eoongelifd^en ©tobten öer* 
fc^ärfte fic^ gufetienbS. ®a§ Unfic^ere ber Sage mürbe in ben 
©ren^bejirfen, mo bie feinblid)en Parteien fic^ tögtidi berührten, 
boppelt empfunben. ^m Suni 1529 t)otte SuUinger mit feinem 
Kollegen, ©eroafiuS ©c^uler, ben 53erner 3;ruppen gu prebigen, 
meld)e ben untermalbifc^en Sanbüogt öer^inbern foHten, fein Slmt 
in Saben anzutreten. 3)em ßörm ber Sßaffen gebot ein Sanbfriebe 



9 

Sd^lüeigen. 3)ie ©emüter famen nic^t fo bolb jur Sflu^e. 3üric^§ 
^olitif, ber fic^ ißremgarten um ber ^Religion iDiUen anfc^Iofe, 
fe^te biefe gangen gegen bie Snnerfc^ttjeig oorgefc^obenen 2anbe§= 
teile ber gröBten ©efa^r au§. Df^oc^ einmal mürbe eine SSer« 
ftänbigung ber gegnerijc|en Parteien üerfucljt auf ber Xagfa|ung, 
meiere im (Sommer 1531 in Sremgarten gufammentrat. 93u(Iinger 
mahnte in feinen ^rebigten, bie ouc^ öon ben fatt)oIifcf)en Slb- 
georbneten befuc^t mürben, pm ^rieben. (Sr erflärte, religiöfe 
SDifferengen au§§ufec^ten fei nic^t ©ac^e ber Äriei^er fonbern ber 
©eifllic^en. ©ic^tlid) maren ß^i^Ö^i^ oggi^^öe ^(äne nic^t 
nac^ feinem ©inn. 

S)er Pfarrer oon Sremgarten ^atte aber nocf) anbere ©orgen 
al§ bie poIitifcf)en. @§ galt bie eoangeüfc^e sieuorbnung beg 
@emeinmefen§ nac^ allen 9?icl^tungen burcfifü^ren unb fieser 
ftellen. Sie 2Inf)änger be§ Otiten leifteten SSiberftanb. ßugleic^ 
traten it)m bie SSiebertäufer, jene f^märmerifd^en Sefämpfer aller 
firc^lic^en unb ftaatlic^en ^öilbungen entgegen. SuUinger be* 
fämpfte fie in einer öffentti(i)en 3)i§putation, an melcfier bie gange 
@emeinbe teifnaf)m. ^Daneben unterri(f)tete er feine ^farrfinber 
unermüblic^ in ber {)eiligen ©c^rift. (£r prebigte be§ ©onntag§ 
unb brei mal in ber 5S3o(f)e, abmed^fetnb mit feinem Kollegen 
©(f)uler. 5lud^ in ben umliegenben 2)örfern trat er auf. ©eine 
^eber rut)te ingmifc^en ni(i)t. @r fc^rieb Kommentare ju ben 
©oangelien, überfe^te ©tücfe be§ alten 2;eftamente§ au§ bem 
^ebräifd^en in§ iiateinifc^e unb ©eutfc^e, mad)te fic^ 2tufgeid)nungen 
für eine ©c^meigerc^rontf, ha§> bebeutenbfte mar feine ©treitfdirift 
gegen bie SSieberläufer.') ©ie ift auf ben gemeinen Tlann be= 
rechnet, in beutfd^er ©prad^e unb in bialogifd^er g^orm oerfa^t. 
S3et)aupten bie SBiebertäufer öom t)eiligen @eift infpiriert gu fein, 
fo meift Söullinger barauf ^in, baB fie bie§ au§ ber l^eiligen 
©(^rift bemät)ren müßten, ba biefe in jebem ^aüe bem ©eifte @otte§ 
entftamme. S3eanfpru(^en fie ba^ 9ftecf)t, öffentlich gu prebigen, fo 
geigt er, bafe i{)nen bie biblifc^en SSorau§fe^ungen bafür fet)(en, 
nämüc^ bie orbenttid^e Berufung unb bie erforberlid^en Ä'ennt* 
niffe, meiere in ber apoftoIifd)en ^dt raunberbar oertie^en mürben, 
in ber ©egenroart aber burd^ ©tubien ermorben merben foUen. 
Sene gietjen ta^ SSoIf üon ber Kird^e ah, nic^t ou§ ©rünben 



10 

geiftlidier 5Irt fonbern tüegen getüiffer (Sonbetmeinungen über 
äufeere 2)mge, lüie $riöQtbefi|, Seibeigenf dtiaft, ßinfe unb ße^nten; 
ta^ lüiberjpric^t bem Seifpiel ßfirifti unb ber Slpoftel Sf)re 
Sluflef)nung gegen bie bürgerliche Dbrigfeit, ben amtlichen @ib, 
3infe unb 3ef)nten berut)t auf SJiiBbeutung einzelner SSorte 
<S;j)rifti, welche ber S^riftengemeinbe ben ibeolen ßuftanb, bem 
fie entgegenftreben foll, oori)aIten, unter ben gegenwärtigen menfc|= 
liefen SSerl^ältniffen aber nid^t unmittelbar üermirfüdjt üjerben 
fönnen. ©er SSerfaffer biefer ©c^rift erfd^eint nirgenb§ ol§ ein 
unfertiger, er mei^, n^orauf e§ anfommt unb tt)0 er t)inau§ mill, 
eben barum lö^t er Ülebe unb ©egenrebe reblic^ unb unüerfürjt 
gur ©eltung fommen. ®er ©egner mufete nacf)ben!üc§ merben, 
au(f) menn er nic^t überführt würbe. 

®ie Unrutje ber ßeit unb bie Unfid^er{)eit ber S5ert)ältnijfe 
tonnten S3uHinger nidjt i)inbern, feinen §ou§ftanb ju grünben. 
^m 17. 5Iuguft 1529 öere^elid)te er fidj mit 5tnna Stblifdimeiter, 
einer etjemaligen S'lonne im ^(ofter ötenbac^, 2;od)ter eine§ an= 
gefet)enen 33ürger§ ber @tabt l^üric^. (Sr ^atte fic^ tt)äf)renb 
eine§ 51ufent^alt§ bafelbft gmei 3at)re guüor mit it)r öerlobt. ©ein 
treui)er§ige§ Srauttt)erbung§fd)reiben ift nod^ üor^anben.*) 

Slm 11. Oftober 1581 brangen bie Sruppen ber fat^olifc^en 
Drte bei Stappel über bie ©renge unb fc^Iugen bie fleine @d)ar 
ber 3ürd)er, meldte fid^ i^nen entgegenmarf. 3"^"^9^i ^^^ ^^^ 
f^elbgeiftlic^er babei mar, fiel, aud^ Soner, ber 5tbt üon Pappel 
S)er grieben t)om 16. S^iotiember fid^erte jmar ben eöangelifdjen 
Orten if)re Ü^eltgionSübung, üeri)inberte jebod^ jebe weitere 5lu§= 
breitung be§ @üangelium§ in ber ©d^meig. ®ie „freien ^imter" 
Waren auSbrüdlid) üom ^rieben au§gefd)Ioffen. 2)er ©tabt 
iöremgarten unb i^rem (Sd)ult^eife würben wegen i^rer Partei* 
natjme für S^xiä) Su^en auferlegt, ben eöangelifd^en ^rebigern 
t)a§i Sßerbleiben in ber (Stabt^oerboten. Slm 20. 9?oöember oer- 
liefe 33uflinger auf Slnorbnung be§ StateS mit feinem Später, 
feinem 93ruber unb bem anberen ©eifttid^en S3remgarten, um fic^ 
nad) ßüric^ gu begeben. (Sofort füt)rten bie (Sieger ben fat^olifc^en 
(Sottesbienft Wteber ein. 



11 



2. ©ußittgcvg vcitfliöfc tcttfiücife- 

S'lic^t ^erfönlidjfeiten öerbanft ^Bulltnger feine eüangeüfd^en 
Überzeugungen, fonbern S3ürf)ern. Sene 9Jiitteitung be§ STage^ 
bud^eS, njonac^ ^irdjenöäter unb eiuäetne bat)nbrerf)enbe ©elfter 
feiner Qtit feine Setjrmeifter ttiaren unb it)n ^ur S3ibel füt)rten, 
rt)irb burd^ feine ©c^riften. beftätigt. Sn ber erften berfelben, 
einer „5ßergleid)ung ber alten unb gegenwärtigen Äelereien"^) 
ift bie Slb^ängigfeit üon Si^ertuHian unöerfennbcr. 9^id)t allein 
t)at fid^ ber SSerfaffer f)inter ben SSornamen jenes üon il)m t)od^= 
gefc^ä^ten ÄiriienüaterS unb 5lpoIogeten öerftedt, inbem er fic^ 
Dctaöiu§ ^lorenS nennt, er läfet i^m aud) im 3SerIauf fo öiel al§ 
möglid) ba§ SBort unb, 'wa§> bie ^auptfac^e ift, er entlehnt it)m 
feinen ®runbgeban!en. ®r fragt: SßaS ift ^ärefie'? S93ann 
ift ber S^orftjurf ber ^eljerei bered^tigt? S)ie ©c^uü^eologen unb 
^irc^enmänner ber ^eit pflegten ben ?In^ängern ber reforniatorifc^en 
unb t)umauiftifd)en Setoegung biefen get)äffigen 9Zamen beizulegen. 
9Zun oerftetjt XertuEian unter |)ärefien Steuerungen, n)elcf)e fic^ 
einem urfprünglic^en autoritatiöen 3öai)rf)eitebeftanb entgegenf teilen, 
©emgemäfe finb it)m feine ©egner, bie ©noftifer be§ 2. ^a])x= 
t)unbert§, Äe^er, benn it)re @t)fteme ftel^en in unoerfennbarem 
SBiberfpruc^ mit ber apoftoüfc^en 2ef)re. ^en jungen Suttinger 
befrf)äftigte biefer @eban!engang be§ ^irc^enoaterS ju einer ßeit,. 
mo er ficö bereits in einem inneren ®egenfa| gur ürdjlic^en 
Xrübition befanb unb bie SSerbammung ber reformatorifd)en Senf= 
n)eife burd) bie offiziellen SSertreter ber Sird)e i^m oI§ Unred)t 
erf(^ien. ©r fudjte nad) einem (5d)ema, in meld}e§ er ha^ 
römifc^e Äir^entum in feinem S3erI)äItniS zu bem aufftrebenben 
eoangelifc^en (5f)riftentum faffen fönnte. S)a mirb e§ il)m mit 
einem DJkle flar, bie päpftlidje 2:^eologie unb ÄHrc^e befinbet fid) 
genou in berfelben ©tedung mie bie ©egner be§ XertuUian. @ie 
\D\U bie göttliche SSa^r^eit ber t)eiügen (Schrift burd) eigene 2et)r= 
gebanfen unb felbfterfunbene |)eil2 mittel erfe|en. ©ie mirb ba^er 
üon bem 3Sormurf ber |)örefie getroffen, fie, nic^t bie 
2et)re ber (5üangelifd)en. ®iefer ©ebonfe ift, allgemein gefaxt, 
©emeingut ber Ü^eformation. Slllein ber 9lad)brud, melc^er 
in S3uainger§ tf)eoIogifc^em Senfen barauf fällt, lä^t erraten. 



12 

baB er if)n für feine ^erfon neu entbetfte unb ha'^ biefe (Snt- 
becfung eine ber n^irffornften auf feinem SSege ^ur reügiöfen 
Befreiung tvax. @r ^ot fpäter feine f)äufige ^Berufung auf ^irc^en* 
öäter bamit gerechtfertigt, baB unter feinen Sefern folc^e feien, 
benen jene me^r gelten oI§ bie iieilige ©cfirift; aber man mirb 
Slnlef)nungen njie bie befproc^ene gleic^mof)! al§ 9f{emini§§enäen 
QU eine 3eit ju betrarfjten ^aben, mo fein fuc^enber ®eift bei ben 
au(f) oon ber !trd^tid)en 2;f)eotogie öere^rten Senfern ber atten 
6;^riften^eit unermartet unb mit ^o^er greube ^anb^üben fanb, an 
benen er ficf) §ur ^larf)eit unb ©eroife^eit ^inburc^ finben fonnte. 

2)rei Sa^re fpäter öeröffentlicEit Suüinger eine ©d^rift, bie 
fid^ unter bie 5igibe be§ Saftang fteüt. @ie trägt, anfpielenb 
auf bie Überfc^rift eine§ gegen ben l^eibnifd^en ©ötterbienft ge« 
richteten 2;ra!tat§ biefe§ ^irc^enöoterS, ben 2;itel: „58om Urfprung 
be§ §eiligen= unb S3ilbertt)af)ne§." i*') S)ie attftic^Iic^e SSorlage 
fc^ilbert bie (5Jeiftig!eit unb §errlic^!eit be§ tt)at)ren ®otte§, ber 
feinem SSefen nac^ nur eine innertid^e, fittlic^e SSere^rung bulben 
fönne. S)ie frf)önen garten SluSfüfirungen muffen SuHinger er* 
griffen ^aben, man begegnet bei if)m oft i{)rem 2öiber{)all. Söid^tiger 
ift, bü^ if)m Saftanj einen neuen ®eficf)t§punft für feine 5lu§« 
einanberfe^ung mit bem trabitioneüen 5lultu§ an bie §anb gibt: 
er ift äu^erlid), ungeiftig, baf)er @otte§ unmürbig. 3t)rer gorm 
nad^ ift 93uIIinger§ 5lb^anblung unabf)ängig öon berjenigen be§ 
^ird^enöater§, fie get)t i^re eigenen SBege; e§ ftnb bie SBege feiner 
erften ©d^rift. SBar bort ein allgemeiner ®efid^t§punft aufgeftetit, 
fo folgt ^ier geroifferma^en bie ^Inmenbung be§felben auf einen 
einzelnen gaU. Sie §eiligen= unb 33ilberöere^rung ift ein SBa^n, 
ein (StücE §ärefie, [meil bie alte ^ird^e unb bie t)eiüge ©d^rift nid^t§ 
baüon mei^, wie au§ einer ^^üße öon ßitaten nad^gemiefen mirb. Ser 
SSerfaffer get)t jebod^ t)ier nod^einen (Sdfjritt meiter, er analt)fiert bie 
Umftänbe, unter benen jene abergläubifd^en ^ulte in bie ^ird)e ein« 
einbrangen, unb jeigt fo, bafe fie nid)t§ öon göttlidöer S3eglaubigung, 
um f met)r oon menf d^{idf)er @df)ma^^eit unb Ünlauterf eit an ficf) f)aben. 

3n oermanbter SBeife mirb ein anberer ©egenftanb ber 
ürd^üd^en 5lnbadt)t befprod^en in bem Sraftat: „55om Urfprung 
be§ Srrtum§ betreffenb 5tbenbma^( unb 9}Jeffe." n) äJtan foE 
na^ einem SGBorte (5t)prian§ nid^t ber @ett)ol)n^eit ber 9Jlenf(^en, 



13 

fonbern ber 2Baf)rf)eit ®otte§ folgen. S)ie trabitioneüe Se^re 
öon ber Sßertoanblung be§ 33roteg in Seib ßtjriftt, bes S33eine§ 
in S3Iut e^rifti unb boS Opfer ber SJJeffe finb obergläubifc^, 
SJJomente einer ungeiftigen ®otte§öeret)rung. ©ie ftel^en aber 
Quc^ in offenbarem SSiberfpruc^ mit @otte§ SBiüen, benn bie 
alte ßircfie fennt feine SBanblung unb forbert üon itjren ©liebern 
feine anberen Opfer al§ bie ^ergensopfer be§ 3)anfe§, ber g^römmig^ 
feit unb ber Siebe. SSo^er biefe „unfromme" Entartung? fragt 
Sullinger. 3Bo bie äRenfc^en ba§ SBort @otte§ oerlaffen, (outet 
feine Slntn^ort, ba geraten fie in ^^infternig, bie ®efd)id^te Sfrae(§ 
ift be^ 3^"9£- 5lud) bie ß^riften^eit t)at i)a§, Söort ®otte§ oer- 
laffen, bamol§ al§ bie alte Kultur ber ^Barbarei rof)er Sölfer 
erlag. ä)Jit ben „guten" ©tubien gingen bie „fjeiligen" ©tubien 
unter, ©o urteilt ber ^umanift SuHinger. S)ie Ä'irrf)ent)äter 
blatten für ben fultifd^en Stberglauben eine anbere ©rflärung, fie 
gaben i!^n nic^t mangelnber @eifte§bilbung fc^ulb, fonbern ber 
Wladji ber Dämonen. S3uIIinger gibt jenen feine eigenen ©ebanfen 
ni(i)t preis. (Sr fc^eut fid^ aud) ni(f)t, fie auSbrüdlirf) gu fritifieren. 
Slüein baburd^ ftiirb bie Xatfarf)e, ha'<^ fie feine eoongeIif(i)e ©enf* 
n)eife, insbefonbere bie 5lnfänge berfelben ftarf beeinflußt ^aben, 
nic^t in ^rage gefteüt. (Sr banft if)nen bie (Srfenntnis, ha'iß ba^ 
G^riftentum eine unfinnlid^e, fittli(i)e @otte§öeref)rung forbere, unb 
ben 9J?ut, ouf ©runb biefer ©rfenntniS ben fat^olifdjen ßultu§ 
gu üermerfen. (£r üerbanft itjuen ferner ha§> gef(^id)t{icf)e ©c^ema 
§ur ^erteibigung ber eöangelifd)en ©enfmeife unb gur S3efämpfung 
ber „päpftli(i)en Se^re," meldje feinem auf t)iftorifcf)e Setract)tung 
angelegten (Reifte überaus angemeffen Xüüx unb baf)er in feiner 
2;f)eoIogie eine bominierenbe ©tellung erhielt. 

3mei beutfd^e ©c^riften au§ bem britten 3at)rje'^nt fteüen 
bie befinitiöe SluSgeftaltung jeneS ©djemaS bar. 2)ie eine ber= 
felben trögt ben auffaHenben 3:ittel: „S)er alte ©laube. 2)aß 
ber ©Triften ©taube üon SInfang ber 2ße(t gemäf)rt l^abe." ^-) 
®er ©ebanfe, baß ba§ ß^riftentum fo olt fei al§ bie 2BeIt, ift 
ber 2(uff(ärung gelöufig. SuHingerS „alter ©laube" f)at jeboc^ 
mit „natürlid^er Üietigion," mit angeborener ©otteSerfenntniS 
nirf)t§ gemein. @§ ift ba^ gefcf)ic^tlicf)e Sfjriftentum, meldjeS bis 
in bie 5tnfönge beS 9}ienfd)engefcf)Ied)tS jurücfoerlegt n)irb. ®en 



14 

Smpulg SU biejer ^onseptton fc^eint er einer ©teile be§ ©ufebiuä 
entnommen gu f)aben.i3) ©tc^tlicf) ^at aud) luguftin§ SBerf: 
„öon ber ©ottegftobt" auf S3uütngerl 5(u§fü^rungen eingett)irft. 
2)er Sunb ®otte§ mit Slbam foH bie er[te (5rfd)einung be§ 
ßf)ri[tentum§ gettjejen fein. ®ott brad^te ben ©tammöater be§ 
2J?enfc^engefc^Ieii)t§ gur 5lner!ennung feiner @(f)ulb, er offenbarte 
if)m bann feine göttliche SSarmtierjigfeit, inbem er i§m in ber 
g^erne ha§ Silb be§ @c^Iangentöter§, be§ fterbenben nnb fiegenben 
C£f)riftu§ jeigte, ttjelc^er bie 5Renfc^f)eit üon ber 9JJa^t ber ©ünbe 
unb be§ Übel§ erlöfen ttjürbe, er fdienfte i^m enblicE) ein neue§ 
§er§, um an i^n unb ben (Sriöfer §u glouben unb ben Teufel 
famt feinen SSerfen gu Ijaffen. „S)arin ift bie gan^e Summe beä 
e^riftentum§ enthalten." 5lbel§ Opfer, auf bem @otte§ 2öo{)t- 
gefallen ruf)te, ift ©i^mbol be§ OpferS ß^rifti, er ftirbt oll ber 
erfte 9}Järtt)rer be§ d^riftli^en ®Iauben§. 9^oa^§ Üiettung ift 
ein S^riumpt) be§ (Sf)riftentum§, benn bie ^rcE)e bebeutet (S^riftuS. 
5lbro{)om oertraute auf feinen großen 9fJa(f)!ommen, ber i^m üer= 
l^ei^en mar unb ba§ madite if)n tior ©Ott geredfjt. ®o§ ßf)riften* 
tum ift fomit älter al§ ha§> §eibentum unb Subentum. S)a§ 
ftotutarifc^e @efe|, metc^eS @ott bem Sßolfe S§rael burc^ 5mofe§ 
gab, mar oeranla^t burc^ ben ßerfaE ber @otte§erfenntni§ mö!)renb 
fetner Slnfiebelung in Stg^pten. (S§ l^at nur oorüberge^enben 
pöbagogifc^en Sßert, inSbefonbere finb bie äu&erIicJ)en ßultul= 
öorfcfiriften finnbilbüc^, „fa!r amental" auf j^uf äffen, benn bem 
geiftigen ©ott fann nidjt mit ficf)tbaren 3)JitteIn gebient merben. 
„Sitte (SinficE)tigen, meld)e unter bem ©efe^ gelebt Ijaben, maren 
eiirifien." S)aoib f priest öon (S^riftuS nic^t anberg al§ ha^ 
apoftolifdie ©tjmbolum. ®ie ^rop^eten geugen öon feinen ©cl)i(f= 
falen unb Säten, at§ l)ätten fie biefelben mit Singen gefe^en. 
Sluf ©l)riftu§ t)erlieBen fid) aKe frommen ber alten ßeit, burc^ 
it)n mürben fie l)eil. — 2)ie erfte SSorlage für biefe S^eflefionen 
märe ber Slpoftel ^aulu§, allein S3ullinger t)ot fid^ nid^t bireft 
an it)n ongefcl)loffen, fonbern an ben Äirc^en^iftorifer be§ 4. Sot)r= 
t)unbert§. SSenn biefer unb bie griedjifc^en 2;i)eologen feiner ^eit 
folclie ©ebanfen bemegten, bann üerbanben fie bamit ©pefulationen 
über ba§ öorgefc^iditlidie S)afein unb SBirfen et)rifti. Sluguftin 
ift e§ bei anotogen ©ebonfengöngen um eine einheitliche Deutung 



15 

ber 9J?enfcf)^ett§gefc^icf)te ju tun. @in anbereS Sntereffe leitet 
SuIIinger; er öergegenträrtigt ficf) auf biefe ?lrt bie abfotute 
©eltung be§ eoangeüfd)=c^riftlic^en ®Iautien§ gegenüber ber SBanbet* 
barfeit ber gefd)ic^tlidf)en @r[d^einungen. 5)er ©egenfa^ gegen 
ha^ römifc^e ßtrc^entum beftimmt if)n aui^ t)ter. „SSenn alle 
frommen öon ber ©d^öpfung ber SBelt an unjern ©tauben ge* 
^abt f)aben, tt)er niitl i^n bann nod^ al§ neu ober fettirerifd^ 
öerrufen?" 

2)er ®egenja| tritt ettt)a§ ftörfer ^eröor in bem 5;raftat: 
„öon bem einigen unb ewigen Xe[toment ober 93unb (3otk^."^*) 
53uninger oertoenbet ben ^Begriff be§ 93unbe§ für bie roa^re 
Sfteligion mit SSorliebe. @§ giebt nur einen @otte§bunb, füt)rt er 
in jener ©c^rift au§, e§ t)at öon je nur biefen gegeben. (Srft 
mürbe er mit Slbam gefcfiloffen, bann mit ^oa^, mit 5lbra^am 
unb feinen ©ö^nen, mit äRofe§, enblic^ mit ben erften (5f)riften. 
®ie mefentlid^en ©igenfi^aften biefe§ Q3unbe§ finb, ta^ er in ber 
@nabe ®otte§, bie fitf) ber in ©ünben oerlorenen 9JJenfdE)en an* 
nimmt, feinen Urfprung ^at unb ha^ er be§ 9JJenfcf)en §er§, 
einen feften lauteren ©(auben unb ein frommes t)eilige§ ßeben 
forbert. ^urc^ ba^ erftere ift bie ©etbftgerec^tigfeit au§gefd)Ioffen, 
burc^ ha§^ Ie|tere ein öuBerlic^er, zeremonieller ©ottesbienft. 2)a 
eben biefe§ beibe§ für bie „pöpftlid)e Üleligion" be^eic^nenb ift, 
fo ftel)t fie in biefen Se§ie^ungen au^er^alb be§ @otte§bunbe§, 
ift fatfc^e 9fteligion. ®ie ©tellung, meiere SuHinger in ben 
frül)eren apologetifd^-polemifd^en ©d^riften eingenommen, erfd^eint 
burrf) bie beiben sule|t genannten mefentlid^ öerftärft, benn nad^ 
biefen !^aben bie ©egner nic^t blo§ bie g^rommen be§ neuen 
2;eftamente§ fonbern alle ^eugen ®otte§ öon 5lnfang ber SBelt 
bi§ on§ @nbe gegen fid^. Umgefe^rt !önnen bie @oangelifcl)en 
biefe olle für fic^ in Slnfpruc^ nehmen. 

Sieben ben ^ird^enöötern maren e§ fü^renbe ©eifter ber 
9Reformation§epod^e, meldte S3utlinger§ t^eologifdlie Slnfönge in 
entfc^eibenber SSeife beeinflußten, ß^t^^f^ ^^^^ ^^ f^^ ^^^ @ra§mu§ 
berüt)rt t)aben, ber it)m burdl) feine l)umaniftifd^en ©tubien befannt 
mar unb ber o^ne ß^Jeifel feine ^irc^enööter^ unb 93ibelforfc^ungert 
öon 5lnbeginn unterftü|tc, SSuHinger öere^rte unb bemunberte 
in i§m jeber^eit ben Kenner be§ flaffifc^en 5lltertum§ unb ber 



16 

alten Äirc^e. Sn ^^ragen ber p'£)iIoIogtfc^en unb {liflorifc^en 
Äriti! toax t{)m fein Urteil o^ne weiteres mafegebenb. Sene 
„9JJett)obif be§ @tubium§," i^) njelc^e er für feine jungen ßög* 
linge in Pappel öerfa^te, ift burc^njeg oon @ra§mu§ infpiriert. 
@r preift n)ie jener bie Sllten, inSbefonbere bie 2öei§t)eit§(et)rer 
©eneca unb (Sicero, er beftimmt it)r 9(ted)t neben ber fjeiligen 
@d)rift unb i^r SSerf)öItni§ ^u i^r mit ben SBorten be§ (SroSmus. 
SSie ber grofee §umanift berät er feine jungen greunbe nic^t 
nur in it)ren geiftigen Strbeiten fonbern aud) "^infid^tlid^ it)rer 
Sla^rung, 0eibung, Körperpflege, Zeiteinteilung unb für if)r fitt- 
Ii(i)e§ Sßerl^atten. ©einem Unterricht legte er bie pf)iIotogifd)en 
Kompenbien unb beüetriftifc^en @d)riften be§ (£ra§mu§ §u ©runbe. 
^ür bie Sibeterüärung 30g er feine Kommentare gu ^f^ate. (Snblid^ 
la§> er mit ben 9}Jönc^en beffen ^araclefi§ unb Kompenbium ber 
3;f)eoIogie im SSecfifet mit ben Soci be§ 9KeIand)tbon. @r wufete 
fic^ im roefentlid^en mit bem Snl^alt biefer ©d^riften ein», 3)o§ 
Kompenbium^f' ift eine @infüf)rung in bie „tt)at)re S^eologie" 
in O^orm einer fummarifrf)en ©arftellung be§ c^riftlid)en ®Iauben§ 
unb £eben§ unb einer Slnmeifung für bie 5ImtStätigfeit ber 
©eiftlic^en. 3)er ©egenfo^ gegen ben unfru(^tbaren, ber lebenbigen 
SSirüid^feit entfrembeten 2Biffenfd)aft§betrieb ber (Si^olaftüer 
bitbet ben ^intergrunb. ®ie $aractefi§i' füf)rt ben Sieben* 
titel: „Ermunterung gum ©tubium ber djriftli(f)en ^^iIofopt)ie." 
S)ie c^riftlid)e äöeistjeit, Ief)rt ber SSerfaffer, ift bie einfa(f|fte unb 
tieffte jugleid), fie ift für aüe unb !ann oon allen angeeignet 
njerben. (Sie mirb öon Gf)riftu§ unb feinen Slpofteln in ber 
{)eiligen ©c^rift gelernt. 9JJit n^elc^em 9fled)t, fragt er, f)alten fic^ 
ßt)riftenbaöon fern, um ben ©pi^finbigfeiten einer neuen @ele§r= 
famfeit ober ben 9^i(^tig!eiten eine§ abergläubif^en Kultu§ gu 
l^ulbigen ? 

SBenn SraSmuS Ief)rt, ei fomme für bie t^eologifc^e (Srfennt* 
ni§ auf ein 2(nfd)auen unb ©rfaffen be§ götttid) ßebenbigen an 
unb bie 5ßorau§fe|ungen hierfür feien me^r in ber „®elef)rigfeit 
unb 9?ein^eit be§ §eräen§" al§ in ber ©ubtilität be§ SSerftanbeg 
^u fud)en, fo mu^te foIc^eS in SuüingerS ©eifte iebt)afte ßu' 
ftimmung n^eden. S)ie S3emerfung, baB bie Kirc^enoöter eine 
burd)au§ onbere Slrt I)ätten, über religiöfe SBa^r^eiten gu reben 



17 

al§ bie mittelalterlichen Xfjeologen unb ba& fie über ftcf) felbft 
l)inau§ auf bie ^eilige ©d^rift tüiefen, gab jener ^rfa^rung 5(u5= 
brucf, bie für feine eigene religiöfe (Sntraicffung entfd^eibenb ge* 
toorben mar; möglich, ha^ fie biefelbe ^at f)erbeifü^ren f)elfen. 
<Sra§mu§ fpricf)t gerne öon „c^riftlic^er ^i)iIofopf)ie," um bie 
d)rift(id)e a[Bat)rl)eit al§ bie SSoüenbung aüer menfc^Iirfjen Xugenb= 
unb ®tü(fie(igfeil§le^re ^u begeic^nen; Suüinger tjot ba§ SBort 
unbefangen übernommen, obgteirf) er ben übernatürli(i)en ßf)ara!ter 
ber cf)riftlic^en ©rtenntnis entfc^iebener betont, üU'rI)aupt aber 
\)a§> e^riftentum üorf)errfd)enb üu§> einem 0>)efirf)tspunfte betracfitet, 
Xüo e§ ber ^t)iIofop^ie üI§ folc^er unoergIeicf)bar ift. (Sr ftetlt nömlicf) 
ben ^eilsglauben in erfte :2inie, inöfirenb bei (gra§mu§ ber S^ac^brucE 
auf bem SO^craIifcf)en liegt, mit bem fid) freiließ ein ftarfeS mt)ftifc^e§ 
SRotiö öerbinbet. Xen SJJittelpunft ber eraSmifc^en Ü^eligiofität 
bilbet bie ^erfon ßfjrifti, bie balb gefd)ic^tIid)=moratifd) al§ $8or= 
bilb gef(i)ilbert tt)irb, balb al§ göttlicf)er 0)nabenquea ©egenftanb 
«iner fontemptatioen 2(nba(i)t ift. Seibe Stuffaffungen finb aud) 
bei SuUinger mirffam. 3n§befonbere öerröt feine Slb^anbtung 
„2)ie 55oatomment)eit ber (i^riften ober baB Sefu§ C£t)riftu§ ber 
<s;f)riften einzige SSoUfommen^eit fei" ben ©influB be§ (Sra§mu§, 
beffen §t)mne „2{ufforberung ß^rifti an ba§^ 9J?enfrf)engefc^Iec^t" 
oI§ 2(nf)ang beigebrucft ift. Sn biefem (Sebic^t flagt (5f)riftu§ 
über bie Sünbfjeit unb ben Unban! ber ä)?enfd)en, meiere i^n, 
bie Oueüe aller geiftigen Ö)üter, mifeac^ten unb it)re§ liebeooßften 
greunbeg öergeffen. ßraingli mar in feiner Sugenb baoon er* 
^riffen,!^) ou^ auf SuKinger fc^eint e§ (SinbrucE gemacht gu 
f)aben. 3n bem 2;ra!tat „üon 2öo(fart" mirb ber ®efü{)I§erguB 
be§ ©ebic^teg anall^fiert an §onb be§ 2Borteg G^rifti: „kommet 
t)er äu mir olle, bie if)r muffelig unb belaben feib." 3)ie ge= 
nannte ©c^rift SßuIIingerS öertritt basfelbe 3J2otiü, aber in einer 
anberen Tonart. SDie (Sc^ilberung GJjrifti al§ ber „^oüfornmen« 
^eit ber (S^riften" mirb gu einer IeE)rI)aften (Erörterung über bie 
einzigartige Sebeutung (5;^rifti für ben ©laubigen unb bie ^irc^e. 
Sene It)rif(^en Älönge ber (5f)riftu5anbac^t, melcfie (Srasmu^ mit 
einer ©ruppe mittelalterlicher 2)?t)ftifer gemein f)at, fehlen bei 
Suüinger. S)a§ f)at nicf)t allein perfijnlic^e ©rünbe, menngleic^ 
p oermuten ift, bafe feine gemeffene 2Irt, bei melc^er Okmüt unb 



18 

SSerftanb fic^ ta§, ®Ieic^gelt)id)t ju f)alten pflegen, eine öor» 
^errfdjcnb ftimmungSmäfeige Üieligiofität nic^t juliefe. ®er 
Unterfcfjieb greift jebocf) nocf) ttjeiter. 2)enn einem @ra§mu§ bebeutet 
ber 2(ufblic! p 6^riftu§ gemütliche Seruf)igung, äftfjetifc^e 
Srtjebung unb 9^einigung, einem SuUinger SO^ac^t ber SSat)r* 
t)eit, bie bte menfdilidien ©ebanfen fieptet unb ba^ menf(^licl)e 
Seben umgeftaltet. Sarum !ann (Sro^muS in ber alten ^ir^en» 
anftatt bleiben, fein §eil an i^re Drbnungen binben, feine @e= 
banfen if)rer Slutorität untermerfen, obgleich ba§ 33ilb ©f)rifti 
allen Sebürfniffen feiner ©eele genugtut. ^öuHinger bagegen 
oerlö^t in bem Stugenblicf, Ujo er ß^riftuS al§ bie „3SoII= 
fommen^eit ber C£l)rtften" anerfennen lernt, ben „pöpftlid)en 
©otteSbienfi" 

©t)riftu§ ift nadE) S3uninger§ S(u§füf)rungen bie „SSoIIfommen= 
f)eit ber (S^riften," inbem er ber unübertreffüdje £e^rer ber uja^ren 
Üietigion ift. (£r unterricfitet bie ©laubigen burd^ fein perfönlic^eS 
SSefen unb SSer^alten, ba§ un§ @otte§ ©efinnungeu gegen un§ 
unb gugleid) bie rechte ©ottesüere^rung offenbart. (£r leitet un§ 
burc^ fein reine§ Silb unb ernfteg SSort jur S3ufee unb jeigt 
un§, baB ber ©laube an i^n bie 5lird)e begrünbet unb gur Slrbeit 
in i^r beföf)igt. (5r belet)rt un§ über S^ei^tfertigung unb 33er= 
fö^nung, bie allein bon it)m !ommen, über bie wa^re Üieformation 
be§ (5Jotte§bienfte§, Xüdd^t meber S3itber nod) ^eilige, nod| 5öer= 
bienfte bulbet, über bie ©aframente, bie allen jugebac^t finb unb 
nid^t gum disputieren fonbern jum ©tauben ouff orbern, über 
i)a§' S^aften, bie (£t)e, bie ftaatlici^e Drbnung unb jene ©eiftigfeit 
unb g^reit)eit be§ ßt)riftenftanbe§, für tt)el(f)e bie Zeremonien nur 
Sinnbilber fein fönnen. S)ie ße^re Sefu t)at üor aller menfd)licf)en 
S)o!trin ben SSorgug ber ©infac^^eit, 2)eutlicl)feit, ^ürje; bie§ ift aucl) 
ein 2iebling§geban!e be§ (Sra§mu§. S)a (S^riftu§ ber üoüfommenc 
ßeuge ber göttlictjen 2Ba^rf)eit ift, fo ift e§ ©ünbe, anbere 
.!peil§quetlen aufjufuc^en. ^aran er!ennt man ben maf)ren (£l)riften, 
bafe er an if)m allein Rängen, nur i^m tjertrauen n)ill. — S)ie 
Se^eidinung Sl)rifti al§ Set)rer entfpricf)t ber Stbfic^t, ben 
autoritatioen, allgemein üerbinbli^en ß^aratter feine§ $EBirfen§ 
au§§ubrü(ien. ^eineSmegg möd^te 53utlinger eine inteüeftualiftifc^e 
Sluffaffung öon ßl)riftu§ tiertreten. @ie n)äre feiner auf§ 



19 

^onbeln gertdjteten 9ktur ebenjo juiDiber lüie bie mi)ftifc^= 
gefüfjlgmäfeige. 

@rQ§mu§ {)at fic^ ber Ü^eformatioit ntd)t angefd)Ioffen. 
93uninger rechnet if)m bie§ mit ben anbeten Üteformotoren al§ 
S|arQfter[d^roäd^e an. 3)a§ t)inbert if)n jebo^ nid)t, ficf) ber 
Übereinftimmung mit i^m in §af)(reid^en religiösen 9J?otiüen gu 
freuen, in ber ^orberung einer innerlirfjen unb fittü(f)en Sfteügion, 
in ber Semunberung ber Sinfac^^eit unb 53olf:otüm(icl)feit bei 
SoangeliumS, in ber SBertfdjäljung ber ^eiligen €.c^rift unb ber 
5^ir(^ent)äter, in bem bamit jufammentjängenben '»^Poftulat grünb= 
lieber pf)iIoIogi)c^er Silbung ber ®ei[tlid^en u. a. m. Q3ullinger 
^Qt fi^ geitlebenS bem (SinfluB be§ großen ^umaniften offen 
gehalten ; bie§ Ujirb burd) feine Kommentare belegt, für meldte er 
fic^ feine biblifcfien Strbeiten fleißig §u nu^e mac^t, foJt)ie burc^ bie 
eben befproi^ene (S(i)rift, bie bem ^a^xt 1551 angef)ört. 9J^an backte 
unter ben ßürc^er 2;t)eo(ogen üon ben SSerbienften be§ Sralmu» 
unbefangen genug, um im 3of)re 1542 feine ^arap^rafen gum 
neuen S^eftament in beutfd^er ©prad^e fjerauSjugeben. (5ine§ 
entfcf)iebenen t^eoretifdjen @egenfa^e§ gu i^m wor fid) S3uIIinger 
ftiot)! nur in ber ?{uffaffung üom 5Ibenbma^( unb in ber Sef)re 
oon ber Unfreiheit be§ menfd)(ic^en 2Bi(Ieu§ bemüht. 

3n jenen für feine S)enfmeife entfd^eibenben Kölner (Stubien* 
jähren Ia§ S3uüinger aud) 2ut{)er§ neu erfd^ienene Schriften 
„öon ber ^rei^eit eines (£f)riftenmenfc^en," „oon ber babQ(ünifd)en 
©efangenf^aft" u. a., ba§u 9)?eIanc^tt)on§ „Soci." 5lm meiften 
raei^ er fid^ bem Kompenbium be§ äJ^elanc^t^on'-') öerpftid^tet. 
(Sr fpridE)t mit ©ntjüden baöon, in Kappel interpretiert er e§ 
feinen ^u^örern unb mac^t einzelne ?lbfd^nitte barouS gui^ @egen= 
ftanb feiner fd)riftlic^en ^rioatübungen. 2Sa§ er unb ßutf)er ii)m 
boten, tüax öor aEem i^r reformatorifd^e§ ©runbbefenntnil, jene» 
©oangelium be§ 2lpofteI§ ^quIu§, ha'^ ber (S^rift fein §eil ou»= 
fc^üefelic^ ber önabe öotte§ banfe, bie i^m in G^rifti göttlicher 
©enbung unb Siobesfüfjue entgegentritt, unb boB er fid) biefelbe 
allein burd) ötauben, nid^t burc^ fultifdje ober fittlid)e l^eiftungen 
3u eigen machen tonne. S3uttinger muB biefe ©ebanfen gleid) 
bei feiner erften geiftigen 33erüt)rung mit ben beutfc^en 9^efor= 
matoren lebenbig unb feft in§ §erj gefaxt fjaben. (Sie finb it)m 



20 

fortan ber unmittelbare Sluebruc! für feinen ©tauben unb ber 
i)auptfäcl)Iid)e ßanon für öc^te 9^eIigiofität. 3)ie SSerttJerflic^feit 
be§ römifrf)en ^ird)en= unb 9^eügion§tt)efen§ beftet)t it)nt üor allem 
barin, bafe e§ 2ßer!= ober ©igengerec^tigfeit ift. S)ie Urfünbe 
ber aijenfc^tieit rvax ta§ SSertrauen auf eigene Äraft; 5lbam bitbete 
fic^ ein, fein ^dl fid) felbft fd)affen gu tonnen, unb h)urbe fo 
ber Urf)eber ber ©ünbe unb be§ 3:obe§. ^er ©unb Ü)otte§ mit 
ber aj?enfd)^eit, ber einzige, etoige, get)t öon @ott an^, con feiner 
©nabe, nict)t öom SDJenfc^en unb menfd)Iid)er Seiftung. ©benfo 
ift bie Sefetjrung be§ einzelnen gu @ott götttic^e ©nabenoeran» 
ftaltung, nid)t 9flefu{tat menfc^tic^er 5lnftrengung ; ©ott fuc^te ben 
@autu§, um il)n gum ^aulu§ ju mad)en, ben ätt)iopifc^en 
©unudien (5lp.=®ef4 8, 26), ben Hauptmann Cornelius; unb 
auc^ bie S5orau§fel3ungen für bie 2lnnaf)me be§ (SoangeliumS, 
n3eld)e biefe frommen mitbringen mochten, maren fein Söerf. 
3um ©tauben gehört bie S3uBe, aud) fie ift ©otte§ &abz. S)a§ 
äJiittel ber göttlichen ©nabe ift ß^riftuS, ha^ ^eil aller ÜJJenfc^en* 
gefdiled^ter. (Sin ßt)rift, ein 53efenner ber tt)at)ren 9fletigion ift, 
„mer it)n in Jüal)rem ©tauben erfaßt unb im ^er^^en betjült," 
„auf i^n üertraut, an it)m allein tjängt." äßo^t befennt fid) aud) 
bie „SSelt", b. t). bie trabitioneHe S^tetigiofitöt ju (£^riftu§, aber 
fie miH it)n nid)t al§ bie au§fd)Iiefetic|e Queüe be§ §eit§ an« 
ertennen, fie fteüt if)m anbere ÜJJittet be§ ^eit§ an bie Seite. 

2)a§ ©laubenSeoangetium Sutt)er§ unb bie (5t)riftu§öeret)rung 
ber eragmifd^en 9J?t)fti! tonnten fid) teid)t öerfd)metäen. gafet 
man bie beiben (Srfc^ einungen prinzipiell, t)ier gefüt)t§= unb 
pIjantafiemäBige Kontemplation Qitjrifti, bort SSertrauen ^u ber 
burc^ i^n offenbarten unb t^erbürgten ©nabengefinnung ©otte§, 
fo ftanb 93utlinger burd)au§ auf ©eite ber reformatorifc^en 
^römmigfeit. ^lüein e§ be5eid)net eine öon ber Söittenberger 
2:^eotogie abn)eid)enbe gärbüng, menn er ta^ burd) ßt)riftu§ ge= 
fd)entte §eit am liebften mit ben reatiftifd)en Silbern bei 
So^annel oom ^immelsbrot unb SebenSmaffer, öom effen unb 
trinfen fd)ilbert, mö^renb jene fic^ an bie paulinifc^en Slu§brüde 
9ied)tfertigung unb ©ünbenöergebung t)atten. „®er ©löubige," 
fagt 33uninger, „nimmt feines §errn "äxt an unb empfängt beffen 
Kraft." Bmingli ft)ar t)ierfür ha§> Sitb öom Strjt unb ber Slrpei 



21 

geläufig. S)er Segriff ber 9?erf)tfertigung bereitet Sußinger 
©^roierigfeiten. (Sr öer[tef)t barunter einerfeitS mit ben SSitten= 
bergern bie göttli^e gnöbige O^reifprec^ung be§ fc^ulbigen 9[Renfcf)en, 
anberfeitS fcfjiebt er bie ^or[telIung ein, ber ölaube oerfe|e ben 
@ünber in eine 2lrt fittlid^er Sbentität mit ßf)ri[tu§, bie i^m bie 
gi3tt(ic^e 2Iner!ennung fiebere. (£r ^at ba§ Sebürfni§, bie fitt= 
liefen Gräfte, meldje bem ß^riften gefc^entt ftnb, unmittelbarer 
mit bem religiösen ^eil ju öerbinben, al§ e§ mittelft ber Segriffe 
Sfiec^tfertigung unb «Sünbenüergebung möglid^ ift. 2utt)er unb 
SJielond^t^on fönnen beim retigiöfen SSer{)ättni§, beim ©lauben 
öermeiten, um, ^mar nid^t bie (Stille ber @ottgeIaf]enf)eit, aber 
bod) bie ^reifieit öon ber SSelt unb bem eigenen natürli(f)en 3d^ 
§u genießen, SuHinger bagegen benft beim ©tauben unmittelbar 
an bie fitttic^e 5(u§mirfung ber im @otte§dert)ä(tni0 begrünbeten 
Gräfte in einem „unfc^ulbigen" Seben. S)at)er ftnb it)m gur 
Sejeic^nung be§ (5^riftenftanbe§ jufammengefelte 5(u5bruc! ge= 
läufig mie „mal^rer @(aube unb unf(i)ulbige§ Seben," „©taube, 
Unf(f)ulb, Sikht" u. a. 

®ie au§f(i)liefeli(^e S3egrünbung be§ §eil§ in ber @nabe 
®otte§ bat bie SReformatoren aller ©ruppen pr Seftreitung ber 
SSilIen5freit)eit gefüf)rt. §ier traten fie in beftimmten Ökgenfa^ 
ju @ra§mu§, ben ba§ Sntereffe an einer fetbftänbigen äJJoral bei 
ber Se^auptung ber 2BilIen§frei^eit feft^ielt. 2)ie %xüQt t)at 
SSutlinger frü^ unb leb^oft befd^äftigt. @r erörterte fie mä^renb 
feiner ^appeter Sa^te in gttiei Sluffä^en, bereu 2;itel auf 9J?e{and)= 
t§on§ Soci {jinmeifen. @ie finb tjerloren gegangen. Sagegen befi^en 
tt)ir eine oereinjelte ^tußerung au§ bem 3a^re 1526, meli^e eine ent- 
fc^iebene 5(blef)nung ber Se^re be§ „ujettlic^en" SBeifen (Sra§mu§ Don 
bem (^ijebanfen ber göttlirfien SBettleitung au§ enttjält^"): „2öenn e§ 
göttliche 9]orfe^ung gibt, fo gibt e§ feinen freien SSitlen. ©onft 
n)äre bie SSorfe^ung ni(f)t 58orfe^ung ober ber freie SBiüe fein 
freier SBitle." ®a @ra§mu§ fid^ für feine 5Infd[)auung auf bie 
griec^ifcfjen 5lirtf)ent)äter berufen fonnte, §ief)t firf) S3ullinger auf 
bie allein entfdjeibenbe 5lutorität ber l^eiligen (Schrift §urü(f. 
Sinige Sal)re fpäter'^') fügt er ^in^u, bie 5llten Ratten bie 2öillen§= 
frei^eit nur in bem (Sinne öertreten, bafe ber S^rift burd^ G^riftuS 
olle§ üermöge. SSä^renb ber Streitigfeiten, bie fid^ in ©enf im 



22 

Satire 1536 über biefe ^yrage ert)okn, öerfud)te er p öermitteln. 
©inem S3uninger, ber irie @ra§mu§ bte @infad)i)eit unb (55emein= 
öer[tänblirf)!eit be» ©öongeliumS für einen S3etüeiggrunb feiner 
©öttlid^feit ^telt, lag bie SSerjudiung naf)e, eine g^rage tt)te 
jene ai§ tt)eotogif(f)e @pi^finbig!eit abjule^nen. Stüein n?ir 
befi^en Saugen bafür, bofe er fid^ ernftlidE) mü!^te, mit bem 
religio Jen 3^reit)eit5|.irobIem in§ flare §u fommen: eine Sf^ebe üom 
28. Scinuar 1536, get)Qlten am Saf)resfc[t ber jürdEjerifdien ^arl§= 
fd)ule, unb eine 5lb|anbtung, öerfa^t für ben Snglänber Xrafjeron 
»om 3. mäx^ 1553.22) c^^ jener ift bie ©teüung S3uainger§ 
eine unfidjere, ft)a§ bamit äufammen^ängt, baB bie tieferen 9}Jotitie, 
h)el(^e in ber g^roge mir!en, nici^t genug §ur (Geltung gebrad)t 
merben. SBeit bebeutenber ift bie ^meite ©c^rift. ©ie gef)t öon 
bem ©ebanfen ou§, boB bie fittlidEje @ebunbenf)eit be§ äJienfcfjen 
nur burd^ bie unfer gangeS Söefen unb SSerben umfaffenbe 
SBirlung ber göttli(f)en ®nabe aufgehoben roerben fönne. 5ö3enn 
bann nid)t aüe gum Qkk gelangen, fo ift bie Slnnaf)me eine§ 
partifutaren 9latf(i)Iuffe§ @otte§, burd) n^eldien bie einen erttJÖ^U, 
bie anberen üern^orfen merben, unausiueidjlid). Sie göttlidje 2BeIt= 
leitung beterminiert mit otlem ©eienben oud) ben SD^enfd^en, in 
ber SBeife nämlid^, hü"^ er burc^ öu^ere unb innere Seeinfluffungen 
ot)ne ßtüang geleitet unb einem guten @efamt,^iel entgegengefüt)rt 
njirb. Um 63ott nid^t gum Urijeber ber ©ünbe unb Skrbammniö 
nmc^en gu muffen, nimmt 33uninger für ben erften 9J?enfd)en 
fittlid)e @ntfd)eibung§frei^eit in 5lnfprud^; er ift§, ber burd^ 
feinen g^aH feine gange 9fJact)!ommenfd}aft jenen SJiöd^ten be§ 
SSerberben§ auslieferte. S)iefer Slufbau be§ ^roblemS erinnert an 
3]^eIand£)tt)on§ Soci. SnSbefonbere n^irb bort ber Slu§gang§punft, 
bie fittlid()e @ebunbenf)eit be§ SO^enfd^en, in !(affifd)er äBeife be= 
lem^tet, im ^uf^^nicttl^ang bomit bann bie gange ^rage mit 
if)ren @d)mierigfeiten in bie geniale (£infid)t »erarbeitet, ba^ bie 
Religion in (Srfennen unb §anbe(n eigenen ©efel^en folge unb 
ba{)er üon ber natürlidjen QSernunft unb Tloxai au§ unbegreiflid) 
fei. 93uIIinger ftanb jebod) in biefer ^^it met)r unter bem 
(Sinftu^ 6atöin§ al§ unter bem jenigen 9JJeIond^ti)on§, ber in= 
gmifd^en fetbft unfidjer gemorben mar. (Sr bleibt öon ßalöin 
unb feiner (5d)ule gefd^ieben burdE) feine Steigerung, ben 



23 

Sünbenfall Slbom^ in ben gbttlidfjen Ü^atf(f)IuB mit aufju* 
nefjmen. Sn feinen populären @d)riften i[t SöuÜinger bemüht, 
bie Unfrei^eit§= unb ^räbeftinationsfrage in einer ^ofl^^Ö ä^ 
Vertreten, burd^ ttjeld)e ha§ 33efrembli(^e mogücEift gemilbert tt)irb, 
ba§ Ü^eligiöfe, STröftlidje in ben S^orbergrunb tritt. SDer „freie 
SBtlle" tüirb onerfannt in bem ®inne, bofe ber ß^rift burd) bie 
göttliche @nabe bie Äraft in fic^ trage, t)a§> @ute ^u tun. 2)ie 
rotfd^Iüfflid^e ^erinerfung ^at nur bie S3ebeiitung eine§ örenä= 
gebanfenS. 

ßwingü {)ot nidjt h)ie bie Äird^enöäter, (SrQ§mu§, Sutt)er 
unb 9Jfetond^tt)on bie Stnfänge ^uüingerS beeinflußt. @ie lernten 
jic^ er[t gegen @nbe be§ Scit)re§ 1523 fennen, nad)bem ber junge 
Setjrer öon Pappel foeben bie neu öeröffentlic!^te „^tuslegung ber 
(3d)IuBreben" unb einige fleinere ©c^riften be§ ßürdjer 9ie* 
formatorS gelefen l^otte. Sn biefer Qät befaß er bereit» eine in 
allen luefentlid^en fünften gefidierte ttjeologifdje ^ofition. 3'u^"9^i 
!onn itjn in feinem geiftigen 5öefi^ nur „beftärfen". „Sd^ fül^Ite 
mid)," f(^reibt er fpäter, „oon feinen 33üd^ern unb ^rebigten umfo= 
met)r angezogen, je feuriger ic^ feit fd^on balb 4 Sollten biefer 
felben iief)re ant)ing". (£§ läge no^e, in ber 2ei)re öom Slbenbma^I 
Slb^ängigfeit SuUingerS oon ^mingli §u öermuten, t)a er ßut^er§ 
Stnfd^auung fjierin gu feiner ^eit gefolgt ift, bagegen feine Über= 
einftimmung mit jenem bei jebem 5lnlaß betont l^at. ^od) 
Ijätte eine foId)e Slnnat)me S3uIIinger§ eigenes 3^ugni§ miber fid). 
(Sr berid)tet nämlid) in feinem S^agebuc^ öon einer Unterrebung 
mit ßtt^^ng^^ fl"i 12- September 1526, mo er biefem feine au§ 
Sluguftin unb ber (Schrift eine§ SSatbenferS gefd)öpfte 2lbenbmat)ll= 
le^re auSeinanber gefegt ^aU. ^vo'ma^ii fei üöüig einoerftanben 
gemefen, ^aU it)n jebod) gebeten, einftmeilen bamit nid)t oor bie 
Dffentlid^feit ju treten. 2)emnad) liegen bie Quellen üon SuüingerS 
SDeutung be§ 2(benbmat)t§ in ber alten unb mittelalterlid^en 
Xt)eoIogie. Tlan mirb inbeffen auf fein ^UßeftönbniS, "Oa^ er 
burd) ßmingli in feinen Überzeugungen beftärft morben fei, '^flad)'' 
brud legen bürfen. SSenu er mit jenem bei ber ^ritif ber über= 
lieferten ^uffaffung bom Slbenbmatjt ben ©ebanfen in ben 9^orber= 
grunb fteüt, finnlic^e SJiittel tonnten nid^t geiftige S3Sir!ungen 
^erüorbringen, fo ift bie§ fd^mertic^ ein bloß äufäüigeS 3"f'^'^"^^"= 



24 

treffen. @f)er irirb man geneigt fein, an gemeinfame 2lb^ängig= 
feit oon älteren SSortogen ^u benfen bei bem beiben 9}Jännern 
geläufigen 2tu§bru(f ^eaturt)ergi)tterung gur 53e5eid)nung ber 
fatfd)en Ütelitjion im (Segenja^ ^ur tt)Qf)ren Sf^eligion, njel(f)e SSer« 
e^rung be§ @d)5pfer§ ift. 3)iefe (gntgegenfe^ung ift in ber 
plütonifierenben 9J?t)fti! be§ 9J?ittetQlter§ oon prinzipieller 53e^ 
beutung; in ber alten ^irrf)e ift fie Saftan^ geläufig, ber 
fie feinerfeitS einer ©teile im ü^ömerbrief entnimmt (^ap. 1, 25). 
dagegen öerbanft SuIIinger B^Jingli ot)ne ^i^^ift^f i^^e leitenben 
©efi^tSpunfte für fein fird)(irf)e§ unb fogiateg 2öir!en. ©eit 
er an beffen ©teile getreten mar, mollte er ni(^t§ anbere§ fein 
al§ ber (£rf)alter unb ^oHenber feines SBerfe». SBenige 
SSod^en nad^ bem eintritt feiner 2(mt§tätig?eit in ^nxxd) fcf)rieb 
er eine SfJebe on bie ©eiftlid^en über ben S3eruf be§ „^ro= 
Poeten", miü fagen be§ Pfarrers, nod) einem öon 3^^"9^^ 
auf @runb ber ©teüe 1. Äor. U, 1 ff. 29 geprägten 5(u§bruc!. 
3)ie 9^ebe mürbe in 2)ruc! gegeben, ha fiel) bie @eiftli(i)en ber 
unruljigen ^dkn megen ni(f)t üerjammeln fonnten. Suttinger 
fcl)ilbert ha bie SluSrüftung be§ öffentlid)en ©d)riftau§Ieger«, benn 
bo§ ift i^m ber ©eiftlid^e, unb gibt mertüoUe 9^atftf)Iüge für bie 
pforramtlidie SBirffamfeit. ?II§ unübertroffenes SJiufter ftellt er 
ben Stmtsbrübern ben öor fur^em al§ Opfer feiner „Siebe §ur 
Ütedjtfd^affenljeit unb jum Sßaterlonbe" gefallenen S^i^S^^ W- 
„@r mürbe öon benen getötet, bie er öon S^erfd^menbung unb 
^riegSbienft, oon £ui-u§ unb blutigem ©elbermerb auf ben SBeg 
ber 9^ecljtfc^affen^eit, ber ©enügfamfeit unb 2;üc^tigfeit 5urücE= 
fül)ren mollte". „(£r ift ber Wlam, burc^ ben un§ @ott bie 
§errtid)!eit feiner ^irc^e mieberfrf)enfte ; er ift e§, ber bie ®runb= 
Süge be§ emigen S3unbe§ unter un§ mieber Ijergefteüt ^at". „@r 
I)at bie greil)eit miebergebrac^t unb bie guten unb I)eiligen ©tubien 
erneut". 2öeiterl)in fc^ilbert ber Üiebner in preifenben SSorten 
^roingtiS perfönlic^e (Sigenfc^aften : „alle§ mar grofe an biefem 
2Kanne". SBaS ^uüinger Ijierüber ßioinglifagt, entljält fein eigenes 
Sbeal unb ^^rogramm. @r mitl ber erfte fein, fein Seifpiel gu 
befolgen. ^äematS l^at er ftc^ in ©egenfa^ ju i^m geftellt, ober 
fic^ in eine gegenfäljlic^e ^ofition brängen laffen, bei jebem 5tn= 
laB befennt er fiel) ^u ii)m unb tritt für fein 5(nbenfen ein, 



lüeldjeä infolge feineS jä^en XobeS metjrfac^ öon (gintjeimifc^en 
unb gremben gefc^mötjt irurbe. @eI6ftoerftänbIid) Iq§ er feine 
Schriften; au§brüc!Iid)e ^itait au§ Btt'iiiOti fo^^ie ftiUfd)tt)eigenbe 
9iemini§cen3en finben fid) in SuIIingerS ^^erfen f)äufig. 

3u ben Ölteften @rrungenfd)Qften ©nllingerS getjijrt feine 
©tellung ^ur l^eiligen (Schrift. (Sra^^mug unb bie Sf^eformatoren 
n^erben bobei ^ufammengemirft fiaben. Setier erflärte bie t)eilige 
©(fjrift, fo gut n)ie biefe, für ba§! allein un0ergängli(f)e unb un= 
bebingt öerbinblid^e ©otteSmort, bem feine menf(^Iic')en ?(utoritäten 
jur ©eite geftellt trerben bürften. SuIIinger tt)ieber^oIt eine§ 
feiner SBorte, njenn er ma^nt, bie Sefc^äftigung mit ben Senfern 
be§ f(affif(^en 5titertum§ nur al§ ^Vorbereitung auf ba§ ©tubium 
ber ^eiligen (Schrift, nicf)t al§ (Selbft^roed gu betracf)ten.'-^) ®a§ 
®ra§mu§ in formaler §inficf)t ben SioinS ben 53ücf)ern ber 
Ä'önige tior^ie^t, mä^renb Suüinger bie biblifc^en ©icfiter unb 
aftebner aud^ in fünftlerifdjer 53ejief)ung über bie profanen ftellt, be= 
beutet feinen mefentlic^en Unterf(f)ieb. 2)agegen ift bie Sßer= 
luenbung ber f)eiligen @d)rift bei ben beiben SJiännern eine öer= 
fd^iebene. @rasmu§, ber eine ün§^ ber ©emeinbe f)ert)orgel)enbe 
Ü^eformation nictit ttjill, fc^ä^t bie Sibel bIo§ al§ inbioibuelleS 
(Srbauungsbuc^, ba§u legt er fie allegorifc^ au§, moburc^ fie ein 
(Spiegel feiner perfönlii^en ©ebanfen wirb. SuUinger öermirft 
bie aI(egorifd)e S)eutung at§ millfürlic^ unb tajiert bie Sibel al§ 
ben unübertreffüd^en göttlid^en ^anon für bie „innere unb äußere 
3f?eIigion" be§ einzelnen unb ber ©emeinfc^aft. ®a§ ift refor* 
matorifcfie 2)enfroeife. S)er ©ettungSbereirf) ber (Srf)riftautorität 
wirb öon i()m möglid^ft umfaffenb beftimmt. SllleS toa§> „2et)re 
unb ©itte" l^eifeen fonn, föKt unter if)r ma^gebenbeg Urteil, 
ßtoifc^en bem ölten unb bem neuen Xeftament beftef)t in biefer Se« 
5ief)ung fein Unterfc^ieb. Huc^ ^eute noc^ ift in§befonbere ba§ 
öffentlidie Seben nad) ben ®efe|en be§ alten S3unbe§ ju ge= 
ftalten, bie nid^t au§ menfd^Iic£)er ©rfinbung, fonbern au§ bem 
©eifte ®otte§ fierborgegangen finb. 9^ur foU babei auf bie öer=^ 
önberten „örttidien unb äeitlicfjen" 53er^ä(tniffe 9f?ücfficf)t genommen 
merben. 5(nberfeit§ ift e§ ber ©egenmart unoerme^rt, neue 
Orbnungen gu fd)affen, bie nicf)t burfjftöbüd) in ber fieiligen 
@d)rift nac^gemiefen merben fi3nnen, menn fie nur bem Sinn 



26 

unb @eift bes ©Dangeüumi entjprec^en. ©ine „gefunbe fromme 
S3ernunft" intrb t)kx tuie bort ha§: 9f^id^tige finben. Söirflid) 
machen SuIIingerS au§ ber gangen fieiligen @d)rift gejc^öpften 
S3elel)rungen über bie ©eftaltung unb gü^rung be§ öffentücfien 
xmb priüQten 2eben§ faum je ben ©inbruc! be§ ^ünftlirf)en ober 
ftarr ©ejepd^en. (Sr ttjeife in dien (Srfdieinungen baSjenige 
9Kenf(^Iic^e unb ©öttltc^e l^eroorjufieben, in tt)elc^em ha^ @efc|Ie(i)t 
feiner ßdt fic^ hjieberfinben fonnte. Safe er, feinem :^iftorifcf)en 
®eniu§ folgenb, ta§ ^erfönlic!)e, @ef(i)id)tli(f)e in ber SSibel ebenfo 
gur ©eltung bringt n)ie bie Seigren unb Drbnungen, mag ^iegu 
tüefentlid^ mitt)elfen. ®ie Zeremonien be§ Subentum§ ujaren nad^ 
feiner S(nfi(f)t nid^t qI§ bleibenbe Slnorbnungen, fonbern nur qI§ 
:propf)etifd)e ©ijmbole be§ Opfers ß^rifti gemeint, \)a§> allein mit 
©Ott öerfö^nt. Snfofern befielet nämüdf) allerbingS eine S)ifferen§ 
gmifd^en bem olten unb neuen S^eftamente, at§ jeneS ba§ ^til 
nur üerf)eiBung§meife befi|t, roötjrenb biefe§ bie Erfüllung ge= 
nie&t. @iner menfd^Iic^en S3eglaubigung bebarf bie S3ibet nid^t, fie be= 
glaubigt fid) felbft, inbem fie „i!^re ^raft unb i^ren SSert an unferen 
§erjen ben^ätjrt". Snsbefonbere ift e§ unfromm, ujenn bie Äird^e be= 
l^auptet, o^ne bie ©anftion it)rer Organe bürfe jene feinen ©tauben 
beanfprud)en. „^a§ SSort @otte§ ift ölter al§ bie S^ird^e unb 
größer al§ fie." 2(uc^ bie Äird)e barf firf) fein anbere» Urteil 
über bie ^eilige ©c^rift anmaßen aU ha§: be§ ®lauben§. „^ie 
frommen aller ^dkn bisputierten nid^t, wenn fie "Oa^) SBort 
(55otte§ {(orten, ob man i^m glouben muffe, ob feine ©timme 
QUt^entifd^ fei; fie gtaubten unb freuten fidt), @ott gu ^ören unb 
if)m gu gefjorc^en". @§ bleibt bennoc^ ein einzelner unterge= 
orbneter ^unft übrig, für meWjen S3uninger be§ menfrf)ti(^en 
ßeugniffeg gugunften ber t)eiligen ©d^rift nid^t entbehren fann, 
nömlic^ bie 5lbgrengung be§ ÄanonS. ß""^ ^anon gehören i^m 
biejenigen (Schriften, bie üon ben ^ir«f)enoätern al§ äd[)te S)enf= 
mäter beS älteften ©^riftentumg anerfannt finb. Sie fanonifcfie 
93ibel ift i)a§> SBort @otte§, genau genommen freilid^ ©otte» SSort 
gtt)eiter .^anb, fofern fie ba§, ma§ ©ott „ben ^ergen feiner ^eiligen 
unb ^ropf)eten" offenbart, in @d)rift überfe^t entt)ält. SlKein, 
ha^ bebeutet nur einen Unterfdjieb ber gorm. Unbebenflic^ be* 
fennt fic^ Sutlinger gu bem @a^, ba^ bie Sibel ba§ ^robuft 



27 

be? @ei[le§ @otte§ fei. Über ba§ 3ßie t)at er jebod) nic^t c)e= 
grübelt; fie ttjor i()m gu fe^r £cben, als ta'ß er fie unter ba§ 
©efel einer 3nfpiration§Ief)re f)ätte [teilen mögen, ^^x göttlicher 
(Stjorafter erf)ebt bie f)ei(ige ©d^rift über alte anberen 93üd)er; 
jene befi^t göttticf)e, biefe be[il^en bloB menfd)(id^e Stutorität. 
gittert ^ullinger einen ^ird^enletjrer unb ge^t bann gar 2(n= 
füt)rung einer ^ibelftelte über, fo braucht er gerne gornteln toit 
bieje: „ba§ tt)or menf(i|{ic^, tjören Xü'iv nun hü§i ®öttlid)e". (£r 
fdjä^t bie ^irct)enoäter t)ül)er al§ bie meiften anberen '»Reformatoren 
unb forbert tjäuftg gu i^rer Settüre auf, altein fie finb it)m „nic^t 
unfere Sftidjter in götttidjen Singen, fonbern unfere SOJitfd^üter". 
©elbft 2(uguftin t)abe gebeten, man möge it)n belehren. 

3)ie in ber i)eiligen (Schrift niebergelegte göttlid)e 2Bat)rt)eit 
bebarf ber 9)^itteitung an hü§ SSoIf in einer ben med)felnben Um= 
ftünben unb S3ebürfniffen angepaßten gorm. 3}a§ ift bie 5tuf= 
gäbe be§ ^^rebiger* ober ^rop^etenamte§. 3)ie ^rebiger finb 
£et)rer aus ©otteS äi>ort; baneben beten fie mit ber ©emeinbe 
unb öernjalten bie @a!ramente. 3f)re.2e^re fei ber 3nt)alt ber 
t)eiligen (3cf)rift, fie fei aber aud) päbagogifd), bamit fie ©tauben, 
93uße unb 58efferung bes £eben§ mirfe. @ie l^aU ein flare§, 
fefteg 3iel: bie 93etet)rung be§ 9[}?enfd)en gu (Sott; fie fei einfach, 
um oon allen öerftonben gu merben, ernft, bamit fie „einen 
©tac^el in ben ©emütern jurüdlaffe". 2)er ^rebiger fotl üor 
allem miffen, ha^ er ©Ott an ber ÖJemeinbe gu bienen ^at, nic^t 
fid) felbft. Sullinger üerfic^ert fid^ nac^ feiner 2(rt be§ 2öefen§ 
unb ^erte§ be§ eöangelifc^en ^rebigtamte» burc^ eine gefd)ic^tlid)e 
©etrad)tung. @r fielit bie 2ll)nen ber eüangelifc^en Pfarrer 
in ben $ropl)eten, ujelc^e, üom „©eifte @otte§ onget)aud)t, bie 
Interpreten be§ ©roigen bei ben 3Jienfc^en" finb, unb in ben 
^rieftern ober £et)iten, ttJelc^e teil§ in finnlid)''bilblid)en formen 
geiftige Gräfte mirfen, teil§ ha§> SSolt im göttlid)en ©efel) unter* 
rid)ten. 2)ie Patriarchen waren ^ropl)eten unb ^riefter äugleic^. 
äRan fonn bei folc^en ©d)ilberungen uralten ©ottesseugentum», 
»ie fie 93ullinger§ ©djrift „t3on ber 51utorität ber t)eiligen 
6cf)rift"2^) gibt, an §erber§ „^roöiuäialblätter" erinnert merben. 
2)ie ^ropl)eten unb ^riefter finb bie SSa^rer ber reinen 9ieIigion, 
bie §üter be§ göttlichen ©efel^es, fie I)aben biefe§ bem ^olfe anä 



28 

§er§ in legen unb gegen jebe Sßerfümmerung ober SSergemattigung 
ju üerteibigen. ©o bienen fte ®ott unb bem «Staat. 2)aefelbe 
tun mit äußeren SOf^ac^tmitteln bie Könige, bie Dbrigteiten. Seibe 
5imter ^oüen §anb in §anb getjen.. Ü^ec^tlic^ ftet)t jeboif) ber 
Äönig über bem ^riefter unb ^rop^eten, biefe tjoben fic^ jenem 
unter^uorbnen, inbem fie i^n beraten. Über beiben ftet)t @otte§ 
SSa^r^eit. S)a§ ift für ade ^^iten bo§ normale SSerpItniS 
jtoifc^cn @ei[tlid)!eit unb Dbrigfeit. Stuc^ bie (Sdjuten, of)ne 
meldte Sfteügion unb Staat ni(f)t gebei^en !önnen, finbet Suüinger 
im olten 2;eftament a[§ göttlidje Slnorbnung mieber. Snt d)ri[t= 
ticken ^ultu§ finb alte füllen äuBerUc^er 5trt abgeftreift, bot)er 
finb ^ier alle ^riefter; aüein ba e§ öffentlidier 2et)re, öffenttid^en 
(5Jebete§ unb @egen§ jeber^eit bebarf, fo befte^t ba§ gei[tlict)e 5Imt 
in ber djriftlidien Äird)e gu 9fted^t. 



3u jenen f)eroifd^en (Gemütern, jenen übermörfjtigen ©ub=« 
je!tit)itäten, melct)e atleS objeftiü gegebene in ben ©Inten be§ 
eigenen .^erjen^ unb ©emifjenS umjdimet^en, um e§ al§ neue§ 
£eben it)rer ßdt tt)ieber5ugeben, ge'^örte Suüinger nicf)t. ®a§ 
überlieferte ürc^tid^e ©tauben unb §anbe(n mar auc^ i^m gum 
Sod^ gemorben, weit e§ feine Seefe nic^t befreite, aud) er beburfte 
eine§ lebenbigen @otte§. Statt ficE) jebod) an ber §eit§maf)r^eit, 
bie fein SnnereS belebte, genügen gu (äffen, begef)rte er für 
fein S)enfen au^erbem einer retigiöfen 3Sat)r^eit anberer 5lrt, 
bie i^r SBefen unb i^re Beglaubigung in ben objettiüen ^n- 
famment)ängen ber göttticfjen ©efd^ic^te tjaben foüte. @§ mar 
if)m nid)t genug, ba^ fein ^erj feine§ @[auben§ gemi^ mar, er öer- 
langte gleidjjeitig S3eruf)igung für feinen gefc^icEitlid) benfenben 5ßer= 
ftanb. @r fonnte nid)t gläubig fein, o^ne ju miffen, ta'^ er orttjoboj 
fei. ^a§ Sntereffe an ber Übereinfitimmung feiner retigiöfen 
S)en!roeife mit ber ibentifd^en 9f?eIigion be§ alten unb be§ neuen 
2;eftamente§ unb ber ölteften d^rifttid^en ^ird^e mar bei i^m ebenfo 
ftarf, al§ baljenige an ben göttlichen ©rünben feines §eil§. 2luc^ 
2utt)er unb B^^ngti be^oupteten if)rc Übereinftimmung mit ben 
2et)rbegriffen ber alten ^irc^e, aber für it)re perfönlidje grömmig^ 
feit bebeutete biefelbe menig. ©anj anber§ SSuIIinger. 3t)m ift 



29 

bie Segitimitöt feiner Se^re ebenfo unentbef)rüc^ tt)ie i{)re SBa!)r= 
t)eit. Snfolgebeffen t[t bie 3:f)eoIogie 93uüiiiger§ firdilic^er qI§ 
biejenige aller anberen Ü^eformatoren ber erften Generation. Sie 
ht'ia^ biefe (£igentümü(i)feit oon Stnfang an unb l^at fie jeber- 
jeit bettja^rt. 

©eine S(poIogetif :f)at gum [tänbigen STtjema bie Stble^nung 
be§ 53ortt3urf§ ber .^ärefie, be.n 9lad)n)ei§ ber eigenen Ort^oboi'ie. 
(Sine @d)rift öom Sat)re 1552 trägt ben 2:itel: „3^aB bie eoan= 
gelijc^en Stireren roeber tjäretifd^e no^ ft^ismatijd^e, ftnbern f(f)Ied^t= 
^in ort^oboie unb !atf)oüjd^e Äirc^en Sefu S^rifti feien". Sie 
^Argumentation »erläuft burcf)au§ im Objeftioen. S)ie eoangeIif(f)en 
^ird^en anerfennen bie fanonifd^en ©(^riften be§ alten unb neuen 
2;eftamente5 al§ @otte§ SSort, unb ridjten ficE) in 2e{)re unb 
ÄuItuS allein nac^ i^nen. ©ie lehren, ha^ biefe ©d^riften burc^= 
au§ üollfommen unb untrüglid) feien, unb ha'^ fie fid^ in 
aut^entifcf)er Sßeife felbft auslegen utib beglaubigen, fomit !einer 
menf(f)tic!^en Seftätigung ober Seleuditung bebürfen. S)ie alte 
^irc^e mit i^rem in allem mefentlic^en übereinftimmenben Se^r- 
beftanb, ber ou§ feiner anberen Ouelle al§ ber Zeitigen ®(i)rift 
gefd)öpft ift, ift it)nen ber befte ^tnqt für bie 9^i(^tigfeit bicjer 
Slnfd&auung. @§ befte^t „eine gcn^iffe fattjolifc^e (aügemclne) unb 
guoerläffige, au» bem 35erftänbni§ beS ©tauben^ gefcf)öpftc, autori= 
tatioe, pietätsooü überlieferte (S(f)riftau§Icgung". dJlit g^ug unb 
9Red£)t tt)eifen bie eoangelifc^en Äirdt)en ben ^ßornjurf ber §ärcfie 
gurücf, „folange fie biefe fattjotifc^e ©enfroeife ber Äirc^e unb 
bamit bie erften ©runblagen ber Üieligion unb orttjoboyen ßet)re 
treu bemaf)ren". 2)ie ^äretifer fenn^eidincn fid) baburd), ha"^ 
„jeber feinen 2Beg gel^t". (Seiner umfaffenbften ^ublifation, ben 
„Sefaben", einer Sammlung öon 2ct)rprebigten, fteüt SuIIinger 
bie S3efd^Iüffe ber öier erften allgemeinen Konsilien ber alten 
Äird^e an bie @pi|c, gum 3^"9"^^f ^ofe „unfer ©taube ber 
d)rifttid^e, apoftoüfc^e, fatt)oIifd)e, orttjoboje, njal^rc, olte, unbe- 
smeifelbare ©taube fei". 2)ie fo aufl nad^brüdtidjfte betonte 
£et)rfontinuität innerl^alb ber „njaf)ren ^ird)c" ttiirb üort S3uttinger 
nic^t blofe nad) aufeen gemenbet, in apologetifdjem Sntereffe geltenb 
gemacht, fie f)at auc^ für bie tird)tid)e 5trbeit im Snnern fanonifc^en 
SSert. Norbert er öon ben ^rebigern, ba^ fie in ber Unter* 



30 

ireifung ber ©emeinben flare unb beftimmte ßiele öerfolgen joüen, 
fo erflärt er \xd) gelegentlid) genauer, bafe er ben „fircf)Iicf)en, 
!Qt^oüfd)en, legitimen Inbegriff be§ ©laubens" meine, ©elbft* 
öerfiänblidje Sßorau^fe^ung ift babei, bafe fie biefe „3RegeI" für 
fic^ felbft al§ oerbinblic^ onerfenncn. 

9^Q(^ allebem ift 93uninger§ religiöfe Überzeugung jum 
guten STeil, tt)ir bürfen ino^t aucf) fagen in erfter Sinie, Slnfrf)Iu& 
QU ein @egebene§, ha§> fic^ burc^ fein gefc^id)t(i(^e§ @ett)ic|t unb 
feinen inneren ßufommen^ang al» autoritatiö aufnötigt, gugleid^ 
aber burc^ feine ßlarf)eit unb @infacf){)eit einem praftifc^ ge= 
ftimmten SSerftanbe fid) empfie!){t. 5niein bei 53uIIinger§ (ebenbiger 
gefc^ic^tlicfier Sutuition, bei feinem tiefen @emüte, feiner etfjifdjen 
SBa^r^eit unb großen fittlidjen ?lftit)itöt mar ein einfeitig t^eo= 
retifdjeS SSerf)äItni§ ^ur d)riftlic!^en Offenbarung gän^Iid) unmi3gli(^. 
®ie „Se^re ber ^ird^e" bebeutete für i^n Die 93ibel in öerfürjtem 
SluSbrucf. Unb bie 58ibel mar i^m ba§ güd^orn be§ gottgemollten 
2eben§. ©ein SDenfen ift ja nid)t abftrafte§, fonbern t)iftorifd^e§ 
teufen. (Sr !ann feine c^riftlid)e Sbee fixieren, of)ne ha"^ biblifdie 
©eftalten unb 6ituationen in reichen Silbern fie begleiten. (Sr 
belehrt unb überführt mef)r burc^ Qöuftrieren al§ burc| begriffe 
Iid)e§ 5(nalt)fieren unb Iogifd)e§ ©ci^IieBen. Wlit einem ^Beifpiet 
meint er mef)r ju fagen at§ mit fc^arffinnigen Unterfdjeibungen. 
2Ba§ mafjre S3u^e fei unb ta^ \)a§> fat{)oIifd)e 93ufefaframent 
biefen Slamen nic^t öerbiene, jeigt er burd) ben §inttjei§ auf bie 
©ünberin in 2uf. 7, ben ß^riftuS oerleugnenben ^etru§, ben 
öerlorenen (So^n. S)a§ S3eri)alten be§ ^aulu§ im ©eefturm 
(3(poft.=®efd). 27) iüuftriert ben d)rifttid)en Sßorfe^ungSgtauben 
auf§ treff(i(^fte unb fafet, ma§ eine 9iei^e t}orau§gefd)idter Ief)r^after 
SÖibelftellen barüber gefagt I)aben, in einen tebenbigen (Sinbrud 
gufammen. @o in ^ullingerS S3efenntni«fd)rift öon 156G, ber 
fogenannten 2. ^elöetifc^en ^onfeffion, ^ie burd) biefe§ onfd^aulidje 
(Slement einen SSor^ug öor anberen befi|t. 

©old^e gemütsoolte Stnfc^auung be§ Snf)alte§ ber 58ibe( ift 
bie breitefte Ouelle Don 5öuIIinger§ retigiöfer @r!enntni§. (Sr 
öerbanft i^r eine ^üüe religiöfer unb fittlidjer Wotm, öereingelt 
and) originelle ©ebanten. ^n biefen ift üor allem bie S(uf= 
faffung ber Ü^eligion ül§> ißnnb ämifd)en @ott unb ben 9Jienfc^en 



31 

in rechnen, treldje SuHinger fc^ou fef)r frü^ (1532) uiib mit bem 
öoHen S3ett)u^tfein öon it)rer prinzipiellen Sebeutung üertritt. (5§ 
gibt faum ein fruchtbareres ©c^ema, um bie Sbeen öon @ott, 
aaSelt unb 9Kenfd) in berjenigen gegenfeitigen Sejietjung feftju« 
Ratten, toeldje fie er[t §u religiöfen Sbeen mac^t. Slllein SSuHinger 
'bt\ü% meber iiaS^ S8ebürfni§ nod) bie @abe, üon biefer ober einer anberen 
ibeeüen Ä^on^eption qu§ boS ©anse ber c^riftlic^en ©ebanfen jum 
(Stiftern ju orbnen unb fritifd) fidjer gu ftellen. 2(u§ ber anberen, 
tiefer fliefeenben Ouelle eöangelifd^er @rfenntni§, bem 93ebiirfni§ 
be§ @emtffen§ nac^ ©eelenfrieben, t)at SuHinger fein äc^te§ unb 
ft)o^rt)afte§ SSerftänbni§ be§ paulinifc^en @tiangelium§ öon ©nabe, 
SSergebung unb SSiebergeburt gefd)öpft, benn gefdiic^tlic^e S(n* 
fc^auung unb ^Tnempfinbung reicht ha nic^t §u. ^k fpric^t fein 
^er^ unmittelbarer, al§ menn er non ber @nabe ®otte§ j^eugt, 
fein ®an! Hingt nie fo üoU, al§ nienn er ©ott bafür preift, ha^ 
er un§ (5^riftu§ ^um (Sriöfer gegeben. ®ennoc^ ift ba§ für if)n 
nur eine äöat)rt)eit neben anberen. Sut^er !annte al§ ^xüd^t 
feiner ©eetenfämpfe nid)t§ göttlid)e§ al§ bie§ eine ; menn B^uingti 
öon Sftetigion fpra^ fo meinte er o^ne weiteres bie göttlidie 
SSßiebergeburt be§ menfd)tic^en äöefenS. ®ie ©nergie, njomit fie 
fo, ieber in feiner SSeife, it)r ganzes ®afein um it)ren ©ott tjin-- 
gaben unb bie Äraft, momit fie fiel) felbft unb anberen mit @ott 
ein neues SDafein erbauten, ba§ mac^t fie gro^ im üteid^e ber 
Sfieligion. S'finen gegenüber ift S3uninger ein (Spigone; if)m fef)(en 
jene Siiefen unb biefe Gräfte. Slber ein ernfter, ein (ebenbiger 
unb ein mat)rer ift auc^ er gemefen, eine gläubige, fid) unb aÖeS 
©Ott anöertrauenbe (Seele, baju ein treuer, ein (Seelforger ber 
ben ganzen UmfreiS beS inneren unb äußeren SebenS feines 
SßoIfeS in fein §er§ faBte unb ein meifer, ber fein ganzes SBiffen 
unb Ä'önnen barauf rid)tete, ©otteS ©ad^e ^u förbern. 



3, ^^uKittgcvö 2ßirf|rtmfcit ttt 3«i*tt^» 

Stm 20. 9^oüember 1531 mu^te 33uninger auS S3remgarten 
weisen. @r begab fic^ nad) ßüric^, mo ein g^reunb if)m unb 
feiner Familie ?tufnat)me gemäi)rte. 2)ie Seoölferung befanb fid^ 



32 

in ber trauricjften S^erfaffung.^'^) S)ie D^ieberlage üon Äappel, 
ireld^er balb eine jtüeite am ßuger $8erg gefolgt töar, {)atte bie 
©tabt in bie gröBte Slufregung unb Sßemirrung geftür^t. ®erüd)te 
öon ^eronrücfenben öfterreidjijcfjen beeren üerme^rten bie gurd^t 
öor bem ©ieger. SDie Dbrigfeit mar ratto^. ßu ben klagen berer, 
ttjeldie perfönli(i)e SSerlufte erlitten Ratten, gefeilten fid) 5ln= 
üagen. 2)ie Sanbleute befdimerten ficE) über fdjled^te ^rieg§= 
fül)rung unb über ben aüju großen ©influ^ ber @eifttiif)en 
auf bie ^olitil^*"-) SSo^t mr \)a§> 93oIf entfc^Ioffen, „nic^t öom 
Sßorte @otte§ ^n njeic^en/' aber bie Umtriebe einer fat^oIif(i)en 
©ruppe, bie fid^ in ßüric^ §u regen begann, gaben ©runb ju 
ernfter 33eforgni§. 2)er griebensfdjtuB öom 16. Sioöember fi^ien 
bie oon au^en brol^enbe @efat)r ab^umenben, aEein er lie^ (£nt= 
mutigung, SKifetrauen, Sefdjämung gurüd. Sn ber @ite unb 
ot)ne bie (Sinmiüigung be§ .^eere§ mar im g^elblager eine grieben§= 
afte aufgefeilt morben, meiere nur §u beutlirf) hk fc^mere ^anb 
be§ (Siegers tjerriet. S)ie (£üangelifrf)en in ben „freien 5imtern", 
am oberen ^üi^idlf^e, im ^ioggenburg u. f. m. foüten fat^otifc^er 
^ergemattigung preisgegeben, bie fonfeffioneHen 53ünbniffe mit 
ben fübbeutfdjen ©tobten gelöft merben, in ben gemeinfamen 
SSogteien foüten bie Ä'at{)oIifen ein beffereS 9^ed)t für it)re 
9?eIigion§übung I)aben al§ bie S^eformierten. 2)er bittere SSor« 
murf eines (StraBburgerS,^') bie 3üi^d)er feien „am ©lauben 
unb an ben ^ünbniffen, an @ott unb on ben eigenen Seuten 
5U SSerrötern gemorben," entfprad) ber bemütigenben ©mpfinbung 
bieler in ßüric^ felbft. (Sine S^erönberung ber poIitifd)en 
Sage mar nid)t met)r gu f)offen, um fo unerläßlicher mar 
bie innere Slufraffung. 2)iefe§ ©emeinmefen mußte fic^ mieber= 
finben in bem, maS feine befte ^raft, feine gefd)ic^tlic^e ©röße 
gemefen mar, e§ mußte mieber 5Sertrauen geminnen gu fid) 
felbft unb feiner 3"f"nft- ^agu bebüVfte eS treuer unb meifer 
gü^rer, ftarfer, ebter ^erfijnlic|feiten, bie einen felbftlofen 
SSillen unb ein ftareS S)enfen in feinen ©ienft gu ftellen 
t)atten. 

©c^on om britten 2;age nad) feiner SInfunft in 3ürid) be= 
trat SuUinger, auf \)a^ ©rängen einiger befreunbeten ß^or^erren, 
bie Äonjel beS ©roßmünfter, um bann öfter {)ier gu prebigen. 



33 

^er ©inbrud feiner 9ieben mu§ bebeutenb getcefen fein; „man 
tonnte glauben, Sn^i^B^t fei toiebergefefirt", bemerft ein geuge. 
@r burfte ^u ben befümmerten, beunrut)igten ©emütern öon nic^t§ 
anberem fpredien üI§ öon ber ßeitlage. 2Bir tt)iffen in ber ^aupt= 
fac^e, n)a§ er barüber ju fagen ^atk, and) n^enn njir ben SBort= 
laut feiner ^rebigten nid)t fennen.^^) Sßor allem trat er bem 
überall laut teerbenben nieber.brüdenben Sßortjatt ber ©egner ent» 
gegen, ta'^ bie Dlieberlagen ber ßürdier @otte§gerid^te über if)re 
Äircljenreformation feien. @ieg unb S^ieberlage Lemeifen »eber 
bie SSa^r^eit nod) bie Unn)a{)rl)eit eine§ ©laubenS, fonft müßten 
bie 9?eIigionen ber Reiben beffer gettjefen fein al§ biejenige be§ 
SSoIfeS S§rael unb ber Qölam njöre tt)at)rer al§ t)a§> ßt)riftentum. 
@otte§ 9flutt)e ge^t über @ute unb 93öfe. SSon Slbel m§, auf 
^^riftu§ unb feine SIpoftel ^aben bie frommen jebergeit ©ettjatttat 
unb Unterbrücfung §u leiben gehabt. 3)e§{)alb finb fie nic^t üon 
(Sott oerftofeen; erfennen fie barin feinen ©ruft unb bie 9}Ja^nung 
gur ^uBe, fo mirb i^nen ba§ Seiben jum ©ewinn. @§ gibt 
l^eiligeg ^reu^. 2Bir muffen burc^ 5:rübfoI in§ 'tRtidj ©ottes 
eingeben. ^^Jid^t ber eöangelifc^e ©laube ift bie Urfadje öon 
3üric^§ 9ZotIage, Seber ben!e bei ber §eimfucf)ung be§ ^akv= 
lanbe§ feiner iperfönlic^en ©djulb, feines Unget)orfam§ unb Un= 
ban!e§. „@ott I)at ^iixid) gu einer befonberen ^ktht unb §um 
©piegel feiner (5^re unb ©nabe gemadit, tt)ir f (feinen ba§ uic^t 
genug er!annt unb gett:)ürbigt gu ^oben/' 2)a§ äßort ®otte§ aber 
bleibt in ©njigfeit unb !ann nid^t unterliegen. @§ ift aud^ ein 
@ieg, ttjeu" @otte§ SSort unter l^arter 33ebrängni§ burct) ©lauben, 
(SJebuIb unb 2apfer!eit fid) in ÜJfenfc^en^er^en ert)ätt tt)ie gur 
3eit be§ ^ropljeten (SIia§; e§ ift auc^ ein ©ieg ber SSa'^r^eit, 
toenn SDknfdien für fie leiben unb fterben fönnen. 2)arum 
.,n)otIen Xüix unfern Unfall al§ öäterlic^e ßüc^tigung anerfennen 
unb weiter in ber Hoffnung ber ©nabe ©otte» leben." 

'am 9. ©egember njurbe 33uHinger t)on ben 6I)ort)erren unb 
ben fRöten an 3n)ingli§ ©teile gum Pfarrer am ©ro^münfter 
unb pm §aupt ber gürc^erifd^en ©eiftüc^feit ernannt. 3}er 
@egen, ber oon feinen ernften, flaren, ma'^r^aften ^rebigten au§= 
ging, mag nid)t njenig ba§u beigetragen ^aben, if)m ba^^ ßutrauen 
ber leitenben ^erfönlid)feiten gu ern^erben. ©Ieid)jeitig rirf)teten 

0. ScI;u[tI)eB':He(f)bersj, .'öeinriii) 'öuUinger. 3 



34 

übrigeng onbere (Sc^tüeiäerftäbte tt)re 93(i(fe auf ben gelehrten, on^ 
gefe^enen iungen Sremgartener Pfarrer. 5^er 9iat üon S3aje( 
bot it)m bie ©teile be§ am 24. S)e5ember oerftorbenen Öfolampab an 
unb bie Dbrigfeit oon 58ern lub tt)n ein, an bie ©pifee i^rer 
®eifllid)feit gu treten. 3J?an mochte i^n üon ber Xagfa^ung be^ 
»ergangenen @ommer§ I)er in befter (Erinnerung f)aben. §ln 
feiner SSerbinbung mit 3üri4 in beffen ©ienft er at§ Se^rer in 
Goppel unb Pfarrer in -Raufen längere Qät geftanben t)atte, 
na^m man, mie e§ jc^eint, feinen SlnftoB- 

S)ie§ bürfte bei Sern auffallen, ^errf(f)te bod^ feit Sauren 
§n)if(^en if)m unb ßii^i*^ ^^^^ ©pannung, bie bur^ ben un=' 
gtücfUd^en 5Iu§gang be§ ^riege§ nocf) üerfc^örft würbe, ß^^^^i" 
tt)ar bie 93ernifci^e Slircfje eben je|t burc^ bie aggreffiüen ^^^rebigten 
be§ 3ür(^er§ äJJeganber beunruhigt, n)eld)er ber Sf^egierung i^re 
3urü(f^altung im Kriege öormarf. SBenn man tro^bem 33uIIinger 
nac^ 33ern gu ^ie^en münfd^te, fo mufete man über feine politifd^e 
2)enfmeife ooüfommen beruhigt fein. ®ie 5Sermutung legt fid) 
na^e, ta'^ er politifc^ anber§ badete al§ ßmingli unb fein nöd^fter 
ßreiS. 3Dem ftef)t jeboc^ bie S^atfa^e entgegen, ha"^ er fic^ niemals 
in ®egenfa| ^u ßmingti unb ^mingliS 3Inbenfen gefteHt t)at unb 
ha'B i{)n ungetrübte greunbfc^aft mit 9Jfännern mie 2eo Sub unb 
S[Reganber öerbanb. SBie t)at man fid) biefe ^Bereinigung f(^einbar 
miberftreitenber 9Komente 5ured)täulegen ? 2öeld)e§ mar SutlingerS 
politifd^eg 2)enfen unb SSert)a(ten öerglidjen mit bemjenigen ^wingtiS? 
(Sinen tf)eoretifd)en llnterfd^ieb nadjäumeifen, bürfte fdimer fjalten. 
58eiben mar \3a§: SBort @otte§ ha§> ©runbgefe^ be§ gangen öffent= 
üd)en unb priöaten SebenS, beibe nennen ben eoangelifc^en 
®eiftli(^en einen ^ropt)eten, nic^t aEein im neuteftamentlid)en 
©inne be§ ©d)riftausleger§, fonbern aud) in jenem altteftament^ 
liefen, monad) er SSoI! unb Obrigfeit gu mal)nen, unter Umftänben 
ju ftrafen t)at, unbefc^abet feiner Uittertanenfteüung, beiben ift 
bie Äirc^e religiöfe ©taatlanftatt, näc^ftbem ha^ fie bie uniüerfale 
ibeale ©emeinbe ber ^inber @otte§ ift. Suüinger t)at nid)t§ 
einjumenben gegen fonfeffioneEe Sünbniffe, im @runbe aud) nid)t 
gegen fonfeffioneüe Kriege, für bereu Berechtigung il)m bie 
„©laubensfriege" be§ 33oI!e§ S^raet bürgen. Sßenn er fomit 
ben 3;ogfa|ung»abgeorbneten öor bem gmeiten Ä'appelerfrieg erflärte, 



35 

bie religiöjen Streitigfetten follten burc^ bie 5:f)eo(ogen gefcf)(id)tet, 
nic^t burcf) ßriegsfieere entfrf)ieben lüerben, \o enfprang biefeS 
SBort nirf)t einem pringipietlen SJJotiü. 2)agegen frfieint er gegen 
bie S(nraenbung friegerifc^er ©eiuaft im 3)ienite ber Üieligiou eine 
perfönlic^e Stbneigung gef)a6t ^u §aben. 2(n fid) mag jene nic^t 
un^uläfiig fein, in ber SBirfUc^feit foUte fie oermieben merben. 
Tlan mag §ur Seftätigung ^ullinger§ öfteres Eintreten für ben 
©runbfa^ ber 2;o(eranä ermät)nen, bie freiließ im engften (Sinne 
öerftanben roirb. Sei jeber @e[egenf)eit erf(ärte er, bu^ S^erfolgung 
um be§ @fauben§ millen mit bem enangelifc^en Se!enntni§ un= 
oerträgücf) fei.-^) SSenn bie „^äpftUc^en" foltern, üerbrennen, 
entfjaupten ober menigften§ oerbannen auf ben bloßen SSerbacfjt 
ber Hinneigung §ur neuen Setjre t)in, fo laffe bie Obrigfeit 3üricf)§ 
anber§ ©laubenbe ungeföf)rbet in if)rem Sanbe mof)nen. @ie 
ftrafe nur ba^ (Sc^mäf)en unb Säftern ber 2öot)r^eit unb be§ rechten 
®(auben§, mie D^ebufabne^ar getf)an, a(§ er §ur ©rfenntni» be» 
tDaf)ren ©otteS fam. „3^er ©taube", fagt S3uIIinger fc^ön, „ift eine 
freie &aht ©otte», bie tion DJJenfcfien meber gegeben no(^ genommen 
mirb unb fic^ bes^alb gar nicf)t ^mingen lä^t, benn ba§ ^tx^ 
fte^t in ber §anb @otte§, barum mag ber ©taube meber geboten 
noc^ berboten merben/' 9^un mar aud) 3^i^9^i perföntic^ ni(f)t 
gur ©emalttat geneigt, aüein feine meltpolitifd^en Qkk füf)rten 
i{)n bap, in einzelnen gätlen Üiücffic^ten ber Siüigfeit ^ur Seite 
p fe^en. SuIIinger fannte fein meItpoIitifcf)e§ Programm, 
menigftenS liefe er fi^ üon feinem bef)errf(^en ; infotgebeffen mufete 
fein poütifd}e§ S)enfen unb «Streben oon ben äJJotioen geleitet 
merben, meld)e ben menfd)Iid)en 3f?ed^t§t)erfef)r im einzelnen be= 
ftimmen. Sein ftaatlic^eS SSirfen blieb befdjränft auf bie fitt= 
lidjen Gräfte, bie er im 33erfef)r mit einftufereidien ^erfönlid^feiten 
ein^ufe^en öermoc^te. (£r blieb aud) in ber ^olitif Seelforger, 
mogegen ^tüingli ebenfo fef)r ben SiRotioen be§ großen Staat§= 
manne§ fofgt, meld^er bie 9Jiad)tfaftoren feiner ßeit nac^ @efid)t§= 
punften ber ^tt^'^cftnofeigfeit gegen einanber au§fpielt. B^^ingli 
mußte bemgemäfe bie ^ixQd ber S^egierung felbft in Rauben 
f)aben, mäf)renb Suüinger bie „meltlid^en §änbet" ber Dbrigfeit 
überliefe unb fid) bamit begnügte, ber öffentlidje 5(nmalt be§ 
2Borte§ ©ottel, ber Pfleger ber retigiöfen unb fitt(id)en ©üter im 



36 

(Staate §u fein. 5(n einer ©ituation, tnie fie ber ^riebensf(i)Iufe 
üon tappet ben (Süangelifdjen ber @d)h)ei§ aufnötigte, ttjürbe fic^ 
3iüinglt§ ®eniu§ auf§ ^eftigfte geftofeen t)aben; auc^ 33uIIinger 
litt fc^toer unter bem „etenben ^rieben", aber er üermodjte e§, 
tüS' Unabänberlidie gu afgeptieren, unb er fe^te fein ganjeg Seben 
an bie öerleugnunggtioüe STufgobe, ^Mä^ unb bie eöangelifc^e 
®a(f)e ber (SÄtreij ber Ungunft ber SSer^ältniffe äum Zw^ §ur 
Slüte unb gu mannigfaltiger ttoftentfaltung empor^ufütiren. 

S8en3unbern§n)ert ift bie (5i(^er{)eit, ftomit ber 27 iäf)rige 
öom erften S^age an feinen SSeg !ennt, unb bie ^ä^e traft, mit 
ber er auf bemfelben fortfc^reitet. S)ie 2Bat)( 55uIIinger§ mar 
eben öolljogen morben, ha befc^ieb ber 9f\at bie @tabtgeiftli(f)en 
gufammt bem SfleugeUiätilten auf ha^ 3f?at^au§, um if)nen t)on 
feinem S3efd)IuB in feierlidjer SBeife tenntni§ ^u geben. Sm 
5lnfrf)IuB baran teilte i^nen ber 93ürgermeifter eine mit ber 
£anbfd)aft getroffene SSereinbarung mit, laut melier bie ©eiftlic^en 
öon ber Obrigfeit öerpflidjtet merben foHten, ha§> SBort 65otte§ 
„freunblt(f)" unb o!)ne alle „©c^mä^ungen" ^u öerfünben, fomie 
fid) ber ©inmifc^ung in poIitifd)e 2(ngelegent)eiten gu entgolten. 
SuIIinger überfc^aute fogleic^ bie S^ragmeite unb prinzipielle S3e= 
beutung biefer gorberung; er erbat fid), um nid^tS §u übereilen, 
S3eben!äeit, unb bie anberen (55eifttid)en folgten feinem SBeifpiet. 
^aä) tiier Xagen trat er mit feinen 5lmt§brübern mieber oor ben 
tRat unb gab eine ©rüärnng ab, bie in ben Söorten gipfelt: „®ie 
Safter unb Übeltaten, e§ betreffe ben 9^at, bie ©eric^te, ba§ melt= 
lid^e unb geifttid)e Ü^egiment, merben mir nad) SOJafegabe be§ 
Safter§ unb be§ Safter^aften je nad) 93emanbni» ber (Sachen, 
fd)onenb unb fanft, I)art unb einfd)neibenb o^ne 5lnfet)en ber 
^erfon mit SBorten ber (Sd)rift ^eran^iefien, befd)elten unb be* 
ftrafen, benn hü§> SBort @otte§ mill ungebunben fein unb ©ott 
mu^ man me^r gei)ord)en al§> ben 9Jienfc^en". ®ie 53eranttt)ortung 
be§ ©eiftlidjen oor ®ott erforbert, bafe er, otjne jebe (Sin= 
fd)rän!ung, ber SSafjrtjeit unb bem SSorte @otte§ bienen fönne. 
^ie gemünfi^te ®etoäi)r gegen ben 2J?iBbraud) ber tanjel fann 
nid)t burd^ eine äußere 93egrenäung ber ^rei^eit be§ ^rebiger§ 
gemonnen merben, fonbern liegt allein in bem ernften iffiillen 
begfelben, fid^ in feiner SSerfünbigung üom SBorte ®otte§ felbft 



37 

leiten ju laffen, ni(f)t öon „eigenen :^ii[ten unb Segierben." 
Suüinger le^nt eine obrigfeitlidje SSorfcJjrift ob, um bie ?tn= 
gelegenf)eit auf ben 33oben be§ perfönlidien SSertrauenS ä^^ifcfien 
SRegierung unb @eiftlirf)!eit §u [teilen. 2)emgemäB war er aucf) 
entfc^Ioffen, bie if)m angebotenen SSürben au§pfcf)(agen für ben 
gatl, ba^ man barouf beftefjen foKte, bie g^rei^eit be0 geiftlid)en 
5tmte§ ein^ufc^ränfen. dlad) langer ^Beratung fiel bie (SntfcE)eibung 
in S3uninger§ (Sinne au§. 

2)ie eingefcE)üc^terten g^reunbe ber 9f?eformation im Ülate, 
bie eine ©ruppe ^eimlic^er Gegner berfelben an it)rer (Seite 
!^atten, fpürten bie Äraft, bie it)rer <Bad)^ in bem jungen fieiter 
ber ^irtfje gefd|en!t tüav, unb begannen SJiut ju faffen, ebcnfo 
bie ©eiftUi^en. Sie ©emeinbe führte SöuIIinger burc^ feine 
^rebigten gur ^Iarf)eit unb geftigfeit. 33alb erhielt er nun ben 
Stuftrag, einen öffentlichen (Srlafe au^^uorbeiten, in njeld^em bie 
Obrigfeit bem öon au§märtigen unb einl)eimifd)en Sln^ängern be§ 
fot^olifc^en ßuttu§ auSgeftreuten ©erücfite entgegentreten moüte, 
ba^ man in ßiirid^ ju Äon^effionen an \)a§i ^opfttum geneigt fei, 
5ugtei(f) ben feften (Sntfd^luB auSjufprec^en münfd^te, beim SBorte 
@otte§ 5U bleiben unb bie auf @runb begfetben eingefüt)rten gotte§= 
bienftütfien unb fo^ialen Orbnungen mit aüen SQJitteln aufredjt ^u 
erhalten. SuüingerS ©ntmurf mürbe angenommen, jebod^ nid^t 
oline 3Serönberungen, bie ben ®egenfa| jum fatt)olif(i)en Sirenen* 
tum abfoluter unb fd^örfer pm Slu§bru(f brac^ten.^o) ®er S3efud) 
ber 9Jieffe mar in biefem „9}?anbot" al§ tatfä(^li(^e 5lbfonberung oon 
ber c^riftli(f)en ©emeinbe unb @eringfcl)ä|ung berfelben bei (Strafe 
ber 35erbannung öerboten. 3)oc^ burfte niemanb ^um 53efud^ be§ 
Slbenbmal^l§ ge^mungen merben; mer fid) bemfetben entzog, foKte 
©utbung finben, aber feine Slmter belleiben bürfen. 2)ie SJfeffe 
mirb in ber enbgüttigen S^affung be§ (SrlaffeS al§ ein SJiifebraud) 
be^eidinet, meldjer^u „nid^t geringer (Sd)mälerung unb ißerfleinerung 
be§ Seiben§ unb @terben§ Sefu ß^rifti, be§ aüeinigen Opfer§ 
unb ©eligma(^er§, in ber römifd^en Äirdje bi§f)er übtic^ gemefen." 

S)iefe erfte offiäieße Äunbgebung 3ürid)§ f^it bem grieben§= 
fc^luB öon Pappel erregte ba§ größte 5(uffel)en. Se greller ta^ 
(55erü(^t bie S^lieberlage unb Entmutigung ber SOJitbürger ßroingli^ 
gefc^ilbert ^atte, um fo erfreuter maren bie greunbe über biefe» 



38 

entfc^toffene, üore SBort, umfo öerblüffter bie geeinte. Sie 5 Orte 
tüurben öon üerfd^iebenen ©eiten jum Sinfc^reiten aufgeforbert. 
3unä(f)[t erfolgte jeboc^ nur ein Singriff auf Suüinger perfönlic^. 
S^at^otifd^e 2;agfa|ung§abgeorbnete ert)oben bei ben jürdjerifd^en 
Ätage, bafe er burdj aufrüf)rerif(f)e 9teben auf ber ßanjel ben 
griebenSüertrag öerle|t I)abe. (S§ fiel il^m nid^t fd)lüer, nad^= 
äutt)eifen, ha'^ böswillige ©ntftellung feiner SSorte bem 53orn)urf 
gu ©runbe liege, i^ugleid) ergriff er bie Gelegenheit, nad^brücflicf) 
barauf t)in§utt)eifen, bafe ber g^riebe bie grei^eit ber eöangelifc^en 
^rebigt für Büridj unbebingt geluä^rleifte, unb ju betonen, ha^ 
er fid^ in jebem gaße öerpflic^tet f)a(te, bog SSort @otte§ un= 
öerÜir^t unb o^ne menfd)Iid^e D^üdfid^ten geltenb gu machen. 

©er ^apft "^atte ben (Sreigniffen in ber (Sdjttieij ■ nidjt un= 
tätig äugefei)en. ©ein Segot @nniu§ gilonarbi^') traf !ur§e 
Qdt na^ bem grieben§fd)Iu^ in Supern ein unb tierfud)te öon 
I)ier au§ in Sürid| guB gu faffen. 51I§ er abgemiefen ftiurbe, 
bemütjte er fid^, bie fat^olifd^en Orte ju einem neuen Eingriff 
auf ben gefd^mäct)ten @egner ju betoegen. ^ie §anbt)abe bot 
ha§ 9J?anbat.'^'-) 5tuf einer Siagfa^ung, n)e(d)e am 1. ©ept. 1532 
in S3aben gufammentrat, er^ob gunäd^ft Qmiä) Sefd)merbe n^egen 
Unterbrüdung ber eöangelifd)en ^rebigt im 9fif)eintal burd) ben 5(bt 
öon ©t. ©allen unb bie 5 Orte, unter Berufung auf bie grieben§= 
ortüel S)ie 5Intft)ort tüar, ßürid) foHe öorerft fein 9}Zanbat 
gurüdne^men, meld)e§ eine S3efd)impfung ber äJJeffe enthalte. ®a 
man fidi nidöt einigen fonnte, forberlen bie ^at^olüen, meldte 
über bie 9J?e()r()eit ber ©timmen üerfügten, ein eibgenöffifd^eS 
©d)ieb§gerid)t. ßüxiä^ fonnte fid^ in einer internen 2lngetegen£)eit, 
pmal tt)o e§ fid^ um bie Sf^eligion t)anbelte, unmöglich bem 
©prud) ber 5Bunbe§genoffen untermerfen. ©egen Sßergelüaltigung 
gibt e§ fein SD^Jittel aU ©emalt. S)er ^rieg fc^ien unoermeiblic^. 
Smmer^in fanbte ßürid) im Wäx^ Unb Slpril be§ folgenben 
Sa^reg feine Slbgeorbneten jum Ü^ec^tltag nad) ©infiebeln, nad^= 
bem e§ bem SSoIf bie Sfiotlage bargelegt unb bie Slntmort erhalten 
t)atte, ha^ jebermann bereit fei, @ut unb 53Iut für ba§ (Soangelium 
p opfern. S)a bie Sfleligion in grage fam, ^ielt fic^ 33uninger 
öerpfliditet, gur ßöfung ber ©d)tüierigfeiten mit§utt)irfen. @r 
reichte beim Ülate jttjei „Sflatf erläge" ein, öon öjelc^en ber eine '^3) 



39 

üor^errfc^eiib bie Sf^ec^tsfrage erörtert unb nacötüeift, bafe eine 
SJJaferegeluiig ßüric^S in Sad^en be§ 9)knbat§ einer Unter= 
brücfung feiner burcf) bie Sünbe gen)ä!)r(ei[teten ©elftänbigfeit 
g(ei(^fäme, niä^renb ber anbere^^) bie religiöfen unb @en)iffen5= 
äJJoliöe in ben 33orbergrunb [teilt, toeld^e e§ ßüncf) unmögüc!^ 
mad^ten, fi(i) einer 9Jtei)rf)eit §u fügen, [^ür ben g^oü, bafe e§ 
5um äufeerften fommen füllte,, fd^tägt Suüinger öor, burrf) 2{uf= 
löfung bes Sunbe§oert)ä(tniffe§ mit ben 5 Crten bie g^rei^eit unb 
bQ§ gute @en)iffen p retten, '^ad) l^eftigen 2{u§einanberfe|ungen 
tarn e§ in (Sinfiebeln gu einem SSer gleich, ber freilief) für ßüric^ 
tt)ieberum eine S)emütigung bebeutete. 2)ie Dbrigfeit follte fid^ 
öerpflid£)ten, ha^ angefochtene SOZanbat ni(f)t mef)r tjorlefen ^u 
laffen, unb fie foUte gugefte^en, ha'^ fie boffetbe unbefonnener 
SBeife unb o^ne gu beben fen, mie ärgerlich e§ ben 5 Orten fein 
muffe, ^abe QU§gef)en (äffen. 9licf)t o't)ne 33eforgni§ megen ber Stuf= 
notime, bie foI(^er ^ßergleicf) bei 'Siat unb 58oIf finben mürbe, !ef)rten 
tie ßürc^er Slbgefanbten nad^ ^aufe. Wian gebad)te, bie @e= 
meinben burcf) bie ©eiftlid^en mit ber Situation au§5uföt)nen unb 
manbte ficf) bee^olb an bie gu SInfang Wai in ^üfidt) t)erfammelte 
@t)nobe. SuIIinger überbrad^te bem 9^at bie Stntmort. ®r fprid^t 
pnäd^ft im Dramen ber @eift(id)!eit fein fc^merglic^eS 53efremben 
au§ über ba§ ß^^S^f^önbniS, ta'i^ ^a^ 9J?anbat ein ^robuft ber 
Übereilung fei; bo§ f)eiBe bie 5Baf)rt)eit au» DJJenfc^enfurd^t oer= 
leugnen. 2)ann erflört er, ha^ bie @eiftü(f)en bereit feien, fo 
ml an ii)nen liege, haQ SSoIf §ur Sftu'^e §u mafjuen, bocf) muffe 
öon ber Ü^egierung ermartet merben, ha'^ fie ben böfen @cf)ein, 
al§ molle man prücfmeicfjen, burc^ tatfräftige§ Eintreten für 
föangelifdjen ©lauben unb c^riftlicfje (Sitte unb burc^ raftlofe 
t^ürforge für bie bebrängten ©laubenSgenoffen in ben gemein= 
famen Sßogteien miberlege. S)ie ©eiftlid^en felbft t)ielten fic^ burcf) 
ben 53ergleid£) in i^rem amtlichen SSirfen in feiner SBeife für ge= 
bunben ober eingefc^ränft. hierauf tjerfic^erte ber 'Siat, bafe aud^ 
er ein Qurücftreten üon ber eoangelifd^en 3Baf)rf)eit nid)t hzah= 
fic^tige unb entfcfiutbigte feine 9lacf)giebigfeit burc^ bie 9^ottage. 
9}?it bem SSerfprec^en gemeinfamen 2öirfen§ im gleichen @eifte 
^n gleicf)en ^kkn fc^ieben bie firrf)Iid^en unb ftaatlid^en .^äupter 
bes ßürc^er 55oIfes. ^uc^ fpäter mar SuIIinger §umei(en in ber 



40 

i^age, bem 'Siat ben SJJut gu [törfen gu nac^brücfüc^er SBatirung 
ber ©etbftänbigfett 3ünrf)§ gegenüber ben 5 Orten. @o al§ bieje 
raegen einer gegen ta§> ^apfttum gericfiteten (Schrift @roatter§^ 
etne§ @cl)üler§ 93uIIinger§, (ginfprad^e erfjoben.-'-'') @in anber Mai 
t)atte man wegen ber fottjolifi^en ©ibgenoffen Sebenfen, ben 
S)rurf eines englijd^en ^ated^i§mu§ gn beftiilligen, g^eftigMt unb 
ßurüd^altung toax bie ebenfo n)ürbige al§ !Iuge ^olitif, tt)el(f)e 
SuIIinger ben 5 Orten gegenüber bei jebem SlnloB empfat)t. 

(Sin weniger ernfter ^onflift äwifrfjen 9\at unb @ei[tli(i)feit 
war burcf) 2eo Sub üernrfacfit, weirfjer in einer am So^anne§=' 
tag 1532 getjoltenen ^rebigt, üon bem Seifpiel be§ ^äufer§ oor 
§erobe§ 5(ntipa§ ermutigt, bie @d}Wäc^e ber Obrigfeit beim 
^rieben§fc^Iuffe unb on ben 2;agfa|ungen gegeißelt f)atte. Sie 
ißrebiger würben öor ben 9iat geforbert. Sub erf)ielt einen 
SSerwei§, worin nic^t unbeutlid^ ben @ei[tlid)en bie ©c^ulb an 
bem unglüdtid^en Kriege beigemeffen würbe. Dbrfjbem ber ?In= 
geflagte fid) oertf)eibigt {)atte, oerwaf)rte 53uIIinger bie (S5eiftlic^= 
feit gegen jene Slnfctjulbigung, l^aht boc^ bie Regierung jelbft 
in einem öffentlichen SJianbat bie oolle SSerantwortung für ben 
^rieg auf fid) genommen. 3)ann tritt er wieberum für ha§> freie 
SSBort ber S)iener @otte» ein, aud) für i^re ^-reifieit ju ftrafen. 

Tlan mag öon ber unbebingten unb jö^en S(rt, wie Suüinger 
bem Sflate gegenüber bei jebem Slnta^ bie Slutorität be§ ^JßorteS 
@otte§ unb feiner SSerfünbiger Dertritt, ben ©inbrucf ber ßu« 
bringlidjfeit unb |)ärte empfangen. 5)oc^ t)atte weber |)errfd)fuc^t 
noc^ irgenb ein anbere§ perfönlid)e5 SO^otiö barau teil. SBa§ i^n 
leitete, war ber felfenfefte ©taube, ha^ ber ®et)orfam gegen bie 
göttliche 2öaf)r{)eit ber entfc^eibenbe gaftor im menfc^tic^en @c^ic!= 
fal, bie oberfte Ouelle aller materiellen unb geiftigen SSot)Ifat)rt 
eines SSotfes fei, ber ©taube ber ^ropt)eten 3§rael§ unb ber 
Puritaner. §ier log feine ^roft, bur^ bie er, balb milb balb 
ftreng, bie 55eräagt^eit be§ ^^oIfe§ unb bie (Sc^wac^^eit ber 
Dbrigteit allmä^tic^ überwanb, eine ^äbagogie, bie ber ©röBe 
nic^t entbe{)rt. S3ei einer biefer SSertjanblungen ^atte ber 'Siai 
93uIIinger unb ber ©eiftlic^feit au§brürf(ic^ ha§^ Sftec^t eingeräumt, 
Wenn if)nen eine obrigfeitlidie Stnorbnung bem SSorte unb SSiüen 
@otte§ 5u wiberfpred)en fc^eine, auf bem Üiat^aufe oorfieüig ^u 



41 

werben. S3uainger mai^te {)ieoon ben maBöoUften ©eBraucf). 5(I§ 
jeboc^ im Satire 1555 ein ©eifllid^er abgefegt n^orben toor, n^eit 
er über miBbräurf)Iic^e ^ßerroenbung etne§ ^Io[tergute§ geflagt 
f)Qtte, etmofinte ber S3orftei)er ber ®ei[tlid)!eit ben 9ftat ernftlicf), 
bie ^ir(i)engüter bem urfprünglidien Sßerfprec^en unb bem SSiHen 
@otte§ gemöfe für ß'ird)en= unb (Sd^ul^ttjerfe unb bie S(rnienfür= 
Jorge ju referöieren, fie aber f)ier überall freigebig §u fpenben, 
n)o e§ not tue, unb ber guten 8acl)e förberlic^ fei. 2)er 'iRat 
re(f)tfertigte fi;^. Wan oerftanb unb oertrug ficf) in biefem mie 
in allen göüen, ha bie Cbrigfeit bie ^roptjetenpflic^t ber @eift« 
(id)en refpeftierte unb ^öullinger bie ©elbftänbigfeit ber Sftegierung 
nid)t antaften U^oIIte. 



SuIIinger§ amtliche ©tellung ttjar in erfter Sinie bie be§ 
^rebigerl. ^i§ 1538 betrat er bie ©roBmünfterfanjel täglich, 
bann natjm iljm ber narf) Büticf) berufene 9}Jegonber einen Seil 
ber Strbeit ah; feit 1542 rebete er nur norf) jttjeimat wöd^entlic!^ jur 
©emeinbe. ^ie Sßürbe unb @röBe ber ^rebigttötigfeit toor eine 
feiner ftär!ften (Smpfinbungen. ©eine beften ©oben famen ha §ur 
Söertoenbung. ^^ellifan erüärt i^n für ben bebeutenbften ^rebiger, 
ben er je getjört-^^) ©eine 9?ebe ift jebod) ni(f)t bie be§ feurigen 
^rop^eten, tüelc^er bie ©emüter in einem Sturm öon ©efü^Ien 
fortreißt, fonbern bie be§ treuen ,§irten, ber SSertrouen erroeift, 
unb be§ n^eifen Se^rer§, ber mit fieserer §anb §u üarer 
@infid)t unb feften Überzeugungen füf)rt. 3)ie ^aBüd)feit 
feiner Se^rmitteilungen unb bie praftifc^e 2Saf)r^eit, ha§: treffenbe 
feiner Slpplifationen iff«, ma§ ber greunb oor allem bemunbert. 
„(£r mu^te fo gu bem 3ürd)er=SSoIf gu reben, ha^ aUe it)n öer« 
ftanben unb ha^ er jebem 93ebürfni§ gerecht mürbe." ©o feffelte 
er alle. „9^iemanb mürbe je mübe, if)m jugu^ören, unb in gefjn 
Satiren fati man feine getin ^erfonen bie Äirc^e oerlaffen t)or 
bem @nbe ber ^rebigt." ^rebigen t|ie^ i^m bie ©c^rift au§* 
legen. Siebe gur 93ibel ift ha§^ erfte, ma§ ber ^angelrebner mit* 
bringen mufe. 2(üein bie 2(u§(egung foK eine fefte 9^i(iitung 
l^aben, fie fotl betjerrfc^t fein oon ben @runbma^rf}eiten be§ 
©üangeüum» unb fie mu§ praftifc^ fein, bamit fie S^u^en fc^affe.^') 



42 

^Q§ (£{)riftentum tft S3uBe, ©laube, @ebet unb ©ebulb; ba§ 
finb bie ^i^^piiiifte geiftltd^er Ütebe.^s) S3utltnger ^telt bafür, baB 
bie f). ©c^rif t in allen i^ren Xeilen W\t SBirf nngen t)eröorbrtngen !önne. 
@r i)at bo^er im Sauf ber So^re ber ©emeinbe f o äiemlic^ ben gongen 
biblif(i)en ^anon auSgetegt, einzelne 58ü(f)er mehrmals. S)abei 
h)arnt er ausbrüdücf) baöor, ba^ nton eigene @eban!en eintrage, 
©d^rift joll burd) @d)rift gebeutet tüerben. 2)er gange 9ftei(f)tum 
ber t)eiligen Sudler an 2Bei§^eit§tt)Drten, ©laubenSgeugniffen unb 
gefd)i(f)tli(^en ©emätben tnar it)m jebergeit gegentt)ärtig unb mit 
bemunberungsmürbigem @efd§ic! meiB er bamit feinem jemeiligen 
2;ej:tmort Sid)t unb gülte gu geben, ^nv frud^tbringenbe 5ln= 
n)enbung ftanb it)m eine feltene 3JJenf(f)enfenntni§, eine ungemö^n= 
Ii(f)e Beobachtungsgabe in ollem 9}?enfd)Iic§en gu ©ebote. SSir 
!ennen fein t)iftorifcl^eö ©enie. ®er ßuijörer blieb in feiner eigenen 
@pt)äre unb, aud) »enn ber 2^ejt ober feine 5Iu§Iegung einmal 
in entlegene ütegionen führte, mürbe fd^IieBIi(^ bod) olleS on 
eines feiner ^ntereffen angefnüpft. „Se|t", ruft 'j^ellifan au§, „mirb 
Wlo\e§, menn er gu unferem 35oI!e fprid)t, üon Bürgern unb ©reifen, 
öon Knaben unb ÜJ^öbcöen beffer öerftonben als früher oon ^orifer 
2)Dftoren unb fcotiftifd)en ober tf)omiftifd)en SOlöndjen. 2)ie 
^ropf)eten, ß^riftuS, bie ©öongetiften unb S(pofte( fpred^en §u 
unferem SSolfe in beutfdier ©prod^e, fo ba& nid)tS im biblifd^en 
^onon gu bunfel ift, um nid^t mit pd^ftem ßic^t unb gri3Bter 
grud^t öon unferem BuIIinger öorgelegt unb oom Bolfe oufge» 
nommen gu merben." SDo^ bie öffenllid^en Sßerf)ältniffe unb bie 
^eitereigniffe auf ber Mangel befprod^en merben, öerftefjt fid^ öon 
felbft. ßmingüS ^ompf gegen "öa^ @i3Ibnertum ^ot BuIIinger, 
fo oft e§ bie 9^ot erforberte, mieber oufgenommen. Bon ber Be= 
brängniS ber ©loubenSgenoffen in ber 9iöl)e unb gerne, öon ben 
©orgen ber befreunbeten ©tobte foll bie ©emeinbe Kenntnis 
ertiolten, um if)r Seib gu teilen unb g^rbitte gu üben, ßumeilen 
öerfud)t er oud^ bie SBege ber Borfe^ung in ber ©egenmort p 
beuten, nod^ Sinologie ber @efd)ide SSroelS ober on §anb 
be§ neuteftamentlid)en ©e^erbud)eS, boS er einmal ber @e= 
meinbe in l^unbert ^rebigten auslegte. Bei feinem proftifd^en 
©inn unb feinem fittlic^=religiöfen ©ruft befte^t bobei feine ©efal^r 
unfruc^tborer ©pielerei. 5ltIeS erfd)eint bei i^m ouf boS mirflic^e 



43 

ßeben unb feine 5Iufgaben belogen. SSor Iet)r^aften 5(u3einanber= 
fe|ungen fc^eut er ftc^ jebod) nicf)t. @r get)ört felbft ju benen, 
bei irelc^en baS S)enten bem lieben Dorauseilt. ^a^u fommt, 
bafe er aud) al§ ^rebiger in bie ©c^ule ber Äird)enoäter 
gegangen ift, njeli^e itjre 2{)eoIogie auf bie Äan,^el mitzubringen 
pflegten. SRonc^e feiner gebrucften ^rebigten !önnten et)er 
Se^röorträge f)eifeen; inbeffen ift ju berüc!ficE)tigen, ta'Q biefelben 
nicfjt getreue SSiebergabe be§ öon it)m öor ber ©emeinbe ge- 
fproc^enen 5Cßorte§ finb. @röBtenteiI§ in Iateini;c^er ©prad^e 
{)erau£gegeben, foUten fie ben ©ebilbeten bienen, tneldie in 
einem Zeitalter tfieologifi^er ^ontroüerfe ein groBe§ Wia'^ 
l^eoretif(f)er Erörterungen beget)rten. S)a§ fie aber aurf) in 
biefer gorm nic^t allein ben ^erflanb §u erleud)ten, fonbern iu= 
g(ei(^ baä ^erj gu ftörfen oermoc^ten, wirb üor allem burc^ t)a§> 
erlaucfite ^eifpiel ber jugenbüc^en Königin @nglanb§, 3cine öret), 
beroiefen, welcfje i^nen fjauptfäc^Iid^ bie SSaffen gur 5^bn)ef)r 
fat^olifc^er 33efel)rung§üerfuc^e unb ben dJlnt §u ftanbJjofter ©r- 
bulbung be§ 3)Mrtl)rertobe§ oerbanfte.'^^) SSon it)rem SSater, bem 
^ergog tion ©uffolf, ber ficE) ebenfaßg mit SSorliebe au§ 53ullinger5 
^rebigten erbaute, mirb ba§ I)übf(f)e SSort überliefert, SöuÜinger» 
S^erebfamfeit fei äJiild^, momit er bie ®c^Iic^tt}eit ber Sarfteüung, 
bie ©efunbljeit unb geiftige S^iafirtjaftigfeit be§ 3ut)alte§ unb bie 
SJälbe be§ barin maltenben @eifte§ in einem mochte anbeuten 
tüoUen. @id)erlicf) fonnte fein 35ormurf gegen Sullingers ^rebigt= 
ft)eife unberechtigter fein als jener ber 5 Orte, baB er fii^ in 
@d)mät)ungen unb ©c^ettmorten ergebe. SBirb er bod) nid)t 
mübe, nor foic^er Strt, bie nid)t aEen eöangelifdjen ^^rebigern 
fremb n^ar, ^u marnen. SSie oft erinnert er: bie (Badjt foU 
n)irfen, nid)t ber 2(ffeft, beffen, ber fie öertritt. ©rünbe fiegen, 
nic^t £eibenf(^aften. (Sr meint, aud^ \üo ber (Sifer ettoa^ au§= 
richte, erzeuge er bod) bie grüc^te nid)t, bie man wünfc^en muffe, 
nid)t !(are ®infid)t unb fefte Überjeugung, fonbern ^Jtrger unb 
^a% (Sine Ieibenfd)aft§Iofe DIatur, üerftanb SBuUinger loie wenige 
jene treffüdie ßunft, bie in ber 9^ege( ou»gebrüdt wirb: fortiter 
in re, suaviter in modo. (£r po(emifiert ungern auf ber Mangel, 
er mill lieber „©t)riftu§ treulid) prebigen unb bie grömmigfeit 
fleißig pftanäen." 3J?uB es aber einmal fein, bann ftellt er iia^ 



44 

^ofttioe, ha^ tt)a§ it)m 2iBa^rt)eit ift, beftimmt unb breit in bic 
StRitte unb lä^t fo bie Söibertegung be§ 3rrtum§ ober ber Sügc 
fic^ genjiffermaBen öon felbft öoUäie^en. 93ei folc^er 2Irt ^olemif, 
bei biefer ^rebigtttjeife überhaupt tritt bie ^erföntid)feit be§ 
^rebigerg äurücf. iSefd^eibentieit ift ein h)ejentlid)er 3"9 ^n 
SSuEingerS (Sf)araf ter. (S§ liegt jebod) babei eine allgemeinere ^enben^ 
feine§ SBefenS p ©runbe, jene SfJeigung gur SSerüuBerung ber 
eigenen ©ubjettioität an bie Tladjt unb ba§ Sf^edEit bc§ Objeftitjen. 
SuHinger miß lebigtid) öermitteInbeS Drgan eine§ latfä(i)tid^ S3e- 
fte^enben, eine§ ©eltenben fein, auf ba§ e§ atlein anfommt. 9^ur 
bie ©timmungSmotioe be§ (Srnfteg unb befonberS ber §er§lid^feit 
feffeln ben 3uf)örer an bie Snbiüibuaütöt biefeS ^anjetrebnerl. 

®er (Seelforger ©uHinger trögt bie ßüge be§ ^rebiger§. 
SBeltfie (Smpfinbungen er Traufen unb ©terbenben mitzuteilen 
Ujünfdjt, geigt feine ©d^rift: „53eri(i)t ber ßran!en" (1538), eine 
bringenbe, au§ Sibelftellen gefd)öpfte SSergegenmörtigung ber 
@nabe ©otte» gegen ben ©ünber, meldte getoiffen unb fiegf)aften 
©lauben Uwxxk unb alle ©elbftgerec^tigfeit fott)ie bie trügerifd^en 
^ülfSmittel be§ fatt)oIifc^en tultu§ au§fc^Iie§e. S)amit finb 93e- 
lelirungen öerbunben über ^^ragen unb ^ftirf)ten, bie fid^ bem 
Traufen ober ©terbenben nafjetegen, mie über bie ^Berufung be§ 
5lr3te§, bie 5lnfertigung eine§ XeftamenteS unb bgl. ®ie 5tbfic^t, 
etmag öoüftänbigeS gu bieten, ift unöerfennbor. S3(ic!e in ©ullingerS 
feeIforgerIi(i)e ^royiS eröffnet feine ^orrefponbeng. (Sine groBe 
3al)t feiner S3riefe bient ber @rmot)nung, 2:röftung, Sete^rung 
il)rer (Smpfönger ; fie merben ergöngt burc^ Briefe Slnberer, meiere 
i^m für feelifc^e unb leibliche gürforge banfen. Überall tritt ta 
jene 9f?icf)tung auf hü§> praftifc^ SSertODÜe, jene alle§ in Setrac^t 
gie^enbe 2Sei§l)eit, jene SSertrauen ermecfenbe geftigfeit, jener 
pöbagogifc^e %att gu Xage, bie bie ^^ßrebigten auggeictinen. 'h^n 
entölten 58ulünger§ ®emüt§eigenfcf)aften ^ier, mo e§ fid^ um 
perfönlic^e 93e5iet)ungen l^anbelt, if)re gange @d)ön^eit. Sane 
©ret) nennt i^n it)ren „geiftreic^en, meifen, frommen ^Berater". 
3)ie SSitme eine§ englifdjen ajJörttirerS preift i^n für ben 3;roft, 
ben er it)r burd) feine „foftlic^en Briefe" fpenbet. (Sin (Sfulant 
ruft it)m gu: „bu bift ber SSater aller llnglüdüc^en". (Sin Kauf- 
mann meife i^m 3)anf, ha^ er nid)t mübe tt)irb, it)n auf bie 



45 

fittlidjen unb religiöjen @efQf)ren jetue§ Berufes aufnierfjam §u 
machen. (Sin ©etetirter, ber it)n in ^ixxid) bejud)te, erinnert fid) 
einiger ©tunben in feinem §Qufe, bie für fein ©eiftes leben ent= 
fd)eibenb tt)urben, öon benen er rütjmen fann, ba'^ fie nic£)t Uos mie 
bie Unterhaltungen mit ^lato ben folgenben Xag fonbern lange 
3af)re geft)ür§t f)ätten.") ^Q^fl^^^ici) finb bie t^älle, mo ^öullinger 
bei ^amilienjroiften unb (Stjeftreitigfeiten al§ 5ßermittler eintritt. 
SlUe, bie mit i^m in Söerü^rung fommen, finb üoll 2obe§ über 
feine Siebensmürbigfeit, meldte für jeben ßeit übric^ i)üi, unb über 
feine Sreue, bie feinen t^ergifet, ber j;e it)m natje gefommen ift. 
9lic^t feiten üerbanb fic^ mit ber fcelifc^en Seitung unb Beratung 
Ieibli(f)e g^ürforge. SSie bieten um be§ ®tauben§ millen 5ßer= 
triebenen t)at er unb feine gteicbgefinnte ©attin im eigenen §aufe 
5(nfnaf)me gemäf)rt, bis öffentliche äJJittel pffig tnurben ober 
fiebere (Sfiftengbebingungen gefunben maren. 2Bir erfahren au§ 
natjeüegenben ©rünben met)r üon bem, tüa§ er g^remben al§ oon 
bem, ma§ er @in!)eimif(^en getan ; aber fein groBe§ (SeeIforgert)er§ 
ftanb ot)ne ßmeifel biefen ni(f)t meniger offen al§ jenen. St= 
fannt ift, ta'^ er ßmingliS SSitme unb Äinber gu ficf) naf)m, 
bi§ bie 9J^utter ftarb unb bie Äinber fid) it)ren eigenen §au§= 
ftanb grünbeten. Unbegrenzt mufe feine 5(ufopferung gemefen 
fein mäf)renb jener mieber{)oIten ^eftepibemien, meldje ßürid) im 
16. 3af)rtjunbert f)eimfu^ten. 2Bir fef)en im ©eift ben treuen 
.^trten, melc^er, entfpred)enb ben (5rmat)nungen, bie er für biefen 
gaU einem befreunbeten (Seiftlidjen gibt, bie Traufen mit feinem 
äßort unb ©tauben aufrid^tet — , menn mir feine 9J?itteiIungen au§ 
ben ^eftjat)ren 1540 unb 41 lefen-"^): „S)ie ^eft ^at angefangen. 
SBir finb gemörtig, ma§ ®ott mit un§ üorf)abe. 3n feiner §anb 
litgt unfer £o§. @d)minbel unb ein faft unertrögtidier ^opffdjmerä 
quölen mic^." (Sin 3af)r fpöter: „Sc^ tebe nod) burd) @otte§ 
(SJnabe. 3)ie ^eft ^at nod) nid)t auSgeiüütet. 5lIIein bie, meiere 
fterben, fd^eiben mit großem ©tauben unb red)t gottfelig, fobaB 
aud) it)re 3Xnge^örigen ©Ott preifen unb mit jebem Xag meniger 
gurct)t ^aben". 

S)en SOlittelpunft be§ firc^Iic^en 2eben§ 3üric^§ bilbete feit 
bem äJJittelatter \)a§^ (£^ort)errenftift §um @ro|münfter; mit it)m 



46 

tuar eine t^eologijdie (Schule öerbunben. Unter 3^^"9^i ^^^te 
eine Sfteorgonijation be§ tt)eitfc^icf)ligen Snftitutel in bem (Sinn 
ftottgefunben, baB alle Sfted^te unb SinÜinfte beSfelben, jo weit 
mögtid^, in ben 2)ien[t ber fircf)Iicf)en SSortoerfünbigung nnb be§ 
f)umani[tifc^=t^eo(ogifd^en @tubium§ gefteüt tt)urben. B^^'i^öti 
übernQf)m neben feiner ^rebigerftelle eine ^rofeffur unb t)Qtte 
aufeerbem a(§ „©c^ul^err" an ber &itung ber ©tubienanftalt 
2:ei(. 5Ra(^ feinem 2:obe ert)ie(t 5;{)eobor 53iblianber42) feine 
Sefirftelle. (S(f)ut{)err n)urbe SuHinger, ber überbie§ qI§ 9Sor= 
ftef)er be§ @tift§ bie ^frünben, qu§ benen bie ^rofefforen falariert 
ttjurben, fotoie ba§ (Stipenbienmefen unter fid) tjatte. S)er ©c^ule 
mufete Suüinger haS^ größte Qntereffe entgegenbringen. @r ^otte 
felbft eine 9^eif)e üon Sauren im ©d^ulamt geftanben unb er war 
ber Überzeugung, ta'^ ba§ ©tubium ber alten ©prad)en bie un= 
erlöfelidje SSorousfe^ung für boS redjte SSerftönbui? unb bie S3er= 
fünbigung be§ S2Borte§ ®otte§ fei. SKenige Wonak nac^ bem eintritt 
feiner ©teile fam er in bie Öage, ber Dbrigfeit bie SRottoenbigteit 
unb ben SBert einer n)ot)(befteIIten ©eie^rtenfd^ule auSeinanber* 
fe|en p muffen. (5§ toud^te nämlid^ bei einzelnen einflußreichen 
2)Jännern ber ^(an auf, buri^ Sf^ebuftion ber (Sinfünfte be§ @tifte§ 
einen Seitrag §u ben 5Iu§Iagen be§ Krieges ju geminnen. S)a 
trat SuIIinger oor ben ^at unb erflörte, e§ !önne unmögti;^ bie 
Stbfict)t einer eoangelifd^en Dbrigfeit fein, burd^ Sefc^röntung ber 
©tubien bie ^\xd)t in Untoiffenl^eit öerfinfen ju laffen unb fo 
möglic^ermeife toieber bem ^apfttum gu^ufü^ren. @r lüie» nac^, 
tü'^ bie üor^anbenen SJJittel eine angemeffene SSern^enbung fänben, 
unb forberte ben (Staat gu möglid^ft forgföltiger Kontrolle burd^ 
bie bereits befte^enben 9(uffi(f)t§organe auf. 3"^" ©d^IuB appelliert 
er an ba§ (S^rgefü^l ber 3ütci)er, bie fid^ bem (Spott ber 
fatt)oüf(^en SBelt ausfegen würben, wenn fie it)re altberütjmte 
<Scf)u(e, weIcE)e gat)(Iofe Kriege unb Slottagen überbauert i^ahe, im 
gegeumörtigen 3^itpun!t bem Untergang preisgäben. S3ullinger§ 
SSorte Ratten ©rfotg, bie t^eologifi^e Stubienanftalt blieb unb ^ot 
wätjrenb brei Sa^r^unberten ber ßirc^e unb ber SBiffenfd^aft au§:= 
gezeichnete ^ienfte geteiftet. 

?lüein e§ mar nid^t genug, fie ju erhalten, fie mußte aud^ 
entmitfelt werben. Sie 93emü()ungen SuUingerS §ur g^örberung 



47 

be§ 5ür(i)erifd)en @c|u(tt)efen§ entjie^en fttf) grofeenteil» ber 33e= 
o6ad)tung. (Sid^erltc^ {)Qt er gur Ermunterung unb Beratung ber 
ßeijrer unb ber ©djüler nichts unterlaffen. S^tegefmäBig befuc^te 
er bie t^eologij^en SSorlejungen felbft, insbefonbere biejenigen 
93iblianber5, teil§ um fic^ weiter ju bilben, teit§ um ein Seijpiel §u 
geben. Salb nad§ feinem ?Imt§antritt entwarf er eine neue (S(^u(= 
orbnung, 1560 folgt eine ätoei.te umfoffenbere.^-^) 2)er 9flat)men ber 
ßwinglifd^en ©tubieneinric^tung i[t beibehalten. Slber mätjrenb 
ha§i Se^rpenfum urfprünglic^ auf ein untiert)äItniBmä|ig fur§e§ 
ßeitmaB äufonimengebrängt war, fobafe bie ßöglinge e§ nur burd^ 
öftere 2Biebert)oIung §u bewältigen öermoc^ten, ^at ^udinger 
burcö SSerme^rung ber Sa^tesfurfe unb einen entfprec^enb ein= 
gerid)teten Sefjrplan pöbagogifd^es 3^ortfrf)reiten ermöglidjt. S(uc^ 
^at er fowof)! für bie beiben fiateinfdjuten 3üri(^§ als für ta§t 
Seftorium, bie p^i(oIogifcf)=tt)eotogifci^e 5tfabemie, bem wad)fenben 
S3ebürfni§ entfpred^enb neue 2et)rfräfte berufen (äffen. 3ftege(= 
mäfeig Wieberfe^renbe ?ßrüfungen würben angeorbnet, bie ßöglinge 
einer ftrengen 5luffi(^t unterftellt. S)ie Slufnung ber ©tiftä* 
bibliot^e! lie^ fid^ Sulliuger ebenfalls angelegen fein. 2)ie 
beutf(i)en (S(f)ulen, weld^e ben elementaren SSoIfSunterridjt beforgten, 
tagen nic^t im Umfrei§ feiner amtUd^er 2:t)ätigfeit. @(ei(^= 
wo{)I ^at er bei ®elegeni)eit auc^ fie ber S(ufmerffam!eit be§ 
5Rate§ empfohlen unb gebeten, it)nen au§ ben ^ircfjengütern 
beijufte^en. 

Sßiel aj?üt)e aber aud^ reid^tic^ g^reube bereitete i^m bie ^'ür= 
forge für bie ©tipenbiaten. (S§ war it)m !(ar, baB bie 3"^""ft 
ber ßirdie unb be§ (Staates oon ber Qualität beS tfjeotogifd^en unb 
gelefjrten 9lac^wudt)fe§ abf)änge. ®arum foKten je bie gätjigften, 
SJJeiftDerfpredEienben §um ©tubium herangezogen werben. @nt= 
bef)rten fie ber 9J?itteI, fo follte man i^nen §u §ülfe fommen. 
SuHinger brachte i)a§: Snftitut ber (Stipenbiaten oon ben be= 
fc£)eibenften SInfängen §ur t)ödf)ften S3Iüte, inbem er feine @elegen= 
^eit üerfäumte, ©eiber für biefen ^w^d §u fammeln, befonberS 
aud^ ben 3ftat ba§u öermod^te, anfet)nü(^e S3eträge au§ ben ein= 
gezogenen Ätoftergütern bafür ^u bewilligen, ©eit 1538 befafeen 
bie ©tipenbiaten i^r eigenes §au§, im „§of" ber ehemaligen 
graumünfterabtei. 33uninger§ Siebe ju ber Sugenb unb päba- 



48 

gogifi^e Steigung fanb I)ier ein fc^öne§ SBirfunggfelb. ©r ift 
unermüblic^, bte (Snttricffung biefer Knaben unb Süngltnge §u 
überirac^en unb if)ren ß^arafter ju beeinftuffen. Se bie 4 ^llteften 
burften eine Üieije mocfien, bann öerfie^t fie SuIIinger mit 
(5nipfe{)tung§f(i)reiben an feine gelehrten ^reunbe im 5lu§Ianb unb 
berät fie untermegS mit feinen 93riefen. ^efjten fie jurücf, fo 
erftatlen fie it)m 93eri(i)t über i^re Srlebniffe, it)r SSerl^alten unb 
i^r inneres Seben. (S§ t)at fic^ öon feiner §anb ein S5abeme!um 
für feinen (SDt)n §einri(^ ert)a(ten, beflet)enb au§ 53 ßebeneregeln, 
bie er i^m bei feiner Slbretfe nac^ (Strasburg mitgab/"*) ein 
©piegel beten ber ^römmigfeit, gen)iffen @Iauben§ unb feften 
(55ottbertrauen§, ernfler 2öei§t)eit unb erprobter ^Iugt)eit, f)umaner 
2Betloffent)eit unb gefunber 2eben§freube unb ein ^en!mal treuer 
täterlid^er Siebe. @o pflegte er mo^I and) gu jener meiteren 
gomilie öon ftubierenben Jünglingen, feinen ©tipenbiaten in§= 
befonbere gu reben. 3ft e§ üertounberlid^, ha"^ bie jüngere @eift= 
lid^feit i^n tt)ie einen SSater liebte unb üere^rte — fd^on ber 
40jät)rige tt)irb ijäufig al§ Sßater ongerebet — unb ba^ eine 
immer mactifenbe ßat)! fid^ üon feinem ernften, meifen, mitben 
<Seifte leiten lieB? 

SBie ber (gd^ule gab er and) ber Ä'ird^e 3üri(f)§ i^x (55runb= 
gefe|. ©eine „^räbifanten= unb ©tmobalorbnung" entftammt bem 
bur^ eine gülle üon 5Irbeit§Ieiftungen S3uttinger§ ouSgegeic^neten 
Sai)r 1532.«) ©r erfreute fii) ber 9J?itpIfe £eo ^mbS. Sluc^ 
t)ier gaben bie öon B^^^ö'^i eingefüt)rten Snftitutionen bie leitenben 
©efid^tSpuntte an bie §anb. SlUein fie beftanben groBenteilä nur 
öermöge öerein^elter obrigfeitlic^er SInorbnungen unb burc^ bie (Sitte. 
®§ lag in S3uIIinger§ 9fiatur, bie 9}?ad)t be§ fobifijierten @efe|e§ 
gu mürbigen, unb e§ bröngte i{)n, fie in ben 2)ienft ber ^irdie 
gu ftellen, bie er ju leiten f)atte. ©ein (Sntmurf mürbe erft ber 
©tjnobe ber ®eiftlid)en öorgelegt, t)ierauf öom 'Siat gum ®efe| 
ert)oben unb burc^ ben 2)ru(f öeröffentli(i)t. ©in einleitenbel 
SSort menbet fid^ gegen bie 53eforgni§, al§ fönnte bie eoangeIif(i)e 
f5^reit)eit ber ©eiftlic^en burd) eine obrigfeitlidje Siegelung i^rer 
SSert)äItniffe beeinträchtigt merben; bie Orbnung, meldte mit bem 
SBorte @otte§ übereinftimme, fei ber ma'^ren O^reitieit befter ©tf)U|. 
®ann mirb bie SBat)! unb ©infe^ung ber Pfarrer geregelt. 



49 

^erfönlic^e $8elüerbmifl tft verboten, roeil fie leicht ju untüürbiger 
^rDteftion§tt)irtfd)aft jü^rt. ©in qu§ ©eiftlic^en, ^rofefjoren 
unb 3)^itgliebern be§ Ütate§ gebilbete§ Äotlegium foü bie in 
grage fommenben 5lanbibaten l^infic^tltc^ i^rer ^enntniffe in ber 
d)riftlic^en Se^re unb in ben ^eiligen ©d^riften, aber ouc^ ^in= 
fic^tlicf) it)re§ 2eben§n)anbel§ prüfen unb ben SSefunb in einem 
oer[d)Io[fenen 3^ugni§ bem ^ak mitteilen, bomit biejer bann bie 
SÖQ^I treffe. ®ie „Sefjre" ber ©eiftlic^en fei biejenige ber f)eiligen 
(Schrift. SDer Pfarrer barf auc^ ftrafen, aber oi)he Seibenfc^aft. 
ör bebenfe, ha^ „nirf)t§ ftärfer ift al§ bie SSa^r^eit" unb ha^ 
nic^tg beffer überführt aU eine ftore @eban!enentmtcf(ung („tjelle, 
gute Orbnung") unb „fo man ein S)ing mit 2;reue, Siebe unb 
©ruft bartut." ®ie Sefämpfung öon 9JiiBbräud)en be§ bisherigen 
ßird)enn}efen§ trete ^urücf gegenüber ber Pflege eine§ geiftigen 
(55otte§bienfte§ unb n)at)rer grömmigfeit. ^urcf) n:)ieberf)oIte 
(grinnerung an bie obrigfeitlic^en ©rtaff e über haS^ ef)elic^e ßeben unb 
bie gute firdjlic^e unb bürgertidie ©itte foll ber ©eiftlic^e ^uc^t, 
(S^rbarfeit unb ©e^orfam im SSoIfe förbern. .^ierauf fofgen Se= 
[timmungen über bie öffentlichen ©otteSbienfte ber Srmadifenen 
unb ber ^inber, über mürbige @aframent§öertt)a(tung, über bie 
Äranfenbefud)e ber Pfarrer u. a. (Sine (Srma^nung §u c^rift= 
Iid)em, ber ^o^eit be§ geiftlid^en Berufs entfprecJ)enbem Seben§= 
njanbet unb §u emfigem ©tubium leitet §um 2. ^auptteil, gur 
©Qnobalorbnung über, ^ier !onnte fic^ Suüinger an ßtoingliS 
©tatut öp« 1528 anfc&Iiefeen. 3)ie (St)nobe orbnet unb beaufficfitigt 
bie inneren 5(ngetegenf)eiten ber Sirene in Übereinftimmung mit 
ber Obrigfeit, erteilt biefer i^re 9^äte in geiftlic^en fingen unb 
nimmt mieberum öon i^r SInregungen entgegen, ßum (Srfjtufe 
njerben bie Kompetenzen ber @t)nobe unb ber Obrigfeit gegen« 
einanber abgegrenzt, inbem geforbert mirb, ha^ über alle§, maS 
Setire unb Seben ber ^röbifanten betrifft, auc^ über bie 2)i§äiplinar= 
ftrafen, recfjtggültig oon ber (St)nobe oerfügt »erben bürfe, n^ä^renb 
alle§ anbere ©ac^e obrigfeitlic^er 5tnorbnung fei. S)er mic^tigfte 
^erf)anblung§gegenftanb ber ©ijnobe, bie ^mei WHai ober minbeftenS 
ein Ttai be§ 3ai)re§ äufammentreten foHte, mar bie ^^nfur über 
bie S(mt§fül)rung unb bo§ üerfönlic^e Seben ber ©eiftlic^en unb 
iprofefforen ber 2:^eoIogie. 5Die ßenfur tjertritt in ben oon B^i^Ö^i 

0. ed)u[t^efj=!Rec^6erg, .'.>einricf) Suainger. 4 



50 

beeinflußten ^ir(f)en bie SSifitation. 2)te @eifttid)!ett btibete eine 
2lrt ®erid)t§I)of, öor bem alle it)re ©lieber gu erf(f)einen f)atten. 
2)ie getjibaren ert)ie(ten einen SSennei^, tonnten aber in groöierenben 
g^äöen aud) if)re§ 2lmte§ entfe^t ober gu ©efängniS tierurteilt 
werben. ®ie @inri(^tung voax fo getroffen, boß S5ertenmbung 
unb geinbfc^aft bobei feine S^oIIe fpielen !onnten. 2)a§ Sefte mußte 
freilief) ber religiös = fittlid)e Srnft ber 33eteitigten tun. $lu§ ben ^roto- 
!oIIen ergibt fic^ im allgemeinen, baß in ben Sauren tion S3uIIinger§ 
^irc^enleitung ba§ fittlic^e S^ioeau ber gürc^erifc^en @eiftlid)Eeit 
ficf) fortfd^reitenb ^ob, i{)m unb i^r fetbft gur (St)re, ein tatfä(i)üc!^e§ 
3eugni§ für ben guten ©eift ber §ürc^erifd)en 9f?eformation. (Sin 
3enfururteil, ba§ 23uEinger felbft betrifft, lautet: „er ift ju milbe 
in feinen ^rebigten, foü etn^aS tapferer, rauher, fd)ärfer fein, 
befonberS in @od)en beg (öffentlirf)en) SRec^teS." 

@in SSorjug ber jürd^erifci^en ^ircf)e, n)el(f)er it)re ©lieber mit 
S)anf erfüllte unb in i^ren unter meniger gtücflic^en 33er§ä{tniffen 
lebenben ^reunben geheime ©efü^Ie be§ 9Zeibe§ mecfte, war i^re 
(Sinigleit."'^^') „Sn 19 Saf)ven, feit i(f) ber ^irc^e 3üti(^§ biene," 
fc^reibt ^eüifan, „l)at nie S^i'ii n^egen eine§ ßel)rfa^e§ 5toifd)en 
unferen ®elet)rten beftanben." @r fä^rt fort: „33uninger, ba§ 
§aupt ber ^ird^e, unb 93iblianber, ber tf)eoIogifc!^e 2el)rer (er 
^ätte firf) felbft ebenfalls nennen fönnen) oerftanben fid) immer 
aufg befte, inbem fie im fc^önften ^rieben bk Stixd)t regierten." 
©en)iß gehörte SBuüinger in biefer ^öejiefiung bo§ größte Sßer^ 
bienft. ^erfönlid) Iieben§tt)ürbig unb gur SBeitler^igfeit ge=> 
neigt, in feinem 2Bit!en praftifd) unb auf bo§ n)o^rt)aft 
Sßertüotle gerid^tet, tnar er ber 9JJann, bie ©ifferenjen ber ®enf* 
meife, meiere aud^ unter ben jürd^erifd^en Sii^eologen nid)t oöüig 
fehlten, burc^ fotc^e 2)Jotioe ju überbieten, bie ein gebei^Iic^eS 
ßufammenmirfen ermöglicbten unb förberten. 2)iefer ®emein= 
famfeit ber (Stimmung unb be» ©trebenS innerhalb ber @eiftlic^= 
feit fomie 5tt)ifd^en ben 2t)eoIogen unb ben ©taatSmönnern ift e§ 
5um guten Seit äu^ufd^reiben, ta^ S^^^^ ^^^^ 'idntx gebrod^enen 
^raft nac^ außen im rt)efentlid^en bie 33ebeutung beibehielt, bie 
e§ in ben Sagen ßmingtiS befeffen ^atte. 

2)a5 OrganifationStalent be§ SeiterS ber ^ird^e fam nodf) 
anberen B^D^iQen be§ öffentlichen 2eben§ p gute. @ine SSorlage 



51 

über ba§ 5Irmenirefen, meiere er im Sluftrag be§ 9^ate§ aufarbeitete, 
getüann für biefe§ ©ebiet eine ä{)ntid)e grunblegenbe Sebeutung 
toie feine ©c^utorbnung unb fein ^ird^engefe^. ©benfo oerbantt 
if)m bie öffentliche ^ranfenpftege 3üticl)§ n}ertooae ^^(nregungen. 

93uninger§ gefe|geberifd)e 5lrbeiten finb tion ben ett)if(f)en 
unb religiöfen ©efid^tspunften be^errfc^t, bie if)m au§ ber tjeiligen 
©c^rift entgegentraten. (Sr bringt aber baneben ein !Iare§ Urteil 
über bie fon!reten Slnforberungen be§ ©emeinwefenS, toeldjem fie 
bienen foüen, mit. 3)a§ retigiöfe unb fitttid)e ^J3at^o§ beeinträd)tigt 
in feiner Steife bie praftifc^e ßmedmö^igfeit. (Sie erfdieiueu fo 
al§ mertoolle Saufteine in jenem ef)rmürbigen ©ebäube be§ c^rift= 
lidjen «Staate?, toeldjeg für un§ ber SSergangen^eit angehört, 
aber fic^erlic^ eine ber ibealften @rfc^einungen ber 9^ec^t§gefd)id)te 
ift. Unb i{)r ©d)öpfer öerförpert in feiner ^erfon bie @üter 
unb Prüfte biefe§ Seben§ft)ftem§ in fo ebler SSeife, ha'^ er gu feinen 
berebteften Stnmötten gepren bürfte. 



4* ^nUut%tx§ !ßcv^äUm§ gu tttiöcven cUangclifrfjctt 

3)a§ erneuerte (S^riftentum mar eine uniöerfale Tlaä]t ©» 
griff über bie ©renken ber (Staaten l^inauS unb ftellte ^mifdien 
ben @emeinmefen, meld)e fid) ju i^m befannten, meitreic^enbe 
SSerbinbungen l^er. ^Jiatürlidiermeife l^atten biefe an ben leitenben 
3J?önnern ber Üteügion unb ^irc^e i^re (Stü^punfte. ©in emfig 
gefüf)rter Sriefmed)fe( forgte burd) SJtittettungen, 3f{äte, @utad)ten 
für eine gemiffe (Semeinfamfeit be§ ürd^Iid^en Sebenl, für Über* 
einftimmung in ben §auptpun!ten ber 2ef)re unb (Sitte. ^erfön= 
tid^e ßufammenfünfte unb ber SluStaufd^ oon ©rudfc^riften unter* 
ftütjten biefe Seftrebungen. S)a aber bie 2eitung be§ (Staat§mefen§ 
fid) ebenfaüS nad) bem SBorte ®otte§ richten foUte, fo f)ielt ber 
©influB ber ^^eologen, auc^ ber au^tönbifc^en, nid)t öor ben 
2;üren ber Ülatsfäle ftiüe. 3n biefem 9lat)men ^at SuHinger 
auf onbere ßirc^en unb (3rJemeinmefen im meiteften Um!rei§ (Sin^ 
fluB geübt. 

4* 



62 

S)er gegenfettige S5erfet)r ber ebongelifd^en Äiriiien beiregte 
fttf) in ber ^auptfac^e in einer breifacf)en Üli^tung: er rvai 
freunbjdiaftlic^e 9?aterteilung, genteinjameg S3efenntni§ nnb 5ln= 
bietung oon §ülfe unter SBerfotgungcn. 

ßu ben erften 5lufgaben, toeld^e firfj ber SBorftetjer ber 
3ürcf)erijd^en ^irc^e für fein SSirfen nod) QuBen fteüte, get)ürte bie 2(n= 
ba'^nung eine§ freunblidjen SSer^ä[tniffe§ jtoifdjen 3iii'i<^ iinb 58ern, 
ben beiben mäd)tigften Sßertretern ber eöangelifc^en «Sadje in ber 
(Scfittjeij. 33uIIinger§ greunb 9J?i)coniu§ in 53afe( leiftete babei 
termitteinbe 2)ienfte. (S§ gelang, bie leitenben ©tcatsmänner 
einanber nät)er gu bringen. @Iei(f)mäfeige g-eftfel^ungen über ge= 
ttjiffe ^ultuSbröud^e unb eine gemeinfonie (£t)eorbnung ftärften 
t)a§ ®efüt)t ber 3ufanimenget)örig!eit. — 2Bäf)renb ber @treitig!eiten 
über \)a§> Slbenbma^I, n^eldje bie bernifd)e ilir($e feit 1536 auf= 
regten, mat)nt 93uIIinger bie g^reunbe, unentwegt bei i^rer niol^I= 
begrünbeten 2ef)re gu bleiben, ft)et)rt bogegen benjenigen, raetdie 
©Triften be§ '^auptfädjüd^en Urhebers jener ©treitigfeiten, be§ 
©trapurgerS Su^er, obrigteitlid^ öerbieten laffen mollten.''') @r 
fonn barauf :^intt)eifen, boB in ^iix'id} fetbft bie (Sd^möljfdiriften 
ber !at()o{ifd)en ©egner feilgeboten werben. '^\ix gegen (5eröet§ 
„@otte§Iäfterungen" erliefe in ber g^olge ber '^at ein SSerbot.^s) 
Man muffe, meint Suüinger, ber SSa^rl^eit bie ^raft ptrauen, ^u 
fiegen. ?ll§ 9JiegQnber oon ber seitmeitig für 93u^er§ ©ad^e 
gewonnenen Dbrigfeit feine§ Stmte§ entfe^t würbe, 50g *er i^n 
nod) ßürid). — 3m Saf)re 1543 entfpann fid) ein Üied^tSftreit 
äWif(^en ben 33ernern otS §erren ber SÖaabt unb @enf über bie 
©renken be§ efiemaüg bifd)öf(id)en @ebiete§. (S§ war feine bireft 
ürc^Iic^e 51ngelegenf)eit, aßein Suüinger, ber auf bie allgemeine 
:poIitifd)e Äonftellation ber ßeit ein Wad)fame§ 5luge t)atte, 
fürd^tete ein Eingreifen be§ ^aifer§ ju gunften öon @at)ot)en unb 
brang ba^er in bie beiben ©egner biefet äRad)t, fid^ balbmögtidift 
burd) ein ©c^iebSgerid^t ^n öergteic^en. SSirflid) würbe bie 
S)ifferen§ auf biefe SSeife erlebigt. — 2)ie Äird)e S3ern§ l^atte fid^ 
burd^ bie Steigung i^rer gü^rer gum i3utf)ertum öon ber gürd^erifc^en 
entfernt. Sm Seigre 1548 trat eine @egenftrömung ein. ©uljer, 
ber einflufereid^fte X^eologe, würbe mit anberen feine§ S(mte§ 
€ntfe|t unb begab fid^ nad) S3afel. 5ln feine ©teile trat ein 



53 

junger greunb SuHingerg, bei 3iir(f)er 3o^atine§ öaüer. ®ie 
@d)ii)ierig!eiten, meiere biefem in ber Seitung ber Äird^e 
S3ern§ begegneten, entmutigten it)n jeboc^ berart, baB er nad) ßürid^ 
5urü(fäufe:^ren n^ünfd^te. ®a f)ielt i^n Sutlingerä SIJjQ^nwort 
fe[t; er füfjite fid) nun ober and) üerpflid^tet, if)m unter ben 
(Sorgen feiner Stellung unermüblid) mit S^tot unb Ermunterung 
bei^ufte^en. 

Sn Sern unb ebenfo in 93afel tüax bie ®eiftlid)!eit bem Sflate 
gegenüber meit löeniger jelb[tänbig al§ in ^üi^icf; ^i^ Dbrig!ett 
regelte anä) bie !ird)tic^en ?tngelegenf)eiten, nid^t fetten ot)ne fid) 
ber 3u[tinimung ber ©eiftlid^en ju öerfid)ern. 2)ie§ bilbet eine 
!^äufig n)ieber!et)renbe ^lage in bem regen $8riefmed)fel ätt)ifd)en 
S[Rt)CDniu§, bem SSorfte^er ber i8a§Ier ^irdie unb feinem greunbe 
S3ußinger. 9J?t)Coniu§ !ommt fid) infolgebeffen §utt)eilen red)t 
überftüffig öor. ®ann muntert ii)n SuIIinger auf: „®u nennft 
bidi eine SfJuH, aber id) unb meine greunbe ^alkn unenbüd) oiel 
auf bic^. SBir alle, bie tt)ir ©iener ®Dtte§ fjei^en, finb ^nUm 
unb öermögen nur burc^ feine @nabe ®ute§ gu tun." ^n ben 
SIbenbma^I§ftreitig!eiten mu^ er it)n, ber eine Qdi lang fd)iüan!enb 
geworben tft, ftärfen. ©eit öoUenbS 3J?t)Coniu§ im ^a^xt 1552 
geftorben unb @ul§er on feine (Stelle getreten war, f)atten bie 
Sln^änger ber gürc^erifdjen Se'^r- unb ÄuItu§trobttion einen 
fdjmeren Staub. ^4u§ ängftlid)er SRüdfidjt gegen ba§ Sutl^ertum 
Übermächte bie Obrigfeit i^re ^rebigten unb it)re ®rudfd)riften. 
Sie fürchteten für bie fernere ©eltung ber fdjmeijerifc^en ^'onfeffion 
in it)rer Ä'irc^e. Unter biefen Sorgen fc^öpften fie Tlnt unb 
SSertrauen au§ bem Süd auf bie ^^i-'c^^i^ unb SuHinger. SSa§ 
biefem om Iut^erifcJ)en (Sinftufe Sebenfen erregte, War nici)t ollein 
bo§ S)ogmatifcJ)e. (gr beflagt bie ^errfc^aft eine§ 9[Renfc^en in 
Sachen ber ^Religion. „SBenn bie Einigung ber ^ircf)en bie«? be= 
wirfte, bo^ niemanb mef)r für bie Söa^r^eit gegen ßutt)er ben 
SJiunb auftate, ba bod) Cutter ein SKenfdj unb nicf)t ®ott ift, 
fo mijge fie baf)in foüen. S(f) bin ber SJJeinung, ßutt)er fei ein 
SJJenfct), ber fid) töufc^en unb Rubere täufcf)en !ann, ber auf Irrtum 
oufmerffam gema(^t unb baüon ^urüdgerufen werben barf. 33ei 
einem 2;^eo(ogen wirb bie 2Bai)rf)eit me^r gelten muffen al§- 
£utt)er." i'O 



54 

Salüin§ ?Ibtt)e^r ber Eingriffe be§ ^eter ^axoli in Soufanne 
ttiurbe ber SlnlaB ^u brieflid^em S8er!et)r glüifc^en if)m unb 
93uEinger. @§ ^anbelte ftd^ um bie Xrinität§Iei)re. Saloin oer= 
einbarte mit beit Ö5enfer ©eifllid^eu ein ^e!enntni§, ha§i er ben 
fd^meigerifctjen Äircfien ^ur (55enet)mignng öortegte. ®ie ßürc^er 
finb burc^QU§ baöon befriebigt. ©ocf) fc^reibt SuHinger bei biejem 
5lnla^ an einen g^reunb bie begeirfinenben SSorte : •'''^) „3Jiir 
fd)eint e§ rid)tiger, fid^ biefen anbetung§tt)ürbigen ©e^eimniffen 
mit bem ^ergen ^u natjen unb an fie ju glauben, ben SSorten 
gemä^, in tt)elcf)e bie Ijeilige ©d^rift fie fofet, qI§ mit ©elelirfamfeit 
unb ©d^orffinn in |ene§ Heiligtum einbringen ^n moEen. SSir 
merben bafür forgen, bafe bei un§ in biefer ^ad^e fein S)i§putieren 
um SBorte ftattfinbet." ^aulu§, fügt er bei, ermahne bie ©einigen 
äur 9'^üd)tern{)eit, ni(f)t gum SSortftreit, aud^ ^abe bie ©egenmart an 
ben 2(benbmat)Isftreitig!eiten mef)r al§> genug. — S)a§ mar im 3o{)re 
1537. 3m barauf folgenben g^rül)Iing mürben ßatüin unb garet 
au§ @enf üertrieben. S)aB fie fidf) ben gorberungen S3ern§, ben 
S3erner 9titu§ in ben ©otteSbienften einzuführen, miberfe^ten, bot 
ben 5lnlaf; §u biefem ©emaltaft, ber entjrfieibenbe ©runb mar bie 
S5erftimmung Sßieler gegen ha§ fittenftrenge unb ^arte S^legiment be§ 
fRefornmtor§. ®ie Sßertriebenen !amen nadt) ßürid^, mo fie it)re 
<Baä^t ben eben oerfammelten Slbgeorbneten ber et»angelifdt)en 
^ird^en ber @d£)mei§ öortrugen. 2)ie 3ü^<i)er legten hierauf beim 
©enfer Sf^at gürfpra(f)e für fie ein. 93ullinger empfat)t fie an 
ein SJütgüeb ber ferner Ü^egierung. ®a aber bie (Stimmung in 
©enf noc£) unüeränbert mar, begab fid^ (Satöin nad^ Strasburg, 
garet nad^ 9Zeuenburg. '^aä) gmei Satiren münfd^ten bie ®enfer 
(SatüinS Sftüdfel^r unb erfud)ten bie Äird^en 3ünd^^^ 33ern§ unb 
^afet§, i'^re Sitte in ©trapurg unb bei ßatüin fetbft gu unter^» 
ftü^en. SButtinger oertrat, mie gemot)nt, bie ßürdjer. Wit bem 
mörmften Slnteit an feiner Stuf gäbe jc^ilberttr bem ©trapurger Üiat 
bie ürdjenöotitijd^e Sebeutung @enf§ mie bie proüibentieüe StuS* 
rüftung ßatöinS für bie ©ad)e be§ (SöangetiumS in biefer ©tabt. 
(Sattiin matjut er, nidfjt auf bie ©timme be§ gteifdjeg §u t)ören, 
meld)e§ bem götttid^en 9iufe p miberftreben geneigt fei.'» i) 9^od^ 
fdjmerem ^ampf ent[cf)IoB fid) ßatüin, nad) ®enf jurüdäutetiren. — 
Sm 3at)re 1549 üereinbarten bie beiben äJJänner ben „ßürd^er 



55 

^onjenfus" betreffenb bie 5lbenbmaf)I§Ie{)re. Ser Snipul§ ging 
öon Satöiu au§, ber äutiäd)[t im Sntereffe ber fronäöfifcfien 
^roteftanten unb ®enf§ eine (SintrQd)t§erfIärung feiner ^ircf)e 
unb ber §tt)inglifd)en über biejen §um Streit* unb XrennungS^ 
grunb geworbenen Set)rpun!t ttJÜnjc^te. 5Da bie anberen 
et)QngeIifi)en Äird)en ber (gdjttjeij ficf) aümäfitid) anfcfiloffen, 
tnurbe baburd) ber griebe steiferen i^nen befeftigt, g(eid)äeitig 
freiürf) and) bie ©cfieibung einer reformierten ^ird)enbi(bung öon ber 
iut^erifc^en geförbert. — 3m ^ampf gegen ha^ römifrf)e ^irc^en- 
tum unb in ber 5Ibme^r tut^erifc^er Eingriffe begegnen fic^ ßalöin 
unb SButlinger in ber golge immer tt)ieber unb ermutigen fid^ 
gegenfeitig. 

®Q§ ^at)X 1553 brQ(^te einen @c^riftenau§tQufc^ ^ttiifc^en 
(55enf unb 3üTic^ tüegen be§ Srrle!)rer§ ©eroet. S)ie ßürcfjer 
fprac^en fic^ ba^in au§, bü^ er ju beftrofen fei, n;eit er 
„bie feften §auptpun!te unfere« ©^riftenglaubeng" beftreite. Sn 
perföntic^en Sinterungen gegenüber ßatoin unb Seja erflärt 
SBuüinger fic^ für (Seroetg §inrid)tung. @otte§Iäfterer gu töten 
fei bog 9Rec^t be§ djriftlic^en (Staate^; in biefem gall t)abe ®enf 
bie ^flicbt, öor aller SSelt gu geigen, bofs e§ 6l)rifti (£l)re gu 
magren gefonnen fei.^^) gj^Q^^ jüirb nicl)t mit öeftimmt^eit 
QuSmad^en fönnen, ob folcf)em Urteil ein genauer juribifd)er Segtiff 
t)Dn ftrofbarer ^e|erei im Unterfc^ieb öon tolerabler Srrle^re §u 
(55runbe liegt. Sullinger beruft fi4 ttio er bie 9f?ecl)tgläubig!eit 
ber eöangelifclien Ä'ird^e begrünbet, nid^t feiten auf ba» SDefret 
be§ ßaiferS ©ratian, in n^eldjem bie Söeftreitung ber göttlichen 
©reieinigfeit ü\§ bie eigentlidie, öon ber ^l'irc^e ausfc^liefeenbe unb 
jtrafbare Äe^erei begeic^net wirb. Sie Sßermutung liegt bat)er 
nal)e, er l)abe jenem Seugner ber @ottl)eit Sl)rifti mit 9?ü(ffic^t 
ouf biefe§ olt-cfiriftlic^e 9^eicl)§gefe^ \)a§, Wä)t auf 2)ulbung im 
c^riftli(f)en ©taate abgefprodien. Qnbeffen l^at Sullinger nidit 
QU^brüdlicli fo argumentiert. 2Bir befi^en öon i^m ein ©utac^ten 
üu bie 3ürcl)er Obrigfeit üom Sa^re 1535 über bie ^^rage, „ob 
e§ ber Cbrigfeit guftelje, SSiebertäufer ober anbere im OJtauben 
öerfü^rte ober »erfüb^rerifc^e Seute an (S^re, üdh unb Seben gu 
ftrafen." §ier tt)irb bie entfd)eibung nicf)t nac^ aflgemeinen 
B?ec^t§grunbfö|en getroffen, fonbern geftfet^ung be§ (Scl)ulb= unb 



56 

©trafniQ^eg unter S3erüd[{c^ttgung aller, für ben einzelnen g^olt 
in Setradjt fommenber fubjeftitien unb objeüiöen Urnftönbe 
empfof)ten. 3ntmert)in ^ot im goüe be§ ©eröet bie ©mpfinbung, 
ta'Q bie ollgemeinfle ©runblage ürci^Iidier Ort^oboiie in g^rage 
fte^e, Sullinger§ Urteil geleitet, ^anbelt es fic^ um bQ§ SSer= 
fahren gegen Strle^rer überijoupt, fo ftimmt feine ?ln= 
fc!^Quung mit ber ^rojiS ber gürdjerifci^en Obrigteit überein. 
Irrglaube ober Unglaube fann unb foll nicf)t beftraft merben, fo 
lange er nid^t ^ropaganba mad)t. irrgläubige ^ulte barf ber 
cf)riftlid)e @taat ni(f)t bulben, in§befonbere mirb beftraft, mer fid^ 
bur(^ S3efu(f) ber 3J?effe öon ber Slbenbmat)t§gemeinfd)aft Io§fagt, 
|ebO(^ nid)t mit bem ßeben; at§ fc^merfte ©träfe mirb bei 'SiM= 
fälligen SSerbannung öerf)ängt. Suüinger betont gerne ba§ 
SJJoment ber Xoterong, ha§ in biefen nad) mobernen Segriffen nid^t 
fonbertid) bulbfamen ©runbfä^en liegt, ^n feiner ßeit mürbe in 
ßürid) fein 3rrlcf)rer mit bem Sobe beftraft. — Sm '^a^xt 1555 
entging ßaloin mit SDZüfje einer gegen it)n gerichteten ^Serfd^mörung. 
Sm 3ufamment)ang bamit öerfd^ärfte fid^ ber ©egenfat} ber 
6alt)infd)en 'partei gegen Sern. Tlan be£)auptete, ha^ ßaloin 
felbft auf Söfung be§ Sunbe^oerpttniffes fjinarbeile. Sa fd^rieb 
i^m SuHinger am 28. (September einen feiner treuherzigen unb 
meifen Sriefe, morin er au^fü^rt, ta'Q eine potitifd)e Sfotierung 
©enf§ bie @a(^e ber ^f^eformation in biefer ©tobt unb anbermärt§ 
in bie größte ©efa^r bringen müfete. 3Bot)I bürfe man nid)t 
auf 9JJenfd)en üertrauen, allein bie Sorfet)ung bebiene fidf) bod) 
menfdjlidier 9J?itteI ^ur görberung it)rer ^mtdt, roie bie§ bie bi§= 
teerige @efd)ic^te @enf» beutlid) genug geige, ©alüin tiefe fic^ be= 
lehren, greilic^ töfte fic^ ba§ 93ünbnt§ mit Sern tatfäd)Ii4 e§ 
mürbe jebod) auf Setreiben einzelner eüangelifd)er Orte unb nid)t 
o^ne Suüinger§ Semü^ungen nad) gmei 3at)ren neu gefc^loffen. 
ßaloin unb SuHinger maren öon 9^atur unb burc^ it)ren 
(SntmidtungSgang gang oerfd)iebene ajlenfc^en. «Sie ftanben gleicß= 
mo{)I mätjrenb faft oier Sa^rgetinten in einem gegenfeitigen Ser= 
{)ättni§ ber Sichtung unb be§ Sertrauen§, melc^eS burc^ Dorüber= 
ge{)enbe Serftimmungen nic^t geftört mürbe. 2)er ©enfer Üteformator 
mar bem §aupt ber äürd)erifd)en ^irc^e al§ 3)enfec unb Sc^rift^ 
fteKer überlegen, bennoc^ t)at jener oon biefem mef)r empfangen 



57 

a{§> tiefer öon jenem. SSuHinger f)atte nämlid) mit ben ttjeotogijc^en 
Problemen in ber ^auptfoi^e abgejditoffen, ef)e Galöin it)m notjer 
trat; er empfinbet fein 93ebürfni§, öon ©atoinS ©ebonfenmelt unb 
«Sd^riftftelleret in ^ufammentiängenber Söeife Kenntnis gu netjmen.-'») 
S)agegen lä^t fit^ ber erregbare, oft unbesonnene gran^ofe öon 
bem umsichtigen, Überlegenben Seutjdjfdjlüeiäer nic^t ungerne be= 
ruhigen, beroten, ermahnen, trö[ten; unb biefer, ben ^o^en SBert 
SalüinS erfennenb, ift unermüblic^ in folc^ feelforgerlidjem 
2)ienen. 

@in banfbarer gi^eunb S3uüinger§ wax auc^ ber 9^euenburger 
Üieformator garel. Sm Satjte 1541 entsmeite fid^ ber feurige 
9Jiann mit 9ftot unb (55emeinbe feiner ©tabt, inbem er gen^iffe 
ftttlic^e SSerirrungen unb it)re ©ulbung feitenS ber Dbrigteit auf 
ber 5?anäel rügte. 9Jfan bef(f)Iofj feine 5tmt§entfe|ung. S3ern, 
ber mä(^tige 53unbe§genoffe, not)m gegen it)n Partei. S)a »anbten 
fic§ bie S^ieuenburger @ei[t(i(f)en an bie befreunbeten ^irc^en um 
.g)ülfe. (£§ gelang it)ren öereinten 5ln[trengungen ben ^rieben 
mieber ^ersuftellen unb garel feinem SBerfe §u ert)alten. ®ie 
oon S3uUinger öerfafete ßufcfjrift ber ßürd^er fdjeint ben tiefften 
(Sinbrucf gemadjt §u l^aben. „2Bir äße", fd)reiben bie (Smpfänger, 
„t)aben bie munberbare Ä'raft Zottel in euerm Schreiben gefüt)It. 
3t)r f)abt aüe fünfte, mo ber (Satan in bie beerbe et)ri[ti ein= 
bred)en !onn, bemer!t unb l^abt ben geinb öoüfommen entmaffnet." 
3n foId)en Slufgaben bemieS 93u(linger tt)at)re äJJeifterfc^oft; bie 
9(lid)tigfeit ber 2lrgumente, bie üorfid)tige SBaf)! ber SBorte, ber 
©ruft, melc^er ^ur ©elbftbefinnung nötigt, bie ^erjüdifeit, meiere 
getüinnt, ba§ alle§ oereint tonnte faum je ot)ne Söirfung bleiben, 
©ein ©d^reiben an bie D^euenburger forbert für ben ©eift« 
liefen ba§, unbefc^ränfte 9fted)t, im ^iamen @otte§ ju ftrafen, rät 
aber jugleid), im ^aü üon ©ifferengen eine Stugat)! ©eiftlic^e unb 
Saien mit ber Unterfud^ung unb ©d)Iid)tung ber ©ad^e §u be= 
auftragen. — ßu ben £iebling«gebanfen garelS, aber aud^ 6att)in§ 
unb SSiret§ in Saufanne get)örte ber ^ird^enbann. Sn ben eöan= 
gelifdien Äirc^en ber beutfd)en ©dimeij fetjtte e§ ebenfalls nid^t 
an SSerfudjen, i^n eingufütiren. ©eine 5(n^änger meinen, bie 
fittlii^e Integrität ber d^riftlidjen ©emeinbe fönne nur bann 
tt)ir!fam gen)af)rt merben, menn e§ geftattet fei, offenfunbige ©ünber 



58 

t)om 2l6enbmat)I§genuB Qu§äuj(i)tie§en. g^arel felbft mö(i)te nod^ 
einen ©d^rilt h)eiter ge^en unb ben ß^tritt gum Slbenbmol^t öon 
einer Prüfung jebeg (Sin^elnen über ben ©louben unb boS fittlid^e 
Seben abhängig machen. S3uIIinger n)ei[t if)n barauf ^in, ba^ 
er fo auf bem fünfte ftel^e, bie lat^olijd^e S3eicf)tc luieber ein= 
pfü^ren.^*) Überf)Qupt aber tritt er für bie §ür(i)erij(f)e ^ird^en« 
profiS ein, inelctie !eine anbere ^irdien^ud^t fennt qI§ bie §anb= 
^abung be§ @trafgefe^e§ burd^ bie d)riftlid^e Dbrigfeit. (Sr gibt 
3U, boB eine inbiüibuelle Sig^iplin burd^ ©emeinbecorfte^er ber 
Religion nid^t gun^iber fei unb au§ ber f)eiligen ©d^rift begrünbet 
tnerben fönne, aber bie |)ra!tifd)e (SrUDÖgung, baB nur bie Dbrig= 
feit fie burc^^ufü^ren üermöge, bie 9iüc!fid^t auf bie SSürbe be§ 
d)riftlirf)en @taate§, ber bie Slufgabe, bie ©ünber gu ftrafen nid^t 
in anbere -^änbe legen bürfe, enblict) bie 53eforgni§ öor (Streitig* 
feiten beftimmen i{)n, fie gu öerwerfen. ^m Saf)te 1553 erbat fid^ 
ber ©enfer 9iat öon bem 3ürdE)erifd^en ein (Sutadjten über biefe 
3^rage.5^) ®ie ^Intujort, rteld^e öon SuIIinger infpiriert ift, öer* 
^e^tt nid^t bie beftetienbe SSerfd^iebentjeit, inbem in ^ünd) ber 
SfJat „aufteile ber gefamten ^irtfje" bie S'ird^engud^t übe, betont 
jebod), 'Oü'^ in foldfjen fingen jebe Obrigfeit ben ©ebürfniffen 
unb @ett)of)n^eiten t^re§ Sanbe§ 9?ed)nung §u tragen t)abe. Qu 
berfetben SBeife äußert fid^ 93uriinger in einem ^ridatfd)reiben 
an ßalüin, fügt bemfelben jebod^ gu Rauben be§ @mpfönger§ bie 
SSarnung üor alläugroBer (Strenge Ijin^u; man bürfe ba§ ge« 
fnicfte 9to^r nic£)t ^erbredien unb ben glimmenben S)od^t nid)t 
augföfd^en. — 9iod§ ein 3JfaI ^atte fid^ 53utlinger über biefe 
grage gu äußern, al§ 9J?einung§oerfdE)iebenf)eiten in ber ^fal§ 
ben Ä'urfürften üeranlaBten, i^n um ein ®utad)ten §u erfudjen. 
®ie größten (Sorgen begegneten ber güri^erifd^en ^irdt)en= 
leitung üon Seiten ber fat^olifdien Orte. 2ln ben eibgenöffifdjen 
2;agfa|ungen nu|ten biefe i^re Übergabt "^üufig genug in ebenfo 
gettjatttotiger at§ fteinlid^er SSeife au§. ^on ber unbegrünbeten 
Auflage gegen Sullinger megen (Sd^mö^reben auf ber Mangel, 
tom SJJanbatftreit unb üon ben Üieflamationen megen ®matter§ 
(Sd^rift gegen ba§ ^apfttum mar fd)on bie Sftebe. Sn ben 
50 er Sauren bebröngten bie fatf)oIifd)en ?Ibgeorbneten bie eöan« 
gelifd^en mit ber gorberung, ba^ ber 93unbe§fd£)mur nid^t allein 



59 

Quf ben DfJamen ®otte§, fonbern auö) auf bie ^eiligen geleiftet 
werben muffe. Später tüirb ©Iaru§ teibenfd)aftlid) angegriffen, 
njeil e§ eine fetner brei, bem fatt)oItfd^en Äultus oorbe^altenen 
Pfarreien, au» SJiangel an ©emeinbegliebern l^atte eingeben laffen. 
S)em allem fonnten bie (Söangeüfdjen nur moralifc^en SSiberftanb 
entgegenfe^en. ©iefen gu ftärfen mar S3uIIinger eifrig bemüf)t, 
inbem er in ©utadfiten an bie eigene Üiegierung unb in Briefen 
an befreunbete @eiftlicf)e unb 9^at§glieber anberer Orte gu gemein= 
famem SSorge'^en ermahnte, äugteicf) bie ftrittigen ^^'agen in§ Sid|t 
ber et^ifd^en unb religiöfen ^ringipien rücfte, mo bann ba§ ©e- 
miffen unb ha§i ©ottöertrauen gu entfd^eiben f)atten. @o mar 
in§6efonbere bie ^Beilegung ber @ibe§frage §um guten Steil bie 
g^rud^t ber rul)igen geftigfeit, momit S3uIIiuger bie Slbgeorbneten 
gu erfüllen üermDtf)t [)atte. ^orüberge^enb famen ben ©oangelifdien 
audf) bie allgemeinen politifc^en 33erl)ältniffe gu §ülfe. ?n§ ber Äaifer 
im fd)mal!albifd)en ^rieg fiegreic!^ burd) ©übbeutfc£)lanb oorbringt, 
!ann SuHinger berirf)ten s'*) : „®ie Xagfa^ung ift einig mie feit 
20 Sauren nie, ber |)anbel mit ©malterS Slntidirift ift abgetan." 
SDie fünf effion eile geinbfd^aft trot ^uxM gegenüber ber gemein« 
famen ©efaljr, bie bem S3unbe brofjte. S)o(^ mirb im allgemeinen 
feit ber SDiitte be§ Sol)rl)unbert§ ber aggreffiöe ©eift ber @egen= 
reformation fpürbarer. 

Sn ben !atl)olifd^en ©ebieten finb bie ©oangelifd^en oi^llig 
redl)tlo§. (Sinjelne werben ^ingerid)tet, Sibetn merben gefammelt 
unb i3ffentlic^ öerbrannt. 3n ben gemeinfamen SSogteien bot ber 
£anbfriebe üon Pappel ben fatl^olifc^en ßanböögten bie §anbf)abe, 
um bie ©öangelifc^en jurüd^ubröngen. 2)er 5lbt öon ©t. öJallen 
öerfolgte fie in feinem ©ebiete al§ ße|er. SöuUinger mal)nt bie 
eöangelifc^en ^Regierungen ^um 5luffe^en, tröftet unb ermutigt bie 
SBebröngten unb ©eängftigten, menbet fic^ gelegentlid) aud) an 
§er§ unb ©emiffen ber Gebrüder. 5)em Pfarrer ©c^neemolf in 
©tedborn, meld)er megen einer angeblid) aufreijenben ^rebigt 
gegen fat^olifc^e ^uttu§bröuc^e öon bem fd)mi)jerifd)en Sanböogt 
gefangen gefegt unb gum 2obe tierurteilt mürbe (1567), gibt er 
Einleitung für feine ^-Berteibigung unb ma^nt i^n, im 33lid auf 
©Ott unerfc^roden öor feinem 9Rid)ter gu erfc^einen.'^') (Sr 
entging bem 2obe, mürbe aber be§ 2anbe§ tiermicfen. 5)en 



60 

Slbt S)iet^em öon @t. ©aüen erinnert 5?untnger, boB ©Ott 
ebenfo ba§ @euf§en ber tierfolgten ^^rommen tote bie gür= 
bitte glü(f(i(f)er Untertonen für i^ren milben unb toeifen 
Ferren tjöre.^^) 

SKit bem 3at)r 1549 beginnen 93utlinger§ S8emüf)ungen für 
bie (Soangetifd^en in ßocarno, eine« ber fdiönften ^Blatter in feinem 
£eben§bucf|.5f') ®a§ heutige 5:effin gef)örte feit 1512 ben (£ib= 
genoffen unb tourbe, ät)nlic^ ben „gemeinen §errfcf)aften", burd^ 
roecfifelnbe Sanbtiogte oermaltet. ^ie eöQngelifdtien unter itjuen 
leifteten bem 2Bad^§tum ber fleinen ©emeinbe, toeld^e au§ bem 
Sefen reformatorifd^er ©cEjriften ermad)fen war, S3orf(f)ub, bie 
!atf)oIifc!^en fuc^ten fie nieber§u|alten. 2)ie S?erfoIgung brad) Io§, a(§ 
bie etiangeüfdjen Socarner fic^ ju öffentlid^em ®otte§bienft öerfam= 
melten. 3)ie Sebrängten fud^ten @d)U^ bei ben etiangelifd)en Orten 
unb bei Suttinger. ^^v eoangeIifd)e§ SefenntniS unb i^re c^riftlid^e 
©efinnung ftanben au^er ßroeifel unb it)re tion ebelm ©laubenSmut 
unb rüf)renber 53efd)eiben^eit getragenen ^ujc^^^ften roedten bei 
oüen ben SBunfd^, ba§ SJJöglidjfte für fie §u tun. ?lllein bei ber 
9flüdfid)t§Iofig!eit ber fatt)oIifc^en (gibgenoffen in ©ad^en ber 
^onfeffion unb ha bie griebenla!te oon Pappel S^leugrünbung 
eoangeIifd)er ©emeinben in ben SSogteien nid^t üorfa^, mar bie 
(Situation eine tiergmeifelte. 5Iuf ber ^^agfa^ung oom 3. ^e= 
§ember 1554 foHte über ba§ @d)idfat ber Socorner entfd^ieben 
merben. ^uEinger f)atte ii)nen ben ©ntmurf ju einer 93ittfd|rift 
an bie Slbgeorbneten tierfa^t, morin er feine Slrgumente für bie 
2)ulbung SInberSglöubiger gur @e(tung bringt: ber ©laube ift 
eine @abe ®otte§, er fann bat)er meber geboten noc^ oerboten 
merben; butbet man in d^riftlid^en Staaten Suben, marum ntd^t 
in ber ©ibgenoffenfctiaft ß^riften, bie be»felben @Iauben§ finb 
mie einige ber eibgenöfftfd)en S3unbe§glieber? ®er obmeicf)enbe 
©laube tjinbert in feiner SBeife bie Untertanentreue. 2(nberfeit§ 
tat S3uninger fein mögIicE)fte§, um bie eöangelifd^en Drte bei 
i^rer ^fli^t gegen bie @lauben§brüber feft^ufjatten. Sttlein bie 
g^urc^t tior einem Kriege unb ber ©influfe be§ fran§i}fifd^en (S)e= 
fanbten, ber unabläfftg üermittelte, maren ftärfer al§ er. 9^ur 
ßüric^ blieb feft. ®a fanbten bie eöangelifd^en (Stäbte 33oten, 
me(d)e in ben 'Siat brangen, feinen SSiberftanb aufzugeben. 



61 

SuHinger litt jc^lüer. „©rof^e Xraurigfeit liegt auf mir lüegen 
ber ßocornerfac^e" fc!§reibt er an Galmn.ßt^) „2öq§ gefd)et)en 
lüirb, irei^ @ott, tücld^en ic!^ bitte, bofe er un§ üor allem Übel 
bema^re." S)em frangöfif^en ©efanbten bezeugt er, ta^ er für 
bie (Srt)altung be§ ^rieben§ iebe§ mit ber S3ernunft unb ber 
^Religion öerträglic^e Opfer §u bringen bereit fei, aurf) ha'^ er bie 
S3eftimmungen be§ ßappeler .^^rieben^ geft)iffen^aft 5U beobacfiten 
»ünfd^e, aber ßugeftänbniffe, bie ber üieligion unb bem ©eluiffen 
juroiberüefen, werbe man billigertueiie üon i^m i.icl)t erroarten. 
Ser S^ertreter 3üri(f)§ auf ber ^agfa^ung erflärte bementfpred)enb, 
tü'^ feine @tabt niemals bie §anb bagu bieten ttJerbe, bie @Iauben§= 
genoffen in Socarno it)rer g^reitjeit ju berauben. (S§ Iüüx bie§ 
aüeg, tt)a§ unter ben gegebenen Umftönben gef(^ef)en fonnte. 
93ullinger f)atte bie teitenben äJJänner ^ü'^^'^^ i^^t ber frommen 
3uoerfid)t gu burc^bringen üermoc^t, tia'^ man, mag immer ge= 
f^et)en möge, bie 2;reue gegen bie ^öd)ften @üter nid)t merbe 
§u bereuen t)aben. SDie anberen eoangeüfdjen Orte fonnten fid) 
auf biefer religiöfen .!pö^e nirf)t behaupten. (Sinjelne üon if)neu 
niaren über 3ü^i^§ Haltung oerftimmt. 3n Sern gürnte man 
33uüinger perfi3nli(i) unb bi(^tete if)m unlautere äJioÜDe an. (5r 
fonnte fid^ barüber tjinmegfe^en. Sm 9J?är§ 1555 mürben bie 
eöangetif(^en Socarner burd) bie Stbgefanbten ber !at^olifc^en Orte 
au§ i{)rer ^eimat öertrieben. Sie fu(f)ten ß^f^u'^t ^n S^^^^> tt)o 
fie im ÜJJai, mel)r al§ 100 ^erfonen, eintrafen unb gaftfreunblic^e 
?tufnai)me fanben, obgleich bereite eine grofee ^alji öon 9^eIigion§= 
flüd^ttingen, namentlid) au§ (Snglanb, in ber @tabt meiüen. 2;a§ 
bie onberen eöangelifd^en Orte in ber Unterftü^ung ber 93er= 
triebenen gurürf^altenb tt)aren, erfc^ttjerte bie gürforge, bei ber 
^uroeifung oon 5lrbeit mar au^erbem ber SBiberftanb be§ 
§ür(f>erif(i)en ©etoerbeS ju überniinben. 5lud^ biefe tier(eugnung§= 
üolle unb Iangn)ierige Slrbeit lag großenteils auf SuÜingerS 
(Sdjultern. 

3ufammen|öng-enber al§ in ben meiften anberen @c^tt)eiäer 
Äirc^en mar SuHingerS SinfluB in ©raubünben.«») @ef)örten 
boc^ biefe Sauber ni(f)t jenem alten Sunbe§oert)äItni§ an, meld)e§ 
feit ben Sfiieberlagen be§ ^at)reä 1531 ^u einer geffet für bie 
SBirffamfeit ber etiangelifc^en SebenSfröfte gemorben mar. SSon 



62 

ßürid) upb 3^^^"9^i Ratten fte bie Üteformation empfangen, ^anpU 
[ää)l\(i} (If)ur unb ber ße^ngerictitebunb mit feinem §auptort 
5Daöo§. S3uninger fe^t aucf) f)ier 3tt)ingli§ 2Ber! fort. @r fnüpft 
mit ben §öuptern ber eöangelijd)en @eiftlict)teit brieflid)en SSerfe^r 
on. njeld^er fortfc^reitenb an '>2[u§be{)nung geminnt, feit einige 
junge 3üi^cE)er au§ 93uEinger§ g^reunbesfreiS »ie 3of)anne§ 
3^abriciu§ (@(f)mib) unb 2;obia§ @gli, ober S3ünbner, bie in ^üxid) 
ftubiert, gum %dl auct) ju ^uUinger§ ©tipenbiaten gehört Ratten, 
bünbnerif(^e Pfarreien unb ßefjrftellen befleibeten. 9Jiit @taat§= 
männern mie Soi)anne§ öon 2;ratier§ unb gricbricf) oon @ali§, 
trat er ebenfaHä in SSerfe^r. (S§ gab feine n)i(f)tigere §ln* 
gelegent)eit im Äirc^en--, <B<i)nU unb ©taatsmefen @raubünben§, 
in tt)e(cf)er er nic^t oon irgenb jemanbem §u Sftate gebogen Ujorben 
märe. Über bie SSiebertäufer, über @t)et)inberniffe, über ba§ 
5ßert)alten be§ Pfarrers in ^eftepibemien foll er ha^ ri(f)tige 
SBort fpred^en; bie rt)ötif(i)e ^onfeffion oon 1553 mirb i^m im 
(Sntmurf §ur Segutad^tung oorgekgt. S3ei Differenzen innerhalb 
ber @eift{i(i)feit f)at er nid^t feiten ju oermitteln, in SSerIegen= 
Reiten mie fie au§ ben fteten ^arteifämpfen ober bem ©egenfa^ 
ber neben einanber motinenben ^'onfeffionen l)äufig genug ent= 
ftonben, foü er ben 5lu§meg finben. @r ift ber SSertrauenSmann 
nid^t meniger ©emeinben, bie i^n um ^iifei^i^utTg tüdbtiger @eift- 
Iidf)er erfucE)en ober if)m anbere (Sorgen anöertrauen. S)en 
eoangelifd^en ©emeinben in ben italienifc^en Xalfd)aften, mie 
ß^iaüenna, ©onbrio t}üt er befonbere 5lufmerffamfeit getoibmet. 
SludE) in politifc^en Strogen moüen bie g^reunbe feine ?lnfid^t 
miffen. Um bie geiftige Söifbung @raubünben§ ^at er burc^ feine 
3J?itI)ütfe gur ©rünbung ber Sateinfd^ule in ß^ur, mie burc^ bie 
fortmöt)renben 3Inregungen, bie er feinen Äorrefponbenten für if)re 
tf)eoIogifd)en aber audt) gefd^id^tIidE)en ©tubien gob, gro^e SSerbtenfte. 
Über bem allem barf ni(^t üergeffen merlien, iüa§ bie (Smpfönger 
feiner 93riefe mo^I in erfter ßinie fd^äl5ten, bie perfönlicJie @rmuti= 
gung, ^Belebung, ©rfrifcfjung, S^röftung, bie er i^nen in reid^er 
güüe fpenbete, bie Siebe be§ aUüere^rten 9Jfanne§, oon ber fie fid^ 
umgeben füJjIten. 

Slud) in @t. ©allen, mo Soad^im SSabian'^^) jj^e g^reunb* 
fd^aft, bie if)n mit ^"'ingti oerbunben t)atte, ouf ben S^ad^folger 



63 

übertrug, unb 3ot)Qnne§ Siedler i^m öon ^erjen ergeben lüar, 
foiüte in (Sc^off^aufen U\a^ SuIIinger feine Äorrefponbenten, 
njelc^e ße^tereigniffe mit if)m befprad^en, if)n an if)ren (Sorgen unb 
Hoffnungen teilnefjmen liefen unb nic()t anber§ al§ im (gin= 
oerftänbni» mit i^m it)r öffentliche^ SSerf in ^irc^e, (Staat unb 
(Schule treiben mollten. 

3um Stbfcf)luB biefe§ JRunbgange§ burc^ S3uIIinger§ Se= 
gief)ungen ju fd^wei^erifcfien ßircf)en fei feinet Sßerf)ättniffe§ gur 
äußeren ^olitif ber ©djtoei^ gebockt. @§ mar i^m Söebürfni§, 
geiftiger ^^uge aller mic^tigen ^öorgönge ber europäifdjen Staaten^ 
unb ^irc^engef(f)ic^te ju fein unb bie ©reigniffe mit tei{net)menbem 
Herren gu begleiten. @§ fet)Ite i^m auc^ feineÄroegS an politifc^em 
(Sd^arfbticf. Sennoc^ moUte er nid)t in ba§ ©etriebe ber ftaatlid^en 
Ä'räfte t)ineingreifen. (Sr f)at nur einen ©ebanfen biefer 5lrt 
öffentlid) oertreten, einen ®runbfa|, ben er gfeic^möBig, fo oft e§ 
not tat, mit größtem S^lac^brucf geltenb mad)te, nämüd^ ta^ alle auf 
SInmerbung öon ©ölbnern jielenben SSerträge unb Sünbniffe mit 
ougmärtigen Potentaten ju meiben feien. 2Bie 3"^in9ii f^^f)* ^^ 
im (Sölbnertum bie größte ®efa{)r für bie fittü(i)e @efunbt)eit unb 
für bie ftaatlid^e ©i'iftenj ber ©ibgenoffenfd^aft. ©inen öoll* 
ftänbigen ©rfofg f)atten biefe feine Semü^ungen nur in Süi^it^- 
Smmer|in folgten me^rfad) auc^ anbere eoangeIifd)e Orte biefem 
SSorbilbe. 3Bä{)renb ber Kriege be§ ßaiferS mit bem ^önig 
oon 3^ran!reid) äußerte 33uninger miebert)oIt grofse Sorge, e§- 
möchte bas feiner maffenfätjigen Sö{)ne beraubte £anb eine S3eute 
be§ ^aifer§ merben. ©agu !am, ba'^ er bie S3eit)ülfe, meiere 
bie ©ibgenoffen um @elb bem fittentofen, feine eoangetifdjen Unter= 
tanen öerfolgenben ^önig§ 3^ranfreid^§ gemät)rten, at§ einen 
SSerrat an ber (Sai^e ®otte§ unb be§ ©emiffens empfanb. @anj 
anber§ lagen bie 2)inge im f{^malfalbifd)en ^rieg. ®ie (Sib= 
genoffen erflärten fid) für neutral. Slber mit fiebert)after 5luf= 
merffam!eit, a{§ gelte e§ bie eigene Sad)e, üerfotgte man, befonberS 
auf ©eiten ber eöangelifd^en (Stäube bie Sreigniffe. 93ern unb 
3ürid) {)atten i^re Söeric^terftatter im Heerlager ber SSerbünbeten. 
3tDifc|en SuHinger unb bem 9?at n^ar oereinbart, bafe fie fid) 
alle neuen 9^ad)rid)ten gegenfeittg mitteilen foHten.^''-) Sn Qnxi(i) 
rourben öffentlidje @ebete für bie (Soangelifdien gehalten unb bie 



64 

tRegierutig brücfte bie 51ugen ju, a\§> junge Seute fcfioreniüeife ben 
befreunbeten eoangetifd^en (Stäbten jugogeti, benn e§ gefdja^ tüie 
93uttinger fagt: „ntd^t um be§ @oIbe§ lüiHen jonbern au§ reiner 
Siebe §um ©otteSn^ort". 2)a§ ftegreicf)e SSorrücEen be§ ^'otferS 
nad^ ©üben bebeutete für bie @(i)njei§ eine nat)enbe ®efQt)r. @§ 
fef)lte nid)t au ^InjeicEjen, ha'B er feinbüd^e 2(bftcf)ten t)ege. (Siuige 
S3riefe 33ullinger§ qu§ biefer 3eit n)erfen Sid}t auf fein patriotifdjeg 
<Smpfinben. 2)ie erfte g^orberung, bie er an fein 3Soif fteüt, ift 
ttjie bei ben ^ropf)eten S§tae(§ bie fitttid)e. S)a§ SSoIf foU in fid^ 
gef)en unb ficE) barüber beruhigen fönnen, beut geinbe feine ge= 
redete UrfadE)e ^ur S3efe{)bung gegeben ju t)aben. S5ann mag e§ 
unüerjagt in ben Äampf gießen, ficE) @ott anüertrauenb. SBoUen 
fie un§ nid^t in Mn^t laffen, fo t)elfe @ott unb eine „gute 
©treitai't". Sei folcfter ©efinnung fijnnte aud) eine 9JieberIage 
nid)t gleid^bebeutenb fein mit bem Untergang. ®aB angefid^tS 
biefer ®efat)r non aufeen bie ©ibgenoffen ein§ raoren, lä^t if)n 
ba§ ©emeinfame betonen, ta§i aud) in religiöfer 33e5ief)ung noc^ 
§tt)ifd^en it)nen befte^t. „Unter ben (Sibgen offen", berid)tet er, 
„|errfd)t (Sintrad^t. 3)enn n)e(d)er SReligion bie einen ober anberen 
onge^ören, barin ftimmen tt)ir überein, ber @ieg t)änge üon @ott 
ah unb er f)elfe benen, bie fid^ gu ii)m raenben unb feinen 9lamen 
anrufen". 



Überlieferte 3=reunbfd)aft§üert)ä[tniffe ber fd^ttjeigerifd^en unb 
fübbeutfc£)en (Stöbte t)otten burd) bie Ü^eformation neuen SSert 
unb neue§ ßeben erl)atten. ®er 9J?itteIpunft biefe§ SSerfel^rS unb 
ber gebenbe S^eil ft)ar ^ürid). ©trapurg allein repröfentiert ha^ 
neben ein eigenes ^^i^trum reformatorifdt)er ©enfrteife unb SBirf= 
famfeit. ^urd) ha§^ SSorbringen ber lut^erifd^en Union, bie 
SSertreibung ber eüangelifd)en ©eifttid^en im fd^maIfoIbifd)en ^rieg 
unb ben §lug§burger S^eltgionsfrieben öom ^a^xe 1555, tt)etd)er 
nur ben Sln^ängern ber 5lug§burger ^onfeffion 35ered^tigung im 
beutfd^en 9teid)e guetfannte, oerengerte fic^ im Saufe ber ßeit bie 
©influBfp^äre ßürid^S. 

?tmbrofiu§ Slaarer, ber ^Reformator öon ^onftang, tvar mit 
iöuHinger befreunbet, Ujie er e§ mit B^^ingli genjefen )x>ax. (Sie 



65 

ftef)en in regem Srieflüedjfet. SBöl^renb be§ 5ReIigionSfriege§ tft 
S3utlinger bem greunbe beflänbig mit feinen ftärfenben, tröftenben 
SBorten nat)e. 333ie gerne t)ätte er if)m nnb feiner @tabt geholfen. (Sr 
nat)m felbft an ben S3er{)anb(ungen be§ gürdierifc^en 9^ate§ teil, ireldie 
ein SünbniS ber (gibgenoffen ober bod) ber eöangelifc^en Orte mit 
Ä'onftan^ gum ^iele fjatten. S)er Söiberftonb ber !Qtt)oIif(^en 58unbes= 
^lieber mufete überwunben werben, bie größte (5cl^n)ierigfeit aber lag 
auf (Seite oon Äonftang felbft, ha§, burc^ S8ertrauen§feltgfeit unb Un= 
entfc^Ioffen^eit feine greunbe ^inaus^og, bi§ e§ §u fpö' lüar. 5(Is bie 
@tabt fic^ an 13. Dttober 1548 bem ^aifer ergab, it)re 5reit)eit 
unb ben eöangetifcf)en ©oltesbienft öerlor, fonnte Sußinger, ob 
auc^ blutenben §er§en§, an ä)?t)coniu§ fd)reiben: „ßonftang ift 
gefallen, Qüxi6) ^at alleä öerfucf)t, aber fie tt)iefen bie angebotene 
^ütfe 5urücf". Jölaarer war cor ber Übergabe auf fc^weijerifc^eg 
©ebiet gefloljen. — 5tud) in Ulm unb in 2inbau befafe SuIIinger 
l^reunbe unb Äorrefponbenten. Sn 9}?emmingen mirtte ©erdafiug 
@rf)uler, 58ullingers Slmtggenoffe au§ 53rcmgarten. SBefonber§ 
eng war Slugsburg mit ßürirf) öerbunben. Sm Sa^re 1545 
wanbte fic^ ber 9?at biefer ©tabt an SuIIinger mit ber Sitte 
um Überlaffung eine§ gürtfierifc^en ©eifttic^en. 2)ie ßürctjer 
fanbten ben jugenbüc^en Sof)anne§ ^aller, welcher, burc^ §at)I= 
reiche Söriefe 93ullinger§ geftärft, in ben SBirren be§ Äriegeg unb 
felbft nac^ ber Übergabe ber @tabt an ben Ä'aifer tapfer auf 
feinem Soften au§t)ielt, bi§ er ber ©elnalt weichen mu^te. 

5(t§ ber .^erjog Xlixid) öon SBürttemberg, welcher öon feinen 
Untertanen oertrieben morben war, burcf) ben 2anbgrafen oon Reffen 
wieber in feine §errfc^aft eingefe^t mürbe, ermaf)nte it)n 58utlinger gu 
gewiffen^after unb weifer ^Deformation feine§ 2anbe§. 3^amit oer= 
banb er eine (£r!(ärung ber 5Ürd)erifd^en 2Ibenbmat){§Ie^re unb bie 
93itte, ber |)er§og möge ben böswilligen SJJiBbeutungen berfelben 
öon Iutt)erifcf)er ©eite feinen ©tauben frf)enfen. (£r ^atte bie 
Genugtuung, ha^, neben bem 2utt)eraner @rt)arb @d)nepf SlmbrofiuS 
Slaarer mit ber 2)ur(i)füf)rung ber ^Deformation in SSürttemberg 
beauftragt würbe. SlHein ber 5rieben§frf)Iu^, welcf)er bem ^erjog 
ben bleibenben S3efi§ feinet 2anbe§ fieser fteUte, brachte bie 
5lUeint)errf(i)aft be§ Sut^ertumS mit fic^. 58ei ^ergog ßt)riftopt), ber 
unter bem @inf(u§ feiner [ireng Iutt)erif(i)en jT^eoIogen ftanb, 

D. ®d;ultt|eB = 9icd;berg, .s^einric^ "öuUinger. 5 



b^6 

mufete firf) 33uIIinger nocf)mQ(§ gu (fünften ber ^Reformierten 
2[öürttemberg§ oermenben. (Sr erinnert ben g^ürften an bie 
freunbfd^aftUdjen 33e§ie^ungen jeine§ SSater§ gu ^ürid^ unb öer=» 
njafirt firf) gegen bie in einem öffentlid^en (Srloffe oorfommenbe 
©lei^fteßung ber 3üt:(i)er mit ben SSiebertäufern unb ben 5(n^ 
Rangern be§ ©erüet. — Sntime g^reunbfctiaft be[tanb gn^ifd^en 
ßüricE) unb einem ©rofen üon SBürttemberg, welcher bie ^err* 
f(f)aften §orburg unb 9(ieirf)entt)eier im ©Ifa^ inne ^otte. (Sin 
3ürc!^er 2;f)eo(oge reformierte bie bortigen Äirc^en. "änä) bie 
9JJüI^aufer bitten inmitten ber ©treitigfeiten ber beiben eoan= 
gelifd)en ^onfeffionen um einen §ürd)erifc!^en £et)rer. 3)ie 
gmifcfien ^üricf) unb Strasburg fd)roebenben ßef)rbifferenjen 
t)ielten 33uIIinger nid)t ah, feine @öt)ne ben ©tra^burger Srt)eotogen 
auäuoertrauen unb anbere 3üi^(i)ci^ aufäumuntern, ba^felbe ^u tun. 
2(I§ einige ber jungen Seute auf ben Q3efud) be§ 2lbenbma^I§ 
oerjiiiiteten, qu§ ^5"^c^t einer i3e{)rformeI ^n begegnen, ber fie 
nidjt würben ^uftimmen fonnen, unb bie ©tra^urger firf) barüber 
befrfimerten, trat 33uIIinger fc^ül^enb für i^re ©eujiffensfrei^eit 
ein. (Sinem Roller in Stugsburg t)otte er bie 3ftegel mitgegeben, 
in ber 3^orm be§ 5tbenbmat)I§ feinerlei Sknberungen an^uftreben, 
ba§ formelle fei gteirfigültig. 

3u ben ätteften g^reunben ber ^ürc^er Sfteformation in 
S)eut|c^tanb get)örte ber Sanbgraf ^^^itipp oon Reffen. (£r f)atte 
l^iüingli {)oc^gefci§Q|t unb in ben SSerfammlungen ber beuifc^en 
^roteftanten i{)n unb feine greunbe oerteibigt. S3uüinger fnüpft 
gleic^ im erften Saf)r feiner SSirfjomfeit in ^^üxiä^ 3Serbinbungen 
mit if)m an, inbem er if)m feinen Ä'ommentor gum ^ebräerbrief 
roibmet. Qu ber SSorrebe bezeugt er bem ^'ürften feinen (Stauben, 
bafe bie göttlirf)e SSal^rfieit bleiben unb fiegen muffe, ob aurf) einzelne 
it)rer SSortämpfer ^u Reiten unterliegen, (är felbft unb bie anberen 
^ürc^er Stieologen roollten nitt)t§ anber^S fein al§ treue §üter 
beä (Srbel ^tt^i^^S^^^ unb ÖfoIampab§. S)ie ermunternbe Slnt= 
roort be§ Sanbgrafen erlüibert er mit einer furzen 2)arfteüung 
ber gürc^erifrf)en 5lbenbmat)I§Iet)re unb ber (Srftarung, bafe bie 
3ürrf)er ben ^rieben mit Sutf)er münfrf)ten, bafe fie fic^ jebocl^ 
„oon ber einfod^en 2Saf)rt)eit nidjt fönnten tuegbrängen" laffen. 
5tt§ ber gürft oom 5laifer in treulofer SSeife gefangen gef)a(ten lourbe, 



67; 

mi)m S3uainger an feinem ©c^icffal fierjüd) 2(ntei( unb empfing 
5 Sa^re fpäter mit greuben bie aJiitteitung, bafe er frei unb 
bem (Glauben treu geblieben fei. 3n entfc^eibeuben ßeitpunften 
ber beutfc^en Äircf)enpo(itif pflegt ber ^ürft ben ^at be§ SSorftef)er§ 
ber äürc^ertfrf)en tirdje einju^olen unb befolgt i^n nad) 9JJ5gIic^teit. 
(Sin 33rief oom SD^tir§ 1563 enthält ben SluSbrucf be§ SDanfe§ an 
93ul(inger für bie g'reunbfd)aft, bie er feinem ©ot)ne n)ät)renb eine§ 
2lufent^alte§ be§felben in ^üric^ bettjiefen 1:)abL 3n Sachen ber 
3)oppeIe{)e ^f)ilipp§, bie Sutf)er, 9JJe(and)t:^on unb 5ßu^er gu 
billigen n)agten, njor bagegen für einen fittlic^ fo flaren C£l)arafter 
n)ie 33uninger nur ha§> entfdjiebene SSerbüt mi3gltd^. 

Wlit befonberem Sntereffe mufete ber ef)emalige ^ötner 
(Stubent ben g^ortfcf)ritt ber Üieformation am 9iteberr^ein öer= 
folgen, ©in ©tubiengenoffe S3itter öerfa^ i^n mit regelmäßigen 
9^arf)rirf)ten. 3Son 33uUinger§ 33riefen finb bie mertroürbigften 
jene jmei, bie er an ben ©rgbifc^of oon Äöln, ^ermann oon 
2öieb rid)tete, um ben ber 9ieformation geneigten, aber nod^ 
unentfd)Ioffenen Ä'irc^enfürften jur @ntf(i)eibung gu bringen. ''4 
^er ^rieg§§ug Äari§ V. im September 1543 üernid)tete biefe 
Hoffnungen im Äeime. 3n grieSknb toirft in ben fünfziger 
^va^ren, neben unb nac^ a Saico, SJ^artin 9Jiicroniu§, ber einft in 
3üric^ ftubiert ^atte. S3uIIinger unterftü|t if)n in feinen Xi§= 
putationen mit bem 2Biebertäufer StRenno @imon§ unb in feinen 
kämpfen mit aggreffiöen 2ulf)eranern burcE) S5riefe unb SSüdjer."^) 

aßit ber ^falj ergaben fid) erft in ben fei^jiger Salven 
unter bem bie fdimeigerifd^e Se^rmeife oertretenben ^urfürften 
griebrid) III. näf)ere Se^iefiungen. (Seine S;t)eoIogen CleüianuS 
unb Urfinu§, bie SSerfaffer be§ ^eibelberger ^ated)i§mu§, Ratten 
bie §ürd)erifd)e ©elefjrtenfc^ule befud)t unb I)ier ujeitge^enbe 
gijrberung empfangen. 2)urd) fie fd)eint ber gürft auf 58uIIinger 
t)ingert)iefen morben gu fein, al§ er angefid)t§ be§ ?Iug§burger 
9f?eic^5tage§ öon 1566 be§ 'tRak§> unb ber §ülfe beburfte; roax 
if)m bod^ ber SIusfd)Iuß oom 9(ietigion§frieben unb ber (Sntjug 
ber ^urmürbe feinet 9^eIigion5befenntniffc» megen angebrot)t. 
SuIIinger, ber bie Sage be§ eüangelifdjen 2)eutfd^Ianb§ in büfterem 
Sid)te fo^, mußte feinen anberen 9iat al§ unoerjagt auf (^ott ju 
oertrauen. 2)ie §ülfe, bie er if)m bot, beftanb in einer furjen 



68 

^orftetlung unb Üleditfertigung bes eöangelifdien @Iaukn§ nac^ 
3Ürd)erifd)er ^tuffofjung, bie SBuüinger einige Sot)re guüor al§ 
fein perfönlid)e§ SefenntniS öerfafet tjatte. ^a ber ^urfürft bie 
^rucflegung tt)ünfc^te, legte S3ullinger bie ©d)rift gunäc^ft ben 
3ürd^er @eiftlid)en unb bem 9tat cor. S)ur(f) biefe gelangte fie 
noct) 5Bern unb ©enf. 9Jcan emp[anb in ben fdjiüei^erifc^a-eformirten 
^ircJ)en ta?: 58ebürfni§ eine§ gemeinfamen 2e!)rau§bru(fe§ gegen* 
über fortgefeMen 3?erbä(i)tigungen t3on !att)oIifd)er unb lut^erifd^er 
©eite. Sie «Schrift fanb ben 93eifaU aller eoangetifrfien Orte ber 
@(f)U)ei5 unb erlangte ungeot)ntern)eife fdiliefeücl^ eine foldje 33er= 
breitung oud) im 5lu§Ianbe, baB fie ba§ allgemeine „SefenntniS" 
ber öon ber §ürd^erifcf)en unb genferif(i)en Sfteformation au§= 
gegangenen ^ir(f)en tnurbe. @§ ift bie fogenannte 2. ^elüetifc^e 
^onfeffion. 

Sie S^iebertuerfung be§ proteftantifdjen S3unbe§ in 2)eutfcf)lanb 
^atte oHüberaü bie UnterbtücEung be§ eöangelifc!^en ©ottesbienfteS 
gur O^olge. S)er ©ieger legte ben eüongelifc^en (Sjemeinben unb 
®eiftli(f)en eine in ber §auptfad)e fatt)olifd)e 2el)r= unb Ä'ultu§= 
orbnung auf, meldte bi§ §ur befinitioen (S(^(id)tung ber 9fteligion§- 
bifferenj burc^ ein allgemeines ^on^il beobad^tet merben foüte, 
ha^ fogenannte 2lug§burger Interim. Sßiele fonnten fid^ um 
be§ ®ett)iffen§ Ujiüen ber faiferli^en Orbre nic^t fügen. @ie 
flogen in§ 5lu§lanb, bie ©übbeutfc^en meift nad^ ber ©c^mei^. 
Sl)re Hoffnung toax S3uninger. ®ie foHten ficf) in il)m nidjt 
töufdien. ©Ortzeit feine Gräfte reid)ten, l)Qt er für fie geforgt, ^at 
il)nen ©teüen üerf d)aff t, untergeorbneter Selirbifferenjen nidjt adjtenb. 



Stalten empfing bie reformatorifd)en ^been be§ 9^orben§ burc^ 
^üdjer. ©rft tnaren e§ biejenigen Sntljers nad)l)er famen anbere 
ba^u, aud^ S3uEinger§ ©d^riften muffen -eine meite SSerbreitung 
befeffen l^aben. 5(1» S3ernarbino Dcd)ino nad^ 8^^^^ fommt, 
bejiel^t er fidl) auf feine SSertrautt)eit mit ^ublifationen SuEingers, 
bie er in 9leapel gelefen Ijobe. @in englifd^er 53uc^l)änbler in 
SSenebig fd^reibt Sullinger im Sanuar 1547: „Seine Kommentare 
gelten täglid^ mel)r bei ben Italienern" unb ma^nt il)n, fort* 
3ufal)ren, bie n)acl^fenbe eüangelifd)e §erbe biefer ©labt mit ben 



69 

©aben feiner g^eber gu nähren. ®e§ nationalen 9JJotit)§ ent= 
bet)renb unb burc^ bie Übermacht bec na^en ^ierarc^ie an jovialer 
SSirfung unb ©eftaltung ge^inbert, jeigt bie reformotorijc^e 58e= 
ftjegung Sta(ten§ ein eigenartiges ©epräge. Sn ben üeinen 
SSerbänben, gu benen bie eöangelifc^ SIngeregten fid^ 5ufammen== 
taten, fanben leidjt fd)n?ärmerifd)-anabapti[tif(^e S^ieigungen @in= 
gang. S3ei ben ©ebilbeten erfc^ienen bie 9J?otit)e ber eöangelijdjen 
g^römmigfeit ni(f)t feiten al§ S3e[tanbteile einer ®manäipation be§ 
(55eifte§, in n^eldjer 5(uff(ärung unb SSerftanbe»friti! bem reIigiöS= 
fittlicf)en Seben bie SBage hielten, ^erfönlid^ bürfte SuIIinger 
eöangelifc^en ©emeinben Italiens nic^t nät)er getreten fein, ah= 
gefet)en öon ben mit ©raubünben gufammen^öngenben unb oon 
Socarno. S)agegen tarn er mit gaJ)IreicE)en italienifd)en 9ieIigions= 
ftü(^tnngen in S3erü^rung, meiere fic^ ben Stnfeinbungen ber 
römifd)en ßirc^e, befonberg feit ber ©infü^rung ber Qnquifition 
im Sa^re 1542, burc^ jjlud^t über bie 5l{pen entzogen, 'äud) 
i{)nen gegenüber bemä^rt firf) feine liebeüDÜe @eftnnung, gugleic^ 
aber jene finge 3?orfirf)t, bie um ber gremben miHen bie eigene 
Äird)e nicf)t in ®efaf)r bringen mill. 3)em (Secunbuä ßurione 
öerfcf)afft er burc^ ^Vermittlung öon Serner greunben eine ^ro= 
feff ur in Saufanne, ^ernad) mirb bemfelben eine foIc|e in 53afel über= 
tragen, ßurione untert)ält mit SuUinger einen Sriefroed)fe[, ber oon 
banfbarer 93eret)rung für feinen äöoljitäter burc^brungen ift. 2)ie 
intimften SSe^ietjungen ^atte 95utlinger §u ^eter 9J?art^r S3ermigli, 
ber ebenfalls im ^a^xt 1542 nac^ 3üri(^ !am. (Sr erhielt eine 
^rofeffur in ©trapurg unb folgte bann mäf)renb be§ fci^mal= 
Mbifc^en Krieges einer Berufung an bie Unioerfität Ojforb. 
51I§ er f)ier ber 9]erfo(gung ber fatf)olifc^en äJJaria meid)en mufete, 
äog iöullinger ben bebeutenben ©eleljrten nac^ Bürid), mo er bie 
legten ^Q^re feine» Sebens gubradile. Ccd)ino fonnte lange ßeit feine 
fefte ©tetlung finben, im 3af)re 1555 mürbe i^m bie ^;paftoration 
ber in 3"^i<^ angefiebelten Socarner übertragen. @r befa§ 
rationaliftifc^e unb ffeptifd)e 9^eigungen. S)a§ 3n = grage= ©teilen 
bogmatifd)er unb etl)ifd)er ©runbüberjeugungen ber Äirc^e, wie 
Ccdiino e§ in feinem 33uc^ „30 3)iaIoge" tion 1563 übt, mufete 
einer fo ort^oboj geftimmten Statur mie SuUinger frembartig 
unb peinlid) fein, aud) menn e§ in pofitioen ©rgebniffen münbete. 



■70 ■ 

'älf bann jenes 3Berf öon ®enf unb ^a^d qu§ in ßüric^ benunjiert 
njurbe unb tuegen freier SluBernngen über bie ^oIt)gamie ta§> öffentli(f)e 
S(uffef)en fic^ i^m gumanbte, n)iberjel3te fic^ ^ullinger ber (Snt= 
loffung unb S5er6annung Occ^inoS nirf)t. greunbe ma(f)ten geltenb, 
man fei bcm ?(nfet)en ber italienif(i)en glüc!^tlinge in ber ©d^tüeiä 
foId]e§ Dpfer fdjulbigß'') ; oermutlid) tjat biefer @eft(^t§pun!t anä) 
Suüinger beeinftufet. Dci^ino begab fic§ natf) ^Rürnberg, tion 
Jüo au§ er bie 5Ürd)erifd)e X^eologie angriff, fpäter nac^ ^rafau. 
®ogmatifd)e (Sng^erjigfeit tt)ar im allgemeinen 5Bullinger§ gel)ler 
nid)t. 2öiebert)olt Ujarnt er Stnbere öor allj^u ängftlic^er ^e« 
urteilung unb allju rafd^em SSerbammen einer ungen)ol)nten 
^enfraeife. 2ll§ S3e3a ben ^arifer ®elel)vten 'iPetruS 9fiamu§ 
einen ^einb nennt, er!lärt it)m S3uninger, bie 3üi"d)er fennten 
fRamu§ beffer, übert)aupt aber foltte man 9J?änner biefer 3Irt 
^u geminnen fud^en, ftatt fie üon fid) ju ftoBen.ß') Sagegen jeigt 
fein Urteil über (Seroet, bafe er bie Sulbung oon Singriffen auf 
bie 2;rinität unb bie ©ott^eit ßl)rifti für unöerträglic^ mit bem 
d)riftlid)en ßljaralter eine§ ©emeinmefenö f)ielt. 2)emgemä^ öer= 
tt)e^rte er bem italienifc!^en Str§t 33lanbrata bie ^Jiieberlaffung 
in 3üi^id)- 3)aneben ^ielt fid^ Saelio ©o^^ini aug 8iena, ber 
Dl)eim unb geiftige SBater be§ S3egrünber§ ber antitrinitarifd^en 
Äirdl)e in ^olen, lange ^a^xt ungeftört in ^ixxid) ouf unb genofe 
^ullingerg Umgang unb greunbfd)aft. ©og^ini erfc^ien i^m eben 
al§ ein @ud)enber, ber ber Beratung unb (Störfung bebürfe. 
SO^it üöterlidier ^reue nimmt er fi^ be§ non ^meifeln unb 
inneren S3eben!en umgetriebenen SünglingS an, ftet§ barnuf bebad)t, 
it)n gu einer feften red^tgläubigen Se^rpofition ju bringen. 2)en 
SSerbäd)tigungen, meldl)e gegen il)n erhoben merben, fe^t er ein 
unerfd£)ütterlid^e§ |)erfönlid)e§ Sßertrauen entgegen. Sine ©eelforger* 
natur mie 93uEinger ift S3albaffare 5tltieri in SBenebig. ®r lie^ 
fid^ burd^ Sutl)er§ Söarnungen üor ben ßürd^ern nidjt abgalten, 
mit SSullinger ju tierfe^ren, ber fid^ ^mor üergeblid) bemühte, il)m 
al§> S3ertreter ber eoangelifdjen Drte eine offizielle Stellung in 
SSenebig §u üerfd)affen, it)n jebodl) mit 53riefen ftärlte, mit S3üd^ern 
unterftü^te unb fid) ber öon i^m @mpfol)lenen treulid) anna'^m. 
ßu ben ßirdljen, meldten 93ullinger eine intime gürforge 
h)ibmete, gel)örte oud^ bie polnifd)e. ©eine perfönlidje Sefannt' 



71 

Id^Qft mit a Sasco, jenem öornel^men polnijdien Älerüer, meldjer 
jum etiangelifd^en öefenntnts im @inne ber f(i)tr)ei§erifcf)en Äirc^en 
übergetreten mar unb fein Seben bem Sfieformotionsmerf in 
g^rieslanb, (Snglonb unb feiner ^eimot mibmete, fteüte bie SSer= 
binbung I)er. 2;er 53Drfte^er ber gür(f)erif(f)en Sir^e ftanb in 
regem Sriefroerfifel mit metjreren (Mro^en be§ Sf^eidjeg, meld)e bem 
(SDQngelium gugetan maren.*''') ^nd) an ben Äönig (Sigi§munb 
?Iuguft f)at er gefd^rieben unb it)n aufgeforbert, feinem 5ßoife ein 
Sofiag ober Gonftantin gu fein. @r ermatjut ^eine polnifd^en 
^reunbe bei ber eüangelifd^en 2Bat)r^eit ju bleiben, unbefümmert 
borum, ha'Q fie oon ber römifc^en ßird^e oI§ t)äretifc^ unb 
fct)i§matif(i) oerfcEjrien merbe. „Unfere Ü^eligion ift bie befte, fie 
prägt fid) öon felbft ben öerjen aller frommen ein." „9^om 
ift S3abt)(on, au§ meldjem ©ott fein Q^ott ^at au§§ief)en t)ei§en." 
Següglid) be§ Iut:^erifd^en S3efenntniffe§, ba§ ebenfalls in ^olen 
fein 2öer! f)atte, erftärt er bem ©rafen Cftrorog, bie 2e^rüer= 
fc^iebenfieit ^mift^en ben ©c^mcigern unb Sut^er fei gmar Xatfad^e, 
oüein fie betreffe nur einen gang untergeorbneten ^un!t, nid^t 
ben ,§eil§meg, and) nid^t ben 2Bert be§ 2(benb§ma^(§, fonbern 
blofe ben SO^obu§ ber ©egenmart (E^rifti in ben "^eiligen ^^icfl^n- 
^arum fei fein @runb jum (Streit ober jur Trennung üort)anben. 
Smmer^in tabelt er ben 33ergeriu§, einen Italiener, ber in Sünben 
einige ßeit für bie Deformation gemirft unb fic^ bann nad^ 
^olen begeben l^atte, bafe er ben ßuttjeranern ^ongeffionen mac^e 
unb marnt a 2a§co oor §(üianäOerfud^en, bie erfa'^rungSgemäß 
feine bleibenben 9^efuttate erhielten, ©in frieblid^e§ SIebeneinanber 
ber beiben eöangelifcf)en Äonfeffionen erfd|ien it)m unter ben ge= 
gebenen ^ßer^ältniffen als ba§ erfpriefetid^fte. (Sine befonbere 
@orge bereiteten SuUtnger bie in ^olen auftretenben ©egner ober 
Söejmeifler ber Xrinitätslefjre. @§ maren meift Italiener, bie am 
^ofe ber Königin = 3)?utter, einer SJJailänberin, 2lufnat)me fanben. 
(Sr ift unermüblict), feine ^reunbe oor it)rem (Sinflufe ju marnen 
unb fie burd) ausfütjrlic^e 2el)rbriefe unb f)anbfd)rift(id)e ober 
gebrudte Slbtjanbtungen bei ben „©runbtagen ber Ort^oboyie" 
feftju^alten. Seine Semü^ungen f onnten jcbod) nid)t oerfjinbern, 
ha'^ ber Unitarismug in biefen ©egenben äunat)m unb fid^ fdjtiefettd^ 
eine befonbere fird^lidje ©eftalt gab. 3^meilen reiften ^erfonen 



72 

au§ S3uIImger§ Umgebung al§ Xräger feiner Ü^atfcfjläge unb S3e= 
lefjrungen nac^ 1|3oIen, fo Sur(^er, ein ©nglanber, ber in ßürid^ 
lebte, unb SaeliuS @o^jini. ®en eüangelifi^en ©eiftliiiien (egt er 
nac^brü(f(id^ ta§: ©cfiultoefen an§ ^erj, ba e§ gelte, eine nationale 
eüangelifc^e ©eifttic^feit tjeranjubilben. (Singelne junge ^olen 
!amen 5U if)rer 5tu§bilbung nacf) 3üri(i). Sn Ungarn,^'') in 
£it{)auen, in Siebenbürgen unb 9}läf)ren ^atte 33uIIinger eben=» 
falls feine ^orrefponbenten. 5Reben feinem Dramen mirb in 
biefen ©riefen im gteid^en Sf^ange nur nocf) berjenige Salöin§ 
genannt. Saloin tüax ber Sef)rer, 23uüinger ber SSater ber 
reformierten Äirc^en. 

SBä^renb bie ^irc^enreformation in ®eutfrf)Ianb unb in ber 
©d)tt)eiä frü^ ein fefte§ ©epröge geigt, um ferner nur nod^ um 
bie ©renken i^re§ S3ereid)e§ gu fömpfen, blieben in ©nglanb bie 
religiöfen unb fird^Iid)en SSer^ättniffe bi§ in bie gmeite ^älfte 
be§ 3a^rt)unbert§ f)inein unabgef lärt unb fdjroanfenb. ^einrid^ VIIL 
löfte bie ^irrf)e feine§ 2anbe§ öon ber pöpftlidjen Oberleitung 
unb ^ob bie Softer auf, bie überlieferte £et)re unb ber !at{)oIifrf)e 
Kultus foUten bagegen unangetaftet bleiben. Wit ber Brutalität 
be§ 2;t)rannen ^ielt er biefe, au§fc^IieBIic^ auf fein perfönlic^eä 
©utbünfen gegrünbete ÄircEiengeftalt gegen Slüe, meldte fic^ i^r 
nic^t fügen moüten, burcf) (Balgen unb ©c^eitert)aufen aufrecf)t. 
iöuItingerS ^orrefponbenten t)aben beftänbig tion ^inridjtungen gu 
berid)ten. S3alb betreffen biefe fat^olifdje ^riefter, mel(f)e fic^ 
n^eigern, ben ^önig hü§, „^öd)fte §aupt ber engüfc^en ßirc^e" gu 
nennen, halb eoangeIif(f)e @eiftlid)e ober Saien, meiere fic^ gegen 
bie 2;ran§fubftantiation5lef)re ausfpred^en ober aud) nur ben Sefud^ 
ber äJ^effe unterlaffen. Unter ben @t)angelifd}en be§ geftlanbeg 
erf)ielt fic^ lange ßeit bie Hoffnung, ben 9Jlonard(en für eine 9ftefor^ 
mation im ©inne be§ @üangelium§ gu gewinnen. (£r fjatte @ra§mu§ 
na^e geftanben unb befaB ^umaniftifc^e unt tl)eoIogifc^e Sntereffen. 
2)aäu fam, ba^ er in feiner «SdjeibungSangelegen^eit auc^ bie 
^öupter ber eoangelifc^en ^irc^en fonfultiert ^atte. ©0 beftanben 
SBejie^ungen, auf benen man fu^en !onnte. (Soangeüfc^e S^^eologen 
n)ibmeten bem Äönig Iiterarifd)e ©rjeugniffe, SuIIinger fein aus- 
fü^rlidje§ SBerf öon ber „5lutorität ber ^eiligen ©c^rift". 2)er 
englifc^e ergbifc^of (Sranmer begünftigte foId)e Seeinfluffungeu 



73 

unb unterhielt felbft rege Segie^uitgen §u einzelnen SSertretern 
ber 9fteformation, tuie 9)?e(aitrf)tf)on, 53u^er, (Salötn, SuHinger. 
(Sr bacf)te eöangelifi); in ber Slbenbma'tilSle^re folgte er anfängttd^ 
Sutt)er ober 93u|er, ben er im grü^Iing 1549 narf) ©nglanb ^og, 
fpäter lieB er fid) burd) a 2a§co für bie f(^ii)ei§erifd)e £ef)re ge= 
toinnen, inelcfie feit ber SJJitte be§ 3at)r^unbert§ bei ben ®oau= 
gelifd)en @nglanb§ bie {)errf(^enbe ttjurbe. @in gefdjmeibiger 
Wann üerftanb e§ Sramner, unbefd)abet feiner eöangelifd^en Über* 
geugung fid^ bie ©unft be§ Äönig§ ju erf)a(ten. ?lic^t ^üe moren 
fo glüdlic^. ®a{)er lebten 5at)Irei(^e (Söangeüfdje all 9fieIigion§= 
flüd^ttinge auf bem geftlanbe. 5tnbere, befonberS jüngere (Sng* 
länber befud^ten bie t{)eoIogifd)en ©d)ulen in ©trapurg, ^im^, 
S3ofeI, (Senf, um fic^ für eine beffere B^^ui^ft i^i^er t)eimif(^en 
Äirc^e öor^ubereiten.'") 93uninger fam mit einer großen ^tn^al)! 
oon biefen n)ie öon jenen in 33erüt)rung unb bie S3e§ie^nngen 
gemannen in mand^em g^all einen intimen ©fiarafter. 9m ?luguft 
1536 finben mir bie erften ftubierenben ©nglönber in 3^i^^cf), 
einer öon i^nen motjnte in ^BuüingerS §aufe. @ie maren bie 
53orbolen einer gan^^en 9Reit)e öon Sf^ad^folgern. SSenn fie ^iii^^fi) 
öerüefeen, blieben fie in brieflichem SSer!e{)r mit i^ren Sef)rern unb 
greunben. St)r ßifer für bie ©tubien, i^re ©mpfänglic^feit für 
perfönlic^e Seeinfluff ung, if)re 2)anfbar!eit gegenüber ifjren ©önnern 
unb if)re 5lnt)änglid3feit an it)re greunbe, bei ni(^t SSenigen auc^ 
öorgüglid^e (^eiftelgaben mad)ten fie ben ^üvdiern, befonberS 
Sutlinger öor Slnberen mert. ©injelne biefer englifd^en X^eologen 
bilben fic^ oöllig nad) SuHinger unb ben ^üfd^ern. @o Sot)n 
§ooper, ein ©i'ulant, meli^er im g^rüf)ling 1547 nod) S^xid) 
fommt, um fid) oon ^eüifan in bie ^ebräif(^e (Sprache, oon 
33uEinger in ba§ ridjtige SSerflönbniS ber ^eiligen ©c^rift ein= 
füt)ren ju laffen. '^ad) ©ngtanb §urüdge!e^rt unb gu t)ot)en 
ürc^Iid^en Stuf gaben unb Sßürben berufen, fd)öpft er ftetSfort 
feine geifttge 9la[)rung unb t^eologifdje S3e(et)rnng au§ ben ©d)riften 
ber ßürdjer, inSbefonbere S3uüinger§. SSieber^oIt erbittet er fid^ 
beffen SSortrdge über biblifd^e S8üd)er, auc^ bie ungebrudten, inbem 
er fid) bereit erflärt, einen 5tbfd)reiber ^u befolben. ©aju fragt 
er ben SSorftef)er ber jürdierifc^en Äl'ird^e in allen ©orgen feiner 
amtlichen 3S3irffamfeit unb ber englifdjen ^Reformation überhaupt 



74 

um 9^at. (Sr tft Sitier unter 9Jfet)reren uub er fprtd^t nidfjt öon 
fici^ allein, lüenn er jenem guruft: „S)ir üerbanfen mir unfer aüt§>." 
SJiau mirb öon einer 2(rt 3Sa{)Ioermanbtf(i)Qft §mifc!^en 33uninger§ 
©eniuS unb ben 93ebürfniffen ber eüangelifc^en Semcgung in @ng= 
lanb reben bürfen. Sie SSerftän bigfeit unb ^(Qrt)eit in Senfen unb 
(Glauben, bie 9f?iditung auf ha§> (Sinf adje gegenüber fpefulierenber 
Klügelei, auf Slftitittät unb öffentliches SBirfen im (^egenfa^ gu 
nit)fttfc^er Sßerfenfung, bie 9)?önnticf)feit unb @elaffenl)eit in ber 
Lebensführung unb in ber 5Iuffaffung ber S)inge biefer SSelt, ba§ 
S3ebürfni§, fic^ in großen gef(^id)t(ic^en 3iifiniment)ängen ju 
toiffen, olle biefe ^üge öon SuHingerS SOßefen finben fid) mieber 
in ber engtifd^en SSoÜSfeele, mie fie fid) in i^rer nationalen 
^Deformation fpiegelt. ®iefe nat)m mit ber Sü^ronbeftelgung 
(Sbuarb VI, im SSeginn be§ Sat)re§ 1547 if)ren Slnfang. Sie 
erften @d) ritte maren taftenb unb unfidier. Sie oerfd)ieDenften 
SD^einungen unb Seftrebungen göi^rten burd)einanber. Sie 9Jlaffe 
be§ SSoIfeS t)ing om fatt)oIif(^en ÄuItuS; baneben öerüinben 
SSiebertäufer it)r ®eifte§eüongetium, ßibertiner i^ren 9Jlateriaü§mu§, 
Rubere ein aggreffioeS ^ntid}riftentum.'i) Ser junge S^önig ftü^te 
fid^ auf bie ©d^üler ber ßüfi^er unb ©trapurger S^eologen 
in feiner Umgebung, benen ^eter 9}?artt)r unb 53u^er, feit fie 
£e^rftüt)Ie in O^-forb inne t)atten, gur «Seite ftanben. Slüein 
jene beburften bei ber Ungeheuern 5Iufgabe, bie fie öor fid) fafjen, 
ber 9J?itt)üIfe aller beften Gräfte. Sie alten g^reunbe erbitten fic^ 
S3uninger§ S3eiftanb, aud) neue greunbe, burc^ jene ober burc^ 
unter itjueu meilenbe ßürd^er Süngtinge empfot)ten, ert)eben 2tn= 
fprüdje an it)n. Sie S^orrefponbenä be§ SeiterS ber 3ürd)erifd)en 
^ird)e mirb immer umfaffenber. (Sr fd)reibt, ba^u aufgeforbert, 
aud) an ben Äönig unb anbere t)oci^fte^enbe ^erfonen unb mibmet 
it)nen Srudfd^riften. S3efonber§ feit Su^erS Sobe, gum Söeginn 
beS Sat)re§ 1552, übte er jufammen nnt S3iblianber unb mof)I 
aud) ©matter, ber fetbft in (Sngtanb gemefen mar, auf ba§> religiöfe 
Seben be§ Snfelreic^eS einen fo tiefen unb auSgebet)nten (Sinflu^ 
au§, n}ie fein anberer Sf)eoIoge be§ gefttanbeS, auc!^ ni^t ßaloin. 
©eine ©c^riften finb in großer Slngaf)! in§ (Sngüfd)e überfe^t 
unb finben fo gute Slufua^me, ba^ bie 53ud)f)önbler burd) if)ren 
Sßerfouf „in fur§er 3^it reic^ merben." Ser §of be§ ^tx^oQ^i 



75 

üon (Suffol! bilbete eine !(eine 93uninger=®emeinbe, bie er burc^ 
feine Briefe unb S3üd)er regelmäßig erbaut unb beletjrt unb bie au§ 
bem äJ^unbe ber ^ausletjrer unb .f)au§gei[tlirf)en 33uninger§ 3Sin!e 
über QÜe möglidjen Sinjelfieiten ber Srjiefiung unb ber c^riftüc^en 
^au^fitte empfängt. 5Im G. 3uli 1553 [tarb ßönig ©buarb. ©eine 
@cl)mefter Ataxia, eine fanatifc^e ßat^olifin, beftieg ben 3:t)ron, 
nod^bem e§ if)r gelungen war, bie öon bem ßönig a(§ red)t= 
mäßige 3kcf)foIgerin be^eid)nete Sane ©relj ^n öerbrängen. @ie 
mutete mit geuer unb (S(f)mert gegen bie (Süangelifcfjen, in§= 
befonbere gegen bie ^reunbe it)re§ 33orgänger§. 2)er C^^äog üon 
©uffol! unb feine Xoc^ter, meldte neun S:age ^'önigin gemefen 
mar, ber @r§bif(f)of ßranmer, §ooper, ber insmifc^en 33if(i)of öon 
©(üucefter gemefen unb öiele 5Inbere, bie ^ullinger naf)e [tauben, 
ftarben ben 9JMrtt)rertob. ?IIIein bie <Bad)^ be§ @oangeIium§ 
ging besljalb in (Sngtonb ni(f)t unter, auc^ nic^t ber (Sinfluß 
S3uUinger£>. ^m 9böember 1558 Ci^pfing bie proteftantifcf)e 
5?önigin (Slifabeti) bie Ärone, fie fidjerte ber Sf^eformation bie 
i^errfrfiaft in ifirem ^exdje. Sn^mifd^en ^atk fic^ S3uüinger in 
58erbinbung mit ber (55eiftüd)feit unb bem 9^at tion ^iivid) ber 
flüdjtigen englifd^en ©laubenSbrüber, meld)e f)ier ß^f^i^c^* 
fuc^ten, in ber t)ingebenbften SBeife angenommen. 93ei it)rem 
Stbfc^ieb öon Qnxi<i) fcfireiben ^mei berfelben an ben Sflat:'^) „Sure 
Siebe gu un§ mar met)r at§ öäterlid^, in unferem SSaterlanbe 
I)aben mir niemals größere greunblid^feit, Sleilna^me unb .!pütfe 
erfahren"; unb an 33uninger: „®u bift'§ gemefen, ber un§ beine§ 
58oIfe§ ©emüter geneigt gemad)t unb un§ bie ^^reigebigfeit be§ 
9iate§ gemonnen f)at. Unb nic^t genug, un§ mit ben ajJitteln 
beine§ .^aufeS unb beineS 93aterlanbe§ beij^uftef)en, t)aft bu burcf) 
58,riefe, bie bu nad^ außen fanbeft, bie g^reigebigfeit Unbefannter 
für uns pffig gemad)t." S3ullinger felbft gemät)rte bie gan^e ßeit 
über einigen biefer ©yulanten in feinem §aufe unentgetttid^ @a[t= 
freunbf(f)aft ; fie gebenfen fpäter ber i!)nen ^u teit gemorbenen 
leiblichen unb geiftigen gürforge öoll S)an!barfeit. „®u bift mein 
Sßater gemefen, grüße mir aud) beine grau, bie mir eine äJhitter 
mar", fd)reibt einer öon i^nen. S(I§ bie englifd)e glüd^tltng§= 
folonie ßüricE) öerließ, um ben 2ocarnern ^aum gu fd^affen, 
forgte SSuttinger für itjre S(ufna()me in 'äaxan. Sn il)re §eimat 



76 

gurücfge!ef)rt unterhalten bie alten unb neuen greunbe, öon benen 
ntetjrere gu ben bebeutenbften 9J?ännern ber englifc^en ÄHrd^e unter 
ber Königin (Süfabet^ geprten, einen regen SBriefroedjfel mit bem 
^aupt ber gürd^ertfdien ^iri^e unb gettJä^rcn il)m auf biefe 5Irt 
einen fortgefel^ten (Sinflu^ ouf bo§ religiöfe ßeben @ng(anb§. 
Sm Sa^re 1570 erliefe ber ^ap[t eine SuIIe, tt)orin er bie eng= 
üfd^e Königin if)re§ XI)rore§ öerluftig erftärte unb it)re Unter« 
tauen be§ 3^reueibe§ entbanb. S)a fc^rieb S3uüinger eine „SSiber^» 
legung ber päp[t(i(^en 53uIIe", tt}orin er bie ^erfibie ber päpftlidjen 
^oliti! ou§ ber ^irc^engefd)irf)te beleud^tete. @r ertoarb fid) ba= 
burd) ben ^auf ber Ä'önigin unb feiner engüfd^en ^reunbe, non 
benen einer mit 9ied)t bezeugt: „2)u betrad)teft bie S3eforgung 
unferer Slngelegentjeiten al§ einen 2^eil beiner ^fli(f)ten." ©etbft 
über feineu 2;ob ^inou§ foltte ber SSorfte^er ber gürctierifc^en 
ßird)e in ©ugtanb mirfen. ©eine „®efabeu", jene (Sammlung 
t)Ou 50 Se^rprebigten, bie er tei(§ (Sbuorb VI. teil§ bem 
^ergog öon ©uffolf gemibmet I)atte, mürben im Satire 1577 
in§ ©nglifd^e überfe^t. Sn ber Sßorrebe meift ber Herausgeber 
barouf t)in, bafe bei bem, infolge be§ ^Regimentes ber Königin 
9J?aria nad^mirfenben SJJanget ou t)intängüd) gebübeten (55eifttid)en 
populäre @d)rifter!(ärungen unb ßet)rbarfteltungen ber ^ird)e 
pxm größten S^lu^eu gereic!^ten. 2)ann erflärt er: „^ein (Sdjrift= 
fteller leiftet in btefer §infid)t fo gute ^ienfte mie SuUinger mit 
feinen Sefaben. 2)ie ^unfel^eiten ßaloinS (beffen „Unterrid)t" 
längft in§ ®nglifd)e überfe^t mar) erfe^t er bur^ aufeerorbenttidje 
®eutlid)!eit unb bie (Subtilttäten be§ 9J?u§cuIu§ (beffen „§aupt- 
pun!te" ebenfalls in Snglanb befannt maren) burc^ grofee @in= 
fadi'^eit unb gafeU(^!eit. S)iefe ^rebigten gleichen ©olbminen, bie 
um fo reicher merben, je tiefer man in fie einbringt." ©old^eS 
Urteil erhielt im Sat)re 1586 eine offizielle Seftätigung burd^ 
einen ©riafe beS ©r^bifdjofS öon Santerburlj,") metdjer beftimmt, 
jeber uid)t grabuierte ©eiftlic^e foüe fid^ innert)alb einer be- 
ftimmten ^xi'it barüber auSmeifen, ha'^ er im 93eft| einer Sibel 
unb eines ©fempIarS öon SutlingerS S)efüben fei unb bafe er 
täglid) ein Kapitel ber tjeitigen ©d^rift unb möd)entüc^ eine 
S3ullingerfc^e 5ßrebigt getefen unb eyjerpiert t)abe. 5luf mie 
mand^er engtifc^en ©orffanzel ift mo^t ber 3i^^<^^i^ ©rofe* 



77 

münflerpfarrer in ben legten Saf)ren be§ 16. Sat)r:^unbert5 ge= 
prebigt tüorben? 

Sn granfreid^ entbehrte Sußincjer perfönlicfier S3e3ief)uiigen, 
lueldje it)m eine ätjnlic^e Seeinfluffung be§ religiöfen unb firc^= 
lidjen 2eben§ ermöglicfit {)ätten wie in (Snglanb. Saloin, garel 
unb 33eäa traten ^ier an feine Stelle, dagegen unterläBt er im 
SSerein mit befreunbeten Äir(^en= unb Staatsmännern nid)t§, ba§ 
enge poülifc^e 5ßer^ältni§ granfreicf)^ jur @ibgenoffenfrf)aft im 
Sntereffe bei bebrängten franjöfijc^en ©laubensbrüber §u nü|en. 
S)er (Srfolg entjprac^ ben Semü^ungen nid^t. Solange bie fatt)o= 
lifrfien Orte ber fran^öfifcfien Ärone bie gett)ünfd)te ^Injat)! oon 
Sölbnern [teilten, mad^ten alle Söefd^merben, metc^e bie etiangelifd)en 
Stäube bei ben Königen g^ran^ I. unb §einri(^ II. megen ber ^4^rote« 
ftantenöerfolgungen er{)oben, feinen (Sinbrucf. 9J?it ben frauäöfifcfien 
©efanbten bei ber Sibgenoffenfrfjaft unb ©raubünben, gebilbeten 
SDJännern, meltf)e für bie eüangelifc^en ©emeinmefen ber Sd^meij 
unb für S3u(Iinger§ ^erfon ^0(f)ad)tung befafeen, ftanb er in 
einem freunblict)en, gum 2;eil ^erjlic^en 5ßerfef)r. Um fo meniger 
fc^eute er ficE), it)nen bei gegebenem Slntafe mit bem ©ruft unb 
ber Söärme feineS djriftlidien ©mpfinbeng ta§, blutige Unred^t 
dornte bie für g^ranfreiii) felbft öerberblic^en folgen ber S^ieligionS- 
öerfolgungen an§ .g)erj gu legen. @in Tlai t)at er fid) au^ an 
ben Äönig ^einric^ bireft gemenbet, inbem er if)m feine Sd)rift 
„oon ber 5]oIIfommen^eit ber Stjriften" mibmete. ®ie S3orrebe 
forbert, o^ne birefte politifdie 2lnfpielungen, ben ^önig auf, ein 
(Sf)rift gu fein, ba (II)riftu§ bie 5SöIfergef(^ide in feiner §anb 
t)abe. SuIIinger§ Xagebud) §eigt, mit mie lebhaftem 5lnteil er 
bie franäöfifc^en Üieligionsfriege öerfofgte. 3" einigen güfjrern 
t)atte er S3eäie^ungen ; ber junge §einrid) Gonbe befucE)te i()u im 
September 1574 in ^üi^^- ^ie Sd^redenSfunbe ber Sarti)oIo= 
mäu§nad)t erfd^ütterte bie (Soangelifdjen aller ßänber. Sei 
(Sinjelnen regten fid^ retigiöfe Sebenfen. 2)a§ oeranla^te 
93uUinger jur Slbfaffung einer Sd^rift: „33on ber SSerfotgung 
ber tjeiligen d)riftlid)en Äirc^en", roorin er auf ber einen 
Seite ben ©tauben bezeugt, baB "Oa^ ©eric^t ©otte§ über 
bie Sünben ber g^rommen iljnen jum .^eil gereid)eu muffe, 
gugteid) aber ebenfo beftimmt erflärt, ba^ biejenigen, meiere 



78 

ba§ SSoIf ©otte» berfolgen, unf)eiI6arel SSerberben über fic^ 
bräd^ten. 



(So umfaßte 33uIIinger fürforgenb unb fürbittenb, mttfötnpfenb 
unb mitletbenb bie gan^e ebangeüfd)e ßf)rifien^ett, ein @eeIforger 
ber allgememen §erbe ß^rifti, ein Uniüerjalbtfd^of be§ ^er^enS, 
tüie Drigeneg unb ?tuguflin e§ in ber alten ^ird)e geiüefen njaren. 

(Seine ß^it legte biefe 5Iufgabe na(}e. SludE) ber 9^at unb 
hü§ SSoIf ßüric^g unb ber anberen eöangeüfdjen (Stäbte naf)men 
baran teil. @in für un» frembartigeS (Sc^aufpiel, biejeS beratenbe 
(Singreifen ber ^ird)en= unb @taat§männer eine§ @emeinn)efen§ 
in bie Seitung eine§ anberen, unter Umftänben mädjtigeren, 
anberfeit^ bie SSereitfc^aft, bie eigenen SJiittel unb ^röfte ben 
bebröngten ©liebern anberer SSöIfer gur 55erfügung §u fteüen 
otjue 5lu§ficl)t ober Stnfprud) auf ©egenleiftung ! Unfere ßeit f)at 
ben SSor^ug ber Xoteran^, allein au§ bem et^ifi^en @efid^t§punfte 
betrachtet, ftet)t bie opferfreubige Seilna^me an bem 2Bot)( unb 
3Bei)e ber ©laubensbrüber in oller SBelt, toie fie ßürid) oor allen 
eoangeIifd)en ©emeinroefen unter bem (Sinftu^ be§ ebeln 5Borftet)er§ 
feiner Äird)e geübt ijüt, ^öf)er at§ aüe grüc^te ber 2:oIeran§. 

5luc^ bie anberen Üieformatoren bejahen eine unioerfale 
(Steüung. Slnfteüe ber ^ierarc^ie, tt)elcf)e im ^ati)oIi3i§mu§ ha^ 
pfammenfafjenbe 3}?oment in ber Äirc|e mar, traten in ber 
Üieformation guuäc^ft bie leitenben ^erfönlid)!eiten. (Jalüin n^ar 
{)ierfür am glü(f (ic^ften beanlagt. @r gab ber eoangelifi^en ^irc^e 
eine gorm, meiere ficf) ben t)erfd)iebenften ftaatlic^en Situationen 
anpaffen lie^ unb er t)at aU ST^eoIoge, in§befonbere in feinem 
§auptmerf, bem „Unterrid^t in ber d^riftlidjen S^eligion", ha^ 
gefamte 2)en!en ber ßeit ben eöangelifdjen ®efic^t§pun!ten ein= 
juorbnen üerftanben, äf)nli(i) mie e§ für-ba§ fpätere SDJittelalter 
unb ben Äattjoli^iSmuS 2;^oma§ oon Slquino getan f)atte. ^er 
©trofeburger Su^er (eiftete feine unioerfale 5trbeit al§ fir(f)en= 
politifdjer Diplomat. @inen ßuttjer macf)te bie 2:iefe unb bie 
bramatif(i)e (Snergie ber ^erfönlic!^!eit gum SBettreformator. 3)oci§ 
ftanb foId)er Äraft unb 2:iefe bei i()m ein engbegren^te» 3^enfen unb 
@mpfinben gegenüber. @r fonnte fid^ nicf)t in frembe ©ebanfen 



79 

unb SJJotiüe tjineinöerfelen. 9^0(^ et)e [ie bei i^m orbentüd^ §u 
Söorte fomen, t)atte er fie jd^on unter eine ber if)m geläufigen 
Kategorien gefofet unb abgetan. Sn foldjem i^aU fann ein mi(be§ 
Stemperament ober bann perfönlid^eS 3^^^^^"*^" 93rücfen fdjlagen, 
oHein 2utt)er tvav ß^olerüer unb fein SSertrauen jn geminnen 
n^ar, befonberg in feinen fpäteren Satiren, f(f)n:)er. (So !onnte e§ 
gefcJ)eJ)en, baB ber größte ©otteS^euge biefer ßeiten ber Urf)eber 
unfruchtbarer @treitig!eiten gntifdien ben SSertretern be§ fac^fifrf)en 
unb be§ jürrfjerifcfien 9fieformation§f reifes, bie brcf) ba§u berufen 
n)aren, fic^ gegenfeitig §u ergänzen, gemorben ift. ®ie äußere 
golge Ujar eine bleibenbe S^rennung ber lutf)erijci^en unb ber 
reformierten Ä^onfeffion, bie innere eine S5erengung be§ ®efid^t§* 
freife§ unb ber Qkk unb 2äf)mung ber für bie Sf^eformation ber 
@efamt!ird)e erforberlic^en Gräfte. 2)ie ©treitigfeiten betreffen 
hü^ (Se{)eimni§ be§ 5lbenbmat)I§. 

3)ie me\\e bilbet ba§ ßentrum be§ fatf)oIi[c^en @otte§bienfte§ 
unb ben allgemeinften ©tü^punft ber fat^oIif(i)en grömmigfeit. 
Sn it)r geniest ber fotf)oIifcf)e ßtjrift bie ttjunberbare ©egenrtart 
be§ götüid)en .gierrn unb feine getieimniBooIIen §eil§roirfungen, 
öermittelt burc^ prieftertic^e ^WadjtooIHommenfieit. Subem bie 
SJJönner ber Sfteformation i^re ßeitgenoffen einen neuen SSeg 
äu ©Ott fül}rten, gerieten fie alsbalb in @egenfa| gur äJfeffe. 
(Ss fiet if)nen leicht, §u geigen, ha'^ fie eine mittelalterüdie 3n= 
ftitution unb' bent ur|prünglic|en 6t)riftentum unbefannt fei. 
SBic^tiger njar e§ jebod^, fie innerlid) ju übernjinben. 5iutf)er 
tat e§ oon feiner ^ei(§Ie!^re au§, ttjonacf) bie waljre Oieligion in 
nid)t§ anbercm beftet)en fann, al§ in bem SSertrauen ju ber fc^ulb^ 
üergebenben ©nabe ®otte§, bie (5^riftu§ un§ anbietet. 2öa§ nic^t 
freies ^ßertrauen be§ |)ergen§ ift, fann fid^ mit @ott nii^t be= 
rühren, unb tt)a§ nidjt Kunbgebung fc^ulböergebenben @naben= 
miflenS ift, ift nid)t öon ©ott. @otc^ et^ifc|e§, perfönlidjeS ^er= 
t)öltni§ be§ 5D^enfcf)en gu ©ott fd^IieBt aßen ©aframentSgauber 
unb olle f)ierar(i)ifc^en 9J?itteIgtieber gmifd^en bem SJJenfdien unb 
©Ott au§. 3)a§ 5(benbmat)I fann bemnad) nidjtS anbere§ fein als 
ßeugniS Oom ©nabenmillen ©otteS, eine ^orm beS ©oangeliumS, 
be§ ©ottesmorteS. 2)ieS ift aud§ ß^^^S^^^ 2lnfd)auung. S)ie 
beiben SJJünner t)aben einen e£)riüürbigen 3*^"9^" fii^" i^)^'^ fl^' 



80 

meinfame ße{)re an bem ^ird^enüater 5lugufitii, ber ba§ ©oframent 
t)a§ „ftcf)tbare SSort" nennt, ^finn öerbinben fic^ aber bei ßutfier 
foroof)! tüie bei ßiüingli unb feinen ^ntjängern mit biefer ^uf= 
fajjung religiöfe SUiotioe befonberer ?trt, n^eld^e bie ätt)if(i)en i^nen 
beftet)enbe ^iffereng beiüir!en. ®ie ©eiftigfeit (5)otte§ unb bie 
^eiftigfeit feineS SSer!ef)r§ mit ben SJJenji^en ift ein ®runb= 
geban!e 3tt)ingli§. ©ötttii^e Gräfte an finnlid)e ©egenftänbe 
gebunben gu ben!en gilt i^m al§ Aberglaube, ^nbem ßf)riftu§ 
ein unmittelbares 9Sertrauen§t)er^äItni§ jmifcfien bem 9}lenfd^en 
unb ÖJott burdf) bie (Srti3fung ^erfteüt, f)at er alle finnli^en 
(Stülpen ber Ületigion befeitigt. „^er @ei[t i[t§, ber lebenbig 
mac^t, ba§ ^leifd) i[t nichts nü|e." SBrot unb SSein im Slbenb« 
mal^I !5nnen bemnai^ in feiner SSeife Präger ber ©nabe @otte§ 
jein, fie fönnen nur auf biefe ©nabe t)inmeifen, ttjie benn ß^riftuS 
bie t)eilige g^eier ausbrürflid^ al§ „@ebäcl)tni§" feine§ erlöfenben 
£eiben§ eingefe^t f)at. SSerttoS ift ba§ Slbenbma^I besl^alb 
burc&auS nid)t, um „leere" ßeid^en f)anbelt e§ fid) nidjt fonbern 
um bebeutungsöoHe. B^Jingli ftet)t oud^ nid)t an, bie äBorte 
C£t)rifti anjumenben, ba^ Srot unb SBein ber 2eib unb tOi§> 93tut 
{S^rifti feien, ober ba^, mx fie geniest, St)rifti Seib effe, (5;!)rifti 
S3Iut trinfe, finnbilblic^ nämlid^. S)a§ iSanb ämifdjen bem §lbenb- 
mat)l unb ber göttlid^en §eit§mitteilung mar in biefem ©inne 
ein gan§ Iofe§. ß^riftu§ ift bei ber (Sebä(^tnisfeier feines SeibenS 
nic^t anber§ gegenmärtig, als er überhaupt ben ©einen nat)e ift, 
bie fid) in feinem S^amen öerfammeln. ^^itmeilig f)at 3"^^i^9^i ^^^ 
©aframente gar nic^t als ©innbilber göttlicher ©nabenmitteilung 
fonbern als S^erpflidjtungSgeic^en ber ©emeinbe öerftet)en moüen. 
hierin finb if)m bie ßürdjer 2;^eoIogen nid)t gefolgt. SIber Seo 3ub 
beanftanbet ßaloinS S3eäeid)nung beS SroteS unb SöetneS olS 
©iegel unb Beglaubigungen ber göttlid)en ©nabenöerbeifeung, 
ftnntidje S)inge fönnten unmöglii^ geiftige-Ütealitäten beglaubigen. 
SSuüinger liebt eS gu erüären, ha^ ber „©laubige immer unb 
überall ben Seib unb baS S3Iut (£^rifli effe unb trinfe", benn 
baS ^eifee nidjts anbereS als glauben.'-*) 

Sutl^er fonnte oon feiner ^eilslef)re auS gegen bie üon 
^mingü unb feinem ÄreiS vertretene ft)mboIifd)e Deutung beS 
5lbenbmaf)lS faum etmaS einmeuben. 2)aS geiftig=fittlid)e @ut 



81 

ber ©ünbenöergebung !onnte bod) unmöglid) an bcm materiellen 
Srot ober 2Bein f)ängen, fonbern nur an ben burd) biefelben üer= 
anf(i)aulicf)ten geiftigen ©otlesfräften. 5lIIein, e§ »ar bei if)m 
baneben ein SD^otio lüirf]am, inelcEjes firf) mit 3^üingli§ Sbeenjug 
freuten fonnte. S)er Äampf mit ben SBiebertöufern ^atte e§ in 
ben SSorbergrunb gebrängt. S^iefe „©djnjarmgeifier" öerfünbigten 
fin unöerniittelte» SBirfen @otte§ im inbioibueflen ©eifteSleben, 
fie öerad)teten ha§ äußere 2öort um be§ inneren 3öorte§, i)a§> 
äußere SBort um ent^ufta[tifd)en @otte§genu[fe» miüen. ßut^er 
betonte it)nen gegenüber bie Objeftiüität ber göttüd^en ©naben- 
funbgebung, bie ®öttlid)feit be§ äußeren SSorteS unb be§ (5a!ra* 
mente§. Sie ^ü^'t^^^^ maren feine (Sd^marmgeifter. ©ie begeugten, 
hü'B ber gefcf)id)tli(i)e (£{)ri[tu§ unb fein (Soangelium ber notmenbige 
§lnf)altepunft be§ fölaubenS, bie alleinige Guede be§ §ei(§ fei. 
®er Sn^alt ber ge)d)ic!^t(icf) = obje!tiüen .g)ei(§botfc^aft jc^ien 
itjnen (Sd^ul^ genug gu fein gegen fc^märmerifdjen (SubjeftioiSmus. 
2)a§ genügte iebod) £utt)er nic^t. (£r glaubte, erft menn ba^ 
göttliche .^cilsmalten auc^ feiner gorm naci^ an ba§ öuBere 2S?er! 
ober an bie finnlid)en ß^ic^en be§ (Satramenteä gebunben, gemiffer= 
maBen in biefelben eingefd)Ioffen fei, fei bie ©efa^r ber (Sdjmärmeret 
befinitiü befd)moren. 3)a§ ©aframent oerpit fid^ bann §u ben 
göttlid^en ^eitsfräften nic^t met)r mie ba§ ©innbilb gu feinem 
(Segenftanbe, fonbern mie bie fid)tbare §ülle §um unfid^tbaren 
Äern. Safe G£)riftu§ üom Sorot unbSBein gefagt t)at: „bie§ i[t 
mein Seib, mein 33(ut", mirb nun üon Sutt)er fo oerftanben, baf? 
tatfäc^Iid) ber !Öeib 6t)ri[ti in jeber ^artüel be§ S3rote§ fei, n)eld)e§ 
im Slbenbmal^I gefpenbet unb gegeffen mirb. @r fe^t babei oorauS, 
bafe ber £eib ©firifti nac^ feiner (Sr^ij^ung in ben §immel bie 
gä{)ig!eit befi^e, überalt ha gegenmörtig gu fein, mo ©f)riftu§ 
molle. — Sag i8ebenf(id)e biefer Stjeorie liegt nid)t fo fel^r in 
ber ^^antafti! einer fotd)en SSorfteHung al§ barin, ta'B ber geiftig* 
etf)ifct)e G^aratter be§ §eil§, ber eigene religiöfe ®runbgefid^t§= 
punft 2utf)er§ baburd) gefä^rbet erfd^eint. (£§ gibt bann nod) 
ein anbere§ r^otte§tier{)ättni§ al§ ha§' be§ ®Iauben§, benn aud^ 
ber Ungtäubige berüi)rt fid) mit Gt)riftu§ perfi3nlid^ im 5lbenb= 
mat)I. Sie ungeiftige, unet^ifdje tatt)o(ifd)e Sfteligiofitöt ift in ber 
@aframent2lei)re mieber in bie eoangelifdje eingefet)rt. 9Zur bie 

0. ec]^uIt§e6 = 9iec^Berg, ^einric^ Suttinger. G 



82 

2lb(ef)nung ber priefterticf)en 9JZac^tooII!ommen^eit trennt fc^Iie^Iic^ 
nod) 2ut^er§ ^tuffoffung üon ber fQtt)otifd)en. 2)aB fie in 
fcfiroffem ©egenfa^e gu berjenigen ber 3ürd)er [tet)t, ift einleuc^tenb. 
2)em (S^riftenftreit grotfc^en £utf)er unb ^^^ingü über bie 
rid)ttge 5Iuffaffung be§ Slbenbrno^IeS {)atte bie SSereinba^rung ju 
SD^arburg im Ottober 1529 ein @nbe gefegt. 9lac^ ßn^^^B^^^ 
2;obe eröffnete Satter ben Streit auf§ neue burc^ ein an ben 
^erjog Sllbrecfit öon ^reu^en geri(i)tete§ offenes @enbf(f)reiben, 
n^orin er in bem ma^Iofen S^one feiner ^olemit über bie 
„(5(f)n3Qringeifter" in ^üric^ ^erfä^rt. @r ibentifi^iert fcfilonfraeg 
bie 5Ürrf)erifd)e mit ber miebertäuferifd)en. 3)q§ ©d)reiben bejtt^ecft 
nichts geringeres otS bie 95ertreibung ber Sln^änger öon ^toingüS 
2ef)re au§ ben Sänbern be§ 9J?QrfgrQfen. Suüinger antwortet 
namens ber jürdjeriic^en ©eiftlic^feit ebenfo luürbig atS beflimmt, 
nid)t an 2utt)er fonbern an ben (ämpfänger beS ©enbfc^reibenS. 
S)a Sut^er bie §ürc^erif(f)e Stbenbmai)tStei)re für eine ^fieuerung 
erflärte, üerbinbet 33u(Iinger feine ß^f'^^if^ '^^ ^^^ ^^^S^S 
mit ber Überfe^ung einer Schrift au§ bem 9. Sat)rt)unbert, in 
metc^er er bie ^ürd^erifd^e 2)entroeife bargeftellt finbet,"^) n)ie er 
benn überhaupt beS @taubenS ift, bie ganjc atte Äird^e bis auf 
^apft Snnocenj IIL t)abe getef)rt tt)ie bie ^ürdjer. (Segen 2utf)er 
mad^t er gettenb, ber SIppell an bie ©emalt fei beS äJianneS uu:» 
mürbig, ber fonft in geifttic^en fingen immer nur bie i)eilige 
®(^rift ^aht entfc^eiben (äffen motlen. „2Bir münfc^en iiutberS 
(SE)re unb guten S^iamen in feiner SSeife §u fd)mä(ern ober gu 
oerfleinern, öerac^ten and) feine 2ef)re nid^t unb I)ülten il)n für 
einen teuern S)iener ©otteS, buri^ ben ©ott öieleS unb grofeeS 
in aller SBelt gemirtt t)at. 5(ber tüir möchten i^n erinnern, ba| 
er aud) ein SDJenfcl) ift unb ha'Q nidjt aUeS @eift ift, maS er 
f(^reibt, rebet unb tjanbelt, bafe er auc^ irren fann unb ba§ er 
feine armen 9J?itarbeiter im SBerfe @otte4 nid)t gan^ deradbten 
foü." §abe @ott it)n ^od^geftellt, fo foüte if)n baS bemütig 
macf)en. SIm meiften mu^te eS Suflinger fdjmerjen, ba^ 2ut()er 
bie ßürc^er für ^e^er erflärte unb baB er ben im ®ienft beS 
33aterIanbeS gefallenen Biuingü fd^mäljte. SSor ber t)ei(igen 
@d)rift feien bie 3iii^c^^i^ rechtgläubig. 2utt)erS Berufung auf bie 
S^rabition fönne bagegen nid)tS bemeifen unb tierrate, ba'^ er ber 



83 

fatf)oüfc^en 2)enfrDeife ^on^effionen macfie, tuie ha§> aurf) in feiner 
Deutung be§ ?lbenbmat)I§ ^u Xage liege. %ott §u öerunglimpfen, 
gelte felbft bei Reiben für fd)änblicf). ®en ^inmeig auf bie 
S^ieberlage 3ürt(f)§ öB auf ein @ottelgerid)t njiberlegt er in ber 
befannten SBeife. 

@ine 3eit lang ruf)te nun ber ©treit. 5l(§ bie ©c^meiser 
if)re ^onfeffion öon 1530 famt ben Erläuterungen baju Sutl^er 
burc^ S3u^er überreicEien liefen, antttjortete jener freunblid). 
93uflinger ergriff bie borgebotene §anb freubig, ierl)et)(te Suttjer 
jebodj nic^t, ha^ er eine ausbrücfüd)e 2lner!ennung ber äürd)erifd)en 
2ef)re im ©egenfo^ §u feinen früfjeren 5iuBerungen ermorle. S)er 
beutfc^e Dieforniator n)i(Ifat)rte nic^t unb brac^ im 3af)re 1543 
auf§ neue gegen bie 3ürd)er Io§ in einem ^riüatbrief an ben 
33ud§brucfer g^rofc^auer, ber i{)m bie neue (Qteinifrf)e 53ibetüber= 
fe^ung ber §ür(i)etifc^en 2f)eoIogen gefc^enlt f)atte. 3)ie ßü^cEjer 
^fieologen, erflört er, follten enbli(^ einmal öon it)rer läfterlidjen 
Se^re, momit fie bie Seute gur 55erbammni§ füfjrten, abftet)en. 
(Sr werbe nic^t aufhören gegen fie gu beten unb §u lehren, bamit 
bie Äirdje biefe falfc^en, öerfüf)rerifd)en ^rebiger (osmerbe. SBeber 
er nod^ irgenb metd)e Äird^en ©otteS fönnten mit ben gürdierifd^en 
^rebigern @emeinfd)aft ^aben. 93uÜinger n;ar auf» fd^merjüd^fte 
betroffen. @r backte an bie (S^re ber eigenen Äirrf)e, an bie (S^re 
2ut^er§ felbft unb an bie ^ufunft ber eoangeIifd)en ©ac^e. @r 
flagt om 22. Suli 1544 3)ZeIanc^t^on: „niemals ^at ber ^apft 
fo gegen un§ gebonnert; unter un§ finb SSiete, bie ßl)riftu§ mit 
roa'^rem glauben umfaffen, mit njafjrer Üleligion, Siebe unb einem 
rec^tfdjaffenen Seben oeret)ren, ben ?Intic^rift, ben Slbergtauben 
unb alle ©ottlofigfeit f)üffen. äöeld) ein ^rgernig, menn SSiele 
über un§ fo bäd)ten mie £utt)er! 2)ie Ü^ec^te beborf nic^t fo fef)r 
ber 2in!en Juie bie ßird)e ber @intrad)t in ber Se^re. S)aB bod) 
ein fo großer Tlann in biefer SBeife fid) felbft oergeffen, fid) felbft 
entel)ren fann! 2Sir finb allezeit §ur Eintracht geneigt." Sullinger 
münfd)t, SJJelanc^tljon möd)te menigftenS bie§ betuirfen fönnen, 
ha^ bie fäc^fifd)en 2f)CDlogen bie (Schriften ber fdimeigerifdien 
lefen, et)e fie biefelben oerbammen. 

2)a§ fdilimmfte mar übrigen^ nid)t jener ^riüatbrief £ut^er§, 
fonbern feine balb barauf unter bem Xitel „furje» SefenntniS uom 



84 

t)etügen ©aframent" erfi^ienene ^enffc^rift, luorin bie ßürd^er 
öffentlid^ ber ße^erei gegie^en tüurben unb it)tten bie @emeinf(i)aft 
ber tüQ^ren Äirdjen geüinbet tuar. SSer lüoEte nid^t jur (Snt- 
loftung Sutt)er§ gerne alle§ gettenb mad)en, tüQ§ irgenb beige^ogen 
tüerben fann, bie (Sdjronfen feiner S^^atur, bie if)n t)inberle, onberS 
®en!enbe ju oer[tet)en, ge[unb^eitlidje S3erftimmungen, bie S(uf= 
reigungen leibenfci^aftlici^er greunbe, aud) bo^ ein 9J?enf4 ber eine 
grofee 3Senbung ber ßt'üm in feinem ^er^en burdjfämpfte, eine 
anbere Slufeenfeite »irb geigen biirfen al§ bie ?ltttQg§!inber. 
®ie§ unb ä^nüd)e§ jagten fid) fc^on bomat^ £ut^er§ Sln^änger, 
benen fein Sßert)alten peinlich loar, 9J?elQnd)t^on, ^u^er, and) 
©atoin. 2)qB ober felbft Suüinger, ber fdjföer gefränfte, fic^ öon 
foldjen (Smpfinbungen leiten lä^t, öerrät einen (5bel[inn, ber ^ot)e 
Slner!ennung öerbient. 2)a§ „tt)af)rl)afte 33e!ennlni§", ttjelc^eS er 
namens ber §ürd)erifd^en ©eiftlidjen im Wdx^ 1545 ^ur* Slbmel^r 
ber Sut^erfc^en @d)mät)ungen ^erau§gab, greift ben beutfc^en 
^Reformator nic^t perföntic^ on. Wit biefer ba§u gekommen, bie 
^ürd^er in biefer SBeife gu beljanbeln, nad)bem man fid) bod^ 
gegenfeitig anerfannt unb fic^ c^riftlid)e Siebe öerfprodjen, ba§ 
fei (5)0tt ant)eim3uftenen, ber bie i^^r^eu fenne, ber aui^ miffe, 
„bü'^ bie 3üi^<^er feinen ^a^ unb Untt^illen gegen Sutl)er§ ^erfon 
tragen unb i^m oüeS gute gönnen." Sie 2Bibertegung be§ 93or* 
lüurf» ber ^e|erei burc^ ben 9^ad)mei§, ta'^ bie äürdjerifd)e Ä'irdje 
Drtt)oboi' fei, aud^ im fünfte ber 2lbenbma{)I§Ief)re, bilbete ben 
Hauptinhalt ber @d)rift. Siu 2tnt)ang unb am ©djIuB ujirb ba§) 
fdjmer^Iidje SBebauern barüber au§gefprod^en, ba^ ber böfe ©treit 
immer mieber erneuert merbe unb jmar be§ 2lbenbmai)I§ megen, 
melc^eS bod^ ß^riftuS gerabe al§ 3^^^^" "^^^ ^^^^^ ^^^'^ Sintradjt 
unter feinen Süugern eingefel5t t)abe. ®otte§ ©eric^te tagen f(^toer 
ouf ber ^^it unb bie g^einbe be§ ®üangelium§ feien übermäd^tig. 
SDie @oangetifd)eu Ratten feine anberen SBaffen at§ ©ottüertrauen 
unb ©inigfeit. ®ie ßürd^er fönnten fid) ha§' ^^ugniS geben, ftet§ 
nad) grieben getrachtet §u fjaben. ©ie feien aud) ferner bereit, 
mit jebem, ber in ben §auptpunften be§ Sefenntniffe» mit i^nen 
übereinftimme, ©emeinfdjaft ^u pflegen, of)ne fic^ an ben SSer= 
f c^iebentjeiten ber Sef)rau§brüde ober ber ^ultuSformen gu fto^en ; 
unb fie lebten ber Hoffnung, baf? 2utf)er§ Slnfd^utbigungen bie 



85 

Qttberen Äirtf)en nic^t gegen ßiiric^ öerbittern ober mi^trauifc^ 
macfien ttjürben. 31I§ im folgenben Satjre bie S^unbe öon 2ut()er§ 
SCobe na(f) ßllrirf) fam, fcEirieb ^Buninger:^^) ^^^^ ^offe, Sutf)er 
i[t g(ü(fUrf) geflorben; e§ ift an it)m öiete^, H)a§ bie 93e[ten mit 
Sftec^t bettjunbert ^oben. 5lurf) bie 9JfQnner ber alten ^ir(f)e 
l^atten i^re O^e^Ier, jo gut mie Sutfjer, bie göttlicfie 33orfef)ung 
tt)oIIte bereuten, ba'^ man it)n gum @ott mac^e." ®er ©nglönber 
^ooper fd^reibt Don Qnx'vi) au§ an 33u^er:'') „Über Sut^er§ 
S^ob trauern bie Siener ber jürd^erifdjen ^trd)e, inbem fie nic^t 
boran benfen, ba'^ fie einen @egner unb @c^möt)er, fonbern ba^ 
fie einen @efinnungl= unb 93unbe§genoffen öerloren "^aben. ®a§ 
ift, roie id) meine, ein gro^eg unb n)at)re§ Hn^eic^en menfcf)en« 
freunblic^en, liebeöollen @inne§." Tlan mollte 2utt)er§ ©rij^e 
ni^t öergeffen über bem steinen, taS: i^m ebenfalls anfing unb 
burd) ha§> man in ßüricE) gelitten t)atte. 

33uUinger§ auSfc^IieBtidje» 5!?erbienft war \)a§ gemiB nic^t, 
ober mon erfennt barin feinen ©eift unb tatfäd^üc^ befaB er, gumot 
feit !^eo 3ub§ 2;obe (1542) auf bie gür(^erifd)e @eiftlicf)feit ben 
meitauS größten ©influB. Sn einer ^eit, mo tt)eoIogifd)e 9J?einung§= 
Oerfd}tebent)eiten bie ©emüter §u er^iljen unb bie S^^ädiftoerbunbenen 
äu entgraeien t)ermoc|ten, mar e§ öon t)ot)em SBert, baB ber on* 
gefe^enfte äJJann ber ^ürd^er ^irdje burd) SBort unb ^at eine 
SBeite be§ |)er§en§ unb ber 2(nfd)auung befunbete, meiere SSer* 
ftimmungen unb SSorurteile perfönlic^er Slrt ebenfo überbot mie 
!leinlid)e Se'^rftreitigfeiten. Sf)u trifft feine ©djulb an ber 
^arteiung innerhalb ber ^Reformation. §at er bagegen geeifert, 
bü^ Sut^erS '^erfon al§ unfet)Ibare Stutorität be^anbelt merbe, 
fo t)at er fid) ebenfo bagegen oermatirt, „^i^ingtifd)" genannt 
gu merben. 2Bät)renb be§ ^ampfe§ mit Sutt)er fc^reibt er einmal 
an einen greunb: „e§ ^anbelt fid^ nidjt um Sut^er, fonbern um 
ben maf)ren djrifttic^en ©tauben." ^infic^ttic^ ber £et)re ober 
öertritt er ben @runbfa|, ba^ man fi(| über nebeufäd}fid)e fünfte 
vertragen foUe, menn man in ber ^auptfai^e ein§ fei. ©oldje 
(Sint)eit in ber ^auptfacf)e finbet nac^ feiner Überzeugung smifdjen 
ber Iutt)erifd)en unb ber gminglifdien Sl'irc^e tatfädjlid) ftatt. Ser 
@a!rament§ftreit betrifft einen 9lebenpunft. (5§ ift nie ein B^^if^t 
in 33uUinger aufgeftiegen , ba^ bie fd^mei^erifc^e 2)eutung be§ 



86 

§lbenbmQ()(§ al§ ©innbilb ber Slbfidf)t Sfjrifti unb ber göttlid^ett 
SBa^rf)eit entfprec^e unb ha'^ bie Iutt)erif(i)e Se^re üon ber förper» 
It(f)en (55egenti)art S^rifti im Stbenbmat)! faljd^ fei. 2)enno(f) 
erflürt er gegen SReland^tfjon, bie Sut^erifc^en f)ätten !ein 3ie(f)t 
unb feinen ©runb, bie ©djrtJei^er öon fict) gu ftofeen unb ^^u t)er= 
bammen, ttjenn it)re Se^re bie tt)af)re, bie fcfjioeigerifd^e ober eine 
Srrle^re tt)äre.'«) ©emeinforn fei beiben ^ird^en bie „ße^re öon 
ber 33uBe unb ber SSergebung ber ©ünben im 9cQmen ßfirifti, 
gemenjam feien bie 2)ogmen ber alten ^ird^e, ber öon S^riftuS 
angeorbnete ©aframent^gebrouc^, ba§ fd^ulblofe ßeben au§ ber 
^'raft @otte§ unb fromme 3^"9ß" ^^^ göttU(f)en SBQl)r^eit;" bei 
ber Übereinftimmung in biefen ©ütern unb Gräften muffe man 
fitf) gegenfeitig ertragen fönnen tro| ber ®ifferen§ t)infid)tlid) be§ 
©a!ramente§. 

mit 2JJeIanc^tl)on öerftanb fid) Söuüinger auf§ 53efte. (Er 
begegnete t)ier einer ö^nli(f)en peifönli(i)en ©timmung, mie er fie 
befafe. ©ie ftanben im S3riefroedjfel unb gn^ar nidjt nur bamat§, 
oI§ er i^n mit anbereu greunben be§ fird)Iid)en ^rieben§ bat, 
£ut§er§ aggreffiöen @ifer §u !ü^Ien. Öfter empfahl er i^m 
§ürd)erifd)e ©tubierenbe, metd)e nad) SBittenberg reiften, unb fann 
it)m met)rmat§ für freunbtid)e ?Iufna^me berfelben banfen. S)ie 
beiben SD'Jänner f)otten eine öermanbte Slufgabe. (Sie loaren beibe 
berufen, @rt)alter unb Söa'^rer religiöfer ^Reformationen gu fein, 
bie geifteSmäc^tigere ©c^öpfer l^interlaffen t)atten, unb Seibe l^atten 
bie poütifd^e Situation gegen fid). 3)ie @üangelifd)en 2)eutfd)= 
lanbS maren im 9fteIigion§!rieg unterlegen gerabe mie biejenigen 
ber (Sd^meij. 2Iuf jenen laftete bie 9JJac^t be§ !att)oIifd)en ^'aifer* 
tum§, auf biefen hü§^ Übergemid)t ber fat^oüfd^en Drte im 33unbe. 
SBie 93uEinger auf bem 58oben 3ün(i)§ unb ber ©d^mei^ bie 2luf= 
gäbe löfte, miffen mir. @r läutert unb bilbet bie ©eiftlid^feit, er 
feftigt bie Obrigfeit, er einigt ba§ Sßolf burd) ha§> Sanb gemeinfamen 
Glaubens unb gteidjen fittlid^en (Smpfinben§, has alle§ trägt, unb 
erhält e§ burcE) bie eigene fraftöoUe, in fid^ gegrünbete ^erfönlid)* 
feit. @§ ift ein SBirfen im engen Streife, aber ma§ ba gemorben 
ift, bringt in bie äßeite. 2)ie politifc^e (Situation f)inbert bie 
Slusbe'^nung be§ poIitifd)=!ird)Uc^en ^aue§, aber \)a§ Sic^t eine§ 
fdjlic^ten, ernften, männlid)en (Sf)riftentum§ Ieud)tet öon t)ier ^inau§ 



87 

in bie SSelt unb fällt in mand)e§ ^erg, unb ber §8ruberj"inn greift 
über aüe ©renken ber 5Sölfer unb fd)afft ein §(bBiIb jener uniöer* 
jalen ©emeinbe, bie ta^ ßM be§ ganzen 2eben§ unb «Streben? 
ber äRenjdjIicit i[t. Unb 3)?eIand)tf)on? 58ergeben§ fud)t man 
bei if)m ein iiebenStoerf üon ä^nlictier (Sinf)eit unb organifdjer 
(Snttt)icflung. @r erjdjeint öon Slnfang an in eine g^ülle öon 
Schiebungen öerföicfelt, bie i^m bie ^on5entration auf einen ^unft 
unmöglid^ nmcfien. ©ein Dffentli(i)e§ ßeben i[t eine ^ette üon 
Äompromiffen, in benen er ttjefentlictje ®üter preis gibt o^ne ent= 
fpredf)enben @ett)inn, mi allem ol)ne ben ^rieben ^n erlangen, 
um ben e§ i{)m cor allem p tun ttjar. Wan ^at, nic|t mit 
Unrecht, ben SJiangel an perjönlid)er Ä'raft bei if)m beflagt. 5lber 
ob Sutlinger, ber i£)m Ijierin fo fe^r überlegen n^ar, an feiner 
Steße einen geiftigen 58au im großen ©tile gu erridjten üermod^t 
t)ätte? Q3uninger§ Slrbeit ru^^le auf bem S3otf, »e((^e§ ben eüan« 
gelifd)en ©tauben unb ©ottesbienft ttJoHte. Unb wenn fid^ aud) 
ba§ SSoIf in ber Spiegel nur burd) ben 9}?unb be§ 9flate§ öuBerte, 
fo mußten biefe bod^ in allem, roa§ fie befc^toffen unb unternat)men, 
ber ßuftimmung be§ S8oIfe§ gemi^ fein, melc^eg im 9ZotfaIIe mit 
®ut unb S3Iut für feine ^^eligion unb ^ird)e einzutreten liatte. 
Wt\a\\ä)t\^ow§' JBer! rut)te allein ouf ben ^^ürften unb 2;|eDlDgen, 
bie Kriege ber @oangeIifd)en S)eutfc^Ianb§ fütjrten ©ölbner. ®ie§ 
gab bem SSirfen ber beiben äJiänner eine oerfdjiebene Ü^id^tung. 
Sn ber <B6)\ve\^ trug bie 35oIE§gemeinbe in lefeter Sinie it)r 
religiöfeS unb poIitifc^e§ (Sd)ic!fa( in fid) felbft. Sn 3)eutfd)Ianb 
njoren e§ bie 2;^eotogen= unb g^ürftenfongreffe, mit i^rer geleierten 
unb polilifc^en Diplomatie, n)e(d)e bie inneren unb äußeren (5d)icf= 
fale ber Sf^eformation entfd)ieben. SBof)! hielten auc^ bie ©dimeijer 
^irdjen im Saljre 153G it)ren ßongrefe gu Safel unb oereinbarten 
eine tt)eoIogifc^e 2ef)rformeI; es gefdjat) bieg unter t)eroorragenber 
^Beteiligung 33uIIingerg angefic^tS be§ öom ^apfte p berufenben 
allgemeinen ^on^ilS. 5tIIein 93u(Iinger t)at jeberjeit bie STnfidit 
feftge^alten, e§ Ijanble fic^ babei um ein SefenntniS ber ©emeinbe 
burd) ben SO?unb it)rer S}ertreter. (£r forbert, bie ©eiftlic^en 
müßten ber ©emetnbe erflören fönnen, roaS fie bei ifjren 33er= 
fammlungen oereinbarten, unb bie§ muffe berart fein, bafe bie 
©emeinbe e§ ju billigen uermöge. 2Benn bie beutfd)en 3^^eoIogen 



88 

unb g^ürflen fidE) einreben fonnteti, bie Streben geeintgt gu ^oBen, 
jobolb e§ i^nen gelungen mar, unter ftcf) eine Setjrformel gu öer= 
einbaren, fo njor S3uüinger ber S[Reinung, bafe nun erft bie 
Hauptaufgabe ju löfen fei, nämltd) ha§> S)en!en unb ©mpftnben 
be§ 3SoIfe§ für ben t)orgefcf)tagenen £et)rau§bru(f ju gettjinnen. 
®ie§ t)atte fetbftoerftänbltrf) gur SSorau§[e^ung, bafe bie @eiftli(f)en 
tt)re eigene freie Überzeugung barin »ieberfanben, e§ waren bafjer 
@intra(i)t5befc^Iüffe, welche auf ßtt^^i^^iit'B^^^t^" ^" ^^" SBorten 
bofierten, öon öornt)erein au§gefd)Ioffen. 2)a§ ift ber prinzipielle 
©runb, »arum fi^ 33uIIinger ben 9fleIigion§gefpräd)en gegenüber, 
njetdje oon S)eutfd^Ianb au§ oudE) ben fdiwei^erifdjen ^^eologen 
zugemutet »urben, abte{)nenb oerf)iett. @§ fatnen praftt](f)e ©rünbe 
baju. @cf)on ßut^er' pflegte bei folc^en S^er'^anblungen feft auf 
feiner 5lnfc^auung gu bel^arren. @eit aber ha^ fdimeizerifc^e 
53e!enntni§ öom 5Iugsburger 9^eIigion§frieben auägefrfitoffen njorben 
ft)ar unb bie Iutt)erifd)en ^f)eoIogen rt)iebert)oIt in offizieller Söeife 
i^r SSerbift über bie ße^re ber ©d^meizer au^gefprodjen Ratten, 
fonnte für biefe öoüenbs feine ?{u§fic^t auf @ntgegen!ommen üon 
@eite ber ©egner beftet)en. 2)ie§ t)ielt Suüinger (Ealüin unb 
S3eza entgegen, at§ biefe im 3af)re 1557, in ber 5(bftc^t, für bie 
bebrängten (Soangelifd^en 5ran!reid)§ oon ben beutfdjen ^ro= 
teftanten Unterftü^ung z" gewinnen, geneigt waren, biefen ein 
Sfleligionlgefpröd^ ZUZ^igefte^en. 

S)er Sßirtuofe ber ÜieIigion§gefpräd^e war ber ©tra^burger 
2;^eoIoge 3JJartin 93u^er, bie feltfame SSerbinbung eine§ tiefen 
9}?enfc^en unb ®enfer§ unb eine? begabten, unenbli«^ rüf)rigen 
2)ipIomaten. @r I)iett fid^ berufen, bie eöangelifd^en ßirdien, 
Welche burd^ bie 5lbenbmat)lele^re unb perfön(i(i)e 3]erftimmungen 
i^rer gütjrer getrennt waren, z" einigen. S3uninger teilt mit x^m 
ben ©c^merz über ben 'Sii% weldjer burd) bie ^ird)en ber jRe= 
formation ging, onertannte bie 9f?einf)eit ferner SJJotiöe, allein bie 
S5etriebfomfeit be§ (Stra^burger§ war i^m unangenefjm unb feine 
©efc^meibigfeit un^eimlid). (Sr meint einmal, 53u|er tue beffer, 
in feiner 53eruf§ftenung z" arbeiten, ftatt unrut)ig in ber SBelt 
umf)erzureifen. (gr fürchtete feine Überrebungefunft unb nic^t 
o^ne ©runb. Satföd^üd^ fjaben bie UnionSbemü^ungen 33u|er§ 
wenig erreicht, wa§ Sßutlinger erfreuen fonnte. ®ie innere ®nt= 



89 

äiüeiunfl ber Serner tirc^e, bie (Sc^lräcf)iing ber 33Q5lerij(f)en, bie 
ßurücfbrängung ber fc^ioeiäerifdjen 9fieformation in 6übbeutfcf)(anb 
n^aren großenteils fein SSerf. Unb bofe 58u|er§ „Soncorbie" mit 
ßutJjer unb feinem Greife, »elcfje aii^ ber gttJiefac^en S)eutbarfeit 
eines 2Borte§ rufjte, ^öuflinger einen peinlichen ©inbrucf mad)te, i[t bei 
ber marfieit unb 2[ÖQf)ri)eit feine§ e^orafterS felbftoerftänblid), läßt 
fid) überbieg au§ mef)rfac^en.51nbeutungen feiner ^Briefe nac^n^eifen. 

5lber n)a§ tat benn ^SuIIinger für bie Bereinigung ber 
^irc^en? (Sr njar ber Slnfic^t, bie Union muffe baburc^ an« 
gebahnt merben, ha^ man ficE) auf beiben «Seiten überzeuge, man 
fei in ber §auptfarf)e ein§, unb ba§ man, mit Übertoinbung aüer 
Seibenfc|aftlid)feit im 5ßertel)r, fic^ gegenfeitig anerfenne. ©r 
glaubte, ta§: ttjerbe beffer erreicfjt burc^ 2)rucffc^riften unb Sriefe, 
al§ burc^ 9?eIigion£gefpräd)e, bei benen gar leicht 9f?ec^t{)aberei 
unb (S^rgeig bie beften 5Ibfid)ten gerftörten. (Sin großer %t\[ 
feiner SSeröffentIid)ungen fte^t im ®ienfte biefer Seftrebung, in§* 
befonbere bie furzen S)aTfteIIungen be§ eüangetifc^en Ö5(auben§, 
öon benen er me'^rere öerfaßt f)at. SSibmungen an dürften, 
@tabtobrig!eiten, einflußreiche ^erfönlicf)feiten oerfolgen benfelben 
^mec!. @§ ift feine Slbfid^t, eine möglic^ft oerbreitete öffentlicf)e 
ajJeinung ,^u ©unften gegenfeitiger 3lnerfennung gu erzeugen. 
(£§ ift bie§ fo §u fagen ein republifanifc^er SOBeg. ®aß e§ auf 
(utf)erifc^er ©eite f^anatifer gab, meiere biefe feine ©emüt)ungen 
burcf) (Srttjirfung obrigfeitIicf)er 58erbote gegen feine ©diriften 
Iat)mlegten, ^at i^n auf§ tieffte gefcfjmer^t. 

^niifcfien ben fc^toeiäerijctien ^ircf)en beftanb bie ®inf)eit in 
ber ©ac^e, auf bie e§ Suüinger allein an!am. Snt fünfte be§ 
5lbenbmaf)I§ fanb fie im 3a^re 1549 einen öffentlichen 5(u§brucf 
burc^ bie ^üri^er Gonfensformef, toetc^e Saloin herbeigeführt tjatte. 
3)iefer öermoc^te e§, bem Slbenbma^I auf ©runb ber fijmbolifc^en 
Raffung eine reichere religit)fe ^öe^ie^ung ^u geben, a{§ el inner- 
halb ber 3it)ing(ifcf)en 3:rabition möglich n)ar. S3uIIinger fonnte 5U= 
ftimmen, ta tyti ber geiftige S^arafter ber 9fteIigion, melct)er if)m bei 
ber lutfjerifc^en 2et)re gefö^rbet fcf)ien, öoKfommen gewahrt ftjor. 

®ie Haltung SuUingerS in ben (Streitigfeiten mit ben 
£utf)eranern ert)öt)en hie ©oc^acljtung für ben trefflicf)en SJJann, 
beffen geiftige 93ebeutung n)äcf)ft, je nö^er man tt)n fennen lernt. 



90 



5. ^Cl1ÜttUc^C!§» 

©oel^e t)al eitlem ^ürc^er ®ei[tltc^en be§ 18. Sa^rf)unbert§ 
t)Q§ jc^öne ßeiigniS gegeben, er gef)öre §u ben feltenen 9J?enjd)en, 
beren äußerer 33eruf mit bem inneren üoüfommen übereinftimme. '9) 
S)iefe§ 361^9^^^ gebührt in nic^t geringerem Wa^t bem ^ürc^er 
©eiftlic^en be§ 16. Sa§t^unbert§, öon mel(i)em bieje 93Iätter 
l^anbeln. SuIIinger war Pfarrer burc^ S^üturanlage unb au§ 
fittlic^em SBillcn. @r bradjte für jebe ©eite biefer Serufgftellung 
ungemöf)nlirf)e gät)ig!eiten unb eine gemaltige Energie mit unb 
öerftQub bie Slufgabe be§ geiftüc^en 2lmte§ in einem großen ©tile. 
@§ gab feine Betätigung feiner unenblid) oftioen 9^atur, roeliiie 
er nid^t ben religiöfen unb fittlid^en ^kkn feine§ 33erufe§ ein= 
georbnet f)ätte. 

SSor allem gilt taSt t)on ber Strbeit feiner g^eber. Seine 
Briefe, meMje äufammengenommen feine S)rucffd^Tiften an Umfang 
bei tt)eitem übertreffen, finb burdimeg geiftliii)e Unterrebungen, 
ha§ geiftli(f)e in jenem n^eiten ©inne üerftonben, mo alle S(n= 
gelegenf)eiten be§ ß^riften unb be§ 9fteid|e§ ®otte§ baruntcr fallen. 
2)a§ 9f?eligiöfe unb (Sittliche bebeutet nämlid| für bie 3Jiänner ber 
fReformation§epo(f)e in feiner SBeife eine Verengung be§ £eben§, 
fonbern e§ get)t it)nen auf ber §üt)e biefer SJJotiöe erft ber ©inn 
für ha^ allgemein =menf(i)Ii(^e auf. BuEingerS üerbffentlidjte 
©(f)riften fc^tie^en fid) gum guten Xeil unmittelbar an feine geift= 
ticken SlmtSfunftionen an, insbefonbere bie ^ rebigten unb bie 
Kommentare. 2)ie ^rebigten, meift in grii^eren ©ammlungen 
erfd)ienen, öermittetn ta^^ gefprodjene SSort be§ Kangelrebnerg 
einem meiteren Greife. ®er |)erauegeber t^at fie bemgemä^ ber 
inbioibueüen ßüge entfteibet. SJJit einigen Sammlungen möcfjte 
er aud) ungeübten ©eiftlic^en bienen, li>€ld)e ftd) an 9iJ?ufter= 
prebigten ^u bilben münfdien. Slnbere mie bie beliebten t)unbert 
^rebigten über bie 5Ipü!att)pfe be§ Sof)anne§, meiere urfprüngüd^ 
lateinifd) herausgegeben, bann aber in§ ©eutfc^e, gran§öfifd)e unb 
@ngtifd)e überfe^t mürben unb bie noc^ ga^Ireid^eren über ha^» 
S3ud) be§ ^ropfjeten Seremia entf)ielten fortlaufenbe Bibeterflörung 
in lofem Sf^a^men. S)ie 3^orm ber ^rebigt bot bem ©d^riftaul* 



91 

leger ben 33orteif, ha^ er fic^ im Snterefje ber ©rbauung öom 
unmittelbaren ©ebanfenfreife feinet Ze^U§> entfernen burfte. 

Sn ben Kommentaren üermei)rt fi(^ Söuüinger bie«. (Sr 
folgt f)ier bem äl^orttaut unb ©ebanfengang ber (Sc£)rift genau, 
in ber 2lbfid)t ben X^^t nad) g^orm unb Sn^alt bem SSerftänbniS 
ööüig 5u erfc^Iiefeen. 9J^an mirb an ben Unterfd)ieb ber ^omilien 
unb Kommentare in ber alten Kirche erinnert. SuIIinger ^ielt 
bie 3)ätte ^mifc^en ben fnappen g^uBnoten, mit benen @ra§mu§ 
ben (£(f)rifttei-t begleitete, unb ber entgegengefe|ten SO'Janier 2(nberer, 
melcf)e it)re Kommentare mit bem Sn^alt i^rer ^rebigten be= 
fcfimerten. 90ieland)tf)on rüt)mt ba^er, ha'B er beim 2;ejt bleibe. 
2)ie mel^rfacfien 9Zeuauf(agen, meldte biefe Publikationen SuIIinger§ 
erlebten, geigen, ha'^ er ben rid^tigen SSeg eingefd^Iagen t)at. Sn= 
beffen öerbanten fie i{)ren (Srfolg nid^t b(?§ i^ren formellen SSor= 
äugen. 3)er 5tusleger übt feine Kunft, ©cfirift burc^ ©c^rift gu 
erflären, meiftertid). 2)er 3nt)a(t, an bem it)m allein gelegen ift, 
empfängt Sic^t au§ analogen ©teilen, ©ebanfen, Situationen ber 
93ibe(, in §meiter Stnie auct) ber Kir(f)enoäter, enblic§ ber ^rofan= 
fc^riftfteKer. 2l(fe§ mirb auf biefe SäJeife lebenbig unb mai)r. S)ie 
9Sorau§fe^ung, ha^ bie t)eilige @(i)rift §u jeber (i)eneration fprid^t, 
mirb fo praftifd^ bemö^rt. S)o§ ber ^^e^-t ba§ grembe unb g^erne 
öerliere, um bem Sefer na{)e gu fommen, fein eigen §u merben, 
ift ha^^ ^ki, me((^ea ber (Sfeget SuIIinger ficf) fteUt. @§ ift fein 
anbereg als ba§> be§ ^rebigerS 93u(linger. Unb mie biefer meniger 
ergreifen möcf)te al§ überzeugen, burcf) 2Bat)r^eit gur ©emi^^eit, 
nic^t burt^ @emiBt)eit §ur 2Bat)r^eit fü^rt, fo fäUt aud^ bei ber 
S3ibelerf(ärmig ber Dlad^brucf auf ha§ 95erftänbni§. S3ei blo^ 
t^eoretifd)eu ^rage f)ält fic^ bagegen SuIIingerS ©i'egefe nictjt 
ouf. Über bie jemeilen richtige £e§art lä^t er fic^ gerne öon 
(Sra§mu§ beletjren, über ben Slutor einer ©d^rift gu bisputieren, 
überlädt er benen, bie mef)r il^re DZeugierbe al§ i^x frommeg S3e= 
bürfniS §u befriebigen münfd^en.^f) 3mmerl)in ift e§ i^m nic^t 
unmid)tig gu beachten, bafe Sof)Qnne§ bie 2)ofeten, Seftreiter ber 
menfd)Ii(^en ßeibüc^feit Stjrifti, §u ©egnern tjatte, meil baburcf) 
auf einzelne feiner ©teilen 2icf)t fällt. Ungefd)eut geftet)t er, ta^ 
er fid) bie 5Irbeiten SInberer gu 9iu^e gemad)t I)abe, aber eine 
bloBe Kompilation au§ anberen ei-egetifd)en Söerfen finb SuIIingerä 



92 

Kommentare bur(f)au§ nicf)t. 5lu(i) ba§ i[t anerfennenStüert, ba^ 
er fid) ni(f)t o^nt meitere§ an eine ber beftetjenben Sibetüberfe^ungen 
angef(^toffen {)at fonbern ben grierf)tf(i)en unb ^ebräifd^en Xeyt 
in eigener g^affung miebergibt. Snlünger bearbeitete fo faft alle 
i8ü(fier be§ neuen Xe[tamente§ unb einen 2^eil be§ alten. (Sinjelne 
©tütfe feiner Kommentare finb i^re§ betetjrenben ober erbauüd^en 
ßf)arafter§ tt)egen feparat herausgegeben n^orben, fo ba§ 2. Kap. 
be§ 2. Briefes an bie X^ef]atonicf)er, mo S3utünger mie in ben 
^rebigten gur S(po!eIt)pfe bie öffentüdjen 3^^toer[)äItniffe im 
^inblicf ouf iia§ (Snbe ber 2Be(t au§ ber t)eiligen @(f)rift be- 
leuchtet. Stnbere ©rjeugnifje feiner überaus fleißigen ^^eber, ttjie 
bie „©umma ber djriftlicfjen Sf^etigion" unb bie „Katec^efi§" 
bienen bem {)öt)eren Unterri(f)t, mieber anbere ber Söegrünbung 
unb SSerteibigung ber eüangelifc^en SSa^rtjeit unb Kirche gegen 
3JJi^beutungen ober Angriffe. 3n jenen polemifc^en (Sd)riften, 
bie Sutlirger gegen Katt)oIifen mie (SorfjIeuS ober gegen Suttieraner 
mie Sren^ unb 5tnbreae gerid)tet tjat, i[t i^m bie Segrünbung 
unb S3efeftigung ber SSa^r^eit immer n)ict)tiger ol§ bie 58efiegung 
be§ @egner§. 

Sn einer gettjiffen ©elbftänbigfeit gegenüber bem 5lufgaben= 
frei§ be§ djriftlid^en SlmteS fte'^en 53uninger§ ^iftorifdje Strbeiten. 
©ie finb (Sräeugniffe feiner Tlii'^e. ©cf)on in Kappe! fc^rieb er 
eine Sef^reibung ber Kird)e unb be§ KlofterS. 9Jlanc^erIet 
f)iftorif(^e (Stoffe befd)äftigten i^n fpöterf)in, 5. 35. eine ©efc^ic^te 
ber ^äpfte, ba§ SSidjtigfte aber finb feine SBerfe gur ©d^ttJeiger* 
gefd)ic^te, unter benen bie ©arfteünng ber jürc^erifd^en Sf^eformation 
oon 1519—1532 bie erfte (Stelle einnimmt. „§ll§ ^tugen^euge 
unb 9Jlitt)anbeInber, in einer Stellung, bie it)m ben ßutritt §u 
ben beften unb ben amtlichen Ouellen nerfdjaffte unb einen grünb* 
Iirf)en (Sinbtid, auc^ in bie größeren 3Ser^äItniffe ber SSelt unb 
be§ 2eben§ ermöglid^te, ^at 33ullinger {jiet ein SSerf gefd)affen, 
njetdjeg eine unfc^ä^bare Ouette für bie ®efc^id)te biefer (Spod^e 
ift.''»») ®ie firc^lidie SebenSftellung be§ SSerfaffer§ t)errät fid) 
jeboc^ and) t)ier. S^iic^t at§ mären bie Xatfad)en burc^ ben 
^45arteiftanbpun!t getrübt ober gar entftettt, öielmefir ^at Suüinger, 
„fomeit e§ bie bamatige ^otemif geftattete, aud^ bem ©egner 
(5}ered)tigfeit miberfafjren laffen." SBot)t aber muB in feiner 



93 

§anb bie ©ejc^ic^te ber Ü^eformotion gur SSerteibigung ber 'Sit' 
formation tüerben, ebenjo mad^en firf) bie religiöfen unb ett)if(^en 
3}?otit)e fetner ®efc^id)t§auffaffung geltenb, hü§> reügiöfe, tronad^ 
bie 5[BeIlgeid)id)te bog 2Bettgeri(i)t i[t, unb ha§ et^ifd^e 2e6en§= 
ibeal. 2)ie§ gilt aud) öon ben gan^ öereinjetten aber njertooüen 
3)id)tungen S3uIIinger§. ^JJeben bem ©ebetslieb: „O f)eitger @ott 
erbarme bid)", toeld^eS er unter bem (Sinbrud ber 9ZieberIage oon 
Pappel üerfü^te, ift bejonberS tü§> im Qa^re 1526 gebid^tete 
„©piel üon ber ebeln SfJömerin Sucretia unb bem ftanbtjaften 
S3rutu§" 5U nennen. 3)a§ ©tüd, n)eld)e§ ot)ne SBiffen be§ SSer= 
fafferS in S3afel gebrudt unb aufgefütjrt ttJurbe, iHuftriert bie 
9lotmenbig!eit einer guten, gerechten Obrigfeit unb befämpft ben 
©ölbnergienft. @in SJenner*'-) rüt)mt bie fd)arfe ßfjaratteriftif 
ber 3^iguren unb bie bramatifd)e 5lnlage iiub ©iftion be3 ©tüde§. 
„SSuHingerS £ucre§ia unb S3rutu§ get)ört jum 3:refftid^ften, tt)a§ 
bie ©c^meig neben SJJanuel im 16. Sa^r^unbert an S)ramen be= 
fi|t." Sie güllung mit bem flaffifc^en Slltertum f)at er auc^ 
fpäter nic^t üerloren. Sei feinem öorpgUd^en Ö)ebäd)tni§ — bie 
ftneibe mu^le er ganj austoenbig — begleiteten i^u bie ©d^rift= 
[teuer, bie er in feiner Sugenb gelefen |atte, burd)§ gange Seben. 
(gr f)at aber aud) bann unb njonn auf§ neue nad^ it)nen ge= 
griffen, fon^eit feine au^erorbentlid) angefüllte ^ät e§ geftatten 
mochte, ein S3a§Ier greunb muB i£)m im ^ai)xt 1549 bie 
(5alt)ren be§ ^$erfiu§ beforgen. Sine feiner Siebijabereien, öietteid^t 
bie einzige, bie er befa^, toax bie (Sammlung antüer 9JHingen.^3) 
©eine §auptle!türe bilbete natürlich bie 53ibel, gerne oerfenüe er 
fid) immer lüieber in bie Äir(^enöäter, mät)renb er nid)t ben 5ln= 
fpruc^ mad)t, mit ber t^eoIogifd)en Literatur feiner ©egenmnrt 
auf bem i^aufenben ju fein. (Sterbenb tröftet er fid) unb feine 
greunbe mit 53ibeImorten unb §l}mnen be§ ^rubentius.^^) 

Sntime Slide in S3utlinger§ &ben gemätjrt fein ©iarium,^^) 
n)eld)e§ felbftberftänblid) nid)t für bie Öffentlid)feit beflimmt ttjar. 
(£§ begleitet mit feinen mödjentlic^en ober bod) monatlidjen S(uf= 
5eid)nungen feinen gangen SebenSlauf. 2)er Pfarrer unterläßt 
nid)t, bie S^ejte feiner ^rebigten, menigfteng fummarifdj, angu= 
merfen unb bie S^itel feiner SSeröffentlidjungen aufgufüfiren. S)ie 
©reigniffe in ber g^amilie, Geburten, Xaufen unb ^ateufdjaften. 



94 

heiraten, 2obe§fälIe iinb bie poetifcfien S^ad^rufe an bie S^erftorBenen 
finb mit treut)eräiger QSoüftänbigfeit öergetci^net. Sntereffant finb 
bie 9^amen ber 03ä[le au§ ollen Sänbern, §um 2;ei( üon ^öd^[tem 
Sf^ottge, tuettfie in t)a§> ^forr^auS ©roBmitnfter famen, um ?In= 
gelegentjeiten be§ ®Iauben§ unb ber ^ir^e mit Sullinger §u 
befprecfien. SSon il)nen [inb ^u unterfd^eiben bie ^eIigion§= 
flü(^tlinge qu§ Stauen, ®eutjd)tanb, ©nglanb, meiere ni(f)t feiten 
mit i!)ren gangen gamilien auf unbeftimmte ßeit ©aftfreuubfc^aft 
genoffen, unb bie ^enfionöre, bie um il)rer (Stubien miüen 
in 3^^^"^ meilten unb öon i^m ^riöatunterrid^t ert)ielten. 
SlucE) ber ^Ferienaufenthalte ift md)t öergeffen, bereu ber Seiter 
ber ^irc^e ^^^^i^^ ^^^ f^^^^^ ungef)euren 5trbeit5la[t beburfte; 
ba§ eine SJJal ging er, begleitet oon einigen greunben, in§ 
Sab Urborf in ber 'iR'd^t ber (gtabt, anbere 9J?a(e mit feiner 
g^amilie na^ ®et)renbab im äürd)erifrf)en ©ebirge. S)en §eim= 
te^renben ef)rten bie greunbe unb ber 9}iagiftrat mit @e» 
fdjenfen, bauptfäc^Iicf) fitbernen Sed^ern, nact) ber (Sitte ber ^eit. 
©elbftöerftänblic^ ermö^nt ba§ 2;agebud^ bie ^ianft)eiten, meld)e 
in S3ulliiiger§ §au§ ein!el}rten, insbefonbere bie ^eft im 3at)re 
1564 unb 65, meldje bie ,g)au§mutter unb brei 2öd)ter f)inmeg= 
raffte unb auc^ ben .^üu§t)errn auf§ Ä^ranfenloger marf; miber 
aUeg (Srmarten ber 3trgte gena§ er. Sinen breiten Sftaum im 
Diarium nef)men bie politifd^en ©reigniffe ein; ber 53er(auf be§ 
frangöfifd^en 9fleIigion§friege§ mirb faft lürfenloS, mie in einer 
St)rx)nif, befdbrieben, ebenfo ber Ä'ampf ber 9JieberIonbe gegen ben 
^ergog Sllba. S)a§ |)er5 be§ SSorftet)er§ ber §ürd)erifd)en ^ird^e 
!ämpfte mit für bie ©ai^e ©otteg unb ber greifjeit. 3^^^^^^^^ ^^^^ 
im ßufammentjang mit ben I)iftorifd)en (Sreigniffen ber „^^^^^^^^ ^^ 
§immel" gebad)t. (£r tobett, ba^ 9}?eIand)tt)on an ?lflroIogie glaube, 
etma§ gemiffeg taffe fid^ nid£)t au§ ben ©ternen fc^Iiefeen, aber bie 
5lometen finb if)m bennod) 2Ba{)r= unb äl^al^njeidien, bie nid^t 
unbead)tet bleiben foüen. ©eltfam f)eben fid) öon ben 9}?itteilungen 
über bie großen SBeltereigniffe, bie breiten ^lufgeidjnungen über 
ha§> SSetter unb bie ftatiftifdjen 5lngaben über ben ^rei§ ber 
Ianbmirtfd)aftlid^en ^robufte ab. §ier f(^reic^t ber D^iaturfreunb, 
aber audf) ber Öfonom, ber fein ©alarium in 9'iaturalgaben 
erhielt. 3n einer SSegie^ung täufdjt hü§: Xagebuc^. (£g gönnt 



95 

un§ aud) nidjt ben flüd^tigften 93ücf in ha^ innere Seben be§ 
5ßerfaffer§. @5 i[t eine 9J?ateriaIfamm(ung öon äf)nlitf)er Objef- 
tioität, roie btejenige geföefen fein mag, njelrfje er wä^renb öierjig 
3aE)ren für feine f)eIoetifcf)e @ef(f)irf)te jufammentrug. Wan 
fann fic^ feinen größeren ©egenfa^ §u 5(uguflin§ Äonfeffionen 
benfen. 

SuHinger gehörte §u benjenigen DIaturen, ttjeli^e i^r ©emüt 
üerfiüHen; njtll man e§ belaufeten, muB man fic^ in ben Briefen 
an bie ^reunbe umfel^en, tt)o e§ gumeilen ungeahnt f)eröorbri(^t. 
Stm unbefangenften muB e§ fic^ im Greife ber eigenen gamiüe 
geäußert §aben. 

9}?an erwartet bei Sfleformatoren ein ibealeS Familienleben. 
2(urf) bei SuHinger täufdjt biefe ©rmartung nii^t. S3on feiner 
©attin ift befannt, baB fie ben 2)rang woglgutun mit ifjm teilte. 
@ie fd^rieb in feiner 3trt unb in feinem ©inn an etjemalige 
^auggenoffen, SSermanbte unb ^inber ma^^nenb, tröftenb, ^um 
©ottoertrauen ermunternb. @lf ßinber entfprangen ber (S^e, öon 
benen jebod) nur 3 Sö^ne unb 4 Xöcfiter ba§ ermadifene Filter 
erreidjten. 2)ie 2 älteften <SöJ)ne mürben ©eifttic^e, ber britte 
trat in bie ®ienfte be§ Sanbgrafen üon §effen unb fam auf 
einem ^riegsjug gegen g^ranfreic^ um. Sie %'öijkt öer^eirateten 
fid) mit angefe^enen 9}?ännern. ®ie 2{)eoIogen Saöater, ©immler, 
^mingli, ein ©o^n be§ 3fteformator§, mürben feine ©d^miegerfi3^ne. 
Sffiie ein ^atriarc^ mattete er unter ^inbern unb ©nfeln. S3ei 
feftli^en $ßeranftaltungen im |)aufe trat auc^ ber §umor ^u 
2;age, meldjer bem fad)Iid)en SDxanne fonft nid^t eigen mar. 5)ie 
i3fonomifd)e Situation ber gamilie mor befc^eiben. SuUinger§ 
SSater t)atte fein anfetjnli(^e§ ä^ermögen in ben ÄriegSmirren ein= 
gebüßt unb bie unbegrenzte §iitfsbereitfd)aft be§ Pfarrers am 
©ro^münfter mar nid)t ber SSeg, um (S(^ä|e p fammeln. 35er* 
möglidie ^reunbe, bie er fic^ gu S)anf üerpftic^tet ^atte, üer= 
fäumten baf)er nic^t, it)m mit @ef dienten beijuftefien. dagegen 
^at er mandje reii^e unb foftbare ©oben, bie au^Iönbifd^e g^ürften 
unb ©tanbeSperfonen it)m in 5(nerfennung geleifteter 2)ienfte §u= 
ftellten, gurüdgefaubt, mit ber Srüärung, ha'^ ba§ jürd^erifc^e 
@efe| bie Slnnafjme au§Iänbifd)er ^enfionen üerbiete, unb bafe er, 
ber grunbfä|(id)e Sefämpfer be§ ©ölbnerbienfte§, fid) nidjt bem 



96 

©djein augje^en bürfe, qI§ beanfprucfie er für fic^ eine 5lu§nat)me. 
Sn einzelnen güllen !onnte i^n fcer W.at beftimmeit, ©oben an= 
3unet)men. 

(Sin SJJann öon jo liebeooüem, treuem ©inn n^ie S3ullinger, 
mufete njarnte greunbe |aben. SSir n)ifjen, mit lüelc^er Siebe bie 
©nglönber, met^e bei it)m gett)efen njaren, unb bie jungen @eift= 
liefen 3üri(i)§ an it)m l^ingen. SJJit ber ßuneigung üerbanb fid) 
bie et)rfurrf)t§öone ®anf barfeit für ba§, ma§ er ben (Sc^ttjeijer 
5lird)en unb ber eüangelifcl)en ^ircfie überhaupt n)ar. ©§ fommt 
lro| be§ feierlich antifen @ti(e§ au§ bem ^er^en, ujenn fie i^n 
bie ßierbe (SuropaS, bie Hoffnung §elt)etien§, ben SBagenlenfer 
ber Äird)e ber @egentt)art nennen. ^I§ ber f(i)on tot geglaubte 
t)on ber ^eft genaS, ha \d)xkh ber treutjergige Ä'e^Ier öon ©t. ©allen: 
„mir bract)en greubentränen au§ ben 5(ugen bei ber '^adjxid^t" 
©ntftanben ja unter $8ullinger§ greunben SDifferenjen, \o toav er 
ben alle liebten unb üeretjrten, ber berufene unb aud^ meift 
erfolgreiche S3ermittler. S)ie ßii^f^^r greunbe fat) er jutoeilen 
bei bürgerlichen g^eften, an benen ber n)eItoffene, etjrbarer ©efeüig» 
!eit nid^t unljolbe, gerne teilnat)m. 

(Srftaunlicf) ift ba§ 9J?aB üon Slrbeit, melc^eg er gu bemöltigen 
termodjte. (Sr fjatte teil an ber 5trbeit§fraft ber 3)Zänner be§ 
fRenaiffance* unb 9ieformation§5eitaIter§. ©ennod) !ef)rt nic^t 
feiten ber ©euf^er njieber: ic^ erliege faft unter ben ©efc^äften. 
<Sc£)U)erer al§ bie SlrbeitSmenge brüdle it)n bie SSeranttüortuug, 
bie mit bem SSad)fen feines (SinfluffeS immer größer mürbe, 
unb ber SBiberftanb, ber feinen beften 5Ibftc|ten namentUd) öon 
Iutl)erifc^er ©eile entgegentrat, ©ein uubebingteS ©ottöertrauen 
ftör!te it)n. 

SSar Snüinger ein§ mit feinem 93erufe, fo mar er oud^ ein§ 
mit fid^ felbft. tiefer 6t)arafter mad)t in f)ot)em Tla^t ben 
©nbrud ber @efc^Ioffent)eit, ©ic^ertieit, l^eftigfeit. (Sin rut)ige§ 
^Temperament mod)te mittjelfen, aber ber ftar!e SSille ber <SeIbft= 
be!t)errfd)ung fam ^inju. S)ie t)o^e ©eftatt mit ben feinen ßügen, 
bem rut)igen fidleren 93Iid unb bem ftattlic^en 95oIIbart, mie alte 
'Silber fie un§ üor Slugen ftellen, madjte ben (Sinbrud be§ ebel 
9}?ännlic^en. 2)ie Sl'eulenfd)läge ßut^er§, mie bie (55eiBeIt)iebe SalöinS 
maren unter feiner SBütbe. (£r f)at ben (enteren einmal in feiner 



97 

ernften utib freunbücfien SSeife barauf aufmer![Qm gemacht, bafe 
Seibenfd^aftlidjfeit nie reine ©iege erfedjte. 

®ie @int)eit Suüingerg mit ficf) felbft beftätigt fid^ bei einem 
ÜberblicE über fein hieben. @r ift, folange n)ir i^n fennen, aüe^eit 
berjelbe. 2)er 20 jährige „©^utmeifter" öon Pappel, ber bie 
:^eilige ©c^rift ouglegt, 2e^r= unb 3:ro[tbriefe fc^reibt, fic^ on 
ber Slatur unb an @efd^id)t§ftubien ergö|t, bef(i)eiben ober frei= 
mutig mit ©röteren, liebeöoll unb liebenSmürbig mit (S}Iei(i)= 
gefteüten unb unter xt^rn (Stet)enben t)er!ef)rt unb tt)ie oon felbft, 
ol^ne Äompt unb Särm bie Ü^eformoiion be§ ^lofterS herbeiführt, — 
ha§> ift fd^on ber gange SöuHinger, mie er in ben 2;agen feines 
größten öffentlid^en 2Bir!en§ an ber ©pi|e ber gürdierifd^en ^irc^e 
öor un§ ftef)t. 3^^^^ fonnte bamalS teinen unfertigen 9J?ann 
braud^en. Sn ber gefc^idjtüd^en Slufgobe, bie if)m ^ufiel, toax 
jene ©infjeit be§ SßefeuS feine grofee unb ^eitfame Äraft. 2)ie 
©mpfinbung be§ ^roöibenäieüen bröngt fid^ auf. 

9^idf)tet man jebod^ ben 33ticf meiter, fo ert)eben fidfj S3eben!en. 
5I(§ Sullinger ben @d^aupla^ öerlie^, l^atte ßürid^ bereite feine 
füf)renbe (Stellung in ber fdimeigerifd^en 9f?eformation on ®enf 
abgetreten. Suüingerg me^r al§ üieräigjäfjrige» SBir!en !^ot bie 
Äird^e ^üi^icf)» nid^t baüor ben)at)rt, allmät)tid^ in 2)o!trinari§mu§ 
unb @efe|Iid^feit gu üerfinfen. 2Jfan mirb biüiger Söeife ermögen, 
ta'Q bie fojiale ©eftalt be§ eüangelifc^en 2eben§, bie ^n^inö^^ 9^' 
fd^affen f)atte, ju innig mit ber repubtifanifd^en ©taatsform üer* 
roac^fen mar, um auf anbere Sauber übertragbar gu fein. SO^an 
mirb fid^ fagen, ta'^ ©rfaltung unb 8SeröuBerIirf)ung be§ religiöfen 
Sebeng met)r ober meniger haS^ ©d^icEfal aller 9^eformation§f ird£)en 
gemefen ift. Unb man mirb finben, baB e§ ungered^t fei, an 
einen äJienfd^en ben abfoluten DJIafeftab legen gu moUen. greilic^; 
aber menn ein S3Iic£ auf 93ullinger§ ©d^ranfe un§ im 9Serftänbni§ 
feinei SSefenS p förbern öermog, fo mirb er nid^t unberechtigt 
fein. 58uilinger§ ®rö^e liegt auf bem fittlid)en ©ebiet. (Sr fte^t 
in feiner Qtxt a{§> eine Tlad)t be§ (SrnfteS, ber 2ßa^rt)eit, ber 
Siebe unb al§ ein Seifpiel treuefter Eingabe an eine ibeale Sluf= 
gäbe. @r ift einer ber ebelften Sf)aro!tere feinet Sa'^i^'E)unbert§. 
So§ ©c^meiäeröol! e!^rt if)n at§ einen feiner beften SRönner. 
9^id()t ebenfo grofe ift aber feine religiöfe ^Sebeutung. ©r gcf)ört 

ü. £c[;u[t[;ej; = Dierf)tier(3, ijeiiirict) i5iiUiiiger. 7 



98 

nic^t ^\i jenen 5Iu§ern)ät)Iten, bie au§ ben S^iefen neuen ®ott^ 
erlebend ben 9?Jenfd)en unerjdjö|)flid)e 2eben§mottoe, ^'räfte, bie 
burcf) Saf)t:^unberte fortoirfen, ^u f(^en!en öermögen. 

3n ben Ie|ten ^aljxm fetne§ ßeben§ irar SuIItnger oft öom 
©efü^t ber SBereinfamung gebrütft. S)ie S^n^m ber er[ten großen 
^age ber 9fieformatton h)Qren olle öor i^m bofiin gegangen. 
Slrbeit ^ielt it)n frijc^. Slüein ein ©teinteiben, ba§ öon 1566 
an in ßtoifcfienräumen immer mieberfe^rte, bereitete it)m öiele 
©djmergen unb ^t^xtt an feiner ^raft. S)ie Siebe ber (Seinen 
unb bie g^ürforge feiner jüngften Zo&jkv, roeldje bei itjm geblieben 
mar, erljeiterte fein te^te§ Sager. S(m 26. Sluguft 1575 öer* 
fammelte er bie ®eifttid)en ber @tabt unb bie ^rofefforen ber 
X^eotogie, um öon ifjnen Slbfc^ieb ju nehmen, bem SRat fonbte 
er feinen legten ®ruB fc^riftlic^. 5Im 17. September öerfdjieb er. 



^Inmerhuujeit. 



1. (@. 1). ^onrab 5ßeQtfan d^rontfon üon 15ii. §crau§gcgeBcn 
uon e. Siiggenbacö. ©. 124—125. 

2. (@. 1). §. SuHinger Iiat feinen 2eben§(auf felbft ffisgiert in 
feinem S!iarimn, haS^ eBen je^t Don ^rof. Dr. ©gli ^er ausgegeben tüirb. 
2n§ 2lnf)ang ift btcfer ShilgaBe bie Vita, eine fürgere autobiograt.V[)ifdK 
Slufgeicönung, beigefügt. 

3. (8. 1). ^adj §. 33uainger§, gtefortnattongc^ronif. 1, 16 ff. 

4. (@. 2). Über SoI)anne§ SuIIinger fiefie 5ßrof. Dr. (Sgli, Analecta 
Reformatoria. güric^ 1901. II, 161 ff. 

5. (@. 2). Über bie ©c^ulc ju ©mmericft unb bie llniberfiiät töln 
orientiert im ^ufflnimenfiang mit 23ullinger§ Jhtfäeidjnungen (Jarl trofft 
in ben ^Beiträgen 3ur nieberr^einifc^*meftfälifc!öen tirc^en=, <Sd)nU unb 
©ele^rtengefcöic^te. ©Iberfelb 1870. 

6. ((5. i). 2tn atubolf Stfper, 30. S^obember 1523; im 5lu§3ug hd 
(5. $|3eftaIos3i, §etnricö SuUingerS Seben. ©.28 ff. 

7. (@. 9). ^ßon bcm unüerfc^anipten fräfel, ergerlicf)cm bernnrrcn 
unb unmal)r^afftcm leeren ber fctbSgefanbten aiMbcrtäufern btcr gcfprädj 
23üd)er 5U beriuarnen ben einfalten. 1531. 

8. (©.10). Slbgebrucft bei 6. $eftal035i. @. 580 ff. 

9. (©. 11). Ü^erglciif)ung ber uralten unb unfer s^teu tät3erl)en. 
^u toarnen bie einfältigen (5^riften burd} Octavium Florentem befrfjrieben. 
3uni 1526. 

10. (©. 12). 33uÜinger§ 8d)rift trägt ben Xitel: de origine erroris 
in divorum ac simulacrorum cultu 152'J; biefenigc be§ Saftan^: de ori- 
gine erroris. Sediere ift genau genommen feine befonbere ©c^rift, fonbern 
ha§i ätoeite ^ud) ber divinae institutiones. 

11. (©. 12). De origine erroris in negotio eucbaristiae ac 
missae 1528. 

12. (©. 13). 2)er bolfftänbige Xitel lautet: Ser alt ©laub. Xa§ 
ber 6f)riftcnglaub bon aufang ber malt gcliuirt I)abe, ber red)t nmar alt 
unb unge3mt)flet glaub ftje, Ilare bem^fung §einn)c^en ^BulIingerS 1539. 
(9ioc^ bem Diarium ift bie ©d^rift 1537 öerfofet.) 

7* 



100 

13. (©. 14). ^ie ©teile be§ ®ufeBtu§ flnbet ftcb in feiner Sird^en= 
gefcf)irf)te IIb. I, cap. 4 imb Sitllinger l^at fic feiner Schrift: perfectio 
christiana 1551 al§ Slnl^ang betgegeben. @ie legiert mit ben SBorten: 
Si quis homines justitiae testimonio decoratos ab ipso Abrahaino ad 
primum usque hominem ipsis operihus etsi non nomine Christianos 
fuisse dixerit, a veritate certe non aberraverit. 2lbral)am I)atte fd)on 
bie )DaI)re Skligion, nämlidö bie be§ @(auben§, fü^rt ©ufebtuS toeiter au§, 
firf) an ^Paulus aulel^nenb. ®r fdjitefet: Ergo restauratio illa pietatis, 
quae per Christi est nobis tradita doctrinam, nee nova nee peregrina 
sed prima et sola vera est. Ottiert nac^ bem Söortlaut ici Suüinger). 

14. (@. 15). SSon bem einigen nnb eioigen Seftament ober $unbt 
@otte§, §einri)cöen SnllingerS fur^er Seridjt; o^ne 3af)i"e§äal)i, narf) bem 
S)iarium 1535 Derfafet. 

15. (@. 16). Ratio studiorum sive de institutione eorum qul 
studia literarum sequuntur. 2)ie @rf}rift njurbe bon SuHinger 1527 ber= 
fafet, 1532 gab er bag 2}Januffript an SBerrfitoIb ^aüer in S3ern. 1594 
gab S3nninger§ ©c^unegerfo^^n, lUrirf) 3iüi"flH i^ag ^üc^Ietn mit einigen 
eigenen Bufö^en in Srudf. 

16. (@. 16). „Ratio sen mettiodus compendio perveniendi ad 
veram tlieologiam" lantet ber genane Sitel beg „Compendium". 3n ber 
ßeibener (Sragmngauggabc bon 1703 finbet eg |ic^ im 5. 23anb, @. 75ff. 

17. (<3. 16). ®ie Paraclesis i. e. extiortatio ad christianae philo- 
sophiae Studium in ber Seibener Sluggabe beg ©ragmng, V, 138 ff. 

18. (©. 17). Zwinglii opera, I, 268. 

19. (@. 19). ajfelandjtljong Loci lagen bamalg Suüingcr in ber 
1. ?(nflage üon 1521 üor. 

20. (©. 21). Sn einem S3rief an Pr. ©tilä in SÖilbberg in ber 
@immlerfd}en Sammlung auf ber ,3ürid}er ©tabibibliof^ef ; im Sluggug ah= 
gebrueft bei @al. §cfe, (Sragmng in Siotterbam II p. 207. 

21. (@. 21). 3m Kommentar gum S9rief an bie 9iömer bom Sal^r 
1535 äu ^ap. 6. 

22. (®. 22). 2)ie beiben ?lbl)anblnngen über bie Unfreiheit beg 
Söißeng finb niemalg gebrurft morben. @ie ftnben fic^ in alten Atopien 
unter ben ä)fanuffripten ber 3ürtd)er (Stabtbiblioti)ef A 137. Slugsüge gibt 
2llej. @d}lDei3er, 3entr>^li509"'Ctt I, p. 258 ff. 

23. ((S. 25). (Sragmug, Enchiridion militis christiani c. 2.; 
SBuUinger, expositio de omnibus sanctae scripturae libris eorumque 
praestantia et dignitate, eine ber lateinifcben ^üvci^crbibet oom ^dijtc 1544 
alg SJorrebe beigegebene 9lbl)anblung. 

24. (@. 27). De scripturae sanctae autoritate certitudine firmitate 
et absoluta perfectione deque episcoporam functione etc. 1538. 

25. (@. 32). Über bie (Situation 3iii"tii)§ »""^ feine gange @efd)id)te 
aur 3eit ber S!appelerfrtege unterriditct in auggegeid^netcr Söcife §crm. (Sfc^er, 



101 

®ie ©laubenSpartcien in ber ©ibgcnoffcnfc^aft unb U)xc 23c,3ic'^ungcn 5um 
2(u§ranbe in ben Sauren 1527—1531; f^rancnfclb 1882. 

26. (@. 32). „®ic 3"fcörift ber 23crorbnetcn bon bcr Sanbfc^aft" 
bei ®glt, 2(ftenfammlung snr ©efc^ic^te ber 3ürid}er ateforniation pg. 768 ff. 

27. (©. 32). 2tl§ 2)Zanuffrtpt in ber ©immterfcfien (Sammlung, ah= 
gebrucft bei @. §efe, ßebenSgefc^ic^te SuEinger§ I. (S. 128 f. 

28. (@. 33). Dueffe I)ierfür finb bie am 11. 3uni 1532 erfc^ienene 
©treitfcfirift „gegen be§ Söienifcö.en 23ifdöof§ So^anneS Xroftbücfilein" iinb 
23uflinger» Siec^tfertigung über feine Hon ben Stbgeorbneten ber fünf Drte 
beanftanbeten ^ßrebigtcn üom ^esember 1531 ®gli, Siften. @. 772. 

29. (@. 35). Stufeer in ber Streitfc^rift gegen 3o^anne§ g-aber j. 33. 
in einem Srief an ben ^Ibt ®iet^elm üon @t. ©allen nom 2. Suli 1553. 
©taat§arc^iO E II 342. m. 291—292. 

30. (@. 37). 23uUinger§ SSorlage in (5gli§ l'lften pg. 790, 91r. 1832. 
Sa§ ajknbat, n)ie e§ üerijffentlic^t tourbe, ebenba pg. 797 ff., 9ir. 1853. 

31. (@. 38). ßafpar SBir^, (Snnio f^ilonarbi, ber le^te 9hintiu§ in 
3üricö. 3üric6 1894; fie^e 6. 90 ff. 

32. (@. 38). 5:a§ über fyilonarbi, bie 25er^anblungen ?u 23aben, 
ben 9iecöt§tag öon Ginfiebeln unb bie 2?er^anblungen 5mifcf}en bem dtat 
unb ber ©tjnobe in 3üricö mitgeteilt ift 23nllinger§ DteformationSgefcöic^te 
entnommen. III, ©. 329-348. 

33. (©. 38). Suainger§ SteformationSc^ronif, III, @. 337 ff. 

34. (®. 39). (Sbenba, @. 331 ff. 

35. (©. 40). 23uIIinger an aiJi)foniu§, 26. ^-ebruar 1547. ©taat§= 
ard)it) E II 342. 

36. (@. 41). ^^eUifan§ S^ronifon, pg. 136 ff. 

37. (@. 41). @o in De prophetae officio 1532. 

38. (@. 42). 3it ber SSorrebe gum 1. 33anbe ber großen ^5rcbigt= 
fammlung: Scfaben 1549. 

39. (©. 43). »rief be§ So^n 23auf§ an »uüinger, 15. 3JJör,s 1554, 
fief)e Epistolae Tigurinae editae auspiciis Parkerianae societatis I, 
pg. 200 f. 

40. (<ö. 45). 3ladö berfc^iebenen 23ricfcn in ber oben genannten 
©amminng. 

41. (@. 45). 2ln SBabian 2. 3uni 1540 u. 1. öftober 1541. E II 342. 

42. (@. 46). (5-ine Siograp^ie SiblianberS gibt ©. (5gli im 2. S3anb 
feiner Analecta reformatoria. i^üxid) 1901. 

43. (@. 47). ©efc^tc^te be§ jürdierifciöen ©(^utmefenS gegen ©nbe 
beä 16. 3a^r]^unbertg Don Dr. H. ©rnft. ^üricft 1879. 

44. {<B. 48.) Slbgebrucft finb biefc £eben»rcgcln bei 6. '4>eftalos5i, 
§. S3uIIingcr§ ßeben, <B. 588 ff. 

45. (©. 48.) ®ie $lßräbifantenorbnung, abgebrurft in ©gliS Hften= 
fammlung, ©. 825 ff. 



102 

46. (@. 50.) g?elltfan an a SaSfo, 18. Sunt 1544 bei SRiggcnBac^, 
^ßeHifan; ferner Söiffenburg in 23afel an SBuCinger, 23. 3Kär3 1563, 
©toatSarc^iü E 375. 

47. (©. 52.) Saut ^BuKingerS SRitteilung an a)il)coniu§ üom 4. m'äxi 
1536, E II, 342. 

48. (@. 52.) 23uEinger an einen 23ucf)I)änbIcr, 15. »luguft 1572, 
E II, 342. 

49. (@. 53.) ^Buüinger an ^Rümlang, 8. aJiärg 1539, Corpus Eefor- 
mat., Calvini opera X; ebcnba, 23. 3it(i 1537, an 3}h)Cüniu§. 

50. (@. 54.) 8ln 2)ItKoniu§, 23. Suli 1537, Calvini opera X. 

51. ((S. 54.) 4. Slpril 1541, Calvini opera XL 

52. (g. 55.) 2ln aSesa, 30. «luguft 1553, (StaatSard^iü, Ell, 342; 
an (Sabin, 26. ^lobcmber 1553 unb 12. 3uni 1554, Calvini opera X. 

53. (<S. 57.) 2ln @ücrinu§ in 3naim fc^reibt 23u[Iinger am 18. ®ep= 
tember 1545 (Calvini opera XI), er i)abc bie 2. Sluflage üon ßaiöinS 
Institutio bom Sa^re 1539 nicf)t gelefen, fonbern nur in bie erfte einen 
Sliif getDorfcn. C^'-rft bicfe 2. 2luflage aber ift ba§ grüfee tljeologifc^c 
3Ber!, bie flaffifcbc @laubcn§(e^re bcr reformierten ^irciye. Sisäbrenb ber 
5ßeri)anblungen über hm Consens ärgert fidö Sullinger barüber, bafe 
ßalnin i^n toieber^olt auf feine @d}riften bertoeift, bie er nicbt gelefen ^at. 

54. (<B. 58.) ©einreiben bcr 3ürcbcr an '^^-ard bom 4. Slpril 1541, 

Calvini opera XIV. 

3ln 9)h)Coniu§, 16. Suli 1547, E II, 342. 

23rief an ©cbncetoolf, 13. Dftobcr 1567, E II, 342. 

58rief an 5lbt ^ietbclm bou 6t. ©aUen, 2. ,3ult 

%. WUi)tx, ®ic eüangelifcbc ©emcinbe in fiücaruo, 

2lm 15. S)e3ember 1554, Calvini opera XV. 

23uCinger§ 23e5ie^ungen ju ©raubünben beicucbtct auf 
©runb bc§ gefamtcn rtor^anbencn 3)iaterial§ unb im 3iifammcnl)ang mit 
ber @efrf)ic()te (sjraubünbenS in bicfer ^eü Dr. S^raugott ©cbie^ in feiner 
Slbljanbinng : ®ie a3eäieljungen @raubünbcn§ 3ur l5-ibgenoffenfd)aft, be= 
fonberS gu 3üricb im 16. 3ni)i^^Hnbert, Csnf^rbud) für fcblDeijerifdje @c= 
fc^ic^te, 1902. — '3>erfelbe gibt gcgcnmärtig a3ul(iuger§ JrtetrrefpDubenj mit 
©raubünbern I)erau§, meiere einen JÖanb bcr Ouellen 3ur @d)met5cr= 
gefdjicbte bilbcn toirb. 

62. (@. 62.) Über S^abian ^anbelt (Jrnft @i)inngcr, ©c^riften be§ 
JBereinS für 9}eformationggefd)id)te, 9tr. 50 (13. 3a^rgang, 1. ©türf). ©ein 
Srieflüed}fel erfdjcint gegcninärtig in bcu ©t. ©alltfdjcn 2}titteilungen 3ur 
üaterlänbifdöen @efcbid)te, {)crauggegcben bon ^rofeffor ®. Slrbeng unb 
Dr. §. Söartmann. 



Calvini opera XI. 


55. 


(©. 58.) 


56. 


(@. 59.) 


57. 


(@. 59.) 


58. 


(@. 60.) 


1553, ebenba. 


59. 


(@. 60.) 


2 23änbe, 


1836. 


60. 


(©. 61.) 


61. 


(©. 61.) 



103 

63. (©. GS.) ^uütngcr an a)hKoniu§, 1. ^loüemBcr 154G, E 11, 342. 

64. (8. 67.) S)tc bcibeu abriefe an bcn ©rjbifc^of bon 5töln bom 
g-cbruar 1541 unb bom Sluguft 1543 finb abgebrucft bei trafft, Siuf^ 
3eicf;nimgen iQt'mxxdj SuHingcrS, ein Settrag giir rtteberrl3etnifd)en ^ird)en- 
geicöicf)te. 

65. (@. 67.) ®er 23rtefmed)fel mit 2f icroniu§ im (Staat§arc^iü, 
E II, 375. 

66. (®. 70.) §ocöf)Dl5cr in Stein am 9UKin frfjvcibt in biefcm 
Sinne an SBulfinger am 12. 3flniiar 1564. 

67. (S. 70.) Svief Jöultingerg an Seja bom 4. Sesember 1571, 
E II, 342. 

68. (@. 71.) ®er erfte 58rief a3nUingcr§ an poHnifdic Stbeüge ift 
an bcn t^'ürftcn 9?ab3itoi( gcrid^tet nnb baticrt Hont 12. Stobember 1555. 
Xie iBriefe ftnbcn fic^ ®taat§ard)ib, E II, 342. 

69. (©.72.) G-inige «riefe bon Ungarn un Sönllinger Iiat 23öI)I 
feiner 2ln§gabe ber Confessio Helvetica posterior a(§ Sln^ang beigebrucft. 

70. (©. 73.) $öün ben „englifcben fylüc^tlingen in güricf) mäfirenb 
ber erftcn £->äIfte bc§ 16. ^a^rl^unbertS" ^anbelt Xi). 23ietter im 9ienial)r§= 
blatt ber ©tabtbibtiot^ef 3ürtd; bon 1893, ebenfo neu[ten§ in „Relations 
between England and Zürich during the Reformation", 1904. — 2)er 
Sricftoec^fel ^Unfdjen $8uflinger nnb feinen cnglifcben g-reunben ift int 
Iatctnifd}en Original inie in englifd^r Übcrfc^ung pitblisiert bon ber 
Parker Society unter bem 2:itel Epistolae Tigurinae (Zürich lettres) in 
5 JBäitben, (Jambribge 1842—1848. 

71. (@. 74.) (y'm intereffanteS 23ilb ber religiijfen Strömnngcn in 
(fnglanb in ben erften 3a^ren ber 9iegicrnng ©bitarbS VI. gibt Ä^ooper 
in einem 23rief an ä^ullinger bom 25. 3uni 1549. 

72. (@. 75.) Diobert :s^oxn unb 9ticbarb et)amber§, Epistolae Ti- 
gurinae 64 unb 65. 

73. (iS. 76.) 3" ber bon ber Parker Society beranftaltetcn eng= 
lifcften 5tu§gabe ber Gefabelt, 23b. V, ©. 28 f. bor (Einleitung. 

74. (@. 80.) See 3ub an ©albin, ®e;^,embcr 1541, Calvini opera XI, 
nnb in ben 2.^ert)aub(ungcn jum 3ürd)er S?ünfen§, abgebrudt in Calvini 
opera VII, @. 688 f. 

75. (©. 82.) Sin ben bitrd)(aud)tigeu 'J-ürften unb £->erren 5Ubred)t, 
SJIarfgrafen 311 Sranbenbitrg, ein ©enbbricf unb äJorrebe ber S^iener be§ 
2Borte§ @otte§ .^u ^üric^, über ein 23ücölein S^ertrami be§ ^JriefterS bon 
bem fieib unb Slut Gf^rifti, 1532. 

76. (©. 85.) ^4?eftal055i, 33uüinger, (S. 237. 

77. ((S. 85.) 21m 19. Sanuar 1548 in ber Srieffammlung ber 
Parker Society. 

78. (©.86.) «rief an 3JfeIand)tf)0U bom 22. Silin 1544. 

79. (©. 90.) ©oct^eg Urteil über Cv ^- üabater finbet fid) in 
„®id)tung unb aiHiI)rf)cit", III, 14. 



104 

80. (@. 91.) (vinleituiig gum Kommentar üBer ben §eBräerBrief. 

81. (©. 92.) ©0 urteilt ©eorg Don 2öl)fe in feiner @cfcf)icf)te ber 
§tftoriüörapl)ie in ber mmia, 1895, ©. 202 ff. S3uaingcr§ 2Berf ift 
unter bem 2;itel: 9ieformation§clöronif üon §ottinger unb 23ögeli in brei 
Sßiinben :^erau§gcgeben, 1838. 

82 (@. 93.) SafoB 23äcf)tülb, (Sefd)ic§te ber beutfcften Siterntur in 
ber ©c^tpei^, 1892, @. 303—307. 

83. (@. 93.) mit bem 5lpDtI}efer ^o% %unt in Slkmmingen taufd)t 
er im ^aiju 1567 Hadrianos. 

84. (®. 93.) 5(nre[iu§ $l?rubenting, ein c^riftUc^er Siebter be§ 
4. 3a^rr)unbert§. 

85. (@. 93.) §einrid) 23uKinger§ ®iarinm , al§ stoeite§ §eft ber 
DueUen jur fdöiceiserifcfien SteformationSgefcöid^te, ^herausgegeben bon 
Dr. (S: ®gli, 1904. 



35rucf von GI)rOarbt fiatra?, ^aUe a. S. 



iPrtuiiljrttf $)ljilt|)|) von ^tfftii 
für U$ ktrd)lid)e £tkn tu ^tffni 



gehalten auf ber 

VIT. ©cucialDfrfnmntluuö öcö Öfirinö für Hcformntioiisijffdjidjtc 

om 7. ^^tpril 1904 in Sia]]ci 

Dr. (gottlob f ocllinof unb Lic. Dr. HDilljclm Dieljl 

D6erftubieni-at Pfarrer. 



-'^m^- 



SSerein für ^Kcfoniintioii^ogefcljirfjtc. 



Conbgraf 



von 



Dr. (Bottlob €gelkiaf 

^berftubicurat, Heftor bcs Karlsgynin'Jfium in Stuttgart. 



\ 



-i€)m&r 



^aUc a. 5. 1904. 

3Serein für ^)ieforiiiation^t3ejd)irf)te. 



1504—1524. 

Slm 13. Dböember be§ Sa^re§ 1904 luirb jum iOO.Tlal ber 
Geburtstag euie§ g^ürfien tüieberfe^ren, ber tro| feiner menf(f)Ii(^en 
<Bä)\üää)in unb @e6re(f)en bocf) ju ben anjie^ettbften ©eftalten 
itnjrer @efd)id)te gerechnet luerben muB unb ftc^ um bie (Sntlüicflung 
unjrer Station p eöangelijc^er grei^eit unb moberner Ä'ultur bie 
größten 33erbien[te ermorben l^at, alfo Ujot)! eine§ @ebenfroorte§ 
in biefen Xogen UJÜrbig i[t. 

3m Sa^re 1504 I)errf(^te qI§ Sanbgraf in Reffen Sßil^elm II. 
ber ©o^n ßubmig§ II. unb 9}iec^tf)ilb§, einer ©röftn üon SSürttem- 
berg, @d)me[ter (Sber^orbS im 93art. 9^ad^ menfc|Iidf)er SSeredjnung 
xuax Sßit^etm IL nict)t §ur ^errfd^aft berufen gemefen; fein älterer 
Sruber äöilt)elm I. tjutte biefe 3tu§fi(i)t, unb fo marb SBill^elm IL 
gum gei[tli(^en ©tonbe beftimmt unb längere ßeit am §of feine§ 
öielberü^mten Of)eim§ in Stuttgart erlogen. 5lber a(§ SBit^elm I. 
1493 in geiftige Umnadjtung fan!, überfam 2SiIf)eIm IL bie 
IRegierung : ein reicf) begabter, gemiff ent)after SJJann, ber nac^ bem 
53eifpiet feines Df)eim§, be§ ©rünberS ber S^übinger Uniöerfität, 
an bie ©rric^tung einer ^effifc^en §od^f(i)u(e badite unb burd) 
feine Xeilnat)me am pfäl§ifd)en (Stfotgefrieg im Sat)re 1504 u. a. 
,^omburg öor ber §öt)e für Reffen ermarb. 9bd)bem feine erfte, 
öon if)m überaus geliebte ©ema^Iin Solanta öon ßot!^ringen 1500 
nad; breijä^riger @^e geftorben mar, l^eiratete er in jmeiter @!t)e 
bie erft 15 jährige Slnna öon ÜJJedlenburg (1485 — 1525), eine 
„über bie SOZa^en fäuberlid)e unb fd)öne grau" — „i^van SSenuS" 
nannte man fie mol)I am ^aiferJjof — öon männlidier Energie 
unb männlid)er ^raft, fo ba^ fie einmal auf ber Sagb brei 
^irfd^e mit eigner §anb gefäüt t)at; fie befa^ aber aud| männlid^eS 

1 



©treten nod^ Ttad)i unb ^errjd^oft. SInna gebar if)rem ©ernähr 
am 13. ^Tioöember 1504 auf bem @(f)Io^ ju SJJorburg einen (Srben, 
^tjilipp mit 5Jlamen, nac^bem fie i^m ^^ei 3ai)re §ntior eine 
Sod^ter ge[(i)enft l^atte, bie „nad^ ber f)eiligen, be§ ßanbe§ ^auptfrau" 
©lifabet^ genannt niorben toax. (Sin ©ternbeuter, ber gur (Stellung 
ber „^fZatitiitöt" I)erbeigerufen morb, toeiSfagte, ta'^ ber junge, bei 
feiner ©eburt äu^erft ^arte unb fc^tt)öcf)Ii(^e g^ürft „bei feden, 
friegerifc^en 2;aten f)o^en unbeugsamen Sinn, üiel 9JiäBigfett im 
©ieg, (5i(^ert)eit unb §eimüc^feit in feinen 9}JaBregeIn, 2Sei§f)eit 
unb t)o^e S5ernunft in @efe|en unb Urteilen, öiet IBtebe bei 
feinen Wienern, ^um menigften ^"md SBeiber unb fetbft üiel ©lüc! 
au^er ber @t)e f)aben merbe". S)a§ freilief) fagte ber fcfimeid^elnbe 
^rop^et nict)t öorfjer, ba^ ber junge Sanbgraf aud^ llnglücf ^aben, 
bafe er gleid^ in einem 5Itter üon erft öier Saf)ren unb ac^t 
äRonaten ben SSater oerlieren fottte; am 11. Suli 1509 ftarb 
SSitt)etm IL, erft 41jät)rig, in 3^oIge ber bamals in aÜer SBett 
üerbreiteten „gran^ofenfranffieit", nad) einem traurigen unb über 
bie 9}?aBen üerna(^(äffigten ^ranfentager. ßunädift festen bie 
ßanbftänbe burd^, ba^ ta§> ^ieftament be» toten §errn, ha§> feiner 
©attin 5lnna bie 9ftegentfdE)aft übertrug, umgeftofeen mürbe; e§ 
ift ba^ SBort gefallen, ba^ man lieber im S3tut bi§ on bie ©poren 
maten molle, e^e man fid) einer grau untermerfe; ber Äurfürft 
bon (Sad^fen, griebric^ ber SBeife, ber auf bie ^effifd)e @rbfd£)aft 
t)offte unb bei Reiten (Sinftufe geminnen moüte, t)at bie ftänbifd^e 
Oppofition geförbert, bie bafür bie SSormunbf(^aft über ^f)itipp 
bem §au§ SSettin übertrug. Unter bem „Sanbt)ofmeifter" Submig 
öon S3ol)neburg, ber an ber (Spi|e ber nun eingefe^ten ftönbifc^en 
Sftegentfd^aft ftanb, foß ber (Srbe be§ f)effifd)en 2anbe§ förperli(^ 
unb geiftig fd^Ied)t öerforgt gemefen fein. @in ©lücE mar e§ alfo 
für ^f)ilipp, ba'^ 1514 feine 9}?utter, bie SJ^iBtDirtfc^aft unter ben 
ftönbifd^en Sf^egenten !tug benu^enb unb huf bie 5tn^änglidf)!eit 
be§ SßotfeS an feinen jungen §errn fu^enb, bie Sluffünbigung ber 
SSettiner 5Sormunbfc^aft burc^ bie ßanbftänbe ermirfte, bie 9fiegent= 
fcfiaft an fid) bracEjte unb bamit aud) bie Seitung ber Srgiefjung 
it)re§ (Sot)ne§ in bie ,^anb be!am. SBir miffen freitid^ öon ber 
2lrt, mie biefe ®räiet)ung ge^anb^abt mürbe, faft nid^t§ ; mir fennen 
f aum bie 5Jlamen ber Set)rer ^t)itipp§ ; boc^ lä^t fid^ erfef)en, ba^ 



er in ©efc^ic^te unb {jeiliger ©c^rift tt)ot)I unterliefen tourbe: 
gelegentlich, fo Reifet e§, ftiefe er auf bie SSorte im ^rebiger 
@aIomoni§: „we^e bem Sanbe, beffen Ä'önig ein £inb ift", unb 
öerfanf in ein tiefeS S^^arfibenfen über biefe ©teüe, beffen 3^rucf)t 
ftagenbe SBorte über feine llntt)iffenf)eit in Stielet unb ^Berfaffung 
be§ 2anbe§, über ha§> feinen Untertanen brot)enbe Unglüd, ttjenn 
er nid)t njeifer tt)erbe, unb planootle SSorfö^e für feine fpötere 
9^egententätig!eit getoefen §u fein fcfjeinen. ©eine SJJutter §og ifjn 
früf)e gu politifcfien S3eratungen fiin^u; felbftöer[tänblicf) ift, ba^ 
er in ben ritterli(i)en £eibe§übungen njotjt au§gebi(bet tüurbe, unb 
bie frifd^e, fröf}(id)e Sagb toarb if)m früf)e lieber a(§ „ha§> i^m 
balb t)erf)aBte ^-ormelwer! feine§ SJJefepfaffen". @e^r bemerfen^njert 
ift aber, ta'B frfjon für biefe ^dt t)erüorge|oben ftiirb, er ^aht beim 
Sagbüergnügen bod^ bie Strbeit be§ 2onbbauer§ geadjtet unb 
Siebe ^um gemeinen 3J?ann gezeigt, b. f). ficf) geptet, in milber 
Sagbluft bie ©aaten §u gerftampfen unb ben fauren ©d^niei^ be§ 
5(rmen §u öergeuben. 

5It§ ^^iiipp im 14. 2eben§jat)r ftanb, brängte biefelbe 
Sftitterfd^aft, n^eli^e 1514 feiner SRutter bie ßüget in bie §anb 
gegeben ^atte, nad) einer SSeränberung, njeil 5Inna ben SSerträgen 
gumiber fidfi nur mit ^ermann D^iebefel unb 53attl)afar ©ifjrautenbad^ 
berote, weil olfo Reffen nac^ ber 5Infic^t ber Dritter unter einer 
Dügardjie ftanb. t)ie Sanbgröfin parierte ben brof)enben ©c^Iag, 
inbem fie befc^IoB, tf)ren ©op je^t fd)on ftatt erft mit 18 Sauren 
für münbig erflören ^u laffen unb unter feinen 9lamen mit nocf) 
met)r 5(utorität ju f)errf(f)en. ^oifer 3)^ajimiUan jog S3erid^t ein, 
laut beffen ^^ilipp öon fürfttic^em, löblid^em, beftünbigem unb 
tugenbrei^em SSefen tt)ar, unb fprac^ if)n auf @runb biefer geft* 
fteüung am 1(5. Wäx^ 1518 münbig; unb unter gebüt)renbem 
3)an! gegen feine 9Jiutter, ha^ fie too^I regiert unb i^n fürftlid) 
unb e^rlic^ erlogen i)abe, ergriff ^£)ilipp in einem Stiter öon 
13 3cii)ten 4 äRonaten bie QüQti ber 3fiegierung, um nunmet)r 
fetbft „(Sachen unb 9fled)nung §u fjören, Se'^en gu öer leiten, and) 
jebermann §u SRec^t unb ®erid)t gu antmorten". ©ofort betätigte 
er, in 2Ba{)rt)eit boc^ mot)! noc^ auf ben 9^at feiner 9J?utter, auf 
feinem erften Sanbtag in §omberg SBiberftanb gegen bie pd^ 
gefpannten ^^orberungen ber burc^ ben Ütegierungllnec^fel in ifirem 



©elbftcjefüt)! qetüadifenen üiitterfc^aft ; er bet)ielt and), a(§ SInna 
1519 tatjäd)Iid) öon ber 9f^egterung prüdtrat, i!£)re erprobten S^äte 
33alt^ajar ©c^rautenbac^ unb Sotjonn geige bei unb nal)m auf 
i^ren eintrieb über ad)t Sa^re lang oon Einberufung eine§ 2anbtag§ 
5lb[tanb, fo ha'^ er in biefer ^eit gtüar gefe^mä^ig, ober Df)ne bie 
ßanbf^oft regierte. SSon feinen früt)eften Slnfängen an rang 
^fjilipp nac^ (Selbftanbigfeit unb Umfielt, nacö 0ar^eit in 
©rfennen unb SBoIIen. greilid) t)atte er junäd^ft eine l^erbe 
Prüfung burdjäumadien : !aum im ©attel, toarb er fofort öon 
einem Gegner angegriffen, beffen er nid)t mächtig merben fonnte, 
üon bem be!annten üleid^^ritter gran^öonSidingen, ber tt)egen 
etlid^er ftrittiger SSiefen bei Df^orb^eim unb megen öermeintli(|er 
SebröngniS eine§ feiner Sßerbünbeten, ^onrab ton §atftein, .Reffen 
mit 13000 SD^ann überwog; in SSa{)r^eit mollte er mo^I feine 
3Jiannfd)aften befd)äftigen unb ben ©direden oor feiner 9Jiad)t 
meiter tragen. 2)a ber !)ejfifc^e Slbel, ber fic^ nad) ©armftabt 
gemorfen t)atte, feig ober oerräterifd) gefinnt mar, blieb ^f)itipp 
nichts übrig, al§ fi(^ §ur 3q^^""9 ^on 35000 ©ulben an ©idingen, 
§ur ©rftattung ber SSiefen an i^n, fomie jur ©ntrid^tung üon 
1000 ©ulben ©c^abenerfo^ an ^atftein gu üerpftid^ten. S)er 
junge ßanbgraf öergafe bem Ü^itter biefen Überfall nic^t, ber auf 
ben beginn oon $^ilipp§ 3flegiment ben ©(Ratten fd)roerer 
Demütigung marf. Einige ^aijxt gingen in§ Sanb; £utf)er ert)ob 
ftc^ gegen bie SKiprdud^e ber römifc^en ^ird)e, unb al§ er in 
SSorm§, mo ^Pipp üon bem neuen ^aifer ^arl V. belehnt 
marb, fo tapfer ben SSiberruf üerloeigerte, ba f)at i^n ber erft 
16 jäljrige Sanbgraf mit Semunberung gehört unb in feiner Verberge 
oufgefud)t: „^aft 3)u Sfted^t, fagte er beim 2(bfd)ieb, fo ^elfe S)ir 
©Ott". 2)arin liegt nod) feine rüd^altlofe ^uftimmung, aber 
bod^ eine bebingte. ©idingen motite bie lut^erifdje Söemegung, 
ber er auf feinen SBurgen eine greiftatt eröffnete, auSnu^en, um 
ba^ geiftlid^e 9fteid)§fürftentum §u tiernid^ten unb mittelft ber i^m 
abgejagten Seute bie 9fieic^§ritterfd)aft auf gan^ neue unb breitere 
SJJac^tgrunblagen gu ftellen: fo ftür^te er fid) im «September 1522 
auf ben ^urfürften jRic^arb ®reifen!(au in Srier. S)ie @r{)ebung 
ber 9fteic^§ritter aber bebro!t)te im weiteren Sßerlaufe t)a§> gefamte 
gürftentum: fo fomen ber ^urfürft £ubmig oon ber ^falj unb 



Sanbgraf $f)ilipp bem (i^nen aud^ per[ön(id^ befreunbeten) Strierer 
ju §itfe, unb ©icfingeit fanb in biefem ^rieg om 6. 9}jQt 1523 
bei ber S3e[(i)ieBung feiner j^efte 2anb[tut)t ben Xob. ^f)ilipp 
toar gerärf)t; aber eg gengte für feine ©ut^erjigfeit, bofe er nad^ 
bem Serid^t be§ S^roniften SSiganb Sauge gu bem fd^roer SSer= 
njunbeten f)intrat unb fragte: „^^rans, njie ift S)ir gefd)e{)en? bi[t 
®u :^art troffen ober gef(i)offen?" Unb al^ ©idingen geftorben 
tnar, ha betete er mit ben anbern dürften, (Sott njoüe feiner ©eele 
gnöbig fein. 

@» War ni(i)t lange nad^ biefen S)ingen, im 3al)re 1523, 
bafe $f)ilipp in na^e Segietjungen ju einem ber tüi^tigften Q^ürften 
ber 3eit trat, gu -^ergog (Seorgöon@ad)fen. ^t)iüpp§ ©c^wefter 
©lifabetf) heiratete beffen @o^n So'^ann; er felbft füf)rte be§ 
|)er5og§ 2;o^ter ßt)riftine l^eim, bie ein 3a^r jünger ot§ er 
(1505 — 1549) unb Don „ftrengem unb feftem ©emüt" war. Sei 
ber ^od)5eit in Gaffel f)ie(t ber D^eim ber S3raut, ^erjog ®ric^ 
öon Sraunfc^tt)eig, eine beutfc^e ^ebe, metc^e .^ergog @eorg „jierlid^" 
beantwortete; gu ben 3fiitterfpielen erfd^ien ber 5(bet be§ Sanbeg 
mit feinem (befolge, bas nacf) ber 33orfd^rift in ©d^warä unb SSei§ 
gefleibet unb „mit öeüebarben, ÜlingfoUer unb ganger nad^ 9trt 
ber Sanbsfnedjte" gerüftet war. 



2, ^i^Ui^ip^ Mtvtviü sur 9lcfovmatiott* 

1524—29. 

^ergog @eorg galt a(§ einer ber fc^ärfften ©egner 2utf)er§, 
fd^on öon ber Seipgiger 2)t§putation 1519 ^er, wo er fiifj barüber 
empört ^atte, 'öa'^i Sut^er fic^ ber in ©adE)fen tief oerf)aBten §uffiten 
angenommen ^atte. S3on ߣ)riftine wirb berid)tet, unb ba§ fpötere 
SSerijoIten ber Sanbgräfin betraf tigt bie§, ba^ fie bie 5lbneigung 
be§ SSater§ gegen iia§^ „Soangelium" nid^t geteilt t)a6e. S^t: 
@emat)t ober öoü^^og 1524 feinen Übertritt gur 9?eformation: 
e§ gemannt an bie (£r§ä{)(ung im 8. Kapitel ber 5lpofteIgcfd^icf)te 
(55. 26 ff.) öon ^t)ilippu§ unb bem Kämmerer au§ 9J?ot)ren= 
lanb, wenn wir lefen, ba^ ber Sanbgraf auf ber S^teife gu einem 
in ^eibelberg (Snbe Wax 1524 §u t)altenl)en StrmbruftfdjieBen 



6 

äufäüig mit S[ReIan(f)tt)on §ufQmmentrifft, ber öon einem S5efud^ 
in feiner pfäl^ifcfien ^eimot über g^ranffurt nacf) SBittenberg §urüc!= 
!e^rle. 2)er Sanbgrof reitet an ben ®elef)rten t)eran, raetjrt i^m, 
ftiie er ehrerbietig öom ^ferb fteigen n}ill, öeranla^t i!)n, mieber 
mit i^m ein ©tücf SBegeS äurüd^ureiten unb befpric^t fid) mit 
it)m über bie religiösen Strogen. 5tuf feinen SBunfd^ I)at für i^n 
3}lelQn(i)tt)on „bie ©umme ber c^riftli(f)en ßet)re" gefcf)rieben, bie 
o{)ne ßroeifel auf ipt)ilipp» njeitere (gntmirflung nad^ ber eöangelifc^en 
•Seite t)in förbernb gemirft f)at. S(m 18. "^nü 1524 erging ein 
örtaB be§ Sonbgrafen an bie Pfarrer, nad) bem fie — gemäfe 
bem S3efd^Iu^ be§ foeben get)altenen ^meiten Dlürnberger 9f{ei(i)§= 
tag§ — bo§ 33oIf im reinen unb lauteren ©öangelium unfer§ 
^eitanbe§ Sefu ßf)rifti unterrichten unb e§ §u @intracf)t, gegen* 
fettigem ^rieben unb @et)orfam gegen bie Dbrig!eit ermo^nen 
foüten. SBeiter ging ^f)ilipp junöcEift nocf) nidjt; ber be!annte 
^apift ©od)Iäu§ t)at i^n nod) loben fönnen, bafe er nidjtg geneuert 
t)abe: aber fel)r balb mürbe f(ar, ha'^ er bie SSorte „reine§ unb 
Iautere§ Söangetium" fo oerftanb, mie fie bomalö öon ber großen 
3JJel)rt)eit ber Siation tierftanben mürben, ^n einem 53rieftt)ed)fet 
mit bem granjiSfanerguarbian in SUiarburg, 9Ji!oIau§ g^erber, oom 
Sanuar 1525 Iet)nt er beffen Slufforberung ah, wad) bem Seifpiel 
ber (^riftlid3en g^ürften in Statien, §ifpanien unb ©allien haS: 
(Sdimert gegen bie Sut^eraner ju gebraud^en; er mill on ben 
alten 93räud)en feftf)alten, aber nid^t an offenfunbigen, menfc^Iic^en 
Überlieferungen fangen, fonbern ber Siegel be§ götttid^en SBorte» 
folgen: bereits öermirft er ben SÖJarienbienft unb befennt fid^ 
gur ße^re oon ber 9^ed)tfertigung burd) ben ©tauben an ben 
SRittler 6f)riftu§: er oerfuc^t e§ fogar feinen ©c^miegerüater ju 
belet)ren. 

©0 ftanben bie Singe, al§ 1525 ber33ouern!rieg loSbrad). 
dx brot)te aud) Reffen ju überfluten , unb^ ber 5tbt ßrato oon 
^er§felb t)atte fid^ fdjon genötigt gefet)en, bie magna charta be§ 
^ufrut)r§, bie berüt)mten ätt)ölf Slrtitel, ju unterf d^reiben , unb 
gulba mar in ben Rauben ber Sauern, al§ ^f)ilipp, beffen 3fteiter 
aud) ber S3unbe§pfticf)t gemä^ im §eer be§ fd^mäbifd)en 93unbe§ 
Qegen bie 33auern ^mifc^en Sonau unb Sobenfee fod)ten, fid) 
rofd) unb gettJaltig er^ob unb, ber Sirene feiner Untertanen oer= 



fid^ert, ha§, geuer aultrat, e^e e§ fein 2anb ergriff; üier „9f?äbet§- 
fü^rer" (fo genannt öon bem Stbäeic^en ber Sauern, bem ^flugrab) 
njurben enthauptet unb i^re Ä'öpfe an ben <Stabttoren öon gulba 
angel^eftet. darauf t)alf ^^ilipp auc^ ben furd^tbaren Slufftanb 
Stomas SÖZünger» in 5;^üringen bämpfen; er tat e§ in ber Ü6er= 
geugung, ha'^ e§ ©otteS Drbnung üerteibigen t)eiBe, n^enn man 
bie Ungeijorfanien jüd^tige : aber feine ®utf)erätg!eit broc^ I)eroor, 
oI§ er bem ^um 2;ob üerurteilten unb je|t mit begreiflid)em 
feelifdjem ^ufanimenbrud) innerlid^ unfid^er gen^orbenen 9Jiün§er 
fogte: „tröfte bid^; auc^ für bidj J)at Stjriftu» fein 93(ut oergoffen". 
@» gibt noc^ einen anbren be^eidjuenben ^ug, bej au§ biefem 
?lnla^ er§ät)It mirb. §er§og ©eorg forberte SJ^ün^er auf, er folle 
bereuen, bafe er bem geiftti(f)en «Staub entloufen fei unb ein SSeib 
genommen l^ahe. „9Mn, fiel ^^ilipp feinem ©d^miegeröater in§ 
SSort, ben Stufru^r foll er bereuen." S)er Sanbgraf not)m bamit 
auSgefproc^en (Stellung §u ©unften berer, bie ben Sa|ungen ber 
rijmifd^en ^ird^e ni(f)t länger ficf) unterwarfen. 2luf ben S)effauer 
33 unb, in bem fid^ ^erjog @eorg mit bem ^urfürften Sllbred^t 
üon äJfain^ unb Soai^im I. öon Söranbenburg unb ^er^og ^einrid^ 
t)on 33raunfd^tt)eig am 19. Sult 1525 jur SluSrottung ber „oer- 
bammten luttjerifd^en Sefte" al§ bei Urqueül be§ 2(ufru^r§ äu= 
fommenfrf)toB, antwortete ^^itipp im g^öruar 1526 burd) ben 
in (^ott)a öollgogenen 93unb mit ^urfürft Sotjonn öon Saufen 
„gum Sd§u^ bei ©öangeliuml". ^urj nad^f)er würbe ber 9leic^l = 
tag 5U Speier eröffnet, auf bem ber ^urfürft unb ber Sanbgraf 
in bie gleidjen färben gefleibet erfd^ienen; i^r ©efolge trug auf 
ben Strmeln bie 33ud)ftaben geftidt V. D. M. I. A., verbnm domini 
mauet in aetermmi, bal SSort bei §errn bleibt in (Smigfeit. 
^ie gaftengebote bead)teten beibe nic^t mefjr; „wal gum SD'Junbe 
einget)t, bal öerunreinigt ben äJJenfd^en nid^t, fonbern Wal öom 
SJJunbe aulgetjt," ÜJZatt^äi 15, 4. ^^ilipp liefe gleid| am erften 
g^reitag einen Od)fen fd^tad)ten unb afe „unöerborgen" mit feinem 
(Sefotge baüon; feinen lutfjerifd^en ^rebiger 5(bam Äraft, ber fpäter 
ipf)ilippl erfter SfJatgeber in ber ^Deformation ^effenl warb, tiefe 
er, ha ber Sifdjof eine ^'ird)e bagu nidf)t öffnete, afle jwei Xage 
in feiner Verberge bei offenen Stören unter grofeem ßulauf ht^ 
^otfel prebigen ; in ben ^ilulfdjüffen führte ^^ilipp eine einf(ufe= 



8 

rei^e ©timme. S)em Sefe^I be§ ^aifer§, ta^ boS S33ormfer @bt!t 
auggefü'^rt, aljo 2utt)er feftgenommen unb feine (Schriften öerbrotint 
toeröen foüten, fe|te ber 9?eidj§tQg im Sluguft 1526 ben Sejc^Iufe 
entgegen, burc^ eine ©efanbtfc^aft ben in (Spanien n^eilenb'en ^oijer 
jur Ülüc!fe!^r in§ 9^eic^ unb gur Berufung eine§ ^onjitS im (£in= 
öerne^men mit bem ^apft gu öermögen; bi§ batjin möge ber 
^SoHjug ber öon ben Übertretern be§ (Sbift§ tiermirften ©trafen: 
aufgefd^oben bleiben. ®ie ©tänbe üerfprad)en gum ©(^lu^ einonber, 
bofe injmifdien fie mit i^ren Untertonen fid) alfo !^atten moHten, 
tt)ie ein jeber foIcf)e§ gegen @ott unb faiferüd^e SJJajeftät ju 
öerantmorten fid^ getroue. 

®ie eöongelifd^en ©tänbe fa^en in biefem 93ef(^tu§ 
bie @rmäd)tigung jur S8ornaf)me religiöfer Steuerungen^ 
öor ©Ott fönnten fie nii^tS anbereS rechtfertigen al§ feinem SSort 
freie S3a^n gu fd)affen, unb oor bem ^aifer ni(f)t§ anbereg, at§ 
neuem ?Iufru^r burc^ Ü^eformen äUüorgufommen. 2)enn fo ftanb 
e§ in ber %at: im SSoIte gärte e§ tro^ ber geroattfamen S^^ieber« 
merfung be§ 93auernaufftanbel norf) genjaltig: im ^e^ember 152S 
ern)ortete man in springen ein neue§ Slufflommen „be§ Wm^tx^ 
fd^en ®eifte§". Wlan fonnte fid^ gmor nictjt öerlje^ten, ba^ Äart V. 
ben 5lbfall oom ^apft on fid^ nid^t gern fet)en toerbe; ju tief 
toax er in feinem eigenen ©eelenleben in ben 5tnfd^auungen öon 
ber allein feiig madt)enben römif^en ^irc^e oeranfert; §u fd^ttjer 
mögen bei it)m bie Stuffaffung öon feiner faiferlid^en ^flid)t bie 
^irdie ju fd^ü^en unb bie Sftü(ffid)t auf bie religiöfen ©efü^le 
feiner ©panier. 5Iber ^art lag bamal§ in fd^merem ^ompf mit 
bem ß'onig O^ron^ I. üon g^rantreict) ; nac^bem er if)n bei ^aüia 
gefangen unb „ben SBolf bei ben Of)ren gehabt f)atte," mar er 
it)m bocf) njieber entfrfjlüpft, unb ^apft S(emen§ VII. leiftete bem 
^önig S3eiftanb. Unter fold^en Umftönben mar nid^t ju ermarten, 
bafe ber Ä^aifer ^eit unb audf) nur Suft ^abtn merbe, für ben 
^apft bie SBaffen ^u gebraud^en ; e§ galt bie ©unft ber Sage gu 
nu|en, ba§ ®ifen §u fc^mieben, fo lange e§ marm mar. ^fjilipp 
berief auf 21. O!tober 1526 bie ^rälaten unb bie tbte, bie 
Pfarrer, bie ©rofen, 9^id)ter unb bie Stbgeorbneten ber ©tobte 
gu einem Sanbtag, bem erften feit 1518, unb gugleidt) ju einer 
©t)nobe nad) §omberg in ©berljeffen, ber er 158, mie e§ i)eiBt 



öon i^m felbft öerfaBte, ^arobofa, b. f). „ungereimt üingenbe 
@ä^e" oortegte, in benen bie öon ber römiicE)en ^iri^e abtt)ei(^enben 
9fleformation§forberungen äufammengefafet waren. ^IjilippS 9ftat= 
geber teor bobei Sambert üon Slötgnon genjefen, ein früt)erer 
g^ronji^faner, ber nad) 20 jähriger ßugetjörigfeit ju feinem Drben 
ftcf) ber ^Deformation jugemanbt t)atte unb, gu §aufe be§ STobeS 
geroiB, 1523 nad^ SBittenberg gu Sut^er gefommen mar, einer 
ber evades be§ 16. 3cit)r^unbert§: ein 9}?onn fd^on in f)öt)eren 
Saf)ten, öon unantaftbarem ©tjarafter, feurig, ttje-^togifd) grünbüd^ 
gefd£)ult, in manrf)er ^inftd)t än}ifd)en ßutfjer unb ßiDingü bie 
SD'Jitte t)altenb, mie in ber 58ilberfrage, h)o er bie Silber in ben 
^irdjen ni(f)t an fi(^ abgetan niiffen wollte, fonbern nur, wenn 
i^nen Sßere^rung erwiefen werbe: Sßilberbienft freilid^ fei @ö|en= 
bienft. 9^eben Siambert trat ^§ilipp§ fc^on erwähnter ^ofprebiger 
Slbam Ä'raft au§ gulba f)eroor, unb bie alt bewährten 9ftäte 
be§ ßanbesljerin, 93altl)afar @(i)rautenba(^ unb ber ^anjter 
Sof)ann ^eige. ®ie alte ^irc^e fanb it)ren Söortfü^rer in bem 
aud) fc^on genannten (@. 6) grouäisfaner^öuarbian g^erber, ber im 
Slbf(i)eu oor bem fronjöfifd^en Üienegaten fetne§ Orben§ erftörte, ba§ 
er nur bem Sanbgrafen, ntd)t Sambert, 9f?ebe ftet)en fönne, unb ber 
oor allem üon üornt)erein bie ßuftönbigfeit einer nic^t oom ^apft 
ober bem guftänbigen ©ifc^uf berufenen ©Quobe beftritt. (£» war 
in ber %ai fo, ha'^ bie öon ^^ilipp angeorbnete Berufung ber 
@t)nobe felbft frfjon eine S3efeitigung ber ^erfömmlic^en 5Iutoritäten 
unb eine g^olgerung au§ bem ©a^ öom allgemeinen ^rieftertum 
aller (^{äubigen barftettte. 9kct) breitägigen 5ßert)anblungen warb 
öon ber (S^nobe ein Stu§fd)ufe gewöfjtt, ber auf ©runb be§ (Soan= 
geliumg eine neue Äircfienorbnung für §effen aufarbeiten foüte. 
^iefe Orbnung foüte ganj auf bem freiwilligen 3ufai"i"enfrf)Iu§ 
ber (Sinjelnen gu d^riftlict)en ©emeinben berufen, bie fi(f) burd^ 
öoIf§tümIicf)e SSertreter, Söifdjöfe unb Stttefte, nad) ben SSorfc^riften 
ber 5tpofteI regieren fottten. S)ie S3i)d}öfe, bie ©rafen unb Ferren 
unb ber ßanbegfürft treten bann gur (Si)nobe all ber f)i3d)ften 
beratenben unb entfc^üeBenben ^örperfd^aft ber Ä'ird)e jufammen. 
S)a§ ^apfttum, 3JJönd)§= unb Sflonnenwefen, bie §ei(igenoeret)rung, 
bie go^Kofen ^^^efttage ber ^eiligen, it)re S3itber, bie SKeffe, bie 
O^renbeic^te, bie gaften, Die ^ro^effionen würben abgefc^afft unb 



10 

alles äufeerltdie Seilüer! be§ ©otteSbienfteS, tote pradjtöoHe ©etüänber, 
®Iotf engeläute unb Orgelfpiel, an\§> Sflotbürftigfte befdiränft; an 
(Stelle ber Iateintfd)en ß^orgefänge traten beutf(^e Sieber; ben 
SDJtttelpunft ber @otte§bien[te§ bilbeten ^rebigt unb fd)riftgemö^e 
SSertt)aItung ber beiben üon ei)ri[tu§ felbft eingelegten ©aframente, 
ber 2:aufe unb be§ 5lbenbma^I§. S)iefe ^ircljenorbnung tt)urbe 
freilld) in i^rem n)id)tig[ten $un!t, bem ber ©emeinbeautonomie 
unb ber auf i^r fic^ aufbauenben ©tinobaloerfaffung, nid)t bur(^= 
gefütjrt; oietnief)r ^at ber allgemeine Q\i(\ ber ^eit aud) in Reffen 
ben lanbeSfürftlic^en @ummepi§fopat, bie 5lu§übung ber bifd)öf= 
liefen (3malt burc^ ben SanbeS^errn, gefd)affen, obfdjon er ^ier 
nie bie fd)roffen ^^ormen tt)ie anbertt)ärt§ annahm, unb ^t)ilipp 
f)at fpäter felbft fec^g ©uperintenbenten al§ beauftragte 2luffic^t§= 
Beamte be§ 2anbe§t)errn eingefet^t. 5lud) bie SInüänge an bie 
fd)tt)eiäerifc^e ^fieformation üerfiallten, feit bie äBittenberger (Son= 
corbie eine gemeinfame ©runblage für bie (SoangeIifd)en im 9^eid^, 
im Sf^orben inie im ©üben, gefc^affen "tiatte, unb be§ Sanbgrafen 
SSertrauter, äJ^artin Su|er, t)at it)n beftimmt, bie i)effif(^e ^ird)e 
im 2öefentlid)en fo ^u geftalten, ha^ !eine ©dimierigfeit für ha^ 
politifc^e 3iifa"^i"^"^<^^tß" ^^^ (Süangelifc^en barau§ entftanb. 
©leic^mol)! ^at ^^ilipp ben fruchtbaren ©runbgebanfen oon ber 
t^riftlid^en ©emeinbe al§ bem (Sdftein c^riftlidjer Organifation nie 
aufeer Singen üerloren unb j. 53. aud^ bie g-ürforge für bie Slrmen 
in feinen „Slaftenorbnungen" ber ©emeinbe gugemiefen. 2)ie 
^loftergüter tt)urben, nac^bem bie 3J?önc^e freimillig ober gebrängt 
1527 bie Softer öerlaffen Ratten, gur ©rric^tung tjon oier £anbe§* 
jpitälern in §aina, in 3J?erjt)aufen, ©rünau unb ^loc^^eim (biefe§ 
für bie ©raffc^aft Ä'a|enelnbogen) unb pr 58egrünbung ber Uni= 
öerfität SJJarburg üern^enbet. ©ie n^ar einzig in i^rer 5trt, 
toeil für fie bie bisl)er ftet§ eingeholte päpftlic^e Genehmigung 
nid)t me^r nad^gefuc^t ft)orben ift; SJiarburg.ift bie erfte rein 
toeltlic^e unb rein edangelifd^e ^oc^f^ule S)eutfd)lanb§ 
gern or ben, bie erfte in einer ftattlid)en 9fleit)e öon ©dimeftern, 
bereu te^te ©tra^urg unb SUJünfter geworben finb. S)er Sanb* 
graf fe|te 1541 bie faiferlid^e 93eftätigung ber Unioerfität burc^. 
5Die ©rünbung einer fold)en ^od^fd)ule ttjar um fo bringlid^er, 
al§ im ßufammen^ang mit ben fc^marmgeiftigen, befonberS 



11 

tüiebertäufertjrf)en Sbeen, bie bomalS eine ungeheure SSer- 
breitung t)atten, eine üöllige SSerad^tung aller gelehrten ©tubien 
im (Srfjwange ging, unb bie, npetdje ftubierten, fünbli(f)en 9J?üBig= 
gang§ bejidjtigt unb an ha§> SSort be§ 128. ^fatmg erinnert 
tüurben: „njo^I bem, ber ben §errn für(^tet, unb fid) üon feiner 
§änbe §Irbeit nät)rt.'-' @§ tnar ®efaf)r ODrf)onben, bafe bie 
religiöfe 9f^eform mit einem intelleftueüen Üiüdgang, mit 
einer ©inbufee an {)i3t)erer Silbung begotjlt unb bie ülefor* 
mation ber SSerbauerung überontmortet föurbe. 2)iefer @efaf)r 
tt)ie ber be§ 9iomani§mu§ marf ^f)ilipp feine ^od)f(i)uIe entgegen. 
2lnIöBIi(f) be§ fog. 'ipocfifc^en ^anbel§ — ber Sanbgraf lieB 
fic^ 1528 burd) einen ungetreuen 9ftat feine» @c^tt)iegerOüter§, 
Otto üon ^ad, ha^ Waxä^tn öon einem beüorftef)enben großen 
Überfall ber eoangelifdjen (Stäube burd) bie !atf)olifci^en aufbinben, 
unb überwog, mit ©ac^fen öerbünbet, feine fatf)oIifc^en ^^lad^born 
mit Ä'rieg - f)at ^Ijilipp feine firc^Iidje ©etbftänbigfeit aud) formell 
baburd^ errungen, ha^ er unb Slurfürft Sodann ben ©rgbifc^of 
Sllbred)t oon äRoinj am 14. ^uni 1528 in ©einkaufen gu einem 
S5ertrag nötigten, burc^ ben ^(brec^t bie it)m guftelenbe geiftlic^e 
Dbergeri^t§bar!eit über §effen unb ©ac^fen „bi§ auf allgemeinen 
9?eIigion§oergIeic^" preisgab. @egen Unfug aüer SIrt, mie g^ludien, 
Unjuc^t, ma^IofeS ^utrinfen, 33ranntmeingetage, ^^raffen bei §o(^* 
§eiten, 2Bud)er, ^leiberlujuä ging ber iJanbgraf je^t (unb in 
einer fpäteren S5erorbnung üon 1539) noc^brüdlid) üor unb fdjärfte 
ben ©uperintenbenten ein, baB fie bie Pfarrer beauffid)tigen unb 
fie 5um Unterrid)t be§ 9SoIfe§ in ben ^auptftücfen ber Ü^eligion 
antjotten foüten, bamit bie ^inber öffentlid) an ben ^auptfeften 
in ben ßirdien bie üornet)mften ©tücfe be§ d)riftlid)en @Iauben§ 
t)erfagen unb burd^ ^panbauflegung !onfirmiert unb jum Slbenb= 
mat)I äugcloffen werben möd)ten. ®ur(^ biefe Drbnung morb ber 
@runb äum religiöfen SSoIf§unterrid)t gelegt unb eine ber üor« 
net)mften gorberungen 2utf)er§, ba| ber ©taat fidj ber 3ugenb= 
bilbung annef)men foUte, erfüllt. 



12 



1530—1532. 

®ie aUgemeine politifcfie Sage f)atte fid^ 5toifd)en 1526 unb 
1529 ööüig öeränbert. ^aifer ^arl V. süc^tigte guerft ben ^ap[t 
eiemenS VII., beffen ^auptftabt Sflom am 6. SJJai 1527 burcf) 
bo§ in feinem beutfdjen 93eftanbtei( lutfjerifd^ gesinnte §eer be§ 
ÄatferS erftürmt unb furd^tbar geplünbert warb (ber berühmte 
sacco di Roma), unb üereitelte bann ben SSerfud^ be§ ^önig§ 
g^rang I. öon granfreic^ gegen S^eapet. (g§ !om barauf 1529 ju 
3^rteben§fd)Iüffen, unb üaxi \d)\dk '\\d) nun an, bie beutfd)e ^c|erei 
auszurotten, bie t^m religiög n^ie politifd), toeil fie bie ©in^eit 
ber ^trc^e wk bie be§ 3^ei(i)e§ bebrotjte, gleid) tt)ibertt)ärtig toax. 
Unter bem ©influB be§ Umfd^mungS ber SSertjäÜniffe [tie§ 1529 
ber ztt)eite ©peirer 9fteid)§tag ben 93efd)IuB be§ ersten öon 1526 
ujieber um. @egen btefen SSerfud^, ba§ üor brei Satiren eint)ellig 
iSefdiloffene mit 9)?et)r!^eit ab^uänbern, legten am 19. Slpril 
1529 6 dürften unb 14 9leic^§ftäbte einen ^roteft ein, 
unb erljoben ftd^ in einem ben!roürbigen Slugenblid fogar §u ber 
(freilid) ni^t auf bie Sauer feftgef^attenen) Stnjc^auung, bo^ in 
religiöfen S)ingen, „bie nit öiete insgemein, fonbern jeben funberlid^ 
belangen, ba§ SJ^etirer roiber ta^ äJJinber nit fürbrüden foH:" 
b. f). jie leljuten auf religiöfem ©ebiet alle SJ^ajorifierung überhaupt 
ob. Unter ben „'»ßroteftanten", mie fie feitljer oon ben ©egnern 
genannt njerben, befanb fid) aud) Sanbgraf ^^ilipp, ber oon 
nun an, in ber Überzeugung, bafs ber Äaifer fd^Iiefelic^ gur @ematt 
fdireiten njerbe, einen engen ßufammenfc^Iu^ afler berer betrieb, bie 
in religiöfen Singen nid)t ben ^apft, fonbern (Sott allein ül§> i^ren 
§errn betrachteten. Slu§ biefem ©efü^I eöangelifdier ©olibarität 
l)erau§ ^at ^f)ilipp namentlid^ bie ^luft" ju Überbrüden 
gefud^t, luelc^e Sut^er unb ben fdimeigerifi^en S^leformator 
ßtüingü trennte; ^^ilipp f)at am 22. 5luguft 1529 an biefen 
einen 93rief gerid^tet, meld^er eine ^orrefponbenj eröffnet, bie erft 
nad) über gmei Salven mit ^tt'ingüs Sobe enbigen foHte. (So 
öeranlofete ^IjiOpp oud) baS^ befannte 9}Zarburger ©efpräd^ 
Sutf)er§ unb 3tt:'in9ii§; "^a^, ^enn e§ ^ur (Einigung führte, 



13 

oud^ ben ißorteil bringen mufete, hü% M^ Subenftier! ber ^popiften 
öeränbert", i^r trtumpt)ierenber §intüei§ auf bie Uneinigfeit ber 
Slbtrünnigen gu @(f)anben n^urbe. S)ie Hoffnung be§ Sanbgrafen 
ift freilid^ nic^t erfüllt njorben ; in ben brei Xagen öom 1. bi§ 3. 
Cftober 1529 ift ätöifcf)en ben beiben güt)rern ber ^Deformation 
eine (Sinigung gerabe über ben ^auptpun!t, ha^ Stbenbma^I, 
nic^t guftanbe gefommen, lüeil ßnjingli Sutfjers Stnfic^t nic^t an= 
nehmen fonnte, hü^ 23rot unb SSein ben toirüic^en 2t\b unb ba§ 
tt)irf(idje 33Iut ß^rifti entt)alten „Xük bie «Scbeibe ba§ ©d^toert", 
unb weil 2utt)er ebenfon)enig fid) ba^u oerftetjen fonnte, ßroingliä 
jebe reafe ©egenmart ß^rifti im 5lbenbmaf)t abweifenbe Sluffaffung 
oI§ f(f)riftgemäB anjuerfennen. 

So gingen bie ©oangelifc^en gefpatten auf ben 5Iug§burger 
9ieicf)§tag öom Suni 1530; neben ber oon ^[Relanc^t^on öer= 
faxten confessio Augustana reict)ten bie öier oberlänbifc^en 
SU 3"^^"9ti neigenben ©tobte tonftan^, Sinbau, äRemmingen 
unb (Strafeburg i^re befonbere confessio tetrapolitana, be§ 5ßier- 
ftäbtebefenntni§, ein. ^£)ilipp f)at bog erftere i8efenntni§ unter* 
f Gerieben; über er toar auc^ je^t raftloS tätig, bie ©üangeüfc^en 
unter einen §ut gu bringen: er öertjonbelte mit S3afer, 93ern, 
Strafeburg unb ^Mö) über Stufric^tung eine§ engen S3unbe§, 
eines „ djriftlidjen Surgrec^t»", unb fo fet)r frf)ien er §u 
3ifing(i ^u neigen, bafe man feinen üöHigen Slbfall ju ii)m für 
möglich gef)otten t)at unb ßut^er burd) 3JJeIand)tf)on öeranlafet 
njorben ift, biefer^alb an it)n gu fc^reiben unb it)n barauf tiinju» 
n)eifen, bafe nic^t ©igenfinn, fonbern bie 9iüdfid)t auf ben ftoren 
SBortlaut ber f)eiligen Sd)rift if)n, ßut^er, ä^inge auf feinem 
ab(ef)nenben Stanbpunft gu derbleiben. 5(uf ber anbern Seite 
liefe e0 ber ^aifer nid)t an QSerfuc^en fehlen, ben Sanbgrafen 
burd) poIitifd)e SSorteile ju föbern; er ftellte ii)m einen günftigen 
Sprudi in betreff ber Erbfolge in ber ^a|eneInbogenfd)en 
@raffd)aft in 5(u§fid)t, bie Reffen in 58efi| f)atte, bie i^m aber 
feit 1500, feit bem Sob be§ :i!anbgrafen SBil^elm III., burc^ bie 
©rafen üon 9laffau=S)iIIenburg ^artnädig beftritten ft)urbe, fobafe 
biefe ©rafen gelegentlich ha§> ^JSappen öon ^a^enelnbogen füf)rten. 
3)er Sefi| ber S3ergftrafee mit ©armftabt unb ber (Sinftufe auf 
ber SBetterau, bie Stellung am 3fi^ein f)ingen baoon ab. ^f)iüpp 



14 

ober lieB ftcf) nic^t fangen; er beteuerte bem ^urfürften 3ot)Qnn, 
ba§ er Seib unb 2eben §u i^m fe|en ujerbe, unb über 9JJeIanc^t^on§ 
]§atttofe Df^adigtebigMt bei ben 2(u§gtei(^§üer^anblungen mit ber 
römifc^en Partei ttjor er fo unge'f)alten, ha'^ er in ber 9lac^t be§ 
6. Sluguft ot)ne ben jtüar erbetenen, aber öom ^aifer bire!t abge* 
f(i)Iogenen Urlaub au§ 2tug§burg ritt, unter bem allerbingS nic^t 
unbegrünbeten ^ßorgeben, baB er feine fc^mer !ran!e ©attin be= 
fuc^en muffe. ®er ©tabtrat üon 5tug§burg fjatte auf S3efet)I be§ 
^aifer§, ber feinem g^ürften unb feinem Sürgermeifter einer 9^eic^§= 
ftabt bie SIbreife ertauben mollte, oEe 2:ore gefdjtoff en : ^^ilipp 
mar fo ungebulbig, fortäufommen, bafe er ein abgelegenes Zo\: mit 
©emalt, fo Reifet e§, aufbre(f)en lieB- 

®er 9f?eic^5tag«abfc^ieb oom 19. Sf^oüember 1530 fe^te allen 
^roteftanten ein falbes Saf)r grift, nacf) beffen SIblauf ber ^aifer 
gegen bie, meldte fid^ mit ber ^ircfie nic^t mieber Dereinigen moüten, 
©emalt gebraudtien merbe. Söenn bie ^roteftonten bi§f)er S3ebenfen 
getragen fjatten, ob fie fid) bem Äaifer al§> if)rem rect)tmäfeigen 
§errn tätlict) miberfe^en bürften, fo maren biefe 93eben!en burd^ 
bie HugSburger Siage, mo fie ben Äaifer al§ gang in ben ?(n- 
f(i)auungen ber Ü^ömifcfien befangen, mit einem SBort al§ ^ortei 
!ennen gelernt tjatten, übüig gerftreut morben. @d^on om 2;age 
öor bem Slbfdjieb, am 18. 9^ooember, mar ba§ „93urgred)t" jmifc^en 
Reffen, 33afel, Strasburg unb ^iixid) juftanbe getommen; 35ern 
aÜerbingS fdf)IoB fic^ au§; aber e§ mar bodE) ein Stnfang ba§u 
gemacht, iia'^, mie ßmingli mollte, aüe ©egner ^ar(§ V., be§ 
„^faffenfaifers", in ^eutfc^Ianb, in ©uropa fid^ jufammenfi^Ioffen, 
„fo boB aEe§ ein 'Bad), ein §ilf, ein 2öiII märe oom Wtzx 
f)erauf bi§ in unfer Sanb". 3(m 31. S)e5ember 1530 oerbanben 
fic^ @a(^fen, Reffen, Süneburg, 3J?an§feIb, S(nl)alt unb bie (Stöbte 
9J?agbeburg unb Bremen in bem t)ennebergifd)en ©täbtd)en ®d^mat= 
falben auf fed)§Saf)re unb oerljiefeen einanbtr 2öaffent)itfe gegen 
jeben, ber fie „um be§ ®fauben§ miüen" angreifen merbe — aud^ 
gegen ben ^aifer, beffen ßuftänbigteit unb 5lutorität bamit 
a[uf bie meltli(i)en ^inge eingefdE)ränft marb; in religiöfen 
5Ingetegen^eiten erfennen bie @oangeIifdt)en nur @ott al§ i^ren 
^errn. ®amit mar bie enge SSerbinbung oon S^leidt) unb ^ird)e, 
auf ber bie Singe bi§f)er berut)ten, oernic^tet; gebt bem ^aifer, 



15 

rva§> be§ ÄaiferS, unb ®ott, luaS @otte§ ift, lüarb bie Söfung 
je^t lüieber, lüie einft in ben Slnfängen be§ ßfiriftentumS. 5Der 
„fd^malfalbifdie Sunb" lru(f)§ rafc^, inenn aud) bie ©c^iueiäer 
tüegen ber 3>erfc^iebenf)eit ber Se^rmeinungen nic^t beitraten nocf) 
beitreten fonnten unb fie feit ^^ingli» 2ob (11. Oftober 1531) 
überf)aupt auff)örten ein toefentlid^er g^aftor in ber reUgiö§=poIitifrf)en 
(5nttt)icf(ung §u fein. 3)er .^aifer aber njurbe burd) ben Singriff 
ber 5;ürfen unter i^rem gewaltigen ©ultan ©uleiman bem 
^räd^tigen 1532 gegttjungen, öon ber gebrofjten ©aoattontoenbung 
ab^uftefien unb am 23. Suü 1532 ben 33roteftanten in bem fo= 
genannten 9^ürnberger Ü^eIigion§frieben ein gro^el ßu* 
geftanbni§ ju moc^en; bi§ gum ^ongil (beffen ßufommentritt bie 
^roteftonten feit Sagten unau^gefe^t betrieben) ober, faU§ bie§ 
nic^t binnen Sot)re§frift ^ufammentrete, bi§ §um näc^ften 9ieicf)§tag 
fönten bie @tänbe einanber „ber 9ieIigion unb anberer ©rünbe 
tjalber" nid^t befriegen. S)amit tt)ar ber Seftonb ber ^f^eformation, 
njenn aucJ) üorerft nur auf eine eng begrenzte ßeit, erftma(§ oom 
^aifer anerfannt. Sonbgraf ^^ilipp allerbing§ mar mit bem 
^rieben ni(i|t einöerftanben, er[ten§ \ot\i biefer nur auf eine grift 
gett)äf)rt toar, ni(f)t auf immer, unb meil er fic^ nod) be§ Äaifer§ 
au»brü(f(i(i)er ©rflärung nur ouf biejenigen ©tänbe begog, bie 
am 23. Suli 1532 bem §lug§burger S3e!enntni§ anfingen, ^tjilipp 
erflärte e§ für moralifd^ unmöglich einerfeit§ gu bel^aupten, man 
f^abt ben rechten ©tauben, unb anbererfeit^ benen, bie biefen 
©lauben auc^ onnetjmen n^oßten, ben ©d^u^ be§ griebenS gu öer= 
fagen: er merbe fid) ta^ ^td% folcfien ®(auben§genoffen beiju^ 
fte^en, burd) niemanb mehren laffen, unb oerfd)mäf)e e§, bem 
emigen |)ei( ba§ äeitlic^e öoran^uftellen. Sut^er warf if)m 
öor, er t)abe grofee ^\ieg§Iuft unb wolle im Stute waten bi§ an 
bie Sporen; ber Sanbgrof lehnte biefen SSormurf entrüftet ob. 
Stm @nbe fügte er fid^ in S)inge, bie er bod^ nid^t önbern fonnte,. 
aber unter 2lb(ef)nung jeber SSerantmortlic^feit „für biefen ®reitag§* 
frieben, ber gon^ in bie SBiüfür ber ©egner gefteüt fei", bie nur 
einen 9fleic^§tag f)erbeiäufüt)ren braud)ten, um bann ben gerieben 
am Sage öor beffen Eröffnung mit allem formellem 9ted^t a(§ 
abgelaufen gu fünbigen. 



16 



4* ^cvftcttuttg «^ei'sog Utn(^§ tmn JSßürttcmöcrg. 

1534. 

^^iltpp entfdilofe fitf) ie|t, ben öon i()m al§ ©etoijfenSpflid^t 
terfünbigten ©runbfa^ be§ ©d^u^eS oEer berer, n)eld)e eöangelifd) 
töerben tüollten, in Zat unb SBirfltd^feit umäuje|en. 2äng[t ^atte 
er, ber @nfel einer luürttembergifdjen ©rafin, fic^ bemüt)t, feinen 
fetter, ^ergog UIric§ öon SSürttemberg, ber 1519 oom 
j{f)tt)äbifc^en 58unb n^egen feine§ Überfalls Quf bie 3ftei(f)§ftabt 
9fteutlingen üertrieben tüorben toax, in fein ßanb äurücE^ufüfiren, 
bQ§ ber f(f)tt)äbif(f)e 93unb 1520 gegen @rfa^ ber ^rlegSfoften im 
93etrag oon 200000 fl. on Ä^aifer Äarl V. übergeben unb mit 
bem biefer bann 1522 feinen Sruber ©rgfiersog g^erbinanb (feit 
1521 §errn öon Öfterreid) unb feit 1526 ^önig öon 33öt)men 
unb Ungarn) belet)nt f)atte. 9JJod)te ouc^ ^er^og Ulric^ öiel ge= 
fünbigt t)aben burd) ro^e ©emaltfamfeit unb infolge 9JiangeI§ on 
fittli(^er (Selbfiäud^t — ha"^ er öon Sanb unb Seuten öerj;agt 
tüar, ha'iß biefeS Sanb nid^t einmol feinem bod) ööüig fc^ulblofen 
©of)n (Sf)riftopt) surüdgegeben, t)a'^ e§ „bem Sfteic^ entfrembet" unb 
^ur öfterreid^ifd^en ^roöiu;^ gemad)t morben mor, taS^ lief ebenfo 
ft)iber bie natürüd^e ©illigfeit mie miber ba§ pofitiüe 9teid)§red^t. 
3)ie gefamte 9f?eid)§fürftenfd)aft n^ar an ber g^rage intereffiert, ob 
bem §au§ ^absburg biefer ©emaltftreid) enbgültig gelingen n^erbe ; 
bonn mod^te, lüa§ t)eute SBürttemberg miberfut)r, morgen aud) 
ünberen gefd)et)en : e§ mar eine £eben§frage ber „beutfc^en Sibertät", 
um bie e§ fic^ ^ier l^anbelte. S)a§ ftarfe fat^oüfd^e S3at)ern unter 
feinem gemanbten, burd^ unb burd^ anti^abSburgifdt) gefinnten 
^Staatsmann £eont)arb öon @d unb ^önig g^rang I. öon ^ranf= 
xeid) förberten ^^ilippg ^lan, ©emalt mit ©emalt gu oertreiben; 
felbft bie religiöfen (55egenfä|e traten jurüd hinter bem fd^meren 
:poIitifc^en ©ruft biefer mürttembergifd)en grage. ^J)ilipp f)at 
jelbfi im Januar 1534 ben ^önig O^ranj I. in iöar4e--buc befud^t 
unb öon if)m eine ©elbunterftü^ung öon 75000 @onnen!ronen 
al§ ©efd^en! unb oon 50000 fl. al§ ©arteten empfangen, mogegen 
§er§og Ulrid^ bem Äöntg feine gran!reid^ benad)barte ®raffd£)aft 
SJJontbeliarb (äJiompelgarb) öerfc^rieb, falls ha^ 2)arlet)en nic^t 



17 

I)innen brei So'^ren tieimge^afilt fei. S3ereit§ irar QudE) ein gro§e§ 

i^inbernis be§ friegerifd)en 9Sorget)en§ Weggeräumt, inbem mit §i(fe 

ber fran^öficfien Diplomatie unter ber (Sinmirfung ber trennenben 

retigiöfen ©egenfä^e bie 5luflöfung be§ fcf)ft)äbijc^en Sunbe§ 

erretd)t toax, auf beffen ^rieg§t)ilfe nun gerbinanb nicf)t mef)r 

rechnen fonnte; ^f)ilipp, ber ja jetb[t bem S3unb anget)örte, ^ai 

ni(^t gerul)t, bi§ er it)n gefprengt unb bamit eine Ulrid^ feinblid^e 

Organifation jerftört t)atte. 2(n ber @pifee non 24000 9JJann 

h)o^( gerüfteter ©treiter, einer germalmenben Übermacht jum 35orou§ 

öerfic^ert, {)at er bann, öon UlricE) begleitet, ben SSormarfrf) gegen 

Württemberg angetreten; am 12. unb 13. 9J?ai 1534 mürbe ba§ 

nidjt üiel über 9000 Wann ftarfe ö[terrei(^ifd^e §eer bei Sauf fen am 

3^ecfar, obert)aIb §eiIbronn§, gefc^tagen nnb binnen tiier 2öo(^en gang 

SSürttemberg jurücferobert. ^ro^Iocfenb manbten ^^ilipps !^uma= 

niftif^e ßobrebner auf i^n ha§ cöfarifd^e: „idf) !am, id) fat), id) fiegte" 

an; in ber STat ift biefer mürttembergifc^e ^rieg^jug ein 9}Jeifter= 

ftücf umfid^tiger Vorbereitung in politifd^er unb militörifc^er ^in- 

fic^t unb fd^neibiger Surd^fü^rung. Snbem gerbinanb im SSertrag 

öon ß'aben am 29. Suni 1534 bie oollenbete Xatfadje i)innet)men, 

Ulrirf) al§ §errn üon SBürttemberg anerfennen unb if)m in 9ieli= 

gion§fac^en freie |)anb laffen mufete, mürbe ein (Srfolg öon boppelter 

Söebeutung erreidjt. (Sinmal mürbe bem §au§ §ab§burg, bem 

nimmerfatten, bie 23eute au§ ben ^ä^^^en geriffen, bie e§ fcfjon 

feft §u t)alten meinte, burd) bie e§ im beutfc^en ©üben einen gan§ 

übermiegenben (Sinflu^ bet)auptet {)ätte: ha^ mar ein gemoltiger 

@ieg ber fo t)art bebrofjten „beutfd)en Sibertöt", be§ 

^ringipS ber ©elbftänbig!eit ber Territorien gegenüber ber !)ab§* 

burgifd^en SSormac^t. 2Benn man aber oielleidit fonft ^ötte gmeifeln 

fönnen, ob nid^t ein foldier @ieg in nationaler, eint)eitUd)er 33e- 

äief)ung aU ein SRüdfc^ritt gu betradjten unb gu bebauern fei, fo 

mürbe biefeS Sebenfen baburc^ gerftreut, baB mit SSürttemberg, 

\)ü^ C'^r^og Ulrid) fofort jur Üteformation {)inüberfüt)rte, ein 

SoIImerf nid^t blo^ ber „Sibertöt", fonbern aud^ be§ 

^roteftantismug aufgerid^tet marb, ha^ bem — abgefe'^en 

üon ben 9f?eid^§ftäbten unb SIn§bad)=53aireutf) — bisher noc^ faft 

gan§ fatf)oIif(^en ©üben p(ö|Iid) ein anbere§ @efic^t gab. SDZan 

barf fomit fagen, baB Sanbgraf ^^ilipp burd) bie Befreiung 

2 



18 

SBürttembergg auf bie (55e[taltung unserer ©efd^ic^te einen »efent» 
üd)en unb bauernben (SinfluB ausgeübt ^ai Wlit Äönig gerbinanb 
fleUte er übrigen^ burc^ eine Steife nad^ SBien 1535 bie freunb^- 
Ii(f)en SSejie^ungen lieber f)er. 

^tjilipp "^at 1534 — 1535 fofort nod^ an einer anberen ©teile, 
im S3i§tum SO^ünfter, boSfelbe ßiel ber ^roteftantifierung be§ 
9^ei^» p erreichen gejud)t, unb ber S3ifc^o[ grang, ©raf oon 
333albetf, ttjor nid^t abgeneigt, ha§i Seifpiel be§ .^od^tneifterS be§ 
beuticf)en Drben§ in ^reu^en, Sl(bred^t§ oon ^ofienjoüern, nad^= 
^uo^men unb wie biefer fein geiftlid^eS g^ürftentum ju oernjeltlid^en. 
Söenn biefer ®eban!e oerwirftic^t tt)orben wävt, fo würbe Söeft^ 
falen, bo§ ^eute fonfeffionett gefpalten i[t, tt)ot)l rein proteftantifd^ 
geworben fein; ober ber 5luf ruf)r ber SSiebertäufer in SDiünfter 
rief eine 9flea!tion oon folc^er ©tärfe ^eroor, t)a'Q bort naci^ er= 
focf)tenem @ieg bie römifdje ^ird|e in oollem Umfang ^ergefteltt 
würbe. ®er „oon tuttjerifd^em @ift angeftecEte" S3ij(f)of fanb fic^ 
mit biefer ©arf)(age um fo et)er ab, al§ e§ i^m gelang bie 
Ernennung be§ (5tabtrat§ unb bamit bie §errfd^aft über SJJünfter 
an fid^ gu reiben, ba§ bisher bem 58ifct)of faft frei gegenüber ge= 
ftanben mar. ®ie SSiebertäufer waren übrigens mit ber Äataftropt)e 
in 2J?ünfter norf) nid^t ausgerottet, unb wir werben fofort fet)en, 
wie ^flilipp i^nen gegenüber oerfuf)r. 

S)ie 5lu§breitung be§ @oangeIium§ im 9f{eid£)e unb bie Sßer= 
gröBerung be§ fd^malfalbifrf)en S3unbe§ fd^ritten aber tro^ aüer 
©egner unauf^altfam ooran. 5lm 29. Tlai 1536 fam jur großen 
g^reube ^^ilippg bie fogenannte SBittenberger Soncorbie §u 
(Staube, in ber fid^ bie tut^erifc^e Sflidjtung be§ 9Zorben§ mit ben 
oberbeutfd)en ©oangelifd^en in ber ?lbenbmat)(§frage oerglidE); 
nunmehr bitbeten bie ©oangelifc^en im ^d<^ wenigftenS infofern 
eine ^ird^e, al§ fie fid) gegenfeitig als Vorüber aufaßen unb bie 
^rebiger beS einen XeilS oom anbern angenommen würben. 2)er 
©trapurger 2:t)eo(oge S3u^er, ber mit ^^ilipp feit langem in 
oertrautem Sriefwed^fel ftanb, l^at bie Oberbeutf(f)en ^u fo oiel 
(Sntgegenfommen üermod)t, baBSutt)er fid^ befriebigterflärte; 35u^er 
bra(f)te eS, wie fd^on oben erwöt)nt (@. 10) aud^ baf)in, bafe ^^itipp 
bie f)effifd§e Äirc|e, bie bis ba^in met)r §u ^tt^'ing^i fi<^ ^H^' 
neigen fd^ien, ofjue 9flücE§alt auf ben ©oben ber Soncorbie ftellte 



19 

unb ben nottüenbigen 5lu§6au ber ßircfie tatfräftig in bie ^anh 
nai)m. 2)ie (Smtgung ber (Soangeüfcf)en wax oon 53ebeutung 
nid)t blofe nac^ ber paptftifc^en ©ette, nic^t blofe nad) rec^t§, 
fonbern aud) norf) Itnf§, gegen bie SSiebertäufer. Xro^ aller 
SSerfoIgungen burd^ ^atf)oIifen unb ^roteftanten, tro^ be§ faifer* 
(id^en 53efe^I§ öom Sanuor 1528, ber fte mit 3;obe5ftrafe belegte, 
behielt biefe (5e!te, bie ebenfoüiel fdimarmgeiftige al§ tt>a^rf)aft 
moberne QüQt aufiüeift, gIeic^n}oi)( in oielen ©egenben be§ 9leid^e§ 
großen 5ln{)ang unb fanb immer »ieber neuer ßulauf. ®er 
9[Rünftery(^e 3tufru^r gab notürlid^ 3InIaB ju neuen äJJafena^men 
gegen fie; au§ bem Sa^r 1537 ^aben niir eine auf ^^ilipp§ 
^efef)t erfaffene „Drbnung gegen bie SSiebertäufer," tüdd^t 
hmd) i^ren namentlitf) für jene Reiten maBöoüen, milben @inn 
einen toofittuenben (Sinbrud mac^t unb bem Sanbgrafen §ur un* 
oergänglic^en (S^re gereid)t. SSir ttjiffen je|t au§ Su|er§ Sriefn^edifel 
mit ^t)ilipp, baB ber gro^e X^eotoge bie borbarifdie Strenge 
gegen jotc^e Seftierer ebenjo für ungered^t ai§> für unstnedmä^ig 
anfat); baburc^ merbe bloB ber ganatt§mu§ unb bie 3J?ärt^rer= 
fud^t genöfirt. ^^ilipp ift gan^ in bie ©ebanfen feinel Sßertrauten 
eingegangen, ©eine „Drbnung" fdieibet öor aüem fc^atf jtoifdien 
Slgitatoren unb SSerfüJ)rten, §mifd)en @int)eimifd^en unb gremben ; 
bie einf)eimifcE)en 2(gitatoren foHen ^unädift auSgemiefen, bei einer 
erften 2Bieberfet)r au§gepeitfd^t unb gebranbmarft, er[t bei einer 
§h)eiten 2öieber!ef)r E)ingerid)tet merben. (gingeborene, bie nitf)t 
felbft agitiert, bie fic^ nur oon töuferifdien SSanberprebigern l)aben 
t)erfüt)ren (äffen, foHen jur S3efef)rung ermahnt unb im gaß ber 
§artnä(figfeit au§gen)iefen njerben; !ommen fie lieber, fo foQen 
fie gepeitfc^t, aber nid)t gebranbmarft werben; fommen fie aber= 
mal§ lieber, fo foüen fie eingefperrt unb mit geringer «Speife 
erl^alten n^erben, ob oielleic^t ©ott ®nabe geben moüte, ha^ fie 
ficf) nod) befetjren njürben. ®ie 2;obe§ftrafe follte gegen fold^e 
SSerfü^rte überf)aupt nid)t angemanbt n)erben. 5lber aud^ au§= 
lönbifd^e SIgitatoren, auf bie man bod^ am njenigften Üiücffid^t §u 
nef)men f)atte, füllten gunäd^ft nic^t getötet, fonbern nur gebranb= 
marft unb ou§gen)iefen unb erft bei S[Biebertef)r t)ingerid)tet werben. 
Äein ^obeSurteit aber gegen irgenb femanb foüte öolIftrecEt merben, 
ef)e unb juoor man folc^eä bem Sanbgrafen angezeigt i)aht. SBir 

9* 



20 

tjoben aud^ eine intereffante Slufeerung be§ ßanbgrafen üBer biegen 
^un!t, bie ebenjo üon feinem fd^arfen ^öotftanb al§ öon feiner 
billigen S)en!tt)eife ßeugniS ablegt. (Sr erüärt: „mit gutem ®e= 
tüiffen fonn man megen 3rrtum§ im ©tauben niemanb töten, meil 
ber ©taube ja in niemanbe§ 9Jfact)t fte{)t, fonbern ein reine§ ®e= 
fctienf @otte§ i[t; mem er ben ©tauben uict)t gemährt, ber !ann 
it)n nic^t erlangen", ©ans \o tjatte 2utt)er gefc^toffen, ha^ bie 
3rrlet)rer mie SSerrütfte in einen SSerma^rfam §u bringen, nic^t 
ober t)inäuric|ten feien, ba fie ©Ott, mie man on Suben unb 
SSiebertäuferu fet)e, mit 93Iinb^eit fct)lage, fo tia^ fie nic^t befef)rt 
werben fönnten unb lieber ftürben al§ öon i^rem Irrtum abliefen. 
2)er Sanbgraf ^at au(f) uoc^ barauf tjingemiefen , ha''^ bie §in- 
rid^tuug üon Srrletjrern ein Seifpiel geben f)eiBe, haS^ auf bie 
@üangelif(i)en ^^urüdfatten merbe, bie bann öon ben Siömifctien 
unter gteid^er S3ett)ei§füt)rung mürben fjingeric^tet merbeu. 



5. ^^ia|J|i§ toppüci^t. 

1540. 

S)urc^ bie 5lu§bet)nung ber ^Deformation auf tia§i §er§ogtum 
@ad)fen unb ba§ Äurf ürftentum 93ranbeuburg gemann bie eöaugetifd)e 
Semegung 1539 neue Stufen, menn auc^ ^urfürft Soac^im IL 
bem fc^mal!atbif(f)en 93unbe nic^t beitrat. 58u|er brängte ben £anb= 
grafen, ba| alle (Slemente, bie au§ religiöfen mie au§ politifd^en 
©rünben bem ^aifer miberftrebten, eng 5ufammengef(i)Ioffen merben 
foUten, ba ber ^aifer abfolutiftifc^e ©elüfte l^aht unb ba§ @oan= 
gelium mie bie beutfd)e fiibertät ausrotten merbe, fobatb er fönne. 
Äarl V. ftrebte bamal§ barnod^, ba§ erlebigte ^erjogtum ©eibern, 
an beffen 33efi| bie |)errfdjaft über bie 9^f)eiuarme t)ing, ju feinen 
burgunbifc^en Sanben §u fd)Iogen, unb mie er 'ba§ ©ebiet ber 
S3i§tümer Utretf)t unb Süttid^ ju feinen Rauben genommen t)atte, 
fo troute man i^m §u, ta'i^ er fämttid^e SiStümer für faiferlic^e^ 
^ammergut erüören unb bamit bie |)au§mad)t be§ Ijabsburgifd^en 
^aifertum§ aufeerorbentlid^ ftörfen merbe. S)er ^er^og SBilt)eIm 
öon ßieüe, ber ©eibern geerbt t)atte, mar unter biefen Umftänben 
be§ Äaifer§ natürlidl)er g^einb, unb ^önig ^einrirf) VIIL öon 



21 

(Snglanb, ber feine ©ema'^Iin, ^arl§ V. äJJu^me S?at{)Qnna öon 
Strogon, berftoBen ^atte, fu^te burct) eine ^eirot mit 2BiIf)etm§ 
©c^n^efter ?Inna ft(f) ber beutfd^en Oppofttion gegen ben ßoifer 
ju näfjern. ßu biefer Oppofition gel^örte oud) SSatjern, bog balb 
au§ reügiöfen @rünben bie SfJiebertage @ac^fen§ unb Reffen? 
njünfd^te, bolb qu§ politifd^en ifiren Striump^ erfe^nte. Seon^arb 
oon @(f Ijat einmal gefaxt, ber ^oifer ge^e barauf qu§, einen 
beutfc^en g^ürflen uad) bem anbern ju fned^tp; er n^erbe mit 
©Qc^fen anfangen, mit |)effen fortfot)ren unb mit S3al)ern ben 
(Sd^fu^ mad^en; bie onbern fämen gar nirf)t in Setro(i)t. 3ßcnn 
e§ nic^t gelang, ben groBen 53unb aller ©egner be§ ^aifer§ 
äufammengubringen, ber ^art V. (5(f)ad^ bieten fonnte, fotange e§ 
no(f) ßi^it mar, fo trug baran einmol bie innere ^ei^Hüftung biefer 
©egner bie (Scf)ulb, n)e(d)e über religiöfen, territorialen, b^naftifcf)en 
unb perfönli(f)en ©rünben ni(f)t ju ef)rti(^em unb rücff)aItIofem 
3ufammenfd)IuB gelangten; bann aber t)at f)ier ber unfeligfte @d)ritt 
^t)ilipp§ in feinem gangen Seben eingemirft, feine am 4. SD^ärg 1540 
gu D^otenburg bei ßebjeiten ß^riftinenS oolljogene gmeite S^^er- 
mäf)Iung mit einem ^offröulein feiner ©d^mefter (Stif abett) oon 
@arf)fen, mit ber erft 17 jährigen SJiargarete öon ber ©ale. ®er 
(bamat§ 35 jährige) Sanbgraf oerftieB bamit nic^t bloB gegen i)a§ 
allgemeine fittlidje @efü{)( unb fc^äbigte feinen Jtuf bei 9)^it= unb 
Qf^adiroelt fc^ujer; er t)anbelte ouc^ birett gegen ha§ aurf) in 
|)effen eingeführte 9f^eic^5ftrafgefe| ^arl§ V., bie ßaroüna oon 1532, 
tt)eld)e in il^rem 121. Kapitel auf bie S)oppeIet)e bie „peinlid)e 
(Strafe" — ben ^ob — feljte; unb ba'iß bie 9fteid^§gefe|e für bie 
g^ürften ebenfogut gälten tt)ie für ben legten i{)rer Untertanen, 
ba§ f)at bamat§ nod^ fein SD^enfd) im SReid^e beättjeifett. 2Sa§ 
ben erften ^unft angebt, fo i[t freiließ aftenmöBig §u erroeifen, 
ba§ ^f)ilipp nid)t etma, um ein S^ec^t gu 2Iu§fc|loeifungen §u er'= 
langen, bie gmeite (g£)e f(f)Io§, fonbern im ®egentei(, um fünftig 
§tu5fci)tt)eifungen, ju benen it)n ein geujiffer pt)l)fifc£)er SKibermiüe 
gegen feine @attin feit langen Sauren oerleitet ^atte, fünftig ju 
üermeiben. 9lid^t au§ ßügeHofigfeit, fonbern gerabe im 
©egenteil au§ bem. 2Bunfc| narf) georbneten ^-öerpltniffen, 
nic^t aus Seic^tfertigteit, fonbern au§ (55en)iffen§angft 
!^erau§ tat er feinen @d)ritt: feit 1525, „feit ber S3auernfel}be", 



22 

töie er felbft fagt, f)atte er in ber ^seelenbefümmernig über fein 
imfittlid^eS ßeben, ta§: it)m fogar eine Slnftecfung jujog, ha§i 
SlbenbniQ^I nicf)t ntet)r §u nehmen gesagt, mit einziger SluSno^me 
einer fcl)tt)eren Äranf^eil, tt)0 er fürdjtete unoerjöt)nt oor ben 
etoigen Sflid^ter §u treten. 93effer jd^ien e§ it)m in 2)oppeIet)e ^u 
leben, bie ja ba§ ®efe| be§ 9}?ofe§ ä^Iaffe unb in ber \o fromme 
SJiänner ft)ie Slbrotjoni, 3afob, ©oöib nnb ©alomo gelebt tjätten, 
qI§ au^er ber (S^e ber ©innenluft §u fröf)nen. @etb[t feine 
(S^ema'^Iin gab, unter SSorbet)a(t it)rer Ü^ed^te unb ber if)rer ^inber 
ouf bie Erbfolge, i{)re ^iif^ininiung; ^erjog 9JJori| öon ©adifen 
(geboren 1521), bem ^ß^^^^ipP bamalS feine S^od^ter 2lgne§ oer= 
lobte, erüärte in biefer ©oc^e treulid) gu feinem ©d^wiegeroater 
§u fte{)en, unb 2utt)er unb 9JieIan^tt)on liefen, al§ alleg ßureben 
nid^t§ nü|te, i^ren SBiberfprud) fallen, unter ber 93ebingung, ha'^ 
ber gange ßuftanb geheim bleibe. @ie fagten fc^IiefeUc^ ja, meil 
bie ®ett)iffen§angft be§ Sanbgrafen ifjre ^ebenfen übertt^ältigte: 
ob fie aud^ ber poIitifd)en (Srlüägung Slaum gaben, mit ber ^^()ilipp 
bro^te, ba^ er fid), öon feinen g^reunben oerlaffen, werbe an ben 
^aifer tjängen muffen, n)irb bon einigen |)iftorifern bejmeifett. 
3)ie ®et)eim^altung lieB fi^ aber notürlic^ ni^t erreichen, unb 
fo mar ^^itipp genötigt, "öod) be§ ^aifer§ @nabe gu fud^en, um nirf)t 
al§ Übertreter gottüd^en unb menf(^üct)en @efe^e§ in einer ^aä^^ 
öerfolgt ju werben, wo niemanb fein SSorgeljen birett oerteibigen 
!onnte unb mod)te. ®r ^atte einen {)o^en ^rei§ für be» ^'aiferS 
Sßer§eit)ung gu äaf)ten: in bem S^egensburger. SSertrag oom 
13. Suni 1541 na^m if)n ber ^aifer in feinen ©cf)u^ unb üer§ie^ 
if)m olleS, Wa§ er miber be§ 9xeid^e§ Orbnung, @efe^ unb 9fted^t 
öffentlid^ ober t)eimlid^ ge^anbelt 'f)ahe: ber Sanbgraf aber üer= 
:pftid^tete fid^, in allen ©ingen, aufgenommen bie ÜteügionSfad^e, 
ben fd)mal!albif(^en 95unb unb einige anbere 5ßerbinbungen, fid^ 
bem Äaifer gel^orfam gu erzeigen, inSbefonbefe ben (Eintritt 
(SnglanbS unb 5ran!reid)§ in ben f(f)malfalbiftf)en Sunb nid^t 
gu geftatten unb in ber gelbrifd^en 5^"age bem ^aifer ju t)elfen, 
falls bie anbern 9fieid^§ftänbe bie§ tun. 9}ät einem SBort: ^^ilipp 
erlangte für feine S)oppelel)e baburd) ^Sergeitjung, ba| er fid^ 
ba§u ^ergob, in allen brennenben politifd^en fragen bem 
^aifer Sßorfpann p teiften unb bamit oud) ber ßöfung 



23 

t)er religiofen S^rage in ^arl§ @inn bie SSege ju ebnen, 
©obülb ber ß'aifer politifd^ ^err unb SReifter xoax, fonnte er 
baran gefjen auc^ in religiöfer ^infi^t ber Station feinen SBitlen 
aufjujmingen. (So rädjt fic^ jebe ©djulb — boS SSoIf fa^ in ber 
Xatfoc^e, boB bie fieben ®öt)ne, n^eld^e SERorgarete bem Sanbgrafen 
gebar, alle otjne 9cac^n)ud)l blieben, ein ©erid^t @otte§, unb 
^f)i(ipp mufete mit eigner §anb anj ber ßerftörung feineS Sebens* 
tDer!§, ber beutfrf)en ^Deformation, mitarbeiten, inbem er bie 
^emmniffe megräumte, bie ben ^aifer oon ler ©rgreifung ber 
^affengetoalt gegen bie SReformation abhielten. 



6» Sc^molfalöifc^cv Slvicg; ^^ilt^JJ^ ^cfttttgcnfc^aft* 

1546—1552. 

®a§ ift nun ber ^nt)alt ber näc^ften Sa^re : ^arl V. be= 
meiftert alle ©egner, bie if)m gegenüberftanben, §uerft ben ^ergog 
SSil^elm üon ßleöe, ber 1543 ©etbern fatiren laffen unb ^um 
^at^oli^iSmug jurücffet)ren mufete; bann granfreic^, ha^ Stavi 
1544 burd) einen SJJarfc^ gegen ^ari§ gum grieben ton Grept) 
unb gum 35erfprec^en ber ^ilfeleiftung gegen bie <Sd)maIfaIbener 
nötigte. 2)iefe gogen ou§ ben mannigfadjen @d)n)ierigfeiten be§ 
^aifer§ nur ben einen Stufen, ha^ fie i{)ren |)auptfeinb in 9(orb= 
beutfdilanb, §er§og §einri(^ oon Srounfd)tt)eig, ^f)ilipp§ einftigen 
Sugenbfreunb, megen feiner Slngriffe auf \)a§> eoangelifd^e @o§(ar 
1542 au§ feinem ßanb üerjagten unb bort bie Üxeformation hnxd)= 
führten. 1545 marb ber ^er^og bei einem SSerfuc^ ber ^Mte\)x 
in fein Sanb bei talefelb jum ^ampf gefteüt unb oon ^f)ilipp, 
ber bie Untert)anblungen feine§ (Sc§tt)iegerfot)ne§ 3J2ori| fc^roff 
burdifreu^te unb ben in bo§ fc^malfalbifc^e Sager gefommenen 
^erjog für gefangen erflärte, nad) ßiegentjain gebraut unb fein 
§eer aufgelöft. 2)amit f)atten bie ©c^malfatbener bie @efat)r, bie 
if)nen bisf)er in ifjrem Sauden gebrot)t t)atte, befeitigt; fie maren 
imftanbe, nötigenfalls i^re gefamte Äraft nac^ einer (Seite ju 
richten. 2)iefer %aü. trat aber 154G ein; ber Äaifer, einerfeitS 
and) WQd} ber türfifc^en (Seite t)in burd) einen ISmonatUc^en 
SBaffenftiüftanb gefidjert, anbrerfeit§ burc^ ben fd)on ooUäogenen 



24 

Slb^oQ be§ mintx Sr^bifdiofS unb ^urfürften ^ermann bon Söietv 
gur gfieformotion unb ben bro^enben SlbfoII be§ 5iurfür[ten griebric^ 
^ öon ber ^fol^ einer ^roteflantifierung be§ ÄurfürflenfoUegiumä 
gegenüber gefteüt, entfdjtoB fid) lo^äufc^Iagen — mm er üon ^^ilipp§ 
2tb[ic^ten, ba§ 1545 erlebigte ©r^bigtum äRoin^ an einen feiner 
öier legitimen ©ö^ne gu bringen, gel^brt f)at, fo fonnte ba§ feine 
©mpfinbung oon ber ©efa^r bei 3ögern§ nur noc^ fteigern. @r 
berief alfo 1546 einen Sf^eic^Stag nad) 9iegensburg unb reifte oon 
93ruc!)fa( mit fleinem ©efolge bort^in. 2)ie ©c^malfalbener Ratten 
i^m mo^I ben 2Beg jur ^omn fperren !önnen; aber ju offenem 
gemattfamem S^orgel^en gegen bie ge{)eiligte SÖ^ajeftät be§ ^aifer§ 
maren fie öiel gu lo^al 9Zur ber fianbgraf erroog 1545 ben 
©ebanfen ben „SSorftreirf)" gu führen, of)ne i^n aber n^irfUcf) gu 
unternehmen ; bod) liefi ^f)ilipp bei einer Unlerrebung, bie er auf 
^arl§ SBunfc^ am 28. Tläx^ mit bem Saifer in ©peier f)atte, 
feinen ßmeifel, bafe bie ^roteftanlen auf öoUer 9f?eIigion§frei^eit 
für afle (Stönbe be§ 9?eid)§ beftef)en mürben unb bafe bie bisfjer 
immer nur auf ^eit erfolgte SInerfennung ber ^Deformation enblic^ 
bauernb au^gefproc^en merben muffe. 2)aoon mollte ber Staifer 
nic|t§ miffen; bie beiben fc|malfalbifc^en Sunbes^äupter blieben 
alfo bem Üieic^Stag fern, unb tarl fprac^ nun unter bem 20. 3uli 
1546 über fie alg über ©törer be§ gemeinen ^riebenl, 9flebeßen 
unb 3J?aieftöt§üerbred)er bie 9fteid)§ac^t au§. 

Sn bem „fc^malfalbifdjen Kriege" 1546—1547 {)at ber 93unb 
Smar äunäc^ft ^robe getjalten, unb @ad)fen unb Reffen aüein 
^aben ein §eer üon 50000 S^ann ju guB unb 7000 9Deitern in§ 
gelb gefteüt. 2lber im SSerlauf be§ ßrieg§ geigte fic^ boc^, ha^ 
menig rüdt)aItIofer|]ufammen^aItunb menig mat)r^after ©emeingeift 
unter ben SunbeSgenoffen oort)anben mar. S)er Tlann, ber bie 
rid)tige SSorausfic^t gehabt ^at, mar SJiartin S3u|er: er ^at in 
einem benfmürbigen ©(^reiben oom 26. September 1545 ben 
SSorfc^tag gemadjt, ha^ ber 58unb nad) bem Seifpiel ber alten 
Sftömer einen S)i!tator alg „|)aupt mit ooUer ©emalt" fic^ fe^en 
folle, unb ot)ne ßmeifet f)at er babei an ^^ilipp, ben einzig baju 
befät)igten ä^ann, gebac^t. (Statt barauf ein§ugef)en, maren bie 
Sünbner ooE SO^ifetrauen gegen ben ßanbgrafen, ber an ber 
©rmeiterung feine§ @ebiet§ burd) ^alenetubogen fo jät) feft^telt, ha^ 



25 

er ben hod) eöangelifd^en ©rafen bon 5y?Qffau*5Dinenburg fd)Ieci^ter- 
bing§ ni(i)t in ben fd^maüalbifi^en Sunb aufnefjmen liefe, meit 
ber ©rof baburd) einen 9ftü(ft)Qlt öielleid^t and) gegen |)effen t)ätte 
gen^innen mögen; ^t)itipp t)at alfo jelbft in biefem gaü bie 
^oliti! ber ^Religion öorangefteüt. Man traute it)m benn and) 
^(one gegen anbere 9?eid^§ftänbe ^^u unb Iet)nte alle SSorjd^Iäge, 
ben S3unb politifc^ unb finanziell [troffer ^u üerfaffen, nod^ §u 
Stnfang be§ ßrieg«iat)re§ auf bem g^ranffurter Jöunbestag ab — 
eine fotd^e ftroffere Organifation roürbe, fo meinte man, nur bem 
Sanbgrafen bie 9}?öglirf)feit jur Sßerfolgung felbftfüd)tiger ^ribat= 
äU)e(fe geben. S)er @ebanfe 9}?oriljen§, bafe beibe ©adEijen unb 
§effcn einen Sunb im 33unb abfdjliefeen unb fid^ fo eine gemattige 
©teHung nad) allen (Seiten fidjern foüten, ftiefe bei bem fleintid^en 
ßurfürften 3ot)ann Q^riebrid) auf Slbneigung; er fürd^tete burd^ 
^;p^itipp unb äJiori^ geteuft ju merben unb moHte miubeften§ 
oor^er eine ^Beilegung aQer (^egenfä^e, bie in t)unbert (Stn^etfragen 
^mifdjen SSittenberg unb ©reiben obmalteten. 

@o famen bie 2)inge, mie fie fommen mußten: ber Äaifer 
marf, audt) öon einigen eüongelifc^en dürften, mie öon ^t)itipp§ 
@d)miegerfot)n |)eräog 9Jfori^ öon ©ad)fen unterftü^t, §uerft ben 
©üben nieber unb nat)m bann ben ^urfürften 3o^ann griebric^ 
in ber @d^tad)t auf ber ßod)ouer §aibe (24. 5(pril 1547) gefangen. 
^t)itipp t)atte ftet§ feine ©c^neibigfeit bemätjrt; er f)atte an ber 
®onau ftet§, aber ftet§ oergeben§, auf einen füf)nen Stngriff ge= 
brungen, folange e§ nod) ßeit mar, ben S'aifer mit Übermadjt 
ju gmingeu unb überfjaupt gu fd)(agen: je^t ftanb er faft allein 
ber faiferlid)en §eere§mac^t gegenüber. SBo^l fonnte er, geftü^t 
ouf feine 9Jiannfc£)aften, auf feine geftungen Raffet, 3i^9^i^^oin, 
SJiarburg, ©iefeen, 9ftüffel§^eim nodi fömpfen; gemife mar aber 
babei nur ein§, ta?' SSerberben be» §effentanbe§ , nid^t aber ber 
©ieg; obfd^on g^ranfreid^ fi(^ anfd)idte, ber erliegenben beutfd^en 
ßibertöt in Ie|ter ©tunbe nod) bei^ufpringen , tro^ be§ griebeng 
oon ßrepij, fo mar boc^ faum gu ermarten, bafe bie §ilfe nod^ 
red^t^eitig fommen merbe. @o entfdiloB ficb ^f)ilipp, unter 33er= 
mitttung feines (t)om ^aifer für feine .^ilfe mit bem ^ur^ut be» 
Iof)nten) ©d^miegerfo^ne§ äJiori^ unb be§ Ä^urfürften 3oad^im IL 
öon Sranbenburg SSerfjanblungen einzuleiten, um fo met)r, aU 



26 

feine 9f?itterfd)Qft über fein ftrenge§ Sflegintent unge'^alten unb un= 
guöerlöfeig war. S)er Äaifer, bem e§ an ©elb fe{)Ite unb beffen 
fpanifdie unb beutfc^e Ü^egimenter fic^ fc^Iec^t miteinanber öertrugen, 
tt^ar ni(^t abgeneigt auf ein 5lb!ommen eingugef)en, njenn bieje§ 
i^n gegen alle hjeitere ©efä^rbung burc^ ^i)ilipp fieser fteßte. 
^agu gef)örte aber nad) ^arl§ §luffaffung ni(^t blofe bie unbe= 
bingte Ergebung be§ ßanbgrafen „auf ®nabe unb Ungnabe", 
beffen Sflüdtritt oon bem (tatfä(^Ii(i) ja fd)on gefprengten) fd)ntal* 
lalbifc^en S3unb, unbebingte Unterorbnung unter ^oifer, 9flei(i) 
unb 9f?eid^§geric^t, bie Auflieferung ber ^^eftungen unb 3ot)fung 
einer @elbfumme at§ (Strafe für ben ßrieg, fonbern and) bie 
(5)efangenfe|ung be§ Sanbgrafen, ben ^arl „öeränberlid) unb un= 
beftönbig" nannte, beffen er alfo nur bann gemife tüax, totnn er 
i'^n t)inter @d^Iofe unb 9?iegel 't)atte. 9^atürlid£) rtioüte ^f)ilipp 
aber auf biefen ^un!t fc^Iec^terbing§ nicE)t eingef)en, unb, toie 
aud^ immer t)a§ fid^ erüären möge, fd^Iie^ticf) maren bie Unter= 
l^önbler unb ^{)ilipp felbft überzeugt, ba^ ber ^aifer öon feinen 
SSerlangen abgeftanben fei unb ben ßanbgrafen nid)t über fünf 
ober fe(f)§ Xage in ^alle, n)o ber ßanbgrcf öor if)m erfc!^etnen 
fönte, fefti)alten merbe. Ob bie faiferlid^en Untertjönbter, namentlid) 
©ranoeüa ber jüngere, abfidjtlii^ bei ben meiteren SSer^anblungen 
t)on ber ©efangenfe^ung fi^miegen, o!)ne bod) bire!t fie aufzugeben, 
unb ob fie fo bie Unter'^änbler in falfd^e Hoffnungen miegten, 
ober ob bie Unter^änbler in ftröflidjer 5?ertrauen§[elig!eit an= 
nat)men , ber ^auptanftanb fei in i^rem ©inn ertebigt — ha^^ 
n)irb fid) fdimer jemals mit oöHiger S3eftimmt^eit au§mad^en taffen. 
<Sid)er ift nur, ha'i^ ^^ifipp ant 19. Suni 1547 nad) erfolgtem 
f^^ufefatt tiom Äaifer gmar burc^ ben Tlnnii be§ Q5icefanä(er§ ©elb 
ber SSerjei^ung üerfid^ert, aber nid^t mit bem üblichen §anbfd)(ag 
feierlid) begnabigt unb im Gegenteil oom ^ergog öon Sllba am 
@c^luB be§ 5lbenbeffen§, ju bem er it)n unb bie-Untert)änbIer 
geloben ^atte, gang mie ä^anjig Sa^re fpäter ©gmont unb §oorn 
gefangen feftget)aüen mürbe; bafe ber Sanbgraf fid) I)ierauf mie 
ein SSerjmeifeInber geberbete unb fein @c^miegerfot)n bi§ gum 
SJJorgen bei t^m bleiben mufete, bamit er fid) nid)t gar ein 2eib§ 
antue; boB aud) bie Unterl)änbler mie oom 93Ii^ getroffen maren; 
ha'i^ fie alfo etma§ gang 5tnbere§ ermartet Ratten; 'Oa'i^ fie aber 



27 

öor bem ßaifer auf beffen ^rage breimal jugeftanben, ha\] (Se. 9J?aj. 
nad) bem S^ertrag bered^tigt fei, ben Sanbgrafen gefangen ju 
Italien, nur nic^t auf emige ^eit; unb aud) ba§ ift ftd)er, bafe fie 
be§ ^aiferg Slngebot, er moHe ben ganzen ^Sertrag mieber 5urücf= 
gießen, 1) menn fie if)n nidfjt für red^t onfäfjen, ben Sanbgrafen 
frei nad) §aufe entlaffen unb ben Ärieg toeiter füt)ren, abgelef)nt 
unb bamit nac^trägltd) bie @efangennal)me bocf) eigentlid^ 
anerfonntl^aben. Sd) fann nid^t ftnben, ha^ ^axl felbft un= 
reblid^ ge!)anbelt !)at,2) unb bie betannte, fef)r alte, fd)on bei 9^abelai§ 
(t 1552) im ©argantua geftreifte (Sr^ötilung, al§ ob im SSertrag 
öon „nid^t eeniger (= einiger) §oft" gefprodjen unb baStreuIoferSSeife 
öon ©ranüeüa in „nicf)t emiger §aft" öeränbert morben fei, ift 
fid)erlid) eine f)aItIofe ©rfinbung. Slber menn ßarl formell fomit 
berechtigt Ujar, ben Sanbgrafen gefangen ju tjatten bi» eine @tunbe 
Oor beffen 2;ob, fo mar bie SO^aferegel politifd^ jebenfaES beg^alb 
öerfetjlt, meit fie ber Diation erfct)Iic^en unb t)art erfd)ien unb 
njeil bie gefamte beutfd)e güi^ftenfdiaft fid^ in ^$t)ilipp oerle^t 
füt)lte, unb ba§ üon bemfelben 9iJionard)en unb bemfelben ^errf^er= 
{)au§, ha^» in früfjeren Sauren mit ^ergog U(rid) oon SSürttemberg 
in ä^nlid) rüdfid)t§Iofer SBeife umgefprungen mar. Tlan get)t 
freitid) nid^t fe^I mit ber 5Innüt)me, bafe Ä'arl gerabe be§t)atb 
^i)ilipp mit eifernem @riffe fafete, meil er in if)m ben ^aupt= 
Vertreter be§ aufftrebenben, nad^ miöglid)fter SelbftänbigMt trad^ten« 
ben 2;erritoriaIfürftentum§ erblidte, burd^ meld)e§ ha§> ^aifertum 
met)r unb met)r matt gefe|t mürbe; unb infofern marber2Iugen= 
blid, mo ^t)tlipp öor it)m auf bie Äniee fiel, fid)erli^ 
einer ber §öt)epun!te in S^orI§ Seben. S)er ^aifer t)at ft(^ 
aud) au§ ollen Gräften bemüf)t, $t)ilipp§ 9iJ?ad)t auf^ulöfen, inbem 
er (abgefet)en öon ben hierauf jietenben ^eftimmungen be§ 35ertrag§ 



Sn be§ Seitgenoffen fiau^c I)cffifc^er ßfironif V, 242 ftcl)t, ba% 
Sßtltlipp btc§ 5aBe annehmen lüotten, i^m aber auf feine SSitte um frcie§ 
(Seicit feine 9(ntit)ort gctoorbcn fei. C^-benba V, 252, ftel}t ober eine faifer= 
Itdje 6-rftärung, lüelc^e bie§ auSfc^Iiefet unb ber td; folgen su muffen glaube. 

^) Man i)at behauptet, baB einige ©teilen be§ $ßertrag§ notmenbig 
bie ^Jrei^eit be§ Sanbgrafen su tl)rer StuSfüIjrung öorauSfe^en. SHetner 
2lnftcf)t mci) gibt e§ feine ©teEe berart; olfeS fonnte $ßt)itipp and) bnxd) 
Beauftragte jur 2lu§füt)rung bringen (äffen. 



28 

oon -^oÜe) oHe f(f)lt)eBenben ^fiec^tsfroi^en gegen ^^ilipp entfd^teb, 
it)m ^al^enelnbogen aberfannte utib eine Hnjal^l l^o^er Ferren, 
bie ^J)iüpp letienspfUd^tig n^aren, oon biefer ^flic^t Io5§ä^Ite. 

^adj'ötm ^f)ilipp gur Überzeugung gelangt ujar, ha"^ er 
minbeftenS in jeittoeilige ^oft fid) finben muffe, mar natürüd^ 
fein ganje§ ©treben barouf gerid^tet, bie 3eit ber ^aft abjuüirgen. 
@r t)offte bie§ baburd) gu erreichen, bofe er alle in bem 5Sertrag 
i()m geniod^ten 5luftagen fo rafdf) al§ möglicf) §ur 9iu§fü^rung 
brad)te; namentlich) lieB er gu, ta'^ ber !aiferlic^e Äommiffar @raf 
SfJein^arb oon ©oIm§ bie g^eftungen Gaffel, ©iefeen, ©pangenberg 
unb 9lüffel£i)eim fc^teifte, mobei allein au§ Gaffel gmei^unbert 
©tütfe @efcf)ü|, „QvoBe unb fteine, eine§ großen 2Sert§" fortge= 
fü^rt mürben ; nur 3ie9^nf)iiin oerblieb bem Sanbgrafen bem SSer= 
trag gemä^ „gang unb unzerriffen". Sluci^ bie ßa^htng oon 
150000 ©ulben ©etbftrafe rourbe geteiftet unb aUe ©ünbniffe 
oufgefünbigt unb bie SünbniSbriefe bem Äaifer ou§ge!)änbigt. 
Slber nac^bem aüe§ bie§ gefd^e^en mar, geigte fid), ba'^ ^art ni^t 
gefonnen mar, auf bie ^rieben§bürgf(^aft gu oerjid^ten, meldte il^m 
bie ©emolt über ^^^ilipps ^erfon bot. @r führte if)n mie ben 
abgefegten ^urfürften Sot)ann griebrid^ 5unäc£)ft beftänbig mit fi(^ 
unb fanbte it)n bann im ^rül^ja^r 1548 nad^ ben Sf^iebertanben,. 
mo ^t)iüpp lange in Dubenarbe unb 9J?e(f)eIn gefongen gef)alten 
mürbe, bem Dramen nac^ innerhalb be§ burgunbif(i)en Ä^reife§ 
be§ '3id<i)§, in 2öat)rt)eit auf fpanifc^em Soben unb in beftänbiger 
©efa^r, narf) «Spanien felbft gefcf)teppt ju merben unb bort für 
immer ^u oerfc^minben. ^f)ilipp burfte jmar mit feinem (1532 
geborenen) ölteften (Sot)n JSSü^elm, ber für if)n bie 3legentf(f)aft 
führte, fc^riftlic^ Derfet)ren unb i^m Söeifungen geben, ma§ er allein, 
o^ne irgenb einen Sftatgeber, mit rüt)renbem Pflichteifer otle bie 
Sa^re t)inburc| getan l)at. 5lber frei mürbe er nic^t, unb al§ 
ein gluc^toerfuct) fetilgefdjtagen mar, mürbe er noc^ ,;iinfürftlic|er 
unb erbörmlic^er" al§ oor^er gef)atten, bergeftalt, ba^ er 5;ag 
unb 9^act)t mit ro^en unfauberen fpanifd^en ©olbaten gufammen 
mor, mandimal mit oier, gelegentlich mit §mölf, bie fogar bei 
S^ac^t bie ^orfjönge feine§ 93ette§ frecl) unb ^ötinifcf) meggogen, 
um äu fe^en, ob er noct) ba fei! ^^i^ilipp mu^e mo^t mit bem 
^ouptmann ber 3i^ad)e Abarten fpielen unb oiel ®elb an i^n 



29 

t}erlieren, um feine (Sunft ju gelüinnen unb etiüa§ erträglicfier 
bet)Qnbe(t §u tuerben. SlUe SSorfteHungen feiner in biefer St^ot 
treu unb ebel erfunbenen @emat)(in S^riftine, weld^e ben Äatfer 
in rüf)renben SBorten an itjren trefflichen Später erinnerte unb 
gmeimal einen guBfall öor ^orl tot, fort)ie bie S3emüf)ungen ber 
furfürftlid^en QSermittler waren öergeben§, nidjt minber bie ber 
<5tänbe be§ 9ieic^§ inSgemein; bie Sanbgröfin, bie frf)on lange nid)t 
met)r ^u ge£)en öermoc^te unb überallhin getragen werben mufete, 
ftarb üor Sammer unb dlot am 19. Slpril 154D. Dlirf)t einmal \)a^ 
ftimmte ben Äaifer um, baB ^^lilipp im Unterfc^ieb öon feinem 
in @Iauben5fad)en unbeugfamen 2eiben§gefäf)rten Sotjann griebrid^ 
t)a^ „Interim" annat)m, ba^ Äarl 1548 ben Stiangelifc^en 
ftatt ber S(ug§burger ^onfeffion aufzwang; freilid) (ernten 
bie ©uperintenbenten unb Pfarrer ber l)effifrf)en ^ird^e ta^ 
Interim mannl^aft ab, erflärten, menn fie barüber ha^ Sanb 
räumen müßten, fo mollten fie fict) mit ^falm 24 tröften, 
mo e§ t)eiBe: „bie ©rbe ift überall be§ §errn", unb fonben 
bei il)rem 2Biberftanb ben ftärfften SRüd^alt an bem fern^aften 
|)effent)oI!e, ha§> mit feinen ©eiftlid^en auf bem ©tonbpunft ftanb, 
ba^ man in religiöfen Singen ni(f)t bem ^aifer unb nid^t bem 
Sanbgrafen, fonbern nur ®ott @e!^orfam fdjulbe. SSenn man 
^t)ilipp§ 9lact)giebigfeit in ©ad^en be§ Interims tabetn barf, 
fo wirb man boc^ aud^ bebenfen muffen, in meld^er ^öQenpein 
ber Sanbgraf fc^mac^tete unb wie notwenbig e§ auc^ öom ©taub« 
puntt be§ Sanbelintereffeg au§ mar, ta'B er frei würbe. 

Sm Sa^re 1552 fc^Iug enblidi für ^^ilipp nad) metjr al§ 
5iä{)riger §aft bie ©tunbe ber Befreiung. (Sein ©(^wiegerfo^n 
Tlox'xi^, fein ©o^n SBiltietm unb liergog Sofiann 5llbrect)t Don 
9}?ecEIenburg fdjioffen in ber (£rfenntni§, 'öa'^ ber ^aifer nur ge- 
zwungen öon ©rbrücfung ber beutfd)en :Bibertät abftet)en werbe, 
gegen ^^ilipps SBunfd) unb 2tnfi(f)t mit ^önig §einrid| II. öon 
granfreid^ ein Q3ünbni§ gegen ^arl, wobei fie — anberS aU 
^t)ilipp felbft 1534 üerfaf)ren War, ber g^ranfreid) bamalS f einerlei 
poIitif(^e§ ober territoriales ßi^Ö^ftönbniS gemad)t ^atte — ben 
granjofen ha§> 9?eid)§üifariat über bie S3i§tümer 3Jie^, Xoul, 
SSerbun unb (Sambrat) al§ Sotju für i^re §itfe überliefen. 2)ann 
überfielen fie ben ^aifer im äJJärj 1552 mit folc^er 9tafd^f)eit 



30 

unb SBuc^t, ha^ er fic^ ^ur glu^t au§ Snn§bruc! hqc^ SSittac^ 
in Kärnten genötigt fa{) unb am 2. Stuguft in ben ^afJQuer SSertrag 
wtüigte. SfJac^ biejem foüte er ben Sanbgrafen (ber Äurfürft tt)ar 
fc^on in SnnSbrutf entlajfen ujorben) fofort auf (S(i)Io^ Sfl^einfeB 
in greit)eit fe^en unb binnen eine§ falben 3a^re§ einen 9ftei(^§tag 
jur (Schlichtung ber religiöfen (Streitigsten berufen; mittlerweile 
foüten ^atfiolifen mie ^roteftanten fic^ ber S^eligion megen nic^t 
mit ^rieg überätet)en — bamit fiel jebe ©emaltanmenbung megen 
be§ Interims meg, Unb biefe§ felbft brac^, ha e§ überaß nur burc^ 
©enjalt burc^gefe^t morben mar, fofort gufammen. Ä'arl§ (Sc^mefter 
3JJaria, bie (Statt^alterin in ben S^ieberlanben, mie§ bem Sonbgrafen 
nun äu«äcf)ft „be§ ^apft§ ^alaft in Sömen" al§ Quartier on, 
lub it)n gu %i\^ unb entliefe if)n mit einem „t)errlic^en ©eteite" 
üon 300 ^ferben nact) Ä'öln; öon ta ging bie 3f?eife über Sülic^ 
unb @iegen. Unter ungeheurer greube be§ treuen §effenöoIte§ 
ritt ^^iüpp am 12. (September, gan^ grau gemorben, obmo^I er 
erft 48 3a^re göfilte, in Raffet ein; fein erfter @ang mar ber 
§ur ajJartinSürc^e, §ur ©ruft feiner oor brei Sauren oerftorbenen, 
nun unter ber (Satriftei ru^enben ©attin, bie tro| ber 2)oppeIet)e 
mit folc^er Siebe unb 2;reue an ii)m get)angen mar bi§ ju if)rem 
^obe. Änieenb ^örte er bie ©anfprebigt für fetne Befreiung an; 
neben i^m ftanb fein 20 iä^riger (Sot)n 2ßilt)elm, ben bie @efcf)ic^t§= 
!unbigen mit Scipio ^frifonu§ öerglic^en, ber 218 t)or ß^riftuä 
am Ricinus in äf)nücf)er Sugenb feinem SSater oor §annibal§ 
(Sd^mert ba§ Seben gerettet ^at. 



7, W^itt^^ teilte ^ciU 

1552—1567. 
?Regierung§tätig!eit im Snnern. ^erfönlid^er-fötiarofter. 

§iftorifc{)e S3ebeutung. 

®a§ 93eftreben ^f)ilipp§ mar nunmehr auf ^erfleüung eineS 
bauernben grieben§ im 9^eicf)e gerichtet, beffen er gur SSieberauf* 
rid^tung be§ üielfacf) barnieberliegenben unb in Sßermirrung geratenen 
eigenen öanbe§ bringenb beburfte. ^t)itipp ^alf be§t)alb feinem 
Scfimiegerfo'^n aJJori^ mit 700 Sfieitern in bem ^rieg gegen ben 



31 

tüilben, ben Äampf auf eigne g^auft im 9^ei^ fortfegenben WaxU 
grafen 5llbrec^t 2llcibiabe§ oon Sranbenburg, in iueld^em Ärieg 
9Jtori| ben %oh fanb, unb n)ir!te in 5lug§burg 1555 für 5lnnaf)me 
be§ bcfannten „gei[tli(i)en 9Sorbet)a(t§", ber ben ^roteftanten bie 
geiftüc^en g^ürftentümer für immer oerfdjliefeen, alfo bie !at^oüf(^e 
Äirc^e in 3)eutfc^Ianb banernb fieser fteüen follte. ^^^ilipp ging 
hierauf aßerbingg erft ein, nad^bem Äarl§ 33ruber unb ^Jiacfifolger, 
^önig gerbinanb, in einer befonberen „^Iffefuration" oerf)ei&en 
^atte, bafe biejenigen Untertanen ber geiftlid^en dürften, bie bereite 
eoangelifd^ waren, in iijrem ©tauben nid^t angefocf)ten werben 
bürften. ©o tam benn am 25. ©eptember 1555 ber 3lug§burger 
üieligionSfriebe ^uftanbe, gemöfe bem bie eoangeIif(^en unb !at^o= 
lifd^en 3teid)§ftönbe fic^ gegenfeitig für eroige ßeit "m ber Ü^eligion 
roillen nic^t befriegen gu rooUen üerfproctien ; e§ foUte atfo fünftig 
jebem 3fveid^5ftanb, mit 5tu§nat)me ber geifttic^en dürften, freiftet)en 
jur eoangeIifct)en ober fattjolifd^en Äird^e §u treten unb feine 
Untertanen gum gteid^en Sefenntni» anju^alten; roer oon biefen 
fid) bem nid)t fügen rooüte, burfte o^ne ©c^aben an feiner (£^re 
auSroanbern unb feine ©üter oerfaufen. 

5tuf ber ©runbtage biefer allgemeinen ^riebftiftuug fuc^te 
nun ber Sanbgraf bie SSunben, bie ber S^rieg unb feine (onge 
§aft bem t)effifc^en Sanbe gefc^Iagen tjatten, gu feilen. ®r ftellte 
bie gefc^leiften geftungen :^er, befdjaffte ficf) einen neuen SSorrat 
öon ®efc^ü|en, tie^ fic^ t)on gerbinanb auf§ neue belet)nen unb 
in oüen feinen reidjsfürftlic^en Üied)ten beftötigen unb macf)te 
bemgemöB feine Set)en§^errlid)!eit über eine Sln^at)! oornet)mer 
©efc^Iec^ter roie bie trafen oon 9littberg, ©diaumburg^ßippe unb 
(5oIm§ roieber mit S^ac^bruc! geltenb , nac^bem ^arl V. fie biefer 
fieffifc^en £et)en2pf(ic^t erlebigt t)atte. ^^ilipp fteHte auc^ feine 
!irct)Iict)en Üied^te burd) SSerträge mit ben (Stiften SJ^ain^, gulba 
unb ^erSfelb {)er unb bereitete bie ^Bereinigung §er§felb§ mit 
Reffen oor, ebenfo roie er burc^ einen SSertrag mit bem ©rafen 
oon ^enneberg ben ^eimfaü (Sd)malfatben§ (©. 14) an Reffen für ben 
gaE fidjerte, ba| bie ^enneberger ausfterben follten. 95on größter 
S3ebeutung roar, bafe am 30. Suni 1557 ber feit 1500, feit bem 
STobe be§ ßanbgrafen 2ßilf)etm§ III. be§ jüngeren, roä^renbe 
©treit mit 9^affau-S)ilIenburg über bie ^errfc^aft ta^enelnbogen 



32 

(©. 13, 28) unter SSermittlung ^ergog ©^ri[topt)§ üon 2öürttem= 
berg enblid^ gefdjüdötet lüurbe. Reffen behielt btefe ®rafjrf)aft mit 
Slu§nat)me einiger ?i[mter (Bamberg, äöeilnou, 2Bert)eim, (SHar, 
3)rieborf, ber §älfte üon ^abamar unb einem 53iertel üon ©iej), 
bie jamt einer (Sntfcf)äbigung§fumme oon 600000 ©ulben Sf^offau 
überttjiefen n^urben. SSenn fo ^t)ilipp feinen ©taat je^r üergrö^ert 
f)atte, fo f)at er freitief) üermöge ber in ©eutfd^Ianb übU(f)en 
Slntoenbung prioatred)ttirf)er @efi(^t§pun!te auf ftaatlid^e 3)inge 
unb unter bem (SinfluB g(eid)er öäterlidjer ßörtlicJ^feit für aüe 
feine (Söf)ne in feinem Xeftament öerfügt, bafe fein ältefter (Sot)n 
2ßil{)elm nur etma bie §älfte §effen§ mit Ä'affel ertjolten, bie 
anbern ©ö^ne 6t)riftinen§, Subroig, ^^ilipp unb ©eorg aber mit 
tKarburg, 9f?t)einfell unb ©armftabt au^geftottet nierben foüten. 
®Ieid) ^enelope t)at ^^ilipp fo fein eigene§ mü'^eöoll gefponneneä 
(SJemebe, mie fo montier beutfc^e ^ürft üor it)m, felbft ttiieber 
^erftört unb Reffen ä^rftücfelt, fo i}afi e§ au§ ber ßatjt ber 
SCerritorien erflen 9fiange§ unb erfter 9}Jact)t, gu benen e§ unter 
it)m get)örte, enbgültig ouSfd^ieb. 

SSie ^^ilipp fc^on in feinen Stnfängen immer auf engften 
^ufommenfd^Iufe aüer ©Dangelifc^en fjingearbeitet ^atte, fo mar 
er auc!§ bi§ an feinen STob im gleid^en @inn tätig. @r fucf)te bie 
<^i^e ber tf)eoIogif(^en ©egenfä^e ju milbern unb alle (Soangelifc^en 
ouf bem gemeinfamen S3oben ber Slugsburgifd^en ^onfeffion ju 
€rf)alten; e§ fd)nitt i^m in bie (Seele, ha'^ bie (Soangelifc^en fid^ 
in ®Iauben§fad)en auf§ neue fpalteten „unb bie SSibermärtigen 
biefer d)ri[tlid)en Üieligion fid) in bie O^äufte tad^en". ^t)ilipp 
«rftredte fein @efüt)I für eoangelifc^e @emeinfd)aftüi^feit unb 
eüangelifc^e ©efamtintereffen aud^ auf bie frauäi^fifd^en ©aloiniften, 
obfd)on ber Slugsburger 9ieIigion§friebe fic^ ntd)t auf bie beutfc^en 
^In^önger ßatoinS be^og. ^fjiüpp beftrebte fid^, bie Königin:» 
Butter ^attjarina, meiere für il)ren unmübigen @o^n ^arl IX. 
in 3^ran!reid) bie ^f^egentfdjaft fü{)rte, auf bie @eite ber „Hugenotten" 
"^erüber^ufül^ren ; er fudjte burd) freunblidie 93eäief)ungen gu ber 
neuen, proteftantifd)en Königin (Slifabet^ oon ©ngtanb (1558 
bi§ 1603) aud^ biefe in bie Slllianj ber eüangelifdjen (SIemente 
granfreid)§ unb S)eutfc^Ianb§ ^ereinju^ie^en , unb 1562 fanbte 
er feinen 9Jiarfd6an griebric^ öon 9ioII§f)aufen mit einigen 1000 



33 

Leitern unb gufefnecfiten ncc^ gtanfreid), lüo fie in ber ©^lodjt 
bei ®reuf tapfer an ber ©eite i^rer ^ugenottijd^en @Iaubensöer= 
tuanbten !ämpften. 

2[Bät)renb biefer Singe ttjor ^t)i(ipp§ ©orgfatt ttjie öon je^er 
unau§geje|t au(f) ber inneren SSerttJoItung feinet 2anbe§ gett)ibmet. 
<£r ^atte tt)ot)t in früt)eren Sot)ren geflagt, „ba^ er mit ben 
föangelifd^en ©acf)en fo öiel ju tun unb gu ^d^affen l^obe, bo^ 
er bie Gräfte feiner S^iäte barüber ausarbeiten muffe unb it)rer 
oiet barüber t)ingei)en unb fterben, fo bafe ei nic^t bagu fäme, 
feine 9?äte ^n feiner unb feiner Untertanen ©ad^en gu brausen." 
^Ieid^tt)oi)I t)at er fein Sanb materiell fet)r in bie §öt)e gebrad^t. 
(£r bömmte ben unfinnigen SuyuS einigermaßen ein, ber mit 
Kleibern unb im offen getrieben würbe, inbem er u. a. oerbot, 
%n g^eften unb ^oc^geiten in ©tobten mei)r al§ 100, in Dörfern 
me^r al§ 60 ©öfte gu laben (immerhin eine nod^ red^t ftattlict)e 
ßat)!!); er unterfagte ^rannlmein anberS ot§ ju aräneilicf)em 
(Sebraud) §u oerfaufen unb tiefe bie SSirtfc^aften fd)arf beauf= 
fii^tigen. ®r felbft ging mit gutem Söeifpiel ooran, inbem er fic^ 
einfad) unb fd)(ic^t fleibete, feine |)of(eute 5U bemfelben anf)ielt, 
üud) feine ^ferbe nid)t mit ^ot)en unb foftbaren gebern fc^müden 
liefe (ma§ bamalS ber S3raud) mar), unb inbem er bei feinem 
eigenen Xifc^ tt)of)l felbft anorbnete, mieöiel goreüen, §afen unb 
tüilbe SSögel üon feinen 9ientmeiftern eingefanbt merben foüten. 
(£r arbeitete ben ganzen Xüq in 3^egierung§gefc^äften ; er liefe bie 
Untertonen ot)ne (Srfd)merung öor fi4 bamit fie i^re Slnliegen 
il)m öortragen fönnten, unb mad)te ben Beamten genaue 9^ed)en= 
fd^aft über it)r ^er^alten gegenüber ben Untertanen jur ^flic^t. 
5llle ©efc^öfte erlebigte er, menigftenS um§ 3al)r 1540, mit brei 
©d^reibern ober ©e^eimfefretären ; fpäter finben mir einen Äongler, 
einen SSigefan^ler, einen ©efretariuS unb einige abiige 9iäte in 
feinen 2)ienflen. ^pipp§ Domänen füllten SJ^uftermirtfdjaften 
fein; er mar ftolj barauf, bafe bie gorften il)m jä^rlic^ 12000 
©ulben abUJarfen; ben ©alinen gu ©ooben an ber SSerra gab 
er eine neue „Orbnung" unb er^öt)te it)ren Ertrag oon 200 auf 
12000 ©ulben. 2Ba§ \)a§^ l)eifeen miß, mag man borau§ er= 
jet)en, bafe im Sa^re 1513 bie gefamten 6innat)men be§ l)effifd)en 
©taat§ nur etmaS über 28 000 ©ulben betragen Ijatten. S3rüden 

3 



34 

unb ©trafen tüurben öerbeffert ober neu angelegt ; ©troBenräuber 
ttjurben raft(o§ öerfotgt unb im 93etretung§faII mit ©nttjauptunft 
beftraft. ®ie Sufti§ roorb ftramm ge^anbt)abt; t)a§> SJiorburger 
^ofgeric^t, ba§> öor^er nur in gelüiffen griften tagte, marb [tänbig 
eingerichtet. SSon ber Stntage üon §ojpitäIern, Slrmenunter= 
ftü|ung§= unb Srrenanftatten ift fd)on (oben @. 10) gejpcoc^en; 
ftatt „fauler unb gänüfc^er 9Kön(^e" §ogen, mie einer feiner Beamten 
jagte, „arme, ^ilfloje SSJ^enfcljen" in bie ^löfter ein, unb t)a§> fc^ien 
bem Sanbgrafen @ott motitgefätliger ^u fein, oI§ beren bi§^erige 
SSermenbung. Stl§ i^m feine Sanbftänbe gur ©inlöfung öerpfönbeter 
5imter 1553 eine 2;ran!fteuer betniüigt Ratten, willigte ^^iap|> 
ein, ha^ ein 93et)oIImäd)tigter ber Sianbfc^aft bie ©teuer t)er= 
toalten unb ha^ fie nacf) ©rreic^ung be§ Qidt^ mieber abgefc^afft 
njerben foHe; er entzog fic^ ben berechtigten SBünfc^en feiner 
Untertanen auc^ t)ier nid^t. 

3)a§ t)effifc^e ßriegSmefen t)at ^tjilipp erft gefc^affen. ©r 
ftü|te e§ einerfeitS auf \)a§, 5lufgebot be§ 2lbel§ unb be§ üanbe§, 
anbrerfeitS auf Slntoerbung üon ©ölbnern; im miirttembergifc^en 
Ärieg j. 33. beftanb feine 4000 äJiann ftarfe fReiterei ju einem 
ftarfen ^Drittel au§ ßanbelünbern, ju fcf)n)acJ) jmei ©rittein au§. 
gemorbenen 2;ruppen. Snbem er eine größere SInjat)! öon |)aupt= 
leuten bteibenb in feine S)ienfte nat)m, fieberte er fic^ ein Offiziers» 
!orp§, \ia§^ im S3ebarf§faüe ben Ütatimen be§ §u bilbenben ^eereä 
barftedte unb eine rafc^e SJJobilmac^ung erleichterte; au§ 5(ben= 
teurem, bie fonft oon einem §eere jum anbern sogen, fc^uf er 
fic^ bteibenbe juöerlöffige 3)iener. SSätjrenb feine SSorgänger im 
Kriegsfall ha§^ ©efc^ü^ mo^I oon ©tobten Ratten entleijnen muffen, 
fcf)uf ipipp eine mächtige f)efftfc^e SlrtiUerie oon über iWtU 
'Ejunbert ©tüden. 

9^ur ein Übelftanb mirb an ^{)inpp§ 9flegiment lebhaft ge* 
tabelt: bie übermäßige SSorliebe für bie Sagb, bie er freiließ mit 
ben meiften feiner 3eit= unb ©tanbeSgenoffen teilte; e§ toirb ge= 
legentlicf) er^ötilt, ba^ bei einer §a| in menigen 5:agen etma 
1000 Sßilbeber, Sachen unb grifc^ünge, ja an einem einzigen 
Xage 150 ^irfc^e jur ©trecfe gebrai)t tourben ; ein fo ungeheurer 
SBilbftanb mußte ber Sanbmirtfc^aft fc^meren ©c^aben bringen. 
Um bie SSilbbiebe absufct)rec!en, fe^te ^t)itipp auf i^r 2;reiben 



35 

btejelbe ©träfe ftiie auf ©tra^enraub : bie (Snt^auptung burrf) \)a§> 
@d£)tt)ert bei §enfer§; unb [fte xüüx nod^ milbe gegenüber ber 
jonft tDotjI üblichen ©träfe, ben ertappten SSilberer an \)a§, ©ettjei^ 
eine§ §irfd^e§ ju binben unb ba§ 2ier bann freizugeben. ^f)tlipp 
geftet)t gelegentlid^ gegen 53u|er, ber U)n n^egen feiner Sagbluft 
tabelte, 'Oa'<^ er e§ tt)ol)I manchmal bamit übermad^e; aber er ar= 
beite baneben tod) xm^x „o(§ mand^ ein anbror g^ürft, ber nit 
jaget"; unb er tonnte fid) ou(f) barauf berufen, baB er burd) 
feine häufigen ^jagben in aßen Xeilen feine§ njalbreii^en 2anbe§ 
biefe§ grünblid) fennen lerne unb überaE mit feinen Untertanen 
in perfönli(f)c 33erüt)rung trete; „fann mancher arme StJJann", 
fagte er in feinem S^eftament, mo er feinen ©ö^nen bie „2Bi(b= 
fut)r" anempfat)!, „fürtommen, ber fonft nidit üorgelaffen mirb." 
©eine Reffen f)oben ^^ilipp aud) bie übergroße Sagbbegierbe 
öergiefien; ein !aiferüd)er Äommiffar t)at Äorl V. berietet, al§ 
ber Saubgraf gefangen fafe: „feiner fei im 33oIf, ber nid^t feinen 
ßopf für feinen g^ürften gäbe; fein ©ot)n fönne fo ben SBater, 
fein SBeib fo i^re§ SDZanneg Xob betpeinen, al§ biefe ßeute i^re§ 
§errn Unglüd betrauerten." 

Sßon ©eftalt mar ^^ilipp ftein unb in feinen jungen Salären 
gierlic^; Iber ^opf fafe tief im 9laden; baS^ Slntli^ mar l^eiter, 
gütig unb tie^ geftigfeit unb Ä(ugf)eit erfennen. ®ie @efangen= 
fd)aft {)at feine ^raft gmar nid)t gebrod^en, aber bod) t)er= 
minbert; man fül)rt mof){ bie g^uBgidit unb bie ©teinfcf)mer§en, 
bie it)n in feinen testen 3at)ren quälten, auf bie fünf garten 
Sa^re feiner §aft jurüd. S)ie legten Reiten feines ßeben§ maren 
aud) burd^ unerfreulid^e Singe in ber gamilie getrübt, burd) 
bie ^uc^t^ofigfeit unb bie großen Slnfprüd^e feiner fieben ©ötjue 
öon 9}Jargarete öon ber ©ale, bie mit bem ^itet ©rafen oon 
3)ie§ unb einigen fübf)effifd^en Slmtern nid)t gufrieben maren, 
burc^ bie itjuen betätigte ©c^mäd)e i^rer SD^utter, meld)e ^f)ilipp 
feit (^f)riftinen§ Xoh gang al§ Sanbe§fürftin bef)anbette, unb burc^ 
bie t^rage ber ©rbteilung, morüber ^^^ilipp mit feinem älteften 
©ot)n SSil^etm in ein gefpannteS SSerf)äItni§ geriet. ^t)i(ipp§ 
Xob tarn rafd^ unb unermartet. 3tm 2)onner§tag üor Oftern 1507 
naf)m er nod^ mit feinen ©öt)nen unb 2BiI^eIm§ ®emal)lin, 
©abine oon SSürttemberg, ber S^oc^ter §er§og (£f)riftopp, auf 

3* 



36 

bem ©c^Io^ gu Gaffel bQ§ tjeilige 2(benbmQ^I; am Karfreitag 
verteilte er feine Kleinobien unb SSaffen unter feine (2öt)ne; am 
Ofterfonntag legte er fic^ mit ben äöorten gu Söette, er fü^Ie 
eine aufeerorbentlic^e ^immtifd)e ^^reube, unb am Oftermontag, 
31. Wdx^, entf erlief er ätt)if(i)en 4 unb 5 U^r abenb§, öon bem 
3)eci^anten ber ajJartinifirc^e, S3artt)oIomäu§ ÜJJetier, mit geiftticf)em 
ßufprud) geftörft, mit ben SSorten: „SSater, in beine §önbe be» 
fe^Ie ic^ meinen ®eift!" 2In feinem ©rabe in ber S[JJartinifird)e 
fenften fic^ bie gatjuen ber fünf Sänber, bie er be^errfcf)t I)alte, 
Reffen, Ka^enetubogen, ^iej, ßi^Ö^i^^ai^ ^^^^ 9libba; bann mürben 
fie mieber aufgerichtet, jum 3^i<i)f" ^^^ (£f)rfur(f)t unb ber ßu* 
tierfid^t, ba^ fein SSer! nid^t mit il)m t)erget)e — priucipes mor- 
tales, fagte Kaifer 2:iberiu§, res publica immortalis. 

^^ilipp ^at gemi^ manche menf(i)Iid)e ©dimöc^e an fic^ ge= 
t)abt, unb feine 2)oppeIe^e mirft f)eute nod) einen tieferen ©diatlen 
auf fein S3ilb, al§ nieüeidit bei gere(i)ter ^Beurteilung feiner S3e= 
meggrünbe erlaubt ift ; fie gibt ben nie ju t)erföt)nenben Xobfeinben 
ber ^Deformation t)eute noc^ millfommenen 5lnIaB, ben tapfern 
^'ürften ju fd^mätjen, beffen t)0(^ragenbem SebenSmer! fie mit 
ot)nmä(i)tigem Knirfd)en gegenüberfteljen. SIber weit übermiegen 
boc^ im SBefen ^^ilipp§ bie lichten Seiten, fein felbft in feinen 
get)Iern erfennbarer reügiöfer @inn, feine ®utbfam!eit, bie i^n 
fogar ben SSiebertäufern gegenüber nic^t oerlieB, fein eoangeIif(^e§ 
@emeinfc|aft§gefüt)I, feine pflichttreue im ^ürftenamt, fein menfc^= 
Ii{f)e§ Erbarmen mit Strmut unb 9^ot, feine Dffent)eit. ©aju fommt 
feine Xapferfeit im Krieg, feine gä'^igfeit §ur §eere§(eitung, feine 
politifdje ®emanbtt)eit unb ftaatSmönnifc^e Stniage; er mar ber 
geborene Drganifator, ber bie Kräfte ju mecien unb pfammen» 
äufaffen mei^, ber au§ bem öor feiner ßeit loder gefügten I)effifcf)en 
Gebiet einen mirflic^en @taat gefrf)affen I)at mit feften |)oIitifcl^en 
unb militärif(^en Unterlagen. Unfrer ®efcf)id^te t)af ^^ilipp 
feine ©puren tief eingebrücft. @r t)at nicfjt blofe fein eigene^ 
Sanb politifrf) unb militärifd) fo gehoben, ta'^ e§ nic^t nur 
in ber beutfcf)en, fonbern fogar in ber europäifcf)en ^oliti! 
be§ 16. Sof)rt)unbert§ eine ÜDoIIe fpielen tonnte; er t)at e§ nic^t 
blo^ 3U einem bleibenben SöoIImerf ber Üieformation gemacf)t: er 
f)at burdE) ©rünbung be§ fc^malfalbifd^en S3unbe§, bie bo^ mefent= 



37 

lic^ fein SSerf geluefen ift, einen SlrtiftaHifationspunÜ für ha^ 
eDangelifc^e SBefen in ®eut|d)(anb gefd)Qffen, ber ein Safirje^nt 
lang alle oermanbten (Elemente ongog niie ber 9J?Qgnet boS ©ijen 
unb oielen er[t ben 9iücff)a(t fd^uf, burcf) ben fie ermutigt mürben, 
ber allgemeinen ©trbmung firf) anäuf(^IieBen unb ber römi)(^en 
Äircf)e abzujagen, bie of)ne bie t)ert)öngni^3öone SSerbinbung ber 
^oiferfrone mit (Spanien smeifeUoS in S)eutfd^tanb ebenfo oöüig 
öerloren gemefen toäre, mt fie in ©fanbinaüien unb ©nglanb ge= 
ftür^t »orben ift. @o ift ^t)ilipp einer ber SRönner, bie ba§ 
l^eutige Seutf(f)tanb möglid) gemacht {)aben. @r ift el aber auc^ 
be§i)alb, »eil er SBürttemberg bem §aufe §ab§burg unb ber 
römifd^en Äird)e entriß; er t)at bamit ber 3fteformation im fonft 
übermiegenb fatf)oIifc^en bentfc^en ©üben eine fefte unb einfluß- 
reiche Stellung erobert unb bie 5lufjaugung biefeS (Süben§ buri^ 
Öfterreid) ebenfo im 16. Sal)rt)unbert öert)inbert, ft)ie bte§ j^riebrid^ 
ber ©roBe im 18. Söf)rl)unbert burd^ ben ®d)u| 58at)ern§ gegen 
Sofept) IT. öer^inbert t)at. SBöre aber ba§ §au§ Dfterreid) im 
16. Saf)rl)unbert im S3efi^ SSürttembergS geblieben, l)ätte alfo e§ 
bauernb bie Übergänge über bie raut)e 2((b, bo§ mittlere 9^edar= 
tal unb bie öftlidljen Zugänge §um ©c^marstüalb in feiner §anb 
gehabt, fo toürbe feine militärifc^e unb potitifdje Stellung in 
Sübbeutfi^Ianb fo gewaltig geftörft, bie (Smpfinbung, einem un= 
entrinnbaren ©d^idfal gegenüber gu ftel)en, in ben (Sübbeutfcf)en 
fo übermöd^tig unb fo lä^menb geworben fein, bafe audt) 53aQern 
öiel fd)tt)erer cor ber Um!lammerung Dfterreid^g l)ätte bett)al)rt 
tt)erben fönnen. SBenn e§ alfo l)eute feine 9Jiainlinie gibt, menn 
©eutfd)lanb nid^t in einen preuBifd)en DZorben unb öfterreidljifd^en 
©üben jerriffen, fonbern oon ßötn bi§ ^affau, öon Königsberg 
bi§ g^riebrid^S^afen geeint ift, fo ^aben baron manche große 
9)Mnner i^r SSerbienft, unter ifjnen aud^ Sanbgraf ^tjilipp. 



Zllartin 3u^crs 
Bcbcutung für bas fird)Itcbe £<^b<^n 

in Reffen 



von 



Lic. Dr. Il^ilbelm Dtehl 

Pfarrer in i^irfditjoru a. 1\. 






i^aUc a. B. 1904. 
SSeretn für 9fleformation§gej(i)id)te. 



3jie Urteile über bte 53ebeutung, bie SJ^Qctin 93utjer für 
§effen get)abt t)Qt, finb Don jeljer tüeit auSe'nanbergegangen. 
$Bät)renb bie einen in it)m ben „aufeerorbentli^en" Wlann fatjen^. 
mit bem erft bie „mirüid^e S^ieformation in Reffen" beginne, öor 
bem \o gnt tt)ie „feine 9^eformation in Reffen" oor^anben tvat, 
beurteilen anbere, unter if)nen 5. 33. SSilmar, 53n|er äuBerft un* 
günftig. ©ie fet)en in it)m ba§ Unglüc! für Reffen, einen Tlann, 
ben nur einfeitige S3efc^ränftl)eit für bebeutenb t)alten fönne. SDa 
mag e§ benn gewagt erfd^etnen, gerabe in ber @egenb, mo ber 
Äampf gegen unb für 58u|er im legten ^a^r^unbert fo f)art 
getobt f)at, über bie S3ebeutung S3u^er§ für Reffen gu fprec^en. 
2;ro|bem glaube ici), ta'i^ man ba§ mu^ unb ba'^ aucf) ber, ber 
fonft üon S3u^er nid^t begeiftert ift, biefem SSortrag mit g^reuben 
folgen fann. @l gitt nur, auf ta^ @ebiet fi(^ ^u befd^rönfen, 
ba^ ict) in meinem %\)tma angebeutet \)aht unb allem bem fern 
bleiben, ti)a§> nic^t unbebingt bamit §ufammenget)ört. 

Stf) mitt bie§ genauer ou§fü£)ren. ®a^ SJJartin Su|er für 
bie gange ^olitif ^^ilippS be§ @r. öon ber ^öd^ften 53ebeutung 
tüav, ift befannt. „@eit bem ^erbft 1539", fo fc^ilbert Senj ba^ 
95ert)ältni§ ber beiben dJlänntx, „get)t faum ein po(itifd)er Slnfd^lag 
au§ ber I)effif(i)en ßangtei f)eroor, öon bem er ni^t ^enntnil, 
fein 5lftenftücf, in ba§ er nid)t Sinfic^t ermatten f)at. 3" Qdkn 
ftanb bem Sanbgrofen nic^t einmal ber eigne Rangier fo naf)e 
toit ber (Strafeburger ^rebiger. ^m 58efi^ eine§ fo innigen SSer« 
trauend oerfotgte 53u|er bocf) niemals perfönlidje Sntereffen. (Sr 
mibmete bem Sanbgrafen feine 3)ienfte, aber er mar nid)t fein 
S)iener. ©ein 2)ienft galt ber ßircf)e, bem Üieic^e (5f)rifti in 
beutfdjer Station, fein Sntereffe mar bie ^Deformation in ber 
^irdje, unb im 91 ei et) bie proteftantifc^e ^olitif." Xropem 
ift e§ fraglich, ob Sul^er bem Sanbgrafen aüegeit gut geraten ^at. 



42 

ebenso befannt ift e§, ha^ 58u|er auf bie tt)eoIogtjc^en 
ißert)Qltniffe in Reffen einen großen Sinflu^ auggeübt t)at. 
^ber er t)Qt qu^, §. 93. nad) ber «Seite be§ S8e!enntnijfe§, auf 
bie (£ntnjic!(ung§gefc^ic^te ber f)ejfijd)en ^irc^e 2ßir!ungen au§» 
geübt, bie für bie ^olgegeit t3on geringem ©egen waren. ®ie 
:3been, bie er im ©egenfa^ gegen bie öor i^m oor^anben ge= 
ttjefenen Iutt)erif(i|en Stnjc^auungen in ta§> Seben ber tjeffifdien 
^irc^e f)ineinbrac^te, ^aben i %. bie fd^meren t^eotogijtf)en ©treitig* 
feiten ^eraufgefüi)rt, bie für §effen§ 3u!unft fo üer^öngnisoott 
njerben foHten. 

©ans onberg fte^t 93u|er§ (Sinflu^ auf ba§ ürd^Iic^e Seben 
in Reffen ha. 3)a t)ot er Snftitutionen in§ Seben gerufen, oon 
benen man fagen !ann, ha^ fie ju allen ^dkn nur eine Ouetle 
be§ @egen§ für unfer öanb gebitbet t)aben. 

e§ ift meine Slufgabe, bie§ Urteil §u begrünben. ^s^ öer= 
^et)te mir nic^t, bafe ta§^ eine rec^t fc^mierige ©ad^e ift. ®ilt 
ۤ ^ier bod) ben red)ten SSeg finben, auf beut man obje!titi genug 
ift, um bem erften ^Reformator in Reffen, 5tbam ^raft, unb 
(menn irf) i^n fo nennen barf) bem gmeiten 3leformator 93u|er 
geredtit gu fein, jebem ha^ ©eine ju geben. Sc^ gtaube nämüc^, 
ba^ e§ einer ber größten get)(er in ber bi§f)erigen t)effifc^en 
^ird)engefd)ic^t§forfd)ung mar, baB fie entmeber bem einen ober 
bem anbern ber beiben genialen äRönner nic^t gerecht mürbe. 
S^amen braud)e irf) nic^t gu nennen, ^offentüd) t)aben @ie om 
(Sc^Iu^ meiner 5lu§füt)rungen ben (Sinbruc!, ha^ id} nic^t auc& 
in biefen getjler gefallen bin. 

SSenn mir bie für ben tjeffifc^en ©efc^ic^t§forfcf)er fo be^ 
beutfame ^ublifation be§ 33riefmed)fel§ Sanbgraf ^{)ilipp§ be§ 
Großmütigen oon Reffen mit 33u^er, mie fie Wa^c ßen§ in 
muftergültiger SSeife bargeboten {)ot, genau burd)fe^en, fo finben 
mir, ba^ SJJartin Souper in ben 19 So^ren, in benen er mit bem 
Sanbgrafen in brieflichem 9Ser!e^r ftanb (1529 — 1547), ^tüor 
aüegeit auf be§ Sanbgrafen ^oliti! unb perföntic^e 5ßer^öltniffe, 
bogegen nic^t mit berfelben ©tetigfeit auf bie inner!ird)Iic^e 
Sage in Reffen einen Einfluß ausgeübt {)at. @omoi)t bie 
^Briefe au§ ber 3eit be§ SJJarburger @efpröc^§ mie bie ou§ bem 



43 

Slnfoug ber 30 er ^ai)xt (äffen erfennen, boB 93ul3er bie inner» 
ftr(f)Ii(^en 9]er{)ä(tniffe in §effen tt)eber genauer !ennt nod) auc^ 
bie 5(bficf)t tjot, auf fie in irgenb einer SBeife einjurairfen. (Stoa» 
anber§ unb boc^ in einer SSe^ietjung äfjntid^ ftet)t e§ mit ben 
Briefen au§ ben Saf)ten 1541—1547. 5lu§ itjnen tritt me^r 
üi§> einmal beutlicf) (jeroor, ta^ S3u|er bie ()effif(f)en 33erf)ä(tniffe 
genau fennt unb ein meitgef)enbe§ ^ntereffe für fie f)at. @r 
fd)reibt über bie fittlid^en unb firrf)tic^en ßuftönbv in Reffen; er 
gibt bem Sanbgrafen feinen 9^at bei ber @rri(f)tnng oon Satein« 
unb £anbfd)ulen, unb ba§ alle§ au§ einer 2ofaIfenntni§ f)eraul 
unb in einer Sfrt, mie e§ nur ber !ann, ber ein tiefgef)enbe§ 
Sntereffe für eine ^Bad^t l^at. 5Iber ha§> alle§ gef(i)ief)t nur neben* 
bei. 3)afe Su|er in ben So'^i'en 1541 — 1547 für bie (Sntmicftung 
ber innerfird)(i(i)en SSertjältniffe perfönlic^ in S3etrad)t fomme, 
fann nicfjt behauptet merben. Somit fd)ränft fc^on bie S3etracf)tung 
be§ S3riefmec^fel§ bie ^eit be§ bire!ten (äinfluffe§ Su^erg etma auf 
bie ^al)xt 1535—1540 ein. 

Sluc^ in biefer Qtxt ift er nid^t immer unb nic^t aüein ber 
SJJann, ber bie ülic^tlinien angibt unb gebietet. S8ie(mef)r ftet)en 
anbere neben i^m, bie öieEeidjt ebenfo 53ebeutenbe§ n)ie er ge- 
leiftet ^aben. Sd) nenne au§ ber 3^^^ "^^^ f)effifci^en ©uper« 
intenbenten 5lbam ^raft. SSeld^ eine ^üUe öon 5lrbeit mar 
öon biefem 9J?anne bereite geleiftet, al§ Su^er erft auf ben 
^(an trat! 9lur auf einiget mitt ic^ ^inmeifen. SBar's nirfjt 
eine mirüic^ groB^ügige unb üon e(f)t reformatorif^en öebanfen 
befjerrfrfite, babei gemaltige Strbeit, ma§ er in @a(f)en ber 9^eu= 
orbnung für bie 3Sermenbung ber !ircf)Iid)en ©infünfte öollbrac^te? 
Über 10 Sa^te t)iett fie i'^n in fteter Slnfpannung: bie 9Zeu* 
reguüerung beginnt ja bereits, roie bie im ©taatSari^iö in SJiar« 
bürg liegenben noc^ unbenu^ten ^ompeten§Iiften ber obert)effifc^en 
Pfarreien bemeifen^, im Sa'^r 1525, am SSorabenb ber ^effiftfjen 
9^ef ormation, unb bauerte bi§ über 1 535 f)inau§. 2öe(d)e Schmierig» 
feiten mußten übermunben merben, mie muBte biefer SJJann fic^ 
l^ineinbertiefen in bie fleinften Sßertjättniffe ber einjelnen ^aroc^ien. 
Unb bod), menn mir nad)()er fe{)en, ma§ mirflid) erreicht morben 
ift, nid)t in ©ac^en ber (Stiftung ber Unioerfität 3J?arburg, auc^ 
nic^t ber ©rünbung ber öier |ot)en ^ofpitalien §aina, aJJeri'tjaufeu, 



44 

Gronau unb ^off)eim qu§ lauter fteinen Äirc^engefäüen, jonbertt 
in ben üeinen 2)orfgemeinben Obert)effen§, bann muffen tt)ir mit 
^oc^ad^tung fte^en oor biefem mat)rf)aft großen 9)ionne, ber aud^ im 
steinen eine foI(f)e ^raft offenbarte. ®ie öon mir neu auf= 
gefunbenen Äaftenorbnungen bemeifen \a, hal^ 5lbam ^raft bei 
feiner S^euorbnung ber firi^üd^en ßinfünfte nic^t barauf ausging, 
eine gemiffe Drbnung in bie S3eftimmung unb SSerttjaltung ber 
Äirc|engüter ^u bringen, fonbern ba§ er ha§i gefamte ©emeinbe* 
leben üon ein^eitlic£)en @efid)t§pun!ten au§ nad^ ber fojialen 
(Seite t)in neu orgonifierte, nod^bem er für bie geftfteßung eine§ 
beftimmten ^farrereinfommen§ gerabe foöiel in ^nfprud^ ge= 
nommen ^atte, al§ bie befonberen Sßert)ä(tniffe e§ er^eifd^ten. 
©eine Äaftenreform ift eine ber größten fo^iaten Saaten in ber 
gangen f)effifd^en Äird^engefd^idjte. 

Slber Slbom ^raft ift nid^t btoB ber SJJann, ber bie ^effifd^e 
^irc^e äuBerlirf) orgonifierte. @r {»at aud^ für hü§i innere Seben 
ber ^ird^e oiel getan. @r ^ot bie ^aftenreform benu|t, um für 
ba§ ^ö:§ere@(f)utmefen §u forgen. @inb aud^ bie g^orfd^ungen 
l^ierüber nod^ in ben Hnföngen begriffen, fo !ann bodt) au§ bem, n)a§ 
bi§t)er feftgeftetit merben fonnte, barauf gefd^toffen merben, \)a'^ 
in ben Slnfang ber brei^iger Saf)re, befonber§ aurfj in ba§ 3al^r 
1535 eine ptanmöBige 9^euorbnung be§ gefamten t)effifd^en ©tabt^ 
refp. £ateinfd^utmefen§ fällt, g^erner ne^me id£) mit oI§ fein 95er= 
bienft ba§> in Stnfprud^, tt)a§ notf) 3lbfct)lu^ ber Äird^enoifitation 
öon 1535 unb ber ©tjnobe üon 1536 in ber „Drbnung, 
n^eldtier maffe fjinfür bie 3Sifitatore§, ^farf)err unb ire 
]^elffer ^iacon unb aüe ^ird^enbiener üerorbnet, ge= 
{)anbtt)abt, unb im gal, fo irer einer ober me^r untüg= 
lid^ leffig ober ungefct)itft gefunben, abgefegt merben 
foUen" (1537) oerorbnet mürbe: mit onberen äöorten bie 
©d^affung oon ©efe^en für alte biejenigen, mei[d§e in 
ber ^effif^en ^irc^e ein 5tmt f)aben: ©uperintenbenten, 
'jjifarrer, S)ia!one, ©djulmeifter, Äaftenmeifter unb ©lödner, bie 
©runblegung gu einer !irdt)tid)en S^erfaffung nad^ ber ©eite ber 
Äird)enleitung ^in. ^c^ meiB, baB ic^ mit biefer 5lnfid)t manchen 
@elef)rten, g. S. §eppe, entgegentrete, bie fd)on in biefer SltfitationS- 
orbnung öon 1537 ben SinfluB S3u|er§ mittern. Stber ein* 



45 

mal ift fidler, bofe tiefer (ginflu^ auf bie Orbnung nocf) 
uon niemonb belüiefen toorben ift; ferner finben [id) in if)r 
t)tele $Infc^QUungen, bie mit 93u^er§ ßird^enöerfaffungSgebanfen 
-fid^ nid^t äufornmerireimen laffen; enblid) §eigt fid), tt)enn man 
ben Urlunben einmal genauer nad^ge^t, bü'iß üiele§, ma§ t)ier oer- 
orbnet mirb, bereits in feinen 5lnfä^en öor^er öorbereitet mar 
unb ficf) tjarmonifd^ an ha§i angliebert, tva§> Stbam ßraft münb= 
lirf) bo ober bort bei feinen SSifitationen bereite eingerid^tet ^atte. 
^enn g. S. bie Drbnung ben ©uperintenbenten, mit ^affencamp fagt, 
gleic£)fam bifdtjöflid^e SSoHmac^ten gibt, unb bamit bem abfoluten 
Ianbe§t)errlid)en ^ird^enregiment einen S)amm entgegengefd)oben 
t)aben foll, fo ift biefe ^atfarf)e bamit gu erüären, bafe ftf)on feit 
1530 öon einem meitergel^enben lanbeS^errlid^en Sfiegiment nid^t 
bie 9iebe mar. SBenn fie ober ^artifularf^noben fd)uf, bann 
richtete fie etma§ ein, gu bem bie 5lnfä^e nid^t üon ©übbeutfd^Ianb, 
fonbern üon ber fatljotifd)en Äird^e gegeben maren. ®ie 9^amen 
ber ©poballeiter, (in ber Dbergraffd)aft ^eiBen fie mie im g^rieb- 
berger 9ftural!apitet „^efinitoren"), bie ganje SSerfoffung u. 5t. 
ftellen hü§> aufeer ^tt^^if*^^- 

Set) bin alfo ber 2lnfid)t, bal — menn nid)t nod^ anbere 
t0faterialien beigebrad[)t merben — man g. 3- ^ot){ gut tun mirb, 
^u^er bei ber 53ifitation§orbnung bon 1537 au§ bem @piet ju 
(äffen. ^06) 1537 ift ber Wann, ber im ßentrum ber fird|= 
Iid)en «Reform fte^t, ?Ibam ^raft. «u^er§ Sätigteit {)alte ic^ 
übert)aupt nur für eine obfolut nid)t in perföntid^en ©egenfa^ ju 
^raf 1 5U ftellenbe ® p i f b e. ^^r eilicf) eine bebeutf ame unb f oIgenreid)e. 

Äs t)a§> ^ai)x 1538 unb mit il)m ba§ erftmalige unb einzige 
bebeutfame (Singreifen 93u^er§ in bie innerfircf)Iict)en 95ert)ältniffe 
kr {)effif^en ÄHrctie t)er aufwog, mar bie t)effifct)e Ä'ird)e äufeerlic^ 
öoUfommen orgonifiert, fomof)! fiinfic^tlirf) ber ^ird)en(eitung at§ 
be§ firc^Uc^en 2eben§ in ber ©inselgemeinbe. (£§ maren in ben 
Snftitutionen ber ©uperintenbenten, Pfarrer, ©iafone, ©c^ulmeifter 
unb Cpfermönner SJiittel gefunben, um ta^ ©üongetium an bie 
«iuäelnen ©Triften in ben ©emeinben f)eranbringen ju fönnen. 

2:rD|bem fa^ fid) ber Sanbgraf üerantaBt, gerabe um ber 
innertirc^Iic^en ^uftänbe in Reffen miüen S8u|er nac^ Reffen ju 
berufen. ®ie Sßeranlaffung ift be!annt. Su^er fam, meil bie 



46 

fonft gut funftionierenben großangelegten Drganijationen gegen* 
über bem SBtebertäufertum fi(f) al§ macf)tIo§ ermiejen. @r tarn, 
um ber n)iebertäuferij(f)en @efat)r, bie Sanbgrof ^^iltpp mit 
ÜJJa(i)tmitte(n auSjutilgen öerobfc^eute, §u begegnen, nactjbem bie[e 
ju einer ttjeitere Greife umfaffenben SSoIfSbeWegung auSgemad^fen 
mar, ber gegenüber bie in Reffen üortjanbenen fir(^Ii(^en Organi= 
fationen unb geiftigen Äröfte oerfagten. Saffen (Sie mid) f)ierauf 
etn)a§ eingef)en. S)ie SBiebertäufer, bie bamalS in Reffen i^r 
SSefen trieben, waren ein ftar!er, unb für bie fieffifd^e ^irii)e 
gefäf)rticf)er geinb. @tar! fd)on rein numerifrf). D'^ad) aßem, 
tt)a§ Xüxx erfatjren, t)aben tt)ir @runb §ur Slnnaf)me, baß fie 
»enigftenS über gan^ £)berf)effen !^in it)re Parteigänger t)atten. 
S^re SSerfammlungen nierben manchmal öon gangen „Raufen" 
öon 3)?enfd^en befudjt, unb ba§ tt)iü ettoaS bebeuten, menn ftiir 
bie ©efe^e in Setradjt äiel)en, bie über bie Slntjängerfc^aft beim 
SBiebertäufertum üorlagen. «Sie Uiaren aber aud) ftor! nac^ ber 
©eite ber ^erjönlid)f eilen, bie füt)rten. @§ finb „ber 2;euffer 
meer in e. f. g. tauben, benn id) imer gemeinet t)ätte unb unber 
benfelbigen fil gutl)er§iger leut", fd^reibt 33u|er fc^on am 
4. ^f^obember 1538, b. t). furj nac^ feiner Slnfunft in Reffen. ®a§ 
@efät)rlid)e an ber S3ett)egung Ujor aber nid^t bie ßa^t ber S5er= 
treter, aud) nid^t bie Üüdjtigfeit ber g^ütjrer, fonbern bie SCat= 
fad^e, tü^ in it)r in bie faum in Drganifation§formen gebrad^te 
I)effifd)e Äirdie eine geiftige S3en)egung {)ineinfam, bie ä^nlid^e 
ßiele ttjie biefe ^ird^e oerfolgte, babei aber öon ©runbgebanfen 
ausging, bie benen ber ürd^Iid^en Organifation unb SSerfaffung 
prinjipiett 3utt)iber n)aren. SBoüte bie ^irdje alle§ erreid)en öom 
©tanbpunft be§ %mk§> au§, haS^ burd) 3ßort unb ©aframent 
für bie ©emeinbeglieber forgt, fo gingen bie Sßiebertöufer ben 
umgefef)rten SSeg. «Sie fjaben für bie ftird^e ai§> eine ^emein= 
fc^aft Don ©Uten unb Söfen fein 5ßerftänbni§. ©ie finb gegen 
bie !ird^Iidt)en Orbnungen, üorab gegen bie ©aframente, in ge^- 
miffem ©inne fogar ablet)nenb. 2)ie ^rebiger finb it)nen, tüit 
93u|er gelegentlidE) ausführt, „üerbad)t". S^r ßiel ift bie 
©onberung öon ber ^ird)e, benn bie ßuge^örigfeit gu ßt)riftu§ 
unb ber (Smpfang be§ t)eiligen ®eifte§ finb ganj unabhängig oon 
ber 3uge^örig!eit §ur Äird^e. 



47 

S3u|er§ großes SSerbienft i[t e§ nun, baB er aurf) in biefer 
geiftigen S3eft)egung etmal öon ®ott gefanbteS unb §um Steif 
S3erecf)tigte§ fa^; bafe er ben Wnt fanb, ftatt — tvit bie bi§= 
l^erigen @egner ber SSiebertäufer in Reffen — biefe bloB ju be= 
fämpfen, i^nen baburd^ ben S3oben abzugraben, ha^ er einzelne 
if)rer ©runbgebanfen mit ben ©runbprinsipien ber ^effijd)en 
ßirc^enöerfaffung in (Sinflang ^u bringen mufer", ta'i^ er einen 
^ompromi^ fc^IoB- S)a» öon ben SBiebertäufern fo ftar! be= 
tonte ^rac^ten nad) Heiligung ber ©injelperfönüdjfeit fügte er 
in ben 3lat)men ber neu gu organifierenben ©emeinbe ein. S)ie 
d^riftlid^e Haushaltung, n^ie fie nun einmal i[t, foll bleiben — 
S8u|er {)ält fie ja oud) felbft für gut unb oorbilblirf). Slber e§ 
fott „be^er in if)r beftellet unb bie c^riftlid)e ^mi^t ernfllicf)er in 
i|r geübet werben." @§ ift ber ©ebanfe ber ßuc^t, b. ^. beffer 
ber (Sr^iel^ung, ben ^ier Su^er mit Energie in ben Drgani§mu§ 
ber l^effif(i)en ^irc^e f)ineinfeilt unb mit bem er bem mieber= 
täuferifct)en SBefen glaubt begegnen §u tonnen. „2So fein ßud^t 
unb Sann ift, ift aud) fein ©emein." 

S3eac^ten mir ha§, eben 5tu§gefüf)rte, bann mirb alleg in§ 
rechte Sic^t gefe|t, ma§ 53u|er in (Sachen ber 2öiebertäufer= 
bemegung in §effen unb bamit für ha^ firc^Iic^e Seben ber 
f)effifc^en ^irc^e getan ^at. 21I§ Urfunbe bafür ^aben mir be= 
fanntlic^* bie ^i^Ö^^^ainer ßuc^^orbnung oon 1538 an^ufefien, 
bie„Orbenung ber d^riftüc^en^irc^cnjuditfür bieÄirc^en 
im ^ürftentum Reffen," bie unter Su^er§ betjerrfc^enbem @in= 
fluB entftanben ift. ©eminnen mir ein SSerftönbniS für ha^ 
Sf^eue, ha^ un§ in biefer Orbnung entgegentritt, bann f)aben mir 
bie 3J?ögü(f)feit, ta§: äRa§ be§ @influffe§ nöfjer ju beftimmen, 
ben Su|er auf bie innerfirc^Iic^en SSerf)ältniffe ^effen§ gehabt 
^at. ®enn nad§ 93u|er§ eigenen Briefen ju urteilen, ift 
bie ©(Raffung biefer ßuc^torbnung unb bie ftete gür^ 
forge für beren ®urrf)füi)rung alleg, ma§ er für bie 
inneren SSer^öItniffe in Reffen getan f)at. 3t)re @d)affung 
umfaßt bie beiben legten 9J2onate t}on 1538, bie gürforge für 
ifire 3)urc|füf)rung bie Saf)re 1538—1540. 

93ertiefen mir un§ einmal in ben Sn^att ber Orbnung ober 
menigftenS boc^ in bie ^auptgebanfen, bie un§ in i^r entgegen« 



48 

treten. Sie öon 10 !^effijc^en Stfieologen, barunter 4 ©uper= 
tntenbenten unterfc^riebene Drbnung beginnt naä^ einer erbaulichen 
15)artegung ber ^flic^ten ber Ä'irrf)enleiter mit bem SluSbruc! be§ 
S3ebauern§ über bie gegenwärtige firc^Iitf)e Sage. S)ie 
^rofee Kalamität, bereu Sefeitigung unbebingt nötig ift, befte^t 
barin, ha^ ber „(Sat^an nic^t aüein burc^ aüerlet) Sftott^en unb 
©ecten funbern auc^ burd) bie fteifd)Iic^e uppig!et)t unb öerlaffeu§ 
wefen eben öiel armer leut oon ber gemein ©tjrifti jum tet)t 
gar entpfrembet unb abgaltet, jum tet)I fo öiet abgeuc^t unnb 
cujert, ha^ fie fic^ in bie n^are unb ganle gemetinfc^afft ber 
le^r, (Sacramenten unb jurfit ß^rifti nic^t begeben." ®iefe 
Kalamität gu befeitigen, „ben irrigen fc^efftetm mibber in @(i)aff= 
ftal gu ber ©eligen t)utt unb tt)eite ßfirifti gen^Ud) ju öertielffen 
unb bie fo nod) nid)t abgefürt, barin unb barbet) ^u bet)alten", 
tpirb man fertig bringen, n)enn man nadE) 9J?aBoabe ber in ber 
®(i)rift öon (5t)riftu§ unb ben 5IpofteIn gegebenen SInmeijungen 
über „ben §irtenbien[t unb rechte ©eelforge" einige befonbere 
^norbnungen burc^füfjrt. @§ finb folgenbe. SSor allem ift „ben 
tüirbigen t)od^ unb mol gelarten §errn unb S3rübern, ben @uper= 
intenbenten fampt aubern getremen 2)inern ber ^irc^en unb ber 
Öber!et)t" ba§ ©etoiffen gu jd)ärfen. ©ie foüen „ein rec^t ge= 
fliffen unb eifriges ufffe^enS f)aben über ade it)re ^irc^en unb 
^eme^ne, bamit biefetbigen mit recf)t gelerten, öerftenbigen be* 
j(^eibenen, eiferigen unb frommen prebigern beftelt njerben, meldte 
mdjt allein gu ben gemet)nen prebigen fonbern aud) gu bem be= 
Jonbern untermeifen, oermanen unb [troffen gegen mennig* 
liefen gefliffen unb mec^tig fein, bie auc^ il)re (Eate(i)i§mo§ unb 
•aüe§, ba§ jur feelforg get)ört, mit allen treten unb ernft t)alten 
unb üben." SlJJit anberen SSorten: bie (Superintenbenten foHen 
bafür forgen, tia^ ein ^farrerftanb gef (Raffen mirb, beffen SSer« 
treter fid^ nic^t mit ber objef tioen ®arreicf)ung öon SBort unb ©ofra* 
ment begnügen, fonbern ©eelforger finb, ©eelforger im eigenllid^en 
unb meiteften ©inn, burc^ bie inbiöibueüe Pflege, meiere fie 
^um ßlüed ber perfönlid)en Heiligung bem ©emeinbegüeb nad^ 
ber ©eite be§ religiofen 33erftönbniffe§ unb be§ fittlic^en 2ßanbel§ 
angebei^en taffen. 

S)iefe ©eelforge ift eine fc^mierige Strbeit. 9J?it ©ruft 



49 

getrieben, ^ot fie grofee ©rfolge; ober fie !ann nur bann mit 
®rnft getrieben werben, wenn bem Pfarrer bei feiner Strbeit 
Organe jur (Seite ftel)en, bie it)m fein 233er! füt)ren tjelfen. 
^iefe Organe finb bie 5t(teften. „S23ei( e§ ben Wienern be§ 
2Bort§ ni^t mi3glirf), allein uff 3ebermann nac^ aller notturfft 
p fef)en unb aud) einen Seben alle mael mit fru(f)t p befferung 
^u öermanen, ftraffen unb marncn, mögen tt)ir e§ nidjt anbers 
^rfennen, benn ba§ bie f)o{)e notturfft unferer Svird^en erforbert, 
ha§i tt)ir bie alten Drbenung be§ f)(. geift§, tt)ip wir bie in ben 
Slpoftolifc^en fc^rifften l^aben, bet) un§ tt)iber auff richten unb §u 
ien 2)ienern be§SSort§ in t)eber ^ird^en, nad^bem fie groi 
ober !(ein an leuten fet)n, etlid^e ^re§bitero§, ha^ ift (Stteften 
öerorbnen, bie öerftenbigften, befd)eibenften, e^frigften unb frömbften 
im Ferren, unb bie aud^ be)^ ber ©emeine bie beft oertrautiften 
unb molgemeintiften fein, fo man immer inn ber @emt)n t)aben 
mag. 2)ieffe ©Iteften fotl t)ebe ^'ird)en wie aud) bie Wiener be§ 
njortg ein§ t^eit§ auB be§ 9iabt§ ober ©eric^tg §errn, ein§ t^eil§ 
ton ber Gemeine melen. 5ludE) mere gut, ba§ man fie in ber 
^ird^en mit bffentlid)em gebet unb öermanung beftetigte unb ir 
Stmpt alfo t)el)tigte." 3)iefe§ 51 mt felbft beftet)t barin, baB fie 
„ein befonber ölei^ig Ufffefjen auff bie ^rebiger t)aben 
follen, bamit biefelbigen ire§ Slmpt§ rec^t auSmarten in leer unb 
leben, unb wo fie ba§ tt)un, fie für bem fatfc^en t)erleumbben 
trerolid) oertebingen, wo aber tt'B ht);) il)nen mongel erfunben 
würbe, baS: fie baran fein, bamit foldjS burc^ fie ober bie Öber= 
fet)t gebeffert werbe. SBo bie c^riftlid)e leer gegen jemanbe 
.§u oertebingen ober irrige Seut ju berichten ober etwa§ 
anber§ wic^tig§ oon wegen ber Äirc^en ^u l)anbeln fürfaüen Würb, 
füllen fie alweg barbet) fein unb iren getrewen rabt unb piff 
bagu nad^ if)rem beften öermügen beweif en, bamit atle§ in ber 
^irdien befto örbentlid)er, oertrawter unb ju me^rer befferung 
oerric^tet werb." SnSbefonbere foü e§ i^re ^flid)t fein, „neben 
unb mit ben Wienern be§ SSort§ bie gemet)ne ©eelforg unb 
ben §irtenbienft §u oerfe^en, baB fie nemlic^ ire§ beften oer^ 
mögen§ baju raten unb tjelffen, ba§ aüe getauffte, jung unb alt, 
in c^riftlic^em glauben unb leben zeitig unb genungfam geleret 
otnb bar^u oermanet unb angel)alten werben, unb wo ^emanbs 



50 

an biefem ettDQ§ feiet, bagu ^etffen, ha§^ jolcfien gelten auc| aeitig. 
unb mit guten ^ugen begegnet njecb, e§ fet) an ber leer ober am 
Seben." 

®ie Stufgobe, bie bie t(te[ten mit ben Pfarrern ^ufammen 
a(§ bie (Seetjorger ber ©emeinbe ju leiften ^aben, ec[trec!t ftc^ 
mä) ber ßiegentjatner ßuditorbnung ^auptjäc^üc^ auf jmei 
Gruppen öon ©emeinbeangeprigen, auf bie unertoad^fenen 
^inber unb auf biejenigen, fo ficf) ber @emeinf(f)aft ganj 
ober 5um 2:ei( entäußern. Sei biefer ?lrbeit ftet)en i§nen 
befonbere ÜJlittel §u ©ebote: bei ben tinbern bie tatec|i§mi nebft 
abfc^Iie^enber Konfirmation, bei ben anberen bie 9JJitteI ber @r= 
mat)nung unb im 9^otfalI be§ 33anne§. 

„^ie eftiften", f)eifet e§ in ber Drbnung, „f ollen fampt ben 
5)inern be§ 2Bort§ anricfiten unb baran fegn, ba§ aüe Äinber, 
menn fie be§ alters ^a\hm fä^ig fe^n mögen, gu ben ßatec^iSmiS 
gefc^icft n^erben, n)elc^e ©atec^iSmoS man auc^ an jebem ort njol 
anri(f)ten !an, uff folcf)e jeit, ba§ ein iglic^er fet)ne tijnber bar= 
5U 5U fi^iifen unbefcfiroert fein tt)irb. (g§ ift aud) bie DberfeQt 
fd)ülbig, ba§ fie and) burd) ir 2lmpt menniglicf) baju ant)ott. 
SBelc^e Äinber nu^e burii) bie ßatec^iSmoS im c^riftlic^en 35er= 
ftanbt fo n}eibt bracht fein, ba§ man fie biHic^ folt jum tifd) beS 
Ferren gutaffen, f ollen bie ©Iteften unb ^rebiger üerfef)en, ha§^ 
biefetbigen uff ei)n fürnembft geft al§ jun ^et)ügen SSeinac^ten, 
Cftern nnb ^fingften oon it)ren ©Itern unb SSettern oor aller 
gemetin in ber Kird^en bem ^far^er an barju georbnetem ort 
bargeftellt ttjerben. ®a foüen umb ben ^far^ern fte^en bie 
(Slteften unb alle anber S)iener be§ 2Bort§, alsbenn ber ^far= 
l)er biefetbigen Kt)nber bie fürnemften ftüd be§ c^riftlic^en ®lauben§ 
befragen unb nacEibem bie Kinber barauff geantwortet unnb fic^ 
t)a ijffentlic^ (ä^rifto bem Ferren unb feiner Kirchen ergebeit f)aben, 
fol ber ^fart)er bie @emet)n oermanen, ben Ferren biegen Kinbern 
umb 93eftenbigteit unb äJierung be§ ^eiligen ®eifte§ gu bitten 
unb fold) @ebet mit einer Collect befd^lieBen. ®em aüen nac^ 
fol benn ber ^fart)er benfelbigen Kinbern bie §enb aufflegen unb 
fie alfo im 9iamen be§ §errn confirmieren unb ^u c£)riftlic^er 
®emeinfcf)aft beftetigen, aucf) baruff ^um Sifc^e be§ Ferren get)en 



51 

{)eifeen mit ange^encfter QSermannng, ficf) im ©efjorfam bes (Soan= 
gelit treirüd) ju Ratten unb c^riftlidje 3"^*'""^ Straf öon 
aüem unb t)bem Sf)riften furnemlid) ober üon ben feeU 
forgern allzeit gutiuiüig aufpne^men unb berfelbige ge= 
f)orfame folg ju t^un." 

5;;er ©ebanfengang ift !(ar. 3ebe§ ßinb ift ben Seelforgern 
auf bie @ee(e gebunben. (Sie finb DerantlDOitlid^ bafür, ta'<fi bie 
Äinber d)rift(i(f) unterri<i)tet unb erlogen werben unb nac^ Stbfd^Iufe 
ber Sr^ie^ung fid^ öffentlirf) (£f)rifto unb ber Äird^e ergeben. 2)ie 
(Srgie^ung unb bie burd^ fie geraä^rleiftete |)eiligung njirb ni(^t 
me^r bem guten SSillen ber ©Itern übertoffen, fonbern fie wirb 
©ac^e ber ©emeinbe, bie für @e(egen^eit ba^u gu forgen !^at, 
aber and) barauf ad)tet unb fic^ nac^ Stblauf einer beftimmten 
3eit baöon überzeugt, bafe ^ebermann biefe @e(egent)eit ttja^rnimmt. 
^aburi^ ha'B man bie Slonfirmation einfüt)rt, ^at man bie 
fiebere (Garantie, bafe bie @räie{)ung unb ber Unterricht in ben 
Äate(f)i§mi§ ein ßid befommt. 2!er ®ebanfe, ben man mit ber 
Konfirmation oerbinbet, fc^Iie^t e§ in ficf), bo^ taS: Kinb, \)a^ 
konfirmiert mirb, ein gemiffeS 3D^afe nicf)t nur üon gertig!eiten 
fonbern oor Slüem üon gutem SßiUen mitbringen muB, fic^ ber 
3uc^t §u untermerfen. 

5)ie anbere Slufgabe, bie bie Silteften gu erfüllen f)aben, be= 
trifft biejenigen ©lemente in ber ©emeinbe, bie fic^ oon ber 
@emeinfd£)aft ber ©emeinbegtieber „gan| ober §umtt)eil 
eufern, obmot)! fie uff ben 9tamen Gf)rifti getaufft finb 
unb feinen fjeiligen Dramen tragen." Sf)t ^id ift ha, in 5ßer= 
binbung mit ben ^rebigern al§ bie ©eelforger ber ©emeinbe aEe 
biefe ©demente „ju oolfommenelr @emeinfi)afft ßt)rifti in ber 
Set)r, ©acramenten unb cf)riftli(i)er ^uc^t burcf) freuntüc^ unb 
getrenjeS (Srmanen, 33itten unb ^k^tn ^u oermbgen unb gu 
bringen." ®ie Orbnung empfiet)It bei biefer ©elegentjeit ben 
'Pfarrern unb ^Xtteften gröBtmögIicf)fte§ ©ntgegenfommen gegen 
bie Srrenben unb S3enufeung aller jur 35erfügung fte^enben 9J?ittef. 
SQ3o fie fo(cf)e finben, „bie au(^ bie prebigung unb aüeS 
(£t)riftli(f)e§ tt)uen meiben, ha§, gefd)e^e benn au§ 3rtumb in 
ber 9ieIigion ober au§ fIeifcE)tic!^em @picurifcf)en (eben, foüen fie 



52 

ftc^ famptlic^ beraten, tuie unb burd) tuen folcf) leut entließ 
bod^ erfttid) ^um geijör götli(f)§ 2Bort§ bracht ttierben, ba§ tt)et)r 
benn, bog ein foUi^en gar entpfrembbten non ber (f)riftüd^ ©ernenn 
eiiner ber ©lüften bejonberS anfpred) ober ha§ man anber leutf), 
€§ tt)ere fet)ne freunbt unb öerlüonbten ober anbere, an i()n 
fd)i(fete ober ba^ man inen für bie (SIteften unb ^far^er fampt= 
lid) beruffe. @§ fot ober alle biefe oermanung an berlei leuten 
üllemeg gefdje^en mit aller d)riftlic^er fanfftmut^ unnb linbigfel^t 
üud^ mit tremen unb freunbtlid^em furl)alten ber fo reichen 
gnaben unb be§ fo geftrengen @erid)t§ Sljrifti auc^ mit^ an» 
bietung freunbtlic^S beric^tS unb untermeifen§ burd) ©otte^ 
3Bort in allem bem, barinn fid) ei)ner ftofeen unb irren möge." 
©elbft benen, bie öerftodt bleiben unb aEe SSermat)nung oer* 
üd)ten, foll man „aüe bürgerliche unb fünft fc^ülbige bienft unb 
gemeinfdiaft auc^ piff in ^iiten leiften", aber bo§ alfo, „boB 
bie ßbriften immer bamit urfac^ fud)en, foId)e leut ^ur hn^ §u 
Germanen unb fic^ auc^ mit bem eufern oon it)rer unnötigen 
gemetinfd^aft bemeifen, at§ bie e^n t)erl3lid) Iet)bt tragen ob 
fo(d)er Ieutt)e emigem oerterben, barin fie fid^ bod) burd) ir gotloi 
mefen ftüräen." 

S)iefelben ®eft(^t§puu!te gelten für bie, bie bie^rebigt 
n)ot)I befuc^en, fid) aber bem Xifd) be§ §errn fernt)a(ten. 
^luc^ bei itjnen ift \)a§, Se^te, ju bem fic^ bie ©emeinbeglieber 
€ntfd^lieBen foüen : SJJeiben il)rer ©efellfdjoft, aber nic^t in feinb* 
feiiger ©efinnung fonbern ju bejeugen, bafi iljuen „befonberä 
fc^mer^ unb Seiben ift, t)a§, foldje alfo ah ber ©emeinfc^afft be§ 
emigen 2eben§ in (S^rifto S^efu fdjemen." 

3BeitergeI)enbe 9J?afeuat)men erforbert bie britlc ©ruppe öon 
9)?iff etätern : „bie mol ^ur ^rebigung unb aud) sunt tifc^ 
be§ §errn ge^n, aber ftrefflic^ leben unb in ftüden, bie 
ieberman für Unrecht erfennt, befunben merben". ^ Sluc^ 
fie follen ermat)nt merben, „fo offt unb lang fie hü§> mit I)offnung 
ber befferung unb fruc^t tpn mögen". „Set)arret aber et)ner 
in feinem befentlic^en arge, bem foII bie gemeinfc^afft be§ tifc^S 
(S^rifti abgefproc^en unb er gel)alten merben Ujie ein §el)be" auc^ 
nid)t et)er pgelaffen merben, er beffere fid) benn gnoor. „S)amit 
aber in bem gegen niemanb§ ungeitig geljonbelt merbe, foH mon 



53 

aud) tierfef)en, ha^ fein ^ird) tiemantS ben tifc^ be§ Ferren unb 
6f)riftlic^e gemeinfc^afft ef)e abf(f)lag, e§ fet) benn ba»felbige biird^ 
ben ©uperattenbenten naii) (SrfantnuS ber ©ad^en für recf)! unb 
billtc^ erfant." S(ud) foU biefer 33Qnn ni^t öorgenommen werben, 
Df)ne bafe ber ©nperintenbent mit bem gu 93annenben noc^mat^ 
ficf) berebet. SBirb einer gebannt, bann ge](^iet)t e§ bur^ ben 
«Snperintenbenten cor ben 5üteften ober im fd)Iimmften ^QÜ öor 
ber @emein. ^ie 33annung ^ie^t S^erluft ber bürgerlichen St)ren= 
rerf)te, ber 3ulafj^^9 ä^r ^atljenfdjaft jonjie be§ 3Injpru(^§ auf 
fird)Iid^e ^eerbigung na^ jid). S)er 2Beg pr 9?üc!gängigmocöung 
be§ Sann§ ift aufrid^tige 9?eue. S)ie ^inber ber ©ebannten 
njerben d^riftlid) erlogen, ha fie „\a mef)r ber ^ird)en al§ if)nen 
geboren merben". 

SBenn Pfarrer unb 3((tefte al§ ©eelforger in ber eben an= 
gebeuteten Söeife on ben nod) nidjt öoUfommen §ur ©emeinbe gu 
^ö^tenben, fei e§ ben Slinbern, fei e§ ben Strenben, i^re Sc^ulbig- 
feit tun, bonn ift nad^ 5tnfd)auung ber 3u(^torbnung ein .^aupt= 
teil be§ @(^aben§, ber jur ^ät öortag, §u bef)eben. greilic^ fott 
fid) bie feeIforgerIid)e !Iätigfeit beiber nid^t blofe auf biefe beiben 
©ruppen oon ©emeinbegliebern befdiränfen. @ie foll überfjaupt 
in allen ©emeinbeaften jum S)urd)brud) fommen. 2)ie Drbnung 
finbet e§ für nötig, bieg an i{)rem ©c^Iufe nod) einmal befonberS 
t)ert)oräuf)eben. S3ei ber 2aufe foII bie Erteilung be§ @aframent§ 
oerbunben fein mit einer ernftlid^en ©rmatjuung, „foId)§ @efd)enf§ 
unb !föergfg S^rifti burc^ ben ®ienft unb bie ^ü6)t be§ Äinbe^ 
fid) mürbig gu ermeifen", unb bei ber 3"Iaffiii^9 ä"^ ^aten= 
fc^aft ber (Sefic^tspunft mafegebenb fein, ha^ e» barum gelte, 
„bie ^inber ou§ ber Si^rannei bei ©at^anS unb oon allem fteifc^« 
lid^en unb mettlic^en ^f)un in ba§ 9teic^ (E^rifti unb gu marem 
f)imlifd)en unb göttlichen SBefen einsuleiben". ©benfo foll ber 
Stbenbma^lSgenuB immer aud^ gu Übung ber (Seelforge be= 
nu^t merben unb ba§ Traufen lag er ein befonberer SlnlaB gur 
Entfaltung feelforgerlicf)er Slrbeit ber Pfarrer fein, ©nblic^ l)at 
bie ^rebigt bie Slufgabe, gerabe folcf)e ©egenftönbe oon Qdt 
§u 3eit ^u be^anbeln, bie bie i^olgen gottmibrigen 2Banbel§- 
beutlicl) üor Singen füt)ren. 

(Someit bie 3ucf)torbnung. 



54 

S03ir fommenaurSeantiüortungber^rage, n)Ql58u|er 
mit ber ©cfiaffung biefer Orbnung bem f)efftfcf)en Sonbe 
gefc^enft ^at. 

SQSir anttoorten barauf : J^eoretifc^ betrachtet in bieten fünften 
getoi^ eine njefentlidie Stnberung in ber SSerfaffung be§ firc^Iic^en 
£eben§. ^iöurbe biefe Orbnung burc^gefütjrt, fo xoav nic^t mef)r 
bQ§ Wmt bie Centrale für olleS ^riftlid[)e ©Raffen in ber ©emeinbe, 
fonbern bie ©emeinbe f eiber, unb biefe§ Schaffen befcfironfte [ic^ 
nirf)t metir im SSefentlic^en auf bie offigieae Darbietung oon 
^ort unb ©aframent, fonbern fanb feine SßoHenbung in ber 
feelforgerlic^en Einarbeitung ber in SBort unb ©aframent ge» 
bunbenen geiftigen Gräfte in bo§ Seben ber (ginsetperfönlic^feiten, 
bie bie ©emeinbe bitben, in einer @r§ie^ung ber (Sinäelnen ^u 
c|ri[ttic^en unb fircf)Iic^en (X^arafteren. 

Unb borf) mar biefe mefentlidie tnberung in einer 5trt ^u 
SBege gebradjt, bafe ba§ öegenfä^Iic^e gegen bie bisherigen 33er= 
faffungSformen für bie ßeitgenoffen gar nic^t fo beuttid) ju Sage 
trat. 2öir empfinben e§ at§ gegenfö^lic^, meil mir anbere Ä'ate= 
gorien für unfere ^Beurteilung {)aben al§ bie Seute öon bama(§; 
bie (guperintenbenten, bie 93ul3er gur Unterfrf)rift ber ßuc^torbnung 
beftimmte, empfanben ha§> mot)I nict)t, fünft Rotten fie bie Orbnung 
nidjt unterfdjrieben. gür fie mar in ben ^ufammen^ang be§ 
!ird)Iicf)en i^ebenä nact) ber er^iefitic^en ©eite feiner 5(ufgabe ^in 
ein neues ©lieb eingefügt, fo mie i^r ^Ittmeifter 5tbam i^taft oor 
Sauren in ber taftenoerfaffung fc^on ein neue§ ©lieb eingefügt 
l^atte. Unb barum unterfc^rieben fie unb gingen mit Srnft an 
bie 5lu§füf)rung beffen, ma§ fie unterf (^rieben t)atten. 9?oc^ in 
bemfelben 1538 er 3at)re, bem bie ^iegentjainer ßuc^torbnung 
entftammt, arbeiteten bie ^affeler ^raebifanten bie „Orbenung 
ber ^irdien gu gaffet" au§, bie bie ^iegentjainer SBefc^Iiiffe, 
befonberS ^infic^tlicf) ber ^'onfirmation in ^rai'i? umpfelen fic^ 
bemüt)t unb u. % bereits ein ouSgearbeiteteS gormutar für bie 
.■^onfirmatton§f)anbIung barbietet. (Senioren ber ^irc^en gu 
Ä'affet begegnen un§ ebenfaüS 1538. ©benfo ge^t man an 
anberen Orten baran, bie 93efct)Iüffe burc^5ufüf)ren. SBenn es in 
einzelnen Se^irfen red)t langfam bamit ging, menn Su^er 



55 

^elegentti(^ jogar über ©uperintenbenten ffagt, „bie bie ßiJ'^t^ 
orbnung nit treiben tüotlen" imb von quo 5(ften im SJJarburger 
^Irc^io g. 33. etfat)ren, ha^ im SImte 9^ibba erft 1543 ber 5Infang 
bamit gemad^t iporben fei, Stltefte ein^ufe^en, jo tüiü boS {)iegegen 
nid)t§ bejagen. S)er ©runb lag ha, lüie bie Sitten bemeijen, an 
«nberen SDingen. 

9^od^ günftiger n)irb . unfer Urteil über biefe %at S3u^er§, 
bie in bem (SrlaB ber ßudjtorbnung üorliegt, ftjenn mir einmal 
bie ©Qd^e üom ©tonbpuntt ber SBirfung auf bie firdjlic^e S^xü^i§, 
•au§ anfdEiauen. 

SSoüen mir bie pra!tifd)en O^olgen im innerürdjlic^en Seben 
ter tjeffifc^en ßird^e erfennen, bie bie SReformen öon 1538 brai^ten, 
bann bürfen mir ni(f)t an ben Sat)ren fleben, bie auf ben (Srlafe 
ber Orbnung bireft folgten. 3n il^nen mar bie SSirfung 
gering. Sn i^nen erreii^te man nur, ba§ bie ^auptleute ber 
^iebertüufer ficf) beruhigten unb fo aucf) eine gemiffe Ü?u{)e in 
bie ganje Semegung tam; ober wir miffen aUe au§ Supers 
^Briefen, bafe ba§ ni(^t fomof)t bie g^olge ber Orbnung al§ Supers 
perfönlidjen SSirfen§, befonberS feiner Sßefprec^ung mit ben 2Bieber= 
täufern, mar. Sn ben je^n näi^ften 3ot)ren nac^ (Srla^ ber 
Orbnung mar bie 9JiögIid)teit, mit ber Orbnung mirflid^ ©ruft 
SU mad^en, fo gut mie au§gefcf)Ioffen. (£§ fetjite oor 5(Uem an 
brauchbaren Senioren, e§ fef)Ite au(^ oielfad^ an braud^baren 
ipfarrern. SSören biefe oorl^anben gemefen, bann mar e» unmöglich, 
bafe Sanbgraf ^^ilipp im Sa^re 1541 öon feinen ©uperintenbenten 
einen S3eric^t empfing, in bem um Einrichtung üon Werfern in 
©pie§!appel, 3)armftabt unb Gronau gebeten n)urbe „für bie 
^farrf)erren, fo ha mit SSoüfaufen unb anberm kfterlic^en Seben 
gro^e ®rgerni§ öon fi^ geben unb bocf) ungebeffert bleiben", 
^benfo bürfen mir in ben @efangenfd)afl§ia^ren ^^ilippS (1547 
—1552) nid)t nad^ SSirfungen ber 3ücE)torbnung fucf)en. Sn 
tiefer ^dt tvax bie ®urd^füt)rung ber Orbnung ebenfalls un= 
mögtid^. 

SJ^ögtid) mar bie Umgeftaltung be§ firc^tid)en 2eben§ in 
Reffen nad) bem SlJJufter ber ßiegenfiainer Orbnung erft nac^ 
^^itippS 3Rücffet)r. SDie ^ften bezeugen, ha^ fie fic^ in ben 60 er 



56 

unb Slnfang 70 er Sauren be§ 16. Sat)r^unbert§ au6) öoII§og, 
ta^ am ©nbe ber 70 er 3af)re jebe ©emeinbe i^re Slelteflen, 
i^re ^atec|i§mt, i^re Konfirmation, i^ren S3ann unb i^re ©ee(= 
forge ^atte. S)a muffen mir un§ umfetjen, mollen mir ^u|er§ 
(SinfluB rec^t beurteilen. 

2)a§ ÜiefuItQt, ba§ fic^ ^ier ergiebt, ift ein glänsenbeg. ©omie 
mit 93u^er§ 9fteformen (Srnft gemocht merben fonnte unb gemacht 
mürbe, geigten fic^ bie t)errlic^flen ^rüc^te. Slu§ ben KotecöiSmiS, 
bie bisfjer, mie oort)anbenene Kommunüantenregifter tiegeugen, 
gans im SIrgen lagen, entmidelt fic^ ein georbneter £anbfc^u{= 
unterrid)t, ber um fo umfaffenber mürbe, aU bie Kirc^enorbnungen 
oon 1566 unb 1574 mit bem @eban!en, bofe alle fonfirmiert 
merben müßten, (Srnft mad)ten. SSon 1574 an gehören in Reffen 
S^inber, bie nic^t fonfirmiert merben unb feinen Unterricht in 
ber 9?eIigion unb bem bamit öerbunbenen Sefen unb ©(^reiben 
genießen, gu ben ©etten^eiten. mt bem ©ebot ber (ginfüf)rung 
ber Katec^igmi unb ber Konfirmation f)at S3u^er bem ^effenlanb 
ben StnftoB gegeben ju bem smeitgröBten KuIturfortfcf)ritt, ben 
näc^ft ber Üteformotion ba§ 16. Saljr^unbert in bie ^ejfijcf)e Kirche 
gebracht, ber Einrichtung öon SSoIfSfc^uIen in ollen Pfarr- 
er ten. 3Jtag e§ für anbere iiänber ma^r fein, maö immer unb 
immer mieber behauptet mirb, ha^ bie 58oIf§fc^uIe ein erjeugnig 
be§ 18. Saf)r^unbert§ fei ; für fömtlic^e altf)effifc^en Sterritorien ift 
bie§ nic^t ma^r. §anb in §anb mit ber ftrammeren ®urcf)füf)rung 
ber Konfirmation (nacJ) 1566) ge^t in aüen ^effifcfien Territorien 
bie 5lrbeit ber ©rricfitung oon ©cfjuten, unb biefe Strbeit fteigert 
fic^ um bie SBenbe be§ Sat)rf)unbert§ berart, bafe mir getroft 
behaupten fönnen: Um 1600 mor ber größte Seil ber I}ejfifc^en 
^forreien mit ©c^ulen auSgeftattet. 3)ie ßa^I ber g. 33. 1620- 
üor^anbenen ©c^ulen öerglic^en mit ber Qa{){ ber 1820 üor= 
fianbenen geigt un§, ta^ ^ieti§mu§ unb Hufflörung fic^ auf bem 
©ebiet ber ©c^ulgrüubungen nict)t mef) getan ^aben, ba^ fie 
fiel auc| nic^t me| gu tun brauchten, meil an ben meiften 
^forrorten öor i^nen fc^on ©d^ufen mit funbiertem @infommen 
beftanben, in eingefnen Segirfen, mie in ber Dbergraffc^aft, fogar 
mit einem auf faft lauter ftubierte ©cfjulmeifter berechneten (£in- 
fommen. 



57 

(Soöiel öon ben ^Qtec^i§mi§ unb ber Konfirmation. 

@§ erübrigt un§ nod^ auf ben ©inftufe ein.^ugetien, ben bie 
(Sinfüf)rung be§ (SeniorateS unb überhaupt bie Betonung be» 
@eelforgeamte§ gel^abt f)at. 5lud^ biefer geigte fid^, fobalb man mit 
ber ©infü^rung be§ 5lmte§ (Srnft mad)te. 2öir finb über bie 
Reiten t)inau§, njo man leugnen njoUte, bafe e§ in ben eoangelifci^en 
Kird^en noc^ in ben 50 er 3at)ren be§ 16. Sot)r^unbert§ in fittlic^er 
unb religiöfer Segie^ung mitunter rec^t bebenfüc^ ftanb. (55ef)en Xök 
aber in Reffen an ben Slnfang be§ 17. 3a^rf)unbprt§, bann finben 
mir, mie im geiftlid^en Staube fo bei bem 33oIf, ein öoUf ommen öer= 
önberteg S3ilb. Suebefonbere finb e§ brei ©ruppen oon ©ünben,. 
benen ber Kamm gebrod^en ift: bie gegen ba§ 6. ©ebot, bie Unflöterei 
unb ber 5tberglaube. SdE) luiü nid)t fd^önförben. äJJein Urteil 
\)a§i i(^ gerabe tjier in biefem ^Teil au§fprec^e, grünbet ficf) auf 
grünbli(f)e§ ©tubium öon S3ifttationlaften. @ie geigen un», ta'^ 
and) ber ©eniorat feinen S3eruf erfüllt f)at, ha'^ ta§> wa^x geworben 
ift, mo§ iöu^er oon iljm ermartete. Unb ge^en mir in ben großen 
Krieg. ©lütftid^ermeife t)aben mir ja au§ if)m Cuellen genug, 
bie reben. äBa§ fagen fie un§? ©ie fagen un§, ba'^ bie 53e= 
oölferung in §effen über i^n gut t)inau§fam, ta^ 5. 33. in ben 
fd^roerflen 3^iten bie ©djulen unb bie Sitten befte^en blieben. 
2)a§ tft aud^ eine ^olge oon bem ?tngebinbe, "Oa^, W. S3u|er ber 
^effifd^en Kirdf)e gab. S)er ©eniorat, ber fpäter leiber immer 
mef)r oerfnörf)erte, unb immer unfähiger mürbe gu etma§ mirtfii^ 
©ro^em — er f)at in bem Krieg al§ treufte Stüöe oon Pfarrern 
unb S3et)örben ein 3Sotf oor bem fittlid^en unb geiftigen 3Serfa(l 
gerettet. 

SStc^tiger aber noc^ al§ biefe beiben gi^ücfite ber S3u|erifc^en 
Sfteform, bie Sc£)affung eine§ SSoIf^fdjutmefenS unb bie (Srmöglidjung 
einer fitt{irf)en 9leugeburt, bünft mir no(^ eine§, ma§ al§ britte 
grud^t nicf)t oergeffen merben barf: e§ ift burc^ biefe Orbnung 
ein ftarfe§ ©efü^I ber 8Serpfüd)tung in bie ^effifc^en 
©emeinben ^ineingefommen, ein ®efüt)I ber 5ßerantmort= 
lid^feit be§ (Singetnen für ba§ SBo^I unb SSef)e ber gangen 
©emeinbe. Unb gerabe ta liegt meinet @rad^ten§ ber Sc^Iüffel 
gur Söfung be§ Sf^ötfelS, ba§ bie ^effifd^en ©emeinben in ber ßtit 
beg großen Krieges jebeiu aufgeben, ber firf) in it)r Seben im 



58 

kleinen red^t einge'^enb üertieft, bo^ nämlic^ bie gürften mit 
if)rem SJJafinruf, au§guf)arren utib auSjubeffetn, fic^ gerabe an 
ba§ SSott tüQnbten iinb bo^ if)r aJJo^nruf nie unget)ört öer^aüte. 
SJ?ag barum $8u|er tt)äi)renb feineS ^ejfifc^en SSirten§ manc|e§ 
getan ^oben, um beffentmiHen er bem einen ober anbern nic^t 
jonberlic^ I)0(^ fle{)t: (Sin ^un!t mirb immer bleiben, im Slic! 
öuf ben mir in 5öu|er einen ber Sa^nbredier be§ geiftigen Seben§ 
in Reffen fei)en muffen, feine gürforge für §ebung be§ firc^Iicf)en 
Seben§ burd^ bie 9f?eformen öon 1538 bi§ 1540. 



I 



ßtxidji über Me 7. ©eneraliierfammhutcj, 

2)ie 7. ©eneroIoerj'Qmmlung be§ SSereinS für S^efonnotions^ 
gef(^irf)te würbe in ber Ofterirod^e 1904 am 6. u. 7. 5(pril in 
Gaffel a6gef)Qlten. S)ie 2ßal)t gerobe bieje§ Orte§ ttjar baburd^ 
üeranlofet, bo^ ta^ Sflt)r, in bem n^ir flef)en, bie 400jäf)rige 
©eburtstaggfeier be» Sanbgrafen ^^ilipp, be§ SSorfämpfer§ für 
bie 8Qd)e ber 3Reformation tuie in feinem eigenen Sanbe fo im 
€d)ma(falbifc|en Sunbe, bringen n)irb unb fic^ bo^er mit ber 
©eneraloerfornmlung eine SSorfeier biefeg @ebäcf)tni§tQge§ paffenb 
öerbinben lie^ (£in :BofaIfomitee unter bem SSorfi^ be§ @eneral= 
fuperiutenbenten Pfeiffer t)atte in banfenSmerter SSeife alle SSor* 
Bereitungen getroffen, unb fo begann bie 3]erfammtung in ge= 
lüot)nter SBeife am 9tad)mittag be§ 6. mit einem geftgotteSbienft, 
nacf)bem am SSormittag ber ©efamtoorftanb in mct)rftünbiger 
©i^ung über innere 5(ngelegenf)eiten be§ S3erein§ Beratung ge= 
pflogen t)atte. 3)en geftgotte§bienft in ber 9J^artins!irc^e fd^mü(fte 
©(jorgefang be§ ^ircf)enc^ore§ in feierlii^er Söeife; bie g^eftprebigt 
l^ielt ber galjlreirfien geftgemeinbe Slonfiftorialrat D. §aupt au§ 
|)a(Ie, inbem er im SInfcf)Iufe an bie SSorte 2. Äor. 4, 10.11 
mirfungs^ unb ftimmung»ooU ©Karfreitags = unb Oftergebanten 
auf ta§i Seben ber ©emeinbe (Sf)rifti unb fpegieü auf bie (5rfaf)rung 
ber eoangelifc^en ß^riftenJieit anmanbte. Sn bem f(f)önen ©aal 
be§ eüangelif(f)en 5ßerein§f)aufe§ fanben fid^ bann in ben l'lbenb* 
ftunben bie 3^eftteilne{)mer gufammen, mo mieberum ber Äirc^en* 
d^or oon @t. SJJartin unter Leitung be§ §errn Kantor Ätein ber 
SSerfammlung bie 2öei()e geiftlid^en @efange§ gab. $ßon ner= 
fcfjiebenen (Seiten I)er mürbe bie QSerfammlung begrübt: burd^ 
©eneralfuperintenbent ^Pfeiffer im Flamen be§ OrtSauSfc^uffeS, 



60 

burd^ ben ©tabtfuperintenbenten ^röner nomenS ber ©eiftlic^- 
feit unb burd) bie ^rofefforen D. HrfjeüS unb L). ®reiö§ im 
9?amen ber {jeffifc^en Uniüerfitäten äTiarburg unb ©ie^en. ^er 
Sßorfi^enbe be§ SSerein§ D. Äatoerau überbrachte einen ©rufe be^ 
früfjeren Dberpräfibenten oon Reffen =9^afjau, be§ ©rafen Bebli^* 
3:rü|f(^Ier. ^ie §auptgabe biefel 5lbenb§ bot aber Oberftubienrat 
Dr. (ggelt)aaf au§ Stuttgart in feinem öorfte^enb jum Stbbruc! 
gebrachten unb für ben SIbbruc! in Slbfct)nitte ^erlegten unb mit 
Überfc^riften üerfe^enen, in jener ©tunbe ober frei unb mit 
günbenber £ebl)aftigfeit gehaltenen SSortrag über bie S3ebeutung 
be§ Sanbgrafen ^t)ilipp für bie @ac^e ber beutfc^en Sfleformation.*) 
5tm näc^ften 9JJorgen bereinigten fic^ bie geftteilne^mer mieber 
in bemfelben ®aak, nacf)bem üiele öon il)nen fc^on öort)er in ber 
ßanbe§bibtiotI)ef eine intereffante unb reic^fjoltige StuSfteUung 
oon §anbfcf)riften unb S)ruc!en au§ ber gteformation^jeit in 
5Xugenfc^ein genommen Ratten. S)ie ^auptöerfammlung mürbe 
burc^ freunblic^e 93egrüiungen oon feiten be§ 93ürgermei[ter§ 
3oc^mu§ namen§ ber ftöbtifc^en S3e^ötben unb be§ @euerat= 
fuperintenbenten D. SBerner namens bes Stonfiftoriumg einge« 
leitet, benen ber SSorfi^enbe ben ^anf be§ 3Sereinl für bie 
freunblicfie 5(ufna^mc in taffeig aJJauern au§fprac^. darauf 
i)ielt Pfarrer Lic. Dr. ®ief)I au§ §irfc{)^orn ben t)ier gteict)fall§ 
gum ?lbbrucf gebract)ten Vortrag über Waxtin Su^er§ 33ebeutung 
für ba§ fircf)licJ)e Seben §effen§, bem man bie $ßertraut|eit be§ 
5ßortragenben mit ber !irct)(ic^en @efcf)id)te feines SSaterlanbeS 
anmerfte unb ber fict) baburcf) augjeic^nete, ba^ er bie t)üt)en 
S3erbienfte S3u^er» ü()ne SSerüeinerung ber Sebeutung ?lbam 
traftS für bo§ firc^Iid^e Seben §effen§ pr S^arftellung ju 
bringen n)u^te. Stn biefen QSortrag fcf)lofe fii) eine furje Debatte 
an, bie bem SBortragenben ©elegentjeit bot, feine Sluffaffung in^ 
einzelnen ^^unften nocf) meiter gu terbeutlic^en. ®er Sßorfi^enbe 
erftattete fobann ein Sfteferat über bie Stufgaben unb 5lrbeiten 

*) Unfere 23ereiit§mttgliebcr ieien bei biefcr ©elcgentieit and] auf btn 
gcfiattüoiren Stuffa^ aufmerffam gemad)t, ben unfer fteEoertretcnber 3Jor= 
fi^enber ^ßrofeffor D. ZI). Stoibc jocbeu in 23b. XV ber 9ieaIenci)f(opäbte 
für proteft. 2f)eo(. u..Siird)e, 3. SlufL, @. 296-31G Ü6er ^n)ilipp luni .'öeffen 
peröffcntUd^t i)at. 



61 

iinfereS SSereine«, infonbertieit njät)renb ber (e|teu brei 3af)re. 
®Q ga(t e§ Dot aüem eine lüefjmütige ©anfeSpflic^t ju erfüüen 
im Stnbenfen an ben feit ber legten 2;agung ber ©enerolöer* 
jammlung Heimgegangenen eljrloürbigen D. Suliu§ Si^öftUn. 
^atte hoä) biefer öon ber 58egrünbung be§ SSereinS an bi§ jur 
©enerolüerfammlung öor 3 Satiren mit fefter |)anb unb flarem 
33Iic! a(§ 35orfi^enber ben herein geleitet unb burd^ ba§ ©emic^t 
unb t)a§> 5tnfet)en feine§ S^^amenS i^m Don feinen erften Slnfängen 
an bie bebeutfamften '3)ienfte geleiftet. 9?ad^bem t: unter ber äu= 
net)menben 2aft be§ 5(Iter§ ben SSorfi| im SSereine niebergelegt, 
t)ütte er nur nod) eine furje ^rift at§ @t)renöorfi|enber i^m 
angehört; am 12. ÜJ?ai 1902 t)atte ein fanfter Zoh it)m bie Singen 
gefdjtoffen. äJJöge ber 5?erein niemals öergeffen, bofe er ber 
^erfön(id)feit ^öftlinS e§ befonberS gu öerbanfen f)at, t)ü'^ er oon 
feinen 5lnfängen an, bem §aber ber Parteien entrüct t, eine frieb= 
Iid)e ^Bereinigung eoangeIifct)er 9Jiänner ber öerfdjiebenften fird^= 
liefen 9ftirf)tungen unb Greife in ber gemeinfamen g^reube an htn 
Gütern ber Ü^eformation unb iljrer ©efc^ic^te gemorben i[t. %a^ 
Referat mie§ meiter barauf t)in, bafe fid) ber SSerein burd) ben 
unlängft erfolgten fct)arfen SSorftofe, ben 1*. ^einric^ !J)enifIe gegen 
£utf)er unb ba§ Sutt)ertum unternommen, auf§ neue ^n einer 
großen, ft)irf)tigen 5(ufgabe ber 2(bmet)r berufen roiffe, mie einft 
bie ©rünbung be§ SSereinS im 3"fß"^nie"^ßi^9f geftanben mit 
bem Sirgerni§, bafe ^Quffeng ©efc^ic^te be§ beutfdien ^^oI!e§ bem 
beutf(^en ^^roteftantilmuS gegeben. S)er 5ßerein merbe fid) ber 
Aufgabe nic^t ent§iet)en, ben ßampf, ben 3)enifle unter bem S3eifalt 
ber fattjolifc^en SBelt ^eraufbefdimoren ^aht, aufjunet)men, unb 
merbe e§ fic^ angelegen fein laffen, in einer 9fteit)e oon heften 
mid)tige fünfte, auf bie fid) ber Stngriff jetit richte, in gemiffen=^ 
^after gefd)ic!^tlid)er 2)arfteüung auf§ neue gu beleudjten. S)er 
IReferent begrüßte ferner namen§ be§ SSereinS al§ ©rfüHung eine» 
taug get)egten 2Sunfd)e§ ba§ ©rfd^eineu be§ 5lrd)iti§ für Üiefor^ 
motion§gefd)icHte (S3erlin bei ®. 2t. ©dimetfc^fe u. «So^n) unter 
ber 3?ebaftion unfere» 3?orftanb§mitg(iebe§, bei 5trd^iobireftor§ 
^. griebensburg in (Stettin; burd) biefe ßeitfd^rift ift ein @amme(= 
Organ für urfunb{id)e ^ublifation §ur 9f{eformation§gefd)icl^te 
unb @pe§ia(forfd)ungen auf it)rem ©ebiete gefc^affeu, ha§' längft 



G2 

al§ ein 58ebürfni§ emp^uuben toorben njar. (S» fei unferen W\U 
gliebern, fo weit fie felber gu ben 9)ätarbeitern in reformation»* 
qefc^ic^tüc^er gorfc^nng ge^i3ren, ä« aftitier ^Beteiligung unb 
QÜerfeitS ju fräftiger Unterftüfeung burd) §Ibonnement empfot)len. 
2)ie SSerfammlung fcfjritt bavauf ^ur (grlebigung ber gefc^äftlic^en 
5lngelegen^eiten. S)urc^ Diffamation »urben ber engere unb ber 
weitere 33orftonb miebergeraätjtt; bem ©d^a^meifter würbe für bie 
9fled)nung§Iegung ©ntlaftung erteilt, unb e§ würbe befc^Ioffen, bie 
nädifte ©eneraloerfammlung erft nac^ 4 Sauren in 5Serbinbung 
mit ber geier be§ 25 jtätjrigen 53efte^en§ be§ SSereineS einzuberufen. 
(Sin einfarf)e§ geftma^I oereinigte fiernarf) bie 2eUnet)mer, 
unb ein gemeinfamer Söefuc^ ber SSi(t)etm5t)öt)e bitbete ben ?lb= 
f(i)(uB be§ 33eifammenfein§. 9Jcancf)e unferer 55erein§mitglieber 
fonnten aud^ nod) in ben 5lbenbftunben an einer 33erfammlung 
be» (Soanget. 93unbe§ in ß^affet teilnehmen, bei weldjer §wei unjerer 
S8orftanb§mitgtieber al^ Stebner mitwirften. 



3n\}a[t 



Seite 

£'anbflraf J)3^ilipp ber ©rofemütige 1 

SDiarttn 23u§er§ 23ebeutung für ba§ ftrrf)(icöe Seben in Reffen . . 39 
f&txxdjt über bie 7. öjeneratberfammhutg 59 



<£ru(f non 6-^rf)arbt ^arra§, §alle a. b. 



I |al|n ^noi* 



1505-1572. 



€iu €niuieniu[j6blatt nir mvUn 3cnteuarfeter 



Hon 



^. itttiot. 



-:^Hioi- 



j^nUc a. h. B. 1904. 

5ßevein für Üicforinationgtjcfdjicf^te. 



Jnljaltöubetfdil 



©eite 

(5rfte§ Kapitel. 

S^noj: crflärt )icf) für ba§ (Jtiangclium. Sein Sluftreten in 
@t, 2lnbreui§ mtb feine (Gefangennahme. 1505—1549 . . 1 
3iüeite§ Kapitel. 

tnoy in engtanb; Sern^icf, ^^celucaftle, Sonbon. 1549—1554 . 6 
drittes tapitel. 

tnoy' «lufent^alt in @enf unb ^-ranffurt a. m.; Inrger 23efud) 
in @cf)0ttlanb. 1554—1556 15 

ajierte§ tapitel. 

tnoj,; al§ ^4?rebigcr in @enf. 1556—1559 23 

g-ünfteS tapitel. 

ßnoj: in (Sctjottlanb, 9teligton§fämpfe; ®infüf)rung ber 9{efor= 
mation bnrd) bn§ Parlament. Wiai 1559 bi§ »Uiguft 1560 32 
@ec^§tc§ tapitel. 

^noi al§ ^ßrcbigcr in ^-binbnvg. Tlaxia Stuart, ©efe^mäfeige 
©infüIjrHng ber Slcformation. SUtguft 1560 (ii§ ©egember 1567 44 

Siebentes Kapitel. 

9lene Stampfe. 9tno^ flüe^tet ftd) nad) @t. 5lnbrelD§, feine dind= 
fetir nad} ß-binburg unb fein Xob. 1568 bi§ ^Jobember 1572 61 

©d)Iu^ 73 

Slnmerfungen 79 

Duellen 81 

^Biographien üon ^noj 81 

^noj' SBerfe, folceit fie in biefer Schrift angefütjrt finb 82 



(gr[te§ Kapitel. 

^oj crffärt ftd^ für ba§ Gömigelium. ©ein 9Iuftretc« in <Bt. 2(nbrehJ§ 
unb feilte (Sefongenntt^mc. 1505 — 1549. 



So^n ^nof trurbe at§ ©o'^it eine§ 0eiiigrunbbefi^er§ int 
^af)re 1505 gu ©ifforb, einer SSorftabt oon ^abbington geboren. 
5ßon feiner Sugenb^eit ift un§ foft nid)t§ befannt. Senjiejen ift, 
ta'i^ er 1522 §« ©laSgon? [iubierte, benn fein DZomen begegnet 
un§ in ben UniöerfitätSregiftern biefe§ Sa^re§, unb bo^ er fpäter 
bie ^rieftern)eit)e erf)Qlten t)Qt. @r mag gegen öiergig Saf)re alt 
gettjefen fein, at§ bie grofee Umn^anblung in feinem Snnern fic^ 
DoHäog, bie fcf)Dn länger burc^ fein eifriges ©tubium in ben 
<Sc^riften ber ^irc^enüöter, befonberS eine§ §ieront)mu§ unb 
^uguftin angebahnt n)orben mar. 2)ie Opifefinbigfeiten ber fc^ola« 
ftifc|en X^eologie öermoc^ten it)n ni(i)t länger gu befriebigen, ba§ 
^erj in \f)m tjerlangte feine ü?ecf)tf. ©tue! für ©tücE löfte er 
bie geffeln be§ 5lberglauben§, in benen er bi§ bat)in gefangen 
lag, um bafür ben eoangüfdien ©tauben in fid) aufjunetimen. 
<Sr ftanb mit biefer ©inneSänberung nic^t atlein; frf)on länger 
i)otte bie reformatorifc^e Setjre (Singang in ©d)0ttlanb gefunben. 
5J)a§ üon bem engüfc^en ^riefter SBiüiam Xt)nbate im 3at)re 
1526 überfe^te 9^eue Xeftament, ein SSerf, ba§ biefer mit bem 
^obe bü^en mu|te, ^atte auä) bort ?Iufna^me gefunben, obgleich 
bie !at^Dlifc^e Ä'irc^e fic^ mit furcb,tbaren äBaffen bagegen mef)rte. 
S)er erfte fcf)oltifc^e Slut^euge mar ^atrit Hamilton. ©leic^ 
Stijubale ^atte er p SSittenberg in SSer!eI)r mit iiut^er feinen 
eoangelifc^en ©tauben befeftigt; in feine §eimat äurüc!getet)rt, 
mürbe er auf ^interliftige SBeife üom er§bifcl^of S)aöib 93eaton 
gefangen genommen unb am 28. gebruar 1528 jum glammentob 

iH. ÜJiulot, Sobn Änor. 1 



2 

öerurteilt. S3alb toberten bie @(f|eiter{)aufen oit aßen Snben be^ 
2anbe§. SSof)I tourbe bie Sage ber (Söancjeüjt^en lüieber beffer, 
qI§ Sa!ob V., beeinflußt üon ^einric^VIII. oon ©ngtanb, ®Iauben§= 
freitieit geftattete; aüein ba§ toax öon furjer ®auer. S)er ßönig 
njurbe burd) bie greunbfc^aft, bie er !ur^ barauf mit granfreic| 
anfnüpfte, lüieber bem ^atl3oIi5i§mu§ in bie SIrme getrieben, unb 
jeine i?ermäf)iung mit 9JJarie oon ßot^ringen, einer (S(f)tt)e[ter ber 
@uifen, biefen treuften ©öt)nen ber römifc^en ßirc^e, gab ben 
fc^ottifd^en Prälaten neuen Wlnt jur SSerfoIgung ber „Äe^er". 
ßttjar fc^ien noc^ einmal für bie ^roteftonten ber griebe mieber» 
gufefiren, oI§ nac^ bem S;obe 3a!ob§ V. bem ®rafen 3Irran bie 
Sftegentjc^aft mä^renb ber 9JJinberjö^rigfeit ber Wlaxia ©tuart 
übertragen mürbe, unb biefer fogar gmei eoangelifc^e ©eiftli^e ju 
feinen ^aptanen ernannte, bocf) ermieS fic^ biefe Hoffnung al§ 
eitel S)er 9ftegent mar c^arafterloS genug, fic^ burc^ ben Ä'arbinat 
S3eaton, ben Neffen be§ oben ermähnten öifrf)of§, auf bie «Seite 
ber Äat^olifen äief)en ju laffen. 9Zun maren bie ^roteftanten 
bem ^al be§ Äarbinalg preisgegeben. 5t(§ erfteS Dpfer fiel 
ber greife ^rebiger ®. 2Bi§^art. SD^it ^inreißenber Serebfam* 
feit ^atte er ba§ ©üangelium geprebigt, ber ßulauf §u feinen 
^rebigten mar ein unget)eurer. S((§ er etneg 2;ag§ bie SJanjel 
oerlieB, erf)iett er ben 33efe^I, bie ©tabt nid[)t mef)r mit feinen 
hieben §u beläftigen. Sarauf antwortete er, er muffe e§ ®ott 
an^eimftellen, bie 2Saf)rt)eit feiner 1|5rebigten ju rechtfertigen, er 
meiere nic^t oon bem Orte feiner SJJiffion. 9tm 1. Mav^ 1546 
mürbe er f)tn gerichtet. 5)er Tiann, ber in Siebe §u if)m fein 
©(ijidfal teilen mollte, oon bem 58erurteilten aber §urüc!gemiefen 
mürbe mit ben SSorten: „^et)re ®u ju S)einen ©d^ülern gurüd, 
unb ©Ott fegne 2)tc^, einer ift genug al§ Opfer,"') mar ^o^n 
^noi'. ®er 3:ob 2Bi§f)art§ mürbe bitter gerächt: eine Stn^a^t 
eoangeüfc^er Slbeüger ftürmten bie 2öot)nung be§ ^arbinalS, 
ermorbeten if)n unb behielten ba§ ^aftell oon (St. ^nbrems befe^t. 
liefen t)atte fic^ aud) ber Sorb ^ugt) 3)ougta§ oon ßangnibbri) 
angefrf)(offen, in beffen §aug Änoj: al§ Se^rer mirfte. Öfter n 
1547 entfct)tofe fic^ bann ber Ie|tere felbft, mit feinen @ct)ü(ern, 
ben (Söhnen be§ Sorb§, in bem ^afteü ßufludjt äu fuc^en. §ier 
ift ^noj 5um erften Tiai al§ 3fieformator aufgetreten. (Sinftimmi^ 



tjQtte if)n bie öeja^ung ju it)retn ©eiftüc^en getoät)!!, unb nad^ 
langem Bögertt lüar er bem Ü^ufe gefolgt, getrieben burd^ bie 
Überzeugung, bafe er oon ®ott ju bem ^eiligen SBer! berufen fei. 
3)QmaI§ fofete er gugleic^ ben ©ntfc^IuB, fein ganzes ßeben in 
ben 2)ienft be§ (£öangelium§ §u fteüen. Tlit SBud^t er^ob er 
ie^t feine Stimme gegen bie römifdje Äird)e unb i^re 3rrtet)ren. 
Sn @t. SlnbremS {jiett er eine/^rebigt, morin er ba§ ^unbament 
be§ ^apfttumS angriff, beffen gan§e§ @i)fiem für irrig unb 
fcf)riftmibrtg unb ben ^apft fetbft für ben 5ln'ic^riften ertlärte. 
Snfotgebeffen mürbe er §u einer S)i§putation sugegogen. @(än§enb 
fiegte er unb bie ^apiften erfaßte ^urc^t öor biefem gemattigen 
Kämpfer. „3n ben ^fatmen ftetjt gefct)rieben, fci)IoB er feinen 
SSortrag, ba^ e§ eine Sirene ber Übeltöter gibt, ^iefe mögt 
St)r ^aben ot)ne ba§ 2öort, \a a(§ eine, bie in oielem bire!t gegen 
ba§ Sßort @otte§ tianbelt. SSenn S^r biefer ^irc^e angehören 
moüt, fo fann ic^ (Suc^ nic^t {)inbern, aber ic^ für meinen ^eit 
min feiner anbern angel^ören al§ ber, meldte Sefum et)riftum 
jum Ritten ^at, feine ©timme t)ört unb feiner fremben folgen 
min." 2) 9^un fut^ten bie ©egner i^n oon ber ßanjet ju öer« 
brängen unb munbtot ^u machen. ®ie (Sele^rteften mürben be^ 
ouftragt, jeben Sonntag in ber ^farrfirc^e ju prebigen, aber 
Änoi* beftieg bie Hansel an ben SOBerftagen unb erfreute fic^ eine§ 
großen ßuiaufS. SSiele mürben proteftantifc^, ^jum erftenmat 
mürbe bo§ Stbenbmat)! unter beibertei ©eftolt gefeiert. Seiber 
mürbe feiner SSirffamfeit an biefem Drte balb ein @nbe gemad^t. 
Sm Suni be§felben Sat)re§ fam eine franäöfifdje gtotte, um bem 
9?egenten bei ber (Sinna^me ber geftung ^u Reifen. SSiele ^ro* 
teftanten tjotten auf bie 9^oc^ric^t ^ieroon t)a^ ©c^tofe üerlaffen, 
aber ^noy mar geblieben. ®er Ä'ampf mor ein ungleicher, unb 
al§ unter ben 93elagerten eine fc^ümme ©euc^e au§bro4 mußten 
fie bie ^eftung übergeben. 2)ie Sebingungen ber Kapitulation 
f)atten nid)t ju ungünftig gelautet. 3) ®a§ Seben aüer im Äafteö, 
Quc^ ber englänber, bie ben Schotten geholfen Ratten, foüte ge= 
fcf)ont, unb fie mof)(bet)aIten nac^ granfreid^ gebrarf)t merben. 
gaa§ fie nicit unter ben gefteüten Sebingungen in ben ©ienft 
be§ Königg oon granfreid) treten moltten, foüten fie auf beffen 
Soften in jebe§ if)nen beliebige ßanb gebrad)t merben, nur 



©d^ottlanb joüte i^nen öetf(f)Ioffen bleiben. §lllein biejer SSertrag 
tüorb fd|mä^Iid^ gebrod^en, unb famtlic^e ^roteftonten ttjurben qI§ 
Kriegsgefangene beljonbelt. @ie tüurben auf ©aleeren gef(f)afft unb 
in Ketten gelegt. (Sine fd^tt)ere 2eiben§seit begann für fie. 3" ^^^ 
!örperlid^en (Sntbelirungen unb ©trapo^en famen fortn)ät)renbe 
9^ötigungen gum Übertritt. S)ie befangenen mußten töglid^ ber 
SJJeffe anttjo^nen, foHten bie §eiligenbilber üere^ren unb füffen, — 
aber nid^t ein (Sinniger ift feinem @(auben untreu gett)orben. 
©in ©olbot, bem ba§ S3ilb ber Jungfrau SJJaria jum Küffen 
gerei(f)t würbe, rief au§: „Safet mic^ in 'tünfj, folc^ ein ®ö|enbilb 
ift öerfluc^t, barum tüxü id) e§ nic^t anrühren." 5It§ fie if)m 
fein ©efid^t barauf brü(ften unb e§ if)m in bie §anb jtt)angen, 
na^m er§ unb n)orf§ in ben glu^ mit ben SBorten: „Sa^t boc^ 
bie Sungfran fid^ f eiber retten, fie ift Ieid)t genug, lafet fie ta^ 
©djttiimmen lernen." 4) Knof, ber fc^on tiorl^er garter ©e* 
funbt)eit mar, erfron!te l^eftig. Xro|bem mor er eS, ber bie 
Slnberen burc^ fräftigen ßufpruc^ ftörfte unb jum Slug^arren 
entflammte. @r oergmeifelte nid)t, fo frfilimm e§ aud^ mit ii)m 
ftanb. 51I§ einmal bie ©aleeren an ber Küfte bei «St. 5Inbrem§ 
öor Stn!er lagen, frug if)n einer auf bie ©tabt geigenb, ob er 
ben Drt fenne, morauf er ermiberte: „Sa, ic^ !enne i^n mol^t, 
benn id^ fef)e ben 2:urm ber Kirche, barin mir @ott gum erften= 
mal ju feiner @^re ben SJiunb für bie öffentlid)e ^^rebigt auf« 
getan ^at, unb id^ bin feft überzeugt, fo fc^mac^ ic^ auc^ je^t 
fc^einen mag, ha^ iä) öon biefem Seben nid)t et)er Stbfc^ieb nehmen 
merbe, aU bi§ meine ßunge feinen göttlichen S^lamen an bemfelben 
Ort mieber oert)errIic^t i)aben mirb."^) ^reilic^ gab e§ auc^ 
©tunben, mo er red£)t öer^agt mar, allein fie gingen oorüber nad^ 
t)ei^em SfJingen im ©ebet öor @ott. ©in ^Mitgefangener, §enrt) 
S3atnaoe§, f)atte eine ©c^rift öerfafet über „bie ^Rechtfertigung unb 
bie SBerfe unb ta^ SSer^alten be§ gered^tfertigten SJJenfc^en". 
Knoj teilte fie in Kapitel ein, üerfa^ fie mit furger Sn^alt§= 
angäbe ber einzelnen Slbfd^nitte unb gab \^v ein ergreifenbe§ 
Söegleitfdtireiben mit, \>a§' mit ben SSorten fc^Io^: „i^al^re fort, o 
^err, unb öerleiJje un§, ba^ unfer S3e!enntni§ fo mie je|t mit 
geber unb 2;inte bolb anä) mit SJiunb unb 3""9^ öor beiner 
©emeinbe abgelegt merben fönne."»^) @§ Iot)nt ber 9Küt)e, ben 



Snf)oIt ber tütd^tigflen 5(6jc^nitte fennen §u lernen. Äapttel 16 
lautet: „Sie ©ered^tigfeit, bie oor @ott gilt, t)at üerf^iebene 
9fiamen. Sinmat njirb fie genannt 9tecE)tfertigung ©otteS, benn 
fie get)t ^eröor oüein au§ ber ©nabe @otte§; jobann ttjirb fie 
genannt 9flec^tfertigung be§ @Iauben§, benn ber ®(oube ift ha§> 
SBerfjeug, burc^ \)a§> mir bie @nabe ©otte^ ergreifen, unb enblirf) 
njirb fie S^ec^tfertigung genannt, weil fie buri^ ben Glauben an 
ß^riftu§ un§ gegeben mirb frei of)ne unfer SSerbienft. 5tber ge- 
rabe wie bie troäene @rbe ben Stegen empföngt o^ne aüeä eigene 
SSerbienft, fo empfangen wir bie ®ere(i)tig!eit, bie öor ®ott gilt, 
o^ne aH unfere SBerfe, aber wir muffen butben, bafe (55ott in un§ 
arbeilet." '') Kapitel 24 lautet: „^eine befferen SBerfe gibt e§ al§ 
bie, wel(^e 3of)anne§ ber S^öufer bem 3SoI! leJjrte, weld^eS finb 
SÖSerfe ber Sarmfieräigfeit unb ©nt^altung oon Setrug, Unredf)t unb 
UnterbrücEung. Siefe 2öer!e unb nicf)t bie eiteln (Srfinbungen 
öon 9J?enfc^en foHten bie ^rebiger i^ren §erben letjren, inbem fie 
biefe juerft im rechten ©tauben unterrichten. 3)enn ^t\u§> ßJiriftuS, 
gefragt öon ben Suben, welche 2Ber!e fie tun foüten, um ®ott gu 
gefallen, antwortete: ®a§ ift t)a^ rid)tige ©otteSwer!, bafe it)r 
glaubt an ben, ben er gefanbt t)at. Unter biefen SSorten t3erftef)t 
unfer äJJeifter, ha'^ o^ne ©tauben, ber ta§> SSerf ®otte§ ift unb 
nic^t be§ SUienfd)en, fein SSer! ©Ott gefäüt."«) — 

Sm f^ebruar 1549 fc^lug ben ©efangenen bie (Sriöfungsftunbe 
nad) einer SeibenSjeit öon 19 ajJonaten. 2öa§ ber ©runb it)rer 3^rei= 
fprerfjungwar, ift nid)t befannt. S)ie (Sinen meinen, ©buarb VI. 
^abt gürfproi^e für fie ert)oben, 5lnbere glauben, reid^e g^reunbe 
öon ^nof ijätten bagu öert)oIfen. 233at)rf(f)einlicl^ ift, baB ber fran* 
göfifc^e §of mübe geworben war, fi(^ al§ SBerfjeug ber Üia^e 
öom fc^ottifd^en ÄIeru§ gebraud)en ju laffen, gumal je^t aud) bie 
Sßerlobung ber jungen 9Jiaria ©tuart mit bem Saup^in öon 
^ranfreidö öotlgogen war. 



ßtüeiteS Kapitel. 
Sttoj itt ©nglttitb; SßerhJtrf, 9lch)Cttft(e^ Sonboit. 1549—1554. 



^nof toanbte fid) gunäd^ft nac^ ©nglanb. ^einrtc^ VIII. 
Xüav im Satire 1547 geftorben, fein %o\> tjotte ber üieformation 
in biejem £anbe öoHenbS freie S3Q!^n gefc^affen. 3)er ©rgbifc^of 
(Sronmer, ber (£r§ie^er be§ minberjä^rigen @buarb§ VI., fonjie 
ber SSormunb be§ legieren, ber ^erjog öon ©omerjet, »aren ber 
eöangeüfdien Se'^re öon .^ergen ergeben. @o ttjurben benn bie 
S)ienfte nnfere§ ^Reformators bort gerne angenommen. @r ert)iett 
eine ^rebigerfteüe in Sermid mit bem 5luftrage, öon bort auä 
bie nörblic^en Steile be§ Sanbe§ ju bereifen unb ^n eöangelifieren. 
ßnof mar öon biefer SBenbung in feinem ßeben fet)r befriebigt 
unb e§ mar i^m öergönnt, gmei Satire tiinburdt) reicf)Iic^ im «Segen 
öon Sermid au§ ju mir!en. ©elbft unter ben «Solbaten ber 
©arnifon gemann er öiete für ba§ (Söangelium. ^ein SSunber, 
menn bie SSut ber bortigen ^att)oIifen gegen if)n immer größer 
mürbe, befonber§ ermuc^S it)m in bem S3ifrf)of 2;orftat öon 3)urt)am 
ein erbitterter geinb. ^ie %ai\ad)c, ba^ ^noj auf ber fanget 
bie SJJeffe al§ 5Ibgötterei be^eid^net tjatte, biente jenen gum @runb, 
ben öer^a^ten ©egner am 4, 5lpril 1550 jur SSerantmortung nac^ 
SIemcaftle gu laben. (S§ mar t)a§^ erfte Mal, t)a^ Änoy e§ mit 
geinben ju tun l^atte, bie felbft auii) tiefere ^enntniffe befafeen, 
allein i^m maren fie nic^t gemad^fen. ©egen feine befle SBaffe, 
ba§ SBort au§ ber t)eiligen Schrift, famen fie nid)t auf. SD^it 
fd^arfen SBorten öerbammte er bie 9Keffe: „©ie ift, mie au§ 
allem l^eroorgetjt, eingefütjrt al§ ein Opfer für bie ©ünben ber 
Sebenben unb ber Xoten; fold^er Opfer megen mirb (Sott ge= 
gmungen, nidtjt nur unfere ©ünben §u erlaffen, fonbern aud) un§ 



^u geben, um tüa§ toir if)n bitten. ^a§ mögen öerfrf)tebene 
Steffen bezeugen, bie für oerfd^iebene Qtotdt gefeiert worben finb, 
i- 93. für ^rieben in ÄriegS^eiten, für 9?egen, für gut SBetter, ja 
fogar — ic^ erfd^rede üor foldiem @reuel — für Slronf^eit be§ 
95ief)e§. — 3n bem 9JJa{)( be§ §errn befunben üptr un§ al§ Io§= 
gefauft oon ber @ünbe allein burrf) ba§ 93Iut unb ben Xob Sefu 
ß^^rifti, in ber äJJeffe erflef)en h)ir 93ergebung ber ©ünben, unb 
n)a§ immer mir moüen, ouf @runb beljenigen SSerfeS, ha^ 
mir felber tun. Sarum ift bie äJJeffe eine ßäfterung gegen 
e^riftug unb fein S3eiben."f') SJJit ftiüem ©roll mußten bie 
^apiften if)m bo§ ^elb §u neuem SBirfen offen (offen. ®iefe 
Disputation mar mo{)( für i()n ber Semeggrunb, eine ©cfirift 
f)erau§§ugeben betitelt: „Sine furje (Srüörung, todä^t ÜJieinung 
tt)ir ß^riften nac^ ber «Sd^rift ^aben oon bem 9JJa()I be§ §errn, 
genonnt ba§ ©aframent be» üeibe» unb 93Iute§ unfereS §eilanbe§ 
Sefu eijrifti."'«) ©r fü^rt barin au§: „mx befennen, ha^ e§ 
eine l^eilige ^anblung ift, oerorbnet oon @ott, n)orin ber ^err 
Sefu§ burc^ irbifd^e unb fid)tbare 3)inge un§ ertjebt gu ^imm- 
üfc^en unb unficfjtbaren ©ingen, unb baB, toenn er fein geiftlid) 
Ma^l bereitet ()at, er bezeugt, ha'^ er fe(bft fei i)a§ lebenbige 
5Brot, momit unfere ©eelen gefpeift merben ^um emigen Seben. 
Da^er, tt)enn er un§ ootfe^t Sßrot unb SSein gu effen unb gu 
trinfen, befräftigt unb befiegelt er un§ feine S^er^ei^ungen unb 
feine @emeinfrf)aft unb oergegenttjürtigt un§ unb fü^rt un§ ju 
©ernüt feine ()immUfd)en ©aben; er gibt un§ aud^ fid) felbft, ha- 
mit mir if)n im ©tauben empfangen unb nid^t mit bem 9JJunb 
nod^ burd^ Übertragung ber ©ubftanj, fonbern fo bur(^ bie ^raft 
be§ {)eiligen ©eiftes, ha'^ mir gefpeift mit feinem g^Ieifc^ unb er* 
frifdCjt burd^ fein 93Iut Uiiebergeboren merben fon^of)! ju wahrer 
©ottfeligfeit oI§ auc^ jur Unfterblicftfeit." 

Sm So^re 1551 mürbe ^noj nad^ S^emcoftle oerfe|t, mo 
ein grö&erer Serufsfrei§ feiner martete, unb im S)eäember be§= 
felben 3af)re§ gum orbentIid)en Kaplan be§ Ä'önig§ ernannt, otjue 
jeboc^ an beffen §of gebunben 5U fein, äöir fe^r feine §lnfid^t 
in tt)eoIogifd)en unb fird^Itd)en fragen gefdl^ö^t n)urbe, bemeift 
bie Xatfacfie, bafe er üom 93if(^of Sranmer gur- Umarbeitung be§ 
atigemeinen ©ebetbud)§ — Book of Common Prayer — bei= 



8 

gebogen irurbe, beSgleid^en qu(^ ^u ber Üieöifion, bie man mit ben 
9ftel'igion§ortifeln, bem ^auptfi)mboI ber engUfd^en ^irc^e oornQ'£)m. 
Soneben ^at er feine ^mt§pf[i(^ten al§ ©eelforger in ooüfter 
Sirene erfüllt. 3Bir tt)iffen, bofe er nic^t nur an «Sonntagen, 
fonbern oud^ regelmäßig an SSerttagen geprebigt l^at. 5lber aud^ 
()ier mor e§ eine ^rebigt, bie it)m eine ?lnf(age oon feiten feiner 
©egner §Uäog. @r f)otte feinem ©roll über bie §artnädfig!eit 
ber ^apiften bie ^n^d fdEjieBen laffen unb er!(ärt, bo^ alle 
@egner be§ je|t in ©ngtanb geprebigten @oangetium§ SSerräter 
an ber Ärone unb bem Sonbe feien, baß fie ben %oh be§ ^önig0 
t)erbein)ünf(^ten unb eine 9legierung erfet)nten, bie ifjnen geftatte, 
i£)re olten ®ö^en njieberaufjurid^ten. ®er ©eneratgouoerneur ber 
nörblid)en 'Mail 5Jiort^umbertanb, ber ben 3fteformator ob ber 
^üfin'^eit, mit ber biefer gegen bie Safter ber f)ö^eren ©tänbe 
prebigte, bitter t)aßte, brarf)te e§ bat)in, ha'^ er fid) in Sonbon 
§ur Sßeranttt)ortung fteüen mußte. 5)an! feineS energifct)en Sluf* 
tretend unb feiner üon innerer Überzeugung getragenen SSerteibi^» 
gunggrebe njurbe er auf bie e^renoollfte Slrt freigefproct)en. ^a 
er mußte öor bem §ofe prebigen, unb ber Äönig backte ernft^aft 
boran, i{)n in ber englif^en ^irc^e §u beförbern. 2)aß ahtt 
^nof fid) be§ (SrnfteS feiner Sage beluußt niar, ^eigt ein Srief, 
ben er am 23. Wäv^ 1553 on bie SJJutter feiner jungen Sraut, 
ber SDJargarete 93ott)e§ fc^rieb, unb ber am ©c^Iuß folgenbermaßen 
lautete: „^öc^ft gepffig ttjaren bie 5(nf lagen, bie man bei bem 
@et)eimen 9flat gegen mid^ angebrad^t, unb jal^KoS bie Sügen, 
burc^ bie mon meine Sftid^ter gegen mic^ einjuneiimen gefud^t f)at. 
S)od§ ©Ott njirb eine§ SEageS aÖe lügnerifc^en B^^S^i^ oerberben 
unb gemiß feine ^ned^te oon allem (SIenb erlöfen. ^n^^ff^n 
red^ne id) barauf, ba^ xd) boc| nocf) einmol in ii)re ^änbe foKen 
njerbe, benn bie Erbitterung unb bie 2But, gu metcf)er ber 2;eufe( 
feine ©enoffen gegen mic^ aufreiht, mirb ade 2:age größer." •') 
@egen feine Erwartung trug bie S5ert)anblung in Sonbon für i^n 
gute 5rüd3te, tt)urbe er boc^ öom ®et)eimen 'tRat ^um ^rebiger in 
ber ^auptftabt felbft ernannt, mit ber 93eftimmung, oon ba au§ 
bie füblid)e ©raff(f)aft ju bereifen. @^e er fein Slmt antrot, mar 
e§ i^m erlaubt, Sfiemcaftle auf^ufuc^en, um fitf) öor feiner alten 
©emeinbe ju rechtfertigen. (£r blieb bafelbft bi§ Dftern 1553, 



mufete aber in ben legten SfKonaten jetne§ 5lufent^att§ öiel ©orgen 
unb Kummer erleben. @inmat mürbe er üon einem äu^er[t 
fc^merjt)aften 83Iafen= ober ©teinleiben t)eimgefud^t, §u bem bie 
fiflttjere ©aleerenjeit wotji ben ®runb gelegt ^atte, fobann ertjielt 
er bie Sf^ad^ridit, ha'iß in feiner fritf)eren ©emeinbe Serroid man(^e 
gum fat^oIif(f)en ©luuben ^urüdgelreten, unb and} fünft in jenen 
SanbeSteilen ötele abgefallen ober am eoangelifc^en ©tauben 
njantenb gettJorben feien. SSie fe^r i^n biefe S^lac^ricitit erfi^ütterte, 
unb tote er fid^ aüe Tlni)t gab, au§ ber gerne bie ©d^mad^en 
auf§urid^ten, mögen folgenbe ßeiten bemeifen, bie er öon Sf^emcaftle 
au§ on bie ©emeinbe Sermicf unb alte Stbgefaüenen im ßanbe 
gerict)tet 1)at^'^): „®ott nef)me id^ gum Beugen unb Sefum (i;t)riftum, 
oor bem einft aüe§ '^ki'id} erfdt)einen mufe, bafe idf) (Suc^ unb 
deinem eine Se^re oerfünbigt t)ahe. at§ notmenbig jum ©tauben, 
bie id^ nic^t im ^eiligen @efe^ unb ©Dongelium niebergefd^rieben 
gefunben ^ätte. Unb barum xoitl id) in biefem gaü mit ^autu§ 
fprectjen: SBenn ein (Sngel oom ^immet (Suc^ ein anbere§ 
(Soangelium teuren follte, al§ Sf)r öon mir ge'^ört unb ange= 
nommen t)abt, oerftud^t fei er. Unter (Soangelium öerftetje id^ 

1. S)ie unbegrenzte @üte ©otteS, beffen gnäbige Sßorfe^ung 
unfer ßeben unb §ei( t)erorbnet f)at in feinem eingeborenen ©ot)n 
Sefu 6t)rifto, ber oon ©ott un§ gefdt)affen morben ift §ur ®e= 
redt)tig!eit, .^eiligung, 32öei§^eit unb ©rtöfung; 

2. Unferen §errn Sefum mit äU ben ©aben, bie burdf) it)n 
ber au§ermöt)Iten ^irc^e ®otte§ gefdtjenft morben finb, al§ SSer= 
gebung ber ©ünben, 5tuferftet)ung be§ 2eibe§ unb ein emigeS 
Seben; 

3. ©en Uja^ren @Iouben, ber, mie er aßein ha^, ma§ mir 
aufgejätilt i)aben, empfangen unb oerfte^en fann, fo aud^ allein 
geredet mac^t oor @ott of)ne aüeS SSerbienft ber SGSer!e, fei e§ 
ber oergangenen ober gegenmärtigen ober §uf ünftigen ; meldte guten 
SSer!e ®ott unfer S5oter bereitet ^ai, bamit mir, feine oor ®runb* 
legung ber SBelt an fd^on jum eroigen Seben in ßt)rifto au§« 
ermät)lten Ä'inber barin manbetn follten; 

4. ©inen fortmät)renben ^eiligen SSerfe^r mit ©Ott, fraft 
beffen mir ge^ord)en foüen unferem ©Ott alle SEage unfereS Seben^ 



10 

^um ^rei» unb S^^u^im feine§ !^eiligen 9^amen§, tüir, bte er gu feinen 
lünfttgen ©rben beftimmt l^at; 

5. 2)ie Slnrufung ®otte§ allein burc^ Sefum ß^riftum unb 
2)an!fQgung für feine empfangenen 3So{)Itoten." 

Sll§ Irrtümer bejeid^net er bonn in feinem ©einreiben: 

1. „SSenn einer etioog anbere§ nennt, n)o§ @ott betrogen 
t)ötte, un§ äu ermöf)(en unb ouSguerlefen, ai§> feine unbegrenzte 
Ö5üte unb reine ©nobe. 

2. SBenn einer einen anberen Sf^amen nennt im .^immet ober 
auf (Srben, morin ba§ §eil beftet)t, al§ allein ben 9lamen öefu 
e^rifti. 

3. SBenn einer ein anbereS äJJittel nennt, tt)oburcf) toxx ge«« 
red^tferttgt unb üom ßorn unb ber SSerbommni§ freigefprod^en 
werben, bie Ujir mit unferen ©ünben üerbienen, al§ ben ©louben 
allein. 

4. SBenn einer ben guten Söerfen einen anberen Q3emeggrunb 
ober ßfücd unterfd^iebt at§ ben, ba^ mir eben gefc^affen finb al§ 
gute 53(iume gleic^fam, bie bemgemöB auc^ gute ^rüd^te tragen 
follen. 

5. SBenn einer lel^rt, man muffe ju jemanb anberem beten, 
al§ ^n ©Ott allein. 

6. SSenn einer einen anberen SJiittter nennt jmifc^en @ott 
unb ben äJfenfd^en al§ aüein unfern ^errn Sefum. 

7. SSeun einer k^xt, hal^ nod^ mef)r ober anbere ©aframente 
geboten ober erloubt feien, aU biejenigen, bie 3efu§ Sf)riftu§ 
orbnung§mä^ig feiner ^ird^e t)interlaffen t)at, nämlid^ S;aufe unb 
5lbenbmal)I. 

8. SSenn einer leugnet, ba^ (Sünbenöergebung, 5luferfte^ung 
beS SeibeS unb emige§ 2eben un§ im 93Iut ßt)rifti §u!omme, 
meld^e§ in unfere bergen gefprengt burd^ ben ©lauben, un§ 
reinigt oon allen ©ünben, fo bo^ mir !eine§ anberen Dpfer§ 
me^r bebürfen al§ beSjenigen, ta§> einmal für aüe bargebrad^t 
morben ift; ferner menn einer irgenb ein anbereS äJJittel angibt, 
burd^ meld^eS ber 2:ob 6t)rifti mit feinem (Segen angeeignet merbeu 
lann, al§ burd) ben ©tauben aüein. 

9. SSenn einer leugnet, baB gute SSerfe nü^lid^ unb not= 
menbig feien gu einem treuen S^riftenbefenntnil." 



11 

SSir t)Qben un§ nid^t tier jagen fönnen, tiefen 33rief fo au§= 
füi)rli(f) ju geben, U)eil er ^ugleid) ein üoreS unb offenes ®laubenl= 
be!enntni§ be§ SfleformotorS enttjölt, in SBorte gefleibet, bie un§ 
gor (ebt)Qft an ;^nt[)er erinnern. — SBie fdfion errtä^nt, blieben 
bie großen SSerbienfte biefe§ SJJanneS am §of unb beim (SJet)eimen 
SfJat nid^t unerfannt. SUZon forberte if)n auf, bie erlebigte ^a= 
rod^ie öon ©t. |)aIIon)§ in ßonbon p übernel)men, allein er 
Ief)nte ba§ 5lnerbieten ab mit ber Segrünbung, er l^abe nic^t 
^^rei^eit genug in feinem §er§en, um ein be[timmte§ 2lmt in ber 
eöangelifi^en ^ird^e bei it)rem gegenujärtigen ßuftanbe gu über= 
nef)men. 2lu§ biefem ©runbe fd^Iug er fogar bie ii)m öom Äönig 
felbft angetragene ©teile be§ neu errid^teten 93i§tum§ in 9lett)= 
caftte ous. S)urdj biefe SBeigerung füfjtte fid^ ber ©e^eime fRat 
bekibigt unb »erlangte, bofe ^noj fid^ be§t)atb öor i^m öerant= 
inorte. Sn fadf)gemä^er, rufjiger SäJeife gab biefer feine ©rünbe 
anJ3) (Sr tobelte, ha'^ bem @eiftlid)en feine §anb{)abe geboten 
fei, bie UnUJÜrbigen öom 5lbenbmo^I au§äufd)Iiefeen, fobann t)er= 
toarf er befonber§ bie Sbee, ha'^ ein äJJenfcf) in bem SJJafee ta^ 
Dbert)aupt üorftellen folle, tt)ie e§ in SBa^rt)eit ausgeübt »erbe, 
jo er ging foweit, über{)aupt !ein ©upremat in ber Äirdtje gelten 
gu laffen. S)oneben erfdjien il)m and) im ©otteSbienfte mand^eS 
anftö^ig, föie bie äJJenge ber Zeremonien, ba§ Söefreujen bei ber 
%ün\t, t)ü§> ^nieen beim 5tbenbma^I, ber t^eatralifd^e Stuf^ug ber 
®eiftlid)en unb if)r mimifd)e§ ©ebärbenfpiel in ber Siturgie. 
3Bir bürfen nicf)t oergeffen, ta^ e§ fid^ um bie engtifc£)e ^irdt)e 
l^anbelt, in ber bie ^^^ormen be§ alten ^ultuS größtenteils bei= 
bet)alten unb nur ber grbbfte SIberglaube befeitigt U)orben war. 
ßü ben ©d)äben, bie ^noy an ber ©inridjtung biefer ^ird)e am 
m.eiften tabelte, gehörte befonberS auct) ber Umftanb, ba| fo oiele 
untoiffenbe unb untauglid^e ^riefter auf it)ren ©teilen gelaffen 
Sorben toaren, bie meift nur jum 5(bfingen ber Siturgie gebrandet 
ttJerben tonnten, unb ha'^ fo menig §ur @r^ief)ung be§ 93oI!e§ unb 
§um Unterrid^t ber Sugenb im Slönigreid^ getan ujurbe. 2)a§ 
tnar freilid) oiel öerlangt auf einmal, unb fo würbe benn 51'noj; 
öom ©e^eimen 9Rat mit ber SSeifung entlaffen, fic^ mit ben @e* 
bräudf)en ber englifd)en ßird)e ou§5ufö^nen. 9]od) ein anbereS 
toedte feinen gerec£)ten ßorn: i)a§i Ieid£)tfinnige, fdiamlofe ^Treiben 



12 

am fönigüc^en §of. ßtoar "^ielt er ben jungen Ä'önig felbft für 
einen aufrid^tig frommen 9Jienfd)en, aber beffen Umgebung fannte 
er in it)rer ganzen 3J?inbermertigfeit, @r fd^eute fid^ nic^t, bie§ 
in einer ^rebigt üor bem ^önig in rüc^fid^t§Iofer ©d^ärfe §um 
Stu§bru(f ju bringen, öon ber mir au§ feinem 3J?at)nfc^reiben an 
bie „33efenner ber @otte§mat)rt)eit in (Snglanb" ^unbe erhalten. 
„SBie fönnen mir un» munbern, rief er bamat§ au§, menn aud^ 
unfer junger unb unf^ulbiger ^önig öon f(i)tauen, felbfifüd^tigen, 
boshaften unb gottlofen Ü^öten betrogen mirb. 3d£) fürcf)te fe^r, 
boB oud^ ein Sltjitop^el fein 'Siat ift, ba'^ and) ein 3uba§ bei 
if)m ben 93eutel t)at, unb ta'^ er ebenfalls einen @ebna §um 
©d)reiber, 9fted^nungefüf)rer unb @d)a|meifter ^at." >4) — 2lm 6. Suli 
1553 ftarb ^önig ©buarb VI., unb am 19. Suli mürbe feine 
©d^mefter äJJaria a{§> Königin aufgerufen. Ä'noj fa^ bie SSer= 
folgungen öorau§, bie nun ber eoangelifdfien Partei brot)ten, unb 
mo(f)te ouf ber ^anjet in freier SBeife barauf aufmerffam. 93alb 
barauf oertie^ er ßonbon unb begab fid^ in bie nörb(icE)en Xeile 
be§ SanbeS, um etmaigen ©emaltftreid^en au§ bem SSege ju 
get)en. 5lt§ jeborf) äl^aria miber ©rmarten für bie ^roteftanten 
günftige ^ro!(amationen erlief, !et)rte er in bie füblid)en ^ro= 
öinjen gurücf unb nat)m feine Slrbeit mieber auf. 3lu§ biefer 
ßeit flammt öon i^m eine ©d^rift über ba§ ®ebet,i^) bie un§ 
einen (SinblicE in fein gläubiges ©enfen unb gü{)(en geben. @§ 
|ei|t barin: „®a§ @ebet ift ein red)teS unb öertrauteS ©pred^en 
mit ©Ott, bem mir unfere ©i^mer^en befennen, beffen Seiftanb 
unb §ilfe mir erflet)en unb in unferen ^JJöten un§ ermünfd^en, 
unb ben mir loben unb preifen für bie empfangenen 2Bof)lt^aten. 
— Ser t)eitige @eift gibt un§ ba§ Sßerlangen unb ben 9}?ut ^um 
S3eten. — @ott gögert mit ber @r{)örung, um unferen ©lauben 
äu prüfen unb gu üben, aber mir bürfen unS ouf bie SSer^eifeung 
@otte§ öerlaffen, mir bürfen tro| unferer (Sünben fü^n öor ben 
^f)ron ®otte§ treten ouf ©runb beffen, bofe Sefu§ ©^riftuS 
unfer 9J2itt(er ift. ^eilige unb Snget fönnen feine SJJittler fein, 
nur 3efu§ (SfjriftuS oI§ (Sott unb äJJenfc^, oüe§ onbere entheiligt 
ßf)riftum." S3atb borouf begann für ben 9fleformator eine ^ortc 
^eit. ©eit ber 2f)ronbefteigung ber Königin ÜJJorio mor if)m 
öon ber S^legierung fein ©e^olt nid^t me^r ouSbeja^lt morben, 



13 

jo ba^ er gejtüungen tüor, fid^ nad^ S^cenjcaftle ^urücfjujietien, um 
ftc^ waä:^ einer (Stellung umgufef)en. S)a§ Parlament l^atte in 
ber ^roijcEienjeit alle bie SReformotion begünftigenben Sefc^Iüffe 
aufgefjoben uub bie römifcö=!QtI)oIif(f)e 9f?etigion lüieber {)erge[tetlt. 
$Jiur nod^ bi§ §um 20. S)eäember joüte bie §lu§übung be§ prote= 
ftontifd^en ®otte§bienfte§ feinen feittjerigen Slnt)ängern geftattet 
fein, bann aber mit ber ganjen ©d^ärfe ber neuen ^ird^engefe^e 
gegen fie tiorgegongen n^erben. ^nof UJoHte tro^bem ©nglanb, 
an ba§ it)n ju fefte S3anbe !nü|3ften, nid^t öerloifen. Sl(§ jeboc^ 
feine ^einbe it)re Slbfid^t, it)n gu oernid^ten, §u offen geigten, unb 
anbererfeit§ feine g^reunbe mit oller (Snergie in it)n brangen, fein 
hieben in ©idjerl^eit ju bringen, entfd)IoB er fid) enbltd^, §u flief)en. 
3lnfang§ SUJärg 1554 brachte it)n ein g^a^rjeug nac^ 2)ieppe, 
einem §afen in ber 9^ormanbie. gür feine 33rout unb beren 
SKutter mar biefe g^Iuc^t ein fcEimerer ©d^Iag, obgleid^ fie felbft 
ouc^ i{)re 9iolmenbigfeit einfat)en. ©c^mer litten bie Seiben aud^ 
unter if)ren ^äuSüd^en SSerfjältniffen. 3JJr. Some§ t)atte öon 
Slnfang an eine SSerbinbung feiner S^od^ter mit bem 9f?eformator 
energifd) üerroorfen, nic^t fomo^l meil er fetbft am fat^olifd^en 
©lauben feft^iett, at§ meil if)m bie (Stellung, bie ^nof einnal^m, 
feine Garantie für ein forgenfreie§ 2eben ber 53eiben gu gemä^ren 
fc^ien. 9J?ulter unb ^orfjter fjotten unter biefem 2)ru(f öiel ju bulben, 
ober fie blieben treu, unb befonberS mar e§ bie SpfJutter, bie al§ 
bie filtere unb 5lbgef{ärtere ber 3^od[)ter feft gur (Seite ftonb, mie 
fie ou^ bie ßorrefponbenj mit Änof, bie meift religiöfen unb 
politifd^en 3nf)oIt§ mar, leitete. 5ßor feiner gluckt f)atte biefer 
i^r einen Srief gefrf)rieben, ber gugleid^ eine (5rf(ärung be§ 
6. ^falm§ entt)ält, unb ou§ bem mir folgenbe ©teilen entnet)men: 
„tiefer ^elc^ ift gleic^fom ein Xxawi, bereitet oon ber 2Seilt)eit 
eines emigen Slr^teS, ber allein bie Heilmittel fennt, bie unferer 
öerberbten SZotur !£)elfen fönnen. 53eben!e, liebe 9iJJutter, bo| aüeS 
über un§ !ommt nur §u unferem eigenen S3eften. @§ ift eine 
Strjenei, borum fd^metft ber SEranf nid^t ongene{)m. 5Iber mie 
gern mürben mir eine Slrgnei nef)men, unb märe fie nodö fo 
unongenet)m unb bitter, menn unfer Seib fron! märe unb burd^ 
fie mieber gefunb unb f)eit merben fönnte. 2öie oiel met)r foUten 
mir bann mit ©ebulb unb ©onffagung bie Slrgnei au§ unfereä 



14 

SSaterg §anb etitgegenre'^nten, bie öon unferen (Seelen fo ötete 
tobbringenbe traitf^eiten fern Ratten !ann, al§ ba finb: §ocf)mut, 
(gigenbünfel, Sßeroc^tung ber göttüd)en ©nabe unb Unbanfbarfeit, 
biefe fc^Iimmften aller Äranf Reiten, bie burc^ ben Unglauben bie 
©eele töten; bagegen ruft bie 9Irpei in un§ I)eröor: ^emut, 
^ur^t unb 5tnbetung be§ 9lamen§ ®otte§ unb (grfenntni§ ber 
eigenen (5c^toacJ)^eit unb anbererfeit§ ber unbegrenzten 3Bof)It^aten 
@otte§, bie n^ir burc^ ß^riftuS empfangen ^oben, (auter @aben, 
bie ber beutlirf)fte ©eftieiS bafür finb, baB Sefu§ e^ri[tu§ in un§ 
lebt, ßiebe Tlntkv, nimm biefen Mc^ au§ ber §anb be§ ^imm^ 
Iifcf)en 5ßater§, n)irf S)ic^, ba bu feine anbere 3uftucf)t ^aft, öor 
ben 3:^ron ber QJnabe ®otte§ unb fpric^ mit ®aüib, ber in 
ä^nlic^er 9^ot toax: §err fei mir gnöbig, benn \d) bin fc^tt)a4 
^eile mic^, §err, benn meine ©ebeine finb erfdjrocfen. — Sc^ 
n)ürbe meine tnie öor biefen abfc^eulic^en ©ö^enbilbern nic^t 
beugen tro^ aüen aj^artern, bie irbifd)e Sljrannen erfinnen tonnten, 
njenn @ott mir fo beiftünbe, mie fein ^(g. @eift je^t mic^ be- 
njegt, e§ offen ju fc^reiben. Unb obgleich ic^ bei SSeginn biefeä 
Kampfes bie Üiotte eine§ fdimac^en unb feigen ©olbaten gu fpielen 
fd)ien, — bie 93eurteilung be§ @runbe§ überlaffe ic^ @ott — 
fo ift boc^ mein ©ebet, ba^ \d) n)ieber in ben ^ampf ^urüiJte^ren 
fönne. ©epriefen fei @ott, ber Später unfere§ §errn Sefu ß^riftt, 
ic^ bin nic^t fo arm unb of)ne Xroft gelaffen, fonbern icf) t)offe, 
eine foId)e ©nabe ju erlangen, bü^ i4 menn nid^t meinem ßeiben 
burcf) ben Xob ein rafc|e§ ®nbe gemacht Ujirb, burrf) ben, ber 
bie ©euf^er ber S3etrübten unb Traufen nimmer öeracfitet, fo 
äum kämpfen ermutigt werbe, ba^ beibe, (Snglanb unb ©c^ottlanb 
erfennen foHen, ha^ \d) bereit bin, me^r at§ 5trmut unb 5ßer= 
bannung um be§ SöefenntniffeS ber eöang. ßef)re unb jener t)imm« 
lifc^en 3fleligion mitten p erbulben, für bie ic^ mit SInberen nac^ 
ber gnäbigen 55orfe^ung @otte§ fämpfe unb all if)r ^euge unter 
hie 3)?enfc^en trete." 'ß) (Sin anberer 93rief, ben ^nof einige 
S5?oc^en öor feinem @d)eiben au§ (gnglanb fc^rieb, galt ben „®Iäu= 
bigen in Sonbon, S^emcaftle unb iöermic!".^") 9JJit fle^enben 
SSorten marnt er fie öor bem ©ö^enbienft ber papiftifdjen ^irc^e 
unb bittet fie, am eöange(ifcf)en ©tauben feft^u^alten in ©türm 
unb 9Zot. 



I 



2)ritte§ Äapitel. 

Snof* 3tttfent^ort in @cnf unb ^ronffurt o. ÜK.; furjer Scfuc^ in 
©(^ottlanb. 1554—1556. 



^noj- t)atte fic^ in fein ©c^icffal ergeben, aßein e§ fann un§ 
ni(^t njunbern, menn h)ir f)ören, bafe er in jenen Ziagen tro^bem 
ntand^mal in rec^t trauriger (Stimmung unb je()r niebergefd)lagen 
mar. S3i§mei(en bereute er feine ^^lud^t unb glaubte, e§ feinen 
@Iauben§genoffen fc^ulbig gemefen gu fein, mit au§p{)arren. Sn 
fold^en ©tunben ftagte er ficf) bann monc^er ißerfäumniffe im 
5lmt an, aU t)ätte er nic^t genug gearbeitet, nid^t ftreng genug 
gegen bie 3J?ipräu(^e ber fatf)oIif(f)en ^irc^e geeifert, nid^t offen 
unb beutlid^ genug bie SSot)rf)eit gerebet. 2)a mar e§ benn für 
i^n gut, ba^ er fid) balb entfd^Iofe, feine (Schritte bat)in §u 
lenfen, mo er mufete, baB er mit offenen 5lrmen aufgenommen 
Werben mürbe, ju ben @Iauben«genoffen in @enf. 3"*^^^ ^^tte 
er norf) üon ©ieppe au§ gmei Xroftbriefe^^) on „feine betrübten 
Vorüber in ©nglanb" ergetjen laffen, bann §og er rüftig bem neuen 
ßiele entgegen, g^reier mar§ if)m um§ ^erj, t)atte er bocJ) S^Jad^« 
rid^ten erf)a{ten, bie ba saugten öon ber ®tonbt)aftigfeit feiner 
g^reunbe in ©nglanb unb oon ber Streue feiner S3raut unb beren 
SJJutter, unb foEte er bod^ aud^ ben fennen lernen, öon bem er 
fd)on fo üiet 9iüf)menbe§ get)ört, ben großen ßatoin. (S§ bauerte 
audf) nid^t lange, fo maren biefe beiben SJJönner, bie fid£| in oielen 
fünften fo fet)r gtid^en, bie beften ^reunbe. §ier nun oertegte 
er fic^ mit aüem g^Ieife auf ba§ ©tubium ber 2;^eoIogie, um 
alte £ü(fen in feinem SBiffen aufzufüllen, befonberS aud^ fud^te 
er fid^ in ber t)ebräifct)en (Spradf)e tü^tige ^enntniffe gu ermerben. 
S)oct) burfte er fid) nid|t ungeftört biefer Oiutje erfreuen. 5t(§ er 



]6 

im Suli fi(f) für fur^e ßeit nac| steppe begab, um Sfiac^rid^ten 
ton feinen Sieben in ©mpfang gu nefjmen, erirartete i{)n eine 
gro^e (Snttäufd^ung. S)ie immer f)eftiger merbenbe Sßerfolgung 
in ©nglanb Ijotte biete ©üangelifd^e ttjonfenb gemad^t, ja fogar 
^um 5lbfaH bemogen. Stt f)eiligem ©ifer gab Ijierauf ^noj feine 
„@rmaf)nung on bie S3efenner ber ®otle§n)ot)r()eit in ©nglanb" ^^) 
t)erau§, bie einesteils bie ©laubensbrüber marnte üor bem 9iü(f= 
fott in ben „obfd^euIic!^en ©ö^enbienft", anbererfeitS i^nen bie 
(5Jefat)ren geigte, bie für ba§ ^önigreicf) entftet)en müßten, menn 
€§ burd^ eine SSerbinbung ber äJJaria mit ^t)ilipp öon (Spanien 
unter bie ^remben^errfd)aft föme. (£§ fpric^t au§ biefer @(f)rift 
eine furchtbare Erbitterung t)erau§ gegen bie ^apiften, bie Königin 
SJJaria unb ba§ fpanifd^e Äönig§^au§, bie nur erftärt nperben 
fann burcE) bie ©reueltaten ber SUiaria, öon benen ßnof öer« 
nommen t)atte. 3n ©enf rücEte je|t noc^ eine anbere S^iot an 
if)n f)eran. S)o§ @elb, ba§ feine greunbe in (Snglanb i^m teils 
bei ber 5lbreife oon bort mitgegeben, teils nad^ S)ieppe nacfigefanbt 
f)atten, mar §u (Snbe, unb nirgenbS jeigte fic^ it)m eine OueHe, 
ün§> ber er f)ötte fc^öpfen fönnen. Sn biefer SebröngniS blieb if)m 
nid^tS anbereS übrig, al§ mit blutenbem ^ergen feine ^^reunbe 
um eine ^oüefte ^n feiner Unterftü|ung gu bitten. ©lücflidier* 
n^eife bot fid^ i^m unermartet fd^neU eine neue Stellung bar. 
Änoj mar fdjon lange nidjt me^r ber einzige, ber fic^ ben §önben 
ber ©egner burd^ bie ^^lud^t entzogen f)atie, eine grofee Stngatjl 
t)on ^roteftanten mar ingmifc^en au§ (Sngtanb gepc^tet, um an 
Orten @d^u| gu fuc|en, bie bem eöangelifc^en ©lauben tJoHe 
grei^eit gemährten. 93efonber§ maren e§ bie ©tobte ßmid), 
93afet, @enf, Slarau, ©mben, SSefel, (Strasburg, 2)ui§burg unb gran!« 
fürt a. ÜJJ., bie ben SluSgemanberten i^re 2;ore geöffnet f)atten. 3n 
ber le^teren fjatte fid^ fd^on üor^er eine frangöfifc^e ^roteftonten« 
gemeinbe gebilbet, unb am 14. Suli 1554 mürbe öom 9JJagiftrat 
ben engtifc^en Flüchtlingen bie ©rlaubnig gegeben, bie ^irc^e ber 
grangofen gu benu^en, jeboc^ mit ber Slufforberung, bie gorm 
i^re§ ©otteSbienfteS bem ber frangöfifc^en ©laubenSbrüber angu= 
paffen. Unter ben 3 ^rebigern, bie ber neuen ©emeinbe öor- 
fte^en follten, mar auc^ Äno^- öorgefef)en. Ungern freilief) öerliefe 
er bie ©tabt, in ber er für ©eift unb ©emüt fo reiche 2(nfpracf)e 



17 

gefunben l)atte, aflein ba§ (Sine freute i^n öon ^erjen, bofe er 
nun fein S3rot lieber felbft fid^ öerbienen fonnte. Snt Dftober 
tarn er in ^ranffurt an, aber bittere (Snttäuf(i)ungen joüte er 
t)ier erleben. 2)ie ©intracEit §tt)if(i)en ben beiben eöangelifd^en 
^emeinben n?ar fcf)on üor feinem Eintritt geftört ftjorben. S)ie 
iSnglänber Ratten fid) gen^eigert, iljre ©ottesbienftorbnung ju 
änbern, inbem fie jebe^ Sladigeben für SSerrat an i^ren 53rübern 
in ber ^eimat erüärten. ä'noj trat al§ Sßermtttler auf, mufete 
ftc^ aber feiner Überzeugung nac^ auf bie (Seite ber gransofen 
fteßen. @r fc^eute fiä) nicfjt, in einer SSerfammlung laut §u er= 
Hören, ta'^ er in einigen S)ingen mit ber ßiturgie ber (Snglönber 
nic^t einöerftanben fein ÜJnne, unb boB er bereit märe, öor jeber* 
mann ben Semei§ §u füt)ren, ha^ manc^e§ barin entt)alten fei, 
ha§> er ni(f)t anber§ al§ aberglöubif^ unrein unb mangelhaft 
nennen muffe. Um nid)t allein mit feiner Beurteilung ba^uftetjen, 
fanbte er am 11. ^egember 1554 einen StuSgug ber englifd^en 
Siturgie an ßaloin mit ber Sitte, feine 5lnfic^t barüber ju öuBern.^o) 
S)ie Slntmort fiel au#, mie gu ermarten mar; ßaloin frf)rieb juriic!, 
bie englifcfje Siturgie trage üiel ©efdjmacflofigfeit an \iä), fie 
muffe grünblic^ gereinigt unb üon bem papiftifc^en Unrat ge= 
läutert merben.2i) @r benfe frei über !IeinIicJ)e ®inge mie 3er= 
monien, aber man foüe troi^bem nic^t nad)geben. ®§ fei traurig, 
t)a% SJienfc^en, bie um it)re§ @Iauben§ millen tierbannt morben 
feien, im (Streit miteinanber lebten. ®arauft)in mürbe benn auc^ 
unter ^noj' Seitung eine gemeinfame gorm be§ ®otte§bienfte§ 
aufgefegt unb ein Sßergleic^ juftanbe gebracht. Slüein ber griebe 
bauerte nur !urje ^dt Sm SDMrj 1555 !amen meitere glückt* 
linge au§ Snglanb nad) ^ran!furt, bie mit einer unerf)örten SRüc!* 
ftrf)t§Iofig!eit tiorgingen. 3Jiitten in einem ©otteSbienft erregten 
fie einen (Sfanbal unb tafen bie englifdie ßiturgie taut üor. 
S)iefen S5ertrag§brud) ftiUfdimeigenb l^inge^en gu laffen, mar nid^t 
bie Strt unfere§ SReformatorS; mit gemaltigen äßorten gab er 
feiner ©ntrüftung 5lu§bruc!, inbem er ba§ SSorgetjen ber S3e= 
treffenben al§ ro^ bezeichnete unb bie engüfc^e ^irc^e über« 
f)aupt ber 2)i§äipIinIofigfeit anflagte. S)ie ©nglänber rächten 
fidi 5unä(^ft bamit, ba^ fie mit it)rer SDkjorität e§ burc^fe|ten, 
ba^ ^noj tiorläufig tiom 5Imt fufpenbiert unb oon ben gemein* 

SR. Siiitot, Sotin Ätioy. 2 



18 

fc^aftlidien Söeratuitgen auSgefc^loffen rourbe. Import über btefen 
@etoaIt[treic^ gingen beffen greunbe jum aJlagtftrat, um biejem 
ben SSorgang su unterbreiten. S)ie ^olge baöon war ein 93efet)I, 
tüonac^ bie (Snglänber i^re ®otte§bien[te genau nac^ ber fronsbfijd^en 
Drbnung abtjolten foüten, wibrigenfallS i^nen bie ^irc^e ge^ 
fc^toffen ttjerben njürbe. 9Zun griff bie englifc^e Partei §u einer 
abjdjeuüc^en Sntrigue: fie ftagte Änoj; beim ajiagiftrat ttjegen 
§oc|öerrat§ an, begangen gegen ^aifer ^arl V., feinen @o[)n 
^t)ilipp II. unb bie Königin Ataxia oon (Snglanb. @§ unterliegt 
gar feinem ^meifel, ba^ feine geinbe i|n burc^ biefe Slnüage 
für immer unfd)äblic^ madjen moüten. Ser üRagiftrat mürbe 
i)ieburc^ in fc^mere SSerlegen^eit gebracht, geigte aber eine 
burc&ouS eble ©efinnung. (Sr bat bei einem angefet)enen unb a(§ 
e^renmert befannten 9JJitgIieb ber engüfc^en ©emeinbe um Slu§= 
fünft über ben etjorafter bes 9leformator§ unb erf)ielt üon jenem 
bie SSerfic^erung, ba^ biefer ein „gelef)rter, meifer, mürbiger unb 
frommer ajfann" fei.22) ®arauff)in begnügte fid) ber 9}iagiftrat, 
tnoj für bie näd)fte Bufunft ba§ ^rebigen gu »erbieten. 2)a§ 
mar für ben Warn, ber auf ber ton§eI fic^ fo rec^t an feinem 
^(afee füpe, ein harter @cj)tag, aber e§ fottte noc^ fd)timmer 
fommen. ?ll§ er am (Sonntag barauf in bie Äirc^e ging, um ber 
^rebigt feine§ ^oHegen ju laufc^en, erf)oben fic^ feine ©egner 
mie auf ^erabrebung öon if)ren ©i^en unb oerlieBen ba§ @otte§* 
^au§, taut erflörenb, ba^ fie mit einem fotc^en 3)?enfc^en nic^t 
an ein unb bemfelben Ort üermeilen fönnten.^ä) 2)a ftanb 
benn ber Sfteformator in ber tirc^e mie ein ©eäc^teter, üerlaffen 
unb befc^impft oon ben eigenen ©laubenSgenoffen. 51I§ ber 
ajJagiftrat fat), bafe bie muft jmifcfien ^nof unb feinen geinben 
immer größer, unb bie @efai)r für fein ßeben immer bro^enber 
mürbe, liefe er if)n im geheimen aufforbern, bie ©tobt ju üerlaffen, 
boc^ fo, a\§> ob er \id) ^ierju freimiüig entfct)toffen f)ätte. @o 
fc^ieb er bann nac^ einer ergreifenben ^Ibjc^iebSrebe mit tief» 
traurigem ^erjen om 26. äJJär^ 1555 oon ^ronffurt unb lenfte 
feine (Schritte mieber noc^ @enf, mo i^n ßatoin in treuer greunb« 
fc^aft fierätic^ bei fic^ aufnahm. SBie feine greunbe fein @cf)eiben 
aufnahmen, ^eigt ein 93rief SSitting^amS,^^) ben biefer am 25. Wäx^ 
on ealoin fc^rieb unb morin e§ tieifet: „9JJeifter ^noj ift ^öc^ft 



19 

ungered^t beim SOfagiftrot tnegen SJ^ajeftötSbeleibigung angesagt 
tDorben unb muB fortgeben nid)t of)ne @cf)merä aller ®utge[innten 
unb aud^ be§ SD'Jagiftrat^ felb[t." ^noj' ©egner fud^ten \iä) ob 
be§ SSorfoüeS bei ßatöin §u entf^utbigen unb fc^rieben am 5. Slprit 
an if)n:25) obgleich if)nen ber 9[Ragi[lrat oolle 3^reif)eit in Slug- 
Übung be§ ^ultu§ gugeftanben, tjötten fie boc^ ba§, ma§ jene be= 
läftigt t)ätle, fahren loffen al§ ba mären ^riöattaufen, Konfirmation 
oon Kinbern, @ebäd^tni§tage unb g^efte ber .^eiligen, Änieen beim 
S(benbmaf){, bol ^h^eugfci^Iagen, leinene Oberleiber ber ^rebiger 2C. 
nid^t rneit biefe ®inge unrein unb papiftifd^ mären, fonbern um 
nid^t mit biejen fingen, bie an unb für fid^ gteidigittig feien, 
an^uftoBen unb gu beleibigen. @ie f)ätten nic^tg al§> ^rieben ge- 
fugt unb S^ermeibung oon ?j[rgerni§, t)a§i foöe er it)nen glauben. 
3m übrigen feien fie bereit, i^m eine franjöfifc^e Überfe^ung it)rer 
Siturgie gu fd^icEen. darauf ermiberte ßaloin am 31. äJJai 1555: '^6) 
„Sf)r mollt, mie id^ f)öre, bie ßeremonien oon (Snglonb fo fdfjarf 
feftf)alten. Seber gebilbete unb oerftänbige 9J?ann mirb zugeben, 
ta^ Sid^ter, K\eu§fd)(agen unb bergteirf)en Kinbereien bem SIber= 
glauben entspringen." ®ann fommt er in feinem @d)reiben auf 
ben eigentlichen ©runb feiner SJJiMtimmung: „ba§ eine fann id^ 
nid^t üerfd^meigen, nämüd^, ha'B SJieifter Knof nad^ meinem S)afür== 
polten meber red^t nod^ brüberlid^ bet)anbelt morben ift. SBenn 
er angeftagt mürbe auf bösmillige SSerbäditigung gemiffer Seute 
^in, fo märe e§ für biefe beffer gemefen, in if)rem eigenen ßanbe 
5U bleiben a\§> ungered)termeife in ferne Sänber ben geuerbronb 
ber ©raufamfeit gu tragen unb foId)e oerberben ^u moHen, bie 
an nid)t§ 53öfe§ backten." 2)iefen Ie|teren SSormurf miefen Sog 
unb feine ^reunbe in einem Srief oom 20. September an ßoloin 
energifd§ gurüd, inbem fie folgenbeg ausfüfirten:^') 9Jian f)ätte 
erfaf)ren, ha'^ Knoj ber SSerfaffer jener ©d^rift fei, in ber grobe 
?(u§brücEe gegen bie Königin unb bie anberen gürftlidjfeiten ent* 
Ratten feien; einen folcfien S[Rann ()ätten fie in it)rer Kird)e nic^t 
freunblirf) aufne{)men !önnen. SO^an \)aht i^n barum burc^ ^reunbe 
aufforbern laffen, einen anberen 3Birfungsfrei§ fic^ au§äufuc^en, 
ober ot)ne ©rfolg. hierauf {)ätten fie e§ oor ben SKagiftrat ge* 
brarfjt, ber bann Knoj aufgeforbert l\ah^, bie ©tobt gu oertaffen. 
@ie fönnten ßaloin^ f)eftige SSorte nic^t begreifen; menn er bie 

2* 



20 

betreffenbeit Wämn !ennett tüürbe, ^ätte er nic^t fo gejc^rteBen, 
fie feien QÖe friebüc^ gefinnt. ^noj' @d)rift ^abe in bie flamme 
ber SSerfoIgung in ©ngtanb oiet Öl gegoffen, e§ feien barauf^in 
öiele auSgeseic^nete 5IRänner öerbrannt tüorben, anbete feien ge= 
ecktet unb it)re§ SSermögenS beraubt ttjorben, nur tt)eil fie jene 
©c^rift im S3efi| get)Qbt ober gelefen t)ätten. — @§ ift fein 
3tt)eifel, baB ^noj in biefer ©c^rift U)ie ouc^ in manc^ anberen, 
bie er fpäter öerfafete, boS 9JJai ber ^riti! über bie fat^olifd^en 
prften njeit überfd)ritten ^at. §iefe e§ boc^ g. 33. borin: „SBenn 
9Karia unb it)re 93erater sur ^öüe gefonbt ttjorben ttJören üor 
biefen 2;agen, fo f)ätte if)re Ö^raufornfeit fic^ nic^t fo offenfunbig 
ber 2BeIt §eigen fönnen." „Sefobel richtete nid^t t)alb fo üiele 
(SJalgen in gong S^rael auf, al§ biefe iieillofe 9J?aria e§ attein in 
iionbon getan ^at." „(Sine §eirat foüte nic^t gefc^toffen »erben 
mit folc^en, bie (Stufen be§ @ö^enbienfte§ finb, njie ber Äaifer, 
ber fein geringerer ^einb gegen ef)riftu§ ift, al§ 9^ero einft mor." 2») 
Stßein ebenfomenig ift t)a§> Sßorgef)en ber ©nglänber gu entfc^ulbigen. 
SebenfaüS f)at tnoj niemoI§ ben ©tarrfinn, mit bem er gett)o^nt 
toax, feine Stnfic^ten burcfijufelen, unb bie rücffic^tSlofe (Schürfe 
feiner ©pradie fo fef)r bü^en muffen, al§ e§ in granffurt ber 
gaE gemefen ift. 

SBäfjrenb biefe Sßorgänge fid) abfpieüen, mar in ©c^ottlanb 
in ber eöangeüfdjen ©ac^e eine SBenbung gum $8efferen ein* 
getreten. 2)ie Königin 2Kutter, SO^aria öon Sotf)ringen, mar pr 
9legentin ernannt morben unb befafe S'Iug^eit genug, fic^ ben 
©üangelifc^en günftig gefinnt gu geigen, ©ine erbitterte geinbin 
ber engtifd^en Königin fucfite fie burc^ biefe er'^eud)ette 2;oIeranä 
bie ^roteftanten für fic^ ju geminnen, um ber öer^a^ten Üliöaün, 
menn nötig, SSiberftanb leiften §u fönnen. Salb fomen aud^ üon 
©nglanb ^roteftanten fierüber, bie bei if)r @c^u| fucf)ten; unter 
i^nen befonben fic^ gmei SJJänner, bie früf)er au§ ©c£)ottIanb 
flüchten mußten unb bie baju berufen maren, in iljrem SSaterlanb 
eine fegen§rei(i)e SBirffamfeit §u entfalten. @§ maren bie§ SBil^elm 
|)orlom unb Sodann SBiüotf, metd) Ie|terer fpäter Änoj' befter 
greunb unb @ef)ilfe mürbe. Siefe günftigen 5Jiocf|rid^ten mecften 
in unferem Sfleformator ein mäd)tige§ §eimme;^ nad^ ber alten 
Heimat. 9^ac^ furjem inneren tampf entfc^Io^ er fic^ jurücf* 



21 

äureijen, unb im ^erB[t 1555 treffen von ii}n an feinem '^eimat^ 
Iid)en ©tronbe lieber, ©ein erfier (Sang galt jebod^ feiner Q3raut 
in (Snglanb unb ber alten ©emeinbe in i8ern)irf, bann erft begab 
er fid) nad^ ©binburg, njo ein ongefe'^ener Sürger if)m fein §au§ 
für ^rebigtgotteSbienfte jur SBerfügung fteHte. Sn !urger ßeit 
brad)te e§ ^noj burc^ feinen geuereifer unb feine unermüblic^e 
STötigfeit fo ttJeit, ba^ bie bortigen ^roteftanten fid) ooüenbS gon^ 
öon ber papiftifd)en ^ird)e Io§riffen. 3)ie 9^od^rid)t öon feiner 
Ütüdfe^r n)ar mit SBinbeäeite in alle ©egenber gebrungen unb 
lorfte tögüc^ ^unberte oon ^ii^örern ju feinen ^rebigten f)erbei. 
5lber auc^ feine geinbe t)örten e§ unb beratfdjlagten, tt)ie fie it)n 
am fc^neÜften toieber to§ njerben fönnten. 2)ie Sßerfuc^e ber 
i8if(i)öfe, bie Königin = Sf^egentin ^ur ©efangenno^me it)re§ %oh^ 
feinbeS ju belegen, fdjiugen au§ ben oben ermähnten ©rünben 
fe^l ^un liefen fie i{)n ouf ben 15. 9J?ai 1556 feierlid; ju 
einer ^er^anblung nod^ (gbinburg oorloben, in ber ftillen Hoffnung, 
er njerbe nid)t folgen unb itjuen bamit Gelegenheit geben, i^n 
fontumasieren ju fönnen. ©ie fannten it)ren ©egner fürn?a^r 
f(^Ie(^t, ^noj erfd)ien, unb bie Sifc^öfe, ^n feig, mit biefem 9J?ann 
offenen 3Sifier§ in bie ©c^ranfen gu treten, §ogen bie §8ortabung 
fc^Ieunigft §urüd. ^noy aber prebigte t)olIe 10 S^age lang in ber 
©tabt mit ber ganjen ^raft feiner S8erebfam!eit unb ber Über* 
geugung be§ ©laubenS. Ermutigt burc^ bie ^oIeren§ ber Sflegentiu 
richtete er an fie einen Srief'-^) mit ber Sitte um 2)utbung refor= 
mierter ^rebiger, oon bem jebod^ feine meitere D^otig genommen 
ttjurbe; bie ütegentin fd)ob bem ^rälaten 93eaton ^a§ Schreiben 
§u mit ben SSorten: „S3itte, Sorb, lefen @ie biefe ©d^anb* 
fc^rift7'3ö) 5?ur5 barauf trat auf eine unermartete SBeife in bem 
Seben be§ 9f{eformator§ ein großer SSenbepunft ein. ®ie englifd^e 
©emeinbe gu @enf ^atte if)n einftimmig ju if)rem ^rebiger ge= 
mö^It unb bat it)n nun bringenb, ba§ 3lmt ansunetimen. ^noj: 
§ögerte nid)t, bem fRufe §u folgen. (Sr mu^te, mie fe^r it)m biefe 
©emeinbe ergeben mar, fobann lodte it)n bie Slu§fid)t, mit eigenen 
SO'Jitteln feine ©tubien fortfe^en gu fönnen, unb enblic^ mar ber 
%aQ gefommen, an bem er mit feiner Sraut, bereu S5ater ingmifd^en 
geftorben mar, ben 53unb ber (Sf)e fd)(iefeen fonnte. 2)a fd)ien 
benn Genf mie gefdiaffen baju, it)m unb ben ©einigen ein fc^öne?, 



22 

forgenfreieS .gietm gu Bieten. «So na^m er oufg neue 5lbfd^teb 
üon ber alten ^eimot unb fu^r im Suli 1556 mit feiner jungen 
grau unb beren äRutter ber neuen entgegen. 3ene 93ifc^öfe ober 
fonnten fid) ben STriumpf) ni(i)t öerfagen, if)n nacf) feiner 5lbreife 
auf§ neue §u einer SSert)anbIung ju gitteren unb i{)n bann n^egen 
feiger glud^t al§ flu(f)ft)ürbigen ^e|er in efügie oerbrennen §u laffen. 
Ä'noj erful)r oon biefem Slft erft nad) Sagten unb f(f)rieb barauf, 
eg tt)ar im So^r 1558, „bie Slppeüotion be§ Sot). Änoj oon 
bem graufamen unb pd^ft ungered^ten Urteillfprud^ ber falfcf)en 
Sifd^öfe unb ^riefter (Sd^ottlanbg on ben 5lbel, bie ©täube unb 
bie Sürgerfd^oft beffelben ^önigreicI^S."^') Sßor feiner ?lbreife 
nac^ @enf tjatte er noc^ an feine greunbe in ©d^ottlonb ein 
©(^reiben gericf)tet, entl^oltenb einen „t)ei{famen 'Siat, mie lüir 
un§ inmitten biefe§ üerborbenen ®efd)(ed^t§ tialten foUen, benü^enb 
bie töglicf)e Übung in ®otte§ f)eiligem unb gemeintem Söort."^^) 
9li(f)t lange t)atte ber 5(ufent^alt be§ 3?eformator§ in ©c^ottlonb 
gemalert, aber bod^ lange genug, um i^m ju ermöglid^en, unter 
feinen ©laubenSgenoffen im ©egen ^u mirten. 



S5ierte§ Kapitel. 
Snoj aU ^rcbtgcr in @enf. 1556—1559. 



^te stüei Sa^re, bie ^nof in ®enf gubracfite, get)ören gu ben 
fd)ön[ten unb glücflid^ften feines 2eben§. ©eine g^rou t)at i{)m 
in biefer Qdt ^toei (2öt)ne geboren, im 5?er!e^r mit (Soloin empfing 
er reid^e 5lnregung unb SSertiefung, unb feine ©emeinbe fam i^m 
mit großer Siebe entgegen. Sn einem Srief an feine greunbin 
Wx§. 2odt öom 9, SDejember 1556 fc^rieb er: „^ä) fann nid^t 
auf{)ören, in meinem ^ergen gu münfd)en, ©ott möd^te e§ gefallen, 
@ud) an biefen Drt ju füf)ren, ber, mie ic^ mir offen ju fagen 
getreue, bie befte (i)riftlic^e ©d^ule ift, bie e§ feit ber 2(pofteI 
3eit auf Srben gegeben f)at. ^d) gebe gu, ba'^ auä) an anberen 
Orten (Sf)riftu§ in 2öat)r{)eit geprebigt mirb, aber noc^ an feinem 
Drt f)aht icf) gefetjen, bafe fid^ bie SBirfung bet 9f?eformation auf 
ben fittlic^en unb religiöfen ßuftanb ber ^ergen gugleid) in bem 
SJJafee erftrecft, mie e§ t)ier in @enf ber gati ift." ^'^) g^reiüd) fo 
gang o^ne ^irübung floff en and) biefe 3at)re nid)t l^in ; gerabe in 
bem angefüfjrten 53riefe entfd^ulbigt er feine föumige ^orrefponbenj 
bamit, ha'^ er in feinem ^öu§Iid)en.ßeben §umeilen Unanne^mlid^« 
!eiten f)abe, mie er fie guoor nic^t gemö^nt gemefen fei, unb bie 
i^n aud) met)r brüdten al§ t>a§, tt)a§ er im öffentlichen 2lmt unb 
in feiner ©emeinbe um ©f)rifti mitten erfaf)ren muffe. 2Bir 
merben nic^t fe{)Ige^en, menn mir biefe Sßerftimmungen auf feine 
©c^miegermutter §urürffüt)ren, bie fid^ in bie fremben S3er!^ältniffe 
burd^au§ nid^t finben fonnte unb gar öiel §u ftagen f)atte. 3)abei 
mag bie 2:atfad)e, ha"^ ba§ ©elb in feinem ^au§ oft fe^r rar 
gemefen ift, an manchem SSerbrufe mit @d^ulb gemefen fein. S)a§ 
mar benn um fo bebouerIic|er, ai§> Änoj au^erorbentlic^ oiet gu 



24 

arbeiten l^otte. S[Rinbe[ten§ bretmal in ber SSoc^e l^atte er §uprebigen^ 
baneben toax er täglid^ öiele Stunben mit toiffenfdiaftlid^en 5lr* 
beiten befc^äftigt. S)od^ alle ©orgen öermod^ten nid^t, i^m bie 
93egeifterung ju nef)men, bie bo§ religiöfe Seben unb bie S^^^f 
bie in biejer ©tabt ^errfd^te, in it)m ^eröorrief. S)ie engtifi^e 
©emeinbe in ®enf t)otte eine fefte ®ebet§= unb @aframent§* 
orbnung aufgeftellt, bie ßaIoin§ ®ebet§= unb S)i§5ipIinform §um 
58orbiIbe genommen f)atte unb öon biefem auc^ geprüft unb ge= 
biUigt morben mar. SSorbereitet mar fie fd)on in g^ranffurt oon 
Änof unb SBitting{)am ; in ber lateinifd^en 5lu§gabe lautet ber ^itet 
be§ S3u(^e§ einfad^: Confessio Christianae fidei.^*) @o(c^ flare 
fefte Drbnung im gotte§bienftIi(^en ßeben mar ganj im ©inne be§ 
^Reformators, ja alle§, ma§ er in ©enf faf), gob i^m bie Über* 
geugung. ha% menn überf)aupt irgenbmo auf (Srben, bann in biejer 
©tabt ba§ Sbeal eine§ matjr^aft eöangelifc^en ®emeinfc^aft§(eben§ 
erreicEjt merben fönne. ®aB ^noj mit biejer jeinei Segeifterung 
nict)t aßein ftanb, geigen bie SBorte jeine§ Kollegen 3o|n S3ale, 
ber bamatS in 53ajel angefteüt mar, aber ®enf genau fennen 
gelernt t)atte: „2a^ bie anbern anbere SSunber rüt)men, mir jc^eint 
®enf ba§ größte SSunber ber gangen Söett gu fein, ©o öiele 
fommen Itjierl^er au§ aüen Säubern gleid)jam mie in ein Heiligtum, 
nid^t um Üteic^tümer gu jammeln, jonbern um in Slrmut gu leben. 
Sft e§ nirf)t munberbor, ha^ ©panier, Italiener, ©c^otten, ©ng» 
lönber, grangofen unb ©eutfc^e, bie fonft fo oerjc^ieben finb in 
©itten, ©pracf)e unb ^leibung, fo öerfc^ieben mie ©d)afe unb 
SBöIfe, Odifen unb 93ären, nun üereint unter bem einen Sod^ 
6§rifti leben foöen in Siebe unb greunbjc^aft at§ eine erf)te 
geiftlic^e ^irc^engemeinbe?"^^) Wlaq nun auc^ manches in §u 
rofigem Sichte ^ier gefc^itbert fein, fo unterliegt e§ feinem B^oeifer, 
boB fic^ unter bem ©influB 6aloin§ in @enf eine 5Irt ajfufter* 
gemeinbe ^erongebilbet l^atte, in ber fic^ ein ernfter ^roteftant mof)l 
füfjlen muBte. Unb boc^, fo glücfli^ Änoj ^ier auc^ mar, bie 
©e^nfucf)t, im eigenen SSaterlanb für feinen ©tauben mirfen gu 
bürfen, mürbe oon Xüq gu 2:ag ftärfer in if)m. Unöer^offt 
fernen fd^ien biefer SBunfc^ in Erfüllung gu ge^en. Sm SO^ai 1557 
überbrückten \^m groei ^reunbe einen Srief fd^ottifc^er ©bedeute, 
morin biefe if)n baten, in§ Sanb äurücfgufe^ren, um it)nen im Kampfe 



25 

beiguftet)n.36) Unöerjüglic^ tüottte er ber (Sinlobung folgen, ju^ 
mal aucf) feine gamiüe, bte ©emeinbe, ßaloin unb bie anberen 
Kollegen i^re Söilligung ju feinem SSor^aben gaben, oiete freiließ 
mit traurigem ^er^en. 9ftacf)bem er einen 9^ac^foIger für fein 
Slmt befteüt ^atte, fuf)r er am 24. £)!tober nac^ SDieppe. Stßein 
^ier erwartete i^n eine bittere (Snttäufc^ung ; neue iiöriefe ttjaren 
eingelaufen, morin man i^m mitteilte, bafe manche e§ ber ©efa^r 
megen, bie ein offene^ SSorgetjen mit fid^ bringen fönnte, für 
beffer t)ielten, menn er nic^t nac^ ©c^ottlanb fäme; man miffe 
nun nic^t rec^t, mosu man i{)m raten foüe. ^nof mor in großer 
SSerlegen^eit ; er fcfjrieb am 27. Dftober ben fc^ottifc^en ®beln, 
er l)Qbe um ifiretmiüen gamilie unb ©emeinbe öerlaffen, unb 
!omme, njenn er fein ^Bor'^aben nic^t ausfüfjre, bei feinen greunben 
in ein falfd)e§ Sic^t, benn e§ fönne fo ausfegen, al» ob er oor« 
fdinell unb aus lauter ©itelfeit i^rem 9ftufe gefolgt möre. ©ie 
bockten öieEeicf)t, e§ fei nic^t§ 5lrge§, fo für ni(f)t§ unb mieber 
nichts gamilie unb ©emeinbe öerlaffen ^u muffen, aber er für 
feinen 5:eil möct)te für alle§ in ber siöelt nic^t noc^ einmal burc|* 
leben, fic^ öon ben ©einen Io§rei|en unb fo üiele ernfte 9Kenfc^en 
beim Slbfc|ieb meinen fe^en §u muffen, ^od) met)r oI§ ba§ 
fdimer^e it)n jebocE) ber ©ebante, ba^ fie bie günftige ©elegen^eit, 
bo§ (Söangelium aufzurichten, oorüberge^en liefen. ®ie i?urd)t 
öor etmaigen ©efa^ren bürfe feinen abfialten, ber e§ treu unb 
e'^rlirf) mit feinem ©tauben meine, ©ie foüten fid^ ba§ aüe^ 
nochmals grünbürf) überlegen unb if)m bann, mie er t)offe, 
günftigere 9flac|ri(i)ten nac^ ®ieppe jufommen laffen.^^) — ?n§ 
Änoj biefen ©rief abgefanbt fjotte, manbte er fi(^, ba er nid)t 
nac^ ©enf §urüc!fe^ren mollte, nac^ granfreicf), um bie eoangelifc^e 
©emeinbe bafelbft auf^ufud^en. Ob er in ber proteftantifc^en 
^irc^e ä" ®ieppe, bie bamat§ in§ ßeben gerufen mürbe, al§ 
^rebiger angeftellt morben ift, läfet ficf) nic^t ftd)er narfimeifen, 
jebenfallS fann e§ nur für fur^e ^dt geroefen fein, ba er in jener 
Seit 9^ocf)eae, ß^on unb anbere ©tobte befuc^t f)at. 2)ie 9^ad^= 
ridjten, bie ber Sf^eformator in ber gotge au§ ©d)0ttlanb ert)ielt, 
maren nic^t günftiger al§ bie erften, jene (Sinlabung mürbe nic^t 
au§brüc!ü(^ jurücfgejogen, aber auc^ nidit miebert)ott. ©o liefe er 
benn ben @ebanfen, je^t in bie ^eimat surücf^ufefiren, felbft auc^ 



26 

fallen, in ber Überjengung, ha^ bie ß^it nod^ nid^t für i()n ge« 
fommen fei, unb e§ ni(f)t ber SBille ®otte§ fein !önne, burc^ 
StutbergieBen ben njo^ren ©lauben in einem Sanbe ein^ufütiren. 
®ie Seiben, bie über bie ^roteftanten in ^ronfreid^ bamal§ 
t)ereingebrocE)en toaren, unb beren 3^"9^ ^^ f^^^fl geworben, 
nio(f)ten if)n mit banger g^urd^t für fein SSaterlanb erfüllen. Huf 
bie (5}efangennat)me einer 5ln§a!^I Hugenotten '^in mar öon ben ^ro« 
teftanten in granfreid^ eine Slpologie für bie „©lauben^brüber 
im Gefängnis gu ^oris" f)erou§gegeben morben, bie ^nof mit 
einem greunbe am 7. ©ejember 1557 überfe^te unb mit 9Sor« 
UJort, 3ufä|en unb (Srlöuterungen üerfa'^, um feinen SanbSleuten 
biefe ©reuel gu offenbaren.^^) Seboc^ unterblieb bie 9Seröffent= 
Iid)ung, n)eil bie ©efangenen freigelaffen mürben. Um biefelbe 
ßeit, am 1. unb 17. 2)eäember, (ie^ er jmei Briefe nad^ @d)otttanb 
erget)en, öon benen ber eine an bie ^roteftanten insgefamt, ber 
anbere t)auptjäc^Itd) an ben SIbet gerid^tet njar.^ö) @r marnt öor 
ber @e!te ber SBiebertöufer, bie öon S)eutfd}tanb l)erübergefommen 
njaren unb auf Soften ber 3fteformation fii^ ju aflen möglid^eu 
5lu§fd)reitungen ^inrei^en liefen. @r ^atte it)re Sefanntfd^aft fd^on 
in @d)ott(anb gemad)t unb n)uBte, tt)ie it)r 2;reiben mand^en ab= 
gefd)re(Jt l^atte, fid) ber eöangeüfd^en <Ba<i)e angujd^IieBen. 5)em 
5lbe( gegenüber fpric^t er firf) über bie ^^^^age au§, mie meit unb 
in meld^em gall ber SBiberftanb gegen bie t)öct)fte Dbrigfeit er= 
laubt fei. ©ringenb marnt er oor Ülebellion; mol)! muffe ber 
5lbel be§ 9fteid^e§ ber öerfaffungSmöfeige ^üter ber nationalen 
greif)eit fein, unb e§ gäbe ©renken, über melctje bie ^flid)tig!eit 
ber Untertanen nid^t l|inau§get)en bürfe, ober §um offenen SSiber= 
ftanb muffe mon e§ nicEjt fommen laffen, ei)e bie 2;t)rannei bie 
(5ac|e bi§ auf bie äuBerfte @pi|e treibe. ®ie ^roteftanten mü|ten 
gan§ befonberg öorficf)tig fein; treu ber DbrigMt foHten fie ben 
S3efe{)Ien ber Sftegentin get)ord^en unb fie in aller ©rgebung um 
<Sc^u^ bitten, felbft aber mit allem ©ruft barauf fefjen, ta^ ba§ 
©öangelium unter it)nen lauter unb rein geprebigt mürbe. 
äBenn freiließ it)re Srüber öon ben geinben, ben ^apiften, an= 
gegriffen unb ^ingemorbet mürben, fbunten fie nic^t anberg, al§ 
§u beren SSerteibigung auftreten, im übrigen aber fei e§ it)re 
^flic^t, bog äu tun, tt)a§ mit @ott unb iljrem ©eujiffen öereinbar 



27 

fei. — SBenn er l^ier mit einer großen 3ii^^«<i^attung öon bem 
SBiberftonbSred^t be§ 5ßolfe§ ober beffen SSertretern unb 3^üt)rern 
gegen bie Dbrig!eit fprid^t, jo jc^Iägt er, tt)ie mx nod) fe^en 
njerben, in feinen fpäteren ©d)riften einen anberen %o\\ an. 

3n ben erften SJZonaten be§ Sat)t:e§ 1558 fef)rte ber Sfteformator 
mä) ®enf §urü(fgefet)rt. (£§ mögen mot)I feine ongeneijmen ©efü^Ie 
gemejen fein, bie i()n bieSmoI beim ^Betreten ber ©tabt bemegt 
f)aben, bod^ burfte er fid^ ban! bem fjerjliiiien (Sntgegen!ommen 
feiner greunbe balb mieber in if)rer 9JJitte fo ^eimifd^ füllen, bal 
er mit neuer ^reube an bie ?lrbeit gef)en fonnte. 3""ö(^ft machte 
er fid^ baran, mit .g)itfe einiger 93efannten bie 33ibel in§ ©nglifd^e 
§u überfeinen, ein $Ian, ben er fdtjon löngft mit fic^ getragen 
l^atte. ®a§ Söer! mürbe befannt unter bem Spanien „(Senfer 
S3ibel". Seiber fonnte e§ fid) ^noj nic^t öerfagen, fie mit SSor* 
bemerfungen ju oerfe^en, bie fid^ mit großem greimut über 
fird^Iidje unb politifd^e ®inge auSfprad^en. ®a§ S3ud) mürbe 
au§ biefem ©runbe bon ber Königin ©üfabett) unb if)rem ^lad^^ 
folger menig gebilligt, bagegen öon anbern Überfe^ern fleißig 
benu|t unb t)on ©adjOerftönbigen für eine gute Überfe|ung 
erflört. 9^un aber erfd)ienen au§ feiner geber jene poütifd^en 
@d)riften, bie mir furj guoor angebeutet l)aben. @d)on in feinen 
(Sriöuterungen gu ber Sinologie ber frangijfifd^en ^roteftanten 
l^atte ^noi" bie Überjeugung auSgebrüdt, bnfe ba§ ^ringeffinnen« 
regiment einen ßuftanb boshafter Xtjrannei erreid^t ^obe, fo 
boB fein red^ter 'SRann eine§ 5lmte§ ober eine§ SInfel}en§ unter 
if)m fid) erfreuen fönne.'»") QSiel fd[)ärfer jebod) fprid)t er fid) in 
feiner fd^on früf)er ermäf)nten „^Tppeüation" mit if)rem „B^^^i^f 
unb (Srmaf)nung" ^0 au§, bie in allen Greifen ©nglanbl unb 
©d^ottlanb§ gelefen mürbe, mie fie benn aud) on jeben ©tonb be= 
fonber§ gerichtet mar. S)em 5IbeI ruft er barin ju: „3f)r müBt 
mic^ oerteibigen, fonft erflört if)r (Suc^ felbft für 9iebeüen, bie 
9Jit)rber unterftü|en unb unfi^ulbig S3tut oergiefeen. — Sd^ be- 
zeuge, ha'^ S^r in Suerm ©emiffen gebunben feib, Übeltäter §u 
ftrafen unb Unfdjutbige ju oerteibigen, bie Sure §ilfe erflehen. 
— Sf)r feib oerpftid)tet, öom @t)renpla| gu ftofeen unb fold)e ju 
beftrafen, bie ba§ 33otf um bie ©peife ber (Seelen, nämtid[) ®otte§ 
lebenbigeS äöort, oerfül)ren ober betrügen. — S)ie $8eftrafung 



28 

folc^er Sßerbrec^en irie ©ölenbienft, ©otteSfäfterung u. q., bic 
®otte§ 9}?aie[tät antaften, barf nid)t ben Königen unb 53e^örben 
aßein gehören, fonbern ift ©adie be§ gefamten SSoIf§!örpei§ unb 
jebe§ einzelnen ©üebeS nad^ bem 53eruf eine§ jeben unb nod^ ber 
3J?ögü(f)feit unb @elegen{)ett, bie @ott borbietet, um bie feinem 
Silul^m gugefügte S3eleibigung ^n räcfien." Salb barauf erjc^ien 
eine jmeite @d)rift, bie am meiften 2luffe{)en erregte, aud^ am 
metften SSiberjprucf) erlitten ^at: „Srfler Xrompetenftofe gegen 
bo§ mon[trö[e SSeit)erregiment."42j ©§ t|ei^t barin: „^ie Über« 
trogung jeber obrigfeitlic^en ©etnalt unb jeber 5lrt üon Ober* 
l^errfd^aft über ein 5lönigreirf), eine Station ober eine (Stabt an 
eine grau ift gegen bei @efe| ber S^latur unb ein ©d^impf gegen 
©Ott, benn e§ ftreitet gegen feinen geoffenbarten SSiÜen unb bie 
t)on i^m beftätigte Drbnung." grauen mie 2)eboraf) unb §ulba 
mad^en eine 2lu§na^me: „S3ei biefen grauen finben wir ben ©eift ber 
@nabe, 2Bat)r^eit, ®erec^tig!eit unb S)emut unb fe^en, ha^ ®ott 
feinem SSoIf ®nabe erjeigete, inbem er e§ burd^ biefe befreite oon 
ber 2:t)rannei ber gremben unb öom 2)ienft ber ®ö|en, aber 
bei ben grauen unferer ßeit finben xoxv ©raufamfeit, golfc^^eit, 
§od)mut, §abfuc^t, S3etrug unb llnterbrücfung, in i^nen finben 
Ujir ben @eift ber Sefabet unb 5lt^atia." St^nli4 nur nic^t in 
fo ftarfen 5lu§brü(fen, äußerte fitf) Äno^- in einem @rf)reiben an 
bie 9flegentin, i)a§i eine Umarbeitung jene§ erften S3riefe§ mar, 
ben er oor feiner SIbreife au§ @d^ott(anb it)r guge'^en lk%*^) 
^aB biefe (Schriften in bieten Greifen ta§> Qxö^k Wx^^aUtn er= 
regten, !ann un§ nic^t SBunber nef)men. Übrigens mar ^noj nic^t 
ber einzige, ber fotd) eine ©prad^e führte ; ber ^rebiger ©oobmann 
t)atte faft ^ur felben ß^it in ®enf ein SSer! erfc^einen laffen, 
ba§ einen gan§ ä^nlic^en Snt)att mie jene Schriften enthielt, 
mit befonberS frf)atfen SluSföIIen gegen bie Königin oon ®nglanb. 
S)er Xitel be§ Sud^e§ ^ei^t: „SBie Untertanen ber t)ö]^eren ®e= 
malt get)orcf)en follen, unb morin fie gefe^mä^ig laut @otte§ SBort 
nic^t ge^or^en, fonbern miberftet)en foIIen, momit gugleid) aud^ 
bie Urfodie oon oü biefem gegenmärtigen (SIenb in (Snglonb 
unb ber einzige SBeg ju t)etfen erüärt ift." ^^) (S§ fe^tte nic^t an 
SJJännern, bie in SBort unb @d)rift gegen bie Stnfc^auungen ber 
Seiben mit aller ©nergie auftraten. Über ben „Xrompetenfto^" 



29 

l)at ficö Qud) Sabin in einem S3rief an ben ©taatsfefretär 6ecit 
geöu^ert unb erflärt, ^noj ^aht it)n üor 3a^ren über ba§ SBeiber« 
regiment gefragt, unb ta f)abe er geantnjortet, baB "Oa^, jtüor gegen 
bie notürlic^e Orbnung [treite, baB aber auii) jd)on g^rauen regiert 
ptten, bie fic^tlic^ huxä) ®otte§ Sßorfe^ung ba§u berufen morben 
feien, tük bie §ulba unb ©ebora^. ®urc!^ 6itte unb ©ebraud) 
fei e§ nun aber fd)on feit langem eingericf)tet, ba^ auc^ grauen 
St^rone erben, barum fe^e er !eine S^iottüenbigfeit ein, biefe ^rage 
anzuregen, nicl}t bloB, tneil ba§ gef)äffig fc^einen njürbe, fonbern meit 
e§ ni(i)t gefe|lic^ märe, Sftegierungen ab^ufe|en, metdie burc^ @otte§ 
befonbere ^orfef)ung eingefe^t morben feien. ®r f)ätte öon bem 
S3ud) feine Sl^nung gehabt unb al§ er über einige ©teilen informiert 
morben fei, ^aht er beutlic^ fein 99^ifefaIIen barüber gezeigt, bafe 
foI(f)e miberfinnigen 33ef)auptungen aufgeftellt morben feien.^^) Änoj 
tjatte feine reoolutionären Slnfid^ten über bie ^flic^ten ber §errfd)er 
unb bie SRed^te ber Untertonen au^ bem Sitten Xeftament ge= 
fd^öpft. ©eine ©d^riften finb überfüllt öon bie§beäüglicl)en ßitaten. 
©Ott t)at bem 5BoI! S^rael ni(^t bloB bo§ 9?ec^t gegeben, fonbern 
e§ if)m gur Iieiligen ^fli(^t gemacht, ben ©ö|enbienft mit allen 
äRitteln gu befämpfen unb bie ©ö^enbiener ouSgurotten. ®a§ 
gilt für aüe SSöIfer ju allen ßeiten. ©ott tann nidjt in fpäteren 
Reiten oerbammen, ma§ er guüor gebilligt unb befohlen ^at. 
®arum, „menn nur ein f leiner STeil in einem ßanbe bie roal)re 
Sfleligion befennt, fo ift e§ gefe^mäfeig, bie ®b|enbiener mit bem 
2;obe 5U beftrafen, menn ©Ott auf irgenb eine SBeife if)m bie 
Wüd^t baju gibt." ^ß) ®a§ mar bie Überzeugung be§ ^Reformators, 
au§ ber t)erau§ er fic^ i)a§> 9fted^t nal)m, ber Ä'önigin non ©nglanb 
mit ber Xobe§ftrafe §u broI)en, für ben g^atl, baB fie ba§ ©öangelium 
unterbrücEe unb ben ©ö^enbienft mieber aufrichte, unb bie er auc^ 
fpäter 9J?aria ©tuart gegenüber in ber ^rebigt mie im ^rioat= 
gefpröcl) offen auSfprad). ^atkn biefe reoolutionären ©rf)riften 
— Ä'noy' „smeiter 2;rompetenftofe" mürbe gum ©lücE nid^t oer= 
öffentlid^t*^) — mel)r gef^abet al§ genügt, fo fprad^ bagegen au§ 
bem „Sörief an bie Sürgerfc^aft ©d)ottIanb§" "s) oom 14. Suli 1558 
eine ernfte, tjerglid) gemeinte SJial^nung, bereu SBirfung nid^t au§= 
bleiben fonnte. 2)er 3Hut ber ^roteftanten mürbe gehoben, fie 
fd)arten fic^ auf§ neue um il)re ©laubenSfa^ne. 5Iud() maren fie 



30 

alle barüber einig, ba§ jie einen ftarfen, gielbettJuBten ^ü^rer im 
(Streit brauchten, unb fc^rieben on ^noj, il)n ^er^tic^ bittenb, §u 
if)nen ^erüber§ufommen, fo balb er e§ madjen !önne. ßeiber fam 
ber 93rief erft im ^f^otiember an feine 5tbreffe. Snswijc^en ging 
man in ©djottlanb eifrig on bie Slrbeit. 5lflerort§ mürben 
proteftantifd)e ©emeinben gegrünbet nnb tüd^tige ^rebiger ernannt. 
®a§ 93ilb ber alten apoftolifc^en ^ir^e foüte mieber erneuert 
merben, Stitefte mürben gemö^tt, bie bie 5luffic^t über bie @e= 
meinben gu fütjren Ratten, ®ia!one aufgefteüt, benen bie Slrmen- 
unb Äranfenpftege oblag, ©binburg unb ©unbee maren bie 
erften Orte, in benen eine reformierte Äird^e organifiert mürbe. 
3)ie Sage ber (Süangelifc^en t)atte fic^ überhaupt günftig geftaltet, 
bie Üiegentin in ©c^ottlanb geigte eine meitge^enbe 2;oIerans, unb 
in ©nglanb mar bie proteftantifc^ gefinnte ©lifabet^ auf ben 
2^ron gefommen. @ine gro^e Qü^ eoangelifc^er glüc^tUnge 
rüftete fict) gur .^eimreife, unb auc^ ^noj, ber ingmifdien bie ®in= 
labung feiner greunbe erl)alten, beeilte fict), in fein Sßatertanb jurücf» 
jufe'^ren. Sm Januar 1559 nat)m er ^Ibfc^ieb öon feinem lieben 
(Senf, ba§ itjm jutior noc^ ba§ Sürgerrecj)t oerlie^en t)atte. S)ie 
©einen lieB er noc^ gurücf, ba er fic^ guerft perfönüd) oon ber 
Sage in ©djottlanb überzeugen mollte, unb fut)r allein nac^ Sieppe. 
§ter erfuhr er, ta^ iljm bie engüfdie Sdegierung bie 9fteife burc^ 
if)r (Sebiet oermeigert t)atte, ba er al§ SSerfaffer bes „trompeten* 
ftoBes" befannt gemorben, unb auc^ fonft üon einem englifc^en 
^roteftanten au§ ber gran!furter ©emeinbe üerbäc^tigt morben 
mar. gür ^noj: mar bie§ fe^r unangenehm, benn er moüte fic^ 
üon ©nglanb au§ öor feiner §eimfet)r genau über bie 5lbfic^ten 
unb ^läne ber Königin ^Ü^egentin informieren. Bo fc^rieb er 
benn am 10. Slprit einen Srief an bie englifctie ütegierung, morin 
er fic^ megen feinet Sßorge^en§ in ^rantfurt unb megen ber be» 
treffenben ©c^rtft §u red)tfertigen unb gu entfrfjutbigen fuc^te. 
SlÜein ber freie 2;on, ber in bem Srief t)errfc^te, mar nic^t bagu 
angetan, ben ©taat§fe!retör ßecil für ben Schreiber ju erroärmen. 
Änoj felbft martete au^ ben (Srfolg be§ ©c|reiben§ gar nic^t 
ah, fonbern fd)iffte firf) furg entfc£)Ioffen am 22. 5IpriI in ©ieppe 
ein unb lanbete am 2. 3J?ai in bem ^afen oon Seitt). SBa§ bie 
eoangelifd)e ©emeinbe in 2)ieppe bem Sfteformator oerbanft, ba§ 



31 

mögen folgenbe SBorte belüetjen, bie ben (S^ronifen ber ©tabt 
entnommen finb:^«) ^^^jn^ 19^ gebruar 1559 tarn in SDieppe ber 
©d^ottlänber 3ot)n ^noj an, ein fef)r geteerter SQJann, ber d^ 
^rebiger in ©nglanb ^nr ßeit Äönig Sbuorbg VI. aufgenommen 
mürbe, unb ber jpäter ba§ ^mt eine§ ^rebiger§ an ber englifcf)en 
unb jd)ottifd^en ^ir(^e ju (Senf erf)ielt unb sute^t in 2)ieppe 
mäf)renb ber Sauer öon 5 ober 6 SSoc^en prebigte. @r erfreute 
fid^ eine§ großen @rfoIg§, unb bie 3a{)I ber ©löubigen roud^§ in 
fold^em SJJaB, bcfe man nunmel^r am fetten Xage ju prebigen 
magte, mo§ hx§> ba^in nur jur S^ac^t^eit gef(^et)en fonnte. 5(m 
erften 2;ag be§ Wor\ai§> Wäx^ fdtjiouren, burd^ ben 9JJeifter 3of)n 
^noj überjeugt, ben Irrtümern ber römifc^en ^ircf)e ob unb 
befannten fi(^ gur SSa'^r{)eit be§ (göangeliumg. 9)?onf. be ©euer- 
pont, Äönigglieutenant im S3e5ir! ber ^icarbie, ein @d^miegerfot)n 
beSfelben unb eine feiner ^öd^ter namen§ ÜJJob. be SJJonterautier, 
ferner 9}?f. be 53acquet)iüe unb 2 feiner @öf)ne nebft einigen 
anbern üornet)men grauen unb §errn." Sn einer fpäteren ßt)ronif 
fc£)rieb ein ^riefter: „@ie beteten unb lafen bie @rf)rift, ein jeber 
in feiner SBoi)nung. Slber ber ^rebiger Sof)n ^noj, ein ge= 
borener @d)otte, ein großer geinb ber fat{)oIifd)en ^ird^e, oon 
ber er abgefallen mar, fam om 19. g^ebruar 1559 nad^ unferer 
9?ed^nung in biefer @tabt an. 2)iefer 3Jfann, ein füt)ner, gele()rter 
unb aufrüf)rerifd^er SJJenfd^, babei fo berebt, ba^ er bie ^er^en 
ber ßufjörer gan^ nac^ feinem SBunfd) leiten fonnte, tjatte, nad^- 
bem er in 3)ieppe 6 ober 7 SBod^en geprebigt, foI(^ großen ©rfolg 
aufgumeifen unb bie ßaf)! ber 9^eubefef)rten fo fe'^r oermel^rt, ba§ 
fie bie ^üf)nt)eit t)atten, am tjellen Xage gur ^rebigt §u gef)en." 
3^ürma|r ein fc^öne§ ßeugniS für ben Üleformator au§ bem 
SJfunb eines ^^einbeS. 



fünftes Kapitel. 

Sitoj itt iBä\ottim\), ^tÜQionM'ämpU ; eittfü^ruttg bcr JRcfonttotton 
burt^ bo§ Parlament 3Koi 1559— Slufluft 1560. 



ga[t brei Sa^re — öom Suli 1556 bi§ 5mai 1559 — mx 
^noj öon ©c^ottlanb fern getüejen, unb gar oiel ^atte fic^ in* 
^toifc^en auf poütifc^em unb reügiöfem ©ebtet bafelbft ereignet. 
5Die 9fiegentin tt)ar anfangt immer noc^ ge§tt)ungen geftjefen, ben 
^öangeüfdjen SBo^tooIIen ju f)euc^eln. Sn bem ^rieg gran!reid)§ 
mit Spanien 1556 n»ar Waxia üon Sof^ringen genötigt, fic^ auf 
bie ©eite be§ erfteren gu fteüen unb in Ärieg§bereitf(i)aft gegen 
bo§ mit Spanien öerbünbete (Snglonb §u treten. ®o galt e§ 
gegen fie, bie ©unft be§ proteftantifc^en Slbel§ nic^t ju öerfc^erjen. 
^ubem t)atte eine Partei unter ben ^ofEioIifen felbft ben ernften 
^lan gefaxt, bie 3ügel ber Ü^egierung an fic^ gu reiben, fo bafe 
«§ für bie Sflegentin geboten tt)or, burc^ freunbfc^aftlic^e S3e= 
gie^ungen §u ben Häuptern ber @oangeüfc|en ein ©egengemic^t 
gegen jene Partei gu fc^affen. (Snblic^ mufete jeber Sruc| ängftlic^ 
terptet merben, bamit ber meitge^enbe ^(an, burd^ bie 95er= 
binbung ber 9Karia ©tuort mit bem 2)oup^in öon g^ranfreid^ 
beibe Sänber unter eine Ä'rone ^u bringen, öerwirüic^t merben 
fönnte. 2)iefe SSerpItniffe mürben benn auc^ öon ben ^roteftanten 
fo treffüd^ au§genü|t, bafe bie Prälaten, ängftlid^ gemorben, bie 
IRegentin bringenb erfud^ten, mit ©emalt gegen jene oorgugefien. 
^I§ bann fogar in mand^en Drten, fetbft in (Sbinburg, öon ben 
©egnern ^eiligenbilber au§ ben ^ird)en entfernt unb oerbrannt 
mürben, glaubten fie ben redeten ^^^tpunft §um SoSfd^Iagen ge= 
fommen. Slber nun geigte fid^ auc^, ha^ bie Partei ber ^ro- 
teftanten fd)on ftar! genug gemorben mar, um ben Äampf 



33 

«ufsune^men. ©ie fdjloffen im ^ejemBer 1557 ein S3ünbni§, ben 
jogen. erften ßooenant, burcf) ben fie fidE) gu gegenfeitigem tat= 
fräftigen ©d^u^ öerpfüd^teten. 3n einer (Singabe an bie 9?egentin 
forberlen fie SBerlefung ber '^I. ©c^rift in ber Sanbe§jprad)e in 
jeber ÄHrc^e unb 0^reit)eit für eöangeliji^e ^rebigten in 'jßriüat* 
Käufern \o lange, bi§ bie Sflegierung fie öffentüd) geftatte. S)iefe 
^orberungen mürben ^tpar öon ber Sflegentin ni(f)t bewilligt, boc^ 
licB fie fid), um 3^it gu geminnen, mit ben Häuptern ber ©Dan» 
gelif(^en in SSerf)anbIungen über bie Eingabe ein. S^iun be- 
f(i)Ioffen bie Prälaten, öon fid) au§ oorsugefien. ©in (Sjempet 
fönte ftatuiert unb aüen ^e^ern ^eilfamer ©c^recfen eingejagt 
merben. SSalter Wtill, ein ehemaliger Pfarrer, ber fd)on 
früher öom ^arbinal Seaton megen feines ©laubeng jum 2;obe 
öerurteilt morben wor, aber fict) au§ bem @ef unguis burd^ 
bie glud^t gerettet t)atte, mürbe jum Dpfer beftimmt. (S§ mar 
ber 28. Slpril 1558. ®ie SJienge berer, bie ber Einrichtung bei= 
lrot)nten, öergoB Xrönen be§ SD'Jitgefü^IS unb ftiefe SSermünfdjungeu 
'gegen bie ^riefter ou§, ber 3Serurteilte felbft aber rief oor feinem 
Xobe: „^d) bin nun 82 Sat)re alt unb fönnte nac^ bem liaufe 
ber Statur nidjt me^r tauge leben, aber ^unbert Slnbere, bie 
beffer finb, mie id), merben ber 5(f(^e meiner ©ebeine erftetjen. 
Sd| fioffe 5U ©Ott, ha^ id) ber ße|te fein merbe, ber für biefe 
©ac^e ben 3:ob erleiben muB."^0 Smmer uoc^ tjofften bie 
^roteftauten, bie Sftegentin jum ©d)u| if)re§ ©tauben^ bemegen 
§u fönuen. SlUein eine erneute Eingabe betr. bie 93erlefung ber 
1)1. ©c^rift unb ber &iUk, fomie bie SSermaltung ber ©aframeute 
in ber Sanbe§fprad)e unb 2)arreid)ung be§ Slbenbnm^lS in beiberlei 
©eftolt ^atte feinen meiteren ©rfotg. 2Ber meife, mie lange bie 
tRegentin it)r unroürbigeS ©piel noc^ getrieben ptte, menn nid)t 
ein ©reigniS eingetreten märe, ha§> fie ermutigte, it)re Tta§>U 
übgulegen. ^^ranfreic^ ^atte uämlid) mit ©panien ^rieben ge= 
mac^t unb e§ fic^ jur Stufgabe gefteüt, bie ^e^erei mit ©tumpf 
unb ©tiel auszurotten; ber ^apft fegnete biefeS SSort)aben mit 
ber SSer^ei^ung, e§ mit allen SD^itteln ^u unterftü^en, unb bie 
Königin Üiegentin bot fic^ gern an, bie öierte im Sunbe ju fein. 
Slulerbem f)atten bie Prälaten i^r ^u biefer SKiffion bie ©ummc 
i)on 40 000 ^funb ©terling oerfprodjen. 2)aS t)atte gemirft. Stuf 

3t. OTulot, 3o§n Rnox. 3 



34 

einer SSerfoinmlung, gu ber bie 3?egentm bie ®ro§en be§ fReic^eä 
auf ben 7. üJ^örj 1559 nac^ ©binburg geloben ^atte, geigte bie 
fatJ)oIifd)e Partei burd) i^r rüc!ftcf)t§Iofe§ Sßorge^en gegen bie 
5Inbern, bafe fie ben ©ieg je^t fieser in ben §änben ju ^oben 
glaubte. S)ie eöangelifi^en 5lbgeorbneten oerIie|en bie ©tabt, um 
frud^tlofen Unterf)anblungen au§ bem SSege ^n getjen, aber 
entfd)Ioffen, bi§ auf§ SluBerfte SBiberftanb ^u leiften. 9fiun 
ging bie Ü?egentin an xi}t äöerf. S)ur(^ eine ^roftamation, bie 
fie om SJiarfÜreu^ ju ©binburg anf)eften lieB, öerbot fie Sebermonn, 
ot)ne (SrIaubniS ber S3ifd^öfe ju prebigen ober bie ©afromente p 
öerttjalten. Sitte Untertanen fottten ba§ fommenbe Dfterfeft nad^ 
römifdiem 9fiitu§ feiern, mibrigenfattS fie gur SSerantmortung gebogen 
tt)erben fottten. ©o mar benn enblirf) Älartjeit in bie ©ad)e gefommen, 
unb bie ßufunft fottte geigen, »em ber ©ieg §ufatten würbe. SBie e§ 
im Sanbe ftanb, barüber fonnte ber 9ftegentin bie Slntmort eine§ 
9}fagiftrat§üorftanbe§, be» ßorb 9ftutf)0en, Stusfunft geben, bie auf 
i^ren 23efeI)I ^in, atte ^e^erei in ber ©tabt ^ert^ auggurotten, 
lautete: „(£r fönne bie Seiber feiner Bürger p xi)x bringen unb 
fie gmingen, fid^ öor i^r gu S3oben ju merfen, aber über it)re 
©eelen ^abt er feine ©emalt."^^) — (^^^^ 9fteIigion§fampf ftanb 
öor ber 2;ür, al§ ^noj in fein S5aterlanb gurüdfe^rte. ®Ieic^ nad^ 
feiner 5lnfunft mürbe er ouf ©runb eine§ früt)eren 9fticf)terfpruc^§ 
für geätf)tet erflärt. 2)effen ungea^tet beftieg er in ^ert^ furd)t» 
Io§ bie Mangel unb prebigte fc£)arf gegen äJieffe unb S3ilber= 
oeret)rung. Oi)ne feine ©d)ulb brad) barauftjin in ber S^irc^e 
ein müfter Siumult au§, öerurfad)t burc^ einen ^riefter, ber na^ 
biefer ^rebigt in proöoäierenber SBeife eine 9}{effe lefen mottte, 
folange nodf) eine Slngat)! öon ^roteftanten anmefenb mar. ©in 
junger SOJenfc^ f)ielt fic^ barüber auf, erhielt oon bem ^riefter 
eine D^rfeige unb zertrümmerte im ßoxv. barüber mit einem 
©tein ein §eiligenbilb. ®ie§ mar ha§> ©ignal, bie 9[Renge ftürjte 
fid) auf bie Elitäre unb gerfc^Iug in menigen 9JJinuten bie S3ilber 
unb bie übrigen ©d)mudgegenftänbe. darauf gog fie meiter unb 
gerftbrte ta§i ^(ofter ber fc^morjen 58ettelmönd)e, ber ^artl^äufer 
unb ber Karmeliter. Umfonft ftettten fic^ bie Dbrigfeit, bie 
güt)rer ber ^roteftanten unb bie ^rebiger bem |)aufen, ber au§ 
bem gemeinen ^öbel gufammengefe^t mar, entgegen, biefer ru^te 



35 

nid^t e()er, all bt§ er feine ß^i^flörutiggtüut befriebigt ^atte. 2)a§ 
roar benn für bte fat{)oIiftf)e gartet ein ernjünfdjter ©runb, ben 
offenen Ä^rieg §u beginnen. 2)ie Sflegentin erflärte, ^ertt) muffe 
bem S3oben gleich gemacfit werben, unb 50g it)re SCruppen ju» 
fammen, um öereint mit ben franji3fifd^en, bie it)r §ur SSer- 
fügiing ftanben, auf bie ©tabt (oSjurütfen. 2)ie ^roteftanten 
furf)ten ben gerieben gu matjren, fo gut fie !onnten. 23riefe rourben 
abgefanbt an bie 9f{egentin, ben Slbel oon ©d)ottIanb unb ben 
fran^öfifd^en 53efet)I§f)aber, bie an bie fcEimere 5SerantttJortung 
erinnerten, bie fie burc^ bie ß^i^fti^i'ung ber ^eimftätten frieblid)er 
Bürger auf ftc^ laben njürben.^'-*) 2tl§ bie§ feine SBirfung ^atte, 
befd^Ioffen fie bie ©tabt gu öerteibigen, aber e§ follte gIücE(icf)er= 
roeife nid}t gum ^Xufeerften fommen. ®te Königin, erfd)redt burd^ 
ben plö|lic^en Slbfall einiger £orb§ in i{)rem Säger, §og e§ öor 
^rieben §u marf)en. Stüein getreu if)rem ©runbfa^, Äe^ern 
gegenüber ein gegebene! äöort nid^t {)alten gu muffen, 50g fie 
mit il)ren Xruppen nac^ bem Slbjug ber ^roteftanten in ^ertf) 
ein unb begann auf§ graufamfte gegen bie Bürger öor^uge^en. 
3t)re galfc|f)eit räd)te fidi: i^re beften güt)rer öerlie^en fie, 
empört über it)r 5ßert)alten, um öon ba an an ber (5pi|e ber 
©oangelifc^en ju fämpfen. Siefe fjotten je^t nur nod) ein ßiel: 
unbefümmert um ba§ 3;reiben ber S^egentin bie 9fteformation in 
@c^otttanb burc^gufü^ren, um bann mit öereinten Gräften ^ranf» 
reid) entgegenzutreten, ba§, mie fie überzeugt maren, e§ auf bie 
SSernid)tung ber grei^eit be§ Sanbel abgefet)en l^atte. Sn ©t. 
5lnbrem§ !am man im Suni gufammen, um bie erften (Schritte 
p beraten. 5Iuc^ Änoj mürbe jugegogen. 5111 ber @r§bifc|of 
Hamilton bie§ erfuhr, liefe er if)m fagen, menn er in feiner Äirc^e 
SU prebigen mage, mürbe er begrübt werben „mit einem S)u^enb 
SJiuSfeten, moöon bie meiften it)m um bie S^lafe teu(i)ten füüten." ^*) 
Safe bie ®rot)ung ni(f)t p leicht gu nehmen mar, bemeift ber 
Umftanb, bafe ber Sifc!)of gleid) 100 ©olbaten mit ficb gebrad)t 
t)atte. ®oc^ tnoi' fümmerte ficf) um biefe SSorte menig unb 
beftieg gegen alle SBarnung feiner greunbe bie Ä'an^el. Su biefer 
(Stabt, fagte er, unb in biefer tirc^e t)abe i^n @ott juerft ju 
ber SSürbe eine§ ^rebigerS ert)oben, unb au§ biefer Ä'irc^e l^^aht 
it)n bie franäöfifdie 3:t)rannei auf 3lnregung ber fdjottifc^eu 



36 

S3ijd^öfe lerauggeriffen; er t)Qbe tior öielett ß^i^Ö^^^ gelobt, nod) 
einmal ^ter ju :prebigen, unb laffe ftcf) hnxdi nichts baoon ah' 
l)alten, ha i{)n bie 9Sorjet)ung gegen aüer SOZenfc^en (Srnjartung 
tüieber an biefen Drt geführt l^abe. 3n ber %at prebigte er oier 
^age t)tntereinanber unb gwar fo gewaltig, bafe ber 3)iagiftrat 
unb bie (Sintt)ot)ner befd)loffen, ben reformierten ®otte§bien[t ein= 
gufütjren; alle S3ilber tt)urben au§ ben ^irc^en entfernt unb bie 
^töfter in ber @tabt eingeriffen. Stuf biefe 9^ad)ric^t ^in gob 
bie Königin ^efe^t, fofort bie Stabt anzugreifen, attein bie 
^roteftonten maren gur 3Serteibigung bereit unb ^wax in foI(f)er 
Sln§af)t, ba^ ber geinb e§ für üüger l^ielt, einen SBaffenftittftanb 
§u fc^tieBen. @§ n)urbe an bie Sflegentin eine S)eputation ge= 
fanbt mit ber g^orberung um ®eft)iffen§freit)eit, reifte ^rebigt 
unb @o!rament§öermoItung, Slbfe^ung untüd^tiger ^rebiger unb 
Entfernung ber frangöfifd^en ©otbaten. SJJaria, in bie Enge ge* 
trieben, öerfprad^ aHe§. S)ie Sage ber römifc^eu Partei toax fo 
unfic^er, ba^ ein SSerla^ auf bie Siruppen gor nid^t möglich war. 
©0 fdjrieb ber g^üf)rer ber g^rangofen, ®'£)t)fel: „SBir wiffen 
nid^t, wer un§ ^reunb, wer geinb ift, unb wer am SJiorgen für 
un§, ift am 5lbenb gegen un§." ■^^) S)ie 9fieformation mad^te aud^ 
in auberen ©tobten, wie in $ert^, (Stirling, ©binburg unauf= 
lt)altfame gortfd^ritte; Änof würbe am 7. Suli in ber ^auptftabt 
gum ^rebiger gewählt. @§ f(i)ien, at§ ob bem neuen ©tauben 
in @dt)ottlanb fein .^inbernig met)r in ben SSeg gelegt werben 
fönnte; ber größte Xeil be§ 5tbel§ unb be§ 35oIfe§ ftanb auf 
feiner ©eite, unb bie 9fiegentin, foft nur nod^ auf frembe §ilfe 
angewiefen, I)atte weid^en muffen. ®ama(§ fc^rieb Ä'noj: an feine 
iJreunbin 9Kr§. 2o(fe: „®ie S3e!enner finb in (Sbinburg, bie 
fRegentin ^at fid^ nad^ ©umbar gurüdEgegogen, ba§ @nbe ift ®ott 
allein befannt. SSir wollen feinen Slufru^r, feine 5tnberung ber 
gefe|mä^igen Tlad)i, fonbern einzig unb allein (Erneuerung 
ber Üieligion unb Unterbrütfung be§ ©ij^enbienfteg." ^f') Sm 
felben ©inne fd^rieb er an §enrt) $erct): „3Son ben Unruhen 
in biefem ^i3nigreicf) ^ört 3t)r wof)I, aber bie Urfad^e ift nid^t 
Dielen befannt. ©eib überzeugt unb öerfirfjert e§ aud^ ben 5Inbern, 
ba^ wir Weber einen 5tufftanb nod) eine Empörung gegen irgenb 
weld^e red£)t= ober gefe|mäfeige Dbrigfeit im ©inne f)aben, 



37 

fonbern einzig bie g^örberung ber S^riftenreligion unb bie greifieit 
biefeg armen 3fleid)e§." ='') Selber follte bie freubige unb fiege§= 
gen)iffe (Stimmung ber ©öangelifi^en balb genug jc^minben. S^ren 
£orb§ begann ba§ @elb jur ©efolbung ber 2;ruppen ou§äuget)en, 
unb eine grofee Sln^af)! ©olbaten !)atte fid^ mieber nad^ ^au0 
begeben. @§ mar oorau^äufetjen, 'öa'^ bie ^Qi)i ber SSerteibiger 
ber ^auptftabt in 33ölbe fet)r sufammenfcfimeläen mu^te. 2)aäu 
fam, baB ber @d)miegerfo^n ber Ülegentin auf granfreic^§ Xtjron 
gefommen mar, unb biefe fieser auf §ilfe öon bort rechnen fonnte. 
Sie entftf)Io& fic^ benn auc^, auf bem ©emaltmeg roieber in ben 
S3efi^ if)rer ütefiben§ ju fommen. ®ie ^roteftanten mußten, a(§ 
i^re Hoffnung auf §i(fe Don ©nglanb {)er fic^ al§ eitel ermie§, 
bie it)nen oom geinbe gefleüten S3ebingungen annef)men. 2)ie 
9fiegentin mürbe §errin ber «Stabt, jebod) maren bie Sebingungen 
für bie Gegenpartei nirf)t gerabe ungünftig, t)atte fie bod) 3fteIigion§- 
freif)eit für @binburg erlangt, ^nof üerlieB auf Stnraten feiner 
greunbe am 25. Suli bie Stabt, unb on feine ©teile trat ber 
früf)er f(i)on ermähnte äöiüocf, beffen ©nergie t§> gum großen ^eit 
gu Derbanfen mar, bo^ bie S3ürger biefer ©tabt tro| aller Stn= 
fecf)tung i^rem ©tauben treu blieben. Änof uuternat)m eine gro^e 
^rebigtreife burrf) ta^ Ä'önigrei4 — ben Wut unb bie Hoffnung 
auf ben ©ieg feiner (Sact)e ^atte er nidjt im geringften oerloren. 
S(m 2. ©eptemiber fd)rieb er an 9)Jr§. Socfe: „S^ bin feit bem 
SSertrag mit ber 9^egentin fortmätjrenb auf 9fieifen, unb obgleid) 
ba§ gieber mid) einen äJJonat t)inburd) gequält t)at, bin id) bod> 
burd) ben größten 2:eil be§ 9^ei(^es gemanbert, mo, @ott fei 3)anf, 
Seute oon allerlei 'äxt unb ©taub bie SSatjr'^eit erfaffen. geinbe 
{)aben mir oiele megen ber granjofen, bie für^lid) angefommen 
finb, unb öon benen unfere (Siegenpartei golbene Serge erl)offt unb 
eine folc^e ^ilfe ermartet, bie e§ un§ unmijglic^ mad)en foH, §u 
miberftef)en. @o tun mir benn nichts meitere§, al§ um Seric^o 
f)erumget)en, mir blafen bie trompeten, fo meit un§ @ott Äraft 
gibt, unb ermarten oon feiner SD^oc^t allein ben @ieg. Sefu» 
et)riftu§ mirb fogar in (Sbinburg geprebigt, unb feine ^eiligen 
(Safromente merben rid)tig tiermaltet in allen Sßerfammlungen, mo 
immer ba§ ^rebigtamt aufgeriditet ift, unb ta^ ift an folgenbenDrten: 
©binburg, St. 3lnbrem§, 2)unbee, @t.So^n§tomn, S3red)in, aJJontrofe, 



©tirling, 5ltre. Unb je^t ift mit ber ^rebigt Sefu ef)ri[tt auc^ 
an ben füblic^en ©renken, gong in (Surer Sfiätje, ber Stnfang ge* 
mac^t ttjorben, nämlic^ in Sebburgf) unb ^elfo, fo bafe bie trompete, 
bau! unjerem (Sott, überallhin erüingt.''^^) ©eine ßuöerfid^t war 
fo groB, ta^ er feine gamilie aufforberte, gu it)m i)erüberäu!ommen. 
Um fid) ben @ieg gu fiebern, be[d)Ioffen bie ^roteftonten am 
1. Sluguft §u ©tirling, ©nglonb um eine ^ilfeleiftung anguge^en, 
^nof follte bie Sßer^anblungen führen. S)iefer ^atte f(i)on im 
Suli üon ©binburg au§ an (Secil unb bie Königin 53riefe ge= 
fdjrieben, bie in einer faft bemütigen SBeife ©ntjc^utbigungen 
lüegen be§ „XrompetenftoBeg" enthielten, aber it)m ber g^ürfttn 
<5Junft ni(^t mieber ertt)arben.-^-^) SSa§ Secil in einem 93rief an 
einen Sefannten geöufeert: „$8on allen Sf^amen ift oufeer bem 
©oobmannS ber öon ^nof f)ier am oertjo^teften, barum mitt icl§ 
nidjt, boB er t)ier ertoö^nt mirb/'^o) fenngeidtinet bie ©timmung, 
bie bort bie t)errfd^enbe blieb. Slllein man muBte am §of in 
©nglanb mit it)m rechnen megen be§ ungeheuren ©influffes, ben 
er im Sager ber (Süangelifc^en ausübte; barum marb i^m erloubt, 
p 33ermicE mit bem bortigen ©ouoerneur namen§ ber Königin 
©lifabetl^ in Unter^anblung gu treten. Sm Auftrag feiner greunbe 
ftellte er an bie engfifd^e Ü^egierung ha§ S5erlangen einer fräftigen 
llnterftü^ung burc^ ®elb unb ©eetruppen. 9?ur unter biefer 
Sebingung mären bie fd)ottifc£)en 2orb§ bereit, in ein (5d^u^= unb 
2;ru|bünbnil mit (Slijabet^ ju treten mit bem Sßer[pred3en, nie* 
ma(§ o^ne il)re ßuftimmung mit ^ran!rei(^ gu unter^anbeln. S)er 
©ouöerneur üerfprad^, biefe Sßorfc^Iäge nad^ Sonbon gu berichten, 
Itnoi" felbft aber mürbe nid^t geftattet^ mit ber Königin über bieje 
Slngelegenf)eit §u fpred)en, teil§ au§ ben oben angeführten (SJrünben, 
teil§ meil fict) le^tere nic^t burc!^ ^^^S^f^än^^iff^ ober Sßerträge binben 
tDoüte. 3n @t. 2(nbrem§ angefommen fd^rieb ^noj am 15. 5luguft, 
empört über bie ^rud£)ttoftgfeit ber SSer^anblungen, einen Sörief 
an ben @taat§fefretär, in bem er if)n mit fc^arfen SQSorten öor 
dne (Sntfc^eibuug ftellte. »^0 2öenn (Snglanb, führte er au§, i^nen 
ie|t nid)t §u §ilfe fäme, fo fönnten fte ben Äampf nid)t meiter= 
führen. Stiele oon it)nen mürben mit ber ülegentin gerieben 
madf)en, g^ranfreicE) mürbe im Sanbe bie Übermad^t geminnen unb 
ßecil miffe am beften, ob bie§ mit ben Sntereffen (SngtanbS 



39 

DereinBar fei. (Sollte bie§ üermteben tüerben, muffe ©nglonb fid^ 
entfd)(iefeen, ot)ne ^Serjug ber Kongregation ju Reifen. (Sie Ratten 
500 Mann unter SBoffen, ober ©elb fei notttjenbig, um fie unter= 
l^alten §u tijnnen. S^atürlid) fei biefe ^ai)i öiel §u flein, e§ feien 
»enigfteng 1000 guBgänger unb 300 9ieiter nötig, allein bie 
5JiitteI gu foI(i) einer Gruppe fi^nnten öon ben ^üfjrern nid^t auf* 
gebrad^t werben. 

^roei Xage fpäter fam mirflid) ein 5lbfommen guftanbe; 
(Slifübett) fcfiicfte ben (Stiangelifrfien in (Sc^ottlarb £ 3000, eine 
fleine Summe freiließ, aber ber SInfang tat!räftiger §itfe feiten^ 
(SngtanbS mar menigftenS bamtt gemarf)t, ban! ber unermüblic^en 
S^ötigfeit be§ 9^efoTmator§. SSunbern mir un§ nic^t, bafe gerabe 
er bie politifdien ©efc^öfte in bie §anb naf)m, ober auBer il)m 
mären menige feiner Partei baju imftanbe gemefen, unb feiner 
f)ätte biefen @ifer an ben Xag gelegt. @r felbft t)at auc^ ge= 
ftanben, ha'^ e§ if)m fd)mer falle, ben ^otitifer §u fpielen, ha bie 
cf)riftti(f)e 3Baf)r:^eit bei berartigen ©efd^öften fd)mer ju maleren 
unb bur(^§ufüi)ren fei, unb ta'^ e§ i{)m eigentlidt) üon Statur au§ 
gumiber fei, berglcid^en S)inge ju beforgen, mit benen fo oiele 
SBibermärtigfeiten öerbunben feien, g^reilid^ f)at er fid^ aud) t)ier 
burd) feine ungeftume unb unüorfirfjtige 2(rt mand^e Unanef)m(id^= 
feiten äugegogen. 2)ie Üiegentin f)aBte if)n ob feiner boppelten 
^ätigfeit ol§ ^Reformator unb ^olitifer um fo glü^enber, unb 
lieB fogar in ifjrer SBut einen ^rei§ auf feinen Kopf ou§fe|en.62) 
— Knoj t)at in biefer ßeit fef)r angeftrengt gearbeitet, bei Xa^ 
prebigte er, lanbauf, lanbab jie^enb, bei 9Zad)t fd)rieb er 53riefe, 
babei füf)Ite er fid) förperlid) fd)mad^ unb front. (£rmäf)nt fei 
au§ biefer ßeit fein Srief an Goloin öom 28. 5Iuguft; er frögt 
borin an, ob Kinber öon „@ö|enbienern" o'^ne meitere§ gur Soufe 
gugelaffen merben bürften, unb ob ben SDlöncfien unb Dpferprieftern 
ta§: iö^rlic^e (Sinfommen fortbejotilt merben folle. „Sd^ leugne 
biefe§ unb merbe für f)art gef)atten; mef)r fonn id^ nidf)t fd)reiben 
megen be§ gieber§, ha§> mid^ plagt, unb ber oielen Strbeiten." ^3) 
Sntereffont ift bie Stntmort SoIoinS öom 8, S^loöember. @r freue 
fic^, fdireibt er, mit aüen 5lnbern, öon ber erfolgreichen Slrbeit 
beg ^reunbe§ §u ^ören; fie bemunberten ben ungloublid^en (Sr= 
folg, ben er in fo furger 3eit errungen ^obe. @r miffe mo^I, 



40 

bofe ßnof ein fel^r ftrenger Tta^ntx fei, barum feien fie beforgt 
über bie @efat)ren, bie i^m bro^ten, unb beteten gu ©ott, ba^ er 
fiegen möchte, gür it)n, f)ei§t e§ bann rteiter, tjerrfd^e gor fein 
3tt)eifel, bü'^ ein @^3roffe frommer Sßorfaf)ren jum Körper ber 
Äircfie get)öre, aud^ n^enn bie ©ro^eltern unb (SItern abtrünnig 
gemorben feien. SJZan bürfe bie ^inber nid)t i)inbern om (Eintritt 
in bie eüangelifdtie ^ird|e njegen be§ §Qffe§, ben bie Sltern gegen 
biefe Ratten, ieborf) fei eine ^atenfc^aft notttjenbig. 2)ie 3}?önd)e 
unb ^riefter muffe man, obgteid^ fie e§ nid)t beanfpruc^en fönnten,. 
borf) be^afilen, ba fie ot)ne if)re @c£)ulb ungelet)rt unb mandie aud^- 
fc^on alt feien. ^■*) 

5tm IS.Dftober ttjaren bie^roteftanten in(Sbinburg eingebogen,, 
bereit, einen ©enjaltaft au§jufüt)ren. @§ foüte fic^ um ni(^t§ 
anbereg ^anbeln, al§ um eine 5Cnberung ber gangen 3flegierung§= 
form, um Stbfe^ung ber 9flegentin. 3)ie Kongregation tagte benn 
aud) 3 Siage fpäter auf bem (5tabtf)aufe ju (Sbinburg unter bem 
SSorfil be» £orb 9?ut^oen, ber bie (Srünbe für bie 2tbfe^ung 
ber Ülegentin au§füt)rlid^ in ernfter 9f?ebe ber SSerfammlung !Ior- 
legte. Mad) längerer 3)ebotte befd^Io^ man, Änoy unb SSilIo(f 
um it)re 5lnfi(f)t über bie (Baä)^ gu befragen unb alle§ bem SBort 
@otte§ äu untermerfen. Söillocf natjm al§ ^rebiger ber ©tabt 
äuerft ha§^ 3Bort unb erflärte, ha'^ es feinem g^ürften burdj ba^ 
SBort @otte§ geftattet fei, bie Untertanen it)rer 9Red)te gu berauben 
unb äu fnec£)ten, öielmef)r f)ätten biefe ba§ 9?e(i)t, um fotd)er 
Urfai^e njiüen bie Obrigfeit abgufe^en. Knoj ftimmte im ad« 
gemeinen feinem Kollegen §u, bat aber bie 5lnmefenben bringenb^ 
einen fold^en Sefd^Iu^ nur §u faffen, menn e§ i^re innere Über* 
geugung fei, ba^ fie baburd) ben ©taat oom S^erberben retten 
mürben. Sitte anbern Semeggrünbe, mie §a§ gegen bie Sftegentin, 
muffe er al§> gottmibrig oermerfen, unb au^erbem fei e§ i^re 
^flic^t, bie 9flegentin in 5(mt unb SSürben mieber einjufe^en, 
menn fie it)r früf)ere§ 35orget)en fict)tlicl^ bereue unb fid) ber 
gorberung be§ fc^ottifc^en SlbetS unterwerfe, geierlid) mürbe 
fobann abgeftimmt unb einftimmig befd^Ioffen, bie ^f^egentin ab- 
5ufe|en. Unter Xrompetenfc^atl mürbe bie§ tag§ barauf bem ^o(f 
oer!ünbigt unb ber 3ftegentin fc^riftlic^ mitgeteilt. *^^) 33i§ gur 
ßufammenfunft eine§ freien ^arlament^ foüte eine 3nterim§= 



41 

regierung ftottfinben, Befte^enb au§ einem fog. 9^at, ju bem and) 
4 3:;t)eoIogen gehörten, unter beneit Stnoj bie leitenbe Stelle ein= 
na^m. 3)er Slnfang ^n biefer neuen, gefe|tt)ibrigen Sftegierung 
tüor ein überaus unglü(f(irf)er. S)en 3.^erbünbeten Xüax njieber 
einmal t>a§ @elb ausgegangen, unb ber Sote, ber bie neuen §ilf§= 
gelber au§ ©nglanb bringen foüte, tvax oom geinb mit ber gangen 
©umme — 1000 ^funb ©terling — obgefangen ttjorben. 3)ie 
^rieggleute, bie nac| bem Urteil be§ ^Reformators mei[t „Seute 
o^ne @ott unb (£f)re" ujaren, empörten fic^ unb traten §um 
^einb über. Sn ©binburg fam e§ gu einem ernftlii^en ©efedit 
unb bie ©oangelifc^en mußten ben SflüiJjug nac^ (Stirling an* 
treten. ®ie Sftegentin 50g in großem 2:riumpf) in ©binburg ein, 
bie ^Bürger ftot)en mit itjren gamilien auS ber ©tabt, bie fran5ö= 
fif(f)en Gruppen rücften immer weiter öor unb brotjten fci^on, bie 
©raffdjaft gife p befe^en. Übermütig rief bie Ä^önigin=9Regentin 
bie SBorte au§: „SSo ift nun ber @ott eines 3o^n Änof? 3JJein 
©Ott ift je^t [törfer als ber ©einige, fogar in 5ife!"66) @ine 
große ^j^iebergefc^lagentjeit ^atte fic^ ber ^roteftanten bemäcfitigt 
unb nur bem SO^iut eineS Änof ift eS ju öerbanfen, tt)enn nic^t 
bamalS bie gange eoangelifc^e Semegung erfticft ttporben ift. 3u 
©tirling ^ielt er am 8. 9büember eine erfi^ütternbe ^rebigt über 
^falm 80, SSerS 1—8.6') ^n biefer harter ßeit mar eS für it)n 
ein ®(ü(f, baß er ftc^ im ^reiS feiner gamiüe, bie am 20. ©ep= 
tember gugteicf) mit bem ^rebiger (S^riftof (55oobmann in ©c^ott= 
lanb angefommen mar, ert)oIen !onnte. ©eine grau »ar ii)m 
eine treue ©e^ilfin, raenigftenS unterftü^te fie i^n fräftig in ben 
®efrf)äften, bie er als ©efretär ber 2orbS in ber Kongregation 
§u beforgen ^atte. ®r fc^rieb felbft fpöter barüber: „S)ie 9Ru^e 
meines SSeibeS ift, feit fie tjier bei mir ift, fe^r geftört njorben, 
fie !onnte am SRorgen oft faum me^r fagen, waS fie alleS in 
ber 9flad)t gefrf)rieben ^atte."68) @tn S3Iic! in beS ^Reformators 
große 5:ötig!eit mirft folgenbe ©teHe auS einem Sörief, ben er 
einem greunbe in (Snglanb bamalS gefc^rieben ^at: „äRac^ ®u 
e§, mie ^u eS für rec^t t)öltft, benn i^ fann ouS äJJangel an 
ßeit an niemanb fc^reiben; oon 24 ©tunben t)abe ic^ feine t)ier 
frei gur 9lut)e unb @rt)oIung biefeS elenben SeibeS."«'^) S)abei 
njußte er fidt) in beftönbiger ßebenSgefat)r. „(Srinnere meine 



42 

@d^trtegermutter" — btefe war in (Snglanb bei if)ren SSertüanbten 
geblieben — {)eiBt e§ in bemfetben S3rief, „an meine le^te Sitte 
unb jage meinem @d)n)Qger @eorg, ta'^ id^ ein gute§ unb fic^ereS 
^ferb brouctie, benn bie geinbe geben fi{f) grofee $Rüt)e, midt) ge= 
fangen p neijmen, unb I)aben auf meinen Äopf einen großen 
^rei§ gefe|t." 2Bäf)renb bie ^roteftanten in fold^ öergmeif elter 
Slage ficf) befanben, naf)te ficf) §ilfe öon einer @eite, öon ber fie 
!aum mef)r etma§ erf)offt t)atten. Slifabeti) t)atte fid^ enblirf) ent= 
fd)Ioffen, §ilf§truppen p fenben. 5Im 25. g^ebruar 1560 fam 
3U S3ertt)icE ein 93ünbni§ guftanbe, bei bem (Snglanb öerfpracE), 
bie (5elbftänbig!eit (S(^ottIanb§ §u öerteibigen, fei e§ gegen bie 
granjofen ober gegen bie Gruppen ber Ütegentin, mät)renb bie 
Sorb§ getobten, mit i^ren 2;ruppen (Snglonb in einem etwaigen 
Ärieg mit granfreid^ §u unterftü^en. (Sofort fuf)r eine engüfi^e 
glotte au§, um Seit^ ju bloctieren, mä^renb eine ^toeite §ilf§* 
armee fid) ben ©renken @c^ottlonb§ nöt)erte, um fid^ mit ben 
^roteftarten gu bereinigen. 9^ac^ n)ed^felnbem Ä'riegSgliKf be= 
famen bie ©nglönber bie Über^anb, unb bie Sftegentin badt)te baron, 
burct) Unter^anblungen ben ^rieben mieber ^erguftenen, mie benn 
aud^ bie £orb§ fidt) bereit erüärten, ben Äampf aufzugeben unb 
jidt) ber Ütegentin §u untern)erfen, menn bie fran^öfifdien Gruppen 
au§ bem Sanbe entfernt Werben mürben. S)a jebod^ biefe barauf 
beftanb, fidE) bei bem gü^rer ber granjofen üiatg ^olen ^u bürfen, 
nat)m bie S3elagerung oon ßeitt) i^ren Fortgang, ^ie Sftegentin 
foüte jeboc^ ba^ @nbe be§ Kampfes ni^t met)r erleben, fie erlag 
am ] 0. Tlai ben oielfad^en 5Inftrengungen unb ©emütsbemegungen, 
bie it)re ©efunbtjeit untergraben Ratten. 2öa§ ßnoj oon biefer 
gürftin gefagt t)at, brüctte tt)ot)t bie ©ebonfen aller ou§, bie fie 
gefannt ^aben: „©ie war eine ungIücEtidt)e (Srf(^einung für @^ott* 
lanb üom erften STag, ba fie ha^ Sanb betrat, bi§ gu bem Sag, 
ba fie it)r ungIücE(itf)e§ ßeben enbete." ^"') S3alb barauf, am 6. 3uli, 
würbe ber g^riebe gefd^Ioffen, granfreid^ tjatte feinen ^lan, bie 
brei ^önigreid)e (Snglanb, gronfreidf) unb ©d^ottlanb unter einem 
©ä^pter gu öereinigen, aufgegeben unb fa^ im eigenen Sanb einem 
9teIigion§frieg entgegen; ©nglanb wor ber triebe mit gran!reid^ 
l^od^ wiHfommen, unb bie Sorb§ l^atten ben ^ampf längft fatt 
befommen. ®a§ 9ftedt)t ber ©üfabet^ auf ben englifdEjen Xtiron 



43 

lüurbe öon g^ranfretc^ onerfannt unb ©d^otttanb einfttneilen 
?ReIigionsfreit)eit gewährt. S)ie Üiegierung be§ £anbe§ joüte 
lüäf)renb ber Slbirefentjeit ber neuen Königin einem 'Siat oon 12 9JJit= 
gltebern übertragen n^erben, öon benen Tlax'ia (Stuart fieben unb 
\)Ci§ ^^arlament fünf ju tt3äf)Ien ^atte; alle fremben S^ruppen foüten 
ba§ Sanb öerlaffen, bie 9fleIigion§angeIegent)eiten in einer ^Qr(ament§= 
fi|ung genau geregelt n^erben. ßwölf SJJonate lang f)atte ber §um 
@(ü(f wenig blutige S3ürger!rteg gebauert. (Sin feierlicher 5Danf= 
gottegbienft ttjurbe in @t. ®ile§ abget)alten, njobei ^noy haS^ 
©ebet fprad), ba?', tvk folgenber @a^ au§ it)m beroeift, giemlid^ 
politifd^ gefärbt ujor: „3nt §inbli(f barauf, 'öa'^ öor 2)einem 
'iüngefic^t, o @ott, nid^tS me^r t)ert)afet i[t, at§ Unban!bar!eit unb 
SSerlelung eine§ @ibe§ unb eine§ Sunbe§, ber in ©einem Dramen 
gefd^Ioffen lüorben ift, unb im .^inblicE barauf, bafe 2)u unfere 
SSerbünbeten öon (Snglanb gu SSerf^eugen gemacht t)aft, burd^ bie 
mv biefe greif)eit erlangt t)aben, unb baB tnir un§ in 3)einem 
9^amen gegenfeitige Xreue gelobt ^aben, lafe un§, o §err, nie 
in foIc!^e ©ünbe fallen, felbft un§ unban!bar gegen fie gu be= 
weifen, ober ©einen t)eiligen ?iamen gu enttjeiligen.""^') S(m 
1. Sluguft foüte bie Ie|te @ntfcf)eibung im Parlament fallen. ®ie 
^roteftanten Ratten fid^ fd^on üor^er bie 9Jfaioritöt gefic£)ert. 
Sluf ÄMoj' Slnregung l^atte eine ^tn^af)! @öangelifd)er eine ^^etition 
eingereid)t, in ber bie SSerbammung ber römifd^en Strle{)rern 
t)erl[angt würbe, f)auptjäc^Ii(^ berer oon ber SSerloanblung, ber 
Slnbetung ber §oftie, Don bem SSerbienft ber guten SBerfe, bem 
gegfeuer, ben SBaüfat)rten unb ber .^eiligenanbetung. ©ie 
5Re:^rf)eit be§ ^arlamentg befahl ben ^^rebigern, ein ®(auben§= 
be!enntni§ oufjufe^en, worin bie fdjriftgemäfeen Se^ren entt)atten 
feien, ^noy unb SBißocE übernat)men mit brei anberen Ä^oÜegen 
biefe§ SBerf, ha^' längft fcf)on üorbereitet war. %m 17. Sluguft 
würbe bie Äonfeffion oorgelefen, ot)ne bafe üon irgenb einer @eite 
SBiberfpruct) erhoben würbe, '2) unb fieben Za^e fpöter würbe 
burc^ 93ef(^tuB be§ Parlaments bie pöpftlic^e Suri§bi!tion im 
Äönigreic^ aufgehoben, bie 3J?effe bei fc^weren ©trafen oerboten 
unb aüe @efe|e abgefciiafft, bie früher jum SSorteil ber römifdjen 
Äirrf)e gemad^t worben waren, unb bie gegen bie reformierte 
£el)re fprarf)en. ®ie 9ieformation war im Sanbe burc^gefüf)rt. 



©ec^fteg Kapitel 

Ättog o(ö ^rebiger in Sbinburg. Maria ©tuort. @efc^mö§tge ©itt» 
fü^rung ber 5Reformotton. 3tuguft 1560— 'iSc^emfier 1567. 



^itoj tüar tüieber gum ^rebtger in ©binburg ernannt luorben. 
©einen S3eftrebungen, eine ricf)ttge ^irdienjudit eingufütjren, ttjurben 
ä^nlicf) mie bei Salüin gro^e @c^tt)ierigteiten in ben SBeg gelegt. 
Slber enblic^ gab ber ©el^eime 'Siat i^m ben 3lu[trag, mit oier 
Kollegen ben ^lan gu einer ürdjlid^en Üiegierungsform für (äd^ott» 
lonb an entwerfen. @o entftanb t)a§ jogenannte ®i§äiplinbud6, 
ba§ für bie Orbnung in ber f(f)ottif(f)en ^irct)e maBgebenb ge=' 
njorben ift.''^) Slufeerft ftrenge @runbfä|e finb barin geltenb ge* 
moc^t. Änoj tjatte fc^on oor feiner S3e!anntfd^aft mit ßalüin 
beffen Slnfd^anungen über bie fird^Iid^e Drbnung geteilt, befonber§ 
tt)a§ bie 95erfaffung ber Äird^e, Sftein^eit unb @infa(^t)eit beS 
®otte§bienfte§, fomie bie firdjlid^e ßuc^t betraf. S)ie (grfafirungen, 
bie er in ber legten 3^it über bie SBiüfür ber ©rofeen unb bie 
^ügellofigfeit im §eere gemacht t)atte, beftär!ten i^n in feinen 
5lnf(^auungen. ^auptfäd^lid) lag e» it)m baran, §u bereuten, ba^ 
bie ^irc^e, ben §änben ber ^rälaten entriffen, eine S3eute ber 
Söarone unb njeltlidien §erren tt)ürbe. S)a§ ®i§§iplinbuct) njurbe 
perft ber ©eneraloerfammlung unb bann bem @et)etmen 9?at 
öorgelegt. 2)ie ©trenge, bie barin '^errfc^te, ttjurbe jmar öon 
mand^en mißbilligt, aber ber ^lan im großen unb ganzen bod^ 
ongenommen. 3)te ÖJrunbföge be§ S3uc^e§ finb folgenbe: bie 
^irc^e ift üöllig unabt)ängig oon 'Siom, ebenfo aber and) öon 
aüen (Sinftüffen be§ @taate§ auf i^re inneren 51ngelegen!^eiten; 
bie ^iri^enbiener finb ber fird^Iidjen 33et)örbe aüein unterworfen 
unb oerantroortlic^. S)ie 3]erfaffung ber ^ird)e ift bie preS* 



45 

btjteriantfc^e, toie fie üon ben ^pofteln angeorbnet irurbe; getft- 
lic^er unb tuettüc^er ©tatib foüen treu ^ufammeniüirfen für boS 
I)Df)e ßiel ber Slird^e. 3)ie ^rebiger trerben üon ben ©emeinben 
getoöt)(t, nad^bem fie it)re ^Qf)ig!eit gum SImt nad^geiüiefen, unb unter 
i^nen foÜ feine SfiangoTbnung beftel^en. ^ie geifttic^en 5(mt§= 
träger h)erben in öier Slloffen eingeteilt; 1. 9J?inifter ober ^rebiger, 
2. ^oftoren ober iietjrer, 3. ^Xltefte gur 5tu§übung ber Ä1rd)en- 
pc^t, 4. Siafonen gur Stuffic^t über ba§ ÄHr(f)ent)ermi)gen unb 
S(rmentt)efen. 2)Qneben werben noc^ SJJönner 'oon 53i(bung an= 
geftellt, bie bie t)l ©d^rift oorlefen unb ©ebete fprerfjen follten, fog. 
Se^rer ober (ärmaf)ner. S)ie Sluffid^t über größere Sejirfe ift 
in bie §änbe oon set)n ©uperintenbenten gelegt, ß^^^^^^o^ ^^ 
^ai\x fommen fie mit ben 'iprebigern unb Slbgeorbneten ber Sttteften 
§u einer ^roöingialfljnobe pfammen, unb ebenfo oft tagt eine 
©eneraltierfommung, bie qu§ ber 3^^ ^^i^ abgefanbten ^rebiger 
unb ^Itlteften ber einzelnen S3egir!e 5ufammengefe|t ift. ©onntagS 
foU gtoeimol @otte§bienft, eine ^rebigt unb eine ß^riftente^re, 
unb jeben %ac\ eine Söetftunbe get)alten merben. 3)ie ^aufe mufe 
einem @otte§bienft angefd^Ioffen unb ftet§ im 33eifein ber ©emeinbe 
ooßgogen merben. ®a§ Slbenbma^I toirb in ben @täbten oiermal unb 
in ben 3)örfern jroeimal gefeiert, aber jebesmal morgen? unb nad^= 
mittag?. 2)a§ ^reu^jf dalagen bei ber S^auf e unb ha^ Änieen beim 5Ibenb= 
ma^I ift abgefttjafft. 5(IIe g^efte t)ören auf, meil fie in ber ©d^rift 
nit^t eingefe^t finb. Drgel, Slltar, Sireuje, Silber, Äerjen unb 
anbere <Sl)mboIe finb in ber ^ivd}t nii^t gebulbet. 3u9^2^<^ 
mürbe ba§ fonfisgierte Äird^engut für bie ^ird^e gurücfgeforbert, 
§um großen ^(rger be§ 5lbel§. g^ür bie (Srjie^ung ber Sugenb 
foüte im befonberem SJ^afee geforgt merben burrf) (Srric^tung einer 
Sd^ule in jebem ^irdtifpiel unb eine? ©i^mnofium? in jeber gri3Beren 
©tobt. SDa? gange ©c^ulmefen foüte oon ber .^ird^e beauffid^tigt 
njerben. 5[)ie? mar ber Sn^alt ber ßirdienoerfaffung, allein e§ 
üerfloffen, ha jebe foniglid^e S3eftätigung fehlte, no^ 7 ^o^re, 
bi? fie tiotlflänbig eingefül)rt merben fonnte. Änof mar fid^ be- 
njufet, tü'<ß ber (Srf)(uBftein an ha§> ©eböube no(^ nid^t gelegt 
irar, unb bie eoangeIifcf)e ^ird^e in @d^otttanb nod^ nidfjt auf 
ooüe Sfiufje t)offen fonnte. 95on granfreid) au? brot)te i^r bie 
fc£)merfte ®efaf)r ; man faf) bort ber Unterbrüd ung be? ^apfttum? 



46 

nur fo lange ru^ig §u, at§ man fie nid)t t)inbern fonnte. S)a^u 
befanben jtc^ unter ben ^Baronen angefe^ene unb mächtige 5ln* 
ganger ber alten ^ircfie, bte e§ !Iar auSfprac^en, bafe fie fid) auf 
bie 2)auer bie 3tnorbnungen be§ legten ^arlomentS nic^t gefallen 
taffen tüürben; auc^ raar e§ burc^au§ gireifeltiaft, ob ©lifabet^ 
bei einem erneuten Singriff granfreic^§ it)rem ^erfprec^en gemäfe 
§ilfe äu fenben bereit fein n)ürbe. 5)a trat benn ein @reigni§ ein, ba§ 
mit einem (5cf)tage bie größte ©efa^r befeitigte: gran§ IL, ber 
@emaf)t ber Wlaxia ©tuart, tüar am 5. ©ejember 1560 eine§ 
plöl^lidien Xobe§ geftorben. 5In geinbfeligfeiten oon feiten ^ranf» 
xti<i)§> mar üor ber §anb ni(i)t met)r §u benfen, ja man fonnte 
t)offen, ta^ SJJaria, nac^ «gc^ottlanb jurücfge!et)Tt unb ben @in« 
pffen i^rer frangöfifcf)en SSermanbten entzogen, bem eoongelifc^en 
©tauben freunblid^er gegenüberftetien mürbe. Slein SBunber, ba| 
^nof bei ber S^Jac^ric^t oon bem Stöbe be§ ßönig§ ein S)anfgebet 
f|)rad), morin er biefen ^^ob für eine gügung ®otte§ jugunften 
ber et)angelifd)en tirdje erflörte. ''^) Hber al§ biefe @orge oon i^m 
genommen mar, unb er anfing, rut)iger in bie 3"^unft ^u fdjauen, 
traf i^n ein @c|(ag, ber i^n tief ^u ^oben brüdte: fein SBeib 
mürbe il)m burc^ ben 2:ob entriffen. S^r (Scheiben t)at büftere 
@d)otten auf feinen ferneren £eben§meg gemorfen, ber no(^ fo 
bornenooH für it)n merben foUte. 3n ber äJiilbe unb ©üte i^re§ 
S^arafter§ t)atte eine fliüe ^raft gelegen, bie ha§^ ftürmifd)e ©emüt 
unb ben tjerrifc^en SBiüen i^re§ SOJanneS lenfte, o^ne ba^ er fic^ 
beffen bemüht mürbe, äöte fet)r biefe grau öon benen geet)rt 
mürbe, bie fie nötjer fannten, mögen folgenbe ©teilen bemeifen, 
bie jugleid) auc^ feigen, mie Ä'nof bei allem ©c^mer^ feiner 9JZiffion 
treu geblieben ift. 2Im 13. gebruar 1561, etma 2 aJJonate nac^ 
bem 2;obe§faII, fc^rieb ©oobmonn an ©alüin: „©einer @emat)tin, 
biefer tjer^Iic^ frommen grau, beraubt, unb felbft ni(i)t Iräftig 
genug am Körper, aber ftarfen ®eifte§ meidit er niemotS oon 
ber Strbeit. ©eine 5lnfunft in ©c^ottlonb mar oon ftürmifd)em 
©rfolg begleitet, unb nid^t minber notmenbig ift feine ©egenmart 
je|t. 9Köge i^m noc| eine lange 9f?eit)e oon Sauren oergönnt 
fein, äum 2Bot)I feines 3SaterIanbe§ unb gum ®ebeit)en ber ^ird)e."'^) 
Slm 23. Stpril antmortetete (Saloin: „Dbgleirf) e§ mid) aufrichtig 
fc^mer^t, "öü^ unfer Sruber ^noj feiner fo überaus liebtidjen grau 



47 

beraubt lüorben ift, freue id) mic^ boc^, ba§ er firf) burc^ if)ren 
2:0b ntc^t fo t)at nteberf(i)lQgeu (äffen, bafe er nic^t feine Äraft 
mit Sntfcfjteben^eit für Sf)riftu§ unb bie Äird)e einfe|en mürbe. 
(Sin großer S^roft ift e§ für mid), ha^ er in ®ir einen fo treuen 
unb tüd^tigen ®ef)ilfen gefunben {)at."'*0 2(m felben Sag fc^rieb 
ßalüin an ^noj felbft: „S)ein Söituienftanb bett)egt nii(^ auf§ 
fdimerjlid^fte ; ^u {)atteft eine g^rau, tt)ie eine ät)nlirf)e nirgenb§ 
niet)r gefunben mirb."^') 

Um 20. Sluguft 1561 lanbete bie junge ^nnigin SJiaria in 
Seitt); noc^ ^atte fie ben Sf^eformator nict)t üon Slngefic^t gefet)en, 
aber tro^bem brad)te fie i^m einen glü()enben ^a^ entgegen, 
©d^on früf)er ^atte fie gelef)rte äJJönner aufgefordert, auf ben 
„SrompetenftoB" §u ernjtbern, ()atte aud) oerfucbt, bie Königin 
üon (Snglanb nod^ met)r gegen ^nof gu erbittern. Seibe ^arteten 
in ©c^otttanb Ratten auf 9JJaria it)re Hoffnungen gefegt, beibe 
faf)en fic^ enttäuf(i)t. gür ben ©ruft be§ (£oangeIium§ f)atte bie 
leichtfertige i^xau fein SßerftünbniS, unb um bie rbmifc^e Partei offen 
§u unterftü|en, ^atte fie ni(f)t ben 9JJut. 2)aB fie für fid) felbft 
ben fat^otifc^en ©tauben nic^t preisgeben moüte, üer^etjtte fie 
ieboc^ feinen 3lugenblirf, mie fie ha§> auc^ fd)on in g^ranfreid) bem 
eoangelifdjen Slbgeorbneten ber ©eneraloerfammlung erflärt f)atte.'^) 
©leid) am erften ©onntag nad) if)rer Slnfunft, am 24. Sluguft, 
lieB fie in if)rer ^apeEe eine feierlid)e äJJeffe lefen. ®ie ^lad^- 
rid^t baoon erregte einen @turm ber Sntrüftung, man erblidte 
barin eine SSerle^ung ber ^arlament§befd)lüffe. @§ njüre gu 
fdjlimmen Slu§fd)reitungen gefommen, meun nic^t ßorb (Stemart 
unb S^nof felbft mit aller ©nergie aufgetreten mären. Seboc^ l)ielt 
e§ le|terer, um nid)t burd) fein (Sc^meigen in falfc^en S^erbad^t 
§u fommen, für feine ^flic^t, unmittelbar barauf in einer ^rebigt 
gegen bie 9Jieffe al§ groben ®ö|enbienft aufzutreten. 2)abei 
erflürte er: „bafe bie SD^effe für if)n furd)tbarer fei, a{§> menn 
äel)ntaufenb g^inbe an§ Sanb ftiegen, um ben f)eiligen ©lauben 
ju Unterbrüden." '9) SQJaria, erbittert barüber, liefe ^nof §u fid) 
rufen. 2)a§ fieggett)ol)nte SBeib ma^te jebod) auf biefen Tlann 
feinen (Sinbrud. Ä'ü^n erflürte er it)r feine Stnfid^ten über ba§ 
SSer^ältniS ^n^ifdien gürften unb Untertanen, ruf)ig fügte er if)r, 
XD(x§> er üon ber römifd)en Ä'ird)e unb ifjren £ef)ren beufe. 3t)re 



48 

S3efd)ulbigung, i>a^ hmd) if)n in ©nglanb Stuftut)r unb Wloxh 
angeftiftet tüorben fei, fonnte er, fic^ berufenb auf bie ©emeinben, 
in benen er geftiirft {)atte, al§> grobe 5ßerleumbnngen snrüdmeijen. 
SBie ^noj: über bie Königin backte, f)at er einmat auf eine bie§= 
bejüglicfie O^rage mit ben SSorlen au§gebrü(ft: „SBenn in it)r 
nic^t ein t)0(i)mütiger, lifliger (Seift t)errfcf)t unb ein gegen ®ott 
unb feine SBa^r^eit üerfto(fte§ |)erä, fo täufd^t micE) mein Urteil"«") 
^er gefät)rlict)e ©tnflu^ biefer g^rau geigte ficf) benn aud^ balb 
genug; eine bebenüidje Soutjeit begann im eöangelifdjen ßoger 
einzutreten, unb bie Höflinge befonberS fingen on, für ben eüan* 
gelifd^en ©tauben gu ertalten. ®o§ trat bei ber im ^e^ember 
<ibgef)altenen ©eneralf^nobe beutli(^ gu Sag. Über tt)id^tige !ir(f)= 
lid^e 2)inge follte t)ier entf(^ieben ttJerben: ob bie Königin äJJeffe 
t)ülten bürfe, wotjer bie SKittel ^n ben ®et)ältern ber ^rebiger 
genommen, unb xok biefe geregelt tuerben foüten, befonberS aber 
foQte enblid^ bie @enel)migung ber S)i§äiplinbüc^er feiten§ ber 
Königin unb be§ ^arlament§ erlangt ttjerben. 5lber fd^on ftanben 
fid) gmei Parteien gegenüber, auf ber einen ©eite bie Höflinge, 
auf ber onbern bie ^rebiger unb ©belleute, bie at§ Slbgeorbnete 
i)er ßird)e gefommen maren. SlUe 9}?a^nungen ber Ie|teren unb 
be§ Sfteformatorg Ralfen nid^t§, bie Höflinge fteiften bie Königin 
pm SBiberftanb, unb abermolg ttjurbe ba§i S)i§äiplinbuct) gurücf» 
gen^iefen, unb ber eoangelifc^en Äirrf)e bie geforberte ©elbftönbigfeit 
öerfagt. Um menig[ten§ etmaS gu erreid^en, gab bie SSerfammlung 
beim ®el)eimen 9ftat eine 93ittf(^rift ein ba^in lautenb, baB für 
ben Untertialt ber ^rebiger fünftig^in beffer geforgt merben mödjte. 
®iefer liefe fid^ benn aud) ju einem ©ntgegenfommen bewegen, 
ollerbingS mar bie ©rrungenfc^aft fpärltc^ genug: ®ie ^ird^en:= 
guter ujurben in brei Steile geteilt, ujooon gmei ber ehemaligen 
Tömifc^en (55eiftlid)feit oerblieben, mötirenb ber britte pr .^älfte 
in ben ^ouS^att ber Königin ftofe unb gur §ölfte für bie Se= 
fotbung ber reformierten ^rebiger beftimmt mürbe, ^nof gab 
in ber (Sitzung feiner ©ntrüftung barüber beutlic^en 5lu§brucE mit 
ben SBorten: „2Benn biefe 33eftimmung, bie, mie man borgibt, 
gur Unterftü^ung ber ^rebiger gemacht morben fein foll, gu einem 
guten (Snbe füf)rt, bann töufd^t mid^ mein Urteil, benn id£) bin 
überzeugt, ta"^ ber ©eift @otte§ ber Urt)eber ba^u nicfit ift. @e{)' 



49 

\ä) boA, ia^ glret Xeile frei au§ bem Steufel gegeben tnerben, unb 
ber brüte §tt)ifc^en ©Ott unb bem SEeufel geteilt ttiirb. ®ut, feib 
mein S^n%t bafür, boB ic^ bef)QUpte, bofe früt)er ober fpäter ber 
jTeufel brei Steile oon bem britten t)aben mirb. Sfjr merbet bann 
jelbft fe^en, »ieöiel oon bem Stnteil @otte§ übrig bleibt." «O Änof 
trug fd^mer an ber Unterbrüdung ber ^irc^e, bie in fold^ offene 
lunbiger SBeife öon ber ^ofpartei unternommen mürbe. S)aneben 
motzte i^m bo§ lei^tfinnige Seben, bo§ am ^of gefütjrt mürbe 
unb aud^ in bie anbern ©(^ic^ten ber Seoölferrng einzubringen 
brot)te, bittere ©orgen. ®ie Königin i)atte für feine klagen !ein 
O^r, ba fie felbft an bem müften treiben it)re greube tjatte. — 
Um biefe ßsit traf überbiel nod^ bie traurige ^f^adiric^t öon bem 
^(utbab ein, ba§i bie ©uifen ju SSaffi) in g^ranfreid) unter ben 
iproteftonten angerid^tet l^atten. ©tei^ nadE) Eintreffen biefer 
Äunbe gab 3Karia einen gtänäenben ^ofbaE, mie um ben @ieg 
if)rer SSermanbten über bie ^e^er auf biefe SSeife ^u feiern, ^mjc 
brad^te am (Sonntag barauf bie ©ad^e auf bie Ä'an^el, unb menn 
«r aud£) bie Königin unb ben §of nidE)t gerabe mit 9^amen nannte, 
fo mu^te bod^ jeber, mo{)in feine SSorte gielten. S8or bie Königin 
jitiert, mürbe er mit einer g^Iut öon SSormürfen überl^äuft. SII§ 
n tQ§i SBort ergreifen fonnte, mieberl^olte er feine ^rebigt öon 
5lnfang bi§ ^n ©nbe. SJJaria mufete gugeben, ha^ if)r feine SSorte 
in anberer gorm zugetragen morben feien, räumte i^m aud^ t)a§> 
1Red)t ein, über feine ©laubenSfeinbe in freier SSeife fid^ ju 
äußern, bageg^n foHe er, menn i^m etma§ an ifjrer ^erfon nid^t 
gefaüe, mit i^r felbft bar über fpred^en. 2)arauf "^in antwortete 
^nof: „^d) bin gum öffentlichen 5(mt in ber Äirdje ©otte§ be= 
rufen unb öon ©Ott baju beftimmt, bie @ünben unb g^efjler ^ßer 
gu rid^ten, i(i) bin aber nic^t baju berufen, gu jebem ©injelnen 
§u !ommen, um i'^n auf feine Sßergetiungen f)in§umeifen, benn ba§ 
märe eine grengentofe Strbeit. SSenn @m. ©naben beliebten, bie 
öffentlichen ^rebigten ju befud^en, fo mürbet S^r, mie ic^ nidE)t 
be^lüeifte, ooU oerfte^en, ma§ mir nirf;t gefäHt, fomo^I an @m. 
^ajeftät fetbft, al§ ouc^ an aßen Slnbern. Ober menn Sm. 
©naben mir %aQ unb ©tunbe angeben motten, mo e§ @uc^ gc= 
fättt, gorm unb Qn^alt ber Setjre gu öernet)men, bie in ben 
^ird^en biefeS 9f^eic^e§ offen geprebigt mirb, fo mitt id^ xtdjt gerne 

;H. arm tot, 30^11 ftnPi. i 



50 

mtd^ jur SSerfügung fteHen, lüonn unb tt)0 e§ @uc^ beliebt. Slber 
t)or @urer 2:ür ober fonfltoo mic§ bereit ju f)Qlten, tro mir nid^tS 
anbere§ übrig bleibt, al§ meine 9J?einung (Sud^ in§ Of)r jn 
flüftern ober (Sm. ©naben gu fogett, xoü§> §lnbere üon (Sud^ beuten 
unb fpredjen, \)ü§ mürbe mir meber mein ©emiffen erlauben, nod^ 
ba§ 5(mt, gu bem mid^ @ott berufen f)at; benn obgleid) id^ je^t 
auf (Sm. ©naben 33efet)I ^ier bin, fo meife irf) boi^ nic^t, ma§ 
Rubere barüber beulen, büB idt) ^u biefer 2;age§^eit meine Söüd^er 
üerlaffeu l}ahe unb bem §of meine Slufmartung mac^e."»^) 5tl§ 
Stnoi' bie Königin öerlieB, t)cJrte er einige ^^apifteu tjinter fid^ 
fageu: „er fürä)tet \id) ni(f)t", morauf er ermiberte: „SBarum 
foHte ba§ fd^öne @efic[)t einer feinen g^rou mid^ erfc^recfen; id^ 
l^abe mand^' zornigem SJJann in§ ©efid^t gefe^en unb bin nid^t 
aÜ5ufet)r erfd^roden." 5Der ßampf mit ber Königin bauerte un= 
unterbrod)en fort. 5lm 24. ^uni 1562 mürbe in (Sbinburg eine 
©eneralf^nobe abgef)alten, mobei über bie Slnfeinbuugen, bie bie 
proteftantif(^eu ^rebiger oon ben ©egnern gu erbulben tjatten, 
über bie Unfittli^feit am .^of unb ben fd)Iimmen (Sinflufe, ben bie 
äJJeffen ber Königin auf bie Seöölferung ausübten, klagen er* 
^oben mürben, ^nof fe|te im Stuftrag ber SSerfammlung eine 
Söittfd^rift auf, in ber bie Königin aufgeforbert mürbe, oom ®ö|en=» 
bienft ber SOJeffe ab^utaffen, ben Saftern, bie an iijrem §of ein* 
geriffen feien, gu fteuern, bie 9^ot ber ^rebiger butrf) '2lu§be= 
Sat)Iung it)re§ SInteiI§ an ben ß'ird)engütern ju t)eben unb für 
bie Firmen gu forgen.^^) gjjana nat)m fid) gar feine 9Jiüt)e, auf 
biefe @(^rift ^u antmorten, unb bie 5tnpnger ÜiomS begannen mieber, 
i^r §aupt !ü^n ju ert)eben; bie fatljolifd^en ^riefter prebigten 
ijffentlic^ öon ben hangeln f)erab. Stm 30. Sluguft üerlaS ber 
5lbt ^ennebt) in ber Äapelle gu OSmalb eine Slnja^t SIrtifel über 
i^egfeuer, 9Keffe, ^eiligen» unb 58ilberüere|rung unb erfiärte fid^ 
bereit, fie gegen jebermann gu öerteibigen. ^*) ^noj lieB fid) ba§ 
nid)t gmeimal fagen unb melbete fid^ §um Kampfe. 2lm 
28. (September tam e§ jur 2)i§putation , bie aber f o fe^r in bie 
Sänge gebogen mürbe, ta'^ nic^t oiel babei ^erausfam. @iner 
weiteren SSer^anblung mi(f) ber 5Ibt au§, unb ^raet Sa^re fpäter 
ftarb er. Sm Tiai 1563 fam e§ gu offenen (Streitigfeiten. 2)ie 
^riefter hielten on öerfd^iebenen Orten SJieffe, obgleid^ ber @e=' 



51 

t)eime ffiat tDteberf)oIt QSerbote bagegen erlaffen f)atte. ©inige 
proteftantifc^e (Sbelleute fucf)ten fid^ baburd^ §u rächen, bofe fie 
bie betr. ^rieftet gefangen nQt)men. Änof würbe n^egen biefer 
@ac^e Dor bie Königin gerufen unb öon i^r erfud)t, bie ^rote= 
ftonten §u befd^raitfitigen unb barauf {jitigutDirfen, ta'^ bergleic^en 
nid^t me^r gefc^e^e. ®r ertlärte, für eine frieblirf)e Gattung feiner 
©enoffen garantieren §u fönnen, n^enn bie Königin bie ®efe|e 
be§ SanbeS in Äraft treten laffe. @ef)r ungnäbig rourbe ber 
Sf^eformator entlaffen. 93alb borauf, am 26. ^lai, tagte ha^ 
Parlament ^um erften 9J?aI feit 5ln!unft ber Königin in @c^ott= 
lonb. äJiit ©pannung fa^en bie ©oangelifc^en ben S3efc^tüffen 
entgegen, mürben aber aud) ^ier bitter enttäufcf)t. Tlaxia ^atte 
einen STeit ber ^roteftanten burc^ Sntriguen auf it)re (Seite ge= 
brad^t, unb fo fam e§, ba^ bie (Stäube bie einzige @elegeni)eit, 
bie fi(^ tt)ät)renb ber 9Regierung biefer Königin i^nen geboten 
^atte, ber Deformation einen gefe|üc^en S3oben ^n üerfd)affen 
unb eine fie für immer f(^ü|enbe ^irc^enorbnung burc^3ufüf)ren, 
unbenü|t oorüberget)en liefen, ^no^- ^atte oergeben§ feine gange 
93erebfam!eit aufgemanbt, um eine @ntfd)eibung ^erbeiäufüf)ren. 
„^t)t fagt, rief er oor Sluflöfung be§ ^arlament§ in einer ^rebigt 
au§, bie Königin toerbe nict)t bamit einüerftanben fein, menn S^r 
ba§ SBerf ber 3Reformation burcf)füt)ren moUt. SSerlangt oon i^r, 
ioaS 3i)r nac^ ©otteS SBort t)on i^r öerlangen fönnt, unb wenn 
fie bann nid)t mit (£uc^ in ber @ad)e @otte§ einig fein njiü, fo 
feib S^r aud^ nic^t üerpflic^tet, in ber (gac^e ber Teufels einig 
mit it)r §u fein.''^^) ©r fprac^ bann nocf) jum (Sc^IuB ber ^rebigt 
öon ber ?Ibftc^t ber Königin, ficfi mieber gu t}ert)eiraten, unb 
forberte bie Slbeligen auf, §u oer^inbern, ha^ fie fict) mit einem 
Ungläubigen gum ^erberben be§ Sanbeg Derbinbe. S)oc^ all 
biefe äJJa^nungen oertjallten, unb it)re einzige SSirfung mar er= 
neuter §afe ber Königin gegen ben Sfieformator. SBieberum, e§ 
mar aber gugleirf) aurf) ba§> Ie|te Wial, liefe fie ilju ju fic^ rufen, 
um mit l)eftigen SBorten auf it)n einäuftürmen.^«) „Sc^ Ijobe 
9^ad)fi(f)t mit ©uct) gehabt unb ber garten 5lrt, in ber 3t)r gegen 
mic^ unb meine £)t)eime gefprodjen t)abt, \a irf) l^obe auf aüe 
mögtic^e 2Beife ©ure ©unft gefurfjt. S(i) ¥^^ ^^^ ®^^)öt ge= 
fc^enft, fo oft e§ @uc^ gefiel, mi^ ju ermal)nen, unb bod) l)abe 



52 

id) feine Sflul^e öor ©ud^. 5lber id^ fd^luöre bei ®ott, bafe ic^ 
mic^ nocf) an (Sud^ röd^en irerbe." Sei tiefen SBorten Brad^ 
fie, übemältigt öon ^o^^n unb <Sd^mer§, in tjeftigei @rf)Iud^5en 
au§. 2luf it)re g^rage: „SBa§ tjabt Sf)r mit meiner ^eirat §u 
tun?" emiberte ^noy: „SBenn e§ (Sn). äJJaieftät beliebt, mid^ 
an^u'^ören, fo rtjiü id^ bie 2öo'^rt)eit offen fagen ... Sd^ bin 
gefanbt, i)a§> ©oangelium öon 3efu§ ©{)riftu§ benen ^u prebigen, 
bie e§ tjören njoüen, unb ta§> ^at jttiei ^eile, nämli(^ 33uBe unb 
®(Quben. 2Bof)I, SOiabome, xotnn id^ S3uBe prebige, fo ift e§ 
nötig, baB ben ßeuten bie- ©ünben fo oorgeI)aIten n^erben, ba| 
fie er!ennen, tt)orin fie fiinbigen." Unmiltig unterbrod^ itju 9}?aria: 
„2öa§ "^abt Sf)t mit meiner §eirat gu fd^affen, ober moS feib S^r 
überhaupt in biefem (Staat?" „(Sin Untertan", entgegnete S'noj, 
„in if)m geboren, unb obgleid) id^ n^eber @raf, noct) Sorb ober 
95aron barin bin, fo ^at mid^ @ott bod), fo üeräc^ttid^ id^ aud) 
in Suren 3tugen fein mag, gu einem nü|Iid)en ©lieb barin 
gemad^t. So, 9}Jabame, e§ gebütjrt mir nid^t meniger, öor 
fingen ju marnen, bie bem ©taat fd^öblic^ fein !önnen, menn 
id^ fie fet)e, al§ irgenb einem ber 5lbelfd^aft, benn fott)of)t mein 
Slmt at§ mein ©emiffen forbern §Iufrid^tig!eit oon mir. 2)orum 
fage id^ ®ud^ baSfelbe, toa§> id^ öffentlid^ erflärt i^aU: Söenn je 
ber Stbel biefe§ Üleid^e§ bamit einöerftanben fein fotlte, ha'^ S^r 
einem ungläubigen Wann Untertan feib, fo ner leugnet er mit 
SSiffen unb SBiüen ß^riftum, oerbannt bie SÖBat)rf)ett unb öerrät 
bie g^reit)eit biefe§ Sanbc§, ma§ am @nbe öieüeid^t @ud^ felbft 
m(i)i 5um ®Iü(f au§fct)Iagen mirb." 9?ut)ig unb erhobenen 
^auptes öerlie^ ber Ü^eformator bann bie Königin, bie begierig 
auf eine ©elegen^eit martete, fid^ an bem !ü^nen SJJann ju räd)en. 
(Sine fold^e f(^ien fid^ and) batb ^u bieten. 3n it)rer Slbmefentieit 
{)atte ein Xeil if)re§ @efinbe§ bie 9Keffe mit großem ©eprönge 
gefeiert unb angefangen, au^ anbere !atf)oIifd^e @ebräud^e ein= 
^ufüt)ren. 3m l)öd)ften Unraiüen barüber mar eine Stnja^l 
(Soangelifd^er in bie @d^IoB!apeIIe eingebrungen, um fid^ oon ber 
SSa^r{)eit be§ ®erüd)te§ §u überzeugen. Sßon ben ©egnern n^urbe 
bann bie (Sad^e fo ^ingefteüt, al§ ob ber ©ottegbienft gemoltfam 
unterbrod^en unb ber Königin ^alaft in ©efa^r einer ^(ünberung 
gemefen möre. 'SRan fürd^tete (Sd)Iimme§ für bie 2(nge!(agten, 



53 

borum ert)ielt ßnoj ben 5tuftrag, bte Srüber im gongen Sanbe 
fc^riftlid) gu ber beöorftefjenben Sßer^onblung cmgulaben unb ^um 
Setftanbe auf^uf orbern, faü§ bte Ä'önigin e§ wagen foUte, mit 
©enjolt gegen bie proteftantifd)e ^irci)e oorjugefien. S)urc^ SSerrat 
tarn biejer 93rief, ber am 8. Oftober obgefanbt tourbe,^') in bie 
§änbe ber ^^ürftin, bie barauf^in furg entfcf)Ioffen ben 9Reformator 
wegen .^odioerratS anfragen liefe, gef^el^en burc^ ^lufreijung gum 
offenen SBiberftanb gegen bie Königin, ^ie ^adjt t)5rte fict) 
gefätjrlic^ an. SJJe^rere t)ornet)me ^roteftantet jogen fic^ öor 
Änof gurüc! au§ ^ur(f)t, mit in bie Stnflage oertoicfelt jn Werben. 
Ungewiß über ben 3ttl)alt be§ @d)reiben§ gaben öiele ben ^n= 
gesagten im üorau§ für üerloren; biefer allein blieb rut)ig, wenn 
er fic^ aud^ ber (S5efö^rlid)feit feiner Sage wol)I bewufet war. 
S)er (55e{)eime 9flat t)atte eine SSerfammlung oon (Sbelleuten nac^ 
@binbnrg einberufen, bie bie ©aifje entfc^eiben foüten. 5lm ?tbenb 
be§ 21. ©ejember begann bie ©i|ung. ^noi' gibt in feinem 
53uc^ eine lebenbige (5d)ilberung ber $8ert)anblung §8) : „Sie 
Königin trat mit großem äußeren ©lanj in ben @aoI unb nat)m 
äWifci)en 3)laitlanb unb §errn üon Tla^rotU ^(a|. 5lber i^rer 
^ra^t mangelte bie §auptfad)e, nämlic^ bie weibliche SBürbe, 
benn aU fie ^noj am anberen @nbe ber S;afel bart)aupt fielen 
fat), löd^ette fie guerft kife oor fic^ ^in, brac^ aber bann in ein 
Ioute§ ©eläc^ter au§. 2ll§ bann it)re 9^od)barn, it)r ^Seifatt 
äoüenb, mit einftimmten, fagte fie: 2)a§ ift ein guter Stnfang, 
aber wifet S^r, worüber id) lac^e? tiefer SKann l)at mi^ 
weinen gemacht unb felbft !eine Xräne öergoffen, nun toiö id^ 
fe:^en, ob ic^ ii)n nid)t au^ ^um SSeinen bringe." @ie foüte 
enttaufd)t werben, ^noi* mufete ben 33rief, aU beffen SSerfaffer 
er fic^ ot)ne weiteres befannte, oorlefen. ®egen bie hinflöge auf 
^oc^oerrat öerteibigte er fic^ mit bem §inwei«, ha^ er felbft ba§ 
SSoI! immer gele{)rt t)ätte, man muffe gürften unb Dbrigfeiten 
in allen gefe|lid)en Singen ge^orc^en. (Sr i)ättc oon ber ^irc^e 
ben 5luftrag ert)alten, bie ^roteftanten sufammenäurufen, wenn 
il)rem ©lauben ®efat)r brof)e. 3Sergeben§ i^aU er öfters gebeten, 
i^n öon biefem luftigen 5tuftrag su entbinben; barum fei er 
überzeugt, fein Unred)t getan ju ^aben. 2luf bie zweite ^tnftage. 
\)ü^ er bie tiJnigin ber ©raufamfeit befc^ulbigt Ijätte, erwiberte 



54 

er: Slüe ^Qtf)oIi!en feien geinbe be§ ©öongeliumg unb tüollten 
beffen SluSroltuttg, mit ^tä^t 'i^aht er gefc^rieben, baB e§ eine 
@raufam!eit fei, eine Slnga'f)! ©laubiger t)inäumorben. @r '^abe 
fid^ gegen feine ^artoment§a!te öer gangen, benn er tiaU nid^t 
gefügt, bie Königin fei öon ^au§ an§ groufam, fonbern fie taffe 
fid^ burc^ i^re 9lQtgeber irreleiten, unb bie popiftifcfien @iftmifd)er 
feien Äinber be§ 2eufel§. S3ei biefen SBorten unterbrach i{)n ber 
©toatsfefretär mit bem Üluf: „S^r oerge^t @U(f|, 3f)r ftet)t je|t 
iti(i)t auf ber banset." „Scf) bin ba," fut)r ^noy fort, „mo mir 
mein ©emiffen befiet)It, bie SBat)rt)eit §u fagen, unb barum fage 
icf) bie 2Baf)rt)eit; beftreite fie, UJer Suft baju {)at." S)er S(nge= 
!(agte erl^ielt bie (Sr(oubni§, nac^ §aufe .ju get)en, um bort bie 
(Sntfc^eibung be§ @eri(f)te§ §u erwarten. 21I§ man bann ^ur 
33eratung fd^ritt, erftärten alle auBer ben Höflingen, ta'Q Änoy 
fid) feines (Sefe^bruc|e§ frfjulbig gemacht f)ätte. 2)er @taat§fefretär 
njar n)ütenb barüber unb fing an, in ©egenmart ber Königin 
uod^ einmal bie (Stimmen einsuforbern, bod^ ta§i ging ben £orb§ 
^u meit. „SBa§, riefen fie, foö ber Sorb oon 2ett)lngton bie 
Madjt fjoben, un§ §u befehlen, ober gloubt 3t)r, baB bie ®egen= 
ttJart einer g^rau un§ baju bemegen fönne, @ott 5U beleibigen 
unb einen unfd^ulbigen SDZenfd^en gegen unfer ©emiffen ^u oer= 
urteilen?" Sa fie joüten bem Ü^eformator nodf} 93eifolI megen 
ber Sefdf)eiben^eit unb ^Iugt)eit, bie er bei feiner S5erteibigung 
an ben Xag gelegt f)abe. @o f)atte benn 3JJaria i^r ©piet oer* 
loren, ^noj aber enbet feinen 33erid^t über biefe S}er^anblung 
mit ben SBorten: „Sn biefer SRa<i^t mürbe bei §of meber getankt 
uod) gefiebelt, benn SJlabame mar ärgerlid^ barüber, baB i^r 
^nfd^Iag mißlungen mar, mona(^ if)r So{)n ^noj burc^ if)ren 
Slbel in bie öänbe geliefert merben fodte." Stuf eine feltfame 
Hrt fud^ten bie Höflinge ber g^ürftin nod^ eine narfjträgüd^e 
Genugtuung gu üerfdöaffen. ^nof mürbe nämlid^ erfud)t, frei= 
tüiüig 5U befennen, bie gürftin beleibigt gu fjoben; er foüte bann 
^um @cf)etn gefangen genommen unb balb barauf mieber in 
greifieit gefe|t merben. ®amit foüte bann gngleid^ bie Königin 
ben Xriump^ einer t)uIbt)olIen, gnäbtgen (Siegerin feiern, ®aB 
Änoj fid) auf biefeS ©piel nirf)t einlaffen fonnte, ift felbftoer- 
ftönblid). Stuf ber am 25. Segember abget)attenen @eneralfi)nobe 



55 

toarb i{)m bann nocf) bie »eitere Genugtuung ju teil, bie öffent- 
lid^e 93e[tötigung gu erhalten, bü"^ er in biefer 5lngelegen^eit nur 
ben i^m gegebenen ^luftrag erfüllt unb feine SSoIImadit feine§njeg§ 
überfc^ritten f)abe. — 

3n biefer fampfe§= unb arbeitSreid^en ßeit, in ber er fo oft 
öon §Qufe fern get)atten ujurbe, fjatte Änoj mef)r unb me^r bie 
Überzeugung gewonnen, boB eine SSieberoer^eirctung für if)n 
notmenbig fei. S8or allem lag it)m am ^erjen, feinen ^inbern 
tüieber eine SJJutter ju geben. @§ war SJfargarete (Stuart, bie 
^od^ter be§ treu eüangelifc^en 2orb§ 0(f)tltree, auf bie feine SSa^t 
fiel, unb im Wäx^ 1564 ft)urbe ber Sunb j^ifd^en il^nen ge^^ 
fc^Ioffen. (S§ barf un§ nid^t ujunbern, gu pren, boB feine geinbe, 
bie feinen fittlid^en Sf)arafter §u üerbäd^tigen fud)ten, al§ er nod^ 
2Bittt)er njar, aud^ bei biefer §eirat e§ an üblen S^ad^reben nid^t 
fe!^(en liefen. — S'^ad^bem e§ ber Königin nid^t gelungen ujar, 
burc^ eine SSerurteilung i§re§ 2;obfeinbe§ 9ftut)e üor it)m §u be= 
fom.men, fud^te fie mit i^ren Getreuen fid^ unb if)r 2;retben gegen 
aüe Eingriffe unb ^ritüen öon feiten ber ^rebiger gu fd^ü^en. 
Sn einer ©eneraloerfammtung, bie im 3uni 1564 ftattfanb, foüte 
ein 53efd)Iu& t)erbeigefüi)rt ttjerben, ber bie 5i^eit)eit auf ber ^anjet 
in giemlid^ ^ot)em 3J?afee befd^rönfte. 2)ie ^ert)anblungen njurben 
t)auptfäd^Ii(^ gteifdien Änoj: unb äJiaitlanb geführt, brad^ten jeboc^ 
feine ©ntfd^eibung in biefer <Ba<i)t, ba aud^ bem Eintrag, bie 
SDieinung ©alüinS barüber einjul^olen, nid^t entfprod^en njurbe. 
SRnx ha§i t)atte fid^ bei biefer SSerfammlung beuttirf) gegeigt, ba'^ 
bie Slnfjänger ber ^c)nigin an ^al)[ gugenommen tjotten. ®ie 
fünfte, bie biefer grou im 93er!e^r mit ben 9)?ännprn ju ©ebote 
ftanben, n)aren nid)t erfolglos gemefen, unb nun glaubte fie auc^ 
enblid^ ben 3Jfann gefunben gu fiaben, mit beffen |)ilfe e§ it)r 
gelingen foüte, it)re ^löne burd^gufütiren. Sn einer Serfammlung 
be§ SlbelS l^otte fie ben Sorb 2)arnleQ §um Grafen ö. ^o^ er= 
t)oben unb gab balb offen gu er!ennen, hal^ fie it)n jum ©ema"^! 
neljmen »olle. 3n fluger SSeife ^atte fie guoor burc^ i^ren 
©efretär bei ber Königin tion @nglanb (Srfunbigungen barüber 
eiugielien laffen, ob ber oon i^r geplanten Sßerbinbung oon bort fein 
^inberniä in ben SSeg gelegt merben mürbe. 5(llein ©lifabet^ 
toai fro^, bafe il)re Sflioalin ni(^t burc^ 53erl)eiratung mit einem 



56 

fremben ^rittj^en {f)re ^IRod^t 511 öergröBern fuc^te. ?tuc^ bie 
proteftantifd^en Sorb§ ertjoben feinen Sßiberfprud) gegen biefe 
SBa^I, njQten fie boc§ nid^t njentger frol^, bofe ber früf)ere ^lan 
ber Königin, mit ®on ©arIo§ üon (Spanien eine S3erbinbung 
einjugetien, burc^ bie @eifle§[törung be§ Infanten §u nid)te ge= 
tt)orben n^ar. (S§e fie jeboc| SDarnlet) at§ S?!önig unb 3)iitregenten 
anerkennen n)oIIten, oerlangten fie oon äJJaria, für bie ©id^erl^eit 
ber etiangetif(f)en 3fleIigion bie nötigen (Sarontien ju geben. (Sbenfo 
forberte eine in ©binburg tagenbe ©eneralftinobe öon il^r, bie 
reformierte ^ird^e unb bie ^arlamentsbefd^lüffe, burd^ bie fie ein« 
geführt lüorben fei, al§ giltig ongnerfennen. SJJaria aber erüärte, 
ba^ fie öor ßufammentritt be§ Parlaments nichts entfct)eiben 
fönne, unb bamit aud) biefe§ i^re Slbfic^ten nictit burditreu^en 
!önnte, entfc^toB fie fic^, otjne beffen ßuftimmung fid) ^u öermätjlen. 
Stac^bem fie 2)arnlet) §um ^ergog öon 5llbant) ernannt l^atte, 
lieB fie fid) am 29. Suti 1565 in ber tapeEe ju §oh)roobl)oufe 
mit it)m trauen unb erflätte it)n feierlid) al§ 3Hitregenten unb 
Äönig öon ©c^ottlanb. Um ben ^roteflanten ouc^ gleich i^re 
9JJad)t 5U geigen, rief fie ein §eer unter bie SBaffen unb lie^ bie 
ftärffte, weltliche @tü|e ber Gegenpartei, ben ©rafen äl^urraQ öor 
Gericht forbern, bamit er fic^ megen einer gegen S)arnlet) er* 
l^obenen S3efc^ulbigung öerantmorte. SSo^I rüfteten fid) beffen 
greunbe äum SSiberftanb, allein fie maren in ber äJänbergaf)!, 
unb @nglanb§ Königin lie^ fid) nic^t bemegen, .^itfe gu fenben. 
3Jiurratj unb feine Sln^änger maren gegtoungen, nad^ (Sngtanb ju 
flüchten, mo i^nen nur ungern ein 5lft)I geboten ttjurbe, fanb e§ 
boc^ (Slifabet^ auf einmal für gut, fie für eine Strt öon liebelten 
5U erflären. ^ax'ia triumpt)ierte unb fafete fd^on ben ftolgen 
$Ion, mit §ilfe @panien§ fiegreid) bi§ nac^ Sonbon öorjubringen. 
3?or aflem aber mollte fie fid^ an ^noj rächen. 2)iefer l^atte in« 
ämifc^en in 9RuI)e fein 5lmt in ©binburg oermaltet, beffen un= 
gead)tet fanb bie Königin eine ®elegent)eit, gegen i^n aufzutreten. 
S§r ©ema^I {)atte, um ba^ ©erüc^t ju jerftreuen, al§> ob er ganj 
jur römifd^en ^ird)e übergetreten märe, am 19. §luguft bem 
©otteSbienft ju @t. @ile§ beigemot)nt. ^nof prebigte, äufäüig 
ober abfid)tli4 on biefem Xag über bie ©teöe Sefaial 26, 13: 
„§err, unfer ®ott, e§ ^errfd)en mo^I anbere Ferren über un§, 



57 

benn 2)u, aber tüir gebenfen bo(f) aüein deiner unb 2)eme§ 
Spanien«." ^^) 2)ie Slntüenbunc} feiner SBorle auf bie fd)ottifcf)e 
SRegierung lag fo na^e, bofe ©ornlet) in großer (Sntrüflung ben 
SSorfaE ber Königin berid)tete. Änoy tt)urbe üor ben ®et)eimen 
fSiat geloben, luo il^m oerboten h)urbe, in ber ©tobt ^u prebigen, 
folange bas Sönigspaar barin meile. 2)ie Strafe n^ar nic^t 
gerabe empfinblid), ba biefe§ fd)on am 25. Sluguft bie ©tabt üer= 
lieB- Hüein ber SSorfaü geigte, wie bie Sage ber (Soangelifc^en 
üon 2;ag gu Sag gefä{)rlid^er mürbe. Xto^ aßtbem naf)m Äno^ 
ba§ 5lnerbieten ber it)m ergebenen ©emeinbe in @t. Slnbren)§, 
ba§ in biefen Sagen bei ber ©enerolf^nobe eintraf, unb h)onad^ 
er bajelbft bie ©teile be§ nad) ©nglanb jurücfgefetirten ^rebiger§ 
©oobmann ^ätte einnehmen foüen, nic^t an. @r t)iett e§ für 
feine erfte ^flic^t, in (Sbinburg auSgufjarren, um burrf) ^rebigt 
unb ^ifitationSreifen ben Sifer ber (SDangelifdjen voad) ^u f)alten. 
Slm 25. Segember würbe it)m unb 9Jir. Sraig öon ber @eneral= 
üerfamantung ber 5luftrag erteilt, eine 5lbf)anblung über t)a^ 
Soften herauszugeben. Sn furjer, fröftiger ©prodje t)at er fic^ 
biefeS 9Iuftrage§ entlebigt.«*^) Stngefid^tS ber 53ermirrungen im 
^onigreid) unb ber ©efa^ren, bie ber reformierten ^'ird)e broI)ten, 
foUte im gongen 'Sitid) ein allgemeine^ goften get)alten merben al§ 
äußeres 3^i<^^" ^^^ Demütigung unb 33uBe oor @ott. „^-Eßir bürfen 
nic^t Icffig fein, tjiefe e§ am ©^(ufi, bie ®efat)r fonn nät)er fein, als 
mir glauben, ja öielleid^t fi^t ein Seil üon it)r un§ bälber im Sloden, 
al§> mir gefürchtet t)aben." 5Diefe büftere Sßeisfogung fdjien ficf> 
rofd^ §u erfüllen. 'SRaxia untetfd^rieb einen Sßertrog, morin fie 
fid) öerpfli(i)tete, mit ©ponien, ^ronfreic^ unb bem ^apft in ber 
5lusrottung beS ^iDteftanti«mu§ gemeinfome ©ad)e §u mad)en. 
©0 mar benn olfo bie längft geplante Sigo enblid^ guftonbe ge= 
!ommen. 2)ie römifd)en ^röloten mürben mieber in ba§ ^arla= 
ment eingefe|t, bie Elitäre moren fcl)on gewimmert, bie in ©t. ®ile§ 
für ben !at^olifcl)en ©ottesbienft oufgerid^tet roerben foüten, mit 
einem ©c^lag foUte bie proteftontifi^e ftircf)e öerniditet merben 
— ba trat ein (5reigni§ ein, ta§) bie gonge Sage önberte. ©er 
Stalten er 9iiccio, ber mod^tige, gefürd)tete ©efretär ber Königin, 
ber ©ünftling ber leic^tfinnigen ^rou, fiel all ein Opfer ber 
@iferfud)t S)arnlet)§ unb be§ ^affe§ einiger geinbe am 9. Wäx^ 



58 

1566 im SSovjimmer ber S^ürftin, öon 52 ®oId)fti(i)en burc^bot)rt. 
Maria, ben Ürt)eber be§ ^ompIott§ tüo'^I at)nenb, bürftete nac^ 
Ütoc^e, mu^te iebod^ erfatjten, bafe fie al§ ©efangene be^anbett 
unb oon ben @ef(i)tDorenen im ©d^loffe bemad^t tüurbe. ^a§ 
Parlament lourbe üertagt, unb ©rof SQJurraij fet)rte mit feinen 
(SJenoffen nad^ ©d^ottlonb jurüd, eingelaben öon ^önig 5)arnlet) 
felbft, ber fic^ ben 9?erfd)tt)orenen gegenüber tjiergu öerpftid^tet 
^Qtte. S3alb iebod^ QtlauQ e§ ber Königin, itjren ©ema^I njieber 
jottjeit für ftd) ju geminnen, ba^ er ii)r bie 3^reil)eit gab unb fid^ 
aud) nid)t fd)eute, in einer öffentlid)en ^roüamation in ©binburg 
alle ^eilno^me an bem SJJorbe ju leugnen. 2)o§ @(eirf)e oer= 
fieberte er ouc^ bem @et)eimen ^at „auf @t)re, Xreue unb dürften- 
ttjort". Sll§ iebotf) bie S8erfd)tt)orenen ber Königin bie Rapiere 
überlieferten, bie S)arnlet)§ ©c^ulb bemiefen, !onnte biefe ni(f)t 
anber§, al§ fid^ üon bem äJiörber Io§§ufagen. Unb fd)on fdf)auten 
it)re Singen au§ nad) einem (Srfa^ für biefen Wiaim. @» mor 
(^raf S3ott)meC(, bem fie ftrf) nun mit ber gangen Seibenfd^aft if)re§ 
^ergeng gumanbtc. S5or bem boppelten ^inberni», ha^ it)rer 
^Bereinigung entgegenftanb — aud^ ber @raf mar öer^eirotet — 
fd^redte fie nid^t jurüd. ©emöfe einer QBerabrebung entfüf)rte Sof^* 
ttjeU bie Königin, Üagte fid^ bann felbft be§ @t)ebrud^§ an unb mürbe 
t)on feiner grau gefd^ieben. Slm 10. gebruar flog t)a§: §au§, in 
bem 2)arnte^ übernadf)tete, in bie Suft, ber 2eidf)nam be§ ^önig§ 
nebft bem feine§ ^agen, mürbe in ber S^iä^e baöon erbroffelt 
aufgefunben. Slm 15. SfRax mürbe ba§ ef)ebred)erifd)e ^aar burd^ 
ben S8ifrf)of Or!neQ im Söeifein be§ reformierten ^rebigerS ©roig 
in ©binburg getraut. Ser le^tere f)atte bem Slufgebot, ba§ er 
püor öon feiner Mangel ^erab öertünbigen mu^te, bie Söorte äu= 
gefügt: „^d) nel^me ^immet unb (Srbe §u ßeugen, baB ic^ biefe 
^eirat auf tieffte öerabfdfjeue al§ eine ©ünbe unb ©rfimarf) für 
bie Sßelt, unb id) mö(^te bie ©töubigen ernftti(^ ermahnen, §u 
bitten, ha'^ eine SSerbinbung, bie fo fef)r ber 95ernunft unb bem 
©emiffen guroiber ift, öon ®ott nod^ öerfjinbert merben möge gum 
^eil biefe§ unglüdlic^en Sanbe§."9') ^ie Königin :^atte burc^ 
biefen ©d^ritt ha§: SSertrauen unb bie Sld^tung be§ gongen 5SoIfe§ 
öermirft. S)ie Sorb§ beiber Parteien, bie fd)on öor biefer S^er- 
l^eiratung ein S3ünbni§ jur SSernid^tung S3otf)meH§ gefd^loffen 



59 

!)Qtten, toaren aucf) barin ein§ gelüorben, bie Königin öom Xfjron 
ju ftoBeti. eiifobet^ trollte i^nen bogu t)elfen. 5Im 16. Sunt 
tourbe Maria, Don t^rem §eer üoüftänbig im @tic^ gelaffen, 
oI§ ©efangene nacf) (Sbinburg gebrockt, empfangen oon ben S5er= 
roünfc^ungen be§ ^oIfe§, wä^renb Sot^weH fic^ burd) bie gluckt 
gerettet l^atte. Unüorfic^tig genug, fud)te fie fid^ gegen if)r SSer= 
fprecfien mit biefem burcf) Briefe gu üerftänbigen, toorauf fie in 
ber 9^ac^t üom 16. auf ben 17. 3uli in ba§ fefte Sc^to^ gu Soc^= 
leöen t)erbracf)t ttjurbe. 51I§ bonn nod^ bei einem 'rüderen Siener 
Sott)men§ 93riefe t)on ber Königin aufgefunben mürben, ttjorin 
it)re 3J?itfcf)uIb an ber (grmorbung Sarn(e^§ ffar an ben 2:ag trat, 
frfjmanb im S5oIf ber Ie|te 9^eft öon 9JJitIeib mit ber öerbrec^erifc^en 
grou. 

Um biefe ^eit fe'^rte ^nof ou§ einem Urlaub, ben er in 
©ngtanb bei SSermanbten unb g^reunben sugebrad^t ^atte, nad^ 
©binburg prücf. ®ie £orb§, bie feinen großen (SinfluB auf ba§ 
SSoIf fannten, fud)ten it)n fofort auf it)re (Seite ju gießen. Slllein 
ber Sf^eformator ijatte !eine Suft, bloB ben politifc^en ober gar 
perfönlid^en Sntereffen ber 2orb§ gu bienen, fonbern öerfolgte 
aud^ je|t in erfter Sinie ha^ religio fe Söo^t be» ßanbe§. (£r oer* 
langte öor allem ©id^erftellung ber reformierten 5lir(^e, beffere 
93e§at)Iung ber ^rebiger, ferner ©rünbung öon ^rebigerfleHen, 
@dE)uIen, Seminarien unb Unioerfitäten, fomie oon 5lrmenanftatten 
aul ben 2}Zittetn ber ^ird)engüter, bie bi§ ba^in gum großen 
Seil oon ber ^rone unb ben Sorb§ eingebogen morben maren. 
@rft aU i^m bie§ gugeftanben mürbe, mac£)te er mit ben 9]er« 
bünbeten gemetnfame <Ba<i)e. SIm 26. Suli tagte bie ®eneral= 
nerfammlung, in ber feine gorberungen unterzeichnet mürben, 
bamit fie bem in S3älbe ju berufenben Parlament jur @enef)migung 
öorgelegt merben fijnnten. S)ie toidjtigften fünfte, bie in ber 
SSerfammlung in§ 5tuge gefaxt mürben, lauteten : Seftätigung ber 
iöefd^Iüffe be§ Parlament! oon 1560, 9lbfd)affung be§ ^api§mu§, 
nötigenfalls gemaltfame Unterbrüdung jeg(i(^en S8erfud^§ gu feiner 
2Btebert)erftenung, «Sorge für eine tüd^tige unb fromme (Srjietiung 
be§ Kronprinzen, eiblidje SSerpfIid)tung eines jeben KiJnigS oor 
ber Krönung, bie »al^re Üieligion gu fc^ü^en. 5(m 25. 3u(i 
untergeidinete Waxia mit bebenber §anb unb unter l^eftigem 



60 

<B6)lüd)itn bie 5tbje|ung§ur!unbe. Über it)rem §aupt |atte ein 
fd£)tüerere§ SSer^öngni§ gejd^ttjebt: ba§ SSot! unb bie ^irc^e ^atte 
bie Xobe§ftrafe für fie geforbert. ©efonberS ^atte Änoj mit 
furd^tbarer (Strenge barauf gebrungen, njeil \)a§^ ®efe^ @otte§ 
befetjle, S)Jörber unb @t)ebrect)er mit bem Sobe ^u beftrafen, unb 
für 9Ziemanben, aurf) ni(f)t für ^^ürften, eine SluSnotime geftatte. 
2lm 29. 3uti föurbe ber junge ^ronprinj gu ©tirling al§ Ä'önig 
Sa!ob VI. gefrönt, Ujobei ^noj bie ^rebigt ^iett.92) ®ie 3flegent» 
fdjaft n^ä^renb ber SOJinberjätirigfeit be§ ^önig§ tt)urbe bem ©rafen 
SJJurrQt) übertragen. 2)er Üleformator eiflärte bie S3erufung biefeS 
SJJanneS, bem bie eoangeIifd)e @ad)e an§ ^er§ getüadjfen mar, 
al§ ba§ glü(f(i(f)fte (5reigni§, ba§ für ba§ Sanb !ommen fönnte, 
unb in ber 2;at l)at fic^ bie§ auct) balb bemö^rt. S)er Üiegent berief 
ha§i Parlament auf ben 15. ©egember ein. gür bie S3eratung ber 
ürd^Iid^en 2lngelegenf)eiten mar eine ^ommiffion öon fünf ^rebigern, 
unter benen aud) ^noj mar, aufgefteüt morben. SDiefer {)ielt bie 
@röffnung§prebigt. 3)ie S3eftimmungen be§ ^orlamentg oon 1560 
mürben beftötigt, ebenfo bie g^orberungen ber früt)eren ©encral« 
ft)nobe, fomeit fie bie ©id^erftellung ber reformierten ^ird)e betrafen; 
aud^ f Otiten fünftig^in nur ^roteftonten mit ben ©toat§ämtern 
betraut merben. SBol^I mar nid^t atle§ erreidjt, ma§ Änoj erftrebte, 
befonberS in ber ©e^altsfrage ber ^rebiger, aber bennod^ tonnte 
er mit Sefriebigung auf ha§> SBerf bliden, für ha^ er fo treu 
ge!ämpft t)atte. — 



©ieBenteS tapitet. 

yicuc Siän^ife. ßnoj flüchtet fic^ not^ ©t. 9lMbrcrt)§, feine JRürffeljrl 
md) mittbuxQ mh fein Xob. 1568— 9fot»emljer 1582. 



Änof' ©efunb^eit tcor in beit oufreibenben kämpfen ftorf 
erfd)üttert lüorben, fo bofe er fid) ie|t, ba er tü§i ^\d jetner 
SBünfdje unb Hoffnungen erreii^t ju f)aben gtauBte, fe^nfüi^tig 
nacf) einem Drt umfat), an bem er feine Xage im f^^rieben be- 
fc^IieBen fiinnte. <Bd)on trug er fid^ mit bem ®eban!en, in fein 
liebgemonneneg @enf übersufiebeln, qI§ (Sreigniffe eintraten, bie 
if)n jäf) au§ bem fd^önen ^iraum ber D^u^e unb be§ ^^^riebenS f)erau§= 
riffen. 5Im 2. 9KQi 1568 mar e§ ber SJZaria mit §ilfe ergebener 
greunbe gelungen, au§ it)rer §aft gu entfliegen. Sßon ber ftarfen 
O^efte Hamilton au§ erliefe fie eine ^roflamation, in ber fie if)re 
Gegner für Sf^ebellen etflörte unb ta^ SSoIf ^u ben SBaffen gegen 
fie aufrief. (Sin großer Sieil be§ 2lbel§, ber fid^ burrf) ta^ ent= 
f(f)iebene Sluf treten be§ Sftegenten in feinen 9?ed^ten beeinträd)tigt 
glaubte, folgte if)rem 3^uf. 

Su 93älbe t)atten fid^ 6000 S!J?ann um i^re g^otjne gefc^art, unb 
roa§ norf) fd^Iimmer mar, 3^ranfrei(^ erftörte fid) für bie Königin, 
ja felbft (Slifabetf) fd^eute [ic^ nid^t, i'^re §ilfe gur Untermerfung 
ber @d)otten augubieten, faüS 9J?ario bie gange ?lngelegen^eit in 
if)re Hänbe legen mürbe. (55(ücflicf)ermeife geigte fic^ äJJurrat) ber 
®efat)r gemadjfen. SHit ftarfer H^ub brachte er e§ fertig, in 
!urgem 4000 Wann unter bie SSaffen gu rufen, bie bereit maren, 
©ut unb 33Iut für ben eüangelifd^en ©tauben, um beffen Sftettung 
e§ fid^ ^anbelte, eingufe^en. Sei Sangfibe fam e§ gur @d)(ad^t, 
in ber bie föniglid)en Gruppen eine tioUftänbige 9fJieberIage er= 
litten. Waxia begab fid) in unauf^altfamer glud^t nac^ ©nglanb, 



62 

um fic^ ber ^rau in bie Slrme gu toerfen, bie e§ fur§ judor noc^ 
oerftanben ^otte, it)r SSertrauen gu gettjinnen. ®q§ tragifcf)e @nbe 
ber fc^ottifc^en Königin i[t befannt, ober [ie f)atte fic^ i^r ©c^idfat 
jelbft gefd)Qffen. S)ie Ütü(i[t(^t§Io[igteit, mit ber fie Quer @ittüc^= 
feit in§ @efid)t fc^tug, ba§ folfdie @piel, baS fie ttJÖfjrenb i^rer 
gonjen 9flegierung getrieben l)at, mußten it)r ben 93oben unter- 
graben. 3)qB fie Quc^ in ©nglonb üon ben Sntriguen nid^t 
loffen fonnte unb ba^u beitrug, ben ©egenfa^ ^toifc^en ^ro= 
te[tQnti§mu§ unb ^ot^oIijigmuS bort §u üerjrfiärfen, foftete it)r 
ba§ Seben. S^iacf) langer, troftlofer ©efangenjc^aft enbete fie im 
Safjre 1587 auf bem ©c^affot. — 

9Kit ber 9^ieberlage ber fönigli(^en 2;ruppen tt)ar bie 9^u^e in 
@d)ottIanb feineSn^egS lüieber fjergeftetlt, nocf) waren bie @egner be§ 
9ftegenten gu mächtig. S)er ^erjog üon et)0telt)erault ftellte fi4 
unterftü^t mit frauäöfifc^em @elb, al§ „Sieutenant ber Königin" an 
beren @pi^e. SBie gefö^rlicE) ^'noj bie ßage oorfam, geigt un§ ein 
S3rief, ben er am 10. ©eptember an So^n SSoob f(f)rieb unb ber 
folgenben Snt)alt fiat^^): „SBir erluorten tüglict) bie Slnfunft be§ 
§er§og§ unb feiner grangofen, bie gefanbt finb, um bem ©atan 
mieber ju feinem 'Stdd) ju öert)elfen in ^erfon feines treuften 
Sieutenant§; gefanbt, fage i4 um bie Sfteügion gu unterbrücfen, 
unb bie§ nid)t auf JSefe^I be§ SlönigS oon gran!reic^, foubern 
be§ Äarbinal§ oon ßott)ringen, ber feiner teuren 9^id^te l^elfen 
miü. ©nglanb foU fic^ öorfefien, benn au§ ben Käufern feiner 
9fiad)barn fdjiagen bie flammen, ^d) münfc^e, lieber 93ruber, 
ha^ ®u mit einigen eifrigen 9}Jännern bort^in reifeft, bamit man 
unfere Sage fennen lerne. 3Sa§ ic^ bamit fagen miß, mirft ®u 
Iei(f)t erraten. O^ne Unterftü^ung finb mir nid)t imftanbe, ber 
9JJact)t ber geiube im Tunern gn miberfte^en — e§ müfete benn 
©Ott SSunber tun — gefc^meige benn, gegen bie Wad)t granf= 
reid)§ on§u!ämpfen, biefer 83erförperung ber ^apftgemolt, unb 
gegen bie XMt be§ ^aufeS ber ©uifen, menn mir ni(i)t burd^ 
anbere Struppen oerftärft merben. 2)u tennft unfere Sage, brum 
braudie icf) nid)t meiter über unfere ©djmäc^e gu flogen, ©er 
$[an ber ©egner ge^t barauf ^inau§, burd) SSerrat ober anbere 
Witid ben ^Regenten §u üernicf)ten unb ben unfd^ulbigen i^önig 
ju töten. SBie ber Ü^egent nur mit fnapper 3^ot ber 2;obeSgefat)r 



6» 

entronnen ift, mirft 2)u ttJot)t get)ört t)Qben. (So njentg it)r §afe 
geftittt ift, fo ttpenig hjerben bie SSerrucf)ten ru^en, bi§ bie grau= 
fame Zat, bie fie geplant, au§gefüf)rt fein mxt. Set) lebe lüie ein 
9Jienf(^, ber für alle bürgerlidjen ®efct)äfte fct)on tot ift, unb bafür 
greife \ä) meinen @ott, benn fo t)aU id^ 9iu^e im ©eift unb 
3eit, über ben 3;ob nac^gubenfen unb über bie Unruf)en, bie ict> 
längft gefüri^tet unb oorau^gefe^en Ijah^." Siefe ^t)nungen fd^ienen 
oorerft nid^t einzutreffen; e§ gelang bem Sfiegenten, bie fönigli^e 
Slrmee §u überrcfc£)en unb bie ^einbe p günftigen ^ert)anblungen 
ju ättjingen. 5Im 10. äJJoi 1569 mürbe audj oon if)nen bie 2tb= 
fe^ung ber SJiaria beftätigt unb bie SRegierung SatobS VI. unter 
ber 9f?egentfc^aft be§ ©rafen SO^urrat) anerfannt. ^ber ber furtf)t= 
bare (2d}Iag für bie ^^roteftanten, ben §tnox: t)orf)ergefagt, fam 
bodj. 5(m 23. Sonuar 1570 mürbe ber Sftegent ju Sinlit^gom 
ermorbet. SBie treu er für bo§ 2Bo()t feine§ 2anbe§ in ber furzen 
l^eit feiner üiegentfctjaft geforgt t)atte, unb mie fe()r er fic^ bie 
Sichtung feiner ä)ütbürger ermorben, geigte bie grofee ©ntrüftung 
unb aufriditige Sirauer, bie fein %o\) im gangen ßanbe fjeroorrief. 
5lm allerfdimerften litt ^noj unter biefem @rf)Iag. ©emeinfamer 
©lüube, gemeinfame ßiele, gemeinfamc ©orgen unb ©efa^ren 
fjatten biefe beiben äJJönner auf§ innigfte oerbunben. Sat}retang 
Ratten fie in tägtid^em S8er!et)r geftonben unb Ratten i^re @e^ 
banfen gegenfeitig au§getaufd)t über bie ^öd)ften ^kk bei meufd)- 
liefen Seben§. S)ie Stiftung unb Siebe, mit ber fie einanber §u= 
getan raaren, mirft auf ben ß^aratter S3eiber ba§> fd^ijnfte 2id)t. 
3)ie 0iac^rid)t oon 9Jiurrat)§ 3:ob traf ben S^ieformator an einem 
©amätag, unb am (Sonntag barauf bradjte er in einem (Siebet 
am ®d)tuB ber ^rebigt feinen Sc^merg gum SluSbrud: '■''') „O 
©Ott, rief er au§, in melc^em ©lenb, in meld)er SSermirrung traf 
ber ©rmorbete biefes Wid) an, unb gu meld)er Sfiu^e unb Drbnung 
ift e§ burc^ feinen (Sifer in fo furger ßcit gebrad)t morben. 2(öe 
©tönbe, gumal ba§ arme 58oI! fann e§ bezeugen, ha^ 3)ein 93itb, 
§err, fo flar au§ biefem SO^anne ^erüorleuc^tete, ha% felbft ber 
Seufel unb feine Untertanen, bie ©ottlofen, e§ nid)t nerfennen 
fonnten. Unb nun t)aft 3)u, um unfere (Sünben unb unfere Un= 
bantbarfeit §u beftrafen, ba mir eine foldje (3ahi nic^t gu mürbigen 
mußten, gugelaffen, ba^ er §u unferem bitterften @d)mer§ in bie 



64 

^änbe grausamer unb öerräterifdier 9JJörber fiel. (Sr ift ie|t 
gum gerieben eingegangen, aber tt)ir, o (SJott, finb bem äufeerften 
(SIenb preisgegeben." 5Int 14. g^ebruor ttjurbe ber £eid)nam be§ 
9iegenten in ber ^ird^e gu @t. @ile§ beftattet. ^aufenbe bergoffen 
STrönen aufri(f)tigen ©d^mer^eg, al§ ber Sf^eformotor bie ^rebigt 
i)ielt über bie SSorte: (Selig finb bie 2;oten, bie in bem §errn 
fterben. — 

2)er Stummer über ben 2;ob be§ g^reunbeS brat^te Änog an 
ben 9tanb be§ @rabe§, er mürbe im D!tober öon einem ©(f)Iog= 
anfaü getroffen, ber if)m bie ©pradfie lähmte. Saut jauc^älen 
feine g^einbe auf, a(§ fie öon bem Unfaü l^örten, boc^ bauerte 
bie greube nid^t lange. Änof ert)ie{t bie (Sprache mieber, unb 
menn auc^ fdjiüad) unb im innerften SebenSmar! erf(f)üttert, ftanb 
er am ©onntag barauf mieber auf feiner ^ongel. ?Iber je|t 
brad^en bie Unrutjen, bie er t)orf)ergefagt, mit Wad^t über ba§ 
Sanb t)erein, ba jebe Partei fi(^ ber Sf^egentfd^aft gu bemäd^tigen 
fuc^te. ®er Sürgerfrieg mar entbrannt, ba§ S3eftel^en ber refor- 
mierten ^ird)e fd^ien mt^v al§ je bebrotjt. 2)er @raf öon Seno^', 
ber at§ natürlid^er SSormunb be§ ^önig§ bie 0?egentfcE)aft über* 
nommen Ijatte, geigte fid§ ber Sage nid^t gemadEifen; bie Partei 
ber Königin mürbe immer !üt)ner, öiete ^roteftanten traten gum 
<S5egner über. Unter if)nen befanb fitf) aud^ ein f^reunb be§ 
Üteformatorg, ^ircolbt), ber ©ouöerneur oon ©binburg. ^noj 
l)atte grofee ©tüde auf biefen 9Jiann get)alten unb olleä oerfud^t, 
it)n öon biefem ©d^ritt 5urücf5ut)atten. @in perfönlid^er ©treit 
tat ba§ ©eine, um ta^ Söanb gmifc^en i^nen öollenbs ju jerrei^en. 
@in ©olbat tüax nämlict) megen 9Jiorbe§ öom SOJagiftrat gefangen 
gefegt, aber bann öon bem (Souoerneur mit ©etüalt mieber befreit 
morben. ^noj; rügte biefe ©emalttat öffentlid) auf ber Mangel, 
morauf ^ircalbt), irütenb barüber, bro^te, fid) bitter an it)m rüd^en 
ju moüen. SSerfd^iebene (Sbelleute hielten e§ barauft)in für nötig, 
für ben Sfleformator einzutreten, ©ie fc^rieben bem ©ouöerneur, 
er folle fid) ^üten, bem SJJann audt) nur ein §aar gu !rümmen, 
ben ©Ott al§ ha§> §auptmer!§eug jur ^flan§ung feiner ^ird)e in 
©d^ottlanb gebrandet t)abe, fein Seben fei i^nen fo teuer al§ it)r 
eigenes.'-*^) Slud^ öon anberen ©eiten blieben ^nof bittere ^rän!ungen 
nic^t erfpart. %[§> im Ttäx^ 1571 bie ©eneralöerfammtung 



65 

pfommentrat, tüurben on ben Äircfientüren anonyme 8c^mä^« 
fc^riften angefc^Iagen, tüoriu bie Sßerfammlung aufgeforbert tourbe, 
„bem aufrüljrenfc^en (Sd)reier ta§^ dJlani ju ftop[en, ber fic^ 
roetgere, für bie Königin ^u beten, unb üon i^r qI§ öon einer 
Verworfenen fprec^e." '•>^) ^a e§ n)urbe in einer berortigen ©c^rift 
gebrofit, baB bie Slnffäger, falls bie @t)nobe nic^t gegen ^noj 
einfc^reite, felbfl äl'^ittel unb äöege finben hJürben, i^n ^nm 
©ältoeigen ju bringen, tiefer öerteibigte fid) auf ber ^an^el 
gegen bie einzelnen Slnücgen. „Sd^ l^alte mic^ nid^t öerpflic^tet, 
an bie fem Drt für bie Königin §u beten, benn id^ erfenne fie 
nid^t al§ meine Dbrigteit on, unb red^t gern mog id) aud^ bei 
biefer Gelegenheit bie SQSelt erfahren laffen, boB id) ni^t ju ben 
^bt)o!üten gei)öre, bereu ßunge ieber^eit für Silber unb anberen 
^rei§ fäuflid) ift." S)en ^ro^ungen gegen fein Seben ermiberte 
er, fein Seben flel)e unter bem @c^u^ beffen, ber il)n bi§t)er au§ 
f öieten ©efaljren errettet \)aht ; er fei in einem Stlter angelangt, 
ba er nid)t me^r meit fliegen fönnte, aber niemanb fönne i!^n fie« 
fd^ulbigen, jemals eine il}m anüertraute ©emeinbe öerlaffen §u 
f)aben, aufeer auf bereu beftimmten SBunfd^. 3)enienigen enblid^, 
bie i^n bomalS gerabemegS be§ ^od^öerratS begid^tigten, fc^leuberte 
er bie SSorte entgegen: „(£ine§ miü id^ ni^t öergeffen ju fagen, 
nömlid), bofe berjenige in feineu §all l)ineingelogeu ^at, ber fid^ 
§u fagen unterftef)t, ba^ id^ jemals |)ilfe gegen mein SSaterlanb 
gefud^t 1:)aht. 2Ba§ icl) für mein SSoterlanb gemefen bin, ttjill 
biefes unban!bare 3^^^'^'^*^'^ "^"^t ertennen, allein bie fpötereu 
merben ge^tüungen merben, ber SBal)rl)eit bie @t)re ^u geben." '^') 
SSie menig fi(^ ber ©eift eineS ^noj: beugen liefe, trat niemals 
beutlid^er an ben Xag, als in biefer traurigen ß^^t. 2tlS im 
5lpril bie STruppen ber £önigin=^artei unter bem ^erjog üon 
G^atell)erault in bie @tabt einbogen, mürbe feine Sage nod^ ge= 
fäl)rlid)er. ©eine greunbe mußten fid) sufammentun, um fein 
Seben gu fd^ü^en. S)eS 9^ad)tS hielten fie 2Bad)e cor feiner STür, 
unb menn er ©onntagS jur ^ird)e ging, bilbeten fie feine Se= 
bedung. 2)er ©ouüerneur ftellte felbft, mie um feine @^re ju 
retten, einen Offizier auf, ber ^no^ ouf biefem ©ang begleiten 
mufite, ha ber ^erjog eS abgelehnt ^atte, für ben @d)u^ beS öer= 
l)afeteu ÜteformatorS ju forgen. 3n ber %at mar fein Seben 

SÄ. ajulot, So^n Änoj. 5 



66 

ernfllid^ bebrüt)t. ©ine» 5l6enb§ tüurbe burc^ bag genfter auf 
tf)n gefcfioffen, unb bte ^ugel ^ätte i^n treffen muffen, wenn er 
nic^t feinen gett)öf)nti(^en ^tQ| unmittelbar öor^er öerloffen "^ätte. 
5luf bringenbe S3itten ber Sürger, bie üerftd^erten, ba^ fie öor 
S3(utoergiefeen ntd^t !5urü(f[(i)re(fen würben, wenn e§ feine 5ßer=» 
teibigung gölte, öerlieB ^noy 5lnfang 9}iat bie @tabt, um nad^ 
@t. 5(nbren)§ über^ufiebeln, wo bie Partei be§ Sftegenten bie Über= 
mod^t gewonnen tjatte. Sin feine (Stelle trat in ©binburg ber 
93ifc^of ©orbon, ber §wor gum ^roteftanti§mu§ übergetreten war, 
aber offen jur Partei ber Königin l^ielt. ©in großer ^eil ber 
befferen S3urger öerlieB bie ^auptftabt, unb e§ fd^ien faft, al§ ob 
bie eöangelifd^e ©emeinbe fi(f) auflö[en würbe, nac^bem ber Wann 
gegongen war, beffen ^er[ön(id^feit bie ©ruber jur (5)lauben§treue 
entflammt ^atte. 

Unterbeffen wütete ber S3ürgerfrieg fort, überall ftanben 
fid^ bie Parteien offen gegenüber. SDie Erbitterung ber ^attjolifen 
gegen ^noj erreid^te tt)ren §öf)epunft; auc^ in @t. SlnbrewS 
gelang e§ i^nen, bie f(i)änbüd§ften SSerteumbungen gegen feine 
^erfon in Umtauf ^u fe^en, unb bie ^rebiger, bie auf ber 
©eite ber Königin ftanben, begegneten it)m mit großer ©e^äffig» 
!eit. SttterbingS barf nid^t berfdl)Wtegen werben, ta^ ^nof aud^ 
in biefer ©tabt e§ nidtjt unterlaffen !onnte, gegen bie f^einbe ber 
Sfieformation unb i^re ©reuellaten mit ben t)eftigften SBorten an=^ 
äu!ämpfen. 3)ie g^olge baöon war, baB er wegen .g)od^t)errat§ 
unb Slufru^rg angeflagt würbe. IsESo^t würbe er auf einer 
©eneratf^nobe glänjenb freigejprod^en, wie auc^ bafetbft bie ^an§e(= 
freiljeit in ooüem Umfang anerfannt würbe, alletn e§ Iä§t fic^ 
beuten, ba'^ ^nof unter bie[en ftetigen, aufreibenben kämpfen 
fd^wer litt. 2Sie begeiftert jebodf) feine Q^reunbe ^n ii)m auf^» 
fd^auten, erfat)ren wir ou§ bem Serid^t eine§ Samel aJ^eloiUe, in 
bem e§ ^eiBtr^s) „QSon ben SSo^ltaten, bie id^ biefeS 3a^r erleben 
burfte, war bie größte bie 2ln!unft be§ bebeutenbften ^rop^eten 
unb Slpoftelg unferer S^tation, be§ SJlr. So^n ^noj in @t. Stnbrew». 
@r würbe burd^ bie Partei ber Königin, bie ©tobt unb @d^(o& 
(Sbinburg eingenommen t)at gezwungen, mit einer Slnjat)! ber 
beften 93ürger aul^uwanbern, unb ^at @t. SlnbrewS gum Slufent- 
l)aIt§ort gewät)It. ;3d^ t)örte testen ©ommer unb biefen Söinter 



67 

feine Slu§Iegung be§ ^ropi)eten 2)Qnie(. 3Sa§ ic^ oerftanb, fd^rieb 
id^ mit ber geber in mein f(eine§ S3uc^. Qüv 5(uslegung be§ 
Xefte§ öermenbete er etma eine fiolbe @tunbe, mobei er rut)ig 
unb gemeffen fprad), roenn er aber bie Sf^ulanmenbung brachte, 
mad^te er mid^ fo gittern unb beben, bo^ id) bie geber nic^t mef)r 
f)alten fonnte. . . . Tlx. ^noy fom bisweilen in ben ^eUegien^of, 
um fid) au^gurutjen, bann rief er un§ @c§ü(er ju fic^, fegnete 
unb ermotjute un§, (Sott unb feine SBerfe in unferem Slanb ju 
erfennen, treu §u f^tel)en jur guten ©od^e, unfere 3eit mof)I au§= 
gunu^en unb bem guten Seifpiel unjerer Set)rer ^u folgen. . . . 3c^ 
fal^ i^n an jebem Slmtstag öon ber Stbtei in feine ^irc^e ge^en, 
langfam unb öorfid^tig, einen ^eI§frogen um bie Sd)ultern unb 
einen ©tocf in ber .g)anb, mobei i^n fein Wiener 9fiid)arb SaHanben 
— ma^rfc^einüd^ ift Sf^id^arb S3annatt)ne gemeint — unterm Slrm 
ftü^te unb fidler führte unb if)m bann mit §ilfe eines anberen 
3)iener§ ouf bie Son^el ^alf. 2)ort mu^te er fic^ eine ßeitlang ftü^en 
unb enteignen, fobalb er bann aber feine ^rebigt begonnen t)atte, 
mürbe er fo lebhaft unb frifc^, baB e§ bismeilen ausfaf), al§ mollte 
er bie fanget in @tü(fe fd^Iagen." 

m§> ba§ Sa^r 1572 anbra4 fa^ e§ in @d)0ttlanb troftloS 
au§, Slcf erbau, .gianbel unb ©emerbe lagen barnieber, bie ®reuel= 
taten ^öuften fid^, unb ba§ @nbe be§ Krieges frf)ien in unabfet)bare 
f^erne gerücEt. 3)ie Sarone benu|ten biefe SSermirrung, um 
i^ren SSorteil ouf aflen ©eiten p fiäietn. @o gelang e§ i^nen, 
auf einer auBerorbentlic^en 5BerfammIung oon (Superintenbenten 
unb ^rebigern bie 9J?ef)r()eit bafür §u gewinnen, ta'B bie 2;itel 
oon @r§bifd^öfen unb anberen fir(i)Ii(f)en Söürbetrögern aud^ in 
ber reformierten ^irc^e beibet)atten werben follten. (£§ mar i^nen 
auf biefe SBeife bie 9J?ögIid)feit geboten, bie (Sinfünfte au§ ben 
^frünben in i^rc STafc^en gu fpleten. Sine ©eneralf^nobe, bie 
im Stuguft tagte, fonnte gegen biefe Sefd^tüffe nid^t auffommen. 
Änoj meierte fit^ gegen biefe Steuerung fo fe^r er fonnte in einer 
9?ei^e oon 5trtifeln, bie feinen ©tanbpunft ftar legten.*^**) @r 
geftanb §u, bafe unter Umftänben einzelnen ^rebigern auc^ bie 
Sßoümac^t übertragen werben fönne, bie S(uffi(^t über bie ®e= 
meinben eine§ 3)iftrift§ ju füf)ren, wie er ja aucf) felbft bie Sln= 
fteüung oon ©uperintenbenten einft empfof)ten ^abe, allein feine§= 



68 

iregö luollte er eine Stoffe üon SSeomten in ber ^irc^e bulben, 
bie bem 2Imt ober bem ©rab nad^ über ben ^rebigern unb ^re§= 
bljtern fielen follten. @r ^Qtte ®elegent)eit gefjabt, feine 5ln=» 
j(i)Qunng in einem proüijd^en g^aß ^u be!unben. 5Im 10. gebrnor 
1572 ttjurbe er nad^ ber ©onntogSprebigt üon @raf SJJorton 
aufgeforbert, bie (Sinfegnnng be§ ©rgbijdEiofS üon @t. 5lnbrett)§ 
üorjunetimen. ©tatt ^u ge^ordjen, fprad) er fid) in ber fc^ärfften 
SBeije über ben au§, ber biefe§ 3(mt üerleitjen, nnb ben, ber e§ 
empfangen moHe. 5luf bie SSerbäd^tigung t)in, ha^ er au§ 9Mb 
fo fpretf)e, ermiberte er farfaftifd), er tjätte feinerfeitS ein größeres 
S3i§tum ot§ ba§ üon @t. 3tnbren3§ auSgefc^Iagen, ba§ i^m üon 
einem ungleid) größeren Wann qI§ SJJorlon angeboten U)orben 
fei.100) 5ii§ ^noj: ficE) überzeugte, ha'B bie 9leuorbnung tro^ aüe* 
bem eingefüi)rt njerben njürbe, erfuc^te er bie (S^nobe, borauf ju 
bringen, bo^ bie S3ifd^öfe ber Drbnung gemö^ nad) einer üor= 
gefc^riebenen Prüfung gemä^It mürben, ferner foüten fie üon 
ben ©infünften it)rer ©teilen fRectmung ablegen, bomit bie ^^^rebiger 
baüon untertjalten merben fönnten, ein etmaiger Überfd^ufe foüte 
in ben g^onbs ber ^ird)e fliegen. S3on all biefen mof)lgemeinten 
Sorfd£)lägen ging feiner burd). — 

Sm Suli 1572 mar e§ bnrd) bie SSermittlung @nglanb§ 
unb 3^ran!reic^§ gu einem SBaffenftillftanb gefommen, ber §er§og 
üon Sl)otel^erault üerlie^ mit feinen Xruppen bie ;^auptftabt, bie 
(55eflüd)teten !et)rten mieber gurüd. S)ie Bürger ber @tabt bad)ten 
üor aüem boran, i^ren alten, treuen 9f?eformotor gu fid^ ju rufen. 
Über biefen mor in ber legten ^dt eine grofee 2;obe§fel)nfud^t 
gefommen, bie in feinem ^eftament, \)a^ er am 13. Tlai auf* 
gefegt l)atte,io') befonber§ aber in einigen ©d^riften, bie er bamolS 
nod) üerfa^te, teil§ um fid^ gegen niebrige S5erböd)tigungen ju 
meieren, teils um barin üon feinen greunben 5lbf(^ieb gu nel)men, 
beutlid) gum 5lu§brud fam. (So fd^reibt er unter anberen : „53etet 
bod) für mid^, liebe 53rüber, ba| @ott nad^ feiner ©nabe meinem 
langen unb befdimerlid^en ^ampf ein (Snbe mad)en möge, benn 
ta id§ bie ^raft gefd)munben füt)le, bie er mir fonft gab, fo 
f^mac^te id) tanati), erlöft gu merben, elje ic^ (Suc^ noc^ mef)r 
5ur Saft falle, .^err, ®ir befel)le ic^ meinen @eift, benn id^ 
fel)ne mid) nad) (Srlofung üon bem Seib ber @ünbe unb i(^ bin 



69 

getüi^, t)a'^ i(f) toieber in .^errüdjfeit auferftef)en toerbe, tüenn 
mtc^ Qud) bie ©ottlofen eine ßeit lang unter it)re %ü^t treten . . . 
iöeft'QtjTe S)eine ^ircf)e im 2)ienfte be§ ©öongetium^ unb oerme^re 
bie 3a{)( i^rer ^rebiger. (Siel) and) in ©nabe fjerob auf meine 
arme ©attin, auf ba^ Äinb, ba§ an if)rer 93ruft liegt, unb auf 
meine beiben ©ö^ne 9iatt)anael unb (SIeafor. D ^err, mad^ 
meinem (SIenb ein (Snbe.". (Sine anbere ©d^rift fd^tie^t mit ben 
Sßorten: „^amit ne{)me id) tjer^Iidien ^bjd)ieb oon allen ©laubigen 
ber beiben ^önigreid^e, unb bitte fie bringenb, mir burd^ il)re 
g^ürbitte baju gu üerl)elfen, ba^ mein ^ampf ol)ne @(f)aben für 
bo§ ©üangelium unfereS §errn 3efu S^rifti balb ein (Snbe f)oben 
möge, benn fo, vok bie 5B3elt meiner mübe ift, bin id^ e» öon 
^er^en aud) it)rer." '02) 5itn 17. 5luguft na^m er oon feinen 
f^reunben in @t. 5lnbrem§ ^Ibfdiieb unb gog oc^t ^age fpöter 
n)ieber in ©binburg ein, tt)o er oon ben @inn)ol)nern mit rüt)renber 
§er5lid)feit empfangen mürbe, ©einer fd^mad)en ©timme megen 
mürbe if)m §um ^rebigen ein !leiner Söetfaal jur Sßerfügung ge= 
fteUt unb ber fromme unb gelef)rte 3a!ob Samjon ^ur ©eite ge= 
geben, ^aum jeboc^ f)atte er fid) oon ber 5lnftrengung ber 
SfJeife erholt, at§ ein neuer Kummer fein §er§ erbeben madjte: 
bie Ä'unbe oon ber fc^auerlid^en „93(ut'^oc^5eit" in ^ari§. S)a 
loberte nod) einmol ha§^ ^euer auf in feiner ©eele, al§ er auf 
ber SJangel bie 9?ac^e be§ ^immel§ auf bie oerrudjten 9}Jürber 
^erabfc^mur. ©inen fatfc^en SSerräter nannte er ben ^iinig 
oon granfreic^, ber feiertid) gegebene SBerfpred)en gebrochen I)abe, 
ja er forberte ben franäi3fifd)en ©efanbten auf, feinem §errn 
§u fagen, bafe ber 3ovn ®otte§ oon i^m unb feinem .^aufe nic^t 
meidjen merbe, menn nid^t aufridjtige 9f?eue biefer 3;at folge. 
SSol)l forberte bie fransöfifc^e ©efanbtfd)aft Genugtuung ob fold^er 
©prac^e; aber ^noj' ©ntrüftung teilte faft gans ©djottlanb, ja 
e§ mürbe in einer Sßerfammlung oon 5lbgeorbnelen allen (Srnfte§ 
beraten, meldie SJJaBregeln p ergreifen feien, um fid) gegen bie 
graufame unb oerräterifc^e SSerfc^mörung ber^apiften gu fd)ü^en.'O'0 
5lm 9. gfJooember fe^te Änof in ber tirc^e gu ©t. ©ite§ 
feinen ©e^ilfen Samfon feierlich al§ feinen 9^ac^folger in§ ^rebigt^ 
omt ein. '04) ©ein ©eift foU fid) feiten fo fräftig gezeigt, feine 
Sippen feiten fo innige ©ebete gefprodjen f)aben, al§ bei biefer 



70 

©elegen^eit. @r fönne bezeugen, fagte er, ba^ er mit gutem 
©emiffen in ber ©emeinbe gettjatibelt, il^nen \)a§i ©öangelium 
Sefu ß^rifti in Quer (Sinfalt oerüinbigt, ttjeber 3)?enf(i)en ju 
©efoflen gelebt, nod^ bo§ ©eine gefuc^t \)aht. ®ott, ber i{)m 
get)oIfen, möge aud^ meiter l^elfen, jebe ©obe, bie i^m ju teil 
genjorben, möge er taufenbfältig feinem 9^ad)fotger oertei^en; 
bie ©emeinbe aber fotle treu bi§ in ben Züh im Glauben öer= 
l^arren. D'lad^bem er bann mit matter ©timme ober innigem 
StulbrucE ben ©egen gefprocfjen, ftieg er üon ber Ä^njel ^erob 
unb fd^Ieppte fid), auf feinen ©tab geftü^t, ^itternb unb 
fifimanfenb burd^ bie ©trafee, bie nod^ feiner 3Bot)nung führte. 
Sluf beiben ©eiten ber ©tra^e l^atten fiel) bie ^efurfjer ber Äird^e 
anfgeftellt, um it)ren geliebten ^rebiger nod^ einmal oon 2lngefid)t 
gu 5lngefid)t ju fet)en, fie afjuten, ha^ er ta^ Ie|te Wai in i'^rer 
SDJitte gemeilt. Qwd 2;age barauf tt)urbe er öon einem fc^meren 
^uftenframpf {)eimgefud^t, ber i^n üuf§ äufeerfte fd^mä(f)te. 5tuf 
Sitten feiner g^reunbe liefe er einen 5tr§t fommen, um, mie er 
fagte, bie naiürtid^en Heilmittel nid)t ^urütfäi^meifen, obgleid^ er 
on eine Sftettung nid^t me^r glaubte. 2(m 3Jiittmoc^ fonnte er 
feiner alten, üebgemonnenen @emot)n!E)eit, einige Kapitel au§ bem 
Sitten unb S^ieuen Sieftament gu lefen, nid^t met)r nad)!ommen. 
Sluf feine Sitten i)in tafen if)m feine 3^rau ober fein ©efretär 
öon ba ah jeben %aQ ba§> 17. Äapitet be§ So^anue§=(SoaiigeIium§ 
unb bo§ 53. Kapitel be§ 3efaia§ oor nebft einem Kapitel au§ 
bem (Spf)efer=93rief. @r fing an, fein §au§ ju befteüen. ©einer 
^ienerfd^aft §at)Ite er ben ßofin au§, befd^enfte fie aufeerbem unb 
öermaf)nte fie, in ber guri^t ®otte§ if)r fernere? Seben ju^ubringen, 
mie e§ (St)riften gezieme, bie in feinem ^aug gelebt Rotten. Stm 
©onntag ben 16. brücEte er tia^ Serlongen au§, nod^matS bie 
SDütgtieber be§ ÄonoentS feiner ^ircf)e um fidt) gefammelt ju 
fe^en, um il^nen feinen ©egen unb feine legten Slufträge geben 
3U fönnen. XaQ§> barauf !am benn aud) fein College mit ben 
^tteften unb 2)iafouen, unb ber ^ran!e rid)tete eine rü^renbe 
Slnfprad^e an fie. ®r freue fid^, fagte er, bafe bie ©tunbe ber 
©rlöfung für i^n gekommen fei, ®ott fei fein ßeuge, ha^ er ba§ 
©öangelium lauter oertünbigt t)abe. S33oI){ fei er ftreng gemefen, 
ober perföntidjer c^afe \)aU i^n nid^t befeelt; feine geinbe für 



71 

Sefu§ et)riflu§ gu gelüiniien, fei einzig uub allein jeiu ßiel ge= 
ttjefen, niemals l^abe er, um äRenfc|en gu gefallen mit bem SBort 
(5Jotte§ ^anbel getrieben, fein ©eföiffen fei rein. 5lud) fie foüten 
üu§{)alten unb mit Sawfon an ber ©pilje ber ©emeinben einen 
guten Äampf fämpfen gum SSorbilb für SlHe. 2)ann rid)tete er 
ficf) auf unb fegnete fie mit ben SBorten: „SDer ^err au§ ber 
§öl^e fegne (Suc^ unb bie gange ßird)e öon ©binburg, bie, folange 
fie in bem SBort ber SQßQ^rt)eit, ba§ fie öon mir get)ört I)Qt, be= 
t)arrt, öon ben Pforten ber ^öUe nid^t übermölt^gt merben mirb." 
Hm 21. S^oöember befteüte er feinen ©arg, immer inniger mürben 
feine ©ebete, imm.er nät)er fam ber Xot, fein Sltem ging fc^mer 
unb !^ort. Sluf bie g^rage, ob er ©(^mergen ^abe, ermiberte er, 
er fei bereit, noci) 3at)re lang fo gu liegen, menn ©Ott e§ fo 
molle unb i^m meiter^in feine ©nobe fdieinen laffe. dJlit fcJ^macfier 
©timme rid^tete er bann an bie Umftet)enben bie SBorte: „iiebet 
in Stjrifto, lebet in ß^rifto, bann braud)t haS: ^^leijc^ ben %oh 
nic^t gu fürd)ten. §err, gib ©einer ^ird^e treue Wirten, bamit 
bie S^ein^eit ber Sef)re ertjalten bleibe; gib biefem Üteid) ben 
^rieben mieber, gib i^m fromme Sftegenten unb Dbrigfeiten, enb= 
lict), §err, mad) meinem fieiben ein @nbe. §err, id) befe{){e 
meinen @eift famt ©eele unb Seib in S)eine §änbe!" S)ret 
^age fpäter, am 9}iontag ben 24. ging er feiner 5luflöfung ent= 
gegen. Slufeer feiner grau moren nod) brei feiner beften g^reunbe 
bei itjm. „3^ muB nun bie ©orge für SBeib unb ^inber ©ud^ 
überlaffen", fagte er ju i^nen „unb bitte @udj, i^nen ftatt meiner 
(Satte unb SSater gu fein." ©eine grau mufete if)m ta^ 15. 
Kapitel au§ bem 1. ^orintt)erbrief öorlefen. „Sft ba§ nic^t ein 
l^errtid)e§ Kapitel, flüfterte er, o meld^ fü^en unb erquidenben 
^roft ^at mir ber ^err burc^ biefe§ jebergeit gegeben, ^omm, 
liebe grau, unb üe§ mir noc^ einmot üor, maS ben ©runb meine§ 
©taubeng auSmai^t unb ben 5lnfer aß meiner Hoffnung {)ält." 
@r meinte bamit ha§ t)ot)epriefterIid)e ©ebet. 9lad^ einem furzen 
©c^Iummer antmortete er ben ©einen ouf bie grage, marum er 
fo oft unb tief gefeufjt t)abe: „Sc^ f)abt früt)er, dl§ ic^ gefunb 
mar, öiete kämpfe unb Slnlöufe be§ ©atauil beftanben, aber Corwin 
i^at mic^ ber brüüenbe 2öroe mütenb angegriffen unb mit atler ^raft 
terfuc^t, mic^ ju üerfd)lingen. . . 2)ie liftige ©erlange oerfuc^te e§, 



72 

mic^ gu überäeugen, baB t(f) ben ^immel unb bie elüige ©eüg!ett burd^ 
bie treue Sßerinaltung meineg 5(mte§ t)erbient f)ötte. ©efegnet jei 
©Ott, ber e§ mir möglich gemad)! f)at, btefen feurigen ^feil qu§= 
§ulöfc^en, inbem er mir ©teilen au§ ber t)eiligen @d)rift öor 
Stugen ftellte, h)ie bie: ,SBo§ f)aft 3)u, ba§ S)u nicfjt emp= 
fongen ^ätteft? 2)urd^ ®otte§ @nabe bin id), toa§> id) bin. S^lii^t 
irf), Jonbern ®otte§ ©nabe in mir.' 3)Qburd^ ift ber SSerfud^er 
öon mir gemid^en, bafür banfe id^ @ott burd) ^efum ßf)riftum 
unb bin nun auc^ gettjiB, ha'^ er mid^ bamit jum le^tenmal an« 
gegriffen tjot, unb bafe ic^ je^t in fur-^er ßeit, o^ne größere 
©d^mer^en be§ ^örper§ ober meitere 5lngft ber ©eele erbulben 
gu muffen, au§ biefem elenben, jämmerlidien Seben in bie feiige 
Unfterblid^feit eingel)en merbe." ©egen 11 U^r nadl)t§ feuf^te ber 
Traufe tief auf unb lifpelte: „S^iun ift e§ getommen." 51I§ bann 
ein 3^reunb ben mie ot)nmäd)tig ©aliegenben bat, mit einem 
3eic^en gu üerfid)ern, ha'^ er im ^rieben fterbe, I)ob ^noj eine 
§anb gen §immel empor, bann fan! er in bie Riffen ^urüd unb 
entfdf)Iief rul)ig unb o^ne ^ampf. 

Slm 26, ÜZooember mürbe feine irbifd^e §ülle auf bem ^ird)^of 
äu ©t. (55ile§ beigefett. S)a bamalS ba§ Parlament in ©binburg, 
tagte, fanb fid^ eine groBe ßo^t öon ©belleuten ^u ber 2;rauer= 
feier ein, aud^ bie Bürger maren in ©dfjaren herbeigeeilt, um bem 
£eid^en§ug §u folgen. §ll§ ber ©arg in bie (Srbe oerfenü mürbe, 
fprac^ ©raf 9}Jorton, ber am ^obeStag be§ 9fleformator§ gum 
Sflegenten ernannt morben mar, folgenbe SBorte, bie in if)rer 
fd^Iid^ten ^ür^e ha§ SInbenfen be§ SSerftorbenen mef)r ehrten, al§ 
e§ ba§^ fd)önfte S)enfmal I)ätte tun fijnnen: „§ier ru^t ber, ber 
deinem fdl)meid§elte unb deinen fürct)tete." ^ad) einem anberen 
S3erid^te fotten feine SBorte gelautet t)aben: „§ier rubt ein SQZann,. 
ber niemals in feinem ßeben ha^ S(ntli| eine§ 9JJenfdt)en gefürd^tet 
!^at, ber oftmals bebro^t morben ift mit ®oIc^ unb ©d^mert, aber 
tro^bem feine 2;age in ^rieben unb in S^ren beenben burfte." lo^) 



\ 



S*d)luß. 



®er Sfleformator tcar §um etoigen ^rieben eingegangen, aber 
in feinem irbifdien 53Qtertanb tobten bie kämpfe nocf) lange fort. 
®em Ü^egenten gelang e§ §Rjar mit §ilfe ber ©nglänber, feine 
geinbe nieberjubrücfen, aber balb barauf mürbe er oon bem 5lbel, 
ber i^n megen feiner @ema(ttätig!eit f)aBte, ge^mnngen, bie 
Sflegentfc^aft in bie §änbe be§ §mötfiä^rigen S^önigS nieber* 
gulegen. SJJorton mürbe ber 3JJitfci^ulb am SCobe ®arnlet)§- 
angeftogt unb §um Stöbe öerurteilt. Königin Slifabetf) fd^loB, 
oon ben fat£)oIif(fien aJiäc^ten bebro^t, mit bem jungen ^önig, 
ber ben 9fiamen ^atoh VI. führte, ein 93ünbni§ gur SSerleibigung 
be§ proteftantifd)en @tauben§ unb mu^te i^n burd^ ba§ SSer- 
fpredien, if)n gum (Srben ber englifd^en ^rone ju mad^en, fo für 
ftd^ einjunef)men, bo^ er fogar bie .^inrid^tung feiner 9J?utter 
fd^meigenb gefc^e^en lieB- S)a§ offene Seftreben be§ Äönig§, 
burc^ @infüf)rung be§ SpiffopotS bie ^reif)eit ber ^re§bt)teria(= 
ürrfje §u untergroben, f)atte neue Unrut)en im Sanbe gur 3^o(ge. 
®ie proteftantifc^e ^irc^e erlitt unter feiner 9legierung, befonber^ 
nod)bem er al§ ^doh I. an bie ©pi|e be§ Gereinigten Äönigrei(^§ 
(Snglanb = ©^ottlanb getreten mar, mand^e @infd)ränfungen. 
Äart I. fuc^te eine neue fot^olifierenbe üiturgie in (Sc^ottlanb 
eittäufü'^ren, mürbe aber burd^ eine Smpörung ber ^roteftanten 
gejmungen, bie reine ^re§bt)terialfirtf)e an^uerfennen. 3tud) unter 
ben näc^ften Königen, ^arl II. unb ^doh IL, famen neue ©türme 
über bie reformierte ^ird)e, unb erft mit ber Sßertretbung ber 
©tuartS unb ber ^f)ronbefteigung 2öit^etm§ III. ju Oranien fam 
für fie greifieit unb 9ftu^e. iurd) biefen mürbe im ^a^xe 1690 



74 

\)k pre^Btiterionifcl^e ^ird^e tüieber {)ergeftellt, bie bann oud^ in 
@c|ottIanb bie t)errf(f)enbe geblieben i[t. SDafe bie eöangelifd^e 
^ird^e in biefem Sanbe erftanben ift unb fic^ bnrd^ alle Ä'ämpfe 
ertjalten ^at, ba§ l)at fie näd^ft ®ott ber ?trbeit eine§ Sodann 
^nof ^n oerbonfen. 

©ein SBerf „©efc^id^te ber Üieformation in ©c^ottlanb" 
gibt un§ einen (Sinblid in bie religiöjen kämpfe jener ßeit 
unb äugleid^ ein fdjarfeS S3ilb öon jetner eigenen ^erjönlid^= 
feit. @r begann mit feinen 3Iuf§eid^nungen in ber ßeit, ha er 
3um ^rebiger ber S3efo|ung be§ 5?ofteIIg ju @t. Slnbrett)§ ge= 
toabilt njurbe, unb fut)rte fie, — öom 3at)te 1564 an in fe^r 
lügenhafter SBeife — fort bi§ jum Xobt be§ Sf^egenten SJiurrat^. 
5)ie S^enntniS ber weiteren (Sriebniffe be§ 3fteformotor§ bi§ gu 
beffen %oh ftammt '^auptfödilid) au§ beut S8erid)t feines treuen 
^reunbeS 9]irf)arb S3annütt)ne. ^no]c n)urbe öfterii üon feinen 
Sefannten aufgeforbert, fein SBer! ju oeröffentlic^en, ^at bie§ 
aber ftet§ gurücfgetoiefen, njeil er fürdjtete, boB e§ i^m unb 
Stnberen ©d^aben bringen fönnte. Sm 3at)re 1644 tt)urbe bann 
feine 9xeformation§gefd)id^te üon S)atiib 93ucf)anan t)erau§gegeben. 

SSa§ ^noj gurürfblictenb auf bie 5lrbeit feines 2eben§ ge= 
äußert l^at, baB bie ?R.Qd)Xodt fein SBer! merbe ju n)ürbigen ftiiffen, 
f)at ftd^ erfüllt. 2)ie meiften feiner Sanbsleute fet)en in it)m ben 
größten 9J?onn it)re§ 93aterlanbe§, unb it)m oerbanfen fie ja 
auc^ in ber %at am meiften t)a§i, tuaS ein 3SoIf grofe mad^t. 
©ein @Iaube ift ber ©laube (SrommetlS, ber ©taube ©d^ottlanbl 
unb Sfieu^ßngtonbS gemorben. g^ern üon jeber ©c^mürmerei ^at 
er in feiner ^ir^e bem puritanifc^en (SIemente (Singang üerfd^afft. 
Sn 3^ragen be§ ÄuItuS t)at er freilid^ eine ©trenge an ben Züq 
gelegt, bie felbft einem ßaloin gu groB bünfte, unb in feiner 
religiöfen Slnfd£)auung t)at er fidf) ni(^t ju jener ßIort)eit fjinburd^- 
gerungen, tt)ie n)ir bei ßut^er fie finben. ©o {)odt) er taS^ ©üangetium 
preift unb fo fet)r er feine ^raft an fid^ felbft aud^ erfahren 
ijat, fo ift i^m haQ göttlid)e SSort aud^ im neuen 2;eftament bod^ 
immer mieber @efe^ geföefen, beffen 3)urd)füt)rung mit aüen 
9}?itteln ergmungen werben foHte. ®an!bar rü^mt er ba§ (Sr= 
löfungSmerf burd^ (S^riftuS unb öer^eifet ben S3uBfertigen SSer= 
gebung unb S^iettung, t)ält ober aud^ feft an ber Se^re öon ber 



75 

^räbeftination."'^) „®ie 2e{)re öon ®otte§ etoiger SSort)er= 
beftimmung ift fo tiotlDenbig für bie Äird^e ®Dtte§, bafe oi)ne 
bieje ber ©(aube nie richtig 9elel)rt, nod) fidler aufgebaut lüerbeu 
tann ... bie @rtt)äf)Iuug ift nic^t in un§ felbft begrünbet, fonbern 
in bem elüigen uub unergrünblid^en 2Bot)Igefanen @otte§, beun 
nur bann ift unfere ©rrettung gettjiB, itJenn tt)ir i^ren @runb 
in bem .^er^en unb 9f^atfd)IuB @otte§ finben." — Safe gegen einen 
9J?ann mie ^noy ©djmö'^ungen aller $lrt erI)oben ttjorben finb, 
fann un§ nid)t lounbern; bebauerlic^ ift nur, ba'iß ber §afe ber 
^att)oüfen gegen ben SReformotor fpöter and) öon ben 5lnf)ängern 
ber englifd^en ^oc^fird^e geteilt tt)urbe unb felbft bei mancfien 
fd^ottif^en ©d)riftfteüern ein (Sd^o gefunben t)at. Sn SBe|er 
unb SBelteS fatfjol. ^'ird^enlejüon lefen npir:^"') „5l{§ ßf)arafter 
fann ber Später ber fd)ottifcf)en Üteformation nur tiefet S3ebauern 
ernjecfen. ^etn ßuQ ^on 3JJi(be unb 25erfö^nlid)feit glänjt in 
it)m. S[Bat)rt)aft grauenerregenb ift bie unauf£)örlid^e gorberung 
auf 3]ernid)tuug be» ®ö|enbienfte§ unb ber unaulIöfdE)Iid^e öafe 
gegen feine redjtmäfeige Königin, ^m SSerfe^r mit feinen 9J^it= 
menfrf)en mar Änoj oft gemiffentoS, mand^mal, menn aud^ feiten, 
unelirlid). ®ofe ganati§mu§, ungemäfeigter (Sifer, graufame 
Unbulbfamfeit, bilberftürmenbe Stusfc^reitungen bie fc^ottifc^e 
Sfleformation d)ara!terifieren, fagen aud) proteftantifd)e gorfc^er." 
Slbgefe^en bat)on, bofe e§ un§ immer feltfam berühren muB, au§ 
bem 3Kunbe eine§ römifc^en ^att)o{i!en Etagen über religiöfe 
Unbulbfamfeit ju l^ören, glauben mir nid)t, ha^ ßnoj: ben ^or= 
murf, ein ^anatüer geroefen gu fein, öerbient. (S§ ift nic^t ju 
leugnen, bafe er mit rüc!fid)teIofer Schärfe gegen jeben öor= 
gegangen ift, ber fid) feiner ÜJJiffion eutgegengefteüt ober trgenbmie 
bie Unterbrücfung be§ ^roteftantismu§ begünftigt ^at. 2)abei 
gob e§ oor i^m fein Slnfe^en ber ^erfon; ber ©taatsfefretär 
ßecil, ber ber Üleformation in Sc^ottlanb öiel nü^en fonnte, 
mufete öon it)m ebenfo fjarte SSorte f)ören, al§ er nid)t§ tat, um 
bie S3erfoIgung ber l^roteftanten in ©nglanb §u öer^üten,'^!') mie 
3J?atia ©tuart, bie gefc^morene geinbin be§ eöangeüfc^en ©laubens. 
Sßenn er freiließ an bie Königin bie ßumutung fteüte, bie ä)Zeffe 
in i^rem ^alafte ab^ufdjoffen, unb i^re Berufung auf ba§ eigene 
©emiffen mit bem §inmei§ §urücfmie§, bafe fie eben öon Sugenb 



76 

auf falfdE) unterri(f)tet toorben fei, fo ift er bamit unbebingt gu 
toeit gegangen. 3lIIetn wir bürfen oud^ nic£)t öergef jen, bofe ^nof 
bie SDurc^fü^rung ber 9f{eformation für unmöglich fjielt, fo lange 
ber !at^oIifc^e Ä^ultug am §ofe gepflegt tt)urbe. 2)te Söer^dltniffe, 
unter benen er fämpfen mufete, ttjoren faft burt^weg bte ben!bar 
ungünftigften, unb oI)ne feine (Strenge unb ^örte tjätte er unter* 
liegen muffen, ^ein 9fieformator t)at fein 5lmt ernfter genommen, 
al§ er; uneigennü^ig unb unbefted^Iid^ fu(i)te er feinen SBeg in 
einem SSoIf, beffen SQJoral tief gefun!en xoax. ©einem SSefen 
frf)ien eine gen^iffe §ärte fd^on angeboren §u fein. @o f^ilberte 
^eter 2)oung fein 5J[uBere§ in einem Söriefe an ^t^a folgenber- 
ma^en: '"9) „3n feinem ernften unb ftrengen @efid)t t)errf(^te eine 
natürlid^e SBürbe unb ^of)eit, bocf) t)at ein gemiffer 3^9 ^on 
SJiilbe barin nid)t gefehlt; wenn er aber ^oi^nig mar, trat in fein 
5lntti| ein gebietenber 5tu§bru(f; ber S3Ii^ feiner 5lugen mar 
lebhaft unb füt)n". ^no^' fetbft f(f)reibt in einem ^rief an 
Wx§). Sode: •'*') „S3on 9^atur au§ bin id^ mürrifc^ unb nicf|t fo 
geartet, mie bie meiften 9Jienf(f)en e» finb, boc^ eine§ barf id) 
mot)l öon mir fagen, nämlid^ ha"^ ein ritf)tig gefc^Ioffener greunb« 
fd^aftSbunb niemals burd§ meine @d)ulb gebro(i)en mürbe. ®a§ 
fommt allerbingS öieHeii^t bo^er, boB e^er id) alle onberen 
SOfenfc^en brauoie, ot§ irgenb ein 9}Jenf(^ mict)." @5 fe^tt gemi^ 
ni(^t an meid^en ^ÜQtn in bem (S^arafter be§ 9fleformator§ unb 
baB er tro^ feiner ^ampfeSnotur unter ben fortmäfirenben Un- 
ruhen unb @treitig!eiten oft fc^mer litt, fann ein S3rief befennen, 
ben er am 24. OEtober 1561 oon (Sbinburg au§ an ßatöin fc^rieb, 
al§ bie 9??effe mieber im ßanbe eingefüf)rt morben mar, unb in 
bem fotgenbe ©teile enthalten ift:''') „Smmer mieber mu^ id^ 
3)ir mit S^ragen löftig fallen, aber id^ ^abe ja fonft 9^iemanben, 
bem id^ meine Sorgen anoertrauen fönnte. Offen gefte^e id^ 3)ir, 
ha'^ \6) nie juöor gefüt)It ^aht, mie au^erorbenttic^ fd)mer e§ ift, 
gegen eine in g^römmigfeit eingeüeibete §eudE)eIei anjufämpfen. 
®ie offenen ^einbe ^abe id£) nie gefürchtet unb aud^ mitten im 
Unglück niemo(§ am ©ieg ge^meifett, aber jefet bin id^ angefid^tS 
biefel 5lbfaü§ öon ßl)riftu§ fo fef)r erfc^üttert, \)ü'^ ic^ tägli^ 
meine Gräfte met)r unb met)r fc^minben fü^le." Sluf bie SSer» 
leumbungen ein§ugel)en, bie öon römifdjer Seite gegen ben 



77 

dfiarotter be§ 9f^eformator§ ausgeftreut tüurben unb t)eute noc^ 
in Umlauf gefe|t »erben, (o^nt nic^t ber 3J?ül)e. e§ ift bo§ 
alte (Spiel, ha^» bie römijd^e Ä'riti! ober beffer ßritifloj'igfeit aud) 
mit £utf)er, ßalmn unb ben anbeten befannten Sfteformatoren 
getrieben f)ot. Übrigeng naf)men feine ß^^^S^^offen biefe 
@(^mät)ungen nid^t ftiüfc^meigenb i)in. ©o ontttjortete @meton, 
ber Ü^eÜor ber Uniöerfität ®Ia§gom, auf einen berartigen Eingriff 
1579 in einer auefül^rlid^en ®egenf(^rift, in ber mir unter 
onberem folgenbe SSorte lefen:''^) „liefen er(:ud^teten 5)iener 
So^n ^noj: mill id) üon (Suren erbic^teten Stnffagen unb 
©c^möl)ungen reinigen unb bieg meniger baburd), \)a^ ic| meine 
perfönlid)e Überzeugung ing ^elb füt)re, fonbern inbem id) mic^ 
flü|e auf ha§> ^eugnig einer e^rluürbigen SSerfammluug. 2)iefe 
aüe freuen fi^ ba§ fie biefe fromme ^f(id)t gegen it)ren trefflichen 
2et)rer in Sefu S^rifto übernetjmen unb i^m baburd) ben i^m 
fd^ulbigen 2of)n für fein mo"^! öoIIbrac^teS Seben gollen bürfen. 
^ieg 3^U9^^^ ^^^ ®anfbarfeit muffen aüe für ben Wlaxm ah^ 
legen, ber, mie fie mo^I miffen, bi§ gum legten Sltemjug nii^t 
aufgehört £)at, it)nen Slllen gu bienen. (Srlöft öon einem in 
djriftüc^em ©treit erfd^öpften Körper unb eingegangen ^nv feiigen 
9iul)e, mo er ben fü^en 2of)n ber Strbeit empfangen l^at, trium= 
pt)iert er nun mit Sf)rifto. ?lber f)üte bid^, SSerteumber, \i)n nod^ 
in§ ®rab hinein §u fd)mäl}en, benn ebenfoüiele merben auftreten 
oI§ SSerteibiger feiner @I)re, alg e§ STcenfc^en gibt, bie burd^ feine 
loutere ^rebigt au§ bem Stbgrunb ber Unmiffen^eit ^ur Kenntnis 
be§ (Soangeliumg gelangt finb." 2Bie Änoj öon ßatoin unb 
anberen, bie in näheren SSerfef)r mit i^m getreten marcn, geachtet 
mürbe, f)aben mir oben fd)on gefe^en. 2lud^ ein S3eäa ^at 
unferem 9f?eformator gegenüber in einem 53rief au§ @enf oom 
12. Slpril 1572 eine folc^e ©efinuung auggebrüdt."») @§ f)eiBt 
\)a unter anberem: „Cbgleid^ mir förperlid^ burd^ eine fotd)e 
gro^e Entfernung gu SBaffer unb Sanb getrennt finb, {)abe id^ 
boc^ nic^t ben leifeften ßmeifel, ba& §mifd§en un§ ftet§ jene 
üöüige Einheit be§ Sinne» gel)errfc^t f)at unb bi§ §ule^t f)errfc^en 
mirb, bie gefeftigt ift burc^ ha§ S3anb eine§ unb beSfelben ©eifte» 
unb ©laubens. ©efegnet fei ber §err uufer @ott, ber bid), lieber 
33ruber, mit folc^en ©oben au§geftattet, unb ber tiä) ^n biefem 



78 

mutigen (Steuermann an ber (Spi|e foI(^ ou^bauernber Sauberer 
gemadjt t)at. @§ ift ein großes ©efc^enf @otte§, boB bu nac^ 
©d^ottlanb bie reine Se^re unb pgleicf) bie fefte Drbnung ge= 
brod)t l^oft, burc^ bie bie Se^re gefeftigt unb gefiebert ift." Safjen 
tt)ir nod^ gum ©dilufe ben SJfann fprec^en, ber al§ langjö^riger 
O^reunb unb ®efäi)rte be§ großen Kämpfers biefem jur ©eite 
[tanb, al§ fein ©eift fid^ loSrang üon bem müben ßi3rper, feinen 
@efretör Sflid^arb 33annatt)ne: "■*) „@o ftarb biejer ©otteSmann, 
bo§ Sid)t @rf)0ttlanb§, ber 3:roft ber ^irc^e in biejem ßanb, ein 
(Spiegel ber ©ottfeligfeit unb ein SSorbilb für alle treuen Wiener 
in 9?eint)eit be§ £eben§, in Sauter!eit ber £e{)re, in bem SJJut, 
mit bem er bie SSöfen flrafte. (Sr mar einer, ben bie @unft ber 
SJJenfd^en nidit fümmerte, mie fjod) fie auc^ an (£{)ren ftanben. 
3Jiit meld^er ©emalt er prebigte, mit meld^em 3J?ut er bie @ott= 
tofen ftrafte, mie bitter er bie @ünbe l)oBte, ba§ fann ic| mit 
meiner geringen Äroft nid^t gebüt)renb frfjilbern, benn menn ic^ 
e§ unternehmen moEte, jo möre \)a§>, mie menn einer ein Sid^t 
QUäünben mürbe, um ben Seuten bie @onne gu geigen, ßubem 
finb aUe feine Xugenben ber SBelt toufenbmal beffer befannt, 
ai§> 'vi) imftonbe märe, fie ju beleuditen". 



^nmetkuujtu. 



2. 
3. 
4. 
5. 
6. 

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9. 
10. 
11. 
12. 



13. 
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15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 

21. 

22. 
23. 
24. 



(@. 2.) The Works of J. Knox 

öDTt Sabib £amg. 6 23änbe. 

Gbinburg 1846 — 1864. 1, 139. 

(@. 3.) Works I, 200. 

(©. 3.) (&hh. I, 205 f. 

(©. 4.) (^hb. I, 227. 

(@. 4.) ®bb. I, 228. 

(@. 4.) ebb. III, 9 f., öergl. 429 

-542. 

(@. 5.) mh. III, 19 f. 

(©.5.) mb. III, 24 f. 

(@. 7.) ^hb. III, 65. 

(©. 7.) (^bb. III, 73. 

(@. 8.) (Bbb. III, 364. 

((S. 9.) P. Lorimer, J. Knox and 

the church of England. 1875. 

6. 69 f.; bcrgl 6.251—265. 

(©. 11.) Works III, 86 f. 

(@. 12.) (Sbb. III, 282. 

(©. 12.) mb. III, 83 ff. 

(6. 14.) mb. i:i, 132. 154. 

(@. 14.) ebb. III, 165—215. 

(©. 15.) ebb. III, 231-249. 

(©. 16.) ebb. III, 263-330. 

(S. 17.) ebb. IV, 22-27 unb 

Corp. Ref. 43, 337—344. 

(@. 17.) mb. IV, 28 ff., C. R. 

43, 394. 

(©. 18.) mb. IV, 38. 

(<B. 18.) mb. IV, 48. 

(@. 18.) ebb. IV, 54 J., C. R. 

43, 523. 



25. 

26. 

27. 

28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 

36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 

51. 



((S. 19.) mb. IV, 55 f., C. R. 

43, 552 f. 

(@. 19.) ebb. IV, 58 ff., CR. 

43, 628 f. 

(@. 19). mb. IV, 62 ff., CR. 

43, 776 ff. 

(@. 20.) ebb. IV, 47 f. 

(@. 21.) mb. IV, 76—84. 

(@. 21.) ebb. I, 252. 

(@. 22.) mb. IV, 467-520. 

(®. 22.) mb. IV, 133-140. 

(©. 23.) mb. IV, 240. 

(©. 24.) ebb. IV, 169—214. 

(@. 24 ) Bale, The Pageant of 

Popes ed. 1574. I, 82. 



•(©. 25. 
(©. 25. 
(@. 26. 
(©.26 
(©.27 
(©. 27, 
(©. 28. 
(©. 28 
(©. 28. 
(©. 29. 
(©. 29. 
(©. 29. 
(@. 29. 
(©. 30 
(©. 31. 



Works IV, 257. 
ebb. I, 269 ff. 
mb. IV, 298—347. 



mb. IV, 261—286. 

mb. IV, 327. 

ebb. IV, 467-520. 

mb. IV, 365—420. 

mb. IV, 433-460. 

mb. IV, 356. 

ebb. IV, 357. 

ebb. IV, 506 f. 

mb. IV, 539 f. 

mb. IV, 523-538. 

mb. II, 16 ff. 

Brown, J. Knox, a 
Biography, 1895. I, 218 f. 
(©.33.) Works 1,308. 550— 555. 



«0 



52. 
53. 
54. 
55. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
€3. 

64. 

«5. 

66. 
67. 
68. 
69. 
70. 
71. 
72. 
73. 
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86. 
87. 



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(@. 

(@. 

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45, 

(©. 

45, 

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(©. 

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(®. 

VI, 

(©. 

(@. 

(@. 

(@. 

(©. 

(@. 

(6. 

(S. 

(@. 

(@. 



34.) 

35.) 

35.) 

36.) 

36.) 

37.) 

38.) 

38.) 

38.) 

38.) 

39.) 

39.) 

619 f. 

40.) e-bb 

665 ff. 

41.) (S^bb 



Works I, 316. 
^hb. I, 326 ff. 
ebb. 1,348. 
Brown II, 19. 
Works VI, 30. 
mb. VI, 36. 
(&hb. VI, 78. 
^hb. II, 26 ff. 
(^hb. II, 16 Sinnt. 2 
(S:hb. II, 35 ff. 
(^bb. VI, 88. 
(S:bb 



41.) 
41.) 
41.) 
42.) 
42.) 
43.) 
43.) 
44.) 
46.) 
46.) 
47.) 



(S^bb. 

mb. 

(^bb. 
^bb. 

mb. 

mb. 



VI, 75 f. 

VI, 94 ff. 

1, 449. 
11,8. 
1,465 ff. 
VI, 104. 
VI. 88. 
II, 71. 



C. R- 



C. R. 



II, 84 ff. 

mb. II, 97. 120. 

mb. II, 185. 260. 

mb. II, 134 f. 

C. R. 46. 364 ff. 

mb. 46. 435 f. 
47.) mb. 46, 434 f. Works 
124. 

47.) Works II, 161 ff. 
47.) mb. II, 276. 
48.) mb. II, 286. 
49.) mb. II, 310. 
50.) ebb. II, 334. 
50.) e-bb. II, 338 ff. 
50.) mb. II, 351 ff. 
51.) mb. II, 385. 
51.) mb. II, 387 ff. 
53.) mb. II, 395 ff. 



88. 
89. 
90. 
91. 
92. 
93. 
94. 
95. 
96. 
97. 
98, 



99. 
100. 
101. 

102. 



103. 
104. 

105. 

106. 
107. 
108. 
109. 
110. 
111. 

112. 
113. 
114. 



(@. 53.) mb. II, 404 ff. 

(©. 57.) mb. II, 497. 

(@. 57.) mb. VI, 393-422. 

(@. 58.) mb. II, 555. 

(@. 60.) mb. II, 566. 

(@. 62.) mb. VI, 561. 

(@. 63.) ebb. VI, 568—570. 

(©. 64.) mb. VI, 584 f. 

(@. 65.) ebb. VI, 585 ff. 

(@. 65.) mb. VI, 591—596. 

(@. 66.) mb. VI, Seil 1, 

(S. XL VIII f.; bergl. Brown 

II, 267 f. 

(5.67.) ebb. VI, 619 ff. 630. 

(@. 68.) mb. VI, 625. 

(@. 68.) ebb. VI, Soll I, 

(S. LIII ff. 

(S. 69.) Thom. M. Crie, Life 
of J. Knox, II, 210; üergl. 
Works VI, 514. 
(<S. 69.) Rieh. Bannatyne, Me- 
morials, @. 397—411. 
(®. 69 ) 23crtcl)t über tranfl)eit 
unb %ob be§ 9{eformator§ naä) 
33annati)ne u. @meton, Works 
VI, 634 ff. 645 ff. 
(@. 72.) Brown II, 288; bergl. 
Works VI, Seil I, <B. lii. 
((S. 74.) Works V, 25 f. 

Sanb 7, ®. 819. 

Works VI, 15. 

Brown 11,290. 

Works VI, 11. 

mb. VI, 133 ff. CR. 



(©. 75.) 
(©. 75.) 
(@. 76.) 
(@. 76.) 
(©. 76.) 
47. 47. 
(©. 77.) 
(@. 77.) 
(@. 78.) 



mb. VI, 648. 
mb. VI, 613 ff. 
mb. VI, 644. 



Ölucllen. 



Knox's History of the Reformation, by David Buc^aanan, priuted 
at London 1644. ^cr 4. 5(u§gabe — Gbinburg 1732 — 
finb bie übrigen SBer!e be§ StcforinatorS beigefügt. 

Memorials of Transactious in Scotland 1569 — 1573 by Richard 
Bannatyne, Secretary to John Knox, printed at Edinburg 
1836. * 

The Account of Knox's Jast Illness and Death, published by 
Mr. Thomas Smeton, 1579. 

The Works of John Knox collected and edited by David Laing. 
6 Sänbe. Edinburg 1846—1864. 



iBiogravIjieu nn fiuoi*. 



Thom. M.' Crie, Life of John Knox. 5Rcufte ^(ufragc üon ^üibr. 
(Srtc^ton. Belfast 1874. 

gr. 33ranbc§, Sof)n Slttoj, ber atefornmtor ©c^ottlanb^. (SIberfcIb 
1862. 

Peter Lorimer, John Knox and the church of England. 
London 1875. 

P. Hume BroAvn, John Knox, a Biography. 2 Sänbe. London 
1895. 



&mf Werke, 
fotueit (te in Mefer 5*d)nft angefiUjrt R«i>- 



The History of tlie Reformation of Religion Avitliin the Realme 
of Scotland; works of Knox by Laing. ©b. 1 Utib 2. 
Sßergt. @. 74. 

An Epistle to the Congregation of the Castle of St. Andrews, 
prefixed to the Treatise by Henry Balnaves on Justification 
by Faith, with a brief Summary of the Work. 1548. 
Works III, 5—28. SSergt. (g. 4. 

A Vindication of the Doctrine that tlie Sacrifice of the Mass is 
Idolatry. 1550. Works III, 29—70. Sßergl. @. 6. 

A Summary, according to the Holy Scriptures, of the Sacrament 
of the Lord's Supper. 1550. Works III, 71—75. S8ergl. 

(5. 7. 

An Epistle to the Congregation of Berwick. dnht 1552. 
Sorimcr @. 69f, 251—265. SSergl. 0.9. 

A Declaration of the true natiire and objekt of Prayer. 1553. 
Works III, 84—105. Jßergl. @. 12. 

Epistles to Mrs. Elisabeth Bowes and her daughter Marjorv. 
1553—1554. Works III, 331— 402. Jßergl©. 8. 

A Faithful Admonition to the Professors of God's Truth in 
England. 1554. Works III, 263—330. SSergl. 6. 12. 16. 

An Exposition upon the sixth Psalm of David adressed to 
Mrs. Bowes. 1554. Works III, 119—156. Söergl. @. 13. 

A Godly Letter of Warning or Admonition to the Faithfull in 
London, Newcastle and Berwick. 1554. Works III, 165 — 
215. 35ergl. @. 14. 

Two Comfortable Epistles to his afflicted Brethren in England. 
1554. Works III, 231—249. Sßergt. 8. 15. 



83 

A Narrative of tlie Proceedings and Troubles of tlie English 
Congregation at Frankfurt on tlie Maine. 1554 — 1555. 
Works IV, 9—68. ißenit. @. 17ff. 

A Letter to tlie Queen Dowager, Regent of Scotland. 1556. 
Works IV, 75—84. SSerflt. 8. 21. 

A Letter of Wliolesome Counsel, adressed to bis Bretliren in 
Scotland. 1556. Works IV, 133—140. «ergl. @. 22. 

Familiär Epistles. 1555—1558. Works IV, 218—253. SSergl. 

@. 23. 

An Apology for tlie Protestauts wlio are holden in prison of 
Paris, translated from tlie Frencli witli Additions. 1557. 
Works IV, 298—347. SSergt. (S. 26. 

Letters to liis Bretliren and the Lords professing the Truth in 
Scotland. 1557. Works IV, 261—286. Sergt. @. 26. 

The First Blast of the Trumpet against the monstrous PtCgiment 
of Women. 1558. Works IV, 365—420. <8ergr. 8. 28. 

The Appellation from the Sentence pronounced by the Bishops 
and Clercv adressed to the Nobilitv and Estates of Scot- 
land. 1558. Works IV, 467—520." S^ergt 8. 22. 27. 

A Letter to the Queen Dowager, Regent of Scotland, augmented 
and explained by tlie Author. 1558. Works IV, 433 — 
460. Sßergl 8. 28. 

A Letter adressed to the Commonality of Scotland. 1558. 
Works IV, 523—538. igergl.. 8. 29. 

Letters chieflv relating to the Progress of the Reformation in 
Scotland.' 1559 — 1562. Works VI, 13 — 148. S^ergl. 
8. 36f. 41. 

An Answer to the Cavillations of an Adversary respecting the 
Doctrine of Praedestination. 1560. Works V, 21—468. 

«er gl. 8. 74 f. 

The Ordre and Doctrine of the General Fast. 1566. Works 
VI, 393—422. SSergl. 8. 57. 

Letters etc. during the later Period of Knox's Life. 1563 — 
1573. Works VI, 525—646. S8erg(. 8. 62. 65. 67 ff. 75. 76. 



6* 



®rudE Don e^r^arbt tarra§, §aEc a. b. ©. 



Die 






von 



^U0uft Ji^vU. 



^atte a. 6. 5. 
J(905. 



3iil)alt0üeneicl)ut6. 



geitfr 
(Smleitung. SSorgefc^idite be§ ^^onsilg üon 1518—1537 ...... 1 

2(nrcgung beg £Dn§t(§plQne§ biirc^ fintier, ^""f^ntenbe 
^Verbreitung ber ^bn unter bem beutfc^en aSolfe unb ben @tänbcn. 
2lUmäf)(i(^e ©cioinnung be§ Äatfer» für biefelbe. 2lble^nenbe 
Haltung (S(emen§ VII. SSeränbcrte ©teüung ber ^urte unter 
^anl ni. Haltung ^-ranfreidiS, ©nglanbS unb ber ^ßrotcftanten. 
S)te für ba^ ^ov.^ü am (Snbe be§ 3cifFe§ 1537 günfttge Sage. 

I. Seil. Sanuar bi§ Sunt 1538 9 

g-rieben§üerf)anblungen in ßeufate. Söcigerung ^^ronj' I. 
f^rang I. unb §einrirfi VIII. §einricö VIII. unb ber 5?aifer. 
Haltung ber ^urie. @(eicögi(tigfeit be§ ^Ieru§. 23orläufige 
SSerfdiiebung ber Eröffnung. 9'leue aSerftänbigung ber ^onjilSs 
gegner. ®eftnitit)e§ «Scheitern be§ ßonäiI§pIane§ in S'liä.^a. 
ßi3fung ber iScötoierigfeiten burc^ ben SJonforbicntiorfc^lag Siönig ■ 
f5erbinanb§ unb bie Sufpenfton. ßinbrucf ber 3)Mferegel. 

n. Xeil. 3uli 1538 bi§ Stugufl 1539 19 

©rftc 2J[u§ficf)ten für ba§ ftonjK nac^ ber (Sufpenfion. 
2lbn)artenbe §allung ber Sturie. ©egnerfc^aft ^-ranfreic^S. dloU 
läge be§ S?aifer§ unb f^erbinanbS. 3urücftretcn be§ ^onstl§ Dor 
bem l?onforbienp(ane. ßaue ^e^anblung ber Slngelegen^ett burcft 
Slleanber. ßage unb Stimmungen in 9iom im dMx?f unb Slprit 
1539. Sie ®ri3fftiung öon kaxl, %xan?i unb g-erbinanb mibcr= 
raten, ©c^manfen be§ 5^apfte§. ©rneute ©ufpenfion. (Stnbrurf 
berfelben. 

m. Seil. (September 1539 bi§ Shtguft 1541 3t 

Sßertufte be§ Äatt)oIi3i§mu§. ©enbung ^^arnefeS sum Äaifer. 
9ieue tonforbienpläne tarl§. SSergeblic^eS Slnerbieten ^-arnejeS, 
ba^ Slon^il gu berufen. §agenau, 2öorm§, 9kgen§burg. Stellung 
ber üerfc^iebenen 5^^arteien in D^Jcgen^burg ^um S?on,5iI§pIane. 
«Scheitern ber <i{onforbie unb be» faifcrlidjen ZoIeranäprojefteS. 



IV 

Seite 

5)3aul III. forbert ba§, ^ongil. Slbiieigung be§ ^atfer§. 2tn* 
fcfteinenbc 1>(nbeniJig in foTtätI§frcimbItd)em (Sinne. 2lIImäI)lid)c 
©dötüenfnng bei ben 3teid)§tag§t)cr{)anbhmgen. 23cbeutung§= 
lofigfeit ber gefaxten Sefc^lüffe. 

IV. Seil. September 1541 bi§ Wai 1542 48 

©rfolglofe 23egegnnng sl^ifcfjen ^aifer unb $ap[t in ßucca. 
2Bac£)fenbc ©döuncrigfeit ber politifc^en Sage. SScrf)anbIungen 
@ranbella§ in 9tom. 5lbneignng ber turie gegen ein Stonsil 
aufeerl)alb 3talien§. ©enbung 3)jorone§ nad) ©peier 1542. 
Haltung ber (Slänbc nnb be§ ^önig§ ^^erbinanb. 2)er $Papft 
löfet Orient unb ö'ambrat ^u. 2Jtorone bor bem 9ieicö§tage. 
23efcl^Iüffe beSfelben. ^Berufung nad) Xxmü. 

T. 2:cil. Suni 1542—1544 57 

(Sinbrncf ber S?on3iI§inbiftion. ®er ^aifer üerfud)t ben 
$|3apft bergebticf) für ein S8ünbni§ gu gehjinnen. ®a§ ©d^reiben 
üom 25. 5luguft 1542. 2Birfung englifd&er ©inflüffe auf ben 
taifer. Slborbnung @rantiella§. Haltung ber turie in ber 
^onäilSfrage. @ranbella in Orient. 5?önig ^crbinanb. SBirfung 
be§ SluftretenS ©ranüeßa? auf bie ^urie. ^aul III. bcfdjlicfet 
bie Sufpenfiou. 23er:^anb{ung mit ^arl V. in SBuffeto. ©uf= 
pcnfion be§ ÄonsilS. $)3apft unb taifcr xxad) berfelben. (^-rueulc 
^Berufung. 

müdbüd unb 2lu§blicf . . . .' 71 

Slnmerfungen 73 



(Etulcituu0, 



(5rft ein ^üt)x toox feit fcer (Srf)IieBimg be§ 5. SoteranfongilS 
Toerfloffen, q(§ fidf) üon neuem ber ^uf nad^ einer allgemeinen 
Äird^enüerfammlung er^ob. 3unä(f)[t mar e§ nur bie ^^orberung 
eines ©in^etnen, SO^artin Sutl^ers, ber burc^ ba§> Äongil @(^u| 
üor bem SBerbammungSurteil be§ ^apfte§ fud)te (28. 5)loü. 1518). 
SRit einem auSbrütflic^en ^rotefte gegen bie 5lnfprü(f)e 9Rom§ 
trat \o bie ^onsilsfrage in§ Seben; benn gerabe in ben legten 
Sal)r§e^nten :^atte hk ^urie mit befonberer @cJ)örfe bie 9^id^tig!eit 
ber Slppellationen t)om Zapfte an ta^ ^onsit betont, unb beuttid^ 
ging i^r (Streben barauf t)inau§, i'^re eigene 5lutoritöt al§ gleid^= 
iered^tigt neben bie ber ^ongilien p [teilen. 

Suf^erS (Stimme feertjallte §unäd^ft unge^ört. 33alb gab er 
jebod) feinem SSerlangen eine breitere Einlage, inbem er e§ eng 
öerbanb mit g^ragen, bie f(f)on feit Salären bie S)eutfd§en erregten 
unb tt)ieber{)oIt i'^ren 5Iu§bru(f gefunben Ratten in ben „(55rat)amina 
ber beutfd^en Sf^ation" gegen ben apoftolifdien (Stu^I. Sieben ber 
bogmolif(f)en 5tufgobe mürbe bem fünftigen ^onjile bamit auf§ 
neue bie ^ird^enreform gugemiefen. ®em ^aifer gebüf)rte e§ nac^ 
be§ 9?ef ormatorS 2lnfid^t, für ba§ ^^fia^^efommen ber SSerfommlung 
©orge §u trogen. 2)ie§mal fanb ber Sut^erfcf)e Slufruf bie un= 
geteilte ß^fti^intung be§ beutfcf)en SSoIfe§. (Sc^on im g^ebruar 
1521 muBte ber päpftlic^e 2egat Slleanber öon S33orm§ au§ nad^ 
IRom beridjten, neun ßefjntel aller S)eutfd^en l^ingen Sut^er an, 
aber auc^ bie übrigen forberten ein ^onjit, unb ^mar auf beutfd^em 
S3oben. 5lud^ unter ben auf bem 9fteid)§tage oerfammelten (Stäuben 
fanb ber ^ouäitsplan bereits öerein^elte gürfpred^er. (Sin Sa^r 

ßorte, ÄonjUäpolitit Statin V. 1 



2 

fpäter bilbeten bte[e fd^on bie 9J?e{)rgat)I: Stuf bem jtüeiten 9?eid§§toge 
ju 9^ürnberg erging an ben 9^untiu§ 6f)ieregQti bie Slufforberung, 
ber ^ap[t mod^te mit „5ßern)iIIigung be§ ^aiferS ein frei d^riftli^ 
ßongilium an eine bequeme 9}?alflatt beutfc^er ^Ration au§fd^reiben. 
unb fpöteflenS in einem Sa^re eröffnen." S2Sie ernft e§ ben ©täuben 
mit if)rem SSegel^ren mar, geigten fie baburd^, ha'B fie oon ber 
^urie Garantien forberten, bamit bie 53ifd^öfe auf ber SSerfammtung. 
frei unb unge^inbert i^re äJJeinung fagen fönnten. Sm folgenben 
Sa^re fanben bie 2Bünfd)e ber ©täube gum erfteu 9JiaIe 5tufnat)me 
in ben 9fleicE)§abfc^ieb; fogar eine öortäufige Sf^egetung ber 9f?etigion§s 
angelegen^eit burdE) eine nationale SSerfammlung mürbe auf biefem 
3. Sfteid^stage in S^ürnberg in S{u§fi(f)t genommen; fd^on f)tett eä 
CEampeggi für einen ©eminn, ba^ man nid£)t gerobeju öon einem 
S^ationalfongile fpradE). Sn ber ^at, forberte ber ^Rejefe ber näd£)fien 
Tagung in ©peier, für ben g^all, ba^ ba§ ©eneraüouäil nid^t 
guftaube !äme, eine nationale ^ßerfammlung §u berufen. 

©0 f)atte fic^ im Saufe weniger Sotire bie gange S^iation mit 
ber Überzeugung oon ber 9lotmenbig!eit eine§ ÄonjilS erfüllt. 
S)ie 3Sert)anbIungen aüer folgenben 9?eid^§tage beroiefen e^er eine 
ßunatime al§ ein S^ad^Iaffen ber Semegung ; modjten bie Stnfid^ten 
über ba§ SBie unb SSogu ber SSerfammtung auc^ nod^ mannigfach 
geteilt fein, in ber §auptf ad^e ^errfd)te bei ^roteftanten unb 
^otf)oü!en üoHfte (Sinigfeit. ®ie ^rage mar, ob bie 2Bünfd)e ber 
©eutfd^en in bem ^aifer einen 3Sertreter bei ber ^urie finben mürben. 

3)ie Stuffaffung, meldte ^arl V. oon feinem faiferlirf)en Berufe 
al§ eineg Slbüofaten unb 2)efenfor§ ber Äirdie f)atte, legte e§ i^m 
nafje, bie religiöfen unb ürd^Iid^en Slngelegen^eiten möglidift in 
Übereinftimmung mit ber Äurie §u erlebigen ; fein frommer, ftreng* 
glöubiger ©inn mie§ it)n benfelben SBeg. 2Bie tjätte er fid) iDü 
ot)ne meitereg einer g^orberung fügen foHen, bie itjren Urfprung in 
^^enben^en ^atte, meiere feinen eigenen frf)nurftrad§ jumiberüefen ! 
2)ementfpretf)enb mar bie Slntroort auf ben Üieic^^tagsbefcfiluB be§ 
Sa!^re§ 1524 in ^öd^ft ungnäbigem Xone gehalten; bei ©träfe 
ber Slrfjt befahl er ben beutfc^en ©tönben, fid^ an ha^ SSormfer 
©bift ju galten, am menigften ober [id) mit bem üorgeilommeuen 
^ongile unb anberen Disputationen, morüber nur er unb ber 
^apft §u entfd)eiben t)ätten, ju befaffen. SSenn er tro|bem ha^ 



Segefjren ber SDeutfc^en nid^t runbtüeg ablet)nte, f o ift bic§ jlüeife(lo0 
bem (Sinfluffe feineg S3ruber§ g^erbinanb äugufc^reiben, ber, beffer 
qI§ ber ^oifer über bie beutfcfien Serf)ältniffe unterrichtet, bogu 
maf)nte, bie 2öünjc^e ber @tänbe ^u erfüllen. S§ fam bei Äarl V. 
t)inäu, ba'^ er im wefenttid^en nur bie eine «Seite ber ^^^age er= 
foBt f)atte : §ur 9f?ebuf tion ber Ä'e|er liefe er jid) ben S^onjit^plan 
gefallen; bogegen fie^t man ni^t, ta'^ er ben 2lbjid)ten ber 
2)eutfd)en betrep ber ^ir^enrefom burd) ba§ Äon^il entgegen» 
gefommen iräre. 

@rft bie 5Ser^äItniffe ber europöifcfien ^olitif fc^ienen im 
Saf)re 1526 eine Slnbernng in ber §a(tung be§ S^aiferS f)erbei= 
jufü^ren. $apft S(emen§ VII., öoU SeforgniS über ba§ 2(n= 
modjfen ber faiferlid^en Wüd^t in Stauen, fd)Iofe im 9}?ai 1526 
mit gran!rei(^, ©nglanb unb ben italienifc^en ©egnern Äarl§ V. 
ein Sünbnis, um bem fpanif(i)en (SinfluB ein @nbe gu mad^en. 
Unter bem (Sinbrucfe bie)e§ @reigniffe§ trat ber ^aifer bem 
ÄongilSpIane nä^er. Sn einem äufeerft heftigen ©d)reiben com 
17. (September forberte er öon Slemenä VII. jur Sc^Iidjtung ber 
ämijc^en i^nen beftef)enben ©treitigteiten bie Berufung einer 
Äirc^enöerfammlung, unb gmar auf einen feften 2:ermin. Sollte 
ber ^apft fic^ beffen meigern, fo mürben in einem anbern an 
bie ßarbinöle gerid)tetem S(i)riftftücfe bie (enteren aufgeforbert, 
ha§ ^on§iI nac^ Orbnung be§ $Re(^t§ au§jufd)reiben. — @§ ift 
befannt, mie ber sacco di Roma alsbalb ben tief gebemütigten 
$apft in ba§ Säger be§ ^aifer§ jurüdfü^rte. 2)amit mar aber 
ber 3roed be§ ^on^ilS, mie i^n jenes SJJanifeft öom 17. September 
beäeid)net {)atte, {jinföllig geroorben. Sni S3ertrage üon Sar^elona, 
in bem fid) bie Üleftauration ber früt)eren politifc^en Sage bofu= 
mentierte, gefc^a^ in ber %at be§ ^onäiI§ feine (Srmä^nung me^r. 
3)ie t)om ©lauben Stbgemic^enen t)erpflicl^tete fic^ ber Reifer, mit 
©Ute ober nötigenfalls mit ©emalt gurüdjufütiren. 

Sn Sßirflic^feit entfprac^ bieS ignorieren ber ßouäilS* 
angelegentjeit bod) nic^t ganj me^r ber ©teßung, bie Äarl ju 
if)r einnat)m. ©emife märe er einer Üiebuftion ber Äe^er mit bem 
@d)merte nic^t abgeneigt gemejen; burfte er aber ^offen, fc^on 
fo balb bagu im Stanbe fein? 3)ie 3al)l unb bie 3uüerfid)t ber 
Sf^eugtäubigen na^m üon Jag ju Xa^ gu; noc^ fet)(te e§ bem 

1* 



Äaifer iii(f)t an äußeren g^einben, unb feine hoffen tuaren erfd^öpft. 
5luBerbem üer^telt er ficf) aber auc^ nid)t mef)r fo abtef)nenb 
gegenüber ber Äird^enreform. Sn S)eutf(^Ianb Ratten bte klagen 
über bie fird^Iid^en SD^i^tänbe nie aufgef)ört; aud) in Spanien 
tt)or ber 9(ieformgebanfe feit langem lebenbig; feine eigenen Er- 
fahrungen mit ber ^urie mD(i)ten feinen S3Ii(f gef(i)ärft ^aben, 
^atfadje ift, ta"^ er 1529 feinem 3^rieben§unterf)änbler SSetjre 
befaljt, gum ßmccfe einer „SfJeform ber 5lird)e @Dtte§" auf ber 
^Berufung be§ ÄongilS ju beftetjen. 5(u§ Üiücffid^t auf ben $apft 
l^atten bie faiferli(f)en Diplomaten bann hod) öon i^rer gorberung 
SIbftanb genommen. 5lber fd)on boten bie SSerftanblungen be§ 
©peierer 9teid^§tage§ neuen 2(nla|, bem ^apfte ba§ ^onjil in 
Erinnerung gu bringen. UnauSmeidilici^ mürbe ein ernft^afte§ 
Eingeben auf bie 5Ingetegen^eit, al§ bie gro^e 5Htion be§ ßaifer§ 
ouf bem 9f{ei(i)§tage gu SlugSburg §ur 2öieberf)erfteIIung ber 
@Iauben§ein^eit fc^eiterte, mäl^renb bie ©tänbe it)re 93efd^merben 
gegen 9flom unb bie ßuftönbe im Icterus unb in ber ^irrf)e mit 
erneuter §eftig!eit tt)iebert)oIten. 

9^0(^ ein britteg 9Jioment trat ^in^u. 3m Sa^re 1529 
fonberten ficf) gum erfien SJJale bie Üleugtäubigen mit offenem 
^rotefte oon ber faf^olifd^en 9teirf)§tag§met)rt)eit ah ; bie perfbnlid^e 
5tnmefent)eit be§ ^aifer§ in Slug§burg oermo(f)te nid^t, fie in i^rer 
Haltung gu erfdjüttern. 5)a§ folgenbe ^al\x brad^te bie poütifd^e 
Örganifation be§ beutfd)en ^roteftantismuS : fd^on 1532 befam 
Ä'arl V. bie 9JJadf)t berfetben §u fpüren. 3J?et)r unb metjr ermie§ 
fid) bie retigiöfe (Spaltung Seutfd)Ianb§ al§ ein §inberni§ für 
bie !räftige Verfolgung feiner 9f{eid^§= unb gomitienpolitif. 9Zur 
menn e§ gelang, bie religiöfen 2lngelegent)eiten au§ ben politifd^en 
S8er!)anblungen au§§ufdt)alten unb bem Äon§il guäumeifen, liefe 
fic^ öieüeic^t eine S3efferung l^erbeifü^ren. 

Se meniger ber ^aifer fid) ben für ba§ ^on^il fpredf)enben 
©rünben üerfdE)tiefeen fonnte, um fo eifriger betrieb er baSfelbe 
natürlid^ bei ber ^urte. S)enn ha§, ftanb immer nod^ bei it)m 
feft, ba'^ bie S3erufung nur im (SinoerftönbniS mit bem ^apfte 
unb burd^ biefen gu gefd)et)en \)übe. SBeit entfernt oon aüen 
rabifalen Xenben§en, mie fie etma bie ^roteftanten oer folgten, 
gingen it)m fogar bie gorberungen ber ßattjolifen ju meit. SSon 



einem ^f^ationaffonäü tuoüte er nichts tüiffen, unb auc^ in ber 
grage be§ Äon^ilSorteS war er geneigt, bie ber ^urie genet)mfte 
Deutung ber Ü^eid^Stoggbefd^tüffe §u§ulaffen. 

%xo1^ ber entgegentommenben .^oltung be§ ^aijer§ geigte 
man in 9ftom jeboi^ »enig Sf^etgung, fein S3eget)ren §u erfüllen. 
S)er gange antipäpftlidje Urfprung ber ^ongilgbewegung machte 
fie S(emen§ VII. oerbäc^tig; nic^t minber fc^ienen e§ it)re ßiele. 
0lQd^ einer ^ijierung ober gar ^nberung be§ S)ogma§ empfanb 
man an ber ^nrie nic^t ba§ geringfte Sebürfniä; bie Üleform, 
tt)ie man fie in 2)entfc^[anb münf(i)te, breite üor aüem ba§ 
finongielle ©i^ftem, auf bem gum großen 2;eile bie poUtifc^e 
©teünng be§ ^apfttum§ berut)te, auf ha^ fdjttjerfte gu erfc^üttern; 
enblid) aber beutete alle§ barauf t)in, bafe ha§, fünftige ^ongil 
eine Erneuerung be§ alten ^ampfe§ gmifdien (Spiffopalfiriiie unb 
^apftfird^e bringen ttjürbe. gorberungen, mie fie in ®eutf(i)tanb 
Qud) bie Ä'at{)oIi!en ertjoben, bie SBat)I einer beutfrfjen äJlalftatt 
unb Garantien für eine unbeeinflußte Slbftimmung ber 93ifd^Dfe, 
geigten ottgu beutlid^, Xüa§> bie Äurie üon einer fold^en Sßer- 
fammlung gu ertt)arten f)atte. 3^ Witn ©rünben fam bei 
©temen§ bie Unentfct)iebenf)eit feineg S^arafter§, bie it)n, gutnal 
feit ben (Sreigniffen be§ 3abre§ 1527, Dor jeber meitausfetjenben 
Unternehmung gurü(!f(i)re(fen liefe. Sauge mid) er ben Stntrögen 
^ar(§ V. au§; als bie§ ni(i)t mef)r möglich mar, fteüte er ^e= 
bingungen, auf bie ber Äaifer unmöglid) eingeben fonnte. @o 
!am e§, ha^ bei be» ^apfte§ 2obe bie ^ongilyfrage tro^ met)r« 
iöt)riger 55ert)anblungen ifjrer ßöfung um feinen Schritt nä^er 
gerücft mar. 

Stnbere SBege at§ (Stemen§ VII. fd^Iug fein 9lad)foIger ^aut IIL 
ein. 2lt§ ^arbinal ^atte er ficf) ftet§ für ta^ ^ongil auSgefprod^en, 
unb feine S93a!)I oerbanfte er mefentlict) biefem Umftanbe. S)afe 
e§ in ber bisherigen SBeife nidjt weitergeben fonnte, lag la Hat 
om 2;age; ebenf omenig liefe fic^ nad) ben 3Serträgen oon ^iürn^» 
berg unb Äaaben ermarten, bafe ber ^aifer imftanbe fein merbe, 
ben brotjenben Df^uin ber E'irdje abgumenben. ®ie in ben ^ongilS« 
planen entt)altenen, bem ^apfttum unb ber ^urie feiublid)en 
2;enbengen liefeen fid) oieüeic^t paraltjfieren, inbem man einerfcits 
ber SReformbemegung burd) eine teilmeife Stntigipation ber Ü^eform 



in 9flom bte (Spi|e abbroif) unb anbererfeitS fi(^ gur ?tbf)attung 
be§ ^on^itS mit bem ^aifer über eine itaüenifc^e (Stobt einigte, 
ßubem ertt)ie§ fid) bie Seforgnig üor ben Singriffen ber ^ro= 
teftanten auf ber SSerfammtung immer mef)r qI§ gegenftanb§Io§ : 
mit giemlid^er ©emi^^eit fonnte man öoraugfel^en, boB fi(f) bie 
^e|er einem öom ^apfte über fie berufenen ©erid^te ni(i)t ftellen 
mürben. Unb !aifer(ic^en Stnmofeungen gegenüber !onnte man 
fic^ ftet§ bei Seiftanbeg ber frangöfifc^en ÄH'one öerfirf)ert f)alten. 

5llle§ bie§ üorauSgefe^t, üerfprod) bie Berufung be§ ^'on§iI§ 
bod) mannigfache SSorteite. ©erabe nad^ ben ©rfdiütterungen, 
meldte bie Stutoritöt be§ ^eiligen (Stut)Ie§ in ben legten Saijren 
erführen t)atte, mu^te eine bur(f) ben ^apft angeorbnete unb 
unter feinem $ßorfi^ tagenbe allgemeine ^ird^enöerfammtung ba§ 
5(nfet)en 9^om§ mä^tig ^eben. SSoüenbS, menn e§ gelang, burd^ 
i)a§> ^ongil bie gefamten Gräfte ber fot!)olifd} gebliebenen St)riftenf)eit 
gujammen^uf äffen gur Söfung ber großen Stuf gaben, meld)e bie 
SSorfe'^ung augenfd)einlid^ bem ^ontififate ^aut§ III. geftellt 
fjatte: Sftebuftion ber ^e^er, ßurüdfüfjrung (Snglanb§ unter bie 
Obebien§ be§ apoftolifd^en ©tut)Ie§ unb ^Vertreibung ber Xürfen 
au§ Ungarn, menn nidjt gor oug (Suropa. 

^f^idit longe nod^ feiner Sntf)ronifation begann ber $apft 
mit feinen SSorbereitungen für ba§ ^onsil. (5r öergiditete borouf^ 
nod) ber SBeife feineS 93orgänger§ öon bem ßoifer ollertei 
Garantien ju forbern, bie biefer ni(^t bieten fonnte. S)ie einzige 
g^roge nad^ bem ^onjilSorte, über bie e§ nod) einiger SSer- 
l^onblungen beburfte, fonb burd^ beiberfeitigeS (Sntgegcnfommen 
eine giemlid) rofdje (Sriebignng. 

SlIIe§ !am nun auf bie Haltung ^ran!reid^§ an. Sronj I. 
l^otte fic^ ftel§ al§ ©egner be§ ^onäiI§ bemiefen; fc^on im Saf)ve 
1527 t)atte er fid) mit bem englifd^en 9}?inifter Söotfet) öerabrebet, 
bo§ bomotS öon Slorl geforberte ^ongil nid)t gu^ugeben. S)ie 
©rünbe, bie ben ^atfer immer mieber öormörtS trieben, beftonben 
für 0^ran§ ni^t. 2)a§ Dberljoupt ber gaüifanifc^en Äirc^e ^otte 
öielmeljr t)on einer oügemeinen Äird^enöerfommlung, öon ber fid^ 
t)orau§feI)en liei bafe auf i^r ber ©inftu^ feine§ t)ab§burgifc^en 
IRiöoIen pröbominieren mürbe, !^öd)ften§ eine ©d^mälerung feiner 
fRtdjk unb feineS Slnfef)en§ ju ermorten. SDie «Stellung Siemens VII. 



%nx ßonät(§frage madjte tt)m feine Oppofition Ieid)t. ^oul III. 
meinte anfangt Dt)ne Wliii)t bie ©inmiüigung be§ Äönigg gu er= 
reichen. Slüein ^mx\^ 1. badete nid)t baran, feine Haltung ju 
änbern. ^tvax liefe er burd^ feinen ©efanbten S)u Settot) eine 
juftimmenbe (Srflärung in Sftom abgeben, ober in fo üer!Iaufu= 
lierter O^orm, ha^ man fie mit öoHem Siedete at§ eine Stble^nung 
betra(f)ten fonnte. 33alb mußte man in ber Stat erfahren, bafe 
er feine Sntriguen gegen bo§ Äon^it unöeränbert fortfetjte. 

9J?et)r noc^ öerabfd)eute §einric^ VIII. öou (Snglonb ba^ 
ßonjil. STcit ber Äurie mie mit ^aifer ^arl lebte er feit Sagten 
in bitterfter geinbfd^aft megen feinet (S^e^anbetS. SSenn bie 
SSerfammlung guftanbe !am, fo mar feine SSerurteitung gemife. 
^mar befferte fid^ nac^ bem STobe ber Königin fein SSerpttniS 
gum ^aif er, aber ber Sruc^ mit ber Äurie f df)ien unf)eilbar ; benn 
^einric^ mar burc^auS nid^t gemiüt, üon feinen neuermorbenen 
^edjten eine§ „^roteftor§ unb einzigen Raupte? ber Äird^e öon 
@ng(anb" auc^ nur ba§ 9JJinbefte mieber preiszugeben, ßinem 
^on^ile unter bem SSorfi^e be§ „Sifrf)of§ öon 9ftom", ha§^ feiner 
neuen Söürbe unfehlbar ein @nbe bereitet ptte, fonnte er ha= 
I)er nimmer feine ^uftimmung geben. 

@ine ungmeibeutige 5lbfage !am enblid^ üon ben @rf)mat= 
Mbenern. @§ t)ötte ber fortgefe^ten Stufreijungen 3^ran!rei(f)§ 
unb ©nglanbS nic^t beburf t : bie SIeugtäubigcn t)atten fic^ bereits 
in einen fo entfc^iebenen ©egenfa^ §ur ^apfttir^e gefteüt, if)re 
?lnfidjten über S'onjilien im allgemeinen mie über bie 5trt be§ 
je^t §u berufenben maren fo menig fird)lid^=fatt)oIifd), unb bie 
^erbammung if)rer £et)ren enblid) ftanb in fo fid)erer Stusfic^t, 
bafe it)re ^2lntmort auf bie (ginlabung jum ^on^il nur fo lauten 
fonnte, mie fie in ber %at ausfiel. @ie erftärten, ein Äongil, 
bem als ^vo^d bie 93efeitigung ber fürgtic^ entftanbenen „.g)örefieen" 
t)orge§eid^net fei, fönnten fie nid^t befd^iden; aud^ fönne feine 
Ütebe fein oon einer ^ßerfammlung aufeer^alb ®eutfd)IanbS ; üon 
einem ^onjil, baS öon bem ^apfte berufen unb geleitet mürbe, 
moüten fie öoüenbS nid^ts miffen. 

51IS {)ätte bieS afleS noc^ nic^t genügt, famen nod) äußere 
^inberniffe Ijinju, meiere minbeftenS für bie nöc^fte ^dt bie 95er= 
mirflid)ung beS ÄonsitSpIaneS unmöglich mad)ten. 2)er ©treit 



8 

um ben S3efi^ üJJailQnb§ fütjrte im 3af)re 1536 gu einem neuen 
Kriege ätt:'ifc^ß« ^orl V. unb grang I. Sm Dften mürbe bie 
c^riftlic^e Söelt mieber burc^ einen ^nfturm ber Züxhn in 
@d)re(fen gefegt. Unb ju oHeni Überfluß machte im legten 
5lugenbüc! |»er§og griebric^ öon 9Jiantua (Sc^mierigfeiten, ba§ 
^ouäil in feine Sflefibens aufzunehmen, ^ad^ foft breijätirigen 
SSerl^anblungen ftanb man mieber auf bem olten g^Ierf. 

®a fc^ien fid) enblic^ gegen ba§ @nbe be§ 3cit)re§ 1537 
eine ber geier be§ ^onjitg günftigere ßonftellation am poütifc^en 
^immel ^u entmicfeln. 3oI)ann ß^po^^ß, ber ^erbünbete be§ 
(Sultans, geigte fic^ nad£) ben legten türüfc^en ©iegen plö^Iic^ 
§um gerieben geneigt, mätjrenb gleid^jeitig bie SBaffen be§ Königs 
gerbinanb in Ungarn einige ©rfolge gegen bie Surfen baöon= 
trugen. Su S^eutfc^Ianb bereifte ber faiferlic^e SSiäefansIer 
äJiat^iaS §elb bie gürftentjöfe, um eine Koalition ber !üt{)oIif(^en 
(Stäube gegen ben übermächtigen fd)malfalbifd^en 33unb ^uftanbe 
gu bringen unb faub augenf(i)ein(i(^ überall bereitmiUigeS @nt* 
gegenfommen. ©in Sünbni§ gegen bie dürfen §mif(i)en bem 
^aifer, bem ^apfte unb SSenebig mar feinem Slbfc^tuffe nat)e. 
®a§ 93ebürfni§ nac^ ^rieben notierte enbücfi auct) ben ^aifer unb 
granfreidj einanber. (Sc^on ruhten bie SSaffen ; Äart V. meinte 
bem frauäöfifd^en Könige f)inrei(f)enb mertöotte Slnerbietungen 
machen gu fönnen, um i^n ganj auf feine (Seite ju sieben. 2)ie 
üon bem ^apfte erfel^nte ^onfolibierung ber Gräfte be§ ^üt^oIi= 
äi§mu§ fc^ien fid) angubatinen. SBurbe fie jur Xatfac^e, bann 
gelang e§ ^arl unb ^ran^ öielleicfit, auc^ §einrid) VIII. umgu^ 
ftimmen. 

Sn ben Greifen ber ^onsitSfreunbe mar man öoHer Hoffnung. 
®er ^arbinal ©rcole ©onjoga fd^rieb an ßontarini, er fönne 
e§ nict)t glauben, ha^ bie gürften bem ^on^il nod) länger miber« 
ftreben mürben, bereits träumte er baüon, man merbe ftatt be§ 
reichen SSicenja, moljin ^aul III. ba§ ^on^il oerlegt ^atte, öiel» 
leid)t eine anbere (Stabt mäl)len muffen, geräumig genug für bie 
gro^e 5IRenge ber S^onäilSbefud^er, bie ^tDeifetloS ^ufammenftrömen 
mürbe. ^) 



(Erfler Keil, 



^anmv U§ :^nii 1538» 

SSöfirenb ber fromme ^arbinol in 9JJantua folc^en ^^Qn=- 
tafieen nodiging, frf)tc!ten fic^ an ber fpani|d)=fran§ö[ifd^en ©renje 
bie faiferü^en SJäntfter ©ranöeüa unb Sot)o§ an, mit ttn 
frangöfifc^en ^ommiffaren, bem ©onnetaBIe äJiontmorencq unb bem 
^arbinal öon ßottjringen, bie ^riebenSbebingungen gu oerabreben 
unb im S(nfd)tufe baran bie ßon^iföfrage ^u erlebigen. Sn ben 
Beratungen, bie man im faifertic^en 'Siak in 9Jbn§on gef)alten, 
^atte man i^rer fet)r au§füt)rlid^ gebadet. 9JJan mar fic^ nac^ 
mie üor barüber einig, ta'^ ta^^ Ä'onjil bo§ einzige .gieitmittet 
gegen bie in ber (S^riften^eit eingeriffenen Übel fei unb jeber 
Sluffd^ub nur meiteren ©c^aben üerurfad^e. (Sbenfo fe[t ftanb e§, 
ta'^ man bie ^^fti^^^^ung ber g^rangofen pm ^on^il al» eine 
ber erften SSorbebingungen für bie §erau»gabe 9JiaiIanb§ ^u 
forbern l)aht. Slber mie foßte mon e§ mit Ort unb ßeit ber 
SSerJammlung galten? ©oute man ben granjofen etma eine 
anbere, näf)er an granfreic^ gelegene ©tabt anbieten? Unter 
melcfien Sebingungen ^at bie S3erufung §u gefc^ef)en, unb mie 
ift fie befonberg (Snglanb, ben 2utt)eranern unb ben fe^erifd^en 
©c^meiser Kantonen befannt gu geben? Sft e§ rätlic^, ben 
©iuäelnen öorf)er gemiffe Äongeffionen ^n macfien? SSolIen bie 
beiben ^errfc^er perfönürf) ha§ tonjil befuc^en, ober it)re ©tell= 
nertreter fc^icE en ? @o(l man für ben gatt, baB bie ^roteftanten 
if)re SCeilna^me oermeigern, ©eroaftmaferegeln üerabreben? ?lber 
bann ift oieüeic^t ber triebe gefö^rbet, unb man mac^t firf) bie 
^roteftanten für immer ^u g^einben.-) 



10 

Wlan i[t eiftaunt, tüenn man tiefe gragen lieft. ®inc|e, bie 
man für lörgft ertebigt gel)alten fjätte, lüerben f)ier be^anbelt, 
al§ toenn fie eben je^t jum erften Wak auftauchten, ßiefe fd)on 
biefer Uniftanb geringe Hoffnung auf eine rafd^e ßöfung, fo 
raupte man üoUenbS baran öerstreifeln, wenn man bie ^onäit§= 
frage im 3ufamment)ange ott ber anbern Probleme betraditete, 
bie ä"9lßicä^ ^^^ i^^ erlebigt merben füllten. S)a gab e§ !aum 
eine O^rage in ber äußeren ^oütü, bie nid^t aud^ in irgenb einem 
SSer^öItniffe gu ber ^on^ilSangelegentjeit. geftanben fjätte: ber 
(Streit um ben Sefi^ 9}failanb§ unb ©aüol}en§, ber 2;ür!en!rieg, 
bie «Stellung jum ^apfte unb ben garnefen, eine 9flei^e öon 
heiraten, enblid^ bie @infrf)lie^ung ©nglanbl in ben ^rieben. 

SBir tt)iffen nidit, ob bie faiferlic£)en 3J?inifter mit einer be= 
ftimmten 5lnttt)ort auf alte Strogen üerfef)en gu ben gerieben?« 
öer'^anblungen abgereift finb. (S§ ift aud^ faum üon 2Birf)tig!eit: 
frf)on bei ber erften, ob ta§> ^onjil übertjaupt juftanbe fommen 
joHte, fd^eiterte man. ^^ran^ I., fo menig er pringipietl ber S3e= 
toilligung be§ ^on§U§ geneigt fein modjte, mar fid^ bodj barüber 
!Iar, ta'B er, menn e§ §um gerieben !am, aud^ ha^ ßonjit gugeben 
mu|te.3) (£g ^ing alfo alle§ baoon ah, meld)e 5Sorf erläge in 
iöejug auf rein politifd^e fragen bie faiferlid^en ^ommiffare ju 
mad)en tjatten. S(u§ bem testen Kriege mar »^rang I. mit @f)ren 
^eroorgegangen. 3In einen ^rieben, ber öon it)m S^erjid^tteiftung 
auf bie errungenen 3Sorteile forberte unb it)n in ber ^ongil?' 
unb Xürfenfad^e gum @efoIg§mann ber ^oliti! be§ ^aifer§ mad^en 
moüte, al§ @ntfd)äbigung bafür aber it)n t)a§: fet)nfüd)tig erftrebte 
tÜDiailanb gleid^fam nur oon ferne fe^en liefe, fonnte er um fo 
n)eniger beulen, al§ gugleid^ ber Sßertuft feiner bi§t)erigen ^^^reunbe, 
ber beutfdien ^roteftanten unb @nglanb§, auf bem «Spiele ftanb. 
S)ie Verausgabe 9JJaiIanb§ bilbete bo^er ben ^ernpunft ber SSer« 
fjanblungen. 9^ad) einigen 2;agen ber 3"i^ücf^altung erwarten 
bie frangöfifdien Unter'^änbler, nur menn ba§> italienifc^e ^erjogtum 
fofort ausgeliefert mürbe, fönnten fie in bo§ tongil milligen.'*) 
©0 mit ging aber bie SßoIImadf)t ©ranüeßag unb SoooS' nid^t; 
if)ren Sßerfud^, bie StRailönber Stngelegenf)eit oortäufig §urüdE^u= 
fteüen unb bie übrigen Sad^en guerft §u erlebigen, miefen bie 
granjofen §urüd, ba fie feine 93efugni§ l^ätten, in ttjeitere SSer= 



11 

{)anMungen einzutreten.^) @o njor ber gnebengfongrefe ßejcfjeitert, 
e^e er rerf)t begonnen ^atte; man nnifete ficg begnügen, ben be= 
ftefjenben SSaffenftittftonb §u öertängern. Sitter beflogte firf) 
grans I. bei bem ^arbinol ^acobacci, ber auf ber ^urdjreife nad) 
©panien ju if)m fam, über bie ^artnöcEigfeit be§ ^aifer§ in 93etreff 
9}?ailanb§; ba§ ßonjil unb ber STürfenfrieg, fagte er, tüürben 
unter biegen Hmftönben !aum möglid^, au(^ fd)n)erUc^ üon 
S^u^en fein/') 

SSä^renb ber frangöfifcfje ^önig \o alle ^(^utb auf ben 
^aifer f(f)ob, fud^te er bem Könige üon ©ngtanb bie ©ad^e in 
einem ganj anberen Sichte gu geigen. 3m ©egenfa^e gu ßart V., 
ber feine ©efanbten in Sonbon, (St)aput)l unb SJ^enboga, onge= 
miefen i)atte, nict)t§ öon ben ^rieben§oert)anblungen oerlauten 
§u taffen'), i)atte er §einrid) VIII. fofort äJJitteilung üon ben 
ieb{)aften S3emüt)ungen be§ ^aiferS um ha§> ^uftanbefommen be§ 
Slongilg gemadjt. daftiüon, fein ©efanbter in ®nglanb, f)ielt bem 
Könige bie unangenehmen f^olgen üor, bie eine com ^apfte be= 
rufene unb unter feinem ©inftu^ ftefjenbe $8erfammtung für it)n 
'f)aben müfete; jebenfaüg »ürbe fie jur SBieber^erfteüung ber 
?Iutorität be§ Ijeiligen @tut)Ie§ füfjren.^) 2)em englifdjen ®e= 
fanbten an feinem ^ofe »ufete ^xa\^ üon glängenben Slner= 
bietungen, bie it)m ber Äaifer in Setreff 9}JaiIanb§ gemad^t l)abt, 
gu berid)ten; nur um feinen englifc^en greunb üor bem Ä^onsile 
5U fd^ü^en, t)abe er fie abge(e'£)nt.") 

9Kit fotc^en SSerfic|erungen fanb i^ran§ bei bem Könige 
aüerbingS n^enig ©tauben. Sronifd) fagte §einric^ tt)o^I, Äönig 
grauj^ foHe boc^ um feinetmiüen fo üorteiC^afte Stngebote nic^t 
au§fct)lagen; er, §einrid§, f)aht SSerbünbete genug unb feine gurdEjt 
üor bem ^ongit; ber ^aifer benfe übrigen? garniert baran, 
SJJailanb abzutreten unb ^abe it)m §ubem üerfprodjen, ta^ man 
auf bem ^onjite in feiner SBeife üon ber §lutorität be§ 93ifd)of§ 
üon Üiom fpredjen merbe.i^') 

©0 forgIo§, mie fid) .g)einric^ VIII. bem fransüfifd)en ®e* 
fanbten gegenüber ftellte, mar er nun feine§meg§. 3f)m maren 
bie gangen 5riebensüerf)anblungen ein ®orn im Stuge, unb bie 
^eimlic^feit, mit ber man bie ©ad^e anfangs bef)anbelte, fonnte 
fein DJZiBtrauen nur fteigern. Son ber angeblid)en ©id)er^eit 



12 

gegen ha^ ^on^it, bie er öon ^aifer Ä'arl erfialten f)aben tüottte, 
xoax feine 9flebe. §etnric^ erftrebte fie öielme^r mit aller ^raft. 
©obalb i^m bie S^od^ric^t bon bem beabficfitigten g^rtebenSfongrefe 
äugefommen ttjar, Ijatte er einen S3oten nacf) Spanien obgefertigt, 
ber um ben 12. Sonuar om !aiferlic|eu §ofe eintraf, i») 2)er 
^önig lieB bem Äaifer auf ba§: beftimmtefte erttären, ha^ er nie 
in ein Äonjil tt)illigen merbe, ba§i ber ^apft berufen ^aht. S)ie 
5lutorität, bie ber 58ifd)of üon 9^om beanfpru(f)e, fei eine Ufur= 
pation, bie fonftantinifd^e @(f)enfung ein betrug. 12) ©tatt be§ 
^ap[te§, ber ftetS ^arteilid^!eit belüiefen, möge ^arl felbft, mie 
it)m gebühre, ta§> ^ongil berufen, unb alle mürben fommen. 3"tn 
©d^IuB [teilte er ben Eintrag, ber Ä'aifer möchte aüe früheren 
SSertröge mit (Snglanb beftätigen, b. ^. §einric^ @i(f)er{)eit gegen 
ben ^apft unb ba§ ^on^il öerfpred)en. Sn einem Sc^riftftüde, 
ba§ ber ©efonbte ^arl überreid^en mollte, tjotte |)einrid^ feinen 
©tanbpunft ausfütjrlid) begrünbet; äugteid^ mürbe eine gmeite 
S3otfc^aft .^einrid)§ über bie ÄouäilSangelegen^eit in ?Iu§fic^t 
geftem.i3) 

3)er ^aifer tel)nte bie 5Inno^me be§ @(f)reiben§ ab ; ber ®e* 
fanbte m'öd)k e§ nac^ ©ranoellaS Üiücffef)r biefem überreichen. 
Sn ber Slntmort gab man bann bie ©rflörung ah, menngteid^ 
bie taifer in alten ßeiten ^äpfte ein= unb abgefegt t)ätten, fo 
motte boc^ ^arl feinen jüngften SSorgöngern folgen; ^JJeuerungen 
in biefem fünfte fei bie ßeit nicl)t günftig; überbieS fei er ge= 
bunben burd) feine in Stugsburg unb 9flegen§burg gemachten ß\i= 
fagen unb ben Umftanb, ba^ er felbft bie Snbiftion be§ ^on^ilS 
betrieben f^aht. Über bie unbequeme gorberung be§ englifd^en 
Königs l^olf man fic^ mit bem unoerbinblic^en 5ßerfprec^en ^in* 
meg, ber ^oifer motte öerljinbern, baB auf bem Äon^il ^einric^S 
berechtigte Slnfprüc^e ober (S^re berührt ober bi§!utiert mürben. '4) 

^arl mar in ber peinlicl)ften S5erlegenl)eit. S)a§ ganje @e^ 
bal)ren be§ frangöfifc^en Äönig§ lieB barauf fc^liefeen, ha^ er in 
nic^t att§uferner ßeit bie Erneuerung be§ Krieges beabfidjtige. 
2)aju famen au§ 2)eutfc^Ianb beunrul)igenbe 9fJacl)ric^ten : bie 
^roteftanten fottten eine ©cl)itbert)ebung beabfic^tigen, um bie 
beutfc^en ^ati)olifen am ^efucfje be§ Äon^ilS ju l)inbern. i^) 
Sßortrepcl) mirb bie 9iatlofigfeit be§ taiferS burc^ bie Slnfrage 



13 

illuftriert, bie er buri^ feinen ©efonbten 31guilar unb ben Legaten 
Socobacci an ben ^apft ridjten liefe, auf ftelc^e SBeife biefer ben 
SBiberftonb ber beutfrfjen ^roteftanten gegen ha^ ^ongil gu 
bred^en gebenfe. @r liefe it)n bringenb auffotbern, boc^ ja ni^t 
ben ©ebonfen an ba§ ^onji! aufzugeben unb gelobte, »enn e§ 
nötig fei, fetbft §u fomnien. ©er Segat mufete it)m üerfpred^en, 
ttjenn O^ran^ fic^ ni(i)t ujenigfteng berpflidjte, i)ü§> ^onsil nic^t 
§u ftören, fo njoße man gegen i'^n üorge^en. •ß) 

3n S^om ^atte mon unterbeffen mit ben 35o -bereitungen be= 
gönnen. 5Im 7. Sanuar l^atte ^au( III. eine 3)eputation öon 
neun ^arbinölen ernannt, i'j S)ie f)eröorragenbften unb reform= 
freunbli duften SJJitglieber be§ ^onfiftoriumS gehörten if)r an: 
ßontarini, ©obolet, ^ote, ßaraffa, ©imoneta, ßampeggi, ©^inucci, 
ßefarino unb 2;rani. Unter it)nen I)atte ßampeggi bie ©roöamina 
ber beutfd^en 9lation, Sontarini bie bogmatifdjen t^ragen §u be= 
arbeiten. ®er (entere bitbete fic^ eine Kongregation öon -i;t)eo= 
logen, mit benen er ^äufig ^Beratungen ^atte.i*) 9^ad) 35icen§a 
tüurben bie S3ifd^öfe öon Sf^eggio unb SSerona gefanbt, bamit fie 
in ber Kongilsfiabt afle§ ^um (Smpfange ber ^tätaten öorbe= 
reiteten. ^^) 

2)ie S^iad^rid^ten, bie in§tt)ifd^en in 9lom einliefen, maren in= 
beffen nic^t§ weniger al§ ermutigenb. Sie beiben päpftlid^en 
©efanbten am fransöfifc^en §ofe, ber 9Zuntiu§ g^errerio unb ber 
Karbinaltegat Garpi, beftötigten burd^au§ bie !aiferlid^en S3eri(f)te 
öon ber Slbneigung be§ 5lönig§ gegen ha^» ßon§it;-^) jugleic^ 
aber roufete ber 3Sertreter 5ran!reidj§ an ber Kurie bie Steigerung 
feine» .^errn fo öortreffüc^ gu motioieren unb bagegen bie ^Ih' 
fiepten be§ Kaifer§ in eine fo ungünftige 33eleurf)tung §u rücEen, 
ha'^ ^aul III. fagte, er tt?äre mit ben gegebenen (Srflärungen 
burd[)au§ aufrieben; ba§ SSorget)en be§ KaiferS in ber KonjilS^ 
fac^e fönne er nitf)t billigen; ba§ feien S)inge, bie if)n, ben ^apft, 
allein angingen. 2') 

SDie bringlid^ften Sitten, bod^ ja nid^t in bem (Sifer um ba§ 
Konzil nad^julaffen, famen oom §ofe be§ KiJnigS ^^erbinonb. 
^er König felbft, §erjog @eorg oon @ad^fen unb tiiete angefe^ene 
tatt)oIifc^e ©elel^rten n)irften eifrigft in biefem <Bmm.-') SlHein 
trelc^e görberung tonnte man au§ 2)eutfd^tanb in 2Bir!lid^feit 



14 

für bQ§ ^on^il erwarten? 2)te Prälaten, auf lüeld^e e§ bod^ öor 
allen S)ingen an!am, geigten fic^ lau unb machten nid^t bie ge= 
ringften 51nftalten jur Stbreife. 23) gjicfit einmal bei feinen eigenen 
©täuben öermodjte gerbinanb einen ber Sefdjicfuug ber SSer- 
fammlung günftigen 23ef(f)tuB bur(i)^ufe|en. 2Bäf)reub bie Utra* 
quiften al§ ©runb i^rer SSeigerung eine gepffige ©c^rift be§ 
S3ifrf)of§ gaber öon SBien t)orfd^ü|ten, erftärten bie Slltglöubigen, 
ba fie bereit »äreu, fic!^ allen S3ef(i)Iüffen be§ Äon§il§ gu unter* 
roerfen, fo hielten fie it)rerfeit§ ben S3efucf) be§fetben für über= 
ftüffig.2i) Siefelbe Ö51eid)gültigfeit jeigte fic^ aüerorten. ©anj 
äu f(i)tt)eigen öon ben entfernten Säubern, trafen uic^t einmal bie 
SSiceuga ^unäc^ft mo^nenben S8ifd)öfe, aud) ni(^t bie be§ Äird)en= 
ftaote§, SSorfe^rungen, bem Sfiufe i^re§ £)bert)irten gu folgen, ^^j 
S((§ auf einer SSerfammluug ber fi^tuei^erifdjen fat{)oIijc^en Orte 
Untermalben anfragte, ob man bem ^apfte auf bie 33erufung 
§um ^on§it fd^riftlid) antmorten moüe, ba lautete ber S3efd)(u6: 
„^^eimsubringen unb auf bem Xage in Saben Stntroort 5U geben".26) 
9J?an glaubte offenbar immer noc^ nic^t an bie 5lufrid)tigfeit ber 
S3emü^ungen be§ ^apfte§. ©er 9luntiu§ SJJorone, ben bie 9^ot 
ber beutfd)en ^iri^e ju einem entfc^iebenen greunbe ber ^onäil§= 
ibee gemaci^t tjatte, fc^rieb nac^ Sf^om, bie §anblungen be§ ^apfteä 
mürben fd)on je^t auf bie übetfte SSeife interpretiert; menn man 
nid^t allen ^rebit öerlieren motte, fo muffe man ba§ Äonsil unter 
ollen Umftönbeu an bem feftgefe|ten 2;age eröffnen. 27) 

@§ fc^ien in ber %üi, al§ ob man in 9flom unbefümmert 
um bie Ungunft ber ßeiten auf bem einmal betretenen SBege 
fortfc^reiten moHte. 5lm 20. ÜJJärj 1538 ert)ielten bie brei ^ar= 
binäle Slleanber, ©ampeggi unb «Simoneta im ^onfiftorium ben 
Stuftrag, am 1. SKai bie Eröffnung be§ Äonsil^ in SSicenja oor= 
§unet)men. 2^) 2)oc^ mar ha^ nur eine S)emonftration. Sn ben= 
felben STagen (23. Wäx^) fonnte Slguilar fd)on bem Äaifer berichten, 
bafe bie Eröffnung oor ber 33egegnung jmifd^en ^arl unb ^ißaul 
nid)t ftattt)aben merbe. ^o) SBirüic^ erliefe ber ^apft am 25. Slprit 
oon ^iacen^a au§ eine S3ulle, 3<j) 'öa'^ ba§ ^ongil auf ^arbinal§= 
befc^lufe am 1. Mai nic^t ^n eröffnen fei. Slud^ nod) biefem 
Xage follte man nur auf au§brüdlid)en päpftlid^en 93efet)t be= 
ginnen, ©ie @rmat)nungen an bie S3ifd)öfe, il)re 5lbreife nac^ 



1& 

SSicenja ju befd)Ieunigen, tüurben eingestellt.^') 2ßenn tro^bem 
bie brei Segoten am 12. 3JJai it)ren feierücfien ©injug in bie 
^on^ilgftobt hielten, \o ging berfetbe unter bie[en Umj'tänben in 
feiner Sebeutung !aum über biejenige eine§ SSoIf§fefte§ ^inau§.32) 

S)ie Stugen aller ÄonsilSfreunbe njaren narf) 9^iä§a geriditet, 
njo fid) in eben biefen Ziagen bie gro^e Begegnung §n)ifd)en bem 
^apfte, bem Äaifer unb bem Könige üon granfreirf) oorbereitete. 
^aul III. t)atte fie ou§ Derfcbiebenen ©rünben mit adem (Sifer 
betrieben; Äart, ber anfangt am üebften oI)ne '^krmitttung be^ 
^op[te§ mit granfreic^ abgefc^Ioffen f)ätte, mar nac^ bem ge^I= 
fd)Iage öom Januar frot), fie erreicht §u t)aben, unb auc^ S^anj 
mürbe burd^ ba§ 93ebürfni§ nad^ gerieben oeranlafet ju fommen. 
(So burfte man t)offen, boB ba§ .Hauptproblem be§ ^onüente§, 
bie .^erftellnng be§ griebenS, äu irgenb einer Söjung gelangen 
merbe. 

SSie aber ftanb es in biefem StugenblicEe mit ben ^luSfid^ten 
für ba§ ^onjit? Sie proteftantifd)en ©egner besfelben, fomie 
©efanbte §einrid)§ VIII. unb grans' I- ^«^tten fid) noc| jüngft 
auf ber SSraunfdimeiger Xagfa^rt be§ f(^maltalbijc^en S3unbe^ 
gum S3ef)arren auf bem einmal eingenommenen ©tanbpunfte er» 
mo^nt.33) 33efonber§ entfc^ieben trat mieber ber Äönig öon 
(Snglanb auf. Sog ^on§il mar, mie ber foiferlid^e ©efanbte 
gl)aput)§ an bie Königin SJJaria fd)rieb, ba§, ma§ it)n om meiften 
beunruf)igte.3^) Sei bem öenetianifd)en ©efretör bef tagte er fic^ 
bitter, bafe bie ©ignoria feinem Ijeftigften geinbe, bem ^apfte, 
S^icensa bemiUigt IjüU.'^^) (Sr !onnte e§ nic^t faffen, mie ^arl 
il)m eine foldie Seleibigung zufügen !önnte, ba§ ^onjil gu be- 
treiben, ba§ il)m, |)einric^, nur ©c^onbe unb S^ac^teil bringe. 
Sn feierlirfjen @cl)reiben an bie dürften legte er nocf)mal§ feine 
@rünbe bar unb proteftierte in oller ^Jo^nt gegen \)a^ ÄonäiL^^^ 
Sobei mürbe er immer mieber aufgereiht öon bem frouäbfifd^en 
Könige, ber feit ben ergebnislofen SSer^onblungen üon ßeucote 
nic6t auft)örte, ^einrid) ouf bo§ intime @int)erftänbni§ §mifd)en 
^oifer unb ^opft oufmerffam su mad)en. ^'') ?iod) am 9. 3uni, 
mäljrenb gron§ bereits eifrigft mit Äorl unb bem ^apfte Der* 
^onbelte, lie^ er |)einrid) onbteten, gegen bo§ SSerfpredjen einer 
^rieg§l)ilfe moUe er feint ©inmitligung jum ^onsil oerfagen.^») 



16 

@o tüenig ernft e§ it)m nun aud^ mit ber Erneuerung be§ Kriege! 
gett)efen fein mag, fo blieb er bod) in ber ^on§i(§frage bei feiner 
früheren Haltung. ®em Strängen be§ ÄaiferS, ber mit ber 
feften 5Ibfi(i)t nod^ S^i^ga gefommen mQr,^^) bog ^on§iI burd^* 
^ufe|en, t)ielt er ftanb; lad^enb te^nte er jebe 5SerpfIid)tung obA^) 
2)ie Einträge be§ ^ap[te§, beibe g^ürften follten am ^on^il teil= 
nef)men, it)re Prälaten, bie fie bei fic^ t)ätten, fogleic^ nod^ SSicenja 
fcf)ic!en unb ben anberen in ber §eimat gebliebenen ben S8efe|( 
^ur 5lbreife geben, fielen natürlic!^ gänjlid^ unter ben jEifd^.^i) 
©ogar ^arl fd)eint bie§ öon feiner ©eite al§ unerfüllbar be= 
geid^net ju l^aben. @§ blieb ni(i)t§ meiter übrig, ai§> bie ^onjitS* 
frage gufammen mit einigen anbern ^rojeften einer fpöteren 
Söfung ju übertaffen. 

SSo§ gunädift gu tun fei, barum l^at fic^ O^rang ougenfc§ein= 
lidf) nicf)t meiter be!ümmert; ba§ moc{)ten ^aifer unb ^apft unter 
fid) abmad^en. ^m 20. Suni begob fic^ ^aul oon ^i^ia au§ auf 
bie ^eimreife; in ^Biüafranca fdjtoB fid) ^arl mit feinen ©aleeren 
it)m on.^'^) 5luf ber gemeinfamen ^at)rt nacE) @enua gebad)te er 
fidt) mit bem ^apfte barüber ju oerftönbigen, mie e§ nun mit 
ten nodt) fd^mebenben 31ngelegent)eiten, bem ^ouäit, ber (Stellung 
gu ben ^roteftanten unb bem Xürfen!riege gu {)alten fei. Sn 
S3e§ug auf ha§: erftere fud^te er bon ^aul eine SBürgfdjaft ju 
erlangen, menn etma g^ranj ben 23Soff enftill ftanb brädie.*^) Sn 
melc^em @inne ift leidet ^u erraten: ber ^apft follte üerfpred^en, 
in biefem g^alle ba§ Äongil tro|bem gu !|alten unb e§ ^um S5or= 
ge^en gegen ^rang §u üeranlaffen.-*^) Sauge fonnte $aul gu 
feinem (Sntfd)tuffe fommen ; er mod)te mot)t S3ebenfen tragen, fid^ 
gang bem (Sinftuffe ^arl§ tiinjugeben, jumal er nod^ Üirglid^ 
5Rad^rid)t erf)alten ^atte, t)a^ ber ^aifer mit ber 2Bat)t ^icenjag 
at§ ^ouäilSort !eine§meg§ einoerftanben fei. 4"') DfJod) im legten 
Slugenbtide trug er fid^ mit ber Hoffnung, mit einer S5erfd)iebung 
be§ ^ermine§ um menige SDionate auszukommen, ^ß) ®rft al§ 
fidt) biefer ?lugmeg al§ ungangbar ermie§, fd^eint er fid), um eine 
2Biebert)olung ber jüngften Sorfommniffe gu üermeiben, für eine 
©ufpenfion auf unbeftimmte ^eit au§gefprodE)en ^u ^oben. S)iefe 
mar nun mieberum nid)t nad^ ^arl§ ©inne. @r mie§ barauf 
I)in, ta^ alsbonn bie ©emöBigteren unter ben 5lbgemid)enen an 



17 

ttm ^on§i( üer^toeifeln, bie öerftocften bagegen nur noc^ ^art= 
nöcfiger toerbrn toürben unb tüünjd^te eine i^ertogung längften» 
bi§ ^n ben gaften be§ närfjften Sat)re§.-'^) Slm 23. 3uni ft)ar 
man no<i) ju feinem Sfiejultot gelangt.^*) SDq trafen am folgenben 
!Jüge in ©eiiua 33riefc gerbinanbg an ßarl unb ÜKoroneä on 
ben ^apft ein.^'*) (Sie berid^teten t)on ber gänglic^en Stu§ftd^t§' 
lofigfeit be§ 33emü^en§, bie ^roteftanten für ta§> ^on^il ju ge= 
tt)innen, aber jugleid^ öon einem 33orfcötag bei Äurfürften 
Soad^im IL üon Sronbenburg, burd^ gütlidje ^ert)anblungen gu 
dnem SlusgleicJ) ju gelangen. 5)a ju gleid^er ^dt ou§ SSicenja 
Sf^a^ric^t fam, ta'^ bie Äongilslegaten bort immer noc^ allein 
feien, fo erfc^ienen bie Slnerbietungen be§ §o{)en§oIIern, bie 
l^erbinonb Iebf)aft befürwortete unb benen ber 9fluntiu§ njenigftenS 
nid^t bireft lüiberfprad), ben beflen SluSn^eg aus ben gegenujörtigen 
Kalamitäten ju bieten. SJJan einigte firf) alfo bat)in, ben ^orbinal 
WIeanber al§ Segaten gu ber ^onforbienüerijanblung nac^ S)eutfd)= 
lanb §u fenben ^o) unb ba§ ^ongil p oertagen. 9bc^ in ©enua 
fanb am 28. Suni bie ^arbinalsfongregation ftatt, in ftjetd^er bie 
S^erabrebungen §tt)ifd)en ^aifer unb ^apft jum SSefc^Iufe ertjoben 
ujurben. 5Il§ Xermin für bie Eröffnung be§ ^ongilS ftiurbe 
Oftern 1539 feftgefe^t.^i) 5tl§ ©rünbe für bie S^ertagung gab 
mon an, bafe beibe ^errfd^er augenblidlid) oerf)inbert feien, ii)rem 
S3unfd)e gemäfe beim ^ongil zugegen ju fein, ferner bie Hoffnung 
auf einen balbigen befinititien gerieben gmifdien 3^ranfrei(^ unb 
bem ^aifer, bie gur ßeit in 5Deutf(^Ianb beftef)enben ßroiftigfeiten, 
meiere Slarl unb g^erbinanb burd) UnionSüer^anblungen glaubten 
befeitigen ^n fönnen, bie Xürfennot, fon^ie enblid) ben Umftanb, 
iia^ xiod) niemanb öon ben ^rölaten in SBicenga erfd^ienen fei.^-) 
2)ie offijieEe äJJitteilung ber getroffenen SQJaBregel bur^ bie 
^rorogationSbulIe gefd^at) erft einige 9}Jonate fpöter. ^oc^ mürbe 
ba§ Ergebnis ber ^Riggaer SSertjanblungen in furjer 3^it betannt. 
S)en geinben ber ^urie mar bie ^unbe nur eine SBeftötigung ber 
löngft gewiegten Slnfic^t, ta^ ber ^apft ba§ Äongil flietje^^). \)[q 
«ifrigen i^at^olifen maren auf ta^ fc^merälic^fte enttäufc^t.s^) 
dagegen erflörten bie ^urialen, allein bie ßmietrac^t ber i^ürften, 
iiid)t ber ^apft trage bie ©c^utb. (S§ gereicf)t nic^t jum 9Zac^= 
teile ^aul§ IIL, baB ouc^ TiäuMV raie ©abolet, benen meber 

Sorte, flonjiUpoIittJ flortä V, 2 



18 

93Iinbf)eit nod^ @(ei(i)gültig!eit gegen bie ürc^üd^en unb furialen 
SQJiBftänbe nad^gefagt toerben !ann, entfc^ieben biefe Slnftd^t öer=> 
treten. SS) 3n ber %at, jolange man nic^t bie 2lufric^tig!eit ber 
S3emü{)ungen ^aul§ um ben gerieben in ßroeifel gie^t — unb 
man ^at feinen ©runb ba^u — , barf man aud^ ntd^t ofjne 
n)eitere§ feine ^Ibfid^ten in 93etreff be§ ÄonjiI§ öerbüd^tigen. 
Stnbererfeit§ aber ift bie (SrfoIgIo[igfeit feiner Steife ougenf(f)einIi(^ 
nic^t o^ne 2Bir!ung auf i^n geblieben. Wit feit Seginn feinet 
^ontifitatS lüaren bie poIitifcf)en SSer^ättniffe ber Sege^ung be§ 
ÄonjilS fo günftig geloefen, tt)ie in ben Ie|ten 9}?onaten. Zxo1§^ 
bem maren bie mit fo großem Slpparat in ©^ene gefegten 3Ser* 
^anblungen gefd^eitert. ^aifer ^ar( fomo^I mie Äönig ^^ran^ 
l^atten fid^ unfät)ig ben)iefen, ber ßöfung be§ religiöfen ^robIem§ 
guliebe etma§ oon i{)ren poIitifdEien 5lfpirotionen aufzuopfern. 
Sßon ber ^ortfe|ung ber SSer^anblungen in 9flom lieB fid) fein 
befferer SluSgang erwarten. S)amit mar aber gugleid^ ba§ Uni= 
tierfalfongil, mie ^aul e§ münfc^te, unmögtid^ geworben. Unb 
weiter: ftanb bie§ feft, bann mar e§ ein einfaches @ebot ber 
^lug'^eit, nid^t fernerf)in burdE) erneute fröftige Snitiatiöe bie 
@emüter ber ^at^olifen aufzuregen unb ben Spott ber ^e^er 
I)erau§5uforbern, fonbern bie @ntroicf(ung ber S)inge ab^umarten, 
um gegebenenfalls ber ganjen 51ngelegenf)eit ein möglidt)ft unauf* 
fälliges @nbe ju bereiten. 



Mtxkt leiL 



Su« 1538 6i§ ^luguft 1539. 

@rf)on n)ö{)renb ber ©enuefer SSert)anbIungen mit bem ^apfte 
xoax bei Äaifer§ Snterefje öoräüglic^ bem 5::ürfen!riege gugeiüanbl, 
ben er im nöc^ften 3at)re im 93unbe mit ^aul, feinem ©ruber 
g^erbinanb unb 58enebig gu unternehmen gebadete. '^ß) ®ie 2(u§= 
gteic^Söer^anblungen mit ben ^rote[tanten liefe er fidE) be§t)alb 
gern gefallen. ®ie nä(f)ften ©reigniffe brängten if)n auf biefer 
33a^n meiter: Sn 5{igue§=3JJorte§ gelang e§ i^m, bie ^uftimmung 
unb ha§> 93erfprecl^en ber Seit)ilfe be§ fran^öfifc^en ßönig§ ju 
feinem SSorI)a6en ^u gett)innen,^') unb al§ er in Sar^elona anfam, 
fanb er bort 5Ra(^rid)ten oon feiner ©i^mefter SO^arie, ber @tott= 
i)alterin ber 91ieberlanbe, oor, bafe ber ßanbgraf ^^ilipp oon 
Reffen bereit fei, gegen öorläufige ßurücffteUung ber 9ReIigion§= 
angelegen^eit üon anbern ^raftifen abjuftetien unb gegen bie 
dürfen §u Reifen. ^^^ 

Smmertjin mar ^arl meit baoon entfernt, ben ^onforbien^ 
plan mit befonberem Sifer §u üerfolgen; in feinen 5(ugen blieb 
öie(met)r ha§: ^onsil ba§ einzige, ben ©c^äben ber ßeit ent= 
fpred)enbe Heilmittel 5ßon oorn^erein liefe er feinen ß^^if^^^ 
barüber, ta^ er fobalb al§ möglid) feine S3emüt)ungen bafür 
erneuern mürbe. SSir miffen fc^on, wie er fic^ bem ^apfte gegen= 
über gegen einen längeren ?luf|c^ub auSfprac^; feinen ©efanbten 
in 9^om beauftragte er, bie genoue StuSfü^rung ber ©enuefer 
93efd)lüffe ju überwachen. ^^-9) i)em engüfd)en ©efanbten, ber fic^ 
nad) ber Ülüdfe^r nac^ ©panien mit aüerlei 93efd)merben über 
bie ^^i^gaer SSertröge einftellte unb oon neuem eine iSict)ert)eit 



i>* 



20 

forberte, ha'^ man auf bem Äon^il nid^ts gegen feinen Äönig 
unternehmen ttjerbe, erflärte man runb ^erau§, bafe Äarl je^t fo 
tnenig mie früf)er ein fo unöernünftige§ S3eget)ren erfüllen fönne.^o) 

©ans fo mie ber ^aifer backte fein Sruber gerbinanb; fo 
fe{)r bie Prorogation be§ ^ongilS feinen augenblirf ü(^en SBünfd^en 
entfprocf), fo mar er bod) burd^auS gegen ein 5tufgeben be§ ^on^itg» 
;)Iane§, f(f)on au§ bem ©runbe, um bie ßut^eraner in i^urc^t ^n 
Ijalten unb fie um fo geneigter gu ßiigeftänbniffen in ben beoor= 
ftet)enben 5ßer^anblungen ju ma(f)en.*^') 

(5§ gemann fogar ben Slnfd^ein, at§ ob oud^ ^önig 5ran§ 
feine bi§{)erige Haltung in ber ^onjilsfrage aufgeben unb ent= 
fpred^enb ben empt)atif(^en ^reunbf(f)aft§oerfic^erungen, meldte bie 
beiben SQionarc^en in 5ligue§ - 9}Jorte§ ou§getoufd)t fjatten, feine 
^oüti! änbern moüe. 51I§ am 12. 3tuguft ©efanbte aui SDönemarf, 
©ad)fen unb Reffen if)n mieberum baten, feine ©inmitligung ^um 
^on^il gu öerfagen, ba entgegnete er mürbeöoll, e§ fei gegen 
feinen @ib at§ atlerct)riftlid)fter ^önig, in irgenb einer 2Beife 
bie ©elebration be§ ÄongilS in tjinbern; er fü^Ie fid| im ®egen= 
teil öerpfliäitet, baSfelbe nad^ Äröften ju förbern; bie ^roteftonten 
fottten ha^ gteidje tun: fo menigften§ er^ätilte ^^ronj felbft bem 
faiferlid)en ©efanbten.'^^) 

Sn ülom galt e§ unterbeffen, ber SBelt bie in ©enua gefaxten 
93efd^tüffe nebft it)ren öemeggrünben mitzuteilen. 5lnfong 5tuguft 
tüurbe bie Prorogation ben Segaten in SSicen^a offiziell be!annt 
gegeben unb i^re SJJiffion bamit für beenbigt ertlärt.*^^) (Sinige 
SSoc^en fpöter mürben bann allgemein bie päpftlic^en 9iuntien 
mit ber ^ublifation ber ^rorogationgbuüe beauftragt. 6*) @§ 
fd^eint, bafe man babei auf @(f)mierig!eiten geftofien ift. 2tuf= 
fäüigermeife t)bren mir nömlid^ im Oftober oon einer §meiten 
SSerfenbung ber Suüe unb erft bann oon it)rer SSerbreitung.^^) 
9Kan barf mof)I öermuten, baB ben gürften ha§> erfte 9JJaI bie 
f^affung ber ^rorogationSbuUe nid^t §ufagte unb fie be§t)alb bie 
5SeröffentIid)ung able^nten.f'ß) 2)aB jeboi^ bie ^onäi(§angeIegen^eit 
nid^t in SSergeffenl^eit geriet, bafür forgten bie beutfd^en ^roteftanten. 
5(m 11. Dftober fam nömlid^ ein ©direiben Slleanberl au§ ßinj") 
an, \>a§i t)öd^ft unangenel^me SfJad^rid^ten über bie mit jenen ein= 
geleiteten ^onforbienüerl^anblungen bratf)te: bie ^e|er Ijötten fid^ 



21 

gtüar bQju bereit erüärt, aber unter ber Sebingung, baB bie 
^urfürften öon Sranbenburg uub öon ber ^fofj ^u SSertretern 
be§ Äaiferg unb 5^önig§ mit unbefc^ränfter 35oümac^t ernannt 
toürben, bamit man mit i^nen bie ®Iauben§facf)en unb bie mit 
bie Jen jufammen^öngenben SRaterien jum QSertrage bringe; ferner 
f)ätten [ie für bie ßraifcfiengeit ©ic^erfjeit gegen einen etmaigen 
Singriff geforbert; unb ha^. aüeS, o^ne be§ ^apfte§ auc^ nur 
@rtt)öt)nung §u tun."*) 

®er 5(Ieanberf(i)e Sttarmruf fonnte feine SBii!ung ni(^t t)er= 
festen. S^ocf) an bemfelben Xoge erfolgte jene — oben ernjätjute 
— erneute ißerfenbung ber ^rorogationSbuüe unb be§ S3reoe§,«9) 
ba§ ben Sluntien bie SSeroielfättigung berfetben burc^ ben ®ruc! 
auftrug. 3"9le^^ erl)ielt ^oggio, ber 9fluntiu§ am taifer{)ofe, 
Slntoeifung, beim ßaifer bo^in ^u mirfen, boB er bie SSermittlung 
ber beiben ^'urfürften unb übertjaupt jebe 3Sert)anbIung über bie 
S^teligion ablet)ne unb ftatt beffen bie Sut^eraner auf ba^ no^e 
Äongil oertoeife.'O) 

STiamit glaubte man in 9?om aber aud^ genug getan gu {)aben. 
2)a§ Sntereffe be§ ^apfte§ toar anbern fingen gugemaubt. |)aupt= 
föd^Iid) nahmen bie Unternel^mungen ju SBaffer unb ju Sanbe 
gegen bie 2;ürfen unb bie 3^rieben§üer!^anblungen gmifc^en ^aifer 
toi unb granfreicf) feine Stufmertfamfeit in Slnfprud). 2)er Xob 
be§ §er§og§ g^ranceSco 9J?aria öon Urbino bot if)m ermünfi^te 
©elegenfieit, feinem @nfel Ottaüio, ben er foeben mit SJiargareta, 
ber Xod^ter be§ ßaifer?, öermä^It t)atte, bie ©tabtpröfettur oon 
9?om gu öerfd^affen unb bem ©oI)ne be§ SSerftorbenen, ®uibo= 
balbo IL, bie ^errfc^aft (Somerino abzujagen. 5Iuc§ mit ben 
(Sfte in g^errora galt e§ eine feit langem beftel)enbe ©ifferenj 
aulgugleidien. (Segen @nbe be§ Sal)re§ fc£)uf ^aul fid^ eine neue 
SSerlegenl^eit, inbem er ben lange öorbereiteten Kirchenbann gegen 
ben König öon (Snglanb enblicf) au§fprad) unb fic^ nun nacl) 58ott= 
ftrecfern be§felben umfe^en mu^te. SSon allen biefen fingen, 
fomie ben 5ßerl)anblungen mit ben ^roteftanten, maren bie ©riefe 
^ornefe§ ben SBinter über öoü; be§ Kon§iI§ gefcl)at) mit feinem 
3öorte (Srmöf)nung. 9SergIeicf)t man bamit bie Haltung be§ 
^apfte§ im öor^erge^enben Sal)te, fo erfennt man leidet bie 
5Ibfi(^t: man motite öerfuct)en, bie Kouäitgfaclje burc^ SSerfc^Ieppung 



22 

unb Ssnorierung aHmäl^tid^ au§ ber SBelt ju j(^Qffeii.'') Sn 
^lufe fam bie Stngelegent)eit erft lüieber um bie SJJitte gebruar, 
atfo rei(f)Iid^ IV2 S^'Jonote öor bem für ben Seginn ber $ßer= 
fammlung feftgefe^ten STermine. 

S3ereit§ gtetdt) nad^ ber SSerfenbung ber ^rorogotionsbulle 
l^Qtte man Slarljeit über bie Stellung ber frongöfifd^en 0?egierung 
gum ^ongilsprojeft erijotten. SBieber mie bei ben 9Serf)anbtungen 
t)on Seucate unb ^li^a i)Qtte SDtontmorencQ bem 9luntiu§ '^tvxtxio 
erflört, ot)ne bie ?Ibtretung SOJailanbS fei an ^a§i ßon§i( nid)t ju 
benfen; ja fogar bie SSeröffentlic^ung ber Suüe t)atte er öer= 
weigert. '^■■2) Sm Sonuar 1539 brachte bann Satino ©ioüenale, 
ber mit befonberen 5lufträgen öon ber l^urie nac^ g^ranfreid^ 
gefd)icEt ftiar, ba§ Äonjil in ©rinnerung.''^) 2)ie ?lntmort fiel 
ganj fo au§, mie man fie erwartete: O^ran^ fagte, nacf) feiner 
SJJeinung fönne mon fid) üom Äon^il feinen ©rfolg üerfpred^en, 
toenn nid)t oortier ^rieben gmifd^en i{)m unb ^arl gef(^Ioffen fei 
unb beibe für bie S3eobad)tung ber ^onjilsbefd^Iüffe einträten."*) 
^a§ npar bie alte ?Intmort in neuer 3^orm; ben ^arbinat=@taats= 
fefretör aber befriebigte fie üoüfommen.'^) (£r beeilte fi^ ^oggio 
unb Slleanber baöon in Kenntnis ju fe|en, unb lieB äugleid) ben 
©ouöerönen, bei benen fie offrebitiert n)oren, anfünbigen, ta"^ ber 
^apft eine meitere Sßertagung nid^t beabfic^tige; biefelbe mürbe 
nu^IoS fein unb ben 5SerIeumbern ©r. ^eilig!eit nur neuen Slnto| 
bieten, i^re 2öut an if)m auSguIaffen (exercitare la loro rabbia)."^) 

5W§ bie Slurie biefe @rf(ärung erlief, brau(^te fie fd^on feine 
S3efürgni§ me^r cor unermünf(^ten SSirfungen §u ^oben: bie 
politifc^e Sage mar ber Segef)ung be§ ^on§iI§ benfbar ungünftig. 
^er Ärieg gegen bie dürfen ^atte mit einem großen SJ^i^erfoIge 
gur (See unb neuen g^ortfc^ritten ber Unglöubigen in ber 9JioIbau 
begonnen. Umfome^r galt e§, bie 9)?ittel für eine fräftige ^rieg= 
füf)rung im grüfjting ju erlangen. 5lber bafür maren meber 
bie 6orte§ nod) bie ©täube g^erbinanbg gu f)aben: fd^on feit brei 
3J?onaten unterfianbelte ^arl üergebtid^ mit feinen ©rauben, unb 
bie ®rblanbe be§ römifd^en ^önig§ machten if)re 23eminigung öon 
ber üorf)erge^enben ßufage einer 9?eid^§f)ilfe abf)ängig.'') ^on 
bem ol^nmöc^tigen fatf)oIifd^en Sunb mar nid)t§ gu erwarten; 
mof)I aber mar bie ßuft öoU öon ben bebrof)tid|ften @erüd)ten 



23 

über agqreffiüe 5Ib[ic^ten ber ^roteftanten. SlüeS bie§ oeranlo^te 
ben ^aijer, bem fortgefe^ten ©rängen feinet 33ruber§ nadj^ugeben 
unb and) jeinerfeitS mit größerem (Sifer al§ ^u Einfang auf bie 
Ä^on!orbienöert)anbIungen, bie im ©ommer einen guten g^ortgang 
genommen Ratten, einjugeljen. 9^id)t al§ ob ^arl unb g^erbinanb 
geneigt gen^efen mären, ben ^roteftanten aucf) nur t)albmeg§ bem 
mir!Iicf)en ©tanbe ber SDinge entfpred)enbe ^^^onjelfionen §u mad)en. 
Umfomefir aber mar e§ nötig, oIIe§ gu öermeiben, ma§ irgenbmie 
bei jenen be" oerbad^t ermetfen !omite, al§ ob e§ ben beiben 
gür[ten mit i{)rer angebli(f)en griebenSliebe gar !ein rechter ©ruft 
fei. 3)a^in get)örte, ba| man fid^ i^ren SSünfc^en betrep ber 
9}?aIftott ber SSer^anblungen unb ber g^ernfialtung be§ päp[tlid^en 
@influffe§ fügte. 2)of)in get)örte auc^, ba^ man ben früt)er be= 
miefenen @ifer in ber ben ^roteftanten miberroärtigen Ä'onji(§= 
fad)e bampfte. 

Slm 24. Dftober 1538 t)atte ber 9luntiu§ ajlignanelli bie 
^rorogationsbulle eriialten; am 2. SfJoüember überreichte er fie 
bem Könige, gerbinanb gab junäd^ft bie beften 3Serfid)erungen : 
menn bie ßeit t)erannaf)e, merbe er nid^t üerfet)Ien, feine iPflii^t 
5U tun.'*') 5lber fc^on nad) menigen Sßodjen änberte er bie SEon= 
ort; ftatt öom ^'on^il fing er an, oon bem bringenben S3ebürfni§ 
nac^ einer 3f?eform ber ^ird^e §u reben, mie er fie ftet§ erftrebt 
t)abe; in it)r liege augenblidtid) ba§ einjige Heilmittel; bagegen 
lobte er bie Prorogation be§ Äon^itS al§ etma§ Unüermeiblic^e§. 
SfiatürücE) oerftanben 5tleanber unb StJiignanefli fet)r gut, ma» ber 
Äönig noc^ unauSgefproc^en lie^, \)a^ oieIIeict)t ba§ ^on^il noc^ 
nic^t mijglid) fei.'^) 2)eutlid)er fprad) fict) ber ©r^bifdiof oon 
©ron oul: jur ßeit bebürfe e§ be§ 5:üi!enfriege§, nii^t be§ 
^onäiI§; eine gute Üieform, unb bie £utl)eraner würben nichts 
vermögen.*'') 

3)ann ru^te bie ©ac^e mieber eine SBeite. Äönig gerbinanb 
lautete fic^, fie an^urüljren. Unb menn etma burd) B^fflü bie 
if^ebe barauf fam, fo geigte er beutlic^, mie menig er jefet oon 
bem ßonjile ermartete.^0 3n ber Snftruftion feiner ©efanbten 
für bie gran!furter S^agfa^rt mürbe besfelben mit feiner ©übe 
gebact)t.'*2) ^m 2. ^ebruar fragte ajtignanelli ben (Srjbifc^of oon 
Sunb, ber al§ 5tbgefanbter be§ ÄaiferS in ben testen 3:agen be§ 



24 

öerfloffenen Sa'^reg öon «Spanien !^er angefommen toav, in bor» 
fi^tigfter SBeije,«^) ob er glaube, ha^ bem Sut^erani§mu§ mit 
bem ^on§it beisufornmen fei. ®ie ^Intnjort be§ faiferlid^en ®ipto* 
maten toax beutlid^ genug: onflott [id) in t^eoretifcfien ©rörterungen 
über ba§ ^onsil §u ergel^en, auf bem mon bod^ nur bi§putieren 
fönne, foHe man lieber für bie 93eoba(^tung ber alten ^on^ilien 
forgen; augenblitflid) !önnte eine foId)e Sßerfammlung nur gu 
Unsuträglic^feiten fü^ren.*^^) @§ fd^eint, ta'i^ 9}tignaneüi fic^ 
gefd^eut t)at, ber ^urie öon feiner 3Infrage, gu ber it)n niemanb 
beouf trogt f)atte,*°) äJJitteilung §u mod^en; jebenfallS oertraute er 
ba§ Ergebnis berfetben öorläufig nur feinem 2;agebud^e an. @rft 
om 21. gebruar, al§ e§ bie @pa|en fo^ufagen öon ben S)ärf)ertt 
pfiffen, mie e§ um bie ÄongilSauSfiditen ftanb, at§ ber ^arbinat 
S3ern!^arb öon Orient unb onbere, benen man ein Urteil in ber 
<Ba6)t zutrauen burfte, fic^ in gleid^em ©inne mie ßunb äußerten,, 
entfd^lo^ er fid^, barüber nadl) Ülom ju beri(i)ten. 9Iul feiner 
eigenen Kenntnis ber ©ad^lage fügte er bie bringenbe SBarnung 
^inju, ba§ ^onjil abju^alten ol)ne bie Slbgemic^enen unb ol)ne 
bie äJiittet, biefe pm ©e^orfam gu gn^ingen; man mürbe bie 
^erfon be§ ^apftel nu|lo§ bemül)en unb 9flom unb ben l)eiligen 
©tu!^l in ernfte ®efat)ren bringen.^s) 

9Kignanetti§ 5lnfi(^t über bie ougenblicflidje S^u^lofigfeit unb 
Unmöglid^feit be§ ^onjilS teilte ber ^arbinallegat 5lleonber. (Sr 
mar ber äJieinung, bo§ ©d^iSma im ©lauben fei lebiglid^ eine 
g^olge ber fird)lid^en SRi^bräud)e; mit einer grünblid^en Sfleform 
mürbe bie 93eunrut)igung ber 5ßölfer balb ein @nbe nel)men unb 
ba§> ^onjil überflüffig werben. SSotte man bann tro|bem bem 
^röngen ber Stationen nad^geben, fo fönne man e§ jebenfatl§ 
unter allgemeiner ^uftimmung unb oljue irgenb meldte ®efal)r.") 

Sn fd^roffem @egenfa| ju ber gefliffentlid^en S3ernad)läffigung, 
meldte bie S^ongilSfrage öon feiten ber SSiener unb römifc^en 
^olitüer erfuhr, fianb ba§ lebhafte Sntereffe, momit bie beutfd^e 
^ird^e bie ©ntmicflung berfelben beobachtete. 2ln ben 2egaten 
mie an ben 23ifdl)of g^aber öon SSien gelangten jatjlreidie fd^riftlidl)e 
unb münblid)e 3lnfragen au§ ben Greifen ber beutfd^en Prälaten 
unb ©elel^rten, bie fidl) öoüer S3eforgni§ nad^ bem (Staube ber 
Ä^on§il§angelegenl)eit erfunbigten. S)ie §lntmort be§ ^arbinalä 



25 

ttjar nic^t banorf) angetan, ben geringen 3le[t oon Hoffnung, ber 
i^nen nac^ ben (Snttöufc^nngen ber testen Satire norf) geblieben, 
neu gu beleben. (Sr tt)ie§ fie f)in auf bie ?iu|to[igfeit be§ Ä^on^ilg, 
ba bie ^roteftanten, um berentttjiüen e§ boc^ ftattfinbe, e§ tüeber 
bejc^icfen, nod^ fic^ feinen Sefc^Iüffen unternjerfen mürben. Sll§ 
mon i^m entgegenhielt, bann foüe ber ^apft e§ tro^bem berufen, 
um wenigftenS ben 9fteft ber ^irc^e unb bie überall oerftreuten 
t)eimtic^en 5lnpnger ber neuen Se^re unb jugteid) feinen eigenen 
guten 9f?uf ju retten, ba ertoiberte Slleonber, Me ^eute norf) 
fc^ft)anfenben würben ficJ) bann offen ouf bie (Seite ber Äe^er 
fcfllagen; im übrigen bereife \a ha§> SSer^alten ber dürften unb 
Prälaten M ber legten ^on^ilsinbiftion, maS man üon einer 
erneuten ^Berufung gu ermarten ^abe. gab er, 9^aufea, ©ocf)Iaeu§ 
unb @cf erf)ielten ben 5tuftrag, ben unbequemen gragern bie 
5Infi{!)t be§ Segoten mitzuteilen, immer mit bem ^in^ufügen, ba^ 
e§ be§ ^apfte§ bringenber SBunfc^ fei, ba§ Sonsil p Ratten, 
unb jmar in einer @tabt be§ ^irrf)enftaate§, etma S3oIogna ober 
^iacen^a. *») SJJon mag bittig be^meifeln, ob 5I(eanber mit fold^en 
Sßerfidjerungen, tt)ie er meinte, öiele über bie guten 5Ibfirf)ten be^ 
^apfte§ berul)igt ^at. @§ Ift fei)r be^eic^nenb, ta^ er erft nacff 
longem ßögern ber Äurie einen ouSfü^rlidien 93eric^t über biefe 
Sßorgönge gab; gern f)ätte er ben 9^untiu§ öorgefdjoben, ber fid^ 
aber, mie nsir fa^en, nii^t Weniger ptete, ficf) mit ber unangenehmen 
<Bü<^i gu befaffen. (Srft al§ g^aber unb 9^aufea einen eigenen S3oten 
nad) S^om abfertigten, um ben ^apft öon ber unbebingten ^oU 
menbig!eit be§ ^ongilS ju überzeugen, faf) fic^ ber Segat genötigt, 
bamit man ftdj nid^t in SBiberfprü(^e oertt)id(e, aud) feinerfeit^ 
bie ^urie üon allem in Kenntnis ^u fe^en.^») 

5I(§ Stleanber biefen S3erid)t abfanbte, ^atte er foeben ba^ 
©direiben garnefeS oom 13. gebruar erhalten. 9") ^m 26. gebruar 
la§> er e§ bem Könige öor unb fprad) sugteid) feine SBermunberung 
au§, ba^ nod^ feiner üon ben ^rölaten fic^ §ur Si^eife nad) 35icen30 
rufte, ein eigentümlid)e§ Sßorge'^en, njenn man bebentt, ttjeld^e 
SJiü^e ber ^arbinat fid) gegeben f)atte, ben alfo ?lngefc^ulbigten 
bie Untunlid)!eit be§ ^on§it§ ju bemeifen. gerbinanb fud^te 
feine Prälaten bamit ju entfd^ulbigen, ta'^ fie nid^t an i)ü§ ^onjil 
glaubten unb bie Sloften fd)euten; übrigen^ t)inge aüeg üom Äaifer 



26 

ab, ber feinen Prälaten feinen Sefet)( §ur 5tbreife gegeben unb 
beffen perfönlidje Slntrejen^eit auf bem ^onji! oüetn imftonbe 
fein tüürbe, biefelbe ju er^njingen. ®ie füt)te 5lufna^me ber 
päpftlid^en 5tuf träge bett)ie§, baB ber Sifer be§ ÄönigS nid^t 
größer n^ar al§ ber feine§ 23ruber§ unb bie geeignete ßeit für 
ha§i ^on§iI i^m nod) nicf)t gefommen fd^ien.^') 

SÖßal^rfd^einlid^ balb nadjbem Slleanber bie§ nacf) 9ftom be= 
rid)tet ^atte, be{)anbelte mon bie ^roge im ^onfiftorium/-'"^) S)ie 
Wnfidfiten ber ^arbinäle waren geteilt: bie 9}Je^r§af)t ftimmte für 
fof ortige Eröffnung, anbere für weitere SSertagung unb ber 9teft 
für bie @cl)IieBung be§ ^ongilS.^^^) Sm ©inne ber 3J?a|orität 
berid^tet g^arnefe bann an bie 9fluntien, ha"^ man Segaten nad^ 
SSicenja fenben molle, um bie etma anfommenben ^rälaten in 
(Smpfang gu nef)men, ober falls niemanb erfd)iene, t)a§ ^onjil ju 
fd^Iiefeen. ''^) S)er ^apft in ber rid^tigen @rfenntni§ ber unrüt)m= 
Ii(^en Atolle, meldje ber ^eilige @tut)I in ber 5tnge[egen{)eit fpielte, 
l^ötte ha§> le^tere am liebften fogleiii) getan; offen fprac^ er e§ 
%ui(ar gegenüber au§, ha'^ er bie 6ufpenfion für gefö^rlid^ 
t)a(te; in ber ©d^Iiefeung be§ IJongilS liege ja burd^au§ fein 
^inberniS, e§ jeberseit mieber §u eröffnen. (S§ gelang if)m aud^ 
nad) einigen Xagen, bie meiften SJJitgtieber be§ ^eiligen Kollegiums 
p feiner Stnfirfjt 5U befefiren. 3Senn e§ troljbem ju feiner @nt- 
jd)eibung fam, fo lag baS tiauptföd^lid^ am ^aifer. 

©d^on feit STconaten befolgte bie faiferli(^e Diplomatie in 
ber KouäilSfrage eine Saftif, bie fie mit $8orIiebe bei Dingen 
anmanbte, meldt)e it)r nod^ nid)t fprud^reif fdjienen: folange ba§ 
Konzil nod) in weiter gerne lag, f)atf man fid) mit allgemeinen 
SSerfpred^ungen ; '^■'^) at§ bie 3^it brängte, f)üllte man fid) in 
©djWeigen. SBie man ben 9^untiu§ ^oggio üon einem Xoge 
auf ben anbern üertröftete, '-'f') fo fdjeinen audt) bie SSertreter ber 
faiferüd^en ^ntereffen in SRom, ber Orator 5lguilar unb ber 
^arbinal Ouinone«, of)ne beftimmte Slnmeifung geblieben gu fein.^") 
Snfolgebeffen faf)en fie \id) barouf befd^ränft, jeben entfd^eibenben 
i8efd)IuB äu t)erf)inbern. ©egen bie 5lbfenbung t)on Segaten mar 
natürlid^ anä) granfreid), beffen ©efc^öfte im Konfiftorium burd^ 
bie Äarbinöle Soutogne unb (S^inucci beforgt mürben. Diefen 
beiben ßarbinalen — Quifione§ mar nad) SSicenja gefd^idt, um 



27 

bort bie öortäufige 33erf(^iebung ber (Srbffnuug mitzuteilen — 
gelang e§ in ber %at, burrf) ben §intüei§, bafe man erft bie 
ßuftimmung be§ ß'aiferg unb be» frangöfifd^en Sönig§ erwarten 
muffe, einen 5Iuffc^ub burci^gufe^en, für ben überbie§ auc^ 9}?ignaneüi 
plaibiert ^atte mit ber Segrünbung, ha"^ man ba§ (Srgebni^ ber 
^ranffurter 3Ser^anb(ungen abwarten folle."^) Snbeffen ha§> S3e= 
fd)ämenbe unb @efä^rlid^e biefer Situation war bod) gu offen= 
funbig, al§ boB man fic^ nid)t wenigften§ ben Slnfd^ein t)ätte 
geben foHen, mit (Sifer bie 2tngelegent)eit ju betreifen, ©o würben 
benn im Äonfiftorium oom 21. Slpril tro| be§ Ijeftigen 2Biber= 
fprucfieS ber brei genannten ^arbinöle brei Segaten für ha§ 
Äonjil ernannt. 'J") @§ Waren biefelben wie im oorigen Sa^r; 
nur trot an bie ©teile be§ !rän!(id^en Sampeggi ber ^arbinat 
öon Sorea. SBie wenig mon jebod) beab fict)tigte, biefem 2(!te 
mef)r a[§> bemonftratitie 33ebeutung ju geben, ta§> get)t barau§ 
fieroor, bo^ man bie 3Ibreife ber Segaten oorlöufig fiftierte.^oo) 
Unterbeffen würbe ein ©einreiben über ba§: anbere nad^ ©panien 
abgelaffen, um enblid^ eine beftimmte (Srflörung §u erlangen, i^-i) 
SIm liebften t)ötte man wegen ber Ä^on§iI§= unb 9?eIigions= 
angetegenl^eit, wie befonberS aud^ wegen be§ 2;ürfen!riege§ bie 
perfönlidje 5lnwefenf)eit be§ ^aiferl in Stauen gefe^en; man fjatte 
il)m beS'^atb fagen laffen, o^ne biefetbe werbe man feinen ©c^ritt 
in ber ^onäiI»fad^e unternel^men.'^-) 

9Zun war ^arl aber !eine»weg§ in ber Sage, ©panien §u 
öerlaffen, teils weif er p ber Dffenfitie gegen bie dürfen noc^ 
nidit gerüftet war, tei(§ aud) weil er fid^ oor einem 9^eic^§tage 
fürchtete, ^u bem ii)n ber ^apft unb ber römifdie Äonig bröngten. 
©e^r in§ @ewid)t fiel ot)ne ^weifet auc^ ber ßuftanb feiner 
@emaf)Iin, bie jum 2obe !ranf baniebertag. ©o bequemte er 
firf) benn enblid) in ben te|ten Xagen be§ 5lprit ju einer Slntwort 
an ^oggio: nac^ feiner S^einung bürfe man in ber ÄonsilS« 
angelegenf)eit pr ßeit feine Slnberung üornef)men ; er fetbft f önne 
au§ 9fiü(ific|t auf bie f^webenben SSerf)anbIungen mit ben $ro= 
teftanten Weber feine ^rälaten, noc^ fonft irgenb jemanb fdjicfen.'^s) 
©iefe (£rf(ärung war nichts weniger al§ beutlid); nur bie @r= 
Öffnung beg ton§iI§ tef)nte fie a^, im übrigen lie^ fie 9iaum ju 
jeglicher 9Xu§rebe. 



28 

21I§ fte in 9flom an!am, iror bort auä) ber 93efd^etb beS 
fronsöfifdien tönig§ eingetroffen; ber am 13. SPfJoi surüc!ge!e^rte 
Satino ©iooenale unb ber ©leftu? öon Drange Ratten i^n über* 
brad)t. ßu ben fonftigen ©inttjänben, bie grang in Ie|ter ßeit 
üorgebrad)t t)atte, fügte er je^t toieber feine 53eben!en n^egen be§ 
5tonäiI§orte§. 2Jtinbeften§ fc^ien e§ i^m ratfam, öon ben ^ro- 
teftanten junä^ft eine beutlic^e (grflörung ju f orbern, m fie 
benn eigentlich ha§> ^on^il ^aben tt)oaten; er fetbft f erlüge 2t)on 
ober eine anbere frangöfifdie @tabt öor, wogegen aud) ^arl wegen 
ber je|t §tüifc^en it)nen befte'f)enben greunbfcl)aft unmoglid) ettoal 
vorbringen fönne.if'*) 

9fla^ biefen (Srflärungen ber brei mäd^tigften ^errjc^er ber 
5(Itgtöubigen war e§ an ber Ä'urie, ba§ Ie|te SBort ju fprec^en; 
benn oon ben anberen Sänbern, wie ©(^ottlanb, ^olen unb 
Ungarn, bie fämtlicf) i^u Sereitwiüigfeit jum ^on^il beteuerten, 
!onnte won füglict) abfegen, geft ftanb, ha^ augenblirfücl an 
\)a§^ ßuftanbefomwen ber SSerfamwIung nid)t §u benfen war; 
{)ätte ba§ aud) nid)t bem S93iaen ber gürften entjprodien, fo 
forberte e§ bo^ bie (Stimmung an ber turie. ®ie lefete ß^it 
i)atte biefer frf)Were ©nttäufc^ungen bereitet: bie .f)attung ^art§ 
unb granii' bei ben grieben§oert)anbIungen unb in bem gegen 
§einric^ VIII. eingeleiteten (gjefutionSoerfa^ren , ba§ Scheitern 
ber Sürfenliga, bie burc^ ben SBaffenftiüftanb SSenebigg mit bem 
(Sultan ein rut)m(ofe§ Snbe natjm, unb woran man in S^om bie 
(Sc^ulb f)auptföd)tic^ bem ^aifer beimaß, fowie enbüd) bie fläglic^e 
Sfloüe, welche man ben pöpftti^en ^bgefanbten in ben ^on!orbien* 
oerf)anb(ungen juwieS, machten ben ^apft in ^oljem ©rabe mife^ 
trauifc^. (S§ blieb aljo bie 2öat)I gwifc^en 58ertagung unb 
(Sc^IieBung. ®ie Steigung ^aut§ für bie Ie|tere ßbjung fennen 
wir fd)on. ^ad^ feiner SBeife ^otte er oor ber enbgüttigen Se== 
fd)IuBfaffung mehrere feiner ^Ratgeber ju 9Jleinung§äu^erungen 
oufgeforbert. SSir befi^en ba§ @utacf)ten 9J?orone§. tiefer 
ou§geäeic^nete tenner ber beutfc^en SSerpItniffe warnte nun 
bringenb oor ber (Sc^liefeung be§ ^onjitS, ^a^ immer nod) ben 
Sut^eranern ein ©egenftanb ber ^urd(t, ben tat^otüen aber ber 
Hoffnung fei; man Würbe bie fat^olifc^en (Stäube ju eigenmäd)tigen 
ßugeftönbniffen in religiöfen fingen an i^re Untertanen treiben 



29 

unb öor QÜen 2)ingen bie ©efa^r einer SSe^anblunq ber Üleligion 
ouf einem 9ieid)§tage f)eraufbef(^hJörenJo^) @c^on bie näcf)[ten 
STage geigten, Xük richtig SO^orone bie ©ituation beurteilt t)atte; 
benn ber ^ranff urler Slnftanb, beffen SnljQlt am 11. SJ^oi an 
ber Äurie befannt tourbe, geftanb in ber Xat ben ^roteftanten 
ein 9f?eligion§gefpräd^ ju, non bem e§ minbe[ten§ noci fe^r 
gnjeifel^aft war, ob man SSertreter be§ ^ap[tes äulaffen merbe. 
2)a§ gefürcfitete, öon ben ^roteftanten [tet§ geforberte Stational* 
fongil mar bamit in bie bebrot)Iic^fte 9^ä^e gerüdt. Of)ne ßmeifel 
unter bem S)rudEe biejer 9^ad)ric^t gefc^a^ e§, t)a^ man üon ber 
©c^IieBung be§ ^ongilS 5lb[tanb naf)m unb fic^ nac^ einigem 
©diroanf en '"6) für einen SJJittelmeg entjctiieb. 2lm 21.9}?ai murbc 
im Äonfiftorium bie ©ufpenfion be§ ^on§it§ ad beneplacitum 
be§ $Qp[te§ befd)Ioffen.'07) 5)ie gürften mürben einige SSoc^en 
fpäter baoon in ÄenntniS gefegt. 'o») 

Slm menigften bef riebigt üon biefem 9f?ejultat mor ber ^apft; 
er betradjtete ben burc^ bie ©ujpenfion gefd^affenen ßuftanb nur 
al§ ein ^roüiforium, ba§, falls bie Unmöglid^feit ber S3ege^ung 
be§ ^ongilS fortbeftanb, in einer balbigen befinitioen ©d^tiefeung 
fein (Snbe finben foHte. '»'J) ©ang anberS aber maren bie Slbfic^ten 
ber I)ab§burgifd)en Srüber. ^önig gerbinanb, bem bie (entere 
Söfung anfangs oieüeid^t ni(^t unermünfc^t gemefen märe, ber 
aber in^mifc^en auf bem ^ürfentage in 2Borm§ ben ^aupt^med, 
beffentmegen er ben ^onforbienptan fo eifrig betrieben ^otte, t)atte 
fc^eitern fe^en, mar je^t mieber gegen bie ©djüefeung unb lobte 
bie üon $au( getroffene SJJaBreget. "") 9^od^ eigentümlicher 
mar bie ©tellung be§ ^aiferS. (Sr ertjielt bie ?tad)rid)t üon ber 
©ufpenfion burd^ ben ^arbinat garnefe felbft, ben ber ^apft 
aus SInlafe beS S;obeS ber ^aiferin an i^n abgefonbt f)atte.'") 
Sm ©runbe mar er mit bem SSorge^en bei ^apfteS, gegen beffen 
SZotmenbigfeit er fid^ am oüermenigften üerfi^Iie^en fonnte, üöHig 
einüerftanben; bamit aber ^oul nid)t mieber mie im $Borjat)re 
bie ©ufpenfion als auf feine Sitten gefd)ef)en barftente,"^) gab 
er bem Segaten ju üerftet)en, ba^ er eine Prorogation auf einen 
beftimmten Xermin für gmedmäBiger unb bem 5Infei)en beS 
apoftolifc^en ©tuf)teS für förberlic^er eroc^tet ^ätte."^) Überl)aupt 
fuc^te man auf faiferlic^er ©eite forgfältig ben @c|ein ju magren, 



30 

qI§ ob man noc| immer mit bem ftetS fo auffällig gur @d^au 
getragenen @ifer für ba§ ßongil einträte unb n)of)I gor bem 
^apfte jürnte, \)a^ er ben SBünfc^en be§ ^oifer§ fo menig @nt- 
gegenfommen bettjiefe.ii^) @o bereitwilligen ©lauben man bamit 
aud^ in ©eutfc^tanb fanb, fo menig fe^rte fid^ ^aul baran, unb 
ni(f)t of)ne @mpfinblid^!eit bemerfte man, baB ta§: päpftlii^e ^Bretie 
toieberum bie SSorftellungen ber gürften unb t)ouptfäc^(id§ Äarlä 
al§ (55runb für bie «Sufpenfion anfüf)rteJi&) 5luf beiben Seiten 
bemühte man fic^, bie @cf)ulb üon fid^ ab^umäl§en unb feine 
eigene 58ereitmiIIig!eit gum ^onjil ju oerficfjern, eine ^olitif, 
§u ber bie Äurie nod^ gang befonberen ©runb l^atte, folange 
noä) ba^ 9fiürnberger 9?eIigion§gefprä(i) breite. 5n§ aber ber 
Äoifer bem in biefer ©a(^e nad) ©panien gefanbten 9flicci ha 
SJJonteputcianoii") oerfprad^, ba§ ©efpräc^ ju üerf)inbern/'") 
beruf)igte man fid) aud^ in SRom unb lieB e§ bei ber ©ufpenfion 
bemenben. 



Dritter teil. 



etptmfftv 1539 h\§ %mn}t 154K 

2)er erfte SSerfuc^, ba§ ^ongit guftanbe gu bringen, mar 
fe^Igefd^Iagen. 2)te S[Rad^t ber politif^en SSer^ältniffe ^atte ftc^ 
ftärfer erliefen, üi§> bie 9lot ber Äirdje unb ber S^tuf ber ©laubigen. 
SSie jid^ im 3af)re 1537 ein ^onjil mit ben ^roteftanten a(§ 
unmöglich) {jerouSgeflellt tjotte, fo !f)atten bie fofgenben 3a'^ie 
gezeigt, bafe ou(f) bie fatt)oIif(i)e SSelt fo, mie fie tt)ar, bur^ 
miberftreitenbe Sntereffen geteilt unb gefcfinpädjt unb mannigfad) 
üon ben ^roteftanten abt)ängig, nid^t fä^ig njar, au§ fic^ f)erou§ 
ein ^onji! ^erüorjubringen. ^iad^einanber t)atten ^^ran;^ L, ber 
^apft unb ber ^aifer ben Sßerf)ältniffen 9?e(f)nung getragen, ber 
erfte rafd^ unb leid^t^ergig unb o^ne reügiöfe Sebenfen bie 
©ituation §u jeinen ©unften au§nu|enb, ^aul III. groar äögernb, 
aber bod) ni(f)t o^ne eine @efüt)( ber (5rteid)terung, a[§ [id^ ein 
anbereS ^eitmittel §u bieten fd^ien, mit jcf)n)erem ^er^en unb 
er[t in le^ter ©tunbe bem ßwange ber 9Zotn)enbigfeit fid) fügenb 
ber ^aijer. ^nbeffen Ratten bod) bie Umftönbe, njeli^e bie (Suf= 
penfion öerantofiten, ju menig mit bem ^mdt be§ ^on^i(§ gu 
fd^affen, al§ boB fic^ nid)t in furjem n^ieber ba§ S3ebürfni§ einer 
erneuten S3erufung ergeben mufete. 

9^oc^ mätjrenb mon über bie ©ufpenfion unb i^re ßmedf^ 
mäBigteit oer^anbette, traten in S)eutfdE)(anb ©reigniffe ein, metdie 
ber Äird^e neue Söunben f(i)lugen. ^erjog §einrid) oon ©ac^fen, 
ber 5Rac^f olger be§ om 17. 5tpril 1539 öerftorbenen ^er^ogS 
©eorg, begann feine S^caierung mit entjc^iebenem 5(nfd)(uffe an 
bie neue Setjre; balb folgte i{)m ber Äurfürft ^oac^im II. oon 



32 

ISranbenburg unb mehrere fleiitere Sterritorien SflorbbeutfdjlQnbS; 
<iuc^ in ber ^falj meierten fic^ bie ^In^eic^en be§ beginnenben 
■2(bfaIIe§. hingegen geigte fic^ bie Wlt^x^al^l ber fQtt)oIifd^en 
<Stänbe lau unb unentfc^Ioffen, unb am meiften bie geifilic^en 
Äurfürften, bie fogar SJiiene mad)ten, tro^ ^aijer unb ^apft ein 
^inöer[lönbni§ mit ben ^roteftonten gu fud^en.^'») 2)a§ maren 
©erlöge, bie in erfter ßinie bie ^ird)e unb ba§ ^apfttum trafen, 
^er ^apft ujar e§ be^^olb auc^, ber bo§ ^ongil perft toieber 
in 5lnregung brachte. 2)a§ größte §inberni§ für ba§ ^^fio"^^* 
fommen begfetben ttjor immer noc^ ber äJJangel eine§ enbgüttigen 
griebenS gtüifcfien ßorl unb grang. 3tl§ nun im @pätt)erbfte 
1539 ber Äaifer fic^ anfc^icfte, (Spanien gu üerlaffen unb auf 
bem SBege burcf) ^ranfreic^ nac^ glanbern ju ge^en, fonbte 
ipaut III. ben Äarbinal garnefe ah, bem er al§ Berater ben 
i8ifcf)of Seröino öon D^lcaftro beigab, bomit beibe bei ber 3u= 
fammenfunft ber ^errfc^er im ©inne be§ grieben§ tätig h)ören. 
SBenn il^nen biefer ^aupt^n^ecf it)rer ©enbung getong, fo f)atten 
fie Sluftrag, audj tü§: ^ongil ju betreiben. S3icen§ü njar i^nen 
at§ in erfter ßinie öorgufdjlagenber ^onsilfort genannt, boneben 
aber au4 offenbar in 9ftüc!fic^t ouf grang I., äJJailanb.i''^) 

garnefe ift gunödift faum in bie Sage gefommen, lange 
58erf)anblungen über ba§ ßonjil ju füfjren. ®enn mit bem 
griebensfc^IuB {)atte e§ einftmeilen nod^ gute Söege, unb ot)ne 
tiefen Iet)nte t^rang I. e§ entf (Rieben ah, fic^ burc^ ba§ ^ongil 
■feine big^erigen greunbe gu geinben §u machen, ^^o) 5lber anbere 
SJJomente f)aben bie Slnge(egent)eit mieber in ein befc^teunigteS 
^empo gebracht. (£§ maren bie 33ert)anblungen Äarl§ mit ben 
^roteftanten, meiere bie Sßertreter ber ^urie mit frifc^em (Sifer 
tür \)a§> ^'ongil erfüllten. Obgleich nämlic^ ber ^aifer ben 
Nürnberger 2;ag auf ha^ 2)rängen be§ ^apfte§ ^atte öerftreic^en 
laffen, fo l^atte er boc^, genötigt burc^ bie 2Iu§fic|t auf einen 
neuen Xürfenfrieg unb bie S3eforgni§ oor einer großen Koalition, 
bie fic^ burc^ SSermittlung ßleöe§ ^mifd^en ben ©c^maüalbenern 
unb (Snglanb §u entmicEeln fdiien, ben ©ebonfen an eine frieblic^e 
SSerftönbigung mit ben ^roteftanten burd^ ein 9leIigion§gefprä(^ 
!eine§meg§ aufgegeben. (Sinem erften 9Serfud)e im 9^oöember 1539 
i)otte Woxom mit ©rfolg entgegen gearbeitet.' 21) 3e|t, aU bie 



33 

"bdbtn t)ab§burgifd)eii 23rüber fidf) in fylanbern tt)ieber|Qt)en, geigte 
e§ fi4 ha'i^ Uaxi no<i) biefelben Slnfid^ten ^egte. 9J?it Sefremben 
^at)en bie päpftlic^en ©efanbten bie irofilrooHenbe 2(ufnQf)me einer 
jc^malfalbifc^en (^efanbtfc^aft am §ofe; mit ©ntrüftung mußten 
fie bie SIntmort öerne^men, meldje Ä'art ben ^i^i^ücffefirenben 
mitgab. '^-) 2;ie Stugen mürben i^nen üoüenbS gei3ffnet burc^ ben 
lEßiener 53ti(^of g^aber, ber al§ ®(ieb einer au§ fe(f)§ deputierten 
befte^enben Äommifj"ion, melcf)e im ^aufe ©ranöettas über bie 
ilReligion^angelegen^eiten ju beraten f)atte, bie ßu^unft in ben 
f^roörjeften färben matte. 2Bir tennen bie[en 'iprälaten fc^on 
toon früher al§ eifrigen g^örberer be§ ^ongilg. 5Iuc^ je^t mufete 
er fein beffere§ 9J?itteI; unter §inroei§ auf bie brot)enbe ®efaf)r 
eine§ Sfiationatfongils forberte er bie ßurie §u größerer ^eftigfeit 
auf; auf bie beutfcf)en Prälaten, bie fidler nad) ^Sicenga fommen 
tüürben, !önne fie rechnen; bie 21blef)nung 5ranfreid)§ fönne nicfit 
auefc^taggebenb fein, ba fic^ mit ben anbern Staaten fet)r mot)t 
ein ^ongit galten liefee; unb menn fie etma ^arl unb g^erbinanb 
nid)t baju bemegen !önne, bann foüe ber ^apft burcf) öffentücbyen 
^roteft ber SSelt funb tun, mo bie ©c^ulb liege. 123) 

2)ie 5IRa^nungen be§ Dfterreid)ifc^en Prälaten fielen auf gut 
vorbereiteten 93oben. @d)on bie menigen SSodjen feine§ 2tufentt)a(te§ 
im 9^orben Ratten garnefe überzeugt, bafe unbebingt etma§ gef(i)ef)en 
muffe; bereits tjatte er ben ^apft auf§ bringlic^fte gu einer 
enblid)en ernftt)aften Snangriffnaf)me ber SReform ermahnt, ^^j) 
SDagu t)atte man au§ 9iom bie SOlitteilung ert)alten, bafe bort eine 
©efanbtfcfjaft bes ÄönigS oon ^olen, ber gu feinem ©c^reden ha§^ 
Einbringen ber Äe^erei aud) in feine Sauber fat), bie fc^teunige 
SBiebereinberufung be§ ßonjits betrieben ^ätte.i'^-^) ©0 mirfte 
<ille§ gufammen, ben 9iatf(f)Iägeu ^aber§ ©eroii^t ju oerIeit)en. 
^arnefe mie 9J?orone machten fic^ fofort feine Stnfidjten ju eigen 
unb legten ber ^urie äße SSorteile bar, bie man t)on einem Äonjile 
mic^ ot)ne granfreic^, beffen 5Infc^Iufe überbie§ im ernftfaüe 
ma^rfc^einüd) fei, erwarten Wnne.^^ej ^arl unb gerbinanb, meinte 
SJJorone, mürben mit greuben auf ben ^lan einget)en, ha er eine 
Einigung ber Äatt)oIifen unb ^roteftanten in ©eutfc^Ianb öer= 
^inbern, bie gutgläubigen ermutigen unb menigftenS einige ^e^er 
in ben ©c^oB ber Ä'irc^e jurüdfütiren mürbe. Um bem Äongit 

ßorte, ÄonätläpoHtit .ftartä V. 3 



34 

eine um fo größere 2Bir!famfeit §u fiebern, empfahl er jebo(^ 
üor^er in @ile bie fat{)otijc^e ßiga auf alle SBeije gu ftärfen unb 
eine üteformation öoräune^men. 

Snbeffen fo angebracht bieje 1Ratjcf)täge p anberer ßeit unb 
unter anberen Umftänben gewefen ttjöreu, fo tt)enig waren fie e§ 
je^t. SBeber bie ^urie ttjar gettjitlt, of)ne i5^an!retc^ ba^, ßonjit 
§u galten, noc^ fonnte ber ^aijer mit ben äJlafenatjmen, bie er 
fid) int öorlöufigen Seruf)igung ber ^roteftantcn öorgenommen 
l^atte, auf ben (Srfolg ber Siga unb ber Sfieform marien. äJJit ben 
©d^malfalbenern latte er fid^ bereite in aller §eimlic^!eit burcf) 
bie ©enbung ber beiben ®rafen oon 9}?anberfc^eib unb oon 
9?euenaf)r in eine neue SSer!)anbIung einge(offen;i") am 18. ^pril 
1540 erliefe er bann, roieber o^ne garnefe oort)er gu öerftänbigen, 
an bie ^roteftanten bie (Sinlabung gu einem ^onüent in (Speier. 
(grft am 20. mad)te ©ranoeüa ben Stalienern offt^ieüe 9}JitteiIung 
baüon. ®iefe waren auf§ fjöd^fte beflürjt. (Srregt miefen fie auf 
bie @d)äbticE)feit fold^er ^onöente unb bie 5lbneigung be§ ^apfteä 
gegen biefelben t)in unb erneuerten ta§> Slngebot be§ Äon^ilS. 
©ranöeüa aber öerteibigte fid^ mit ber S^Jotloge, in ber man fid^ 
befönbe, unb geigte nicfit bie geringfte Suft, ba§ ®efd^et)ene rücEgängig 
§u machen. •-'') Xro^bem machten bie päp[tlid)en (Sefanbten noc^ 
einmal einen energifd^en SSerfuc^ ba^u. Slm 21. %ri( überreichte 
g^arnefe bem ^oifer eine S)enffä)rift, 129) in weli^er er nod^mal^ 
in ausfü^rlict)er 2)arlegung alle ©rünbe ber ^urie gegen ben 
^onöent unb für ba^ ^onjil öortrug unb enblic^ ben 33eginn 
beSfelben nod^ für bo§ laufenbe Safir in SluSfictjt ftellte, bie§ 
Ie|tere aüerbingS eine ÜberfdE)reitung feiner Snftruftion, für bie 
er fid) beeilte bie nacf)träglic£)e @enei)migung be§ ^apfteS ein^u« 
^olen. '3") ßuglei^ fud)ten bie 9^untien ^oggio unb 9Jforone in 
münblid^en Unterrebungen auf bie ©ouüeräne, bei benen fie 
affrebitiert maren, gu mirten. ^er (Srfolg aller biefer 33emü^ungen 
mar ber gleid)e. i^arl unb gerbinanb miefen fie fd)roff gurüd 
unb jeigten beutlic^, mie unangenef)m it)nen biefelben maren. 9^oc^ 
giemlid) ru^ig !(ang bie 5lntmort auf ba§ ©c^reiben be§ Segaten: 
folange bie (^riftlid)en gürften nic^t in ha§> ^ongil milligten unb 
it)re Oratoren ba^in fc^idten, fönne au§ bemfelben nid^t§ merben; 
bie S)eutfd)en »erlangten e§ in ^eutf erlaub; auc^ fönne t>ci§> ^on^it 



35 

bie 2;4ir!ennot nic^t fjeben.'^i) stber bie beiben S^untien befamen 
bittere 2Borte gu ^ören. 3n gefct)icfter SSeife t)ie(t gerbinonb 
9)?orone bie toieber^olten öorjä^rigen S3itten be§ ^Qp[te§ öor, erft 
nacf) ber 9ftücffet)r bei ^aijer§ nad) S)eutfc^Ianb bie ÜteligionS* 
angelegen^eiten auf einem 9f?eid)§tQge ju beraten. „9Jät eurem 
Äonjil", rief er unmutig au§, „merbet it)r nocf) ben Äonöent 
öerl^inbern." 132) gQJ-t fd^Iimmer nod) erging e§ ^oggio bei bem 
Äaifer, tüelc^er in gereiftem Xone ermiberte, e§ fc^eine, a(§ menn 
if)n bie ^urie mit bem ^onjile fc^recfen rnoHe; a t)abe baSfelbe 
ftet§ gen)ünf(f)t; ber ^apft möge e§ boc^ eröffnen, an if)m merbe 
e§ nic^t fef)Ien; bann aber einlenfenb rebete er oon ber $Ru|Iofigfeit 
unb @efäf)rlid^feit ber SSerfommlung, ta mon ber Übermacht ber 
^roteftanten me^rlol preisgegeben fei. 133) äJicerftDürbiger SBanbel 
ber ®inge! gaft eben biefelben (Srünbe, mit benen einft 6Iemen§ VlI. 
bie Berufung be§ ^on^ilS hintertrieben Ijotte, faf) fid) je|t ber 
^aifer genötigt gegen ben ^apft öorjubringen. ^ie Vertreter be§ 
(enteren ernannten balb, ba^ an bem faiferlid^en (Sntfdiluffe nid^ts 
me^r §u önbern fei unb fie fid) mit bem magern %xo\U abfinben 
müßten, ta^ nic^t ber ^apft, fonbern bie dürften bem Äongile 
au§ bem SBege gingen. '34) 

Sf^ic^t nur in ben ^onöent gu §agenau — bortt)in mar er 
megen ber in ©peier fierrf^enben ^eft oerlegt — mufete man fic^ 
fd)iden; ber erften S5erfammlung folgte eine jttjeite in 2Borm§ 
unb biefer eine britte in Üiegeniburg. 2)ie ^roteftanten öerftiegen 
fic^ mo^I ju ber .^offnung, bie Kolloquien §u einer 2(rt S^ationat« 
fouäil §u mad^en. Seim Seginn be§ SSormfer Kouöenteä fd^rieb 
Sutl^er fro^Iodenb an 9JJe(and^tt)on, je^t t^ahe man t)a§> 9ktionaI== 
fonjil, menn it)m aud) biefer 5Jiame noc^ fel^le.i^s) 2ßir miffen, 
mie f et)r er fi(^ getöufd^t t)at, eine mie grofee 9^oIIe bie Uttramontanen 
bei ben ß^fammenüinften gefpielt t)aben. 5lber oud^ bie fati)oüfd)e 
Partei f)atte feinen Slnla^ äu triumpfjieren. 9^id)t all ob man 
fid^ in 9flom fo fe^r aufgeregt ^ätte; man {)atte fid^ bort 
rafc^ in bie Sage gefunben, ber Siga eine anfet)nüd)e S3ei{)ülfe 
üerfproc^en, auc^ mieber einmal einen Slnlauf gu einer 3ieform 
genommen 136) unb im übrigen gu ben 3fteIigion§öer{)anb(ungen 
eine 9ieit)e öon ©efanbten unb 3;t)eoIogen nad) S)eutfc^Ianb 
gefc^idt, bereu Slufgabe aUerbingS oorguglmeife barin beftanb. 



36 

jebe§ SRefuttat, ba§ ntd)t einer ööHigen Untertrerfung ber ^e^er 
gleic^!am, §u öerl)inbern. oben bei SSerfoIgung biefe§ ^xotdt^ 
tüax ber §intt)ei§ auf bo§ ^ottjil eine QÜjeit t)anb(i(i)e SSaffe, bie 
man jebe§ntoI bann {jeroor^olte, wenn bie Uniongpolitüer fic^ 
ben ^roteftanten gegenüber al§ gar gu tt)illfät)rig erttjiefen. ®o= 
gegen griffen bann bie SSertreter be§ ^aiferS oft ju ben niunberlidiften 
Stugftud^ten: batb fprac^en fie if)r (Sinoerftänbni§ mit ber Berufung 
be§ ^onjiI§ au§, mollten e§ aber erft al§ frönenben ?lbfrf)tufe be§ 
^onforbienmer!e§ gulaffen; balb gab man bem 9^untiu§ gu feiner 
großen ©ntrüftung §u öerftel^en, bafe ja ni(i)t ber taifer, fonbern 
ber ^apft bi§f)er ba§ ßuftQ^^^^o"^"^^" begÄ^ongilg geftört fjabe;'^'') 
geigte man ft(f) auf !att)oIif(i)er ©eite einmal all§u ftörrifd), fo 
brol^te ©ranöella mol)t gar mit einem 9^ationat{onjiI unb f(f)ob 
ber §artnä^ig!eit ber Ä^atf)oIi!en alle @(f)ulb baran gu. ^^s) 
SSenngleic^ 9J?orone nun aud) fold^e Hu^erungen al§ nii^t ernft= 
gemeinte (Sd)recEmitteI erfannte, fo mar bod) anbererfeits ber (Sifer, 
mit meWjem bie faiferlidje 2)ipIomatie unter aüen Umftänben bie 
^onforbie tjerbeijufütjren fudjte, untietfennbar. '■^") ^ro^ aller 
Sntriguen unb ©egenma^regeln, an benen befonberS SJiorone un= 
erfc^öpftid) mar, mu^te man fid^ bocf) gefteljen, bafe ber SSormfer 
Äonoent am ©cgluffe immer me{)r 5il)nlici^feit mit einem 9fiationot= 
fongil gewonnen l)abeJ*o) 

@o burfte e§ nic^t roeiterget)en. ^tüax bie gortfe^ung be§ 
^oUoquiumg fonnte man nid}t mel)r t)ert)inbern; auc^ liefe fid^ 
bie öom Ä'aifer mieberf)olt gemünfd^te ©enbung be§ ^arbinalg 
ßontarini nid)t umget)en; aber ben (Srfolg feiner äJJiffion mad^te 
man üon oornf)erein iHuforifd) burd^ bie Snftruftion, '^0 ^te man 
il)m erteilte, unb bie üielmet)r ouf ben gatt be§ (Scheiterns ber 
^on!orbienüer!^anblungen al§ auf i^r Gelingen gugefd^nitten mar. 
Sebe ^onjeffion an bie ^roteftanten in fragen ber ©ogmati! 
unb ber ürd^lid^en @ebräuc£)e mar bem Legaten barin ftreng 
unterfagt; bie ^urie be'^ielt fid) in biefen fingen aüein bie (Snt= 
fd^eibung oor. SSor allen fingen tt)ar e§ it)m ^ur ^fltd^t gemad^t, 
nic^t an bem ^rimat be§ ^apfte§ rütteln ^ü laffen. SBeigerten 
fid^ bie ^roteftanten unter biefen Umftänben in ben ©d)o6 ber 
^ir^e §urüdäu!el)ren, bonn foüte Sontarini bal ©eneralfonjil 
öorfd^lagen, unb um biefeS ju ermöglichen nad^ Gräften für ben 



37 

^rieben äluifc^en Staxl unb gran§ roirfen. 3a, im SRot\a\l erflärte 
man fic^ bereit, j^bie ©ufpenfion be§ ÄongiI§ aud) o^ne üor^er= 
getjenben griebenSfd^tu^ auf^utieben, inbem man e§ ber SSer= 
famminng jelbft überlaufen !önne, benjelben §u förbern. ^ür biejen 
i^aU füllte ßontarini jeboc^ ju erreichen fuctjen, ha'^ bie O^ürften, 
b. f). S^arl unb ^ran^, gegenfeitig i{)ren ^rölaten freie» ©eleit für 
bie Sfleife nod^ bem ^onjilSorte ^ufictierten. Unter feiner Sebingung 
ober follte er in ein ^onjil in ^eutfcf)Ianb willigen, fid^ auc^ 
gegen jebe 5trt öon S^ationalton^il, fetbft njenn e§ unter ber 
$tutorität be§ ^apfte§ unb mit .^injuäie^ung öon X{)eotogen 
au§ onberen Säubern ftattfinben foUe, bur(f)au§ ablefjueub 
öertjalten. 

(£in merfroürbigeS ©egenftüc! ju ber päpftlicl)en Suftruftion 
bilben bie 5lnn)eifungen, mit meieren bie fäcl^fif(i)en 9f?eid)§tag§= 
gefaubten öon it)rem Äurfürften öerfe^en mürben. ^'*"^) „®otte§ 
SSort unb Sut^er§ 2et)r"' maren für Sof)ann griebrid) 3lutoritäten, 
an benen er mit nid^t geringerer Unbeugfamfeit fefttjielt, al§ bie 
fRömer an i^ren 2)ogmeu unb 9fliten. 3)aB man bei ber Un- 
oerföt)ubar!eit ber beiberfeitigen @tonbpun!te in Üiegen§burg ttjieber 
gu ber gorberung eine§ ^onjit^ !ommen mürbe, fat) man im 
proteftantifd)en ßager öorau§, unb bereits auf ber legten !i:agfa^rt 
be§ f(i)malfalbifd)en 53unbe§ im ©e^ember 1540 l)atte man baju 
«Stellung genommen, ©eftü^t auf biefe 9laumburger 33efrf)Iüffe 
mie§ nun ber Ä^urfürft oon ©ac^fen feine 9lieid)§tag§beputierten 
on, ein Äouäif, wo „ber ^apft bie ^röfiben^ unb it)m unb feinen 
©eiftUdjen bie voces decisivas allein jugie'^en moHte", gu 
refufieren, in feinem SSege eine 9KaIftatt au^erljalb ber beutfd)en 
Station §u bemittigen unb überf)aupt um „ein fold) rec^tfd^offen, 
frei, c^riftlic^ unb unparteiifd) Stonjilium anjufjalten, bofe ber 
^apft unb feine ©eifttic^feit nid)t md^kt unb ^art fet)n." ©er 
^urfürft oerf)et)Ite fic| burc^au§ nic^t, ha^ bie ^apft(id)en ein 
fotd)e§ Äon^il nimmer jugeben mürben; in SBirfüd)feit fam e§ 
i^m aud) nur barauf an, bie ©egner in§ Unred^t ju fe^en. 

2)ie übrigen beutfc^en ©tönbe, fomeit fie nidjt jum 
fdimalfalbifc^en S3unbe gehörten, teilten fic^ in jmei Sager. 2)a 
mar äunäd)ft eine Partei, meldje fid) bie oerjö^neuben ^lenbenjen 
ber faiferlic^en ^olitif ju eigen gemadjt f)atte; mit bem Äaifer 



38 

gloubten if)re SSertreter tueber an bie 9}?5gli(^!eii notf) an ben 
augenblic£üd)en ^nl^tn eine§ ^onjtll, unb ii)r «Streben ging be§^atb 
ba{)in, burd^ eine öorläufige Äon!orbie \)a§> '3tt\6) im Snnern ju 
beruhigen unb nad^ auBen ttje^r^aft §u mad^en. ®ie Äurfürften 
öon S3ranbenburg, ^öln unb ber ^fatg waren bie wefentlic^ften 
©tü|en biefer ^olitit. 

©obann gab e§ eine @5ru|3pe, bie, erbittert über bie 5Innöf)erung 
Äarl§ an bie ^roteftanten, fein grieben§n)er! um jeben ^^rei§ 
ftören moHten. ®ie fudbten jofort 2lnf(^IuB an bie 55ertreter ber 
^urie unb ptten bieje unb ben ^aifer am Iieb[ten gum Kriege 
gegen bie ^roteftonten fortgeriffen. 51I§ fie bamit feinen 5Inflang 
f anben, befdjränften fie fid^ barauf, bieSSermerftid^!eitbe§^onforbien= 
planes bar^utun unb bie Berufung be§ ^onsilS gu forbern.'^^) 
SDie gü'£)rer biefer f)öd^ft rührigen Partei niaren ^erjog 2Bitt)eIm 
t)on Saiern unb ^erjog ^einrid^ öon 93raunfd^n)eig. ßu iijnen 
gefeilte firf) ^urfürft Sllbred^t öon SO^Jains, ber, feitbem i^n bie 
SfJeformation au§ feinem geliebten §alle öertrieben Ijatte, bie ^ro= 
teftanten mit bitterem §affe öerfolgte. @ie fanben einen ©unbe§* 
genoffen an ^ran!reirf), ba? gleid^^eitig bei Äat^olüen unb 
^roteftanten feine ^ebel anfe^te, um bie (ginigung ®eutfd^lünb§ 
p l)intertreiben. ®em 9^untiu§ ÜJJorone fuc^te ber fron§öfifd|e 
©efanbte ha§ Sirugbilb eines ^on^ilS in ^ranfreidl) unter freiujilltger 
2!eilnal)me ber ^roteftonten öor^ugaufeln, of)ne allerbingS bei 
jenem ©lauben ^u finbenJ^^) 

SSorerft mußten biefe ^eifefporne it)ren ©ifer bämpfen; ber 
^aifer lieB fid^ fein Kolloquium i^^) nid^t nel)men. SBir miffen, 
meldten ©rfotg er bamit gehabt l)at. 5ll§ am 22. Wai bie 
Kollofutoren bie Sefung be§ fog. SftegenSburger Sud^eS, ba§ if)ren 
^Beratungen ju ©runbe gelegt mar, beenbigt t)otten, ba mußten 
Karl unb fein Kauäter i^r Unternef)men im mefentlid^en al§ 
gefd^eitert betradjten. Sn ben entfd^eibenbften 5lrtifeln mar bie 
erfe^nte (Sinigung ausgeblieben, unb fd£)on fd^idte man fiel) in 
tRom unb SBittenberg an, auc^ über tü§> menige, morüber mon 
fid^ öerftönbigt l)atte, ben ©tab gu bred^en. S^iod^ öerfud^te ber 
Kaifer in biefem ©c^iffbrud) feiner Hoffnungen ju retten, maS gu 
retten mar. ßieB fid) feine ööüige ©inigung erreid^en, fo fonnte 
»ielleic^t burd^ Stnnof)me ber oerglidienen unb gegenfeitige ^ulbung 



39 

ber übrigen 2lrtifel tt)enigften§ ein üorläufiger f^nebftanb t)ergefteüt 
n^erben. 5lllein and) ba§ SToIeranjproieft tjatte fein beffere» 
©d^idfol; bie (S5egenfä|e erroiejen fid) al§ unoereinbar. 

SJJit ber Seenbigung be§ ®ejpräcf)e§ trat nun eine 93e[tinimung 
be§ §agenaue§ ^ftejeffe^ in ©eltung, fraft welcher „fürber bie 
fod^ ber ftreitigen Ü^eligionen burd^ ben tüeg eine§ rec^tmejfigen 
concilii, ober fun[t cl^riftlicl)e SSergleid^ung, gue gebürtirfjer er- 
örterung gebrad^t" werben foEte.i^«) S)ie ßurie fäumte nic^t, 
fid^ auf bie bamatigen 5lbmad^ungen ^u berufen. @rf)timmer, at§ 
fie gefürdjtet i)atte, tüar ber ^onoent für fie üerlaufen. 9^icJ)t 
nur f)atte man üon ben ^roteftanten fein ein^igeg n)efentlirf)e§ 
ßugeftönbnig erlangen fönnen, fonbern e§ ^atte fic^ fogar ber 
Dom ^apfte entfonbte 5Sertreter unoer^eitjlidje (Sc^iDäd)en ju fd^ulben 
fommen laffen. Su ber tt)ic^tigen bogmatifc^en ^^i^^ge öon ber 
Suftififation ^atte er eine gormel gebilligt, bie man ^alb proteftantifc^ 
nennen fonnte. 5Iber me^r noc^ f)atte er baburd) ben 3otn ber 
^urie ouf fic^ gelaben, ba^ er bei ben 3lrtifeln, tt)elrf)e üon ber 
Slutorität ber ^'ongilien unb be§ ^eiligen @tu^(e§ Baubeiten, anftatt 
mit rüc!fid)t§Iofer (Schärfe ben römifdien ©tanbpunft ju oertreten, 
bie öorläufige ßurürffteflung berfelben geftattet unb bann fogar 
Formulierungen aufgefteHt ^otte, meldie ber tierfd)iebenften Deutung 
fö^ig toaren.i^O ^^^ enblic^ gar bie DZac^ric^t oon bem ^oleranj^ 
projefte be§ ß'aifer§ eintraf, erfannte bie ^urie, baB fie nic^t länger 
jaubern bürfe. ßeigte man t)ierin S^adigiebigfeit, fo t)ieB ba§ nid^tS 
anbereS, üI§ ©eutfc^Ianb allmät)lid^ gum ^roteftanti§mu§ f)inüber^ 
führen. 3)er ^apft befc^Iofe „felbft mieber bie pf)rung be§ 
©c^ifflein§" ^etri §u übernetjmen. 2lm 15. Suni erteilte er 
Sontarini ben 5luftrag, bem Äaifer unöerjüglirf) bie SO^iitteilung 
§u machen, ha^ er unter Slblel^nung jeber Xoterauj fofort ba§ 
touäil berufen moüe; man fe'^e, ma§ bie SDilation für ©c^aben 
bringe; menn irgenb ein 9ftitu§ ju beffern fei, fo fei ta§^ Äonsil 
hierfür ber gegebene Ort, rt)ät)renb einfeitige 5lnberungen für 
3)eutfd)(anb nur Slnftofe erregten; menn nic^t etttja Äarl einen 
befferen SSeg miffe, fo mürbe man bie Suüen unb S3reoen fofort 
ausfertigen; bie gürften unb Prälaten feien ^u ermahnen, ta^ 
Äon§iI SU befc^iden. ßugteic^ mürbe bem ^aifer eine mirffamere 
Unterftü^ung ber Siga in SluSftc^t geftetlt.«^^) 



40 

2tnt 24. Suni madite ber Segat ben ^aifer mit bem Snljalt 
be§ römifd)en ©d^reiben§ befannt. ^arl toar noc^ öoüer SSerbru^ 
über bie @d)toierici!eiten, bie man i^m bei feinen ^onforbienplänen 
ma(^te; met)r noc^ at§ ben Ijiroteftanten mafe er bie @d^ulb boran 
ber Äurie unb ben ^att)oIifen bei. @ben fcEiicEte er fic| on, öon 
ben ©tänben eine 2;ür!enf)ilfe ^^u erbitten; jollte er fict) burd^ 
ungeitigeS 5lufrü^ren ber ^on§iI§frage, ju ber bie ©dimalfalbener 
bereits bei ber 9(?ei(^§tag§erüffnung i{)re ©teßung projiziert 
!^atten,i49) leid^tfinnig um bie bringenb notttjenbige Unterftü^ung 
bringen? SSor menigen 2agen er[t mar e§ i^m gelungen, jmet 
möc^tige proteftantifi^e dürften burd^ geheime SSerträge '^o) an 
fein Sntereffe gu fetten; foHte er fte fofort mieber in bie Sftei^en 
ber ©egner treiben? 2Ba§ it)m bagegen bie Siga bot, erfüllte il)n 
nur mit 9J?iBtrauen; mar er bod) feft überzeugt, ba^ minbeften^ 
bie bairifc^en ^erjöge im 53unbe mit granfreic^ nur auf feinen 
9iuin Einarbeiteten! ®em ^apfte traute er am allermenigften; gegen 
^arl§ oft geäuBerten SSunfcl) t)otle ^aut einen ergebenen ^artei= 
gönger be§ ^aifer§, SlScanio ßolonna, burc^ einen erbarmungSlofen 
^rieg au§ feinen 33efi|ungen öerjagt; auf feinen 93eiftanb glaubte 
er ebenfomenig rennen §u fönnen, mie auf ben (Srnft feiner 
Äonäil§abfid)ten; foebennod^ f)atte il)m2tguilar au§9ftom gefc^rieben, 
menn man bie ßöffigfeit fe^e, mit meldier ber ^apft feit 5 ^Q^ren 
bie Sfteform betreibe, fo falle e§ fd)mer, feiner 2lufri(i)tigfeit be= 
äüglic^ be§ ^onäil§ ju trauen.'^') ^urj, mie 5larl auc^ bie ©ac^e 
menben mo(^te, aüeS mal)nte il)n jur gortfe^ung feiner bi§l)erigen 
^olitif, b. 1). in ber ^on^ilsfrage ^ur SSermeibung jebeS entfcl)eibenben 
©d^rittel. SBenn il)m ba» Äouäil in ben gegenmärttgen S^öten 
l)ätte nü^en fijnnen, fo braudile er ja nic^t mit folcfjer 93e^arrlict)feit 
bie Xoleranj gu erftreben. 

2)ie 33otfcEaft be§ ßegaten fam bem Äaifer offenbar ganj 
unermartet; benn ungefc^icft genug maren bie Sebenfen, meldte 
er jenem entgegen l)ielt: bie ^rompt^eit be§ pöpftlic^en @ntfd|luffe§ 
muffe er §mar anerfennen; aber man molle bocl) meuigftenS ben. 
S3ef(^lu| be§ Ü^ei^§tage§ abwarten, \)a er glaube, ba^ bie g^ürften 
ba§ ^ongil forbern mürben. 211§ ßontarini barauf treffenb- 
ermiberte, bann fei e§ boc^ beffer, menn man felbft mit bem 
SSorfcljlage föme, meinte ber Äaifer, menn ber ^apft e§ proponiere^ 



41 

toürben jene auf einem ^onjit in 3)eutf(i)(anb ober auf einem 
S^ationalton^it beftef)en; nad) feiner äJJeinung fei e§ am beften, 
njenn man ba§ päpfttid^e ©(^reiben geheim ^alte.i^^) 

^eutlic^er unb mirtfamer al§ bie oerlegenen Slu§reben be^ 
ßaifer§ tüaren bie ©rflärungen, n)e(c^e ßontarini unb Woxont 
öon gerbinanb unb ©ranoeüa erfjielten. ^^^) S)iefe ttjiefen t)in auf 
bie Tlad^t ber ^roteftanten unb ben öon ^^ranfreid^ unb ben 
0§manen bro^enben ^cieg, auf bie ©inbu^e on Slutorität, welche 
bem t)eitigen @tut)Ie oon einem Äonsile bro^e, auf bem n^a^rfc^einlic^ 
granfreic^, bie ^roteftanten, bie ©djmeij unb öielleic^t bie beutfc^en 
dürften nic^t öertreten fein mürben; tarl unb ^erbinanb, bie 
folange nur für \)a§^ öffent(id)e SSo^t gearbeitet ptten, müßten 
je^t an i^re eigenen Sntereffen benfen unb fönnten e§ nid)t gu= 
geben, ba^ ber 9ieic^stag burc^ bie Erörterung ber ^onjitS^ 
angetegen|eit in§ Ungemeffene üerlöngert merbe. äJiit tjämifd^em 
Säckeln bemerfte enblic^ gerbinanb, folange ber ^apft nic^t 
entfd^iebenere SInftalten §ur SReform treffe, bie unbebingt oortjec 
gefc^e^en muffe, fönne er nid)t an ba§ ^on^il glauben; gäbe e§ 
bod) Seute, bie ha bef)aupteten, baB ber ^apft immer nur bann 
öom Äon^ile rebe, menn man e§ nid)t f)alten !önne. S)ie beiben 
Italiener fud^ten i^ren §errn natürlid^ nai^ Gräften gegen bie 
S8erbäd)tigungen be§ ß'önig§ gu oerteibigen; um bie iei(nat)me 
granfreic^S foüe man fic^ nur nid)t forgen, ba§ fei <Baä)t be^ 
^apfte§, ber auc^ bie ^Reform nur um be§ Äon^ileS mitten auf- 
gef(^oben ^aht. Statt meiterer Slntmort öermie§ ber ^önig auf 
bie (Sntf(^eibung, bie ber ^aifer itjnen in einigen 2;agen sugef)en 
laffen merbe. 

5lm 27. Suni mürbe fie bem Segaten burt^ ©ranoetta 
überreicht, i^") ®er Äaifer felbft J)atte fie in franjöfifc^er @prad)e 
entmorfen unb für (Sontarini in§ Sateinifc^e übertragen laffen. 
@ie mar geeignet, ben Segaten in bie ^öd)fte 5Serrounberung ^u 
fe|en: al§ mären auf einmal alle ©egengrünbe ber faiferli(^en 
S)ipIomaten f)infättig gemorben, erflärte fic^ Äarl bereit, ha^ 
^on^il nad) Gräften gu unterftüfeen, ftettte aud) feinerlei Sebingungen 
be^üglid^ ber ßeit ber Berufung ufm., überliefe alfo fc^einbar 
tatfäd)üc^ bem ^apfte bie atteinige „g^ü^rung ber Surfe". SSoUer 
greube fonftatierte bie§ ber Segat, inbem er ba§ faiferlic^e 



42 

(5d)nft[lü(f nad) Stom fc^icfte, unb nun fäumte er auc^ nid^t 
länger, aller SBelt bie fro^e Sotfd^aft mitsuteiten. i^^) 

SBeniger entpift xoax man in 'Siom öon bem @d)reiben; mit 
fd^arfem SltcEe erfannte man, baB ha^, tuaS ^arl fd^einbar nur 
beilöufig bemerft t)atte, ^nno^me ber Xoleran^ für bie furje ^dt 
bi§ jum mirüic^en ^ufammentritt be§ ^onjiI§, bie §auptfad^e 
mor. ^56) Um fo me^r tat @i(e not. ©ogleid^ raubte man fid) an 
bie ©ignoria öon S^enebig mit ber 93itte, abermals SSicenja für 
t>a§> ^on§iI ^erjugeben. '■•') @o ^offte man am erften, aüen 
faijerlic^en ^oleranjprojeften ein ®nbe gu moc^en. 

Sn§mifc£)en fd)ienen bie päpftlid^en SSorfd^Iäge ber (Situation 
in 9ftegen§burg auf einmal ein ganj onbere§ 5Iu§fe^en gegeben §u 
l^aben. S)er ÜJ^ain^er unb bie boirifd^en ^er^öge fprad^en ben 
planen be§ ^opfte§ i^re uneingefd)ränfte S3iüigung au§. '^s) ^(^^l 
unb g^erbinanb ergingen fid^ in heftigen Sfteben gegen bie ^roteftanten 
unb ermiefen fid^ ber g^reunbfc^aft mit 33aiern meniger abgeneigt; 
für bie ßiga geigten fie neue§ Qntereffe unb fud)ten beim ^apfte 
um eine 2ürfent)ilfe nad^. ^^^) ßontarini feinerfeitS !am einem oft 
aulgefprorfjenen 3Sunf(^e be§ Ä'aiferS nod), inbem er bie Sifd^öfe 
§ur SSornaf)me einer S^teform in i^ren 2)iö§ejen ermat)nte.i6o) 

2ange ^ielt biefe ©timmung jebod) bei ^arl nid^t öor. 3l(§ 
ber Segat am 10. Suli bem Äaifer ein mit SJJorone unter ß\u 
ftimmung ber Siga oerfoBteS ©d^IuBgutai^ten überreid^te, moburd^ 
er ben Solerangprönen enbgültig feine ©inmilligung oerfagte, 
mürbe er mit oerte^enber ^älte aufgenommen. 'f'i) ^art tjatte 
öon einer gegen i^n gerid^teten SlHiance be§ ^apfte§ mit SSenebig 
unb g^ronfreid^ get)ört unb mar mieber üoller 9)ZiBtrouen. Über 
ba§ 3uftanbe!ommen be§ ^onjilS öu^erte er fid) ^ödjft ffeptifdE), 
unb ben ^Berfid^erungen ©ontarinil gelang e§ nid^t, feine ÜTceinung 
§u änbern, ma§ ben Legaten öeronlafete, bie ^urie nod^maI§ jum 
grii^ten (Sifer in ber ?lngelegent)eit anjufpornen. 

Unterbeffen eilte ^arl ^um (5d)IuB be§ 9leid)§tage§. 9'lac^bem 
am 12. Suli auct) bie ^roteftanten it)re 5lntmort bejügUd^ be§ 
Sud^e§ überreid)t t)atten, fd)idte er ben ©täuben nocf) an bemfelben 
STage feine ^ropofition.^62) g^ fonnte nid^t um^in, in biefelbe 
au(^ Sßorfd)Iäge betreffs be§ ^onsilS auf^unelimen; bie ^roteftanten 
f)atten fd^on im Slpril barauf bermiefen, unb erft fürjtid^ t)atten 



43 

^ontartni utib bie ^^ürften ber Siga e§ geforbert.'«^) Wstx bic 
SBeife, inie er e§ erlDä^nte, geigte, lüie e§ in SBirfüc^feit mit feinem 
ÄonjitSeifer befteüt toax; bie ?Inerbietungen be§ ^Qpfte§ ignoderte 
er gänjltd^; bei einer perjönlid^en ßujammenfunft mit biefem 
öerfprod^ er non i^m. ^u „oerne^men, ttja§ be§ Concilii l^olben 
gu üer!)offen fei". Sininer nod) rebete er tion ZoUxawi, menn 
aud) nur ber tjerglidjenen 2lrtifel bi§ jum ^onjil, unb ttjenn 
Ie|tere§ nidjt ^uftanbe !äme, foüte ein neuer Sfieidfistog bie 9fietigion§= 
öerijanblungen lieber aufnet)men. S)ie (Stimmung be§ ßegoten 
njurbe nid^t öerbeffert, al§ ^arl felbft i^m fagte, folange bie 
9teform nirfjt burd^gefüijrt fei, fi)nne er nid^t annetjmen, bafe bQ§ 
^on^ü im ^eiligen Reifte oerfornmelt fei.i^J) ©ein 9Jii^üergnügen 
fleigerte fid^ nod^, all er öon ber Slufnatjme ber faiferlid^en 
^onäilSüorfc^täge bei ben ©täuben erfut)r. ßmar oon ben 
^roteftanten morf)te man ni(i)t§ anbere§ erwarten, al§ bie gorberung 
eine§ freien ^ongilS in beutfcf)er Delation mit 5Iu§fd^(u^ be§ 
^ap[te§;'"^) aber empöreub n^ar bie Haltung ber !att)oIifd^en 
(Staube, ^ie ^urfürften ujoren tro^ 5llbrecf)t oon SD^ainj nic^t 
nur mit ber 5tnua{)me ber üerglic^enen SIrtifet einöerftanben, 
foubern gingen in ber ^onjilsfrage n)eit über bie Einträge be§ 
llaiferS f)inaus inbem auc^ fie auf ber 5lb^altung be§ Uniöerfal* 
fon§iI§ in 2)eutfd)tanb beftanben, etientl. aber eine 9f?ationaI= 
t)erfammlung, aüerbingS unter bem SBorfi^e be§ ^apfte§, ober 
einen 9ieic^§tag öerlangten.ief;) ^mmert)in machte bie ßiijami^en- 
fe|ung be§ ßurfürfteurate§, wo bie ^urie nur auf bie ergebent)eit 
be§ 9J?atnäer§ unb be§ Xrierer§ redinen fonnte, bieg SSotum üer« 
flönblic^. 5lber \Da§> follte man üon bem Sefc^Iuffe ber dürften 
jagen! Safe in ber gürftenturie bie üermittelnben Sienbensen nic^t 
übermogen, bal bemieg bie entfc^iebene ^bletjnung ber oerglic^euen 
§lrtifel; tro^bem !am fie in ber ^onsilSfrage mit gan§ benfelben 
gorberungen tt)ie bie ^urfürften.i''') Sn biefem fünfte hielten 
alfo aud^ bie S3aiern, Sraunfc^weig unb aüe beutfcfien 93ifd^öfe 
jufammen, unb ber ^apft mit feiner 5tbneigung gegen ein Äonjil 
in 3)eutfd)Ianb ober gegen ein giationalfonjil ^atte auf bie 
einmütige Oppofttion afler beutfc^en (Stönbe ju rechnen. Seben 
Zweifel an ber ©efinnunc ber beutfc^en tat^oüfen mufete jubem 
bie 5Introort ber Sifc^öfe, bie fie bem Segaten ouf feine 9teform= 



44 

üorf erläge am 18. Quü erteilten, beseitigen. S)er feit tangem 
geübten ^oliti! ber ^urie, tt)el(f)e gefliffentüd) ta§> ^on§iI, ba§ 
bo(i) eine Snftitution ber Slpoftei fei, ignoriert l\aht, f droben fte 
mit ntrfjt miBäUöerfte^enber ^euttid^feit bie ©d)utb baran p, ba& 
\o äQ^ftofe SJüBbröndje ftd^ in bie Äirdje (St)rifti eingefcfilid^en 
unb fogar 9f{ed^t§!raft erlangt t)ätten. 2tuc^ für bie lüieber^olten 
SSertagnngen mact)ten fte ben ^apft oerantroortlid^.'cs) 

Gegenüber fo ja^lreidien SSerbrieBti(f)!eiten Xüar e§ für ben 
Segoten bod^ ein red)t bürftiger Xroft, baB ftd^ bie !att)otifd)en 
©täbte, bie oon ben beiben anbern ©tänben tt)ieber einmal eine 
fc^impflid)e ^nrüdfe^ung erfahren Ratten, auf ben S3oben ber 
^ropofition ftellten.'«'^) ©§ föar bie Untermürfigfeit be§ 9fle(f)t= 
tofen, ber fid^ in ber 3lnlet)nung an bie f)öt)ere ©ettjatt ©eltung 
ju t)erfd)affen fud^te. 

ßontarini eilte toieber §um ^aifer; benn mit biefem fd^ien 
offenbar noc^ am erften au§äufommen. (Sr teilte il)m ben ©ntfd^lu^ 
be§ ^apfte§ mit, ba§ ^on^il in ^Sicenja ju l)alten unb bat il)n, 
öon |eglicl)er ^^oleranj absuftel)en. Sn ber %at erlangte er 
mefentlic^e ^ugeftänbniffe; ber ^aifer öerfprad^, bie öerglidlienen 
5lrtifel be^üglic^ ber ^attjolifen faüen §u laffen, ha§^ ^on^il in 
3)eutfdl)lanb nid^t sujulaffen unb gab au^ in anberen S^ragen 
ben 2Bünfcf)en ber ftreng!at^oltfc^en Partei nad). '''o) 

®er Segat meinte atleS erreid^t gu t)aben. @r irrte fic^. 
©eines ert)igen 2)reinreben§ mübe, lieB ^orl bie nöd)fte ^ro^ 
pofition'^') ben ©täuben sugel)en, ot)ne fte oor^er ßontarini feinem 
5Serfpred^en gemüB ju jeigen. '^2) SBie erftaunte ba ber ^arbinol, 
ber ftd^ baf ©dtjriftflücE erft auf Ummegen üerfdl)affen fonnte, al§ 
er lefen mu^te, baB ber ^aifer, menn ba§ Unioerfalfonäil fel)l* 
fd^lüge, ein S^ationalfon^il in StuSfid^t fteÜte. ©d^on ber 9^ame 
njar ben ^äpftlidjen gumiber. SDer ßegat beeilte ftd^, ba er beim 
^aifer fein @el)ör erlangte, einen gel)arnifd^ten 'j^roteft an bie 
©länbe ju rid£)ten: ©adjen, bie ben ©lauben angingen, fijnnten 
nimmer öon einer 9iation aQein entfd)ieben n)erben; jeben auf 
einer fold)en SSerfammlung gefaxten S3efd)lu& erflärte tü§i ©direiben 
öon öornt)erein für nuU unb nid^tig.^^sj ^lUein bie !att)olifdl)en 
©tönbe liefen fic^ nic^t beirren; mit bürren SSorten lieBen 



45 

fie if)n trifjen, bafe fie auf i^rem ©tanbpunfie bef)arren 
müßten. '"*) 

Sn^lüifdien fjatten fie auc^ bem ^aifer ifjren Sefc^eib auf bie 
^ropofttion öom 23. Suli pgefien laffen; fie toiebertjolten in ber 
ßon§i(§fa(^e i^re alten ^orberungen.'^s) 

9^un erfuhr Gontarini, bo^ SJarl fic^ entfd^Ioffen t)abe, auc^ 
in bem legten ©tü(fe, ber Berufung be§ ^on^ils in eine beutfdjc 
©tabt, nadjäugebenJ'^ß) 9^od^maI§ öer juckte ber £egat gemein» 
fd^aftlid) mit SJJorone unb bem am 21. ^uü eingetroffenen SRuntiu§ 
SSeraüo, ben ©inn be§ ^aiferS §u önbern; aber bie§ma( blieb 
ber Slaifer feft. 

(g§ brängte ^arl, biefen 9^ei($§tog ^u fditiefeen, auf bem er 
feine grö&te Hoffnung f)atte fd^eitern fet)en. 2)a§ einzige, ma§ er 
erreid)t t)atte, mar bie eilenbe Xürfen^ilfe. SSoII Sitterfeit fonftatierte 
er, ta^ im übrigen bie ©tänbe fid^ nur in einer @ac^e eine§ 
@inne§ gezeigt Ratten, unb jmar §u feinem 9^ad)tei(: e§ mar bie 
gelbrifd^e 5lngelegent)eit, in melc^er bie g^ürfien ben ^aifer um 
bie S3ele^nung be§ ©Ieoer§ baten, i") 3BoI)in er aucf) blidEte, 
fanb er ni(^t§ al§ unauflöSlid^e 3Sermirrung unb ß^^^^^^'^'^t- 
ß'arl fa^ ein, ha'B ein 9ie§e^, ber aüe bef riebigte, ein S)ing ber 
Unmöglic^feit mar. ©o bemiüigte er, nur um gum ©d^Iufe gu 
fommen, ma§ irgenb möglid^ mor. 3)ie eine Partei ftellte er 
burcf) ben SRe^e^ aufrieben, bie anbere burc^ eine ®ef(aration. 
Um bie !riegerif(i)en Seftrebungen ber ßiga unfd)äbUdf) ju mad)en, 
trat er felbft in fie ein, inbem er fie äugleidt) aller aggrejfiüen 
S3eftimmungen entüeibete. 5lu(f) in ber ^on§iI§frage geigte er ba§ 
Sßeftreben, jebem SSunf^e gu genügen, ^en ^roteftanten erlaubte 
er, gegen eine unter päpftlic^er §ot)eit ftattfinbenbe ^erjammlung 
gu proteftieren;!'«) bie ßat^olifen bagegen erhielten it)r ^ongil 
gugefagt, mie fie e§ t)aben moHten. Sa, ber Äaifer tat noc^ ein 
Übrige^, inbem er tierfidjerte, ber päpftli(i)e 2egat f)abe gu aüem 
feine ßuftimmung erteilt, ©rft in 2:rient erfut)r biefer öon bem 
il)m gefpietten (Streiche. '-9) S)er Stufbruc^ be§ ^aifer§ au§ 
9?egen§burg glicf) faft einer ^Iud)t; eine @tunbe narf) ber ^ublifation 
be§ ^tegeffeg ßerliefe er bie ©tabt, um über aJJündjen unb Snn»bruc! 
nad^ Stauen gu eilen. 



46 

2)urc^ ben 9flegen§burger 9ftei(i)§tag tvat bie ^onjilifrage 
tüieber in ben S3orbergrunb be§ Sntereffeg gerüdt unb i^re fiöfung, 
roie fd)on oft, al§ unbebingt nottüenbig erfannt. Überblick man 
ober rücfroörtS fc^auenb ben SBeg, auf bem bie§ SfJefuItot erreicht 
tüor, fo muB man fic^ gefte^ieii, \)a^ in SSirflic^feit menig gewonnen 
toar. 3)ie Seftimmungen be§ SRe^effe» tüaren für ben ^apft, ba§ 
l^atte biefer oft genug betont, unonne{)mbar; bie ^roteftanten 
fiatten t^re Slnertennung gleichfalls oerttjetgert. ®ie !atf)oIif(^e 
9Jfe^rt)eit, bie ben S3ef(i)IuB ergmungen fjotte, l^ielt feine§meg§ fo 
feft gufammen, wie e§ ben 3lnf(f)ein ^otte : ^urf ürft 3llbrecf)t ^atte 
fic^ n)ieberf)oIt gegen ein ^on^il in ^eutfd^Ianb erfIärt,iso) unb 
bie S3aiern goben jeber Partei bie S8erfic^erungen, weld^e fie ju 
{)ören wünfd^te. SJferfroürbig mar oor allem bie Haltung be§ 
^aiferS. 9^a(f)bem er fi(^ guerft ^eftig gegen bie SBieberein^ 
beruf ung be§ ^on^ill gefträubt f)atte, fteüte er plötjlic^ alleS in 
t)a§ belieben be§ ^apfte§, um enblidi fic^ mit langfamer ©c^iüenfung 
§um Sßertreter gerabe ber ber ^urie am meiften oertja^ten S^enbenjen 
gu macfjen. Unb bo§ aüeS im Saufe eine§ äJ^onat^! (S§ fragt 
fid), ujeld^er ber brei Sßege für i^n ber üorteiltjoftefte mar. 

©eitbem er fid^ im 3uni fo entfd^ieben gegen ha^ ^onjil erflärt 
l^Qtte, mar fein einziger Umftanb meber in ber inneren nod^ in 
ber äußeren ^olitif eingetreten, ber i^m basfelbe tt)ünf(f)en§mert 
erfd^einen liefe. Sm Gegenteil, in ben Ü^e^efe mar eine Seftimmung 
aufgenommen, meldte ben ßufommentritt be§ ÄonjilS mit fd^merer 
©efa^r für ben fo mü^fam ^ergefteüten grieben im Sfleid^e oerbanb. 
@§ mar nämtidE) feftgefe^t, ha'^ bie 91d^t§erflärungen unb Kammer» 
geridjtsprojeffe bi§ gum Äon^it fufpenbiert merben follten. ®a 
märe otfo bie Eröffnung be§ ^on^ilS gleid^bebeutenb mit ber 
(Sntfeffelung be§ S3ürgerfriege§ gemefen; benn nad^ ben (Srfatirungen 
ber testen Sa^re liefe fid^ nictjt ermarten, ha'^ -^erjog ^einrid^ 
unb feine ®efinnung§genoffen bie günftige @elegenf)eit ungenü^t 
laffen mürben. SSenn man bie retarbierenbe ^raft biefer S9e« 
ftimmung begreifen miU, fo braud)t mon fid^ nur baron ju 
erinnern, mie ber ^aifer 1538/1539 mit ber Berufung be§ 9f?eirf)§= 
tageS I)auptfädt)Iid) beSmegen gezögert l)atte, um nidfit ben 1532 
gu 9^ürnberg gefd)affenen g^riebftanb auf§u{)eben. @§ ift nic^t 
anberS: mie ber gange Sflegefe, fo maren aud^ hk 5lbmad)ungen 



47 

betreffe be§ ßonsilg ein S3e{)etf, bem ^atfer burd) bie 5)?ot be§ 
5lugenblitf# obgepreBt. galten !onnte er fie nur, ftjenn eine 
grünblid^e SBenbung feiner Sage jum 93effern eintrat. 58orIäufig 
mu&te er fid^ bamit begnügen, feinen (Stfer für bie Sfteligion burc^ 
iBetreibung ber Ü^eform unb ©tär!ung ber tat^olifc^en Siga ju 
be!unben. 

Snbeffen ber 9^eic^§tag§abfcl^ieb beftanb; e§ goü fic| mit 
il^m abjufinben. 



Öterter teil. 



etptmUv 1541 fti§ mal 1542. 

3n Succa fanb oom 12. bi§ 18. September 1541 bte S3e= 
gecjnuttg'8') ätüifdien ^aifer unb ^apft ftatt, bei tüelcf)er nac^ 
bem 9flegen§burger t^e^efie bte befinitioen SSerabrebungen über 
r)a§> ©eneraüonsti getroffen itierbcn foüten. 2)ie ^ufammetifunft 
ftanb unter feinem günftigen ©terne. 5ßor ftjenigen Xogen erft, 
am 29. 5tuguft, galten bie 2;ürfen Dfen erobert; ^arl felbft 
n^artete nur boS (Snbe be§ 3miegefpräc^e§ ah, um fic^ aläbatb gu 
^iner ©fpebition nac^ Sltgier einsufdiiffen. S^agu war burc^ bie 
©rmorbung gweier fran§öfifd)en (SJefanbten burd) mailänbifc^e 
©olbaten eine neue gefät)rlirf)e SSermicflung entftanben; bie eifrig 
^epftogenen griebenSüertianblungen liefen bereite ba§ friegerijc^e 
<gnbe a^nen. 

Sn nidjt geringerer SSerIegent)eit befanb fic^ ber $apft. Hn 
feinem unb ber ^arbinäle aufrichtigen SSunfc|e, bü§ ^ongil ju* 
ftanbe gu bringen, mirb man gerabe je^t am aüerwenigften gmeifeln 
bürfen. 3u beutlic^ n)aren bie SBarnungen be§ 9f{egen§burger 
^bf^iebeS; aud) war \)ü§> ^on§iI ein oortrefflic^ geeignetes 
gDf^ittel, ben ^aifer mit ben ^roteftanten gu ent^meien. 9^ur f)ielt 
man noc^ unerfc^ütterüd) an bem @eban!en feft, ba^ Äonjil in 
Stauen abgutjalten. Um fo unangenehmer mar e§ für ^aul III., 
ha'^ bie SSenetianer, bie lange nic^t mit ber ©prac^e f)erau§gemDEt 
Ratten, enblic^ auf mieber^oIteS 2)rängen be§ ^apfteS, ber ben 
Ä'aifer in Succa mit ber üollenbeten 3:atfad)e p überrafct^en {)Dffte, 
in Ie|ter (Stunbe erf (orten, au§ 9ftüc!fid)t auf bie dürfen unb 
gran!reic^ it)m feine Sitte um SSicenja abjd)Iagen ju muffen. ^»2) 



49 

S)enn aiiä) öon ^raii§ I., ber fid), jolange e§ galt, bie bro^enbe 
SSerftänbigung ^ar{§ mit ben ^roteftonteu ju t)intertTeiben, für 
ba§ ^onstl QuSgefprod^en f)otte,'^3) toaren jd^on tüieber anbete 
S^ac^ric^ten eingetroffen. SBenn ba§ Äonsil in Stauen ftatlfinbe, 
l^atte er ju bem päpftlirf)en S'luntiuS gefagt, bann molle er perfonüc^ 
!ommen, aber mit feinem .^eere.i**^) 

(S§ ift flar, bofe man in ßucca unter biefen Umftänben 
beiberfeit§ menig Suft t)atte, fofort eine Äonüufion f)erbeiju= 
führen. SKie e§ f(f)eint t)at ^arl unter §inmei§ auf bie unter ben 
^roteftanten i)errfc^enbe Erregung unb bie ©efa^r neuer ^erlufte 
be§ ÄatI)oIiäi§mu§ fic| auf ben Soben be§ 9iegen§burger 5lbfd)iebe§ 
gefteHt unb STrient in ^Sorfd^tag gebraut, i^^) 2)oc^ f)at er offenbar 
feinen aU^ugro^en (Sifer bemtefen,!^^) tüa§ allerbingS, menn man 
bem franjöfifd^en ©efanbten in SSenebig trauen barf, ©ranüeüa 
nic^t abt)ielt, gegen Bologna, ba§ öom ^opfte genannt mürbe, 
tjeftig §u proteftieren.'^') S)al 9tefuttat mar fd^Iie^Iid^, ba| ber 
^apft oerfpra4 ficf) über Ort unb Slermin ber Söiebereinberufung 
bis aJJartiniaug^uf preisen. '*^) (SJranüella, ben S?!arl in Statien jurütf = 
Iie§, unb 5tguilar mürben mit ben weiteren SSerf)anb(ungen betraut, ^^o) 

®er ^opft übergab bie 2(ngelegen^eit an §mei feiner be- 
mö!)rteften ^arbinöle. (Sontarini unb 5(teanber mürben beauftragt, 
alle in S3etrac^t fommenben Strogen ju ermägen, auc^ für ben 
^aö, ob Ärieg ober ^rieben fei unter ben rf)riftlid)en gürften, 
ob fie aüe guftimmen mürben ober nid^t, enbtidb aud^ ben §?egen§« 
burger Sftejefe ju berücffic^tigen.'-'") S)a Slleanber ptö^tid) er!rantte, 
fiel bie ßöfung ber ^lufgabe (Sontarini aüein ^u. 2)ie 2)enf|c^rift, 
bie er bei biefer @elegent)eit entmarf, jeigt, mie fel)r bie Haltung 
ber 2)eutfc^en auf ben früt)er fo entgegenfommenben ^arbinal 
gemirft t)atte. @r, ber noc^ in 3flegen§burg Orient oorgefc^Iagen 
t)atte, oermarf je|t jebe beutfc^e SOJalftatt unb §og SRantua allen 
anbern ©tobten oor.i'^') (Seine S^atfc^Iüge fanben in 3fiom geneigte 
Ofiren. ©abolet rebet öon oielen ^inberniffen, bie bem (Stfer be§ 
^apfteS im SBege ftänben.''-'0 (5r meint bamit offenbar in erfter 
Stnie bie ^la^frage, in ber nac^ feiner Slnfic^t bie Äurie aü.^u 
^artnäcfig it)ren @tonbpun!t feft^ielt. 

Unterbeffen na^m bie alger ifd)e (Sjpebition ein jöf)e§ (Snbe; 
Wliitt gfiooember traf in tRom bie 9fiac^rid)t üon ber fd)rec!(ic^en 

Sorte, Äon^iläpoütit flarU V. 4 



50 

^atoftrop^e ein, öon luelc^er bte glotte an ber ofrifanifd^en Äüfte 
t)eimgefucl^t irar. 2)a§ toar ein neuer Schlag für bie g^riebenS* 
Hoffnungen; bie ©d^mäd^ung be§ ®egner§ mufete bie ßrieg§(uft 
granj I. er^eblicE) fteigern. Um fo me^r mu^te ber faiferlic^en 
^Diplomatie boron liegen, baB ber ^apft in ber ^rage be§ Äonäi(§ 
in ^eutfd^Ianb, ba§ bem franjöfifdien S?önige ein 2)orn im 5tuge 
tt)Qr, fid^ gu Äarl befenne; ein ttjid)tige§ ©türf ber öon ^aul fo 
gern oorgefd)ü|ten S^eutrolität märe bomit in SSegfall gefommen. 
©ranüeüo gab bem ^apfte §u öerftef)en, ta'i^ man burd^au§ ni(^t 
beabfid^tige, i^m Unonne^mlid^feiten mit ber ^onjilSangelegen^eit 
gu bereiten; nur mürbe eine birefte ?lblef)nung ber beutfd^en 
gorberungen gro^e Erbitterung in ©eutf^Ianb ^eroorrufen unb 
l^öd^ft gefät)rli(^ fein. Sf^ad^ feiner 9J?einung märe e§ jmetfmäBiger 
für ben Reuigen @tut)t, menn ber S3efd^eib be§ ^apfte§ etma fo 
lautete: er, ^aul, mürbe iiaS^ Äonjit mit SSergnügen öerfammeln, 
fomo{)I meil e§ feinen eigenen SSünfd^en entjpräc^e, oI§ au^ um 
ben Sitten be§ ^aifer§ §u millfaf)ren; bie SBat)t be§ ^ongilSorteS 
merbe man ganj jur ßufrieben^eit ber beutfd^en Sf^ation treffen. 
9J?it einer foldfien Stntmort, meinte ber 9J?inifter, mürbe man bie 
Seibenfd^aften ber beutfd^en ^roteftanten berut)igen unb fönnte 
in§mifd^en bie SSerf)anbIungen über mid^tige ^inge fortfe|en; bQ§ 
mürbe jugteid^ eine paffenbe (Sntfc^ulbigung für ben ^apft bieten, 
inbem man auf biefe SBeife afle ©c^ulb auf granfreic^ fc^öbe, 
bo§ ja nad^ 3ranj' ®rf(ärungen ein ^onsil in 3)eutfd^Ianb nic^t 
jugeben motte. 

Slüein ^aul üeB fic^ nidjt fangen. SBenngleic^ er au§ ben 
gemunbenen Stugfü^rungen @ranöella§ Herou§jut)ören meinte, ha^ 
biefem felbft tro^ feine§ ®rängen§ menig am ^onjit gelegen fei, 
fo mufete er gerabe je|t, nad^bem bie beutfd^en ©tänbe ber 
päpft(irf)en ÄongilSpoIitif in fo uuämeibeutiger SBeife it)r 9JJi|trauen 
befunbet Ijatten, SBert barauf legen, bie Stufridt)tig!eit feiner 
S3eftrebungen ^u geigen, ©c^on um ba§ Stnfe^en be§ ^eiligen 
@tu{)fe§ millen, auf ben fonft mieber aller ©djimpf fallen mürbe, 
beteuerte er, hielten mit if)m aüe feine ^arbinüle ba§ Äongil für 
notmenbig. 5(ber öon einer beutfd^en SJJatftatt mollte er nod^ 
mie öor nid^tS miffen, aud^ nid^t öon Orient, taS^ er für gu flein, 
ungefunb unb fd^Ied^t oerproöiantiert er!tärte. ©tott beffen fd)lug 



51 

er aRantuQ unb gerrora öor, njogegen natürlich triebet ©rantieHa 
opponierte. Xro^bem tamtn am folgenben S^age, ipöl^renb ber 
^apft Quf einem 5lusfluge nad) O[tio abmejenb mar, garnefe unb 
ßeroino im Sluftrage ^qu(§ nochmals mit bemfelben 5ßorfc^(age, 
inbem fte borgaben, beftimmt §u njiffen, bafe aüe beutfc^en ^att)oIifen 
bog ^onjil auc^ in Italien bef(i)icfen würben. Stl§ ©ranöella 
fid^ biefer 58e^auptung gegenüber auf feine beffere Kenntnis ber 
in S)eutfc^Ianb ^errfcfjenben Stimmung berief, üeBen fte fic^ enblid) 
§u einer neuen ^ropofition ^erbei unb ftedten oufeer SD^antua unb 
gerrara oud) Sambraifjur 2ßat)I, tt)eld^e§] ben gorberungen ber 
3)eutfc^en genüge unb äugleid^ öon ^^ranfreid^ unb ©ngtanb (eic^t 
^u erreid^en fei. ©ranöella, bem ber Eintrag unerwartet fam, 
njid^ gefd^idEt au§, inbem er oon ben beiben Sarbinäten ^u wiffen 
n)ünfd)te, mo§ ber ^apft tun würbe, wenn f^ranj I. aud^ Sambrai 
auSfc^Iüge. ®an§ »erlegen erflörten jene, in biefem galle würbe 
^aul ^anbeln, wie e§ einem guten ^apfte juföme, Iet)nten aber 
im übrigen jebe§ weitere ©inge^en auf bie i^dtk grage ab. Wit 
ber ®rof)ung be§ 9Jiinifter§, ben beutftf)en gürften über bie 
Haltung be§ ^apfteS S3erld)t ju erftatten, enbete bie Unterrebung. 

Sind) eine nod^matige Slubienj bei bem ^apfte am 19. Sf^ooember 
fütjrte nic^t [weiter; ^au( nannte noc^ SJiobena al§ eine i^m 
gene{)me SDJalftatt, erwöf)nte aber jur SSerwunberung ber faifer(id()en 
©efanbten nid)t§ öon ßambrai, we§t)alb le^tere glaubten, ba^ 
g^arnefe unb (Seroino biefe Stabt nur in ber 9Ser(egent)eit oor* 
gefcf)Iagen t)ätten, ba fte bem ^arbinalsfollegium bie 2Ba^l eine§ 
für bie ^urie fo ungünftig gelegenen Orte§ nid£)t zutrauten. ®en 
S3eginn ber SSerfammlung fe|te ber ^apft für ^^fingften 1542 
feft;] im übrigen woHte er ftd^ bi§ ju bem für ben 14. ^^anuar 
nac^ ©peier berufenen Sf^eic^gtage entfd^IieBen.^'J^) 

@o war man wieber über bie 58oröert)anbIungen nid^t fjinauS» 
gefommen. 2;ro|b€m waren wof)t beibe ^eile mit bem ©rgebniffe 
aufrieben. |^orI unb feine äJlinifter Ratten wenigftenl bie Berufung 
be§ ßongilS in eine au^erbeutfcfie ©tabt öer^inbert; oor ben 
beutfrf)en ©täuben waren fie alfo gered^tfertigt unb fonnten bie 
weitere (Sntwidtung ber ®inge abwarten. 5ludf) ^aut III. war 
ber »erlangte ^luffc^ub §weifeIIo§ wiüfommen; fo gewann er ßeit, 
ftrf) mit granfreid^ ju oerflönbigen. ''■"') Strbing^etlo, ber am 

4* 



52 

11. yiotytmhzx bort^in abgefanbt lüar, fe|te 5ran§ I. oon ben 
§lb fiepten be§ ^ap[te§ besügüc^ be§ toii^tt§ in temttniS. (S§ ift 
interejfant gu fe^en, lüte bte ^urie ie|t pIö|Uc^ ein onbereS ®efid)t 
^eigt. 3)a mollte man nic^t nur in erfter Sinie mit SO^antua, 
gerrara unb ßambroi eintierftanben fein, fonbern erüärte, boB 
bem ^apfte jeber fonft geeignete Ort redit märe, einerlei ob er in 
Stauen ober im 2Iu§(anbe läge.'^-^) 

2)er franjöfifc^e ^önig mar ieboc^ ^u feinerlei ßugeftänbniffen 
p bemegen. 93emiefen bie päpftlid)en ©efanbten it)m mit einer 
SOienge oon ©rünben bie 9^otroenbigfeit be§ ^on§it§, fo raupte er 
nic^t minber berebt bie Unmögtic^feit, baSjelbe sujutaffen, barju« 
|un.i-'6) ^laibierte 5{rbingf)eHo für eine ber italienifi^en ©tobte, 
fo l^ielt er gerabe biefe für burc^au§ ungeeignet J''^) S)en in 
feinem Sfleic^e anmefenben ^arbinalen, bie ^aut III. ju Beratungen 
über ba§ ^onstl nad^ 'Siom gerufen ^atte, oerfagte er fogar bie 
(Erlaubnis jur üleife. 

9fiid)t weniger i)ielt aber bie ^urie an i{)rer äJieinung feft. 
Sll§ man am 'S. Januar 1542 im ^onfiftorium über bie ^on^il§= 
ongeiegent)eit beriet, geigte fic£) ba§ Harbin atsfoüegium me^r a(§ 
je entfci^Ioffen, in ber ^Ia|frage ni(^t nad^jugeben. S8on Sambrai 
mar fct)on !eine 9tebe mef)r; SJiantua unb gerrara mürben gmar 
mieber in erfter ßinie genannt; ta man aber nod) feinerlei @d^ritte 
bei ben betreffenben ©tabt^erren unternommen t)Qtte, um beren 
(Erlaubnis au§§umirfen, fo fonnte man mit S3eftimmt^eit nur 
©tobte be§ ^irtf)enftaale§ anbieten, unb man einigte fid) be§t)alb 
auf S3oIogna unb ^iacenga. ^m übrigen mürbe ^fingften al§ 
(SröffnungStermin feftge^altenJ^») 

SOiorone, ber fi^on smeimal bie Sntereffen ber ^urie in 
3)eutf(^tanb mit fo ou§geäei(i)netem ©efc^id gema^rt l^atte, erhielt 
auf Slnraten 6ontarini§ auc^ bie§mat ben 5luftrag, ben in ©peier 
öerfammelten beutfc^en ©täuben bie päpftlidjen ©ntfctjüefeungen 
mitzuteilen. i''y) 2)ie Untunlicfiteit eine§ ^onjitS auf beutfc^em 
Söoben foüte er mit ber bort t)errf(i)enben Erregung begrünben, 
bie $öebor§ugung einer itatienifd^en 9JfaI[tatt mit bem ^unfc^e 
be§ ^apfte§, felbft auf ber 35erfammlung zugegen ^u fein. 

Wioxom, ber am 8. gebruar in ©peier eintraf, fanb bie 
©timmung ber beutfc^en gürften im mefentlic^en unöeränbert. 



i3 



^er§og SSil^elm öon ^Boiern, ben er in äJiünc^en auf gejuckt 
^atte, üerfidierle auf ade ^öüe feinen ©e^orfam; er f)ätte SJlantua 
allen anberen ©tobten t)orge§ogen, riet bem ^^untiuS jeboc^, 
um üblen ^^ac^reben üorjubeugen, nötigenfalls Xrient Dorju* 
f erlagen. 2)er Sif^of öon 5lug§burg, unlängft in 9^egen§burg 
einer ber tätigften görberer ber faiferüd^en SSerföt)nung§po(itif, 
erüärte ha§i ^onjil unter ben obmaltenben Umftänben übert)aupt 
für jttiecf Io§. '^ßo) ®er ©peirer fprad) fic^ für Orient unb 2)ie^ 
au§,2oi) wä^irenb S^urfürft Sllbred)t bei feiner §l.ifirf)t oon ber 
@efä^rlid)!eit €ine§ ^ongilS in ©eutfc^Ianb blieb. '^02) «giele 
nahmen bie pöpfttic^en SBerbungen mit SRi&trauen auf; auc^ bieg» 
ma(, meinten fie, würbe e§ bei fc^önen SBorten fein S3ett)enben 
ftaben.203) 

3u ben ©feptüern getjörte aurf) ^^^^^inanb. ©ein ganjeS 
Sntereffe an biefem Steic^stage beftanb in ber ©rlangung einer 
mögüc^ft anfe!)nlic^en Unterftüt^ung für ben beoorftet)enben dürfen« 
frieg. ®ie ?tu§fid^ten bafür lagen fo günftig wie nur irgenb 
möglic^. Stuf einer ßi^iö^^^i^^^'^u^ft ^" S^laumburg -o-*) im Oftober 
be§ öorigen Qa^reS {)atten bie öier mäc^tigften proteftantifc^en 
dürften i^re 53ereittDi(Iigfeit §u ausgiebigen Seiftungen erflärt; 
§ug(eic^ aber Ratten fie nic^t untertaffen, if)re bie ?fte(igion be* 
treffenben gorberungen ju erneuern, ©eine Haltung in ber ^ongilS* 
fad)e mar bem Ä'önige bamit tjorgejeic^net. ©cf)on frühere 95erfucl^e 
SSeraüoS, i^n für ein ^ongil auBer^atb 3)eutf(^Ianb§ gu gewinnen, 
{)atte er mit ^eftigfeit gurücfgemiefen.^f''^) 3e|t glaubte 3JJoronc 
bei it)m unb ben beiben faiferlic^en Dratoren, SD^ontfort unb 9köe§, 
gor @eneigtt)eit ju einer Söfung ber religiöfen ^'^age auf einem 
^JtationaÜonäil ober einem neuen 3^eict)§tage gu entbecfen.^oe) 
^artüularöerfjanblungen be§ 9^untiu§ mit ben fatt)oIifc^en ©tönben 
fu(i)te ber ßönig nac^ SRöglic^feit gu t)inbern, unb eS mar i^m 
i)örf)ft peinlich, ba^ jener au§ ber 5(bficf)t beS ^apfteS, ba§ tonjil 
fd)on ^fingften gu oerfammeln, nid)t ben geringften §et)I machte.-«') 
3mar beteuerte er ein SD^at über ba§ anbere, ta^ feine unb be§ 
ÄaiferS SBünfc^e ben SftegenSburger S3efd)Iüffen burd)au§ jumiber 
mären; boc^ magte er e§ nic^t, felbft mit einer beftimmten 
^Sropofition cor bie ©tänbe gu treten ; öielmet)r ^ätte er 9J?orone 
gern oeranlafet, feine SSoUmac^ten in einer ©i^ung oorsutragen. 



r 



4 



S)a§ (e'^nte biejer jebod^, ha e§ i^m an SnftruÜion mangelte, mit 
@ntfd)iebenf)eit ob.^os) 

2)te S3erid)te SJtoroneS njaren in i{)rer @efamtf)eit nic^t ba= 
nad^ angetan, bie ^urie in itjrer bisherigen Haltung ju erfd)üttern: 
öon gerbinanb t)atte man !eine anbere 3lnttt)ort ernjarten fönnen, 
unb bie ßufic^erungen ber fat^olifd^en dürften waren ben römifc^en 
5lfpirationen gum minbeften nid)t ungünftig. ^ro^bem geigte 
ber ^apft, ber feinem ©ejanbten nod^ bor furjem bie öorjugS* 
meife S3erüc![ic^tigung 93oIogna§ empfohlen ^atte,20!t) auf einmal 
ba§ meitget)enbfte (Sntgegen!ommen. 3n einem (Schreiben oom 
6. ÜJiärä2io) ert)ielt aJlorone ben 33efeI)I, wenn !eine üon ben öier 
italienifd)en ©tobten für paffenb befunben merbe, STrient üorju^ 
fc^Iagen. Wan finbet für biefe plD|Ud)e 9^ac^gibig!eit nad) fo 
langem unb äät)em SSiberftanbe feine anbere jureic^enbe (Srftärung 
al§ bie, meldte g^arnefe felbft in ber Söeilage gibt, unb bie barin 
beftanb, baB man in 9lom @ett)iBt)eit erlangt §u ^aben glaubte, 
ha^ ebenfo mie gran§ I. auc^ Äaifer ^arl ba§ ^ongit nic^t 
münfc^e.2"i) 2ag bie <Büd)e fo — unb aüeS 53orangegangene 
unb bie gegenJuörtige iiage ber 2)inge liefen feinen ^^^eifel baran 
§u — , bann öerloren .aUe ß^Ö^f^öubniffe ifjre @efät)rüc^feit, 
mäf)renb fie jugteic^ bie 93ereittt)illigfeit be§ ^apfte§ in bie oor= 
teilt)aftefte Seleucf)tung rücften. SpfJit fluger 33erec|nung Iie| man 
je^t auc^ 'jpfingften at§ (Sröffnunggtermin fallen unb überlief e§ 
SJJorone, einen paffenberen §u mäf)ten. §luc^ gegen \)ü§ ?tuftreten 
be§ 9^untiu§ cor ben beutfd^en ©täuben ^atte man ni(^t§ ein« 
jumenben. 

5tm 23. mäv^ 1542 entlebigte S^orone fid) oor bem 3teic^§= 
tage be§ päpftlic^en 2luftrage§, nic^t ol)ne gum großen 9Jii|* 
oergnügen be§ ^önig§ gu betonen, ta'B bie (e^te ©ufpenfion auf 
Sitten ber gürften erfolgt fei; für ben 53eginn be§ SlonsilS fdjtug 
er äKariö §immelfat)rt (15. Sluguft) oor.212) SDie ^roteftanten 
Waren ber @i|ung fern geblieben, weil fie nid^t f)ören wollten, 
wie in i^rer Gegenwart öon bem ^apfte at§ „Sanctissimus 
Dominus Nester" unb „Suramus Pontifex" gerebet Würbe, ^oä) 
reict)ten fie nod^ an bemfelben 2age einen ^roteft ein, in bem fie 
gegen biefe Slrt ber Ööfung be§ ^on§iI§probIem§ ©infpradje er= 
^oben.2i;*) 



55 

SBä^renb nod) ber 9xeid)§tag über feine (Steüungnatjme ju 
ben ^ropofitionen be§ 9Zuntiu§ beriet, fonnte biefer fd)on mit 
einem neuen SSorfc^Iage aufmarten. 2lm 30. ÜJ^är^ ^atte er nämtic^ 
eine Drbre ^arnejeS erhalten, in feine ^ropofition anä) Gombrai 
aufzunehmen. 2'-') (S§ mar ha^ bie golcje eine§ S3efc^Iuffe§ ber 
^arbinallmel)r!)eit, meldte tro| be§ gegenteiligen äBunfd^eS be§ 
^apfte§ unter bem Sßorgeben, ba§ Ä'on^il ber ^rieg§gefat)r ju 
entrürfen unb bem Könige oon granfreic^ jeben 9fiefufation§grunb 
§u nehmen, ben fc^on im S^orjafire einmal aufijetaudjten ^fan 
mieber l^eröorge^olt I)atte. ©leid) am folgenben Xage rid^tete 
SJJorone ben pöl^ftüc^en S3efe^[ auS.^is) 5lm 4. Stpril erf)ielt er 
bie Slntmort ber ©tönbe; 216) fie entfc^ieb ftd^ für Orient, „menn 
e§ nic^t etma <Bx. ^eitigfeit gefällig märe, einen mef)r innert)a(b 
S)eutf(f)Ianb§ gelegenen Drt, etma 9ftegen§burg ober Äöln, ju 
mät)(en." 2Bie 3}?orone erfuhr, mar biefer 3ufo^ l^auptfäc^Iid) 
burrf) bie 5lbgefanbten öon Söranbenburg, Äöln unb ber ^fal^ 
öerurfac^t. 2Sa§ ber ©efc^eib ber ©täube nic^t entf)ielt, ma§ bem 
Sf^untiuä aber in prioaten ©efpräc^en mit nic^t miB§uüerfte^enber 
^eutli(i)feit ffar gemacfit mürbe, bo§ mar bie ©nirüftung, meldte 
ber le^te SSorfc^Iag betreffe ßiambrai erregt f)atte. SDie @tabt 
ßambrai, obgleid^ ber SuriSbiftion bei S?ammergerid^t§ unter« 
morfen, bod) burdjaus in ber frangöfifd^en (SinfIuBfpi)äre gelegen, 
märe gu anberer 3^^* öieüeid^t eine nid^t unpaffenbe 9J?aI[tatt 
gemefen. Slugenbfidlid^ aber, i)a bie Sejietiungen jmifd^en bem 
Äaifer unb ^ranfreic^ auf§ äufeerfte gefpannt maren unb ber 
^rieg jeberjeit au§bred)en tonnte, bebeutete ber Sßorfd^tag nii^tS 
anberel al§ einen fdilec^t oerl^üllten SSerfu4 ta§ ^on§iI, ba^ 
man in Stauen nid^t erlangen fonnte, überl^aupt unmöglid^ ju 
mad^en. S)a§ mar benn aud^ bie einhellige Sluffaffung ber 
beutfc^en ©täube, ©elbft bie ^atf)otiten marfen bem ^apfte uor, 
bofe er nur nad^ 9}JitteIn fud^e, tü§> ^onsil gu umget)en, unb ba^ 
er fid^ gum SQBerf^euge ber ^arteileibenfd^aften (passioni) ber 
^orbinöle mad^e. ©ogar SJiorone befam feinen 2;ei( oon ben 
Slnüagen; man jiet) il^n ber Unmat)r{)aftigteit unb Unbe= 
ftänbig!eit.2i7) 

S)ie ^ouäifSangeregenfieit mar eine ber testen be§ 9ftei(f)§tage§ ; 
am 11. 5(pril mürbe er gefc^Ioffen. 2)er 9ie§e^2i8) ^jeit an bem 



56 

15. Sluguft al§ (Sröffnung§termin feft unb n)ieber!^oIte im übrigen 
bie in bem ©rfireiben oom 4. Stpril enthaltenen SSünjdEie. ®ie 
^roteftanten festen e§ burd^, boB if)r ^roteft gegen bie (Sin= 
mifd^ung be§ ^apfte§ in bem 5lbfi^iebe erroä{)nt tourbe. (S§ ttjar 
eine unter mef)reren anberen Seftimmungen, burrf) meldte bie 
QuSj'd^Ioggebenbe poütijc^e (Stellung, bie ber ^roteftanti§mu§ im 
Sfleid^e erlangt ^atte, ficf) bofumentierte. Snbem ber ^önig unb 
bie faiferlid^en ^ommiffare fie guüeBen, zeigten fie, ba| fie fic^ 
au^erftonbe füf)(ten, im gegenmärttgen 5(ugenbli(fe bie ÄonsilS* 
fatfie in einer ben römifd^en SBünfc^en entfpred^enben $SSeije ^u 
öertreten. 

Stuc^ in ffiom ^atte man, nad^bem man fo oft bie ®ringlic£)!eit 
ber Slngelegen^eit betont ^atte, tt)ieber ß^it. (Srft nad^ langen 
S3eratungen'^»9) mürbe am 22. Tlax bie 33erufung§buIIe im ^on* 
fiftorium üertefen unb er[t nad^ abermaliger mef)rroöc^entlidE)er 
SSergögerung am 29. Suni publiziert. '-^-") Unb nidtjt für ben 
15. Sluguft fonbern für ben 1. 9^ooember mürbe ber 93eginn ber 
Söerfammtung angefügt 



JFunflec (EeiL 



^tttti 1542 aB 1544. 

3Jiit ßoubern uitb ßögern, o{)ne eine ©pur öon g^eftigfeit 
unb 3;atfrQft, raie fte ha§ gro^e SBerf erforberte, ba§ nad) ber 
nunmehr ätüan^tg ^aljxt (ong fe[tget)altenen 3^f)eorie ber ^irc^e 
eine 9?egeneration im Snnern unb SBieber^erfleüung nad) aufeen 
bringen foHte, toav man in 9(?om an bie ^ouäilsinbiftion ^inan= 
getreten, ©eitbem bie ©efamf^eit ber 5lbgettjicf)enen fid^ immer 
mefjr gu einer politijc^en SJiad^t erften 9flange§ fonfotibiert Ejaite, 
ber fogar ber ^aifer ein ^«geftänbnil nac^ bem anbern ju ma(f)en 
fi(i) genötigt fa^ unb bie für bie SRod^tfprüd^e eine§ ^onsilS aller 
Si8orau§fid^t nacf) nur §ot)n unb ©pott ^aben mürbe, ^attt ba§ 
mid^tigfte 9Jiotiü für bie S3erufung, bie SSiebergeminnung ber 
Ä'e|er, oiel oon feiner ^raft eingebüßt. S)er ©cbanfe einer ^irc^en= 
reform burc^ bie 55erfamm(ung mar für bie Äurie aber minbeftenS 
mit ebenfoötelen S3ebenfen al§ Hoffnungen öerfnüpft. Unb ber 
neuefte @runb, mit bem man in te^ter ßeit gern bie 9^otmenbig- 
!eit be§ ^ouäit» bemie§, ba& biefe§ nämlic^ bie gmifdjen ^arl unb 
gronj befie^enben ßmiftigfeiten fc^lidjten folle, mürbe in feiner 
gangen gabenf^einigfeit baburd) offenbar, ba^ man ben (Sr5ffnungl= 
termin fo meit {)inausfd)ob, bi§ ber Ärieg löngft au§gebrod)en 
fein mufete. Sagu fam nun ta§ ®efüf)I ber 9^ieberlage, bie man 
fic^ in ben 5ßert)anblungen über ben ^onjilSort gefjolt f)atte, unb 
enblic^ a{§^ au§fc^Iaggebenbe§ 9J?oment bie 9^ät)e bei Krieges, 
bie aud) bie fröftigfte Snitiatioe lö^men mufete. 

®er ©timmung, in meldier bie Subiftionsbuße erlaffen mar, 
entfpracfi it)re Slufnat)me in ben oerfc^iebenen Sönbern. 3n iüenebig 
lachte man über ba§ öergeblid)e SBeginnen.^-') Stuf bem beutfd)en 



58 

fReicfiStoge, ber fid) im Stuguft in S^iürnberg öerfommelte, fprod^en 
bie !Qtt)oIifc^en ©tönbe ben beiben päpftlid^en SSertretern, bem 
^fiuntiug SßeraHo unb bem für bie Überbringung ber ^onsilS- 
einlabung fpe^ieü abgefanbten Otto 2;ruc^je§ öon SBoIbburg, bie 
am 13. 5lugu[t 1542 bie S3otjc^aft $aut§ IIL ausrichteten, i^ren 
®anf au§, jagten bie 93efd)i(fung be§ ^onsilS toenigfteng burd^ 
^ro!uratoren §u unb liefen ben ^^apft ermat)nen, fic^ bon feinem 
9Sorf)aben nic^t mieber obbringen ju Ioffen.222) ^n ^riöatgefpräc^en 
aber erful^r ber ^Juntiug, boB, gan§ gu fcfimeigen öon ben ^rote= 
ftanten, bie fic^ mit unöer^o{)fenem ©pott über bie SBieberein* 
berufung äußerten, ouci) bie ^attjolifen biefelbe größtenteils für 
nu|(o§ f)ielten.223). 2)iefe Slnfic^t fpiegelte fid^ auc^ in bem 
fReid^StagSregeffe mieber. (3ax\^ gegen bie auf allen bisherigen 
Tagungen geübte ©epflogenl^eit gebadete biefer ber römifdjen ®e= 
fanbten unb beS Ston^ilS mit feiner ©ilbe. 9n§ ob ein fotd^eS übcr= 
fiaupt nic^t efiftierte, mürbe bie religiöfe Einigung 2)eutfc^[onbS 
ber balb ju ermartenben S(n!unft beS ßaiferS üorbe^a{ten.224) 
Äönig 3^ran§ blieb feiner bisherigen Haltung getreu. 3)ie iotfU 
reichen Unterrebungen, bie ber pöpftlic^e DJuntiuS 6apo bi gerro 
mit i^m ^atte, bie auSfüt)rIic^ften 9fted)tfertigungen garnefeS übten 
nid^t bie minbefte SBirfung auf i^n auS. 2ieB er fid^ überijaupt 
einmal gu einer Erörterung t)erbei, fo brad^te er mo^( allerlei 
©inmenbungen gegen Orient oor; (s;ambrai unb 3Jie| t)ötten if)m 
paffenber gefc^ienen. SJJeiftenS fteüte er fic^ aber ouf ben rein 
ablel^nenben ©tanbpunft; er fonnte förmtid) in SBut geraten, menn 
bie Ülebe auf baS Äonsil !am.225) 

^IS bie SnbiflionSbuüe bei bem Ä^aifer eintraf, maren 
fc^on mieber bie geinbfeligfeiten mit granfreidt) auSgebrod)en. 2Bie 
früf)er Ijotte ber $apft fi^ aud^ je^t oufrid)tig um ben grieben 
bemü{)t, allerbingS feine Sftatfc^Iäge t)on öornl)erein if)rer über= 
^eugenben ^raft beraubt, inbem er fid^ mit feinen <St)mpat^ien 
ouf bie ©eite ber grangofen fteüte. Sn ber ^onjilSbuHe {)atte 
er bann feinem Unmut über bie Sßergeblid^feit feiner Slnftrengungen 
beutlic^en 5luSbruc£ gegeben, ber ©treittuft beiber dürften bie 
©c^ulb an bem ^JZid^täuftanbefommen beS ^onjüS §ugefd^oben unb 
fie um beS le^teren mißen jum grieben erma{)nt. 2(ud) gerbinanb 
mar nic£)t leer ausgegangen. 3)ie ©leid^ftellung mit bem franjöfifd^en 



59 

Könige, ben er öon feinem (Stanbpunfte au§ für ben alleinigen 
griebenäftörer t)ielt, mufete ben Äaifer um fo met)r ärgern, al§ 
er fid^ feit SUJonaten bie gri3|te 9J?ü^e gegeben t)atte, ben ^apft 
ju einer ©rflärung gu feinen ©unften §u bemegen.226) $:ro^bem 
t)atte er nod^ nid^t oEe -öoffnung aufgegeben, entttjeber ben ^rieg 
ju öermeiben, ober njenn ha§> nirf)t, ben ^apft auf feine @eite ju 
gießen. Sebenfaü^ bef(f)IoB er, um nid)t ben Slnfd^ein ju ermeden, 
al§ rnoüe er ba§ Äon^it t)inbern, öorläufig feinen ^tnftofe an ber 
g^affung ber Sutte gu ne!)men, unb riet aud^ fe"nem Sruber ju 
bem g(eidE)en S3er§atten.''^27) 

Sauge i)ie(t biefe Stimmung jebodf) nid)t üor. ©eine gerieben?* 
Ijoffnung ermie§ fid^ al§ trügeriftf); in ber jttieiten §ä(fte be§ 
S(uguft befam er — mit auffallenber ^ßerfpätung — bie franjöfifd^e 
^rieglertlärung,2-») unb baju geigte e§ fid^, bafe ber ^apft nid)t 
baron badete, feine 91eutratität aufzugeben, bafe er öietmet)r bie 
Slbfenbung gmeier ^arbinäle ^üx grieben§öermittlung plante. 229) 
Setit geriet ber Äoifer in bie f)eftigfte Slufmaüung. 2)ie S(n= 
!ünbigung be§ ^onäit§ erfd^ien i^m unter biefen Umftänben immer 
me^r a(§ ein Ift ber geinbfeligfeit gegen il)n unb fein §au§ unb 
eine ungerei^tfertigte S3eooräugung be§ ^önig§ t)on g^ranfreid^. 
3n einem äuBerft gereiften (ädireiben^^o) ermat)nte er $aul IlL, 
ftd) ben 35ater im ©oangelium jum 9JJufter ju net)men, ber ben 
fleißigen unb ge^orfamen bem öerfc^menberifd^en (Sotjue oorgegogen 
\)ühe. @r, ber ^aifer, fönne nid^t um^in, ber ^rat)Ierei be§ 
frauäöfifdien ^bnig§ ©tauben gu fc^enfeu, ta^ bo§ t)ei(ige Kollegium 
gang oon feinem SSiüen abpngig fei. SBenn ber ^apft feine 
^flitflt red)t üerftänbe, fönnte er nid)t anber§, oI§ fid) mit Äarl 
gegen ben freüeltjoften griebeuöbrerfier unb ^^reunb ber Xürten 
üerbünben. Ö^ur unter biefer Söebingung fei an eine S3ege{)ung 
be§ ^ongilS gu benfen, mä^renb onbernfaU§ mat)rfcfieintid) meber 
er, noc^ bie beutfc^en ^urfürften, noct) bie Prälaten au§ feinen 
öerfct)iebenen (Staaten on bem ^ongil teilnef)men mürben. 

e§ fc^eint, ha^ bie faiferlid^en ^olitifer oon biefem 95erfuc^e, 
burd) bie ^ongil§angetegent)eit ben ^apft gu einer tnberung 
feiner Haltung ju üerantaffen, uod) einigen ©rfolg ermartet ^aben ; 
benn biefe gange ^olemif ging gunöc^ft im tiefften ®et)eimni§ öor 
fic^. Dtjne ßmeifel ift es auf ben 93efet)t Ä'art§ gurücfgufütjren, 



60 

ba'i^ ber 9^untiu§ öon ber ßougitSbuHe fonft nichts öertauten lie^. 
9^0(^ 9}?itte (September, tDäf)renb man bereits überaß ©teüung §u ber 
^ongitSfrage genommen t)atte, meinte ber englifd^e ©efanbte an 
ßarlS ^ofe einen glücEüc^en @riff getan ju ^aben, at§ er ftd^ 
eine Slbfd)rift ber SBuüe öerfc^afft ^atte^'^) Slümötilic^ fc^eint 
jebocf) ber Ä'aifer bie SSergeblii^feit feiner SBerbungen nm ben 
93eiftanb be§ ^apfte§ eingefet)en gn ^aben; nac^ einigen 2Boc^en 
fe^en mir it)n bie bisher geübte 9f?ücffi(^t auf bie ^urie aufgeben. 
SJfafegebenb mar bafür fein SSer^öItniS ^vl ©nglanb. 

@d)on im 5Iuguft be§ oorigen 3a^re§ f)atte O^ran^ I. feinen 
©efanbten in Sonbon beauftragt, bie 5lufmer!fam!eit ^einrid^l VIII. 
barauf gu lenfen, mie gefät)r(id^ ba^ oom ^aifer unb ©rantieHa 
beim ^apfte betriebene ^onjil für it)n märe. -^-) S33ar e§ bamalS 
bem fpanifc^en S5ertreter (5t)apuQ§ nod^ öer!^ö(tni§möBig leidet ge* 
lungen, ben 2lrgmot)n be§ englifd^en Äönig§ ju äerftreuen,233) 
fo muBte ba§ natürlii^ fdjmieriger merben, al§ bie granjofen auf 
ha^ Ergebnis ber ©peirer 95er^anbtungen t)inmeifen fonnten.234) 
S^iun ftieg bie englifd^e greunbfc^aft aber um fo met)r im SBerte, 
je mef)r fic^ bie S3e^tet)ungen §mifd)en bem Slaifer unb j^ranfreic^ 
oerfd^Iec^terten. granj I. erftätte fic^ bereit, um ben ^rei§ eine§ 
S3ünbniffe§ mit (Sngtanb feine ©inmilligung gum ßonjit ju üer- 
fagen.235) gsir ^oben feinen au§brü(f(id^en SemeiS bafür, \)a^ 
^einrid^ VIII. — mie öor üier Sat)ren — öon ^arl bie gleid^en 
35erftd^erungen geforbert ^ötte; aber bie nacfifolgenben (Sreigniffe 
ma(f)en e§ ^ö(f)ft ma^rfc!^einlid§. ©oöiel fte^t feft, ha'^ ^einrid^ 
t)ortnäc!ig barauf beftanb, ha^ in ba§> §u fd^tief3enbe ©efenfiö« 
bünbni§ auc^ eine 93efttmmung gegen bie geiftlid^en dürften b. ^. 
gegen ben ^apft aufgenommen mürbe. ^36) liefen auBerften ©d^ritt 
gu tun, meli^er ber fatt)oüfdE)en ©eftnnung unb ber ^luffaffung 
Äart§ üon feinem faiferlic^en ^Berufe fo fet)r miberfprod^en f)ötte, 
öerraeigerte ber ^aifer; aber er erfannte bodt), ha^ man o^ne 
irgenbmelrf)e§ ©ntgegenfommen in biefem fünfte nid^t auSfommen 
merbe. ©0 öer{)e^lte man bem 93ifd)of oon Sonbon, S3onner, nid^t 
lönger, mie fe^r man in 3Bitfnd)!eit mit ber .g)altung be§ $apfte§ 
uuiiuf rieben §u fein Urfa(i)e t)atte. äJJan beeilte fic^, it)m mitgu* 
teilen, mie man bie oon ^aul III. beabficf)tigte Negation ßontarintS 
gurücEgemiefen ^ah. 5Im 14. ©eptember ergätitte ©ranoella oon 



61 

einem t)efttgen ©riefe, ben man bem ^opfte gef einrieben \)aht; mit 
bem 9?untiu§ fei er in ßoüo§' §aufe in einen erbitterten 2ßort= 
medifel geraten, xoohd er jenem fogar mit einem Äon^ile „cum 
Lutheranis" gebrotjt fjobe.^^^) (£§ Hegt no^e ju üermuten, bafe 
Qud) ber geheime g^reunb, ber an bemfetben ^age bem Snglänber 
eine Slbfd^rift ber ^on^ilSbutle überbradjte, ©ranoella nid^t fern 
ftanb. ©nblirf) übergab man it)m eine ^opie ber 5Intmort an ben 
^opft, ■'^^) unb fc^idte biefelbe auc^ an (i^aput)§, bamit er fie bem 
Ä'önige mitteite. Sitte biefe Semeife ber 9J2iBftii»imung jmifdjen 
Äaifer unb '»^apft gereichten ber englifcfjen Üiegierung §ur größten 
Genugtuung; ^einrid^ liefe bem Äaifer feine ^uf^iebentieit au§= 
brütfen;'-^'') ot)ne ^^^^if^^ f^^ ^^ i" ^^^ ©d^reiben bie ermünfc^te 
©ic^ertjeit gegen ba§ ^onsil. 

93aib ging ber ^aifer noc^ einen Schritt meiter, inbem er 
ta§> ©djreiben öom 25. Stuguft oeröffentüc^te.^^o) (So ert)ielt e§ 
eine grofee, onfänglic^ gemife nic^t beabfic^tigte Sebeutung. ®§ 
mürbe ^u einem 9)Zanifeft ätinlic^ bemjenigen, ba§ einft 5llfonfo 
Sßafbeg im SUtftrage ^ar{§ V. gegen bie faiferfeinblid)e ^olitif 
etemenS VII. oerfafet l)atte. Unämeifel^aft ift bie ^^affung unb 
SSermertung be§ (5c^riftftürfe§ al§ ein SO^eifterftüd ber ^oliti! 
©ranüellag §u be^eic^nen.-'") Of)ne ta^ man fic^ in Sßirflic^feit 
äu irgenb einem ßugeftönbniffe t)erbeigelaffen t)atte, mußten fid) 
borf) biejenigen, meiere ba§ päpftlid^e Sfonsil ä« fürchten Urfac^e 
Ratten, über bie 5Ibfid)ten be§ ^aifere beruhigt fügten unb um 
fo geneigter merben, it)n bei feinen Stiegen ju unterftü^en; anberer= 
feit§ mar ben 33ormürfen ber !at^oIifc^en ©tänbe, al§ ob Sart 
ba§ Äonsil öernad^täffige, ober gar im geheimen bagegenintrigiere,^«^) 
im t)orau§ begegnet. Snblid) ^atte man auc^ tro| aller (Sct)ärfe 
bem ^apfte ben SSeg in ba§ faiferUcf)e Sager offen get)alten, inbem 
man nirf)t fo fet)r feine eigene Integrität, at§ bie be» Äarbinal»= 
foUegium§ in ßn^^if^^ ä^g. 

Sn 2Bir!tic^feit mar ber Saifer meit baoon entfernt, in ber 
Son^itsfac^e bie abmeifenbe Haltung etma ^einricf)§ VIII. anju^ 
nehmen. SltterbingS mar i^m bie ^Berufung ungelegen gefommen; 
aber je^t, ha fie einmal gefc^e^en, fprac^en boc^ mancherlei IRüc!- 
fiepten gegen eine erneute ©ufpenfion. SSieKeic^t bot eine Stnbernng 
ber politifc^en Sage in nic^t aHäU ferner ßeit bie 9Jei3gIid)feit ber 



62 

ßelebration be§ Ä^nsilS; ttjorum fic^ alfo burc^ öoreiüge Oppo[ition 
berfetben berauben? 5tuc^ bog Sßer^ättniS ju ben ^roteftanten 
mafjnte bagu, ba§ ^onsit nic^t o^ne lüeitereg faüen §u (äffen; 
fottjo^l in ©peier a(§ in 9türnberg fjotten jene auf einer enb= 
gültigen Üiegetung ber religiöfen S^rage ouf einem 9leic^§tage 
beftanben; f^eiterte \)a§ ^onjil abermals, fo fonnte mon if)rem 
SSerlangen nid^t met)r gut miberfpred^en. SfJod) gefä^rlid^er aber 
ujar e§, menn man e§ mirflic^ ju Beratungen unb Seic^Iüffen in 
3;rient fommen Iie§; ba tiefen fid) ßuftänbe ermarten, mie fie im 
3a()re 1546 in ber Xat eintraten; bie ^urie, nid)t ge^inbert burd^ 
ben anbermeitig in Stnfpruc^ genommenen Ä^aifer, mürbe oon ben 
Slbfid)ten, bie biefer mit ber ^erfammlung »erfolgte, nur bie it)r 
genet)men ^ur Slu§fü{)rung gelangen laffen, bagegen ben ^roteftanten 
nur einen meiteren @runb ju um fo fefterem ßufammenfi^tuffe 
unb t)artnä(figerer Dppofition bieten. 

©0 mufete ber faiferlic^en Diplomatie atle§ barauf anfommen, 
bie ßurie öon ber unöeränbert mo^lroollenben ©efinnung ^ar(§ 
gegenüber bem Äon^il gu überzeugen. Wian liefe e§ aud^ mirflicfi 
nid^t an SSer fieser un gen in biefem ©inne fel)ten, geftattete bie 
QSerfenbung ber ©inlabungSbreöen utib öerfprad^ alle nur mögliche 
Unterftü^ung; Prälaten fönne man allerbing§ megen ber burc^ 
©türme unb feinblic^e ©d^iffe gefatjrdotlen ©eefaf)rt öor bem 
grü{)iinge nid^t fdjidfen; aber bafür merbe ©ranüeüa felbft al§ 
SSertreter be§ ^atfer§ nad^ Orient fommen, 2«) um ba§ 5luöb(eiben 
ber fpanifdien ^rölaten gu entfd^utbigen. 

Slnfang 2)e5ember öerliefe ©ranüeüa ©panien; feine Snftruf= 
tion^^*) lautete äugleid) auf feinen ©o^n, ben S3ifc^of oon 2lrra§, auf 
5lguitor unb ®tego äJJenbo^a, ben fpanifdien ©efanbten bei ber 
©ignoria. Die fpanifd^en @ef(^äft§träger in Italien mürben be= 
nadl)rid)tigt, bamit ourf) fie nötigenfalls nad^ SErient eilen fönnten. 
2)en englifc^en ©efanbten am ^aiferl^ofe, ber biefe ^.^orfe^rungen 
mit SJiifetrouen betrad^tete, berul)igte man bamit, bafe mon i^m 
eräöljlte, ©ranoeüa foHe in 3:rient taS^ 51u§bleiben be§ StaiferS 
unb ber fpanifd)en ^rölaten motivieren. 

^1§ ©ranoeüa ©ponien tierliefe, mar ber für bie (Eröffnung 
be§ ^on§il§ feftgefe|te Siermin längft oerftridien. Der ^apft ^atte 
e§ fd^einbar an nichts fet)len laffen, um aüer SBelt bie Slufricl)tigfeit 



63 

feiner 5ibf{d)ten betrep be§ Ä'on§i(§ funb ju tun: an dürften unb 
^rälüten, ^atljolüen unb ^e^er t)atte er feine ©inlabungen er= 
gef)en iQffen;^'»^) immer tt)ieber mußten bie Segaten unb Sfiuntten 
bie O^ürften an bie S3efd)idung ber 93erfammtung erinnern. ÜDie 
auSniärtigen äJiitglieber be§ tobinaI§foHegium§ raurben aufge* 
forbert, fdileunigft nad^ SRom ab§ureifen.24«) ^lad^ STrient würbe 
ju re(f)ter ßeit ber 53ifc^of öon ©oüa gefanbt/^^") njeld^er mit 
größter Umfielt alle jßorbereitungen traf, um bie ©tabt ^ur 9(uf= 
nof)me be§ ^onjilg in @tanb gu fe^en; bie Unterbringung ber 
Segaten unb 33if(^öfe nebft it)rem ©efolge, bie 5lu§fd)mü(fung ber 
S?otf)ebroIe, ber (Sd)u^ ber (Stabt öor feinblicl)en Überfällen, bie 
@id^erf)eit ber ©trafen, aulreid^enbe ^^t^^^ öon Seben§mitteln, 
^erftellung einer regelmäßigen ^oftoerbinbung : alle§ bie§ würbe 
auf§ forgfältigfte erwogen. -^s) @nbli(f) beputierte ^aul III. om 
16. Df tober gur ßeitung be§ ^onjilS wieberum brei Segaten; e§ 
waren bie ^arbinäle ^ole, ^arifiuS unb ber üor furjem mit bem 
^UTpur bef(eibete 9)iorone.2^9) 2;ro| aüer biefer SSorbereitungen 
fann man jebod^ mit üled^t bezweifeln, ob bie Äurie wirüid^ an 
bie ßelebration be§ ^ongilS gebact)t ^at. SSenn ber ju einem 
©utacöten-^o) aufgeforberte S3ifd)of oon gettre, X^omaS ßampeggi, 
ber fid^ feit langen 3af)fen fpejieü mit ber Slonäit§frage befd)äftigte, 
in feinen Sflatfc^Iägen oud) ben galt oorfet)en ju muffen glaubte, 
bafe etwa ^aul III. bie Eröffnung ju umgeben wünfc^e, fo bewetft 
ba§ minbeften§, ha"^ in it)m noc^ ßtt'cifel über bie wat)ren 5lb= 
fiepten be§ ^apfte§ beftanben, SebenfaüS f)ieB e§ boc^ ben 3Siber= 
ftanb i^rans I. gegen ta^ Äonjit beftärfen, wenn man auf feine 
au§brüc!Uc^e Einwilligung in bie SBat)! Xrient§ oer§icf)tete unb 
it)n für bie 3^^""!^ ""^ "oc^ beutlic^ere Seweife feine§ 2Bot)I= 
Woßen§ für bie ^onjillfac^e bat.2-'>) Unb wenn bie Segaten mit 
brei SBod^en SSerfpätung in Orient eintrafen unb oon ben oon 
ber ^urie abt)ängigen Prälaten monatelang fid^ niemanb ein» 
fteUte, fo ließ ba§ ebenfatt^ erfennen, ba^ ber ^apft boc^ nicf)t 
alle i^m ^u ©ebote ftef)enben ajiittel aufjuwenben gebadjte, um 
ber SSerfammlung Sebeu eingutjauctien. 

@o tiergingen einige SJ^onate, o{)ne baß in ber ^onjilsftabt 
irgenb welche ^Inseic^en oon einem ^ortfc^rilte ber 5ßerfammlung 
bemerfbar gewefen wären. SluS granfrei(^ tarnen ftänbig ^lady- 



rid^ten üon ber gän§(id^en SluSfici^tgtofigfeit, ßönig Strang umju= 
ftimmen. 3n S)eutj'd^(Qnb f(f)ien gtoar ba§ Sntereffe bieSmat reger 
gu fein, qII bei ber üorigen Snbiftion; me'^rere ^rölaten ftetiten 
it)r kommen in SIu§ftc§t; aber üorläufig tarn man über fd^öne 
SBorte nic^t t)lnau§.2=2) 2)a brad^te enblic^ im Sanuar ba§ 2tuf= 
treten ber fpanifd^en ©efanbten in Orient etmoS Semegung in bie 
^on§iI§ange(egen^eit. 

5(m 17. ^ejember tüax ©ranöello in @enua gelanbet. ©o- 
gleich) nad^ feiner Slnfunft t)atte er einen feiner ©öt)ne nac^ Sflom 
gefc^idt, bamit er i^n beim ^apfte entfc^ulbtge, tt)eil er biefen 
ttegen ber 2)ringtid^!eit feiner Slufträge bie§ma( nid^t perfönlic^ 
begrüben fönne.^^s) @Qr §u gern tjätte ^aul, ber ja im allge= 
meinen über ben Qmd ber SfJeife ©ranüeüag informiert mar, 
Genaueres über bie Stbfid^ten be§ !aiferlid^en SD^inifterS erfat)ren ; 
aber ta§> gelang it)m tro^ eifriger Semü^ungen nic^t. Seffer 
glüdte es bem florentinifd^en ©efretör Sorenjo ^agni,^''^) ber 
feinem ^erjoge au§ ^iocenja mitteilen fonnte, ha'^ ©ranöella in 
Orient einen SIuff(^ub be§ ^onjilS ermirfen moüe, ba fid) in 
S)eutfc^lanb aEertei §inberniffe gegen ba§felbe geigten. 5)oc^ l^ot 
^rant}ella feine 5tbfic§ten offenbar mögüc^ft üerfc^Ieiert. 3eben= 
falls ttjar fein Srfd^einen in 2;rient ein plö^Iid^eS unb ööHig 
unermortete« 2lm 8. Sonuar traf er in Begleitung feines (Sot)neS, 
be§ 23ifd^üfe§ üon 5trra§, unb 3)iego aJZenbojaS, ber öon 35enebig 
t)erbeigeeilt mar, in ber ßongilsftabt ein. ©ein Sluftreten^ss) 
fc^ien nun aber im geraben ©egenfa^e gu bem ju fte{)en, ma§ 
^agni barüber in (Srfat)rung gebracht gu l^aben glaubte. 

ßunädift beftagte er fic^ barüber, bafe ba§ ^ongil fo menig 
t)ormärt§ fäme, unb »erlangte lu miffen, mie fid^ bie anbern 
5)^ationen bagu fteüten. 2)ie Segaten tt)iefen l^in auf bie S3e= 
mü^ungen be§ ^apfte§ unb beren Erfolge, bie allerbingS in ber 
^auptfac^e nur in Serfprec^ungen ber ^^ürften unb Prälaten 
beftänben; öon ben S3ifc^öfen ber bem ^aifer unterfteüten Sönber 
braui^e mon nii^t gu fprecfien, unb, fügten fie mit feiner Sronie 
llingu, üon ben franjöftfdien Prälaten ftet)e gu l^offen, ha^ fie 
t)ielleid^t eine§ ^age§ ebenfo pti3^Iid^ unb unangemetbet erfdjeinen 
mürben föie ©ranoeHa mit feinen S3egleitern. Se|tere üerlangten 
fobann für fid^ eine offentlicEie ©i^ung in ber ^atf)ebra(e, mie 



65 

ber ^Qtfer aU 2)efenfor unb ^böofat ber Äirc^e fie beanfpruc^en 
tonne; fie tt)oUten bort bie Slbmefentjett t^re§ §errn motivieren, 
unb ficf) barüber eine aut^entifc^e Seftätigung au§[tellen (offen, 
um, ujie fie focjten, bie übrigen gürften jur ^iadia^mung an= 
^ufpornen. ^ie Segaten öerfprac^en, bie geforberte Beglaubigung 
p geben, üerrteigetten ober ben 2Ift in ber S)om{irc^e, ta e§ 
nad^ früt)eren ^tongilien ^Sroud^ fei, Bittgänge unb Soften t)or= 
ünget)en unb in ben Kongregationen bie SSoIImaditen ber ÄonsilS» 
befud^er prüfen ju loffen. S)iefe unerrtjartete 2(bie!^nung oerfe|te 
ben !aiferlid)en Slanjter in f)eftige Erregung; er erflärte fie für 
eine Beleibigurg ber Draloren unb feine§ §errn; jeber O^ürft, 
wie oieIme{)r ein Karl V., ber nid)t nur Kaifer fei, fonbern auc^ 
einen fo beträc^tlid)en Xeit ber SSelt be^errfc^e, f)abe ba§> Sf^ed^t 
auf eine fold^e ©ifeung; bef)arrten bie Segaten bei itjrer SBeigerung, 
fo merbe er in einem 3J?anifeft, ba§ an bie Komturen §u tjeften 
jei, bie S^id^tigfeitsbefdjmerbe gegen ba§ Kon§iI ert)eben. 2)a fic^ 
bie Legaten aber auc^ l)ierburd) nic^t einfd^üc£)tern tiefen, fo einigie 
man ficf) nac^ langem .^in- unb §erreben auf eine Borna^me ber 
^anbtung in einem @aa(e ber 2Boi)nung be§ KarbinoIS ^aiifiu«. 
§ier öerfammelte ficf) bann am 9. Januar eine §at)treic^e, tjoupt* 
fäc^üc^ öon ben ©efanbten f)erange§ogene SOienge, cor welcher ber 
jüngere ©ronöella in einer Stiebe bie Slbfic^ten feine§ taiferli(^en 
^errn au§einanberfe|te. 

(Srörterungen über Urfprung, (Sinfe^ung, g^orm unb Slutorität 
ber Konsilien, fo begann er, unb über bie Befugniffe ber einzelnen 
<Stänbe inbetreff berfelben (singulorum ordinum ad illa officia) 
njoüe er in Üiüdfic^t auf bie Segaten, benen bie§ ja f)inlänglic^ 
befannt fei, überge{)en. äl^it 9ftac^brucf fprad) er bann oon ber 
S^otroenbigteit be§ Konzils unb ben mannigfad)en S3emüt)ungen 
Kar(§ um fein ^"ftönbefommen. S3efonbere§ ©emidjt mürbe auf 
bie oon bem ^apfte fo oft oerfproc^ene fird^Iic^e SReform gelegt 
unb an bie Unterrebungen erinnert, bie Kart einft mit dontarini 
unb 3J?orone in 9tegensburg get)abt I)atte. ©obann entfd)u(bigte 
bie 3f?ebe bie Sibmefent)eit be§ Kaifer§ mit bem Kriege, mobei e§ 
nic^t an Slnflagen gegen gran^ I. fehlte, beSgleic^en bie oerfpätete 
?ln!unft ber Drotoren, bie erft t)ätten Berftärfungen erwarten 
muffen, um bor ben Sflac^fteüungen einer franjöfifc^^türfifdien 

Ä r t e , flonjilSpoatit flarl« V. 5 



66 

f^Iotte fieser gu fein. Sluc^ t)ätte ber Ä^oifer oor^er oon bem 
^Qpfte nod) Slufflärung über gelüiffe in bem @d)reiben öont 
25. ^luguft berüt)rte S)mge ertrartet; obgleid^ biefelbe nid^t emge= 
troffen fei, fo njoHe ^arl boc^ perfönlic^ gum Ä^n^ile fommen 
unb öerfprec^e and) bie «Senbung feiner ^rätaten, fobalb bie 
Sl^öglic^feit einer ungefät)rbeten Steife für fie befteJ)e. 

Tlit ber S5erlefung ber faiferlid^en SSoIImac^t für bie Dratoren 
nnb ber Slnfnofjme eine§ notariellen 5lfte§,'-^«) mie jene i^n ge= 
forbert, fanb bie ^^'^^'^onie ii)r (Snbe. 

Sil mehreren @efprä(i)en,257) bie ©ranüetia am folgenben 
2;age mit ben einjelnen Segaten ^Qtte, fprad) er fid^ bann noc^ 
mikx über ba§ ^ongil ou§. ß^^i^öc^ft müd)te er bie überrafcfienbe 
Slnfünbigung, bafe er ben nä^ften ^ag nad) 9^ürnberg jum 3f?eic^l^ 
toge obreifen muffe; ber immer me{)r um ficE) greifenbe Slbfall 
im Sf^orben erforbere feine Stnftiefenf)eit; aud) njoüe er bie beutfd^en 
53ifd)öfe jur 5lbreife jum Äonjit bemegen. ®a er jeboc^ f)oupt= 
föc^Iic^ be§ le^teren megen gefrf)i(ft fei, fo mürbe er, toenn bie 
Segaten e§ münfc^ten, nod^ bleiben, anbernfallg auf ba^ ®e^ei| 
jener au§ 9^ürnberg jurüdfefjren. SBieber^oIt beteuerte er ben 
(Sifer feines ^errn für bie ^onjitsfadie unb ftellte batbige ©enbung 
ber fpanifc^en 53ifd)bfe unb freies ©eleit für bie g^ran^ofen in 
5lu§fid^t. %\i(i) bie 9fteformangeIegent)eit berührte er; er moüte 
fie öor ber S3eget)ung be§ ^onslls erlebigt miffen unb tabelte bie 
Sangfamfeit ber Ä^urie in ber SlbfleÜung ber in Üiom ^errfctienben 
SJJiBbräuc^e ; biefelbe mac!^e e§ immer mieber matjrfd^einlic^, ba§ 
ber ^apft e§ auc^ mit bem ^ongil nid^t ernft meine. 

S(m 11. Sonuar öerliefe ©rantiella in ber 2;ot mit feinem 
©ot)ne bie Äon^ilSftabt. 91ur SRenboja blieb jurütf, angeblid^ 
mit bem Sluftrage, folange Orient nidjt §u oerfoffen, a(§ bie 
Segaten feine Slnmefen^eit n)ünfd)ten. ^ie 3Iufgabe bec Dratoren 
mar meifterljaft gelöft; an eine ©ufpenfion backte augenbliifüc^ 
niemanb mel^r. 

Snbeffen Ujirb man fid) burc^ atte bie mortreid^en 35er» 
fid^erungen be§ ^anjIerS über feine fet)nli(^en SSünfd)e, ha^ ^on^il 
erijffnet gu fet)en, nic£)t blenben laffen bürfen. 5)a^ bei ernft^aftem 
SBillen bie 9lät)e be§ Krieges nid)t au§fd)(aggebenb mar, §eigt bie 
^onsilSgefc^ic^te be§ 3at)re§ 1546. Unb eine ^fteife, bie ber taifer 



67 

feinen unentbe^rüc^ften S^atgeber machen liefe, burfte man auc^ 
roof)( oier ober fünf — mef)r famen 1545 befonntüi^ and) nic^t — 
fpanifc^en Prälaten jumuten. @§ njor bod) gemife ntrf)t of)ne 
S3ere(f)tigung, njenn ^aul 111. Slnfang Januar, als mieber bie 
Stnfunft fpanifdjer ®a(eeren in Italien beüorftanb, jn Stguilar 
fagte, er t)offe, baß xtd)t Diele fpanifc^e Prälaten biefe ®elegenf)eit 
jur ?^at)rt nac^ bem Äon^ite benu^en mürben/^^^) Unb roo blieben 
enbli(^ alle Sifc^öfe ber oon Äarl abhängigen ober mit it)m be* 
freunbeten Staaten Stalien§ ? 9}?an i)ört nidjt, ta'Q fic^ einer öon 
if)nen in Xrient eingeftellt l)ätte. 3a, fogar 9JJenbo§a, ber einzige 
SSertreter be§ ßaiferS am Äon^^ilsorte, 30g e§ tro^ feineS S3er- 
fprerf)en§ unb be§ f)eftigften ^rotefte§ ber Segaten bereits nad) 
einer SBoc^e oor, nac^ SSenebig gurü(f5ufef)ren.259) 

SBir erfal)ren aud) nicf)t§ baöon, bafe ©ranoeüa in 9^ürnberg 
(Schritte §u fünften be§ Ä'on^ilS unternommen f)ätte.-'^o) Sßiel(eirf)t 
fann man auf ba§ ©egenteil fc^tiefeen, menn man uämlic^ ba§ 
5ßerf)alten gerbinanb» beobachtet. Sin äußeren Semeifen feint§ 
3ntereffe§ f)atte biefer e§ nic^t festen taffen, bem ^apfte feine 
Sefriebigung über bie gefrfje^ene Berufung auSgebrücft, 261) bei 
ber ©ignoria fid^ um bie 5ßerprooiantierung be§ S^onsilS bemüt)t262) 
unb enblicf) in ber ^^erfon be§ 93ifc^of§ üJJabrujgo üon Sirient 
einen SSertreter für bie SSerfammlung ernannt. 2';^) SIuc^ fiatte 
er ben ^roteftanten gegenüber gern auf \)a§ Äonjil öermiefen.^e-*) 
3)ann aber lenfte er balb in bie ^olitif feinet S3ruber§ ein. 3n 
getreuer Kopierung be§ faiferlirf)en 35ert)alten§ begann auc^ er fii^ 
plö|Iic^ burd) bie f^affuug ber ÄonjilsbuIIe beleibtgt §u füt)fen. ^es) 
9^aufea, bem Sifqof oon 2Bien, ber, gum $?on§iI beftimmt, nun 
aud) mirfüd) nad) S^rient abjureifen münfd)te, berfagte er graeimal 
bie @enef)migung (am 20. Sanuar unb 11. gebruor). SIt§ ber 
(Snttäufd)te bann enblid) im ÜJJai au§ ^$rag Don 5ßeralIo bie er= 
roünfc^te 9bc^rid)t erl)iett, bafe ber ^önig gegen feine SIbreife nid)tl 
eingumenben i)abe, mürbe er am folgenben 2;age oon gerbinanb 
bebeutet, ta'Q er in Söien bleiben foUe.^ßß) 

2)os 5Iuftreten ©ranoellag in Orient i)atte unterbeffen feine 
2Birfung nic^t oerfe^It. ©ein plö|(ic^e§ Stuftauc^en, bie SBeife, 
mie er auf ben unfertigen ^^f^Q"^ ^^^ ton^ilö ^ingeroiefen I)atte, 
fein oft geäußerter Bmeifel an ber 9RebIid)feit ber päpftlid)en 



68 

^on^ilSpoütif mochten ben früher gehegten 5Irgtüoi)n ber Legaten 
gegen ben faiferlic^en ÜJJinifter §ur ©eiüi^^eit. S^iur besf)alb, 
meinten fie, fei er fo t)erfal)ren, um eine @ntfd)ulbigung ju ^aben, 
toenn er in ®eut[d)Ianb ben ^roteftanten für it)re Unterftü^ung 
im Kriege bie längft geforberten, üon ber ßurie fo fef)r öerab= 
f dienten ^ugeftänbniffe auf religiöfem Gebiete mad^e.^ev) gtjre 
?Iufregung tt)uBten fie bem ^apfte mitzuteilen. 26«) SSieber toie 
einft trat ta^ ©c^recEgefpenft eine§ S^ationalfongilS öor bie @eete 
ipaul§ unb unöergüglic^ mürben alle ©egenma^regeln ergriffen, 
ttjeldje bie Segoten üorfc^Iugen. 9JJet)reren ber ^urie ergebenen 
iöifc^öfen mürbe befof)ten, fofort nad) S^irient obäureifen.-"-') ßum 
S^iirnberger Üieid^gtage mürbe mieber mie im SSorjatjre Otto 
^ruc^fef; gefc^icft,2'0j unb nacf) aflen ©eiten ergingen oon neuem 
bie bringlict)ften 5lufforberungen ^um 93efud)e be§ ^on§i(§. ■-''') 
2)em ^aifer liefe mon oerficE)ern, ha^ man fid^ fortan in ber @ad^e 
be» ^on^ilS unb ber 9fletigion ganj feiner g^üt)rung übertaffen motte. 
(Srfolg ^atte ^aul bieSmat fo menig mie früf)er. ^ie Un= 
fid)er()eit ber SSege, (Sleic^güttigfeit, 3"^ßif^t ^^^ ^^^ ©elingen be§ 
^onjiI§n)erfe§, i^uxd^t üor Söeunru^igung burc^ bie ^roteftanten, 
enbli(^ unb mo^I am meiften ber S3efet)I i^rer gürften ^ielt bie 
Prälaten ab nac^ Orient §u fommen.^'i''^) SfJur einige beutfdie 
S3if(^öfe unb ^rofuratoren unb ein paar oom ^apfte gefc^irfte 
ftettten fi(^ ein, aber aud^ fie mit großer SSerfpötung.-''^) Sntmer 
üarer tt)urbe e§, bafe bie Umftönbe meniger a\§ je ber Sege^ung 
be§ ^on§iI§ günftig maren. ®a fid) balb aud^ ergab, bafe bie 
S3efür(f)tungen, bie mon megen ber SfJeife ®ranoeüa§ get)egt l^atte, 
grunbIo§ moren unb ber 9lürnberger Üieid^stag !eine äl^iene machte, 
in bie ©puren beljenigen oom ^ai)xt 1541 eingulenfen, fo begann 
ipaul, ber, um bem @c^aupla| ber ©reigniffe nä^er §u fein, am 
26. ^ebruar nac^ Bologna gereift mar, baran ^u benfen, mie er 
bem unerquicElidjen unb für it)n fo menig e^renootten ©d^aufpiet 
ein @nbe machen fönne. 3""öc^ft berief er ben Segaten ^ole 
unb raenige 3;age fpäter ^arifiu§ ^u fi4 angeblid^ um mit i^neu 
bie Sage ju befprec^en.274) 5ti§ ©ronoetta @nbe 9J^ai auf feinem 
tRücfroege au§ ©eutfd^lanb burcf) Xrient fam, fanb er bort nur 
nod^ 9}?orone oor. Slud^ je^t blieb ber ^an§Ier bei feiner früt)eren 
Gattung unb bef tagte bie Abberufung ber beiben anbern; fie 



69 

i)aht in S)eutfd)Ianb bie S^ot^olifen entmutigt unb bie ^roteftanten 
nur nod^ übermütiger gemorfit. 9^ocf) immer ging fein SBunfc^ 
bal)in, n^ie 9J?orone je^t erfannte, ba§ Äonjil [o ju erhalten, mie 
e§ xoax, nid)t eröffnet, aber ftet§ §ur (Sröffnung bereit. (Sin folc^e^ 
Äongil unb ein faiferlic^eS §eer in SDeutfd^tonb, fagte ©ranoeüa, 
njürben bie (55efa!^r eine§ ?iationaItonsit§ befeitigen unb bie 
£utt)eraner gefügiger machen. ^'s) 

Sn^njifdfjen f)Qtte audE) ^axi Spanien öerlaffen unb mar in 
Statien gelanbet. S3om 21. bi§ 25. Suni f)atte ei mit bem ^apfte 
eine ßufammenfunft in Suffeto bei ^arma. g^ür $aut III. beftanb 
ber ^auptjtoecE biefer Unterrebung neben einem erneuten SSerfuc^e 
jur g^riebensüermittlung befanntlid^ borin, feinem (Snfel Cttat)io 
9}?ai(anb ju t)erfd)affen. 3"9^f^ct) t)offte er eine (Sntfd)eibung in 
ber ^onjiIefad)e f)erbeiäufüt)ren. @r liefe bem ^aifer bie ©ufpenfion 
ber SSerfammlung ootfc^Iagen, bi§ fic^ bie ^rieglunrut)en gelegt 
unb bie türfifd^e glotte bie italienifd^en ©eujöffer t)erlaffen f)ätte; 
aud^ foüte bie Söicbereinberufung nai^ einer anbern ©tabt ge= 
fd)ef)en, ha ^^rient notorifd^ fcf)Ied^t gelegen, ungefunb, frf)lec^t 
oerproöiantiert unb einigen Sßölfern nic^t paffenb fei. dagegen 
betonten bie faiferlid£)en SJJinifter toieber bie S^otmenbigteit beS 
^onjiI§ unb bie ^orberungen ber 9fieic^§ftänbe, ot)ne bereu @in= 
wiHigung man feinem ber gemachten Sßorf(^Iäge guftimmen fönne. 
2!a beibe "Jeile bei itjren S03ünf(i)en be^arrten, fo üerfprarf) ber 
$apft enblic^, bie ^adjt in ©rmägung ju jie^en unb fie nac^ 
feiner 'SiMki^x nad) ^^arma bem ^arbinaI§toIIegium üorjulegen.-''^) 

Wan barf oermuten, bofe unter ben ^arbinäten biefelben 
SD^einungsoerfd^iebentieiten ^errfc^ten betreffs be§ eiujufc^lagenben 
SBege§ mie unter ben in Orient anttjefenben ^on^ilsprätaten. Sei 
einer 9^unbfrage 3Jtorone§ unter biefen ergab fi4 bafe bie meiften 
für fofortige XranStation, anbere für bie @rt)altung be§ befte^enben 
ßuftanbeS, noc^ anbere für gönglicfie 5lufl)ebung be§ ^ow^xU 
ftimmten.2") (S^üeBücf) blieb ber ^apft bod) bei bem ^:p(ane, 
ben er bem Ä'aifer üorgetegt ^atte; am 6. Suü 1543 mürbe in 
^Bologna mieberum bie ©ufpenfion be§ Ä'on^ilS ad beneplacitum 
bei ^^apfteS ouSgefproc^en. ©eine Slbfic^t, bomit sugleid) eine 
QSeränberung be§ ^onj^ilSorteS gu oerbinben, mufete ^aul aüerbingl 
faüen loffen. 5111 @runb für bie getroffene 9JJaferegel mürbe 



70 

bie^mal, \)a fid^ S3itten be§ ßoiferS unb be§ römifrf)en ÄönigS 
ntd^t Qnfüt)ren liefen unb e§ ^ö(i)ft unf(ug geipefen lüäre, g^ranj I. 
allein b(oBsufteIIen, ber gtüifcfien ben gürften aufgebrochene ^tieg 
angegeben.-'^) 

S)er Sßap\i tüar fid) bei ber ©ufpenfion n)ot)I belüufet, mie 
fe^r biefe bem alten fo oft gegen bie Äurie auSgejproi^enen SSerbad^te 
neue ^iafjrung geben muffe, unb er beeilte fic^ beg^alb, in ©einreiben 
an bie g^ürften unb 3J?etropoIiten fein 2;un §u reiiitfertigen unb 
fid) gur erneuten Berufung be§ Äon^ilä bereit gu erflören, fobalb 
bie politifc^e Sage e§ geftattete.-''J) ®ie 9fteinf)eit feiner 5lbfirf)ten 
glaubte er am beften baburd^ gu §eigen, bafe er alle |)ebet in 33e= 
megung fe|te, um ^arl unb S^ranj gur 9tieberlegung ber SSaffen 
5U beftimmen. ßu ben beutfd^en güi^ft^n »urbe ©fonbrato gefcbidt, 
bamit fie im ©inne be§ grieben§ auf ben Slaifer einmirften 280) 
garnefe ging al§ ßegat gu ben beiben friegfü^renben ^errfrf)ern 
unb üerfud^te fie burd) ben §inmei§ auf bie O^ofgen, bie it)re Un^ 
einigfeit für bie 9^eIigion unb bie Äird^e gei)abt f)ätte, üom Kampfe 
obgutialten. @§ ift befannt, mie fd^roff ber gegen Äarl§ au§= 
brürflic^en SSunfd^ gefommene pöpfttid^e 9^epote in Sßorm» abge= 
fertigt ttjurbe. äRit feinem in ber SSer(egent)eit gemod)ten 58orfd^Iage, 
bie äöaffen tt)enigften§ einftmeiten ruf)en ^u laffen unb einem 
fd^Ieunigft ju berufenben ^on^ile bie enbgültige ©d^Iid)tung be§ 
©treiteg §u übertragen, forberte er nur ben §of)n be§ ^aiferS 
t)erau§.-8i) 2)iefer batte nid£)t ^a§> geringfte Sntereffe baran, bie 
^ouäilSfrage je^t auf§uroIIen; in bie ©ufpenfion fjatte er fid) leicht 
gefunben; ©runb gur S3efd^merbe bot i^m mieber nur bie gorm 
ber päpftlid^en Suüe, ha fie i^n auf bie gleid^e ©tufe mit bem 
frauäöfifdjen Könige gefteüt unb aud^ bie ©enbung @ranoeIIa§ 
unermätjut gelaffen ^atte.-^-) 

Smmer met)r trennten fid) feine SSege oon benen be» ^apfteS. 
^ie ^(uft, bie fid^ in ben näd^ften 9}Jonaten ^mifd^en beiben auftat, 
tt)irb bejeidjnet auf ber einen ©eite burd) bie in ©peier getroffenen 
5tbmad)ungen, auf ber anbern burd^ bie §mifd^en ^ranfreid) unb 
^aul III. gepflogenen 58ünbni§öer^anblungen mit bem Qtotdt, 
SReapel für ba§ §au§ jj^rnefe ju geminnen. '^^'^) Su ber ^ongilS- 
fad^e finbet fie i^ren 5Iu§brud bort in ber 93emiQigung einer 
Sel^anblung ber 9^eIigion§angeIegent)eit auf bem näd^ften fReid^Stage, 



71 

l)ier in bem SlabelSbreoe, ta§> ^aul be§lt)egen am 24. ?luc}u[t 1544 
an ben ^aifer rictitete. 

2)urd^ ben gerieben öon Srelpi) mürbe be!anntüc^ bie Situation 
mit einem @(i)Iage oeriinbert. Q^rantreid^, befiegt unb immer 
noc^ im Kriege mit ©nglanb, fonnte für bie näd)[te ßeit al§ 
unfc^äblic^ gemad^t gelten. ^ap[t unb Äaifer, jeber ber ^ülfe 
be§ anbern bebürftig, nät)erten fic^ einanber mit p(ö^tid)er 
«Sd^ttjentung. 3Jun n)ar enblid) Qud^ bie ^orbebingung für bie 
SBieberberufung be§ ^onjiI§ gegeben. Sßaui III. f".umte nic^t, ben 
vereinten 5lnregungen Ä^arl§ unb ^ran!reic^§ golge ju geben; 
am 19. 9loöember 1544 n)urbe ba§ Äongit auf ben 15. Wäx^ 1545 
irieberum nacfi Orient au§gefc^rieben. S)ie ßeiten unfrucf)tbarer 
$8erf)anblungen, öergeblid;er ^onöofationen unb fdiimpflictjer QSer= 
tagungen njaren öorbei. 

©ie waren oorbei; aber maren fie aud^ au§ ber (Erinnerung 
ber SJJenfc^en ausgeliefert ? Ä'onnte man etma mieber ba antnüpfen, 
tt)o man in ben erften ^ontififat§jaf)ren ^aul§ geftanben t)atte? 
(£§ ^ieBe boc^ bie Sebeutung biefer Sa^re für bie ©efdiic^te be§ 
^ribentinumg oerfennen, nienn man i^ren ©influB auf bie folgenben 
iSreigniffe leugnen moüte. 

^art ^at fpäter §u einer ßeit, ba fi^ fein SSert)äItnt§ ^ur 
Äurie mieber t)erfd)Iec^tert ^atte, mieber^olt oerfuc^t, bem ^apfte, 
beffen erften (Sifer er aner!ennt, bie (S^utb an bem jatirelangen 
(Scheitern be§ ton^ifö ju geben. 2»^) ©eroife ift fein SSormurf, \)a^ 
^aut III. lau gettjorben fei unb ein faifcfjel @piel getrieben f)abe, 
nic^t gon^ unberedjtigt; aber ebenfo gut fönnte man gegen Äarl 
biefelbe 5ln!iage ergeben. SSor §e^n Sauren aüerbingS t)ütte man 
it)n als unbebingten greunb be§ ^on^ilS be^eic^nen fönnen. ®ie 
^ugeftönbniffe, bie er fic^ bamalS in ber religiöfen ^roge f)atte 
abringen laffen, maren burd) bie Haltung ßtemenS VII. tjinreic^enb 
€ntfct)ulbigt. ©eit 1-538 mar aber feine ÄonsilSbegeifterung 
mannigfach auf bie ^robe gefteüt morben. ©ie mar nidjt ju 
^arl§ fünften auSgefaüen. ®§ t)atte fic^ gezeigt, bafe auc^ er 
bie religiöfen unb ürcblidien ^^ragen im ©runbe nur al§ ^olitifer 
aufsufaffen unb ju be^anbeln oerftanb. ©tatt bie anbern ^;?(n= 
gelegenf)eiten gu be^errfdjen, t)atte bie ^onsilsfac^e bei bem Äaifer 
hod) met)r bie Sfloüe be§ 2tfd)enbröbel§ gefpielt, ta^ gerufen ober 



72 

gurütfgefelt tourbe, jenac^bem e§ bie poIitifcf)e (Situation er^eifc^te. 
Wlan formte mit 9ftect)t be^tüeifeln, ob ^ierin mit bem toirf liefen 
Zusammentreten ber Sßerfammlung eine 5Xnberung eintreten mürbe. 

SSor allen S)ingen ober {)atte bie ^onäiI§angetegenf)eit in ben 
legten Saf)ren ein gän§Iic^ oeränberte§ 2lu§fef)en befommen burc^ 
ben Söec^fel ber S3eäiet)ungen ätoifc^en taijer unb ^apft. SSenn 
einft ^aul III. get)offt ^atte, burc^ ba§ oon i^m geleitete ^onsil 
eine grofee, bie gange fat^olifc^e et)ri[ten^eit in fic^ fofjenbe SIEtion 
gur SBieber^erfteüung ber ©laubenlein^eit unb Sl6me§r ber Xürfen 
äuftanbe gu bringen, fo mor baöon je^t feine Sfiebe me^r. D^ic^t 
ber ^ap[t, fonbern ber ^aifer mar ber gü^rer in ben näc^ften 
kämpfen. STu^ einer unioerfalen Tla^t, bie ha§ ^ap[ttum fjeben 
fönte, mürbe ha^ Ä'ongil gu einer ^onfereng oon @ei[tlict)en unb 
2t)eotogen, melcf)e nac^ tarl§ ajieinung bie faiferlidjen "^läm gu 
unterftü^en ^atte. S)a5u fam, ha^ bei ^arl bie Äirc^enreform 
immer met)r in ben SBorbergrunb gerücft mar. 3e mel)r er im 
Saufe ber Saf)re erfannte, boB bie ^urie ju einer burc^greifenben 
SBefferung ber 3JJiBftänbe nicf)t gu beroegen fei, um fo me^r er* 
martete er in biefer ^infic^t öom ^ongit. ©c^on ©ranüeßa f)atte in 
Orient bie 9?eform at§ mic^tigfte ^lufgabe be§ ^onjitl betont unb 
bie Segaten leife an bie S3eobad)tung ber Sräuc^e früf)erer ^ongilien 
erinnert. SeibeS tat je|t ßarf mit befonberer Schärfe; oUgu 
beutlict) mar ber §inmei§ auf bie ^^eformfongilien be§ 15. Sat)r= 
^unbert§. 2)a war e§ für ^aul III. boppett peinlich, bafe bie 
Sßerfammlung in einer beutfc^en ©tabt gufammen treten foüte. 

@§ fehlte in ber ßongilsfrage alfo nic^t an ©egenfä^en, unb 
ouf faiferlic^er mie päpftlic^er (Seite mar man fic^ berer burc^auä 
bemüht. 9f?immt man ^inju, bafe ^arl nod) immer bie ^roteftanten 
für ba§ ^onjil §u geminnen fuc^te, mät)renb ber ^^ßapft bie ge= 
fäf)rticf)en unb rücffic^t§Iofen ©egner gern ferngebalten f)ätte unb 
burc^ bie geftfe|ung be§ S)ogma§ nur eine ffare (Sc^eibung öon 
jenen anftrebte, fo begreift man, baB tro| ber engen 5Serbinbung, 
bie taifer= unb ^apfttum feit (£nbe be§ 3a^re§ 1544 miteinanber 
einjuge^en fic^ anfd^icEten, in ber S^onsiläfrage ßünbftoff genug 
öorlag, um ben foum gurücEgebrängten ßmift balb mieber in 
^eUen glommen emporlobern ju (offen. 



^Inmerhungeu, 



1. (@. 8.) (Sonsaga an 6;Dntarmt, 2. Sanuar 1538. ^^rtebenSburg, 
23rieftt3ecf)fel (Fontarini§ unb @Dn,saga§, @. 23. 

2. (@. 9.) 108 S-ragen, iDobiircö [tc^ (Sranöetia unb ßoboS Don 
bem faiferlidöen State Snftruftion für bie beüorfte^enben SSer^anblungen 
erbitten. (Sai)ang0§, Calemlar of State papers, V. 2, @. 393. 

3. (©. 10.) f^ran,^ I. an Saftitton, 30. ^e^ember 1537. Bauld, 
Correspondance de MM. de Castillon et Ch. de Marülac, (©. 8. 

4. (®. 10.) Äaifer tarl an Slgutlar, 9. Januar 1538. @ai)ango§ 
V. 2, ®. 417. 

5. (@. 11.) 6ot)o§ unb ©ranüella an Stguilar, 11. 3anuar 1538. 
@ai)ango§ V. 2, ®. 418. 

6. (©. 11.) S)er Siatfer an Stgutlar. ©benba ©. 424. 

7. (8. 11.) aKenboja unb (S^apui)§ an Sari, 9. ^-ebruar 1538. 
ebenba S. 429. 

8. ((S. 11.) gaftttton an f^rang I., 10. Sanuar 1538. taulef, ©.13. 

9. (@. 11.) grang an (iaftiüon, 23. Januar 1538. ©benba @. 17. 
SSergl. @at)ango§ V. 2, @. 431. 

10. (©. 11.) tau(cf (S. 13. 17. @at)ango§ V. 2, ©. 429. 

11. (2. 12.) (Sat)ango§ V. 2, @. 421. 

12. (©. 12.) Ser tatfer an aJknboga unb Sf)apui8. @ai)ango§ 
V. 2, @. 498. 421. 

13. (©. 12 ) @at)ango§ V. 2, @. 499 f. Sncobacct an ^antefe, 
1. gebruar 1538. Concilium Tridentinum IV, ©. 147. 

14. (@. 12.) @at)ango§ V. 2, ©. 429. 

15. (@. 12.) Conc. Trid. IV, @. 147. «(gullar an ben S?aifer, 
25. f^ebruar 1538. @al)ango§ V. 2, ©. 444. 

16. (@. 13.) @at)ango§ V. 2, ®. 427. 

17. (@. 13.) Conc. Trid. IV, @. 142. 

18. (@. 13.) (Sontarini an (Songaga, 8. f^cbrnar 1538. 5-rieben§= 
bürg, Srieflüed^fel, @. 29. 

19. (©. 13.) Conc. Trid. IV, (S. 145. 



74 

20. (©. 13.) (Sbcnba ©. 148. 

21. ((3. 13.) Otibier, Lettres et memoires d'estat, I, ©. 8-1 ff. 

22. (3. 13.) ^Dlovont an mkakaii, 23. Sanuar 1538. 91initiatur= 
berichte II, ©. 245. 

23. (@. 14.) »ifd)of öon Steggto an garnefe, 20. 9«ära 1538. 
Conc. Trid. IV, @. 157. 

24. (3. 14) aJJorone an ^arnefe, 11. ^-ebrnar 1538. 9huitiatur= 
beridjte n, @. 252. 

' 25. (@. 14.) S3ifdE)of öon Steggio an g-arncfc, 24. 2(pril 1538. Conc. 

Trid. IV, 3. 160. Slleanber an SSeraÜD, 5. 2»at 1538. ®benba (g. 165. 

26. (@. 14) ®ibgcnöffifd)e Slbfc^iebe IV. Ic, 3. 927. 

27. (@. 14) gfluntiaturberic^te II, ©. 253. 

28. (©. 14) Conc. Trid. IV, @. 156. 

29. (@. 14.) Srgutlar an ben taifer, 23. Wäv^ 1538. ©atjangcS 
V. 2, <g. 458. 

30. (3. 14.) Bulla declarationis , Conc. Trid. IV, 3. 161. 2)a§ 
bejüglic^e 23rci)e an bie S^egaten bei 9{al)na(b, Annales ecclesiastici, ^Ir. 33. 

31. (3. 15.) Conc. Trid. IV, 3. 165. 

32. (3. 15.) SSergl. @. öapaffo, I legati al concilio di Vicenza 
1538, aSenesia 1892, (3. 14 

33. (3. 15.) moxonc an f^arncfe, 27. Slprtl 1538. 9luntiatnr= 
bertd}te II, 3. 277. 

34 (@. 15.) (r^aput)§ an aiJaria, 13. Slpril 1538. @ai)ango§ V. 2, 
@. 526. 

85. (3. 15.) efiapm)^ an 9Jfarta, 20. mai 1538. ©benba ©.528. 

36. (3.15.) §ortIeber, §anb(nngen unb 2lu§fc^rciben, 3. 117 ff.; 
jebod) fälfc^Itd) in ba§ ^a^x 1539 nerlegt. 

37. (3. 15.) (Safltaon an g-rans I., 2. g-ebruar 1538. tanlef, ©. 20. 

38. (ß. 15.) (Sbenba ©. 60. 

39. (3. 16.) @at)ango§ V. 2, ©. 435. 459. 

40. (@. 16.) aSenetianifc^e ^epcfd^en Dom taiferipfe I, @. 109. 
111. 130. 

41. (3. 16.) 58crgl. ba^^n bie ^ßrorogationSbune. Conc. Trid. @. 167. 

42. (3. 16.) aSenetianifc^e Sepefcften I, 3. 156. 

43. (3. 16.) ®er Saifer an ti3ntg ^-erbinanb: . . . Depuis me suis 
party avec sa S^^, supi^osant venir senllemeut jusques ä Savouue mais 
apres j'ay regarde qu'il venoit myeulx ä propoz pour sa dite St^ et son 
inclination et avoir plus de temps et commodite pour regarder avec luy 
ce que se devra faire en tous adveuemens, et suis apres et signament 
pour ce que concerne Toffeusion et deffension contra le Türe et remede 
des affaires de la foy et celebration du concüle si paravanture le dit roy 
de France ne observat la dite tresve, et m'asseureray le plus avant que 
pourray; de ce que s'y fera vous en advertiray avant mon partement. 
23. 3uni 1538, ©enua. Söiener ßoptar I, 144 a."^ 



75 

44. (©.16.) (fiu ©diriftflücf, ba§ @ai)mtgD§ V. 2, (g. 492f., in 
bicfe 3eit fe^t, tvüxbc bteie SBcrmutung beftätigcn; aüein ba§ie(be ift 
iebcnfari§ mit ^Pergcnrotl) in bcn .s>erbft 1536 ,sn Verlegen. (Sjat}ango§ 
iiat fid) burd) bie 6-rtt)äl)nung ber 9iücffel)r üon dlm<^ wad) ©ernta -ju ber 
falfdjen Säuerung ücrieitcn laffen. 

45. (6. 16.). a)torone an garnefe, 6. Wäx^ 1538. 9^untiatnr6ericf)te 
II, @. 257. 

46. (@. 16.) Conc. Trid. IV, ©. 168 u. 2. 

47. (®. 17.) ®cr ^aifer an bie ^aiferin, 13. 3uli 1538. @at)ango§ 
V. 2, @. 555. 

48. (@. 17.) aSergt. n. 43. 

49. (8. 17.) 9Iuntiaturbei-id)tc IV, ©. 445 unb II, (S. 293. Über 
ba§ StnfunftSbatum beibcr ©djrciben bergl. ben 9lacötoci§ bei 9io)enberg, 
®er ßaifer unb bie ^^.U-ßteftantcn in ben Saferen 1537—1539, <B. 36—43 
(@cf)riftcn bc§ 58erein§ für jReformationSgefdiidjte). 

50. (8. 17.) grieben^burg, Sluntiaturberidjte III, Einleitung <S. 55, 
unb (Fapaffo, 1. c. @. 18, bel^aujjten auf @runb eines 23riefe§ Äarl§ an 
^■erbinanb üom 22. September 1538, D^unttaturberic^tc III, 8. 204, ba^ 
bie 8enbnng 5(leanber§ fdjon in 58iIIafranca stoifdjen tarl unb 5)Sau( üer= 
abrebet fei. &{ofenberg (1. c.) gelangt barauf, nadjbem er nacfigelDiefcn, 
ta^ ber toifer »on bem S?onforbienp(ane fyerbinanb§ erft in (SJenua 
9tad)rid|t erhalten ^abt, ju bem 9tefultat, e§ ^anble fid^ f)ier um ^mei 
getrennte ä^erfudje, bie ^4-^roteftanten ju gelüinnen, i^erfuc^e, bie fid^ 3U= 
föUig fogar in glcid)er 9tid)tung bemegten: „an ber 8teUe be§ ton^ilS 
ober icenigflenS bor btefcm foUe eine frieblicf)e 23erl;anblung mit ben 
2lbgetr)id)enen unb ^tcar unter £ei(na^me päpftlidjer Segaten [tattfinben" 
(1. c. 8. 43). Sllte brei i^abm suüicl au§> bem 8d)reiben Dom 22. September 
f)erau§gelefen. Ser ^aifer erlräl)nt in bem oben gitierten Schreiben an 
bie taiferin oom 13. Suli (n. 47) al§ feinen legten 23rief benjenigen oom 
20. Suni (unbefannt), ber alfo fpäteftenS gerabe üor ber 2lbfa§rt au§ 
5ßiIIafranca gefc^riebcn lourbe. 2ßöre jene S^ermutung ridjtig, fo mürbe 
^arl fd)on bamalS unb nic^t erft am 13. 3uli über bie ikrabrebung in 
betreff SUeanberS berid)tet ^aben. ©§ ift felbftocrftänbUd), ba^ taifer unb 
5)Sapft ficf) mä) bem 8d)citern beg tongilgpIaneS barüber einigen mufeten, 
mie man fid} je^U ju ben ^l^roteftantcn ftellen molle. 2Bie menig flar man 
fid) jcbod} äunäd}ft über ben einsufcblagenben 3Beg mar, 3eigt ber 23rief 
^arl§ an g-erbinonb üom 23. Suni (oben n. 43). (Srft al§ am folgenben 
Sage bie 23erid)te ^-erbinanbS Dom 3. 3uni unb 2)brüne§ üom 2. Suni 
(oben n. 49) einliefen, mürben bie 23erntungcn in eine beftimmte 9{idötung 
gelcnft, unb man gelangte gu bem befannten 23efd)luffe. (Sine Söeftätigung 
biefer Slnftc^t finbe id) in einem 8i^reiben be§ Äoifer§ an Slguitar üom 
8. September (@apango§ V. 2, 8. 36: ... Cardinal Brundusiuo — who 
according to the agreenieut, made at Genoa, was to go to Germany. . .). 
SSergt. ferner g-arnefe an »Ueanber, 6. Suli 1538 unb @l)inucci an 5Ueanber, 



76 

29. Sunt 1538, bcibc au§ ©ettita. Conc. Trid. @. 168f. ^aä) bem 
Diarium be§ i. '^. ©ualtten tourbe bie beftnttioe Stbrebe U)of)l getroffen 
am Slbenb be§ 29. Sunt im ^l^alagäo ®oria gu ©enua. 

51. (@. 17.) Conc. Trid. i». 167. 

52. (@. 17.) Caiisae, propter quas etc. Conc. Trid. <S. 171. 

53. (@. 17.) ®e aiiette, 23riefe 2utf)er§, V, @. 107. taulef S. 63. 

54. (@. 17.) Epistolarum miscellanearum ad Fr. Nauseam etc., 
@. 228. ®ittrt^, Sfiegeften unb 33riefe bc§ ^arbhmlS @. Gontarini, 
9^. 879. 

55. (©. 18.) 2)tttrtcö, ebenba. Sadoleti epistolae III, <B. 53. 

' 56. (@. 19.) SSergl. bcf onberS SSenetianifdie 2)epefrf)en I, dir. 83—39. 

57. (©. 19.) S^cr 5?aifer an bte taifcrin, 18. Sult 1588. @al}ango§ 
V. 2, @. 561. ^-crncr Sang, torrefbonbens beg taiferS tart V., S3b. II, 
@. 284. 

58. (@. 19.) tarl an g-erbinanb, 28. Suli 1538. Söiener ßopiar 

I, 146. 

59. (©. 19.) S^er taifer an bic Saiferin, 18. Sult 1538. ®al)ango§ 
V. 2, @. 555. 

60. (©. 20.) ©ranbella an ben S^aifer. (Sal^angog VI. 1, @. 3. 

61. (S. 20.) ajforone an ^arnefe, 24. 3uli 1538. 9Iuntiatur6eric^te 

II, @. 328. 

62. (@. 20.) S)cr faifcrUcfje ©cfanbte in g-ranfreic^ an ben taifcr, 
»lufluft 1538. (Sal)ango§ VI. 1, ®. 7. 

63. (S. 20.) Conc. Trid. IV, 6. 171, 2(nm. 3. 

64. (@. 20.) ebenba @. 178 f. 

65. (®. 20.) SJ^ignaneüi, ber 9^acf)foIger SO^orone?, erf)ielt bic »uUe 
am 24. Df tober (9fiuntiaturberid)tc III, <S. 218); am 2. 31obember legte er 
fte g-crbinanb bor (ebenba @. 227), einige 2:age fpäter bem ©rgbifcöof 
üon (Sran (ebenba ©. 240). 3Son einer frül)eren ^Verbreitung ber ^ulle 
pren wir Uieber in ^eutfc^Ianb noc^ anber§mo. 2(ucf) i^-crrerio in 
^ranfreidö ermähnt in bicfen S^agen, ba^ gcfenbet fei „un' altra bolla per 
la publicazione del concilio". 

66. (8. 20.) %m biefe Slnnaljme fprid}t aufecr ber smeimaligen 
3Serfenbung ber SSuIIe foIgenbe§: ^ür bie S^urie mar bie 3tcditfertigung 
ber Prorogation bon größter SÖiditigfeit; biefelbe mar aber nid)t gut 
möglidö, o^nc bie güi'ft«" in irgcnb einer SBcife blofeäuftellen. i>ergl. 
baju Conc. Trid. IV, ©. 172 n. 2. 5(ugenfi^einlicö [teilen bie früher er= 
mäf)nten Causae, propter quas etc. (Conc. Trid. IV, ©.171), bie in 
mehreren gleidö^eitigen 2tbfct)riften Dorliegen, ben (5nttourf gu einer iöullc 
bar. 3lad) Conc. Trid. IV, @. 178 n. 4 mar bie im Stuguft üerfanbte 
S3ulle fo formuliert, bafe fie befonber» bie ^-urdit ber gjroteftanten oor 
bem S^onjil erljö^cn foUte. ijiernon, fomic üon einer au§fül)rlid)en ^or« 
legung ber bie 5}3rDrogation üeranlaffenben 2?bmente bemerft man in ber 
mirflid) gur ^öcröffentlidnmg gelangten, red)t farblofen f^offung ber Sullc 



77 

\ci)x irenig, 'ioha^ eine ®init)tr!ung ber f^ürflen auf eine if)nen günftigere 
unb bie 5)3roteftanten weniger bcunruf)igenbe Siebaftion nic^t unltiat)rfd)cin= 
lief) i[t. 

67. (®. 20.) 9tuntiaturbertrf)tc III, ©.199. 1.32-34 gibt ba^ 
2lnhnift§batum. 

68. (@. 21.) ebenba @. 180. 

69. (©. 21.) ®a§ 23rebe trägt ha§ Saturn bc§ 7., ba§ 23eg(eit= 
fcfirciben ^-arncfeS be§ 9. Dftobcr. 3)tc 2lbfcnbung bciber erfolgte jcbocf) 
in älMrflicöfcit erft am 11. Df tober (9hmtiaturbericf)te m, ©.202: garnefe 
on 2l(canber am 13. Dftober : havendo mandato dui di sonno la bolla 
della prorogatione). £ib f)ier eine 9iücfbatiernng be§ ^rebe§ üorliegt, 
ober ob bagfelbe gnr ^erfenbung, bie bann jebenfaöS burct) ha§ SUeanberfcfte 
©djrciben befrf)teunigt ift, bereit lag, ift lDof)l faum feftgufteUen. 

70. (©.21.) g-arnefe an ^^oggio, 12. Dftober 1538. 9inntiatur= 
berid)te III, ©. 195. 

71. (©. 22). ®ie 5)3nblifation Conc. Trid. IV ift ^ier fet)r lel^rreid); 
üom 28. Dftober 1538 bi§ jum 30. äHärj 1539 (eine 2Boc^e üor bem (Sr= 
i3ffnung§termine) bietet fie nur ein einziges nntoefentlicf)e§ Stftenftücf. 

72. (@. 22.) g-errerio an ^arnefe, 28. Dftober 1538. Conc. Trid. 
IV, ©. 174. 

73. (@. 22.) 3n feiner Snftruftion mar über haS^ S^onjil nur 
bemerft: „Del Concilio et sua celebratione : dire quel che Sua Santitä 
Ye ha commesso". ^ieper, 3ur ©ntfte^ungSgefc^idöte ber ftänbigen 9iun= 
tiaturcn, ©. 161. 

74. (©. 22.) (Sioöenale an ^arnefe, 21. Januar 1539. 9iuntiatur= 
berichte IH, ©. 378. 

75. (©. 22.) S-atnefe an ^oggto, 12. f^ebrnar 1539. ©benba ©. 428: 
(©iobenale) „hebbe molto bona risposta". . 

76. (©. 22.) ^arnefe an 2lleanber, 13. Februar 1539. (5benba 
©. 431 f. 

77. (©. 22.) 3}enetianifcöe ®et)ef^cn I, ©. 283. 91unttaturberidötc 
III, @. 298. 310. 

78. (©. 23.) Slleanber unb 2)iignaneEi an ^arnefe, 2. Stoüember 
1538. (Sbenba ©. 227. 

79. (©. 23.) SUeanber nnb Snignaneüi an g-arncfe, 10. ©ejember 
1538. ®benba ©. 293. 

80. (©.23.) 2neanberanSarnefe,11.9'iobemberl538. ebenba©.240. 

81. (©. 23.) ©benba ©. 461. 469. 

82. (©. 23.) ©benba ©. 444. SHai)naIb 9h:. 3. 4. 

83. (@. 24.) „Con molte parole et piü accommodate che seppi . . ." 
^iuutioturbcrict)te IV, ©. 281. 

84. (©.24.) ebenba. 

85. (@. 24.) ®ie 23er)anblung ber tonäilSangelegen^eit na^m ?nc= 
<tnber, ber augenfc^einlid) miinblid)c Snftruftion erhalten batte, für fid) 



78 

ciEein in 8lnfprud&. 3)itflnanetti erhielt öon 9iom au§ S3efe^I, fic^ an bic 
Orbre§ be§ fiegaten ju Ijalttn. @6enba III, @. 218. 

86. (@. 24.) a^Mgmmellt an ^arncfc. (Sbenba @. 455. 

87. (6.24.) Sllcanber an ^rarnefe, 22. Februar 1539. (Sbenba 
<B. 457. (Slndö ©abolct in ber ©rfcnntni§ bcr llnmöglicöfcit bc§ tonsilS 
befürrt)ortete Iebf)aft bie fofortitic Csnangriffna^mc bcr Sieform biirrf) ben 
$^apfi. Sittrid), 9Jegcften (Jontarinis, gjr. 378. Sadoleti epistolae, @. 32). 

88. (@. 24.) ebenba. 

89. (©. 25.) 6-benba ©. 458. 469. 

90. (®. 25.) ebenba ©. 469. 

91. (®. 26.) SUeanber unb 3)Iignaneßi an J'^rnefe, 28. f^ebruar 
1539. (f-benba @. 470. 

92. (@. 26.) Stgiitlar an bcn S!atfer, 13. 2(pril 1539: the last 
consistory held before the Holy Week, @at)angOö VI. 1, <S. 142. 

93. (©.26.) (S-bcnba. 

94. (©. 26.) g-arnefe an Slleanber, 28. mäv^^ 1539. 9hmtiatnr* 
berichte III, @. 507. ^arnefc an g-crrerio, 30. 2)Jär3 1539. ©benba @. 535. 
Conc. Trid. IV, @. 176. 

95. (@. 26.) ^oggio an g-arncfe, 25. Januar 1539. 9Juntiatnr= 
berirf)te III, ®. 393. 

96. (®. 26.) (5benba @. 535. @at)ango§ VI. 1, ©. 143. 

97. (8.26.) S^ergl. bie 33riefe 2lgutlar§ an ben Ij^aifer bei 
@at}angog VI. 1. 

98. (®. 27.) @at)angü§ VI. 1, ©. 143. ^htntiaturbericöte IH, ©. 525. 

99. (©. 27.) attbier I, ©. 445. (S^fe§ (Conc. Trid. IV, @. 177 n. 2) 
interpretiert anber§, inbem er Quiüones ber SJIe^rsa^l ber S?arbinälc 
folgen läfet; boc^ offenbar mit Unrccf)t. gapaffo (1. c. ©. 28) f)ält ben 
21. Slpril 1539 für ben D[ter= nnb alfo für hen (Sröffnungätermin, ber 
in SBirflic^feit ber 6. Slpril 1539 mar; (Sapaffo üerioedöfelt 1538 nnb 
1539. 

100. (@. 27.) 9hintiaturbericf)te IV, @. 27. ©imoneta mar am 
16. Tlax (anf biefen Xag ift ba§ ©cftreiben bei @ai)ango§ VI. 1, @. 154. 
3U batieren ; e§ ift baSfelbe mie ba§^ bor^ergef)enbe ©. 151) nod^ in 9Jom. 
S)er a3efel)l oom 15. a>Jai an Jlieanber, nad) SSicensa ab,^nretfen (9hmtiaturs 
berichte IV, @. 53), nnirbe offenbar in ber erften ©ntrüftnng über ben 
^ranffiirter Slnftanb, ben jener nid)t gn Per[)inbern gemußt, gegeben; man 
moüte i|n au§ ®entfd)Ianb entfernen. 

101. (©. 27.) f5-arnefe an g.^oggio, 12. nnb 23. Slpril 1539. Conc. 
Trid. IV, ©. 176. 177. 

102. (©. 27.) Stguilar an (£oPo§, 7. ajJärg 1539. @al}ango§ VI. 1, 
©. 120. 

103. (©. 27.) ^OQQio an ^ole, 2. mai 1539. Shmtiaturberic^te IV, 
©. 39. <i)a§ betfeffenbe ©djreiben an ben 5J5apft mnfe am 15. ober 16. d)M 
ongefommen fein; benn an§ bem Schreiben f5arnefc§ an 5^1eanber (eben* 



79 

ba ©. 53) ergibt Ffic^, ba^ e§ am 15. Wlai noc^ nicf)t angelongt irar, 
lüäf)renb bcr ^apit bereits am 16. barüber mit Slguilar iprad). @ai)ango§ 
VI. 1, @. 157. 

104. (@. 28.) f^arnefe an 2([eanber, 15. SÖlai 1539. 3iuntiatur= 
berichte IV, (S. 54 f. 

105. (©.29.) ®benba@. 404. 2)a§ ©utac^ten trägt ba§ 2;atum 
bc§ 14. Mai; anfc^einenb aber famtte 2}iorDne beii 5'i^anffurter dh^^ 
nod) nid^t. 

106. (@. 29.) @at)attgo§' VI. 1, @. 157. 

107. (S. 29.) Conc. Trid. IV, ©. 178. 

108. (8. 29.) ©benba ®. 178. 179. 9^untiaturbcrid)te IV, [B. 67. 

109. (©. 29.) (Sbenba S. 87. 

110. (@. 29.) 6-benba ©. 110. 

111. (<2. 29.) ®ie Snftruftion 5-arnefe§, am 19. mal, alfo öor ber 
©ufpenfion, ausgefertigt, finbct fic^ bei 5|3ieper, @. 163, im 2lu§äug bei 
9lal)nalb mx. 24. 

112. (@. 29.) ®er £aifer an 2(gni(ar, 3. 3uli 1539. ©aijangoS 
VI.l, e. 168.^ 

113. (@. 29.) f^arnefe an ^aiü IH., 21. Suni 1539. Conc. Trid. 
IV, @. 180 f. 

114. (@. 30.) Corpns Reformatorum m, @. 649. 793 

115. (©. 30.) ®er taifer an Stguilar, 15. ©eptember 1539. ©aliangoS 
VI. 1, @. 185. 

116. (®. 30.) Seine ^nftruftion Bei 23aumgarten, tarl V., 23b. III, 
@. 365. aSergl. ^ieper, ©. 167. 

117. (©. 30.) 5)öainger, Beiträge ©. 22 ff. 

118. (!©. 32.) 35ergl. ^iergu: älJofeS, bk 3ie(igion§üer^anblungen 
3U §ageuau unb SBorm», ©. 8 ff. 

119. (©. 32.) 2;en ba^% ^on^il betreffenben 2;eU ber Snftruftton 
g-arnefeS fte^e Conc. Trid. IV. Slppenbij ©. CXXXIX. ©benba ®. 182 
n. 2. a^ergl. Brewer and Gairdner, Calendar of Letters etc. S3b. 14 b, 
Sir. 600. 

120. (6. 32.) Conc. Trid. IV, @. 183 9lote. 

121. (©. 32.) ^ittricö, ^iuntiaturbertcftte ©ioüanni 2)forone§ 1539. 
1540, 6. 57—66. 

122. (<S. 33.) De Leva, Storia documentata di Carlo V. etc. III, 

©. 298. 

123. (6. 33.) moxone an ©. ^-iore, 8. 2lpril 1540. ßacmmer, 
Monumenta Vaticana, (©. 255. 

124. (@. 33.) De Leva III, @. 300. 

125. (©.33.) S)ie ©efanbtfdiafl mürbe gefüf)rt üon bem aSifc^of 
üon tamienice, 2Bi(amom5ti) ; üergl. ®embin§fi), Sie Scfdjirfung beS 
SribentinumS burd) ^olen unb bie f^rage bom 9tationaIfou,5iI, ©• 4. 
ferner: Conc. Trid. IV, ©. 186 n. 2. 



80 . 

126. (©. 33.) f^fltnefe on $aul III., 6. STprir 1540. Xittrtc^, 9lun= 
ttaturberidjte <B. 106—108. ajiorone an @. %ioxt, 8. Sl^rtl 1540. fiaemmer, 
€. 253—260. 

127. (<S. 34.) SJBalcö, ßut^er§ Jämtlic^e ©cörifteit, S3b. 17, ©. 451 ff. 

128. (@. 34.) Stttricö, 01unttaturbericf)te @. 119 n. 1. 

129. (S. 34). Consilium Alexandri Farnesii et Marcelli Cervini 
cardinalium Carolo V exhibitum, 21. Slprtl 1540. Conc. Trid. IV, 
©. 182—187. 

130. (@. 34.) De Leva III, ®. 301. ®tttrtc^, 9lunttaturbcrtcötc 
<S. 117. 

131. (@. 35.) 2lu§ einem »ertd)t an 2(gutlar. Conc. Trid. IV, 
®. 188. 

132. (@. 35.) 2)brone an ©. t^iore, 25. 2lpril 1540. Stttric^, @. 123. 

133. (©. 35.) 5l.^oggio an 5ßaul III, 24. 2l}jril 1540. ®ittric^, (S. 124. 
Conc. Trid. IV, (g. 189. 

134. (@. 35.) 3)ittricö @. 120. 

135. (@. 35.) De Wette V, @. 315. 

136. (©.35.) Conc. Trid. IV, ©.189. 453 f. S^ittric^, ©afparo 
ßontarini, ©. 404. 

137. (©. 36.) ßeröini an Woxont, 2. 3uli 1540. Sittric^, 9htntiatur= 
berichte, ©. 155. 

138. (©. 36.) SJJorone an garnefe, 28. Scsember 1540. SJanfe, 
<Deutfd)e ©efdnc^te 2C., 58b. VI, ©. 179. 2JJoranbi, Monumenti di varia 
letteratura Ib, ©. 99. 

139. (©.36.) moxont an garnefe, 10. Sannar 1541. SDJoranbi 
1. c. 94—98. 

140. (©. 36.) SSergcriii an 5lleanbcr, 23. Februar 1541. Saemmer 
©. 357. 

141. (@. 36.) ®te Snftruftion (?ontarini§ bom 28. Januar 1541 
finbet fid) gan^ bei 2i)ioranbi ©.112 ff. nnb bei Cuirini, Epistolae Eegi- 
naldi Poli IE, ©. COLXXXV ff., tcilffieife Conc. Trid. IV, ©. 192 f. 

142. (©. 37.) 15. dMx^ 1541. Corpus Reforraatonm IV, ©. 123 ff. 

143. (©. 38.) ßaemmer ©. 367. SS. ©rfiul^e, Sreigebn ©epefc^en 
Contartni§ an§> 9tegen§burg. geitfc^rift für ^ir(^engefd)i(f)te III, ©. 156 f. 
putrid), 9{cgeften, dlx. 613. 

144. (©. 38.) aJJorone an f^arnefe, 1. mäx^ 1541. ßaemnter ©. 363. 

145. (©.38.) SSergl. a^ctter, ®ie DJeUgtonSber^anblnngen auf bem 
Wxdj^taqe gu 9fiegen§burg 1541. 

146. (©. 39.) atanfe VI, ©. 162. 

147. (S. 39.) Cuirini III, ©. CCXXXI. 

148. (©. 39.) g-arnefe an (^ontarini. Cuirini III, ©. CCXL. 
Saemmer 376, tcitoeife Conc. Trid. IV, ©. 195, 

149. (©. 40.) Stntoort ber $;?roleftanten auf bie faiferlic^e 5prD= 
^ofition, 9. »tpril 1541. Coi-p. Ref. IV, ©. 158. 



81 

150. (©. 40.) fien^, SBriefroedöfel ^f)t(tpp§ üon .*öcffcu unb Söucerg, 
III, (g. 91. ®er SSertrag mit ^4-^^iHpP, bcr aurf) 2)Jorit,^ üon @ad)fen cin= 
fcf)Iofe, irurbe am 13. 3i"ii gcfc^Ioffen. 

151. (5.40.) Slguilar au bett SJaifer, 14. 3um 1541. Sjfitteidmgen 
be§ SnftitutS 2C. V, @. 163. 

152. (<S. 41.) ^eitfcftrift für ^ircf)engcicl)td)te in, ©. 176. 

153. (@. 41.) C"'iflortfd)e§ Safirbud) bcr @örrc§ = @efeafcf)aft TV, 
<B. 625. (S)ittric]&, 5hnitiaturbcridöte 2)k-)rone§ 1541). §ift. 3af)r6. T, 
@. 487. (5)3aftor, gürrcfponbcn,^ bc§ 6arbmal§ (5!ontarint.) 

154. (@. 41.) Responsura Caesareae Majestatis suier concilio. Conc. 
Trid. IV, ©. 196. SSergl. §tft. 3al)rb. I, @. 499. ®ittrid), SHegeften, 9h-. 785. 

155. (@. 42.) 2tm 29. 3iini inad)te (Sontarini bcm 9hintiu§ in 
i^tanfreidö bie 2}{ittethmg (2}toranbi Ib, @. 180), in bcn iiäc^ftcn Xagen 
bem 2}Jainäer unb bem baprifc^cu ©cfretär (2)ittTic^, 91egc[ten, ^Ir. 793). 

156. (@. 42.) ^ittrid), »tcgcftcu, Ütr. 799. 

157. (@. 42.) ebenba 9Jr. 803. 

158. (©. 42.) iibcnba dlx. 793. 

159. (6. 42.) JQift. 3at)rb. IV, @. 631. 

160. (@. 42.) 9Japnalb 29. 

161. (©. 42.) m. 3af)rb. I, @. 490. 

162. (6. 42.) Corp. Ref. I\', (S. 510. 

163. ((S. 43.) §i[t. 3nt)i'6. I, @. 491. 

164. (@. 43.) ©benba @. 497. 

165. (2. 43.) Corp. Ref. IV, @. 517. 

166. (@. 43.) ebenba @. 525. 

167. (@. 43.) ©benba @. 526. ©ine igcparatnntmort S8apern§ 
finbet ftc^ Conc. Trid. IV, @. 201. 

168. (8. 44.) Conc. Trid. IV, ®. 197. SSergl. mal) , 2(Ibred)t üon 
m<xm 11, @. 264. 

169. (6. 44.) Corp. Ref. IV, ©. 5.53. 

170. (@. 44.) Bettfcörift für tird^ugcfdlidite III, @. 181. 2)tttrid), 
9?egefteu, 5Jh-. 819. 

171. (©. 44.) Corp. Ref. IV, 6. 587. 

172. (@. 44.) 3eitfd)rift für tird;engefd)ic^te III, @. 183 f. 

173. (@. 44.) Corp. Ref. IV, ©. 600. 

174. (@. 45.) ©beuba S. 601. Conc. Trid. IV, 6. 202 f. 

175. (©.45.) Corp. Ref., @. 595. 6-l)fe§ Slnftcftt (Conc. Trid. IV, 
®. 204 n. 1), bafe bie ^atI)olifen enblid) auf (Jontarini§ ■drängen auf» 
gcf)ört l)ätten, baS S^ongil auf beutfdöcm 23oben ju forberu, finbet burd) 
nid)tÄ tljre Seftätigung. @. Corp. Ref. IV, @. 595. 

170. (@. 45.) §ift. Saljrb. I, ©. 498. 

177. (@. 45.) §ift. 3af)rb. IV, @. 639 f. 

178. (©. 45.) Corp. R'^f. IV, @. 618. 

179. (©. 45.) ®ittri4 JRegeften. 3"ebita 5Rr. 86. 

Aorte, fiotiäiläpolitif Äarlä V. G 



82 

180. (@. 46.) Sententia Alberti Cardinalis Maguntiui de loco et 
modo concilii celebrandi. Conc. Trid lY, <B. 203. 

181. (©.48.) SSergl. ©tmonetti, II convegno di Paolo III « e 
Carlo Y» in Liicca. 

182. (©. 48.) eapaffo 1. c, (g. 33 f. 

183. (®. 49.) Conc. Trid. lY, ©. 205. 

184. (@. 49.) ßapaffo <S. 34 n. 1. Conc. Trid. lY, dlv. 158 ff. 

185. (@. 49.) Sncmmer ©. 391. @at)aiigo§ YI. 1, @. 397. Conc. 
Trid. lY, @. 207 n. 1. (Sd)on 1524 ^atte il'arl S;rient ber ^iiric al§ einen 
Drt Dorgefd}lagen, üon Uio au§ ba§ ^ou3il ficft Ietd}t nad) Stalten öer= 
legen Itefee (§efele IX, @. 370). Sind) in 9iegen§bnrg tourbe Orient 
genannt mtb glüar bieSmal bon päbftlidjer (Seite. SSergl. bie 3"ftrufUon 
für SSega, @al)angD§ YI. 2, @. 560. 

186. (@. 49.) S-^erallD an ^-arnefe, 22. ^egeniber 1541. ^Baüabicino, 
libro lYo, capo 16. 

187. (@. 49.) SaufferatsSfiabel, Corresp. politique de Guillanme 
Pellicier, @. 439. 

188. (@. 49.) »reiner = ©airbner XYI, 9lr. 1222. 

189. (O. 49.) ©imonettt berfnc^t, ang gcitgenöffifc^en nnb fiiiitcren 
©djriftftencrn jn eruieren, um inetc^e ©labte c§ ftd) in üucca get^anbelt 
ptte. 3lbgefel)en babon, ba^ er 9}at)nalb gans falfd) interbrcticrt — er 
nerlegt ben 23eric^t 2lrbing:^clIo§ (f. u.) in biefe Qdt, inaS allerbingg burc^ 
9iaijnalb§ unflare S)arftenung berfc^ulbet inirb — ?ieigt fic^, ha^ nur 
SJhiratori ba^^ dlid)ÜQt getroffen \)at, ber fagt, bafe e§ in £ucca 3U feinem 
©ntfdjiuffe gefommen fei. 

190. (©. 49.) ®ittricf), 9{cgeften, 5lnl)ang dir. 12. 

191. (©. 49.) De concilii celebratione sententia Contareui cardi- 
nalis, 15. Dftobei 1541, Conc. Trid. lY, @. 208. 

192. (@. 49.) Epistolae Sadoleti III, @. 292. SJfüranbi ©. 208. 

193. (©. 51.) Über bte ba§ ^onail betreffenbeu 33erl)anblungcn 
©ranbeHag in 9tom ftnbct fic^ ein au§fül)rlid)er 23erid)t in einem Schreiben 
5lguilar§ nnb ©ranbeHaS an ben ^aifer bom 22. 5)iobcmber 1511. 
@ai)ango§ YI. 1, ©.396—406. ©ie^e ferner: f^arnefc an ^saul III. unb 
g-arnefe an 5|3oggio. Conc. Trid. lY, ©. 210 ff. 

194. (©. 51.) (Jontarini an ©ongaga, 19. 9lobember 1541. 3'i'ic5)cn§s 
bürg, Sriefmecl)fel, ©. 59. 

195. (©. 52.) 23orlrag 2lrbtngt)cüo§ bei grang I. Conc. Trid. lY, 
©. 206. 2;ommafeo, Relations des ambassadeurs Yenitiens I, ©. 136. 

196. (©. 52.) Conc. Trid. lY, ©. 207. 210. 214. 

197. (©.52.) (Sbenba ©.222: ... a Sua Maestcä Christianissima 
non pareva che in Italia ne fusse (loco) idoneo, come di bocca disse al 
vescovo di Fossombrone (Ardinghello). 

198. (©. 25.) C5^ontarini nu ©onsaga , 7. Januar 1542. g-rteben»= 
bürg, 2}rieficed)fel, ©. 59. 



83 

199. i<B. 52.) ®te üon eontarini üerfafetc Snfiruftion 9)Jorone§ bei 
9iai)nalb 2—8, tetOüeife Conc. Trid. IV, ©. 214. @ie be3ief)t fi(^ auf 
Stotiäil, 9ieform, 2tga luib Sürfen^ilfc' 

200. (©. 53.) Sacmmcr g. 401 ff. 

201. (@. 53.) (Sbenba ©. 404. 

202. (@. 53.) ©benba ©. 412. 

203. (@. 53.) ^andjop an ^antefe, 24. f5-ebruar 1542. Seitfc^rift 
für tirc^engefc^icfite XXIII, (S. 457. 

204. (®. 53.) aSergl. bajU Scns, 23rtefroed)fet, III, @. 151 ff. STraut, 
Ä'urfürft 3oadöim n. üon SSranbenbiirg unb ber Xürfenfelbsug 1542, 

205. (©. 53.) aSerallo an g-arnefe, 22. ^^esember 1j41. ^(Jaaabicino, 
libro IV«, capo 16. 

206. (@. 53.) Saemmer S. 404. 

207. (@. 53.) e-benba ©. 411. 

208. (@. 54.) (^benba ®. 407 f. 

209. (@. 54.) g-arnefe an aUorone, 28.3anuar 1542. ^^icper, @. 176. 

210. (®. 54.) ^arnefc an SDJorone. ^J^ieper @. 177. Conc. Trid. 
IV, @. 217. 

211. (@. 54.) 3)icfe ©teße fcf)lt in Conc. Trid. IV. 

212. {<B. 54.) ®ie «jßrDpofttion a}Jorone§ Conc. Trid. IV, @. 218. 

213. (@. 54.) ebenba @. 219. 

214. (©. 55.) Pieper @. 181 f. 

215. (©. 55.) Alia propositio a Joanne Morono facta die 1. aprilis 
1542. Conc. Trid. IV, @. 220. 

216. (@. 55.) ebcnba @. 221. 

217. (@. 55.) Saemmer @. 424 ff. 

218. (©. 55.) ®eutfd)e 9ftei(fj§abfd)tebe II, @. 444—470. 

219. (@. 56.) Conc. Trid. IV, ©. 223 u. 3. 

220. (@. 56.) ebenba ©. 231 n. 1. 

221. (@. 57.) State papers of the reign of Henry VIII, IX, ©. 135. 

222. (©. 58 ) 58eraao§ unb %xn(i)W Intimatio concilii universalis. 
Conc. Trid. IV, 8. 234—236. ®te 2(ntiDort ber ©tänbc ebenba ©. 237. 
58ergl. 2i5infelmann, g^oUttfc^e torrefponbenj, III, @. 306. 

223. (@. 58.) Conc. Trid. IV, ©. 237 n. 3. 

224. (@. 58.) ®eutfrf)e 9ietc^§abfc^tebe II, @. 470—481. 

225. (@. 58.) (£apo bt ^-crro an ^-arncfe, 17. Slpril, 13. Wai, 
24. Sultl542. Conc. Trid. IV, ©.222.224.233. 23retüer = @airbner XVII, 

$nr. 530. 

226. (<S. 59.) Kaneftrini, Legazioni di Averardo Serristori, ®. 125 ff. 

227. (@. 59.) tarl an g-crbinanb, 11. 2luguft 1542. SBicncr Popiav 

II, 27. 

228. (@. 59.) @rft um bcn 20. ?luguft erl)ielt ber «aifev bic uoiu 
10. 3uli batterte unb am 20. 3»H publiaierte ^riegScrflävung buvd) bcn 
jüngeren (Sraubeüa. State papers IX, @. 131. 

6* 



84 

229. (@. 59.) ^ad) ^ranfreic^ folltc ©abokt, sunt Äatfer (Eontarhti 
flcl)cn; an (£ontartni§ ©tcUc trat bann bcr Sarbinal üon SSifeii. 

230. (©. 59.) S)a§ am 18. ©cptcmbcr bcm ^:}]apfte in 5JJerugia 
(Conc. Trid. IV, @. 245 n. 1) überrei(^te (Sd)rift[tit(f finbet fic^ oft ah' 
gcbnicft, siifcfet Couc. Trid. IV, (S. 238—245. ®ntfprecf}cnb feiner früfien 
5yeröffentlic{)ung ift e§ Don ben mciftcn §iftorifern benii^t. 2lMe fid) an» 
ber 2;arftc[Iung ergibt, ift c§ nid)t eigentlid) burcf) bie pöpftlidK 'S^nlic, 
fonbern erft burd) bic fpätercn (Sreignifie berantafet. ®a§ Unpaffenbc be§ 
Vergleiches mit bcm ä^ater im ©Dangelinm, ber bcfanntlic^ üielmeljr ben 
üetfcftmenberifcöen @ol)n überrafd)enb gütig onfnat)m, fällt in bie Singen. 
23ei ©aijangoS VI. 2, @. 216 finbet fid) tat)äcl)lid) eine burc^aug einleudjtenbe 
Slbmeic^img, inbem ^ier @Dtt in feinem SSerl^alten gu Äatn unb 2lbel al§ 
2)hifter aufgeflellt mirb. 3"i5em finbet fic^ in bem antlientifc^en Se^le 
ein SSiberfpruciö an biefcr ©teile, ber bic llngefd)idlic^feit ber .^orreftur 
noc^ mel)r Ijeröorl^ebt. 

231. (©. 60.) Bonner to Henry VIIL, 14. ©eptember 1542. 23onner 
Bemerft non ber 23ntle: The Nuucio has kept it very close. State 
papers IX, <B. 170. 

232. (®. 60.) taule! @. 332. 

233. (@. 60.) @al)ango§ VI. 1, @. 378. 23remer = @airbner XVI, 
gjr. 1323. 

234. (©. 60.) Paget to Henry VIIL, 22. »Ipril 1542. (55airbner= 
58robie XVU, @. 145. 

235. (©. 60.) ^anlef ©. 415. 9iod)mal§ im 9^oüember. State 
papers IX, @. 226. 

236. (@. 60.) @at)ango§ VI. 2, @. 93. 5?arl an ^ferbinanb, 
11, 2luguft 1542. SBiener (?opiar II, 27. 

237. (©.61.) @airbncr = 23robie XVII, @. 437. 

238. (6. 61.) (Sbcnba dlv. 905. 9lod) am 15. September berid)tet 
33onner (cbenba 3lx. 797), ba^ er üon be§ Äaifer§ Jintmort an ben ^ap]t 
nichts meiter gcprt ):)abt; er ^at fie offenbar bem — einjigen — bei 
©airbner fel)lenben ©cftreiben öom 20. ©eptember beigelegt, ba er am 
4. Dftober bie erfolgte Überfenbnng ermäl)nt. 

239. (©. 61.) @ai)angoS VI. 2, ©. 173. 

240. (©. 61.) 3n '3)entfc^lanb erfiiljr man im Segember baoon. 
©ailer an ben Sanbgrafen, 29. Scäcmber 1542. Ccnj III, @. 240. 3ih 
.^annar fd^idie 3afob ©türm Hon 9Jürnberg an§ eine ^opie an ben 3}at 
üon ©trafebnrg. SBinfclmann III, ©. 343. 3m Xrnrf erfd)ien e§ 1543 
al§ „9iömifcö S^aif. 2JJaieftät 6aroli V Slntmort auff Sapft ^auli au§= 
fdireiben". Conc. Trid. ©. 238 n. 5. 

241. (©. 61.) ®er fpäteren ^öei^anptung ©ranbeüaS gegenüber Ctto 
Xrudjfefe, bafe bic Stbfenbung gegen feinen Sönnfc^ gefcfte^en fei (Conc. 
Trid. IV, ©. 321), ift natürlich bei bcr befannten Xoppeläüngigfcit be» 
2)Hnifter§ menig SSert beignmeffen. Safe ber Slutor im Kabinett ©ranöella» 



85 

all iucfteu ift, borauf fc^emt audj ber Slbbvucf bei Sßcife (Papiers d'etat) 
gii beuten, ber augenfdieinlicf) bcti Griginalentlrurf in Sefancon be= 
nu^t i)at. 

242. (6. 61.) 2luf bem 9ieicft§tage ju ©peier ergätjUe £eDnt)arb üon 
©cf bem ^effifdien 9iat 8c^cncf, bafe „ber ©ranfeüa ba§ concilium bifeer 
git bi)m babft loiiberraitcn" ijabc. Seng III, ©. 215. 

243. (©. 63.) 5}.^oggio an g-arnefe, Dftober 1542. S. Mt«^ istessa 
mi volse dar conto dell' andata di Monsiguor di Granvela et ini disse 
che principalmente havia deliberato maudarlo per la celebratione, che 
non vuole mancare in modo alcuno, et che si dica lo disturha Ini, che 
serapre lo ha desiderato, et cosi piaccia a Dio si facci in quel bene che 
haveria di bisoguo la christianitä che S. S<^a lo proveda bene , perche 
non mancherä mai dell' offitio suo. St. A. Florenz, Carte Cerviniane E. 
^4.*oggio an f^arnefe, 30. Dftober 1542. ©benba. SSergl. ^^arnefe an ^^oggio, 
19. 6c|)tember, 3. g^oüembcr 1542. Conc. Trid. IV, ©. 247. 276. 

244. (@. 62.) Mandatum Caroli V in oratores ... 18. Cftober 1542. 
Conc. Trid. IV, @. 263. tarl an ^-erbinanb, SBarcelcne, 31. Dftober 1542. 
... je me suis enfin resolu faire repasser le S^ de Grantvelle en Ytalie 
soubz couleur du concille excusant la tardance sur la guerre et difficulte 
du passaige, et qu'il prengne son chemiu droit ä Trente, advertissant 
mes ministres et mesmes mon ambassadeur ä Rome de ce que sera ä ce 
propoz, pour s'il y a apparence de quelque bon commencement et 
esperance d'eff'ect au dit concille comparaistre de ma part. Et sera le 
pouvoir qu'il portera sur le raarquis d'Aguilar, ledit S^ de Grantvelle, 
l'evesque d'Arras et don Diego Mendoce, et chascun deulx, afln que 
en tous advenemens combien quil y a peu ou point de fondenient 
audit concille, passer oultre en la Germanie. SBiener (Sopiar II, <£. 40. 

245. ((©. 63.) $Berg(. 9tai)nalb dlv. 31. 32. 39. Conc. Trid. IV, 
©. 233. 259. 276. 279. 281. 283. 294. 295! 296. 

246. (©.63.) ebenba ©.262. 

247. (©. 63.) ebenba ©. 246. 2)er S3t)cf)of bon 58erona mürbe 
burd) einen ©treit mit ben SSenettanern oer^inbert, nac^ Xrient su get)en. 
(5benba n. 1. 

248. (©. 63.) ebenba ©. 251. 252. 254. 264. 266. 278. 280. 284. 
285. 290. 291. 293. 

249. (©. 63.) (^-benba ©. 261. 

250. (S. 63.) (5benba ©. 275. 

251. (©. 63.) %axnt\e an C^apo bi ^erro, 29. 3uni 1542. ©benba 
©. 232. 

252. (©. 64.) (fbenba ©. 248. 287. 

253. (©. 64.) 2tguilar an ben taifer, 14. Sanuav 1543. 25ev I)icv 
eririäl)nte ©o^n @raniiella§ mar X^omaö $errenot, sieur de Chantonnay. 
@ai)ango8 VI. 2, ©. 200. 

254. (©. 64.) 2)e§iait.in§, Xegociations III, ©. 39. 



86 

255. (©. 64.) Stelle barüber ben au§fü:^rli($en Bericht ber ßegaten, 
Conc. Trid. IV, @. 297—300. 

256. (©. 66.) (Sie^e btefen, fotüie bie Dtebe (5}ranbeIIa§. (5benba 
©. 300. 

257. (@. 67.) mmba @. 304 f. 

258. (©. 67.) @al}ango§ VI. 2, (S. 212. 

259. (@. 67.) ®te Segaten an ^-arnefe, 17. 3amtar 1548. Conc, 
Trid. IV, ©.'SOS. 

260. (©. 67.) 2}crgl. baju befonberS Sens, 1. c, SSinfelmann, I. c, 
unb 33ranbenburg, Sßolttifc^e ^orrefponbeng SKort^' üon ©ac^fen I. 

261. ((S. 67.) Conc. Trid. IV, ©. 248. 

262. (@. 67.) @airbncr=23robie. XVII, 9Ir. 936. 

263. (@. 67.) £te 93enac§ric^ttgung 2Jlabruä30§ öon fetner ©r« 
nennung finbet ficö bei 23oneüi, Notizie storico - critiche snlla chiesa di 
Trento, III, P. I, @. 400. 

264. ((S. 67.) Sranbenburg @. 503. 

265. (@. 67.) Moniimenta Hungariae historica. 33eiic^te ^arnefeS 
unb ?(^aiü§ III., @. 166. 

266. (@. 68.) Epistol. raiscell. ©. 354. 359. 364. 
2)ie Segaten an f^arnefe, 12. ^nttuar 1543. Conc. 

©aljangog VI. 2, (S. 256 f. 

Conc. Trid. IV, (S. 308, 309 n. 2 f. 

ebenba g. 315. 

©benba ©. 309. 311—314. 316. 

3n Sfürnberg »Dteberliolten bte (Sdjmalfatbener {f)ren 
5J3roleft, bev üon ben Äalf}olifen .surücfgeroiefen lüurbe. Über bie Söttg* 
feit be§ 9Juntiu§ üergl. Conc. Trid. IV, @. 317 n. 1, 319 ff., 325 n. 6. SDer 
Dte^efe erlüSi^ntc treber ben 9hintiu§ noc^ ba§^ ^fonsil. Über hie ah' 
Ief)nenbe Haltung ber (Scblneiser — ^roteftanten mie tat^olifen — bergl. 
eibgenöffifcöe Slbfcftiebc IV. Id, 8. 238; ferner SBinfelmann 1. c, ©. 377, 
fotüie 2)kl)er, bag iiongil üon Orient unb bie (Gegenreformation in ber 
@($li)ei3, <B. 11. ^-rans I. fct)icfte im ^-ebruar einen ©efanbten, 2)Jr. 
be ©tnei}, ber bie Sfßeigerung be§ fönigg, ha^ fon^U jju befd^iden, be» 
grünben foüte ((Sai)ango§ VI. 2, ©. 258 ff. unb 265 f.). 

273. (@. 68.) ?lu§ ®eutfd)Ianb fanien bie 33ifcf)öfe üon §itbe§^eim, 
93feifeen unb (Sid)ftäbt, foinie 5)3rofuratoren ber er^bifc^öfe üon Wlain^, 
(Salzburg unb Srier. 3Son ben ultramonianen ^ßrälaten erlüä^nt S)brone 
3toei (Sräbifdjöfe unb üier $8if($öfe (Conc. Trid. IV, @. 345 f.). 

274. (6.69.) (J-benba @. 328 ff. 

275. (@. 69.) 2)jorone an garnefe, 26. unb 28. mal 1543. ©benba 
335-342. 

276. (®. 69.) 3nftruftion für ben ncnernannten ©efanbten bei ber 
Ätnrie, Suan be SSega, 4. Suli 1543. @ai)ango§ VI. 2, ©.558—575, 



267. 


(@. 68.) 


Trid. IV, 


©. 306.1 


268. 


(©. 68.) 


269. 


(©. 68.) 


270. 


(@. 68.) 


271. 


(@. 68.) 


272. 


((S. 68.) 



87 

kaxi btxiditet am 29. Suli über bic ba§ Slonjil bclrcffcnben Scrfiaiiblungen 
an '^crbinanb : „Quant au concille il a este mis en avant de la part de 
sa dite S'^- de le suspendre jusques l'on veit comme les troubles de guerre 
qui sont en la Chrestiente et les armees du Turcq passeront en autre 
lieu que Trente, pour estre lieu incommode de logis et victuailles et 
mal sain; sur quoy a este remoustre l'offre faicte par sa dite S*^ et de 
son mouvenient en la diette de Eeghenspurg de celebrer le dit concille 
et aussi l'indiction faicte depuis audit Trente, et que la necessite en 
soit plus grande que oncqu'es et que luy et ses legatz et aultres 
officiers avoient tenu pour tres convenable le dit lieu de Trente, et 
s^avoit que relucment (unbeutlid) , öießeidöt recemment) les estatz 
de l'empire s'estoient arrestex, qu'il se y fist et ue pourroie finable- 
ment consentir ä souspension ny translations sans lesditz estatz, puis- 
ques joinctement eulx et moy avions fait instance pour ledit concille 
et qu'il seroit tres requis que avant que y rien innover cecy se 
communiquast avec lesditz estatz pour uon faire chose de plus grande 
confusion ou paradventure de extreme desesperation. Et a este la 
resolution que le pape trouvoit ces considerations tres urgentes et pour 
estre Taffaire de ceste importance le remectoit jusques audit Parme oü 
que tous les cardinaulx se ressembleront ; sur quoy de rechief Ton a 
encoires et par plusieurs fais remonstre expressement et distinctement 
les causes raisons et considerations susdites. ^cfc^tera , 29. Sunt 1543. 
SBiener (Jopiar 185b. 

277. (@. 70.) moxonc an %axmic, 30. Sunt 1543. Conc. Trid. IV, 
©. 345. 

278. (®. 70.) Suspensio concilii, ebenba ©. 352. 

279. (®. 70.) 9iat)nalb, 9ir. 18-20. 

280. (®. 70.) Sie Snftvuftion ©fonbratoS. Conc. Trid. IV, @. 357. 
(Sin a)IemoriaIe 2)fDrone§ für ben au§rcifenben g-arnefe bei SPieper, 1. c, 
6.183. Sm übrigen ift ^icr gu üerglcicf)en: 2)ruffel, „S?arl V. unb bie 
römifcfte ©uric 1544-1546" in ben Slbbanblungcn ber aJlündiencr 2lf abernte 
1877; ferner @a^ango§ VII. 1, @. Iff. 

281. (@. 70.) Sans, ©taatSpapiere tarl§ V., (g. 346. 

282. (@. 70.) Xruffel, 1. c, @. 251. 

283. (@. 70.) 25erg[. aufeer Druffel nod) 2)c. Srofd) in ben miU 
teilungen be§ 3iiftitut§ für öfter. @efc^id)te, »b. 23, @. 127 ff. 

284. (©.71.) Instrucciones de Carlos - Quinto ä Don Felipe su 
Hijo, 18. Sanuar 1548. Söeife, 1. c. III, ©. 269. teröl^n uan fiettenI)ODe, 
Slufsetd)nnngen be§ taiferS Üaxl V., beutfd) öon SBarntönig, ©• 56. 83. 



SJrucf üon ®:^r:öarbt S?arra§, §aße a. ©. 



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